40/80 Wochen

20 Wochen sind eine lange Zeit und doch so schnell vorbei. In einem Projekt verfolge ich online, was aus meinen langfristigen Zielen so wird. Die ganze Geschichte kann man nachlesen. Einträge, bei denen sich nichts geändert hat, sind etwas unauffälliger dargestellt, wer die Reihe erst jetzt gefunden hat, kann das einfach ignorieren.

Sport & Ernährung

250km Fahrrad in einer Woche fahren
Chemnitz - Berlin ist nicht mehr nur eine Option, sondern ein konkretes Vorhaben. Allerdings hat es dieses Jahr nicht mehr geklappt, da in den Ferien niemand in Chemnitz war, der mit gewollt hätte.
10 verschiedene (ernstzunehmende) Teesorten nennen und zubereiten können
(0/10)
2 Wochen vegan leben
Ich bewege mich immer mehr Richtung Veganismus, gut möglich, dass das irgendwann einfach zufällig passiert.
10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen
  1. Pizza nach italienischer Art (die tatsächlich anders ist als die deutsche)
  2. Tofu nach vietnamesischem Rezept
  3. Persische Eierkuchen mit Lauch und Walnüssen
  4. Falafel nach syrisch-israelischem Rezept
Ein Chinatown in Deutschland finden und leerkaufen
Pilze im Wald pflücken gehen
Achterbahn fahren
Wird wegen Rückenproblemen wohl schwierig. Aber da findet sich was anderes.
Ein Fahrrad bauen
:check: Geschafft!
Bronze in vier Disziplinen des deutschen Sportabzeichens erreichen
 

Reisen

Einen One-Way-Flug buchen
Mit dem Rad oder zu Fuß an der britischen Südostküste entlang
Alle Nachbarländer von Deutschland bereisen
(3/9) Im Februar geht's eventuell nach Bern, das wäre Nummer 4.
Nach Malaysia reisen
Am Rothaarigentag in Breda teilnehmen
Alle TEN SING-Gruppen in Sachsen besuchen
(2/14)

Medien online

1 Monat lang Tagebuch über meinen Medienkonsum führen
An einem Bloggertreffen teilnehmen
Im Dezember steht eins an. hahahah
Alle 20 Wochen ein Update dieser Liste posten
(2/4)
Die Hälfte meiner (neuen) Blogposts mit Bildern versehen
Abgesehen davon, dass der zusätzliche Aufwand meinen Arbeitsfluss behindert, eignet sich mein Layout auch gar nicht so gut dafür. Ich überlege, diese Aufgabe zu streichen.
Den DSL-Anbieter wechseln
Gescheitert. Man bot mir drei Gratismonate und ich ließ mich überzeugen. Hoffen wir das Beste.

Medien offline

Ein TEN SING-Video schneiden
Einen Film selber entwickeln
Einen "Lost Place" besuchen
5 Songs am Synthesizer spielen können
(0/5)
Ein Werk bei Soundcloud veröffentlichen
Weiterhin jedes Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen
Leider ebenfalls gescheitert. Dieses Jahr war einfach nix bzw. ich hatte kein Geld für eine spontane Reise.
Die Probenraum-Akustik verbessern
Hmm, Molton-Vorhänge sind schonmal nicht schlecht.

Haushalt

Nähen lernen und
Moltontücher zu Bettwäsche vernähen
Dachboden aufräumen
:check: Erledigt!
Bücher einlagern
Den Schreibtisch-Anbau vernünftig zusammenbauen
:check: Auch gemacht!
Die Küche fertigstellen

Bildung

5 Bücher-Bildungslücken schließen
(0/5)
100 Leistungspunkte im Studium erreichen
(58/100)
Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben
Angepeilt ist mindestens B1, ich lasse aber mal offen, ob das über einen Sprachkurs passiert oder durch einen Auslandsaufenthalt.
An einer Gerichtsverhandlung teilnehmen
An einer Parteisitzung teilnehmen
Erste Hilfe für Autofahrer auffrischen

Und wie das so ist, ist natürlich eine Menge passiert, was nicht geplant oder vorhersehbar war und nicht für alles lohnt sich ein eigener Blogeintrag.

  • Ich war mal wieder in Brighton und auch in London, diesmal mit meiner Schwester, was sehr schön war.
  • Ein Festival, auf dem ich war, wurde aufgrund eines Unwetters abgebrochen.
  • Ich habe (containerten) Kaviar und veganen Kaviarersatz gegessen. Beides unspektakulär.
  • In Chemnitz war Slackfest und ich beschloss, das Slacklining zukünftig weiter zu verfolgen.
  • Auch Bouldern ist ein toller Sport, den ich hier entdeckt habe.
  • Ich sang auf einer Bühne in einer Karaoke-Bar.
  • Supershirt gingen auf Abschiedstournee und ich war zweimal dabei.
  • Außerdem spielten Little Boots (gut, aber nicht den hohen Erwartungen gerecht werdend) und Metric (Erwartungen sogar übertroffen).
  • Und schließlich trat ich mit TEN SING Chemnitz endlich mal wieder als Headliner unserer eigenen Show auf. Sehr cool!


