TEN SING mit Worten erklärt

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. TEN SING bleibt dabei aber eins dieser Dinge, die man schlecht erklären, aber gut zeigen kann - wenn du also ungefähr zwischen 13 und 19 bist und in deiner Nähe eine TEN SING-Gruppe ist, geh doch einfach mal hin! - Heute geht es zunächst einmal darum, was TEN SING ganz grundlegend ist.

tensingartikel1a_small.jpgAls ich 2009 in Bremen beim Kirchentag war, lief ich an einem der ersten Tage durch die Bremer Innenstadt und begegnete dabei einer Menschenansammlung, die sich um eine Gruppe Jugendlicher versammelt hatte. Die Gruppe sang als Chor bekannte Popsongs, teilweise begleitet von Akustikgitarre und Cajon. Sie waren echt ziemlich gut - aber das beeindruckendste daran war, wie sehr man an ihnen angesehen hat, dass sie alle einen riesigen Spaß daran hatten, mitten in der Stadt auf der Straße zu stehen und zu singen.

Diese Gruppe war ein sogenanntes Streetteam von TEN SING, eine für den Kirchentag zusammengestellte Gruppe, die über das Kirchentagsgelände verteilt immer wieder spontane Open Air-Auftritte ohne Bühne präsentiert. Außer diesen Streetteams gibt es TEN SINGer auch - und vor allem - in örtlich organisierten Gruppen unterschiedlicher Größe, grob gesagt zwischen 8 und 80 Leute. Etwa 150 dieser Gruppen gibt es in Deutschland, zahlreiche weitere im Rest von Europa, vor allem in Norwegen, wo das Projekt ursprünglich entstanden ist, und vereinzelt auch außerhalb von Europa.

So eine Gruppe bildet dann als erstes einen Chor. Die Leitung wird dabei häufig von Teilnehmern der Gruppe übernommen, teilweise auch von CVJM-Mitarbeitern. Der Anspruch ist niedrig - Spaß, Motivation und Talentförderung stehen im Vordergrund. Damit kommt dann auch der zweite Bestandteil von TEN SING zum Tragen - die Workshops. Während der Chor die gesamte Gruppe einschließt, bilden sich zusätzlich separate Workshops, die sich an den Talenten der Gruppenteilnehmer orientieren.

In Deutschland gehören zu einer TEN SING-Gruppe immer eine Band und ein Theater-Workshop, meistens auch noch ein Tanz-Workshop. Je nach Gruppengröße gibt es darüber hinaus weitere Workshops oder Teams, etwa für PR & Design (Plakate, Flyer, Website...), Technik oder Organisatorisches. Zusammen mit dem Chor entsteht daraus in etwa einem Jahr eine abendfüllende Show - ohne professionelle Hilfe, denn alle Workshops und Teams werden von Teilnehmern der Gruppe geleitet. Eine erwachsene Leitung gibt es, wenn überhaupt, nur für die Kooperation mit dem örtlichen CVJM und die Finanzen. Oft wird diese Aufgabe aber auch von älteren TEN SINGern übernommen, die nicht mehr aktiv als Teilnehmer einer Gruppe dabei sind.

Ohne Frage finden sich viele Talente bei TEN SING. Manche Bands wären ohne dieses Angebot nicht entstanden, möglicherweise hätten die jeweiligen Musiker sogar nie eine musikalische Laufbahn eingeschlagen. Dazu gehören auch Silbermond, die sich bei TEN SING kennen lernten, und Musiker von Reamonn und a-Ha, die ihre musikalischen Kenntnisse dort erwarben. Trotzdem sind die Proben während der Gruppentreffen natürlich sehr wenig. Daher bietet der CVJM zweimal im Jahr ein einwöchiges Seminar an, auf dem alle bereits genannten und noch einige weitere Workshops angeboten werden, um Teilnehmer richtig fit zu machen auf dem Gebiet, das ihnen am meisten Spaß macht. Dazu gibt es weitere regionale und überregionale Aktionen, bei denen der Spaß und der Kontakt zu anderen TEN SINGern im Vordergrund stehen.

