Valess fleischfreie Cordon Bleus

Das Kühlregal mit dem Tofu bietet außer dem Tofu noch eine Reihe anderer vegetarischer Produkte, darunter eine Auswahl von Valess-Produkten. Nachdem die "Frikadellen" letztens recht gut waren, wollte ich diesmal die "Filets" kosten. Alle Packungen sind Zweierpacks und kosten 1,99€.

Auspacken & Zubereiten

Nachdem die Schachtel unterwegs schon halb auseinander gefallen war, ließ sie sich anschließend immerhin leicht öffnen. Öl erhitzt und die Bratlinge vorsichtig reingelegt - wie alle Fleischersatzprodukte auf Milchbasis spritzt es schnell und heftig, auch beim Wenden. Das Braten gestaltet sich unkompliziert, ein einziges Mal wenden genügt, beide Seiten werden gleichmäßig braun. Der ausgelaufene Käse schmeckt sehr käsig, aber auch künstlich. Ein Blick auf die Verpackung bestätigt Zusatz von Konservierungsmitteln.

Geschmack & Konsistenz

Auf den ersten Biss glaubt man noch, tatsächlich in ein Cordon Bleu zu beißen - die Konsistenz ist der von zartem Filet ähnlich und die Panade schmackhaft. Allerdings vermisst man den Käse. Erwischt man dann mal ein Stück ohne Panade, zeigt sich: Der eigentliche Milchbratling hat nahezu keinen Eigengeschmack. Das führt dann dazu, dass die geringe Menge Käse sich gegen das nach nichts schmeckende "Fleisch" kaum durchsetzen kann, schon gar nicht gegen die Panade. Den intensivsten Geschmack hatte noch das ausgelaufene Käsestück.

Auch der zweite Bratling schlägt sich nicht besser. Wie bei so vielen vegetarischen und veganen Produkten, die man statt Fleisch konsumieren kann, ist auch hier zutreffend: Konsistenz und Verarbeitungsmöglichkeiten sind praktisch, aber ohne starke Würzung erhält man kaum Geschmack. Wer also sein "Filet" ohnehin in Ketchup ersäuft, kann das mit Valess auch fleischfrei tun.



Sammlungsauflösung

...aber nicht ohne wenigstens ein Foto rauszuholen.

Zerlegter DVD-Rekorder

Zerlegtes DVD-Laufwerk



Musik-Story 8/2013

Weil heute Musikvorstellungs-Tag ist und ich im August nix nennenswertes kennen gelernt habe (außer vielleicht Ratatat) und die wiederentdeckten 90er schon in einem anderen Post sind, hier noch eine kleine Geschichte um Paris.

Als ich noch öfter als Stagehand gearbeitet habe, gab es dort öfter die Gelegenheit, neue Musik zu entdecken. Wir haben mit Firmen aus verschiedenen Ländern zusammen gearbeitet - Holland, Belgien, Sachsen Frankreich, England, USA. Entsprechend haben die Techniker immer ganz anderes Zeug zum Soundcheck mitgebracht. Irgendwann fragte ich also mal wieder nach, was denn da gerade läuft, der Mensch wusste aber nichts über den Song, außer dass er Paris heißt.

Das Internet kennt aber ja zum Glück alles und so wühlte ich mich durch ca. 100 Titel namens "Paris" auf Spotify, nur um dann festzustellen, dass es sich um den "Aeroplane Remix" eines Songs von den Friendly Fires handelt. So landeten gleich drei Titel in meiner Sammlung - der Remix vom Soundcheck, das Original und ein weiteres Lied namens "Paris" von Geographer, das ebenfalls allseits bekannt ist. Witzigerweise gab's den Remix dann später bei Amazon als Free Download.

