Auf Kopfdruck: Aufgebracht und aufgewühlt

Die Person ist studierend. Wem wünscht man sowas? Angestarrt von Dutzenden Augenpaaren, ein Referat, der Vortragende findet einfach nicht die richtigen Worte. Es wird getuschelt, gelacht, Interesse am Thema bringen die Zuhörer nicht mit und was das Thema eigentlich ist, wird auch nicht klar. Referate setzen so manchen enorm unter Druck, selbst eine Professorin nannte Vorträge "die schlimmstmögliche Prüfungsleistung". Näher am Alltag hätte sich die studentische Theatergruppe Turmbau 62 nicht bewegen können.

Was ist Druck? Was setzt uns unter Druck? Wieso fühlen wir uns nie richtig frei? Ist es nicht schön, Urlaub in den Bergen zu machen, die frische Luft, die grasenden Kühe, du ganz allein, Raum für all die Gedanken - die von Zuhause mitgebrachten Gedanken! Die Steuererklärung, die Rentenvorsorge, die Anzahl der Likes auf Facebook. Was macht uns frei davon?

Mit nichts als sich selbst, etwas Musik und ein paar Luftballons nehmen uns die Darsteller mit in Szenen, die so nah am Leben sind, dass wir auf den Stühlen fast genauso schwitzen wie die Schauspieler im Scheinwerferlicht. Sprechchöre und eindringliche Mantras erlauben kein Entkommen. Jeder findet sich irgendwo wieder - selbst die, die glauben, vor dem Druck fliehen zu können, prallen hart auf, wenn sie aus dem Urlaub in ihre plötzlich so spießige Umgebung zurückkehren. Und auch wer sich bewusst frei macht, stellt Ansprüche an sich selbst: Auch die eigene Persönlichkeit übt Druck aus. Es ist zuweilen ein sehr düsteres Bild, dass von unserem studentischen Alltag gemalt wird, und doch versinken wir nie zu tief im Druck.

Wie gehen wir mit Druck um? Können wir ihn akzeptieren, ist er sogar nützlich? Mit beeindruckendem schauspielerischen Talent und enormer Motivation werden wir mit allerlei Fragen konfrontiert, die teils schon mit Antworten kommen, teils Raum für Selbstreflektion lassen. Entspannt ist ein Besuch in Auf Kopfdruck nicht, wohl aber faszinierend, unterhaltsam und sogar lehrreich.

Am Donnerstag, 21. Mai 2015, gibt es noch eine weitere Aufführung im Weltecho Chemnitz. Karten kosten 5€ bzw. ermäßigt für Schüler und Studenten 3€ und sind nur an der Abendkasse erhältlich. Die besten Plätze sind in der ersten Reihe direkt am Geschehen, pünktlich zum Einlass um 19:30 Uhr da sein lohnt sich also (Beginn 20 Uhr). Glasklare Empfehlung!



Studium und Alltag 2

Das Schwierigste beim Studium ist, den Bezug zur Realität zu finden. Physiker stellen viele Ideale auf, damit sie Berechnungen durchführen können, und Psychologen arbeiten mit Theorien, die oft schwierig zu prüfen sind. Daher möchte ich in loser Folge festhalten, welche Alltagsphänomene mir begegnen, die mit den Themen meines Studiums tatsächlich erklärbar sind.