Denn das ist ein weiterer Aspekt, der TEN SING zu etwas Besonderem macht: Der rege Kontakt und Austausch zwischen den Ortsgruppen. Zwar ist jede Gruppe individuell, aber ebenso ist jeder TEN SINGer individuell und letztlich hängt die Wahl der Gruppe vor allem daran, wo man wohnt, denn als TEN SINGer ist man bei jeder Gruppe willkommen. Und damit bewegen wir uns langsam in das Gebiet, was TEN SING so besonders macht und mich so begeistert.



Vegetarismus-Zwischenstand

DIe Zeit vergeht so schnell, inzwischen wird es lächerlich, die Monate zu zählen, die ich Vegetarier bin. Das hat etwas gezwungenes und passt eher zu Dingen, die Durchhaltevermögen fordern. Ich entziehe aber nicht Koks oder Zigaretten, sondern bloß Fleisch. Die harte Phase des Entzugs ist längst vorbei.

Auch die Anzahl der Erklärungen, die ich pro Monat abgeben muss, sinkt, weil inzwischen die meisten meiner Freunde, Bekannten und Verwandten Bescheid wissen und zumindest keine blöden Kommentare mehr abgeben. Toleranz ist da, aber auch noch Unverständnis für die Hintergründe. Ich habe zum Beispiel letztens nach einer Grillparty zwei übrig gebliebene Bratwürste gegessen. Als Vegetarier "dürfte" ich das eindeutig nicht - aber die Alternative wäre Wegwerfen gewesen, und was wäre es denn für eine schwachsinnige Selbstauflage, die dazu führt, Lebensmittel zu verschwenden? Aus dem gleichen Grund habe ich auch mal nach einem Festival am Abbautag eine Konservendose geöffnet, die unsere Nachbarn da gelassen hatten, obwohl das Gericht fleischhaltig war. Die Wurststücke schwammen obendrauf und ich habe sie dann entsorgt, aber besser als die ganze Dose dem Müll zu überlassen war das allemal.

Ich bin Vegetarier, weil ich glaube, dass ich damit die (westliche) Welt ein Stück besser machen kann, vor allem, indem ich andere dazu bringe, ebenfalls ihr Essverhalten zu überdenken. Und genau dieses Überdenken ist es, was wir alle tun sollten. Nicht jeder muss dazu komplett Vegetarier werden. Nur das Bewusstsein für alternative Ernährungsmethoden sollte wachsen.

Die häufigste Reaktion ist immer noch "das könnte ich nicht". Das ist die Einstellung, die ich meine. Kleine Kinder mögen keinen Spinat. Wer als Erwachsener immer noch so denkt, ist in seiner Ernährungsweise festgefahren und sollte sich mal vor Augen führen, welche Konsequenzen das hat. Es ist wie in vielen Bereichen unseres Lebens die Bequemlichkeit, die dafür sorgt, dass sich nichts ändert. Deshalb gibt es immer noch Tierhaltung, bei der die Tiere sich nicht bewegen können und mit Medikamenten vollgepumpt werden müssen, damit sie nicht ständig krank sind. Deshalb gibt es immer noch Schlachtereien, in denen Menschen unter schlechten Bedingungen für einen Hungerlohn arbeiten. Weil viele von uns zu intolerant, festgefahren oder einfach zu faul sind, über ihr Verhalten nachzudenken.

Viele, aber nicht alle. 8 Millionen Deutsche sind inzwischen Vegetarier. Das immer noch eine Minderheit, aber es führt dazu, dass ein großes Regal bei Kaufland in der Kühlabteilung gefüllt ist mit Produkten für Vegetarier. Manche davon sind teuer, andere wirken eklig, aber viele sind eine Bereicherung für den Speiseplan. Jetzt im Sommer gibt es dazu ein riesiges Angebot an Obst und Gemüse. Und gerade im Sommer, wo wir wegen der Wärme alle ungern kochen, haben die, die auch mal auf Fleisch verzichten können, einen großen Vorteil: Gemüse kann man wunderbar auch roh verzehren.