Das Internet wusste übrigens auch, welchen Song ich heute fünf Sekunden lang hörte, als ein Auto unter meinem Fenster vorbei fuhr. Irgendwas französisches aus den 90ern, mein Französisch ist nach wie vor lausig und irgendwelches Kauderwelsch eingeben brachte nichts, aber in einer der unzähligen "The 10 XYZ songs of the 1990s" wurde ich dann fündig und erkannte den Namen sofort wieder: Désenchantée von Mylène Farmer, in den Neunzigern bekannt geworden durch Kate Ryan (die auch sonst ungefähr alles gecovert und auf Vier-Viertel-Basstakte gemünzt hat). Désenchantée ist bei Spotify sogar ihr meistgehörter Titel - auf dem Weg hätte man das also auch herausfinden können...

Und wo wir schon bei den 90ern sind - wer erkennt den 90er-Verweis in Aber sicher von Sondaschule (Schnipsel reicht)? ;)



Mixtape aus meiner Kindheit

Vor dem Umzug digitalisiere ich alte Kassetten. Richtige alte 90er-Jahre-Audiokassetten, die ständig Bandsalat bekommen und nach zehn Mal abspielen eiern. Manche werden überspielt, andere einfach durch MP3s ersetzt. Die hier zum Beispiel ist durch den aktuellen 90s-Trend ja wohl wieder total in:

  1. Lou Bega - Mambo No. 5 (A little bit of)
  2. Liquido - Narcotic
  3. Eiffel 65 - Blue (Da Ba De)
  4. Britney Spears - Hit Me (Baby One More Time)
  5. Backstreet Boys - I Want It That Way
  6. Ann Lee - Two Times
  7. Vengaboys - We're going to Ibiza
  8. Modern Talking - You are not alone
  9. Touche - This Goodbye is not forever
  10. Jennifer Lopez - Waiting for tonight
  11. Eiffel 65 - Blue (Da Ba De)
  12. Journey - Wheel in the Sky
  13. Tina Turner - When the Heartache is over
  14. Sasha - I feel lonely
  15. Joe Cocker - Little Bit of Love
  16. No Mercy - Where do you go (my Lovely)
  17. Lou Bega - I Got A Girl
  18. La Bouche - Sweet Dreams
  19. Cher - Believe
  20. Die Ärzte - Männer sind Schweine
  21. Ace of Base - All That She Wants
  22. Celine Dion - My Heart will go on
  23. Shania Twain - That don't impress me much
  24. Titiyo - Come Along

Gitarren wurden überbewertet, Synthesizer waren viel toller. Man beachte auch die Untertitel - was heutzutage "feat. XYZ" ist, war damals eben "(markante Textzeile)". Wobei "markante Textzeile" manchmal gefühlt tausend Mal wiederholt wurde. Der Autotune-Effekt war noch gesellschaftsfähig und man reimte ohne Scham "forever" auf "forever and forever".

Oh, und "Mixtape" haben wir das früher natürlich auch nicht genannt. Auf der Kassette steht "Vermischtes".



231 Tage

Das Projekt 55 in 777, angelehnt an das Day Zero Project, soll über einen großen Zeitraum kleine und große Erfolge sichtbar machen. Dafür habe ich eine Liste mit 55 großen und kleinen messbaren Dingen erstellt und verfolge diese nun 777 Tage lang. So sah diese Liste am Anfang aus.

Gesamtstand: 6/52
Letzter Tag: 20. Februar 2015

Sport / Ernährung

  1. 100 Liegestützen schaffen (?/100)
  2. 200 Sit-Ups schaffen (?/200)
  3. 500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück legen (243/500)
    Auch bei der zweiten Ostfrieslandtour kamen wieder 100 Kilometer zusammen. Außerdem fahre ich nun öfter innerhalb der Stadt, dabei haben sich immerhin 33 weitere Kilometer zusammengekleckert.
  4. Mindestens jede zweite Woche zum Badminton (16/55)
  5. 2 Wochen vegan leben (0/2)
  6. 10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen (2/10)
    Pizza nach italienischer Art (die tatsächlich anders ist als die deutsche); Tofu wie er im Vietnam gebraten wird.
  7. Zu Weihnachten mindestens 10x backen (0/10)
  8. Marmelade selber machen
  9. Pudding selber machen

