Musik-Neuentdeckungen 9/2015

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Minutes Til Midnight - Medicate or Stimulate
Man kann so schöne Dinge mit Synthesizern machen... dieser großartige Song eröffnet eine Folge von Elementary und versetzte mich sofort in eine gute Stimmung. Schöne leicht aufdringliche Synthiriffs auf etwas härterer Rockmusik, habe ich so vielleicht noch nie gehört, gefällt mir sehr. Der Rest des Albums ist erfreulicherweise auch sehr gut.
Grace Potter & The Nocturnes - The Lion The Beast The Beat
Manchmal lade ich einfach irgendwelche Mixtape aus dem Internet herunter in der Hoffnung, zufällig neue Songs zu entdecken. Manchmal klappt das, wie hier. Leider scheint dieser Titel nicht repräsentativ zu sein für die Band, die ist nämlich normalerweise weder gekennzeichnet von fettem Schlagzeug, noch choralem Backgroundgesang, noch knackigen Gitarrenriffs, und auch der Gesang der Frontfrau überzeugt mich selten.
American Babies - Cold Blooded
Auch hier kann ich nicht guten Gewissens die ganze Band empfehlen, denn das Album, von dem dieser Track stammt, kann ich nirgends auftreiben, und die vorherigen klingen doch sehr anders. Dieser Song passt eher zu obigem von Grace Potter, "fetter Rocksound" beschreibt es wohl ganz gut.
The Pretty Reckless - Going To Hell
...wobei "fetter Rocksound" im Sinne von "protzig" gemeint ist. The Pretty Reckless hingegen bieten durchaus gehobenes Niveau an ihren Instrumenten und in den Songstrukturen. Nicht zu abgefahren und auch noch nicht zu aggressiv für meinen Geschmack. Wer auf Alternative Rock steht, sollte diesem Song und dem gleichnamigen Album eine Chance geben.
Death From Above 1979 - Right on, Frankenstein
Und noch mehr Alternative Rock! Nicht ganz so abwechslungsreich über ein ganzes Album gesehen, aber dennoch ziemlich gut.


Review: Tomb Raider Anniversary

Stadt.jpgDie Tomb Raider-Serie war, beginnend mit dem allerersten Teil von 1996, entscheidend für meine Neigung zu Videospielen, ebenso wie die zeitgleich gestartete Crash Bandicoot-Reihe. Gemeinsam oder im Wettstreit mit meinem Vater zockte ich mich durch die ersten vier Teile auf der Playstation 1, konnte mich für den fünften dann nicht recht begeistern und verlor Lara Croft dann erstmal aus den Augen. Mit Legend spielte ich Tomb Raider erstmals am PC, per Emulator dann auch die alten Playstation 1-Teile wieder. Nun fand das inzwischen auch schon acht Jahre alte Anniversary den Weg zu mir, ein Remake des ersten Teils zum 10-jährigen Jubiläum.

Tomb Raider: Anniversary wirkt vom ersten Moment an sympathisch. Die Grafik ist wirklich schön, Lara hat endlich mal eine richtige Stimme statt merkwürdige Laute von sich zu geben. Alleine schon das Croft Manor ist wunderbar gemacht und hat mich mehrere Stunden bespaßt. Sogar an den Gag mit den Kisten im Wohnzimmer wurde gedacht (wenngleich der ja gar nicht aus dem ersten Teil stammt).

Auch die Level sind liebevoll nachgebaut worden. Viele erkenne ich sofort wieder, obwohl es Jahre her ist, dass ich das letzte Mal den originalen Teil gespielt habe. Gleichzeitig staune ich über die nun viel beeindruckendere Grafik. Auch sind die Szenarien freier begehbar, beispielsweise können Kisten nun nicht mehr nur in rechteckigen Bahnen mit abgesteckten Blöcken, sondern völlig frei bewegt werden. Innerhalb der drei Welten Peru, Ägypten und Atlantis sind die Übergänge zwischen den Leveln fließend, man kann also nahtlos zwischen Leveln hin- und her laufen.