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Verschiedene Anmerkungen:

  1. Auf der Berufsschule hat mich mal ein Lehrer gefragt, was denn Vegetarismus sei. Er kannte den Begriff schlicht nicht.
  2. Außer den Bratwürstchen habe ich noch ein weiteres Mal gesündigt - bei einer Nachtschicht, es gab Pizza und ich griff im Dunkeln ein Stück und übersah den Thunfisch. Drama, Drama.
  3. Tofu kann man auch roh essen, da verstehe ich dann aber tatsächlich, dass Leute es eklig finden... wobei Tofu als Salatbeilage super ist und auf verschiedene Arten ausgesprochen lecker zubereitet werden kann.


5 Jahre Konzertheld.de

Nachdem der Rückblick auf die letzten Jahre ja gestern schon rausging, gibt es heute noch ein paar Zahlen und technische Informationen. Gefeiert wird dann ab übermorgen - meine TEN SING-Artikelreihe ist endlich fertig und so wird es in fünf Artikeln einen detaillierten Einblick geben, was TEN SING ist und warum ich davon so begeistert bin. hahahah

Dies ist der 906. Post auf Konzertheld.de. 8 davon habe ich nicht selber geschrieben, 9 weitere sind Einträge in der Blogroll. Diese werden unter Habari, genau wie die 6 statischen Seiten, auf die gleiche Art erstellt wie die normalen Einträge und Eventberichte. Insgesamt haben sich dazu 530 Kommentare eingefunden, darin nicht enthalten sind Reaktionen auf Facebook und persönliches Feedback.

Statistiken habe ich in den fünf Jahren immer wieder mal eingeführt, verworfen, wieder eingeführt und wieder verworfen. Piwik, das inzwischen wohl bekannteste Statistik-Tool nach Google Analytics, liefert zwar mittlerweile recht glaubwürdige und brauchbare Daten, macht aber momentan Schwierigkeiten bei der Einrichtung.

Habari, das Blogsystem, hat sich ebenfalls massiv weiter entwickelt, und die neuesten großen Änderungen sind noch gar nicht fertig entwickelt. Für die zahlreichen von mir entwickelten Plugins und die Überarbeitung und Fertigstellung der deutschen Übersetzung hat man mir vor einigen Monaten die Mitgliedschaft im Entscheidungsteam angeboten. Wir arbeiten hart daran, Habari auch für Blogger nutzbar zu machen, die keinerlei Programmierkenntnisse haben - und ich bin zuversichtlich, dass es spätestens nächstes Jahr soweit ist. Möglicherweise wird Habari dann weite Verbreitung finden, denn auch wenn Wordpress ebenfalls viel nachgebessert hat, erweist sich Habari schon jetzt an vielen Stellen als ausgereifter.

Großartige Veränderungen für die Leser wird es hier am Blog allerdings vorerst nicht geben. Das Header-Bild muss unbedingt ausgetauscht werden. Ich bin immer noch nicht dazu gekommen, eine passende Lichtsituation bei einem Konzert aufzunehmen. Die Blöcke im Header sollen in Zukunft zu einem verschmelzen, der verschiedene Artikel aufgrund der bisherigen Kriterien vorschlägt - wurde gerade kommentiert, oft gelesen, ist besonders gut recherchiert oder liegt mir besonders am Herzen - nur eben gemischt und schöner dargestellt. Und auf gelegentliches, nachvollziehbares Feedback hin wird es vielleicht mehr Bilder geben - in der Hinsicht schraube ich schon am Theme, um die Einbindung von Fotos für mich einfacher zu machen.

Mein Blog war nie etwas besonders durchgeplantes, sondern nur aktuellen Ideen ausgesetzt, und nun hat es schon fünf Jahre lang gut funktioniert. Daran wird sich auch nichts ändern. Schön wäre allerdings, wieder mehr in Kontakt mit anderen Bloggern zu kommen - das ist in letzter Zeit etwas eingeschlafen, auch, weil etliche Blogs gestorben sind. Ich bin gespannt, wie sich das in Zukunft entwickelt.