Digital

  1. Alle 77 Tage ein Update dieser Liste posten (3/10)
    Okay, diesmal bin ich einen Tag zu spät, gestern musste ich länger arbeiten!
  2. 100 Artikel schreiben, die nicht Teil einer Serie sind (55/100)
  3. Portfolio-Website fertig designen
    Das ist eigentlich auch ein blöder Punkt, weil er nicht messbar ist. Was ist "fertig"? Was soll überhaupt rein ins Portfolio?
  4. Mein gesammeltes Videomaterial von TEN SING zusammenschneiden (0/3)
  5. 15 Beiträge zu Habari leisten (veröffentlichte Plugins oder Themes oder Core-Bugfixes) (6/15)
    googleauth, githubauth, socialadmin, Fix für #353, #488, #494
  6. Eine Woche offline gehen (0/7)
  7. 1000 Posts erreichen (915/1000)

Foto / Musik

  1. Portfolio mit min. 20 Fotos pro Kategorie füllen (0/60)
  2. 100 Songs am Schlagzeug vollständig spielen können (18/100)
  3. 50 Songs am Bass spielen können (7/50)
  4. 10 Songs an der Gitarre spielen können (0/10)
  5. Jeden der 101 Stadtteile von Dortmund fotografisch darstellen (0/101)
  6. Weiterhin min. 1x im Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen (1/2)
    Dieses Jahr waren es Yeah Yeah Yeahs in Amsterdam. Fantastisch! hahahah
  7. Einen Film selber entwickeln
  8. Einen "Lost Place" besuchen
  9. Beide CD-Regale füllen (115/174)

Reisen

  1. :check: Beim Kirchentag in Hamburg dabei sein
  2. Beim Rothaarigentag in Breda dabei sein
  3. :check: Beim YMCA-Festival in Prag als Volunteer dabei sein
  4. Eine Interrail-Reise machen
  5. :check: In einem Nachtzug schlafen
  6. Eine Reise nur mit Couchsurfing bestreiten
  7. Eine Reise nur mit dem Fahrrad bestreiten
  8. Eine Deutschland-Rundreise machen
  9. Nochmal nach Brighton reisen
  10. Beim Kirchentag in Stuttgart dabei sein

Freizeit allgemein

  1. :check: Erdbeeren pflücken gehen - war ich nicht mehr seit ich Kind war!
  2. 10 Dortmunder Clubs / Kneipen besuchen (1/10)
  3. :check: Geocachen gehen
  4. Die Herr der Ringe-Trilogie lesen (0/3)
  5. 5 Bildungslücken bei Filmen schließen (1/5)
    Gesehen: Die fabelhafte Welt der Amélie
  6. 5 Träume aufschreiben (0/5)
  7. An einer Demo teilnehmen

Bildung

  1. Jede Woche einen zufälligen Wikipedia-Artikel lesen (0/111)
    Hust... sehr konsequent durchgezogen...
  2. Jeden Monat einen zufälligen englischen Wikipedia-Artikel lesen (0/26)
  3. Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben (0/3 - A1, A2, B1)
  4. Begrüßung und Verabschiedung in 10 Fremdsprachen lernen (4/10)

Organisation

  1. Regelmäßig (wöchentlich) den Finanzplaner in Ordnung bringen (33/111)
  2. Weihnachtsgeschenke spätestens Nikolaus zusammen haben (0/2)
  3. Jahresrückblick spätestens am 28.12. fertig haben (0/2)
  4. :check: Keller aufräumen

Menschen

  1. Nachbarn ansprechen (1/7)
  2. Alle TEN SING-Gruppen im Westbund besuchen (11/34)

Aber das Leben ist nicht komplett messbar... in den letzten 77 Tagen

  • habe ich schon mehr Leute vom Atelier kennen gelernt als von den Nachbarn aus meinem Haus (alles echte Berufskünstler, und alle total nett!),
  • schrieb ich mich an einer Uni ein, die über 500 Kilometer von meinem aktuellen Wohnsitz entfernt liegt,
  • lernte ich viele wunderbare Menschen kennen und
  • fügte ich einen zweiten Auftraggeber zu meinen Selbstständigkeits-Kontakten hinzu.