Lavahöhle.jpgDabei fällt allerdings auch gleich der erste Bug auf: Irgendwann in der Mitte des Spiels hat sich mein Spielstand nicht mehr gemerkt, in welchem Level ich war. Nicht, dass Fortschritte verloren gegangen wären - aber die Levelstatistik bezog sich ab da immer auf das voran gegangene Level, so dass nicht mehr ersichtlich war, wieviele Secrets noch offen waren. Generell funktioniert das Speichern aber sehr gut und vor allem gibt es wie schon in Legend reichlich Checkpoints - im Gegensatz zur Playstation-Version des Originals, wo Speicherpunkte rar und nur einmalig benutzbar waren, was den Frustfaktor massiv erhöhte.

Leider steigt der Frustfaktor auch bei Tomb Raider: Anniversary mit der Zeit. Das neue Kampfsystem lässt sich unfassbar schlecht bedienen. Gegner werden automatisch anvisiert - ich habe bestimmt fünf Level gebraucht, bis ich raus hatte, wie man dann noch zu einem anderen Gegner wechselt. Damit nicht genug - auch anschießbare Objekte wie Schalter werden anvisiert. Dabei wird zwingend immer ein Gegner oder Objekt anvisiert, das gerade im Sichtfeld ist - das führt gerne mal dazu, dass drei Gegner von hinten kommen, während Lara vorne steif auf einen Schalter guckt und ums Verrecken nicht woanders hinschauen möchte, denn man soll ja das Ziel nicht aus den Augen verlieren. So werden Kämpfe zum Wutanfall, wenn mehrere Gegner ins Spiel kommen - selbst wenn der einzelne leicht auszuschalten wäre.

Turm.jpgDas merkt man besonders bei den Bossgegnern. Hier lenkt nichts ab und man kann locker herausfinden, was der Trick bei dem jeweiligen Boss ist, denn stumpfes Ballern ist hier nie angesagt. Die Bosskämpfe waren so mit die leichtesten. Überhaupt ist der Schwierigkeitsgrad massiv gesunken, auf "mittel" hatte ich am Ende 36 große Medipacks (vollständige Heilung) für den letzten Endboss übrig - und brauchte davon nur zwei.

Kämpfe sind also definitiv nicht die Stärke von Anniversary. Das merkt man auch daran, dass erst ganz am Ende auf Menschen geschossen wird, Gewalt wird hier nie als eine gute Lösung dargestellt. Auch die Waffen sind eher unspektakulär. Dafür stehen Rätsel im Vordergrund - und die sind wirklich gut. Einige sehr knifflig, viele mit etwas Nachdenken gut lösbar, aber fast alle raffiniert und interessant. Blicke in eine Komplettlösung waren diesmal nicht erforderlich. Auch die Kletterpassagen sind gut geworden, Lara kann nun auch auf Pfeilerspitzen balancieren und verfügt über einen Schwunghaken, was den möglichen Aktionen mehr Vielfalt verleiht. Der Haken ist allerdings ausgesprochen knifflig zu bedienen, es empfiehlt sich dringend, die Benutzung vor den letzten Leveln intensiv zu üben, da die zum Ende hin immer häufiger werdenden Zeitrennen sonst irrsinnige Frustration auslösen. Im vorletzten Level hätte ich fast meine Maus aus dem Fenster geworfen, weil dort das fürchterliche Zielsystem mit einer Schwunghaken-Passage und einigen schwer zu timenden Sprüngen zusammenkam und obendrein das ganze Spiel plötzlich anfing zu haken.

Midas.jpgMidas_texturlos.jpg

Die vielen Checkpoints und die großzügige Versorgung mit Munition und Medipacks machen solche Abschnitte erträglich, dennoch trübt das die Spielfreude vor allem gegen Ende sehr. Dabei könnte es so ein schönes Spiel sein - es besitzt ausreichend Abwechslung und Schwierigkeit, um deutlich mehr Spielzeit zu bieten als Legend. Der normale Levelverlauf ist meist offensichtlich, aber nicht stumpf, und die Secrets sind größtenteils anspruchsvoller, aber für den erfahrenen Tomb Raider-Spieler gut zu lösen. Die Story hält alles lose zusammen, aber wie immer steckt nicht allzu viel dahinter. Spaß hatte ich definitiv mit Anniversary - trotz freischaltbarer Extras (andere Outfits, Level auf Zeit spielen, Galerien u.ä.) und witziger Gimmicks (ohne Texturen spielen) bin ich aber wenig motiviert, nochmal von vorne anzufangen. Vielleicht zum nächsten Geburtstag - ist ja nicht mehr lange bis dahin.