Das erste Mini-Jubiläum

Im klassischen Sinne sind fünf Jahre eher ein Mini-Jubiläum, im digitalen Zeitalter sind fünf Jahre schon eine sehr lange Zeit. Zurzeit spiele ich Tomb Raider II - in der Playstation-Version von 1997. Unfassbar alt für ein Videospiel, und die Grafik ist auch unfassbar... hässlich. Damals verursachte die Brutalität großen Wirbel, verglichen mit heutigen Spielen ist es ein Witz, überhaupt von "Gewaltdarstellung" zu sprechen.

Durch den von der Schnelllebigkeit verursachten Druck erscheinen heute gefühlt weniger gute Spiele als 1997. Aber das Schöne am digitalen Zeitalter ist ja, dass nichts mehr verloren geht. Dank Emulatoren kann ich alte Playstation-Spiele spielen, obwohl ich nichtmal einen Fernseher besitze, und auch DOS-Klassiker laufen auf modernen Betriebssystemen. Die ersten drei Tomb Raider-Teile gibt es übrigens auch bei Good Old Games in einer unter allen aktuellen Betriebssystemen lauffähigen Version - zusammen für $10.

Auch die Beiträge in meinem Blog, der morgen fünf Jahre alt wird, sind alle noch erhalten. Eine der ersten war Dinge, die ich unbedingt mal erledigen muss. Da fehlen inzwischen nur noch die Auslandsreisen, und nach Asien geht es vielleicht nächstes Jahr. Auch aktuell läuft wieder ein Projekt, bei dem ich mir einige Dinge vorgenommen habe. So kann man Fortschritt messen.

Man kann Fortschritt auch an seiner Persönlichkeit messen. Irgendwann während der Schulzeit, ich glaube es war in der 10. Klasse, machten wir eine Reihe Persönlichkeitstests als Hilfe für die Berufswunschfindung mit einem Ratgeber namens "Start frei!". Den meisten dürfte der Aufwand, den wir investiert haben, in Erinnerung geblieben sein. Die Ergebnisse waren teilweise wirklich weit weg von dem, was wir erwartet hatten, und ich kann mich an niemanden erinnern, der heute da steht, wo er laut dem Ratgeber sein könnte.

So ganz abwegig können die verschiedenen Tests aber nicht sein. Zumindest meine offensichtlichsten Charaktereigenschaften beschrieben die Ergebnisse recht gut - ich war eher introvertiert, gehörte eindeutig in die Spezialisten-Schublade und zu den Planern und Denkern. Nach dem Abitur wiederholten ein Freund und ich einige Tests. Das Ergebnis fiel wie erwartet deutlich anders aus, aber erneut recht treffend. Mehr Offenheit anderen Menschen gegenüber, weniger Akribie. (Jeder denke sich seinen Teil, was das in der Oberstufe bedeutete.)

Nun sortiere ich tonnenweise Unterlagen aus, um die Anzahl der benötigten Umzugskartons zu reduzieren, und stolperte wieder über diesen Ratgeber. Einer der Tests war unausgefüllt, weil wir den auf einer Kopie ausgefüllt hatten (um beim Auswerten nicht umblättern zu müssen): 99 Adjektive, in kurzer Zeit sollen alle angekreuzt werden, die man für sich selbst für zutreffend hält. Das Ergebnis ist eine Kurve, anhand deren Form man anschließend einen Typ zugeordnet bekommt.

Persönlichkeitstest-Grafik: Die blaue Linie zeigt ein um 30 Grad nach links gekipptes L, die rote ein Z

Die rote Linie ist die aktuelle, die blaue die von vor zehn Jahren. Die blaue passte damals einigermaßen, aber wie gut der zu der roten Form gehörende Typ mich beschreibt, ist schon fast gruselig. Es beschreibt meine Freude daran, neue Leute kennenzulernen, ein gewisses politisches Bewusstsein und die Tatsache, dass man mir gelegentlich sagen sollte, wenn ich gut gearbeitet habe. Witzigerweise ist die Seite genau neben der mit dem Ergebnis von vor zehn Jahren. Die Beschreibungen sind nicht gegensätzlich, aber schon sehr anders ausgerichtet, in manchen Bereichen gibt es aber Überschneidungen ("macht gerne alles so, wie es immer gemacht wurde").