Australier, Inder und die deutschen Nachrichten

Neulich war ich mal wieder auf einer Party, auf der ich kaum jemanden kannte, dafür aber umso mehr Leute kennen gelernt habe. Zwei davon waren in Australien für Work & Travel und auf dem Rückweg ein paar Tage in Dubai, eine war mal in Indien. Alle drei hatten eine Menge zu erzählen...

...von dem Typen im Bus in Indien, der sich einfach einen runtergeholt hat an zwei Mädels im Bus, auch nachdem sie ihn entdeckt hatten noch bis zum Ende.
...von dem Australier, die nach einwöchiger Geschäftsreise zu seiner Frau nach Hause gefahren ist - um fünf Minuten später mit Werkzeug wieder zu verschwinden, um zwei wildfremden Work&Travellerinnen das Auto zu reparieren und sie dann für mehrere Tage zu sich nach Hause einzuladen.
...von den Aborigenes, die von den Australiern als Säufer und Spielsüchtige gesehen werden - und es anscheinend tatsächlich sind und aufgrund biologischer Veranlagungen auch leichter werden als wir.
...von australischen Rinderkastrationen, für die ein Taschenmesser völlig ausreicht, und von aggressiven Kälbern.
...vom 99-Jahre-Vertrag, der den Aborigenes nach 99 Jahren ihr Land zurück verspricht, das inzwischen von Australiern mehrere Generationen lang fruchtbar und wertvoll gemacht wurde.
...von den verheirateten jungen Frauen, die ihren Mann um Erlaubnis fragen müssen, um an den Strand zu gehen - und davon, dass ein paar keine Erlaubnis bekommen haben.
...von den 4-Sterne-Hotels mit superfreundlichen Dienern, wo drei Nächte 60€ kosten, in einem Land, das vergewaltigte Frauen wegen außerehelichem Sex vor Gericht stellt.
...von dem Verkäufer in Dubai, der keinen Spiegel hatte und seine Kundinnen daher fotografiert - und dann dazu masturbiert.

Natürlich sind das einzelne, subjektiv erlebte Ereignisse. Aber sie geben einen kleinen, authentischen Einblick in Welten, die wir sonst nur aus den Nachrichten und dem Schulunterricht kennen - und teilweise in einer ganz anderen Darstellung. Dass die australischen Ureinwohner nicht nur Opfer sind ist eine Idee, auf die man in Deutschland nicht unbedingt kommt. Was es mit dem 99-Jahres-Vertrag auf sich hat, muss ich mal gründlicher recherchieren - auf den ersten Blick scheint es dazu nicht besonders viele Informationen zu geben... aber es gab uns einen Anstoß, über die Problematik alter Geschichten und Probleme eines Landes nachzudenken. Auch meine Generation wird immer noch gelegentlich im Ausland als Nazi beschimpft. Auch das Gedankenspiel, wie wir wohl über die Massenvernichtung von Juden und Ausländern denken würden, wenn Deutschland den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte, hat uns schwer zu schaffen gemacht.

Bei den Erlebnissen aus Dubai und Indien hat sich für mich außerdem gezeigt, wie abgehärtet wir längst sind durch die vielen Nachrichten, die uns ständig erreichen. Ich lese wirklich nicht viele Nachrichten - an manchen Tagen gar keine, sonst meist nur die taz und verschiedene empfohlene Onlineartikel. Ein paar Minuten persönliche Erzählung haben die Vorstellung, wie in manchen asiatischen Ländern 2013 mit Menschenrechten umgegangen wird, so konkret werden lassen, wie es kein Zeitungsartikel schaffen würde.