Von wegen genieß deine Jugend

Es ist kein Wunder, dass sich junge Menschen heute immer öfter Jobs verweigern, die Erreichbarkeit nach Feierabend fordern oder bei denen Überstunden normal sind. Wer schon zu Schulzeiten nicht vor 16 Uhr nach Hause kommt und später durch das Studium geprügelt wird mit acht Klausuren in zwei Wochen, hat keinen Unterschied mehr zwischen der "schönen Schulzeit" und dem "harten Arbeitsleben". Mir hat man noch erzählt, ich würde später wehmütig an die Schulzeit zurück denken - schon bei mir stimmt das nicht mehr, und damals gab es G8 noch nicht.

Und während ich damals fröhlich alles schwänzte, worauf ich keine Lust hatte, sobald ich mich selber krank schreiben durfte, stehen die Schüler heute spätestens in der verkürzten Oberstufe so unter Druck, dass sie schon fast freiwillig früh ins Bett gehen, weil einfach keine Energie mehr da ist. Wer es schafft, neben Unterricht und Hausaufgaben mehr als einer Freizeitaktivität nachzugehen, wird bestaunt. Das macht mich traurig - denn Geld verdienen, Familienleben pflegen und den Haushalt schmeißen müssen wir alle früh genug, da sollte zumindest Schülern viel Freiraum bleiben, um ihre Interessen auszuloten.

Bedarf dafür besteht auf jeden Fall - beispielsweise ist die durchschnittliche Zahl der Bundesfreiwilligendienstleistenden pro Monat von 2012 auf 2014 um 25% gestiegen1, was sicher auch auf einen höheren Anteil bei den Schulabsolventen zurückgeht, die vor dem Studium erstmal eine Zeit lang etwas anderes ausprobieren. Studiengänge wie Sensorik und kognitive Psychologie findet man nicht, wenn man unter Druck schnell eine Entscheidung trifft. Für viele in diesem Fach ging eine Bewerbung auf oder sogar ein Studium eines anderen Faches voraus. Erzähle ich, was ich studiere, werde ich oft ungläubig angesehen - die Kombination Physik und Psychologie erscheint kaum jemandem sofort logisch. Dabei ergibt sie sofort Sinn, wenn man mal darüber nachdenkt, auch in der Praxis treffen diese beiden Bereiche heutzutage oft aufeinander.

Aber zur Schulzeit bleibt ja schon nicht genug Zeit für den vorgesehenen Stoff, geschweige denn für interdisziplinäre Betrachtungen oder Praxisbeispiele. Ich hatte zwei Jahre lang Physik-Leistungskurs, fünf Schulstunden die Woche. Genau eine davon hatte Praxisbezug - als wir einen Vertretungslehrer hatten, der ganz entgeistert war, dass niemand im Kurs wusste, wofür wir den elektrischen Schwingkreis lernen. Kein Wunder, dass viele schimpfen, der Schulstoff sei unnötig - das ist er tatsächlich, solange niemand erklärt, was man damit anfangen kann, denn dann vergisst man die Inhalte sowieso wieder und entwickelt auch kein weiteres Interesse mehr daran.

Nicht nur die Hetzerei des Systems G8 ist kontraproduktiv für die Interessenentwicklung und die nachhaltige Vermittlung von Wissen, auch eine Ebene höher läuft einiges schief. Es ist ja prinzipiell niemand gezwungen, sein Abi auf einem Gymnasium zu machen, nichtmal das Abi an sich ist ja ein Muss. An einigen Gesamtschulen2 kann man immer noch oder wieder nach 13 Jahren Abitur machen. Einige Freunde haben ein Fachabi. Viele Realschulen haben einen ausgezeichneten Ruf und der Erfahrung von Schülern dort nach wird dort oft besserer Unterricht angeboten als an den selbst ernannten Elite-Gymnasien. Aber in meiner Elterngeneration und dadurch übertragen auch bei vielen Jugendlichen hat das Fachabi einen wesentlich schlechteren Ruf als das "richtige" Abi, ein Fachhochschulabschluss wird immer noch nicht als gleichwertig angesehen, obwohl drei Jahre Studium mittlerweile an jeder Hochschule zu einem Bachelor führen, und auch für Berufsausbildungen werden Abiturienten lieber genommen als Realschulabsolventen - völliger Blödsinn, denn in fast keiner Berufsausbildung wird auch nur ein Quäntchen Stoff aus der Oberstufe benötigt. Der Mathematikunterricht an der Berufsschule, die ich eine Zeit lang besuchte, befasste sich überwiegend mit Bruchrechnung (lernt man in der sechsten Klasse).