Genieß das gute Leben

Dachbodenfotos - 0010.jpgKürzlich hat jemand zu mir gesagt, mit Anfang 20 erlebt man nochmal eine Teenager-Phase. Man überdenkt seine Interessen, das soziale Umfeld ändert sich möglicherweise dramatisch, ganz viele neue Herausforderung stehen gleichzeitig an.1 Ich kann das so unterschreiben. Mit 20 bin ich von Zuhause ausgezogen und habe kurz darauf mein erstes Studium geschmissen. Stattdessen schloss ich mich TEN SING an, was mich nachhaltig geprägt hat, und sicherlich hat auch der dadurch bedingte ständige Umgang mit tatsächlichen Teenagern dazu geführt, immer ein bisschen in Umbruchstimmung zu bleiben.

Viele meiner Freunde, die ich hier in Chemnitz an der Uni kennen gelernt habe, scheinen sich nicht so recht darauf einlassen zu wollen. Der Plan, nach dem Studium zurück in die Heimat zu gehen, ist für sie in Stein gemeißelt, bei einigen scheint gar kein Interesse zu bestehen, nachhaltige Freundschaften aufzubauen. Es ist irgendwie alles ganz nett, aber diesmal im Sinne des verbreiteten Spruchs "Nett ist der kleine Bruder von Scheiße". Dabei steckt in der Zeit nach dem Abi soviel Potenzial! Für manch einen verändert ein Auslandsaufenthalt das Leben entscheidend, manche finden ihre Persönlichkeit in einer Freiwilligentätigkeit und manchmal wandelt sich das Leben eben wie bei mir während des Studiums.

Chemnitz ist die erste Stadt seit meiner Heimat Gelsenkirchen, in der ich mich richtig wohl fühle und wirklich eingelebt habe. Eine Wohnung, Supermärkte, Ärzte finden, Alltag leben, das bekomme ich überall in kurzer Zeit hin, ob nun Chemnitz, Berlin oder Tel Aviv. Aber in Chemnitz habe ich ein soziales Netz aufgebaut, Kontakte geknüpft, auch außerhalb der Stadt in Sachsen, ich verbringe meine Freizeit am liebsten hier, gehe hier meinen Hobbys nach statt dorthin zurück zu kehren wo ich früher war.2

Wer offen dafür ist, sich ein neues Leben aufzubauen, wird bald von Möglichkeiten erschlagen werden. Ich studiere neuerdings zwei Fächer gleichzeitig, weil es mir Spaß macht. Ich versuche, drei Jobs unter einen Hut zu bringen, weil ich gerne arbeite und das Gefühl bekomme, etwas zu bewirken. Man hat mir nahegelegt, mich für den Fachschaftsrat aufstellen zu lassen, und ich überlege, das zu tun, weil ich mich gerne für meinen Studiengang einsetzen möchte. Der Uni-Radiosender braucht neue Musikredakteure, auch das ist sicher eine spannende Sache. Sogar sportlich werde ich hier auf neue Ideen gebracht.

Wald - 0001.jpgDie Gewissheit, noch mindestens fünf weitere Jahre hier zu verbringen, und die Motivation, auch nach dem Studium in Sachsen zu bleiben, ermöglicht auch längerfristige Projekte. Außer TEN SING fange ich nun noch in einer professionellen Band an. Ich engagiere mich in einer studentischen Initiative, die jährlich eine große Spielenacht veranstaltet. Ich gehe sogar gelegentlich wieder aus. ;)

Zurzeit ist alles so voll gestopft mit Aktivitäten, dass ich durch den ganzen Druck leicht aus der Bahn zu werfen bin. Aber es ist absolut positiver Druck: Ein großer Teil meiner Zeit wird von Aktivitäten eingenommen, denen ich gerne nachgehe, an ganz vielen Ereignissen in meinem Alltag sind Menschen beteiligt, die mir wichtig sind. Ich kann mein Leben so aufbauen, wie ich es gerne möchte, dafür bin ich sehr dankbar. Platz für lose Unverbindlichkeiten ist da nicht - dafür aber Zeit, ernst gemeinte Kontakte zu pflegen und langfristige Projekte aufzubauen. Ich bin überzeugt davon, dass ich davon mehr habe, als von einem schneller durchgedrückten Studium und Hetzerei von Abi zu Bachelor zu Master zu Jobsuche.