Gut so. In der Psychologie wird eine Persönlichkeitsumkehrung auch als Persönlichkeitsvertuschung angesehen, beispielsweise weil sie nicht gesellschaftskompatibel ist. Das kann vorteilhaft sein, aber auch Störungen und Probleme mit sich bringen. Eine Veränderung und Ergänzung der eigenen Persönlichkeit hingegen wird als ganz normal angesehen. Zeiten ändern sich. Menschen auch.



Mit Limit genießen

Unsere heutige Welt wirbt ständig mit irgendwelchen Dingen, die grenzenlos sein sollen, ohne Limit, unendlich verfügbar. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass wir besser genießen können, wenn wir darin beschränkt sind. Das nahende Ende lässt uns auskosten, was noch bleibt.

Lange Zeit bin ich keinem geregelten Leben nachgegangen in dem Sinne, wie es von Leuten meines Alters erwartet wird. Kurzzeitig hatte ich mal einen Vollzeitjob, dann wieder nur auftragsbasiert. Auch das Studium stellte sich schnell als eine schlechte Wahl heraus und ich ersetzte Vorlesungen durch Freizeit. So konnte ich immer all meinen Freizeitaktivitäten nachgehen und obendrein noch lange schlafen, Nächte durchmachen, tagelang "nichts" tun.

Ab Oktober werde ich studieren. Ein Fach, über das ich mich gründlicher informiert habe als je zuvor, und bei dem ich mir sicher bin, dass es mich genug interessiert, um das Studium von Anfang an voll durchzuziehen. In einer fremden Stadt, in der ich zumindest anfangs auch kaum eine andere Wahl haben werde, als meine Zeit für das Studium zu nutzen.

Plötzlich wirkt der Kalender viel voller. Es sind genauso viele Termine wie vorher und es ist immer noch ein hoher Anteil an Freizeitaktivitäten unter den "Terminen", aber meine Zeit fühlt sich jetzt besser genutzt an. Weil wieder ein Ziel da ist. Es ist die Phase, die viele Leute schon nach dem Abi haben: Ein paar Monate frei, Zeit für alles worauf man Lust hat, dann wieder ein geregeltes Leben.

Das ist eine schöne Aussicht. Es gibt Zeiten, da fällt mir hier die Decke auf den Kopf. Wenn ich den ganzen Tag lang die Nachbarn hören muss zum Beispiel. Oder wenn einfach gerade nichts zu tun ist. Oder wenn mein kaputter Schlafrhythmus Konsequenzen fordert. Viel Freizeit ist schön, eine Zeit lang. Nun freue ich mich darauf, die verbleibende Zeit mit allerlei Reisen, Besuchen bei Freunden und Konzerten zu füllen und mich dann, nach dem Umzug, wieder an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen.

Nach ein paar Wochen wird es normal sein, morgens früh aufzustehen und um Mitternacht ins Bett zu gehen. Statt über die Stille der Nacht werde ich mich über Sonnenaufgänge und frische Luft (oder Nebel) am Morgen freuen. Und statt wegen Unterforderung zwei Tage am Stück wach zu bleiben, werde ich endlich wieder abends ausgelastet sein. Nach so langer Zeit mit Freizeitüberschuss werde ich das genießen können.



Kommunikative Atmosphären

Beim Kirchentag in Dresden vor zwei Jahren ist mir folgendes Phänomen aufgefallen: Warum setzen wir uns beim Kirchentag (im Zug) lieber zu anderen, als alleine zu fahren, und ansonsten andersrum? Weil wir beim Kirchentag alle aus verschiedenen, aber verwandten Situationen kommen, aber normalerweise keinen Zusammenhang haben?

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren kann in unserer Gesellschaft zuweilen bizarre Ausmaße annehmen. Man sitzt sich gegenüber, starrt aber aneinander vorbei. Den Blick des anderen erträgt man nicht, jemanden anzustarren gilt als unhöflich. Wieso ist es so unüblich, im Alltag fremde Menschen anzusprechen?