Eltern, Lehrer und die gesamte Gesellschaft müssen dringend aufhören, schon in der Mittelstufe Schüler unter Druck zu setzen. Niemand kann ernsthaft behaupten, ein wiederholtes Schuljahr, ein paar geschwänzte Unterrichtsstunden, ein Auslandsjahr oder ein Semester über der Regelstudienzeit würden irgendwas am Leben nach der Ausbildung ändern. Und die gesellschaftliche Abwertung von Bildungsabschlüssen unter Universitätsniveau führt nicht zu einer besser gebildeten Gesellschaft, sondern zu weniger Möglichkeiten für junge Menschen - ein völlig widersinniger Schritt in einer Zeit, in der kaum jemand noch begreifen kann, wie viele Möglichkeiten es gibt.

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Foto: eigenes Werk

  1. Quelle: Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben
  2. Die gibt es nicht in allen Bundesländern, u.a. aber in NRW - eine Mischform aus den dortigen drei anderen weiterführenden Schulen, die es durch Kurse auf verschiedenen Niveaus ermöglichen soll, die Entscheidung Haupt-/Realschule oder Gymnasium nicht sofort nach der Grundschule, sondern später zu treffen



Konzertschnipsel

Uni-Sommerfest an der Ruhr-Uni Bochum. Der Rektor hört auch mal Dark Wave. Danja Atari macht vor allem Spaß - ohne jede Clubatmosphäre und auf einer sehr leeren Bühne, aber ganz sommerlich leicht, mit wirklich gutem Sound und ausufernden Remixes.

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Das Konzert von Samuel Harfst ist vorbei, aber er redet einfach noch immer weiter, während des Konzertes hat er einiges erwähnt, für das die Zuschauer nun Erläuterungen einfordern. Er ist kein Prediger, zieht aber mehr Leute in den Bann als der Pfarrer am Sonntag. Dabei hatte er während des Konzertes noch ständig die Hand in der Hosentasche und wirkte bei den Moderationen recht unsicher. Und er weiß, dass TEN SING einer der ersten Chöre war, die ein Lied von ihm sangen.

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TEN SING Versmold macht "Irgendwas mit Piraten". Paul hat sich einfach mal Geige spielen selbst beigebracht, weil eine Geige, die sei Urgroßvater mal als Bezahlung für ein Fahrrad bekommen hat, wieder aufgetaucht ist. Die Ureinwohnerin aus dem Theaterstück hat in jeder Szene mehr Kinder dabei. Es wird aus Felsbook gelesen und mit dem Spaten mit der Zuckerberg-Frisur gegraben.

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Blood Red Shoes haben diesmal viele erwachsene Zuschauer, aber auch junge Punks und Paramore- und Wir sind Helden-Fans. Einige sind Nachbarn, Blood Red Shoes wohnen ganz in der Nähe und auch das Studio ist um die Ecke, andere sind sogar aus dem Ausland, Polen und Frankreich sind vertreten. Die Show ging nur 70 Minuten, aber man ist erschöpft als wären es drei Stunden gewesen. Viele harte Songs führten zu Moshpits, die größer waren als manche Konzerthalle.



Schlechte Gründe, nicht Vegetarier oder Veganer zu werden

veganes_essen.jpg

Die wohl häufigste Reaktion auf die Aussage "Ich bin Vegetarier" ist "das könnte ich nicht", gefolgt von einem ziemlich schlechten Grund. Ich möchte niemanden bekehren, Vegetarier zu werden, es ist halt einfach oft notwendig, darauf hinzuweisen. Zum Beispiel, wenn man nach einem unbezahlten Auftritt gerne was essen würde, aber nichts essen kann, weil es nur Bratwurst gibt. Aber ich schweife ab. Folgende Liste zeigt auf, welche Gründe ich nicht ernstnehmen kann.