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  1. Das ist mit ein Grund, warum ich es nicht gutheiße, dass man heutzutage teilweise schon mit 17 vom Abi an die Uni geschoben wird - aber darum soll es hier nicht gehen.
  2. Ich glaube, das funktioniert auch aufgrund der Entfernung besser, weshalb ich prinzipiell jeden ermutige, für das Studium weg zu ziehen, aber auch darum soll es hier nicht gehen.


Musik-Neuentdeckungen 10/2015

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

alt-J - Left Hand Free
Nur wenige Künstler, die von einschlägigen Musikmagazinen als der neueste heiße Scheiß angepriesen werden, sprechen mich überhaupt an. alt-J schafft es, anspruchsvolle Musik, seltsame Texte und ausgefallene Instrumentierungen so zu verwenden, dass es sich von allem abhebt, aber nicht nervt. Left Hand Free ist nicht unbedingt repräsentativ und eher als Einstiegsdroge zu betrachten - also unbedingt noch einen weiteren Track vom Album hören!
The Jungle Giants - Come And Be Alone With Me
The Jungle Giants gefallen mir prinzipiell von der Musik her sehr gut. Die Songs haben einen gewissen Groove und auch einiges von dieser Leichtigkeit der Indie-Szene. Wenn man schon über 3000 Musiktitel besitzt, wird man allerdings irgendwann wählerisch, und so hatte ich sie schon fast wieder weg geklickt. Dann erinnerte ich mich, dass ich ja endlich mehr auf Texte achten wollte - das habe ich bei nicht deutschsprachiger Musik bisher sehr vernachlässigt. Und wenngleich Come And Be Alone With Me nur wenige Zeilen mehrfach wiederholt, ist es doch ein schöner Text, und so lohnt sich möglicherweise das ganze Album. Auf jeden Fall hörenswert und auch von der Musik anspruchsvoller ist aber der Nachfolger Speakerzoid.
WhoMadeWho - The Loop
Einer der Gründe, warum ich ausgerechnet in Brighton an der britischen Küste so gerne Urlaub mache, sind die vielen kleinen Kunst- und Künstlergeschäfte dort. Letztes Mal habe ich in einem kleinen Plattenladen ein paar CDs für jeweils 50 Pence abgestaubt (das ist weniger als ein Euro). Eine davon war WhoMadeWho von WhoMadeWho... die wurden schon diverse Male auf diversen Elektronikfestivals angepriesen, aber ich sah sie nie. Klingt ein bisschen, als würden die Kalkbrenners Depeche Mode covern und hätten dafür aus irgendwelchen Gründen auch noch einen Gitarristen eingeladen. Also: Genau mein Ding.
Two Door Cinema Club - Undercover Martyn
Bei M. in Berlin war ich nun schon öfter, da er mich dankenswerterweise nach Konzerten bei sich aufnimmt und obendrein gelegentlich mit neuer Musik versorgt. Two Door Cinema Club hat man irgendwie schonmal gehört, aber so recht in mein Bewusstsein geschafft hat es diese Indie-Nummer noch nicht. Vielleicht ein Fehler.


Gedanken zur Flüchtlingsthematik

Was heißt Angst um sein Leben haben? Eine der Fragen, die ich mir zurzeit am häufigsten stelle, und auch eine derjenigen, die mich am meisten bewegen, lautet: Wie schlimm muss es dort sein, wo viele Flüchtlinge herkommen, dass sie mit wenig Informationen und keiner Habe aufbrechen in ein Land, das sie nicht kennen, auf einem Weg, auf dem die Überlebenschance möglicherweise kleiner als 50% ist?

Einer der prägendsten Momente in diesem Jahr war für mich meine erste Fahrt von Jerusalem nach Palästina (genauer Ramallah) am dritten Tag meiner zweiwöchigen Israelreise. Es gab dort einen richtigen Grenzübergang - so einen, wie ihn hierzulande viele nicht kennen. Eine Mauer wie zu DDR-Zeiten trennt Palästina von Israel, am Grenzübergang gibt es Stacheldraht, Soldaten mit Maschinengewehren und strenge Kontrollen. Ich wusste, dass mir als Tourist nichts passieren wird, trotzdem war es ein schlimmes Gefühl, mit den Palästinensern in der Schlange vor dem Drehkreuz zu stehen und mich dann hastig dort durch zu quetschen.

Für mich als Deutschen war es vermutlich schon mutig und aus Sicht nicht weniger Menschen sogar lebensmüde, nach Israel zu fliegen. Dabei war die Lage zu der Zeit sehr friedlich - es fühlte sich eigentlich eher wie das sicherste Land der Welt an als wie ein Land im Krieg, nicht zuletzt durch die entspannte Mentalität der Israelis. Von aufheulendem Fliegeralarm lässt man sich dort nicht so leicht abschrecken. Ich habe mich schon nicht nach Hebron getraut, den wohl umkämpftesten konfliktreichsten Ort in Palästina. Andere Backpacker berichteten mir, man würde als Europäer dort hinfahren, weinen, weil es so schlimm ist, und zusehen dass man wieder weg kommt.