  • Physikalisches Praktikum: Auch wer Physik nicht verstanden oder nicht bestanden hat, wird im Praktikum zurecht kommen, denn Probieren geht auch an der Uni über Studieren. Neben besserem Verständnis für grundlegende physikalische Prinzipien nehme ich dabei vor allem auch den vernünftigen Umgang mit Messdaten mit. Niemand sollte der digitalen Küchenwaage die Präzision glauben, die sie mit zwei Nachkommastellen vorgaukelt. Und ob die 3€-Messschieber aus dem Baumarkt vernünftig geeicht sind, wage ich auch zu bezweifeln - aber immerhin weiß ich nun, wie man damit Zehntelmillimeter messen kann.
  • Evolutionstheoretische Gedanken zu Präferenzen bei der Geschlechterwahl: Was wir als attraktiv ansehen, steht für hohe Fitness, also für Vorteile gegenüber anderen beim Kampf ums Überleben. Aber auch wer stark gezeichnet ist, wirkt attraktiv, weil er damit eine hohe Resistenz gegen Angriffe / Feinde zeigt (denn er lebt ja trotz Verletzungen / Narben / usw. noch). Und weil wir uns gegen immer neue "Angriffe" verteidigen müssen, können wir es uns nicht leisten, über Generationen hinweg nur unser gutes Aussehen zu vererben - deshalb gibt es nicht nur unglaublich attraktive Menschen. Letzteres Phänomen wird als Lek-Paradox bezeichnet.
  • Wärmeaustausch: Ich verwende gelegentlich extrem heißes Wasser zum Spülen. Nach einiger Zeit ist es allerdings immer kalt - gemessen an der Ausgangstemperatur sogar recht schnell. Das liegt daran, dass ich immer eine ähnliche Menge Geschirrteile spüle - und dieses Geschirr Wärme aus dem Wasser aufnimmt. Nun ist die Wärme definiert als die Bewegungsgeschwindigkeit der Moleküle im Wasser; diese bewegen sich also schneller, wenn das Wasser heißer ist. Sich schneller bewegende Moleküle treffen öfter auf andere Körper (Geschirr) und übertragen dabei Energie (Wärme). Das Geschirr wärmt sich also auf (das war offensichtlich) - und zwar schneller, wenn das Wasser heißer ist. Deshalb lässt sich mit heißerem Wasser die gleiche Menge Geschirr schneller spülen (oder es lösen sich größere Verschmutzungen), aber keine größere Menge Geschirr spülen.


Verrückte Verbindungen

Ich habe einen ausgeprägten Synchronsprecher-Tick. Bei Schauspielern kenne ich mich mangels Filmkenntnissen nicht aus, aber aus Serien sind mir einige Stimmen vertraut. In Lie to me kam bisher noch in jeder Folge mindestens ein mir bekannter Synchronsprecher vor. In Folge 1x08 allerdings habe ich mir die Zähne ausgebissen an dem Videoschnipsel, den Cal sich auf einem alten Projektor reinzieht - beide Stimmen kamen mir bekannt vor. Synchronkartei.de half mir letztlich herauszufinden, dass die Frau die Sprecherin der Seherin aus Charmed hat, aber den Mann konnte ich nicht identifizieren. Er klingt wie Walter White aus Breaking Bad, dessen Sprecher ist aber nicht für diese Folge verzeichnet. Dafür fand ich heraus, dass in dieser Folge sowohl der Sprecher des Hausmeisters aus Scrubs vorkommt als auch der Sprecher des Vaters des Hausmeisters aus Scrubs...

Steppenwolf, die Band mit dem einen Hit Born to be wild, hat sich nach einem Roman von Hesse benannt, der wiederum stammt aus Calw, und die Stadt wiederum hat den Gründer der Band mal eingeladen weil er die Band nach dem Roman benannt hat. Calw ist auch der Sitz meines Stromlieferanten, der inzwischen Schwarzwald Energy heißt und nicht mehr Calw Energie. Damit wissen zumindest Steppenwolf jetzt, dass der Schwarzwald noch existiert.

Jack White, der Gitarrist der nun aufgelösten White Stripes, ist jetzt Schlagzeuger bei The Dead Weather, einer Band, in der zwar nur wirklich talentierte Musiker spielen, die aber sehr schwere Kost produziert. Deren Sängerin ist Alison Mosshart, die ich als solche sehr schätze und vor allem als Frontfrau von The Kills kenne. Die wiederum produzierten ihr erstes Album im selben Studio wie The White Stripes. In diesem Studio werden unter anderem Keyboards von Farfisa verwendet - von denen auch das Keyboard ist, das ich vor vielen Jahren mal zu Weihnachten geschenkt bekam (was mich trotzdem nicht motivierte, Keyboard oder Klavier zu lernen).



Musik-Neuentdeckungen 4/2015

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Gnadenlos vertrödelt und außerdem sehr sparsam diesmal nur ein Titel.

Deichkind - Denken Sie groß
Im April war wieder deutschlandweites TEN SING-Seminar und bei der Abschlussbotschaft wurde uns dieser Song mitgegeben. Diese Seminare schweißen die Leute unglaublich zusammen und geben einen irre großen Motivationskick - der in den lokalen Ortsgruppen, im Probenalltag, schnell wieder versickert. Groß denken - das geschieht definitiv, wenn in nur sechs Tagen eine abendfüllende Show aus dem Boden gestampft wird. Und diese Denkweise sollte auch in den "normalen" Gruppen ausprobiert werden, denn das Potenzial ist das selbe - nur die Vorgehensweise anders.