  • Ich mag Fleisch viel zu sehr. Nach ein bis zwei Wochen vermisst man nichts mehr und nicht wenige mögen Fleisch schon nach wenigen Jahren nicht einmal mehr. Zudem ist der Fleischkonsum des durchschnittlichen Deutschen viel zu hoch.
  • Vegetarisch kochen ist zu teuer. Wieso? Ich koche vegetarisch und backe vegan, ein Großteil meiner Lebensmittel hat Bio-Qualität, teilweise sogar Demeter-Qualität und ich gebe monatlich nur etwa 120€ für Lebensmittel aus. Manche Dinge mögen teuer erscheinen, sind es aber langfristig betrachtet nicht. Zwei Beispiele: Ich verwende Sojamehl als Bindemittel statt Eiern. Das kostet ein Vielfaches von normalem Mehl, man benötigt aber so wenig davon, dass meine 250g-Packung inzwischen abgelaufen ist. Und ich esse gerne Seitan, wenn mir mal nach typischen fleischigen Gerichten ist. Ich bereite meinen Seitan selber zu, das Kilo Rohpulver kostet fünf Euro. Das ist mehr, als Schnitzel teilweise kosten - aber man kann daraus eben nicht nur ein Kilo, sondern drei Kilo Seitan zubereiten. Und nicht zuletzt: Wer sich mit Fleisch billig ernährt, konsumiert schlechte Qualität. Viele "typische" Veganer-Lebensmittel gibt es einfach nicht in schlechter Qualität.
  • Vegetarisch kochen ist aufwändig. Ach, Humbug. Vegetarisch kochen ist genauso aufwändig wie normal zu kochen, es gibt bloß weniger Fertiggerichte. Also auch hier wieder: Nur wer sich mit minderwertigem zufrieden gibt, spart Zeit. Nudeln mit gebratenen Paprika in Sahnesoße gehen genauso schnell, egal ob ich Schweine- oder Seitangeschnetzeltes nehme.
  • Das ist doch ungesund! Da beziehe ich mich auf meinen Physiologie-Dozenten, der Kardiologe ist (und damit Medizin studiert hat und mehr über den menschlichen Organismus weiß als die meisten, die sich zu dem Thema äußern): Vegetarier haben mit keinerlei Mangelerscheinungen zu rechnen, Veganer gelegentlich. Vor allem Eisenmangel kann ein Problem werden, vor allem bei Blutverlust. Frauen sind stärker betroffen. Letztlich benötigt der Körper aber von allem, was in Fleisch ach so tolles enthalten ist, so wenig, dass es jahrelang selbst dann nicht auffallen wird, wenn man sich unausgewogen vegetarisch ernährt. Zeit genug also, sich generell bewusster zu ernähren, um langfristigen Mängeln vorzubeugen.
  • Ernährung ohne Fleisch ist unnatürlich! Ja und? Wer gerne natürlich leben und sein Fleisch im Wald selber reißen will, kann das gerne tun, da werde ich mich nicht einmischen. Kein Fleisch zu essen ist sicher nicht so unnatürlich wie mit Medikamenten vollgepumptes genmanipuliertes Fleisch von Tieren aus Massenhaltung zu essen.

Übrigens halte ich es keineswegs für notwendig, seine Position zu verteidigen, wenn man nicht Vegetarier werden möchte. Das ist eine Einstellung, die ich einfach akzeptiere. Nur wer anfängt zu argumentieren, beginnt eine Diskussion, die er nicht gewinnen wird.