Die häufigste Situation ist der Berufsverkehr. Wir fahren zur Arbeit, sind müde, unentspannt, unmotiviert, hatten im schlimmsten Fall noch kein Heißgetränk unserer Wahl. Oder wir kommen von der Arbeit, sind müde, unentspannt, ausgelaugt, haben im schlimmsten Fall noch weitere Termine an Orten mit kaputten Kaffeemaschinen. In einer solchen Situation mit fremden Menschen kommunizieren, die womöglich irgendein langweiliges Zeug zu erzählen haben? Die meisten Leute schaffen es nach Feierabend ja nichtmal mehr weiter als zwei Schritte in den Zug hinein ("Verzögerungen im Betriebsablauf").

Oder wir kommen von einer Reise zurück, von einem Konzert, von einer Party. Wir sind müde, aufgekratzt, im schlimmsten Fall nicht betrunken genug. Dafür geht uns der gröhlende Penner drei Reihen weiter vorne tierisch auf die Nerven. Der MP3-Player leer, die Freunde mussten in eine andere Richtung. Wir sind weit weg von unserem Wunschzustand.

Wunschzustände und der Alltag. Wir haben so genaue Vorstellungen davon, wie unser Leben aussehen soll. Sie haben im Wesentlichen mit uns zu tun, kaum mit unseren Mitmenschen. Und obendrein sind wir oft weit weg von dieser Vorstellung: Unser Alltag nervt uns, der Job ist scheiße, der Kaffee aus der Maschine im Büro schlecht.

Eigentlich wäre es doch gerade deshalb gut, mal ein paar Kleinigkeiten anders zu machen. Habt ihr mal im Zug jemanden grundlos angelächelt? Es ist unglaublich, wie sehr sich Leute über so eine Kleinigkeit freuen. Seid ihr mal mit einem Bus gefahren, bei dem der Busfahrer jeden Fahrgast freundlich begrüßt hat? Unfassbar, wie viel besser die Stimmung in diesem Bus ist. Habt ihr mal beobachtet, wie viele Leute plötzlich lachen, wenn der Kölner S-Bahn-Fahrer mal wieder eine auflockernde Durchsage macht?

Sobald unser Alltag gestört wird, und am einfachsten geht das durch den gemeinsamen Feind Deutsche Bahn ("Der ICE 1337 heute ca. 85 bis 90 Minuten später"), fangen die Menschen an zu kommunizieren. Erst heute wurde mein Regionalexpress erst auf ein anderes Gleis verlegt, dann wieder zurück, und dann kam er sowieso 20-30 Minuten zu spät. Und schon kann man einfach in Gespräche einsteigen, die andere Leute gerade führen.

Das funktioniert auch in positiveren Situationen. Bei den Typen mit den Van Canto-T-Shirts war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch zu Bochum Total fahren. Für wen die anderen Fotografen so unterwegs sind, wollte ich die ganze Zeit schon wissen. Nachdem man jemandem den Koffer die Treppe hochgetragen hat, kann man auch gleich noch fragen, wo es denn hingeht.

Und beim Kirchentag sind wir aus dem Alltag rausgerissen, entspannt, quasi im Urlaub, und meistens taugt auch das Frühstück was. Die Menschen um uns herum denken zwar vielleicht ganz anders, aber meistens kann man sich trotzdem mit ihnen unterhalten, weil sie aufgeschlossen und interessiert sind. Außerdem haben wir selbst gerade viele neue Eindrücke gesammelt.

Ich sage nicht, dass wir bei jeder 5-Minuten-Fahrt zur Uni unsere Sitznachbarn zutexten sollten. Die Anonymität der Großstädte ist ja manchmal auch ganz angenehm. Aber bei der 5-Stunden-Fahrt nach Berlin ergeben sich sicher Gelegenheiten für nette Gespräche. Oder ist euer Leben so langweilig, dass ihr weder selbst etwas zu erzählen habt, noch euch für die Welt um euch herum interessiert?



SharpShuffle

  • Deine Festplatte hat den Geist aufgegeben, aber du hast irgendwo noch eine Sicherung deiner Medienbibliothek gefunden. Leider ohne die Musikdateien. Aber du hast ja noch die Original-CDs.
  • Du hast beschlossen, deine Musik jetzt doch lieber auf einer externen Festplatte zu lagern, weil da mehr drauf passt und du sie dann zu Freunden mitnehmen kannst.
  • Du hast einen neuen PC und deine Musik auf die neue Festplatte darin kopiert.
  • Deine Musik ist überall verstreut gespeichert.