Diese Erkenntnis finde ich frustrierend, denn sie bringt nur noch mehr negative Einsichten mit sich, keine Wege der Besserung. Sie lässt mich höchstens glauben, dass ich das Lesen der Zeitung auch noch weiter einschränken kann. Oberflächlich von etwas zu lesen gibt mir weder echte Einblicke, noch ändert es etwas. Selbst vor Ort zu sein und selbst mit den Menschen zu sprechen ist vielleicht das Einzige, das überhaupt etwas bewirkt - in Bezug sowohl auf die Erfahrung als auch auf die Mitwirkung.



TEN SING RheinRuhr 2013

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. In vier Artikeln habe ich nun das Konzept, den Inhalt und die Auswirkungen und Möglichkeiten erläutert - abschließend soll es nun darum gehen, wie die Mitarbeit bei TEN SING auf regionaler Ebene aussehen kann.

Mit Fotos von Marco, Jessi, Adrian und TENSINGLAND. Die größte Präsenz außerhalb des CVJMs erreicht TEN SING auf dem evangelischen Kirchentag, der alle zwei Jahre in einer anderen Metropole stattfindet. Dort gibt es neben Straßenkonzerten auch einen eigenen Treffpunkt, wo im Idealfall den ganzen Kirchentag lang Konzerte von TEN SING-Gruppen stattfinden. Aber nicht in jeder Gruppe finden sich genug Leute, um mit einer showfähigen Besetzung teilzunehmen. Aus dieser Situation ist, angelehnt an ähnliche Projekte in anderen Regionen, in diesem Jahr das Projekt TEN SING RheinRuhr entstanden.

Der Gedanke dahinter war, möglichst vielen TEN SINGern, die sonst nicht die Möglichkeit dazu hätten, die Chance zu geben, zum Kirchentag zu fahren und dort aufzutreten. Nach Gesprächen mit ein paar Leuten stieß die Idee bereits auf Begeisterung und auch die Leitung der Region Ruhrgebiet wurde darauf aufmerksam. Erfreulicherweise ergab es sich dann sehr schnell, dass die Regionen Ruhrgebiet/Bergisch Land und Niederrhein sich als Träger für die Aktion anboten, denn der Name TEN SING ist geschützt und darf daher nicht ohne anerkannten Träger verwendet werden.

Nachdem das Konzept grob erarbeitet war - ein Probenwochenende, die klassischen drei Workshops Band, Tanz, Theater, einige Fristen, Gedanken zur Organisation über die teilnehmenden Gruppen - ging es in die konkrete Vorbereitung. Wir machten Werbung, suchten ein Haus für das Prowo und überlegten, welche Mitarbeiter die Leitung der Workshops übernehmen konnten. Manche TEN SINGer würden bei regionalen Aktionen wie den Seminaren gerne mitarbeiten und fragen sich wie man da rein kommt. Die Antwort ist ganz einfach: Unter TEN SINGern gibt es viele, denen man eine Leitungsfunktion zutrauen könnte. Sie müssen nur entdeckt werden.

Während das alles zumindest mäßig voran kam, fehlten noch die Anmeldungen - aber wir vertrauten darauf, dass TEN SINGer immer trödeln und formellen Kram auf letzten Drücker erledigen. Am Wochenende des Anmeldeschlusses war ich gerade in Hamburg beim Vorbereitungstreffen des Kirchentages. Als ich am Abend wieder online ging, hatte sich die Anmeldeliste gefüllt und man konnte fast zusehen, wie es mehr wurden. Am Ende mussten wir gerade eben so niemandem absagen, 58 Teilnehmer und 11 Mitarbeiter aus 9 Gruppen waren zusammen gekommen. Das Ziel, viele TEN SINGer zu erreichen, hatten wir damit definitiv erreicht.