Foto von J. Annie Wang auf Flickr, lizensiert unter CC-BY-NC-ND 2.0



Tastaturlayouts für eigene Zwecke anpassen unter Linux

Einer der Gründe, warum ich inzwischen seit mehreren Jahren nur noch Linux verwende, ist die gute Anpassbarkeit in jedem Detail. Nichts, was jeder braucht oder auch nur jeder nützlich finden würde, aber mir gefällt es. Vielleicht eine typische Eigenart von Programmierern - alles, was durch Anpassungen effizienter oder nützlicher werden könnte, soll es auch werden.

tastatur_kyrillisch.jpgZurzeit schreibe ich zum Beispiel oft Leadsheets für meine Band, dafür brauche ich immer wieder die Vorzeichen-Symbole ♭ und ♯. Natürlich kann man auch einfach b und # schreiben, das sieht dann aber doof aus: A♭ oder A♯ vs Ab oder A#. Vor allem wenn es As-Moll ist: Abm. Und man kann die Spezialsymbole zwar einfügen, obwohl sie auf der Tastatur fehlen, aber nur per Unicode-Spezialbefehl, in meinem Fall Strg + Shift + U, dann die Unicode-Folge (U266D bzw. U266F) und dann Leerzeichen. Dann hat man zwar A♭m, aber auf Dauer auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Aber genug des Vorgeplänkels. Unter Linux kann man, sofern die verwendete Linux-Variante den X-Server verwendet (und das tun zumindest die gängigen alle), sein Tastaturlayout einfach anpassen. Ich habe das bereits früher mal gemacht, um die Belegung der internen Funktionstasten meines Notebooks zu ändern, aber dazu später. Ich wollte also gerne das ♭ erzeugen, indem ich die B-Taste mit Alt Gr zusammen verwende, und das ♯ entsprechend bei Alt Gr und #. Die Standard-Tastaturlayouts von Linux Mint haben auf der Alt Gr-Ebene schon irgendwelche anderen Sonderzeichen, auf die ich aber gut verzichten kann.

Die Tastaturlayouts sind unter /usr/share/X11/xkb/symbols gespeichert. Nicht jede mögliche Variante hat eine eigene Datei, nur die grundlegenden Layouts. Ich verwende zum Beispiel das Layout de in der Variante deadgraveacute - also die deutsche Belegung, bei der nur die Akzente Grave und Acute standardmäßig einen Buchstaben erwarten é è, das Circumflex ^ bekomme ich direkt. Die dafür zuständige Datei ist de.

In dieser Datei gibt es drei wesentliche Bestandteile:

xkb_symbols "deadgraveacute"
Dadurch wird die Variante gekennzeichnet. Es gibt immer eine Variante "basic" und dann abgewandelte Varianten. Tastenbelegungen können in mehreren Varianten vorkommen, es gilt, die richtige(n) zu ändern.
include "latin(type4)"
Damit nicht so viele Dopplungen auftauchen, können Layouts und Varianten eingebunden werden. Diese Zeile bindet das Layout latin ein, das sich in einer anderen Datei befindet, und zwar in der dort notierten Variante type4. Die Variante ist beim Einbinden optional. In meinem Fall befand sich die Tastenbelegung, die ich ändern wollte, gar nicht in der Datei de, sondern bereits in der Datei latin.
key { [ b, B, U266D, leftsinglequotemark ] };
In diesen Zeilen wird die tatsächliche Belegung der Tasten definiert. Der Name der Taste steht am Anfang in spitzen Klammern, die Namen richten sich dabei typischerweise nach der Standardbelegung im US-Layout. Hier bezeichnet AB05 die fünfte Taste1 auf der zweiten alphanumerischen Tastenreihe von unten. Es folgt dann wie oben zu sehen die Angabe der Belegung in der Reihenfolge Taste, Taste mit Umschalt, Taste mit Alt Gr und Taste mit Modifikatortaste für Ebene 4. Letztere kann unter Linux frei gewählt werden, bei mir ist es die Feststelltaste, die ich sonst nicht benutzen würde, bei manchen muss man dafür sowohl Umschalt als auch Alt Gr drücken. U266D steht für das Unicode-Zeichen 266D - das ist ♭.

Wenn alle beteiligten Layouts und Varianten nach Belieben angepasst wurden, muss das geänderte Layout noch übernommen werden. Dazu löscht man die Caches:
sudo rm /var/lib/xkb/*.xkm

Anschließend entweder einmal das Layout wechseln und zurückwechseln oder neu anmelden. Die neue Tastenbelegung sollte nun funktionieren. Per Skript aktiviert man mein Beispiel dann so:
setxkbmap de -variant deadgraveacute

Nun noch zu dem eingangs erwähnten Sonderfall mit der Notebooktastatur und der externen Tastatur. Bei meiner Notebooktastatur sind die Tasten Pos1 und Ende nur in Kombination mit der typischen Fn-Taste erreichbar. Das hat mich genervt. Praktischerweise ist das aber eine Hardware-Funktion, die Tastatur sendet in Kombination mit der Fn-Taste einen anderen Tastencode, so dass ich die Belegung mit der gleichen Methode wie oben einfach tauschen konnte.