Sieg der Mehrheit

Seit ein paar Tagen bin ich WhatsApp-Nutzer. Wie immer, wenn ich einen meiner Grundsätze umwerfe, ringe ich ein bisschen mit mir selbst, ob das wohl so gut war, daher werde ich meine Gedanken mal ordnen. Ich war einer der letzten in meinem Freundeskreis, der einen Internetanschluss bekam, ich habe erst seit 2004 ein Handy und erst seit 2014 ein Smartphone. Das mag seltsam erscheinen, schließlich begann ich, Programmieren zu lernen, als ich 9 war, und zerlegte unseren PC im Wohnzimmer, bevor mein Vater verstanden hatte, in welcher Reihenfolge man die SCART-Kabel am Videorekorder anschließen musste (ich bin mir nicht sicher, ob er es je verstanden hat). Aber es war bei allen drei einfach kein Bedarf da - vielleicht fühlt sich die Entscheidung für WhatsApp deswegen etwas anders an.

Denn Bedarf besteht da nach wie vor nicht. Es war diesmal vielmehr das Wegfallen von Gründen für meinen Widerstand.

  • Kommunikation per E-Mail kann ich schon lange nicht mehr durchsetzen und schlimmer als Facebook sind SMS und Threema1 nun auch nicht. Und anders erreicht man heutzutage einfach niemanden mehr.
  • Sicherheit? Mit vielen Personen, die ich nun per WhatsApp erreichen kann, kommunizierte ich bislang per SMS. Die sind nichtmal während der Übertragung verschlüsselt.
  • Datenschutz? Dass ich mich nicht von Facebook abmelden werde, habe ich schon vor längerem entschieden. Seit ich ein Smartphone nutze, lagern meine Kontakte auch wieder bei Google. Da WhatsApp nun zu Facebook gehört, ist es einfach irrational, es aus Misstrauen nicht zu nutzen.
  • Sicherheit, zum zweiten? WhatsApp fordert irrsinnig viele Berechtigungen auf meinem Telefon. Seit Android 4.3 kann man darüber aber die Kontrolle erlangen. In der Tat versucht WhatsApp gelegentlich ohne Anlass, meinen Standort abzufragen oder meine Kontakte zu ändern - das habe ich ihm nun schlicht verboten.
  • Sicherheit, zum dritten? WhatsApp ist bekannt dafür, Sicherheitslücken nur langsam zu schließen. Das passt mir gar nicht. Vielleicht ein Grund, warum ich noch ein seltsames Gefühl dabei habe.

Bei den drei vorhergehenden Kommunikationserweiterungen - Internet, Handy, Smartphone - war einfach irgendwann die Zeit reif. Ich habe vorher ohne überlebt, nun möchte ich keins mehr abgeben. Vermutlich wird auch WhatsApp schon bald normal sein - es zwingt mich ja auch niemand, es ständig zu nutzen, und auch Fotos und Sprachnachrichten sind verzichtbar.

An rationalen, schlagkräftigen Argumenten bleibt jedenfalls nur eins: WhatsApp ist nur verfügbar, wenn Internet verfügbar ist - im Gegensatz zu SMS, die quasi immer zugestellt werden können. Da mit dem Smartphone aber auch das mobile Internet bei mir Einzug gehalten hat und ich sowieso noch nie ein Fan von wirklich ständiger Erreichbarkeit war, ist das kein Problem (und SMS sind ja nicht abgeschafft). Ich werde mich also vermutlich in einer Weile daran gewöhnt haben, dass meine Standard-Kommunikations-App auf dem Handy nun etwas anders aussieht. Bevorzugt sind sowieso immer noch Telefon und persönliches Treffen - aber mit den Gründen dafür könnte man einen weiteren Blogeintrag füllen.