Bis zum Probenwochenende ging es nun vor allem um die Vorbereitung der Workshops, Anmeldeformalitäten beim Kirchentag und finanzielle Regelungen. Außerdem ließen wir die Teilnehmer Lieder wählen. Da wir im 21. Jahrhundert leben, konnten wir sehr viel über das Internet regeln, was die großen Distanzen zwischen den Gruppen fast irrelevant erscheinen ließ. Einige Nächte wurden geopfert, um aus dem Urlaub noch fix die Liederwahl auszuwerten, den Technikplan für unseren Hauptauftritt zu erstellen oder immer wieder Mails mit der zuständigen Kirchentagsmitarbeitern auszutauschen. Können wir drei Schlagzeuger gleichzeitig spielen lassen? Zwei Keyboarder? Wie transportieren wir den ganzen Kram, und wo lassen wir die Instrumente dann? Wie funktioniert so ein Open Air-Auftritt? Können wir noch fix jemanden ummelden? Und was hat es eigentlich mit diesem Abend auf der Reeperbahn auf sich?

Am 19. April war es dann soweit, das Probenwochenende startete in einem Gemeindehaus in Gahlen. Die dortige TEN SING-Gruppe ist die größte Deutschlands und verfügt daher über geeignete Räumlichkeiten. Außerdem stellten sie knapp die Hälfte der Teilnehmer. Damit hatten wir schon vor dem Kirchentag etwas bewirkt - Gahlen hatte sich bei Regio-Aktionen lange Zeit enthalten und entdeckte nun wieder, was TEN SING eigentlich ausmacht.

Ganz typisch lief dann das meiste nicht so, wie wir es erwartet hatten; manches funktionierte gar nicht, anderes sogar wesentlich besser. So mussten wir die Bandbelegung mehrfach ändern, weil nicht alle ausreichend vorbereitet waren. Dafür schaffte der Chor es tatsächlich, alle sieben Lieder zu lernen. Und auch, wenn wir manchmal Feedback bekamen, das Wochenende sei sehr anstrengend, war es immer damit verbunden, dass die Teilnehmer auch von der Produktivität begeistert waren. Sogar manche "alten Hasen" sprachen davon, noch nie so produktiv gewesen zu sein. Das zeigte sich auch, als wir eine der geplanten Spielaktionen zugunsten von mehr Proben absagten: Es gab nicht nur keinen Widerstand, sondern sogar Zustimmung!

In 48 Stunden eine komplette Show quasi aus dem Boden zu stampfen kann man nicht komplett durchplanen. Wir haben vorbereitet, soviel wir konnten. Wir haben Fehler gemacht und Kritik einstecken müssen, aber auch viel Lob bekommen. Was nicht geplant war, ergab sich vor Ort, und am Ende waren 69 Menschen völlig begeistert vom Ergebnis und voller Vorfreude auf den Kirchentag. hahahah

Auf dem Kirchentag war dann vor allem der Donnerstag (2. Tag) sehr voll. Vormittags eine öffentliche Chorprobe auf einem großen Platz, nachmittags unser großer Auftritt im Treffpunkt, der ausgesprochen gut ankam. Anfang und Ende bildete "Some Nights", was wohl unumstritten unser Highlight war. Ein für TEN SING sehr anspruchsvoller Chorsatz als bombastischer Einstieg und bei der Zugabe der Abgang in mehreren Stufen - nachdem der Chor von der Bühne war, löste sich die Band nach und nach auf, bis am Ende nur noch der Schlagzeuger mit der Marching Snare blieb, der dann weiter spielend von der Bühne ging.