Dadurch habe ich allerdings auch die normalen Tasten meiner externen Tastatur umbelegt. setxkbmap akzeptiert zwar die Angabe eines Gerätes, auf dass sich die Belegung beziehen soll (mit ID von xinput):
setxkbmap -device 3 de

aber in meinem Fall werden die Tastaturen zu merkwürdigen Virtual Keyboards zusammengefasst, da habe ich noch nicht raus, wie ich es schaffe, beide Tastaturen gleichzeitig mit dem korrekten Layout zu belegen. Bis ich das herausfinde, begnüge ich mich damit, die Belegung zusammen mit dem Monitor zu wechseln, dafür habe ich eh ein Skript auf eine Tastenkombination gelegt.
xrandr --output HDMI-0 --auto && xrandr --output LVDS-0 --off && xrandr --output VGA-0 --off setxkbmap -device 3 de -variant deadgraveacute

Damit habe ich immerhin an der Tastatur, die ich typischerweise zusammen mit dem entsprechenden Monitor verwende, die dafür passende Belegung. Und nun auch mit den Sonderzeichen, die ich gerne einfach eingeben können möchte.

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Foto von Kecko auf Flickr, lizensiert unter CC-BY-ND 2.0

  1. Auf der amerikanischen Tastatur gibt es die Taste mit den größer- und kleiner-Zeichen nicht.


Musik-Neuentdeckungen 8/2015

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

The Wombats - Your Body is a Weapon
Während O. beim Highfield sehr enttäuscht war, dass die Wombats so sehr Richtung Synthi-Pop gewandert sind, war ich darüber ausgesprochen glücklich. Wunderbar tanzbares Zeug machen die jetzt und bereiten mir eine Menge gute Laune.
Ugly Kid Joe - Cats In The Cradle
Nachdem ich in einer langen Nacht daran erinnert wurde, dass ich viel mehr bewusst Musik hören sollte, läuft bei mir wieder mehr anspruchsvolle Rockmusik statt dem üblichen Radio-Pop, beispielsweise dieser Song.
Pearl Jam - Alive
Auch Pearl Jam haben dadurch den Weg in mein Wohnzimmer gefunden. Lange hatte ich sie verschmäht, weil einige Alben doch recht anstrengend sind, aber die Musik der Band ist so vielfältig, dass mir einige Stücke auch wirklich gut gefallen. Alive ist einer ihrer ältesten Songs.
Kasabian - Vlad The Impaler
Auf der Suche nach neuen Songs für meine Band habe ich mir auch mal Kasabian näher angeschaut und auf Empfehlung hin diesen Song angehört. Rock mit Crazyness. Sehr geil.


Charts-Popups

Sammlung von Liedern, die man irgendwann mal im Kopf haben könnte mit dem "Ach ja, das gab's ja auch noch"-Effekt. To be continued.

  • Madcon - Glow
  • B.O.B. feat. Hayley Williams - Airplanes
  • Hurts - Stay
  • Timbaland feat. OneRepublic - Apologize
  • OneRepublic - Good life
  • Coldplay - Every teardrop is a waterfall
  • RHCP - The Adventures of Rain Dance Maggie
  • Beatsteaks - Automatic
  • James Blunt - Stay the night
  • P!nk - Raise your glass
  • Brooke Fraser - Something in the water
  • Revolverheld - Spinner
  • Jupiter Jones - Still
  • The Wombats - Techno Fan
  • Maxim - Soldaten
  • Psy - Gangnam Style
  • Pharrell Williams - Happy
  • Mark Forster feat. Sido - Au Revoir
  • Milky Chance - Stolen Dance
  • James Bay - Hold back the River
  • Namika - Lieblingsmensch
  • Joris - Herz über Kopf