  1. Als sicherer und vertrauenswürdiger geltende WhatsApp-Alternative


Musik-Neuentdeckungen 3/2015

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Remi Miles - Under Light Symphonies
Remi Miles habe ich schon vor einiger Zeit als Vorband gesehen und für sehr gut befunden, gut dass mir dieser Song nochmal begegnet ist, sonst wären die glatt wieder in Vergessenheit geraten.
Royal Blood - Little Monster
Auf Empfehlung eines Freundes in Zusammenhang mit Blood Red Shoes landeten Royal Blood in meiner Musiksammlung. Vergleichbare Musik und vergleichbares Bandkonzept, aber interessantere Songstrukturen und insgesamt etwas härter.


Einen positiveren Lebensstil entwickeln

Ich habe heute den nachrichtenreichsten Feed aus meinem Feedreader geworfen und erhalte nun keine Nachrichten mehr von heise online. Damit erhalte ich über meinen automatischen Reader keinerlei konventionelle Nachrichten mehr - alle anderen Nachrichtenportale mussten schon vor längerer Zeit weichen, auch die Tageszeitung habe ich abbestellt. Nur die Tagesschau in 100 Sekunden ist geblieben, damit ich zumindest nicht verpasse, falls die EU pleite geht oder Deutschland Kriegsgebiet wird, ergänzt von Radio Chemnitz für die Geschehnisse direkt um mich herum.

Bei direkter Kommunikation mit anderen Menschen war ich noch nie besonders gut und bin es auch heute nicht. Klar fällt es mir mit einigen leicht mich stundenlang zu unterhalten und darüber bin ich dann stets sehr froh, aber Gespräche selber anzetteln liegt mir nicht. Und wenn, dann werden es schnell unerfreuliche Themen und Genörgel. Das ist mir kürzlich aufgefallen und die Erkenntnis kam überraschend, denn eigentlich bin ich ein sehr positiver Mensch.

Nun kann man sicher argumentieren, dass wir nicht gerade in positiven Zeiten leben und es schwer ist, im Blick auf die gesamte Welt positive Gedanken zu haben. Dem setze ich entgegen, dass wir uns nicht mit allem beschäftigen sollten, was in der Welt passiert. Durch die vorherrschende Globalisierung kommen wir nicht ganz darum herum - aber ich muss nicht wissen, wieviele Menschen diese Woche in welchen Ländern wodurch gestorben sind. Natürlich finde auch ich das sehr schlimm - aber ich bin nicht in der Lage, das alles zu verarbeiten. Und ich kann nicht jeden Tag etwas dagegen tun. Deshalb habe ich meine allgemeinen Nachrichten drastisch reduziert.

Außerdem leidet die Qualität der Nachrichten in den letzten Jahren allgemein. Auch Heise ist davon betroffen, die Artikel verlieren an Qualität und auch die Themenauswahl wird langsam fragwürdig. Darüber hinaus möchte ich auch die Themen, die ihre Berechtigung haben, nicht mehr alle sehen. Ich kann den NSA-Skandal nicht mehr ertragen, mag nicht mehr auf Leute einreden, dass sie ihre E-Mails verschlüsseln sollen, will nicht wissen welche IT-Unternehmen gerade was getan haben. Also weg damit.

Bleibt die Frage, ob mein eigenes Leben positiv genug ist, wenn ich genug Störfaktoren ausblende, oder konkreter die Frage, was in meinem Leben nervt und was mir Freude bereitet. Aus einer Laune heraus (und vielleicht weil ich durch das Studium ein bisschen geschädigt bin) habe ich mal eine schnelle qualitative Analyse erstellt, womit ich dieses Jahr so meine Zeit verbracht habe, und habe zwei Faktoren erkannt, die anscheinend eine Rolle spielen: Gehe ich einer Tätigkeit alleine oder mit anderen nach und handelt es sich um Alltag oder aus der Reihe fallende Ereignisse?

Während die Verteilung von Tätigkeiten alleine und mit anderen insgesamt sehr gleichmäßig ist, gibt es ein starkes Ungleichgewicht bei Aufteilung in positiv, negativ und neutral empfundene Tätigkeiten. Während bei den Tätigkeiten alleine die negativen Einträge fast die Hälfte und mit den neutralen zusammen deutlich mehr als die Hälfte ausmachen, sind diese beiden Kategorien bei den Tätigkeiten mit anderen fast leer. Ich verbringe meine Zeit also wesentlich lieber mit anderen, habe dazu aber oft keine Gelegenheit. Soweit so vorhersehbar. Interessanter ist allerdings, dass die wenigen negativ empfundenen Dinge, in die andere Personen involviert sind, allesamt alltäglicher Art sind. Das stützt eine These von mir, dass wir an allem nach und nach die Lust verlieren, wenn wir uns zu lange, zu oft oder in einem zu hohen Maße unfreiwillig oft damit beschäftigen (zweimal die Woche mag ich meinen Job, täglich nicht).