Windows Media Player, Winamp, iTunes und alle anderen klassischen Medienplayer sagen dazu: "Ach, Song 2 von Blur hast du mal mit 5 Sternen bewertet? Tja, die Datei, die du damals bewertet hast, gibt es aber nicht mehr, da weiß ich nichts von." Oder: "Wie, du findest C:\Musik\Liquido - Narcotic.ogg, D:\Kram\Alte Sachen\Liquido - Narcotic.mp3 und D:\Kram\Sachen vom alten PC\Keine Ahnung wo das her kommt\blablabla\narcotic.mp3 alle gleich gut? Das sind aber doch unterschiedliche Dateien!"

Jetzt gibt es Abhilfe. SharpShuffle speichert deine Bewertungen und andere Informationen wie die Wiedergabeanzahl unabhängig von den Dateien. Außerdem bietet es dir die beste Zufallswiedergabe der Welt. Höre alle deine 27349 Musikdateien, ohne dass ein Titel doppelt gespielt wird - wenn du das möchtest. Oder mische anteilig deine Lieblingsmusik unter, die du auch zehnmal täglich hören kannst.

SharpShuffle. Basiert auf VLC, dem flexibelsten Medienplayer der Welt. Läuft mit .NET unter Microsoft Windows. Kostenlos und quelloffen. Jetzt downloaden.

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Zu schade zum Wegwerfen fand ich diesen Text, den ich mal entworfen hatte, als ich noch an einer Medienbibliothek arbeitete. Inzwischen bin ich Linux-User und benutze Quod Libet. Das kann sich mit last.fm synchronisieren - und zwar in beide Richtungen. Meine Musik-Metadaten sind nun also bei last.fm und werden so von allen Geräten und Quellen zusammengetragen. Damit sind sie verwendbar im Medienplayer meiner Wahl und immer wieder passend zugeordnet, egal wo die Datei auf meinem PC liegt - und sogar schon vorhanden, wenn ich einen Song bei Spotify 50x höre und danach erst kaufe. Das Projekt SharpShuffle ist damit nicht über den Status "wilder Haufen zusammengewürfeltes, halb funktionierendes Zeug mit einer Menge Ideen" hinaus gekommen.



Schlagzeugproben zur Aufnahme

Ich spiele fast ausschließlich Schlagzeug zu Aufnahmen von Liedern, die ich gerne spielen können möchte. Mit Covermusik habe ich angefangen zu spielen und bisher bin ich auch nicht davon weg gekommen (und habe das auch gar nicht vor). Im Gegensatz zu Proben mit einer echten Band bringt diese Methode ein Soundproblem mit sich: Man muss die Aufnahme hören, aber auch sich selbst.

Bisher habe ich dafür normale, einfache Kopfhörer benutzt, die recht stark gegen die Umgebung abschirmen und auch recht laut eingestellt werden können. Das ging gut, aber wenn die Probe mal zwei Stunden dauerte, hatte ich danach klingelnde Ohren. Es wurde also höchste Zeit für eine Lösung, die meine Ohren schont.

Bei sticktricks.de wurde ich dann fündig. Keine Ahnung, wieso es bisher keine Option war, Lärmschutz und Wiedergabe zu trennen, aber es funktioniert wunderbar. Ein billiger Gehörschutz und die dort empfohlenen In-Ear-Kopfhörer ergeben eine Kombination, die mir eine wahre Erleuchtung beschert hat beim Sound.

Die In-Ear-Kopfhörer nutze ich nun sogar für meinen MP3-Player, denn sie passen erstaunlich gut in meine Ohren und richtig ausgerichtet ist der Klang wirklich beeindruckend (natürlich nur gemessen daran, dass es eben mobile, kleine Kopfhörer sind und kein ganzes Soundsystem). Außerdem sind sie grün. :D Das Schlagzeugspielen fühlt sich nun ganz anders an, der Lärmpegel ist viel geringer - für mich, für Außenstehende ist es vermutlich noch lauter geworden. Aber das stört im Probenraum ja niemanden.