Als Krönung traten wir dann abends nochmal auf der Reeperbahn auf, wo sich alle am Kirchentag teilnehmenden Gruppen mit ihren besten Stücken präsentieren sollten. Als Imke, die Koordinatorin des Reeperbahn-Events, hinterher auf uns zukam und fragte, ob wir nicht als Zugabe nochmal auftreten wollten, war klar: TEN SING RheinRuhr war ein voller Erfolg, und wir konnten die in den Monaten der Vorbereitung und am Probenwochenende entstandene Begeisterung weiter tragen. hahahah



Das TEN SING-Feeling

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. Konzept, Aufbau und Inhalt dürften inzwischen klar sein - daher soll es jetzt darum gehen, was TEN SING bei den Menschen bewirkt.

Als ich TEN SING vor vier Jahren beim Kirchentag kennen lernte, wurde dort gerade für das European TEN SING Festival geworben, bei dem TEN SINGer aus ganz Europa mitten in Hessen aufeinander treffen sollten. Ich hatte noch nie eine Probe gesehen, aber gerade am Kirchentags-Abschlusskonzert teilgenommen, wo alle Streetteams zusammen auftreten. Die Location war brechend voll, hunderte TEN SINGer waren im Publikum und über hundert weitere auf der Bühne, die Stimmung war einfach unfassbar gut. So viel Jubel und Begeisterung, wie man bei TEN SING auf der Bühne bekommt, muss sich jeder andere Künstler erstmal hart erarbeiten. Das Konzert war grandios, die Menschen unglaublich offen, nett und gut gelaunt und ich war restlos begeistert und wollte unbedingt auf dieses Festival.

Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat's gemacht.
Henry Ford

Zunächst einmal lernte ich aber normale Rockfestivals kennen. Zehntausende Menschen, die sich gar nicht kannten und doch offen und freundlich miteinander umgingen und gemeinsam eine richtig gute Zeit hatten. Eine ähnliche Atmosphäre wie auf dem Kirchentag, der mich ebenfalls begeistert hatte, sodass ich 2010 in München wieder dabei war.

Beim dortigen Christina Stürmer-Konzert fiel mir eine Gruppe Jugendlicher auf dem Platz auf, weil sie besonders offensichtlich eine Menge Spaß hatte. Ein ganz klares Erkennungsmerkmal für TEN SINGer - laut, auffällig und ausgelassen fröhlich, dabei aber zivilisiert, rücksichtsvoll und bunt gemischt, ganz anders als z.B. betrunkene Fußballfans. Wir vertrieben uns zusammen die Zeit bis zum Konzert, rissen noch ein paar Umstehende mit und feierten dann kräftig. Danach trennten sich unsere Wege wieder, aber die Gruppe motivierte mich, trotz meines Alters eine TEN SING-Gruppe zu besuchen.

Ich landete dann in Hagen, wo ich unheimlich herzlich aufgenommen wurde. Während ich in Schulchor und Musikunterricht dank dem dort herrschenden Druck versagte, war es hier egal, dass ich keinerlei musikalische Vorerfahrung mitbrachte. In der Band wurde Verstärkung am Schlagzeug gesucht und ich konnte mir einen langjährigen Traum erfüllen und Schlagzeug lernen, später sogar E-Bass. Ohne jegliche Erwartungshaltung half man mir beim Start, bis ich mir den Rest selbst beibringen konnte. Wenig später fuhr ich schon zum Westbundseminar, wo nichts zählte außer Motivation, Bock auf TEN SING und Offenheit den anderen gegenüber.

Wer unter Menschen nur einen Engel sucht, der findet kaum Menschen. Wer aber unter Menschen nur Menschen sucht, der findet gewiss einen Engel.
Gottlieb Moritz Saphir