Was mache ich nun mit diesen Erkenntnissen? Mir fallen spontan zwei Ansätze ein. Zum einen kann ich zwar wenig Einfluss darauf nehmen, welche Uni-Veranstaltungen ich besuchen muss und wieviele Stunden ich in der Woche arbeiten muss, aber ich kann versuchen, die Anteile zu verlagern. Ich kann also daran arbeiten, die mir zur Verfügung stehende Freizeit besser zu nutzen. Dazu passt auch der zweite Ansatz: Negative Stimmung (und von der ging ich ja aus, als ich anfangs feststellte, dass ich mich gefühlt mehr aufrege und beschwere, wenn ich mit Freunden rede) entsteht auch durch die Erwartung und das Bevorstehen von negativ empfundenen Ereignissen. Soll heißen: Wenn meine Ticketliste auf der Arbeit lang ist, wird mich das auch nerven, wenn ich gar nicht im Büro bin. Wenn ich immer noch keine Unterkunft für meinen Urlaub habe, schränkt das meine Vorfreude ein, auch wenn ich gerade gar nicht konkret damit beschäftigt bin. Und zuletzt raubt Aufschieberei Zeit - ich muss mich immer wieder einarbeiten, springe hin und her, nehme Bücher in die Hand, aber nicht lange genug, nichts wird wirklich fertig.

Es hilft also alles nix - ich muss da durch. Den Stoff auch für die langweiligen Vorlesungen sofort aufbereiten, damit er mir in der Klausurphase nicht im Weg steht. Das hat dieses und letztes Semester teilweise schon gut geklappt. Arbeiten in großen Blöcken, damit endlich mal richtig was geschafft wird. Das hat heute mal wieder funktioniert und auch bei meinem Telejob in New York gelingt mir das ab und zu - da wird es dann auch belohnt mit dem geilen Gefühl, an einem Nachmittag 150€ verdient zu haben. Öfter mal spülen, damit ich nicht irgendwann zwei Stunden damit verbringe und anschließend wegen der weichen Finger nicht Gitarre spielen kann, was mich auch noch einer der wenigen erfreulichen Freizeitaktivitäten beraubt, denen ich jederzeit nachgehen kann. Und genau das - Gitarre üben, Fotografieren gehen, Bloggen - auch mal bewusst einbauen, wenn ich absolut keine Motivation für Arbeit oder Uni aufbringen kann, um nicht Zeit zu verschwenden, indem ich missmutig vor dem PC hocke. Auch das hat sich gelegentlich schon bewährt, wenn auch bisher eher unbewusst, und gelegentlich ist dann die Überraschung groß, wie leicht mir manche Lieder schon fallen.

Und was die Gespräche mit Freunden angeht - vielleicht ist es auch dort hinderlich, wenn es zum Alltag verkommt. Manchmal gibt es eben einfach nichts zu sagen, weil nichts passiert ist und niemand in Stimmung ist, über irgendwas eine Diskussion anzufangen. Letztlich macht auch das eine gute Freundschaft aus - sich keine Gedanken zu machen, wenn man mal nichts zu reden hat.



Musik-Neuentdeckungen 2/2015

Man, in letzter Zeit hat der Blog echt mal wieder gelitten. Es ist immer noch Prüfungsphase (noch fünf Tage!), mein Parkettboden wurde neu geschliffen und ich musste für eine Woche ausziehen und hatte dadurch auch kein Internet und irgendwie war auch einfach nicht viel los mit neuer Musik in letzter Zeit. Dafür war aber Sachsen-Seminar von TEN SING, was mir sehr gut getan hat und einfach auch irre Spaß gemacht hat. Mit solchen Veranstaltungen geht immer einher, dass die Lieder, die wir dort gespielt haben, ein ganz besonderes positives Gefühlschaos auslösen, daher stelle ich sie mal kurz vor - als Ersatz für die ansonsten fehlenden Musikneuentdeckungen von Februar. Natürlich wie immer mit Hörempfehlung (außer vielleicht bei der vorletzten Nummer).

Sheppard - Geronimo
Der Song, der mir am deutlichsten in Erinnerung geblieben ist. Ablauftechnisch hat der Chor sich daran einen abgebrochen, aber dank Plakaten ("we can make this leap") und Handzeichen ("curtains of the waterfall") ging das dann auch irgendwie. Und SAY! Geronimo macht einfach Spaß (und die Techniker weinen).
OK Go - Here it Goes Again
Mein Song. Als der einzige im Bass-Workshop mit mehr als zwei Tagen Erfahrung habe ich es mir nicht nehmen lassen, den schwersten Song zu spielen. Keine schwierigen Techniken, aber relativ schnell und viele Wechsel für einen Popsong. Hat dafür aber auch irre Spaß gemacht und zusammen mit dem anderen Christian an der Gitarre wurde kräftig gerockt!
Strahan - Deliverance
Das Lied mit dem eindeutigsten christlichen Bezug. Wunderschöner Chorsatz und was das angeht wohl auch unser Highlight. Die TEN SING-Version hat mir auch wesentlich besser gefallen als das Original (sorry).
The Script - Superheroes
Da ich bei Radio und Charts meistens schreiend weg renne, war mir die neue Nummer von The Script bisher entgangen. Ein Fehler, denn The Script haben zwar immer eine Ecke Schnulz und Kitsch, aber auf eine sehr verträgliche Weise, und auch Superheroes ist ein toller Song!
Gnarls Barkley - Crazy
Der einzige Song, den ich schon vorher kannte. Und ein recht alter Song - ich erinnere mich noch daran, dass ich mit meiner Familie im Urlaub war (lange her!) und wir immer Radio hörten und (deswegen meide ich Radios heute) Crazy immer und immer und immer wieder lief, so dass wir es am Ende alle nicht mehr hören konnten. Dabei ist es eigentlich wirklich ein guter Song, der Anspruch in die Popmusik bringt.
U2 - Ordinary Love
Eine Ballade war auch dabei und joa, mit diesem Titel verbinde ich leider nix spannendes. Sorry Romy. Schön war's trotzdem.
Magic - Rude
Und noch ein Song, der wohl recht bekannt ist, mir aber so gar nix sagte und auch nicht sonderlich hängen geblieben ist.
Black Sabbath - Paranoid
Für die echten Rocker gab's noch einen Song, bei dem anständig gemosht werden durfte. Am Ende war die Stimmung so aufgeheizt, dass Christian sogar 'nen Stagedive gebracht hat. Krasse Nummer!
Junior Senior - Move Your Feet
Und fast vergessen, Move Your Feet gab's auch noch. Der einzige Song, bei dem niemand beteiligt war, zu dem ich näheren Kontakt hatte, trotzdem eine nette Popnummer mit einer coolen Bassline.
Phil Collins - You Can't Hurry Love
Soviel zum Hauptprogramm, bleiben zweimal zwei Songs aus den von Teilnehmern organisieren Workshops. Dazu siehe der oben verlinkte Berich zum Seminar. Phil Collins stampften wir in gerade mal zwei Stunden aus dem Boden. Gut, dass der Mann nicht immer nur komplexe Drumpatterns verwendet.
Die Toten Hosen - Tage wie diese
Mein zweiter Song. 5000€-E-Drumset hin oder her, ich mag akustische Sets einfach lieber. Der Monitorsound war fürchterlich eingestellt und das Spielgefühl zwar wirklich gut für ein elektronisches Schlagzeug, aber eben nicht wirklich gut. Der Blick auf die tobende Menge vor der Bühne entschädigte alles.
Cro - Whatever
Christian aus Z., der Here It Goes Again mit mir gerock hat, war im anderen LKW-Team und Cro ist Schuld daran, dass er mich nicht abwerben konnte. War ja auch nicht nötig. Was soll ich sagen... Cro ohne Cro ist gar nicht so schlimm.
Steppenwolf - Born To Be Wild
Und Born To Be Wild rauszuhauen war einfach megagut. So eine geile Rocknummer! Headbangen hurra, ich schneide mir nie wieder meine Haare ab.