Seitdem ist TEN SING mein fester Begleiter. In Gemeinschaft mit TEN SINGern kann man sich immer darauf verlassen, herzlich aufgenommen zu werden. Es ist ein bisschen wie bei Festivals - uns verbindet der gemeinsame Gedanke, einfach nur wir selbst sein zu wollen, die Liebe zu Musik und die Offenheit gegenüber verschiedenen Kulturen, die positive Einstellung anderen Menschen gegenüber. Diese Verbindung besteht jederzeit, auch, wenn ich manche TEN SINGer nur selten sehe. So traf ich Ende 2010 die Kürtener wieder, als ich ihre Show besuchte. Sie erkannten mich sofort wieder und waren total begeistert, dass ich nun auch dabei war. Und im Sommer 2011 fuhr ich tatsächlich zum Europäischen TEN SING-Festival, sogar als Helfer an der Essensausgabe und beim Spülen - Aufgabenbereiche, mit denen ich nie zu tun hatte, die sich nun aber wie selbstverständlich anboten. Eine sehr spaßige Erfahrung, die mir auch Mut machte, in Zukunft mehr Neues auszuprobieren. Und auch dort gab es natürlich Wiedersehen mit anderen - und später Treffen mit denen, die ich dort erst kennenlernte.

Dear whoever is reading this, you're beautiful and someone out there is crazy about you. So smile. Life is too short to be unhappy.
Michael Cera

In einem Impuls sprach mal jemand davon, dass es eigentlich nur schöne Menschen gebe, jeder auf seine Weise. Ein Gedanke, den bei TS viele teilen und der es leichter macht, auf Fremde zuzugehen bzw. sie nicht als Fremde im negativen Sinne anzusehen. In jedem Menschen steckt etwas Positives, auch wenn er erstmal verschlossen oder unfreundlich wirkt oder einfach nur im äußerlichen Sinne nicht gutaussehend ist. Wenn man mit dieser Einstellung auf andere zugeht, wird man viele wundervolle Menschen kennenlernen - und auch selbst öfter akzeptiert werden. Und bedingungslose Akzeptanz schafft Vertrauen. So erklärt sich vielleicht, dass es bei TEN SING nichts Ungewöhnliches ist, sich von Leuten nach Hause fahren zu lassen, die man gerade zum ersten Mal getroffen hat, oder andere über Nacht bei sich aufzunehmen, obwohl man sie noch gar nicht persönlich kennt.

Das Leben ist schwer - ein Grund mehr, es auf die leichte Schulter zu nehmen.
Emil Gött

Übernachtungen bei TSern sind auch immer eine tolle Sache. Von niveaulosem Herumblödeln bis hin zu tiefgründigen Gesprächen mit politischem oder religiösem Inhalt ist alles möglich. Ich finde das immer sehr inspirierend - gerade bei Übernachtungen in größeren Gruppen, z.B. nach einem Konzertbesuch in einer weiter entfernten Stadt, trifft man oft spannende Menschen. So entstand in einer Nacht in der Jugendkirche Osnabrück vor dem Eurovision Song Contest in Aserbaidjan der Gedanke, mit einem alten VW-Bus nach Baku zu fahren. Noch in der Nacht wurden Autopreise recherchiert; am Ende wurde es kein VW-Bus, aber die beiden haben den Plan tatsächlich durchgezogen und sind mit dem Auto Xtausend Kilometer gereist.

All diese Aspekte findet man einzeln auch in verschiedenen anderen Gruppen. Auch andere Vereine können z.B. die Persönlichkeit von Jugendlichen stärken, und intensive Gemeinschaft findet man auch bei den Pfadfindern. Jugendchöre und Bandprojekte fördern musikalische Talente. TEN SING wird einzigartig durch die Kombination von Musik, Kultur, Gemeinschaft und Individualität. Das alles sind Lebensbestandteile, die man nicht einfach ab einem gewissen Alter nicht mehr braucht. Deshalb hat TEN SING auch eine Zielgruppe (13-19), ist aber nicht starr darauf festgelegt. In meinem Fall hieß das, als Teilnehmer einer eher älteren Gruppe anzufangen und sich bald in die regionale Mitarbeit einzubringen. Daraus ist gerade ein neues Projekt entstanden - und davon möchte ich im nächsten Artikel abschließend erzählen.