Einer meiner neuen Kommilitonen kommt aus Hebron. Er studiert mit mir Biomedizintechnik an der TU Chemnitz. Er lebt seit zwei Jahren in Deutschland, spricht beeindruckend gut unsere Sprache und abgesehen von eben der unterscheidet ihn nichts von den anderen. Fast jeder von uns hat eine interessante Hintergrundgeschichte. An der Uni hat niemand ein Problem mit Einwanderern. Wir haben gerade unsere Flyer für die nächste Mensa-Spielenacht auf Englisch und Arabisch übersetzt und wollen einige in der Uni-Sporthalle verteilen, die zurzeit ein Flüchtlingslager ist.

An anderen Stellen in der Stadt gibt es Widerstand. Bürger blockieren Straßen mit Autos. Eine Gruppe von 200 Flüchtlingen weigert sich, eine weitere Turnhalle zu beziehen, statt direkt auf Wohnungen zu verteilt werden. Kirchengemeinden bieten Hilfe an, nachts werden Scheiben eingeworfen. Chemnitz ist eine politisch recht neutrale Stadt, viele hier sind hilfsbereit, das Rote Kreuz kann sich erlauben, allzu lumpige Kleiderspenden abzulehnen. Einige jedoch sind feindselig und richten direkt großen Schaden an.

Pauschalisierungen helfen niemandem. Es gibt nicht die Deutschen, Sachsen, Chemnitzer, es gibt nicht die Flüchtlinge. Nicht alle fremdenfeindlichen bezeichnen sich als Nazis, aber viele sollten so behandelt werden. Nicht alle Flüchtlinge sind dankbar und brav, die meisten schon. Nicht alle Forderungen, die zurzeit die Runde machen, sind dumm, aber oft sind die Argumente falsch. Wir haben inzwischen alle gesehen, dass die Menge der Asylbewerber zu schnell ansteigt, um sie in einem vernünftigen Rahmen zu bearbeiten. Pauschal alles zu verurteilen, was nicht "wir nehmen sofort jeden auf, der vor der Grenze steht", bringt niemanden weiter, aber es mangelt an Lösungen, wie die Menschenmassen gehandhabt werden können.

Letzte Woche habe ich Imagine Dragons gesehen. Die kommen aus den USA, und sie haben nicht nur spontan einen Song zur Flüchtlingsthematik geschrieben und aufgeführt, sie haben auch ihren ehrlichen Respekt für Deutschland ausgesprochen. Der Einsatz, der hier gezeigt wird, um Menschen in Not zu helfen, sei vorbildlich für die ganze Welt, und die USA sollen sich daran ein Beispiel nehmen.

Das ist ein verdientes Lob. Auf Bundesebene glänzt die Politik nicht gerade mit tollen Ideen und die Frage, wie die Verteilung und Unterbringung von immer neuen Flüchtlingen gelöst werden soll, ist immer noch offen. Dort, wo die Unterkunftsfrage geklärt ist, zeigen sich aber Hilfsbereitschaft und Integrationswille: Sachspenden werden gesammelt und verteilt, Sprachkurse und Dolmetscher organisiert, Freizeitangebote geschaffen um die Menschen auch mal aus den Turnhallen heraus zu bekommen. In der Chemnitzer Studentenszene fallen viele von ihnen gar nicht auf - es sind Menschen, die in Supermärkten einkaufen, auf der Straße nach dem Weg fragen, sich für Fußball und Musik interessieren und Bier trinken. Flüchtlinge tragen kein Schild um den Hals, und wenn wir ihnen keinen Stempel aufdrücken, wird unsere Gesellschaft bloß ein bisschen bunter.



Musik-Neuentdeckungen 9/2015

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Minutes Til Midnight - Medicate or Stimulate
Man kann so schöne Dinge mit Synthesizern machen... dieser großartige Song eröffnet eine Folge von Elementary und versetzte mich sofort in eine gute Stimmung. Schöne leicht aufdringliche Synthiriffs auf etwas härterer Rockmusik, habe ich so vielleicht noch nie gehört, gefällt mir sehr. Der Rest des Albums ist erfreulicherweise auch sehr gut.
Grace Potter & The Nocturnes - The Lion The Beast The Beat
Manchmal lade ich einfach irgendwelche Mixtape aus dem Internet herunter in der Hoffnung, zufällig neue Songs zu entdecken. Manchmal klappt das, wie hier. Leider scheint dieser Titel nicht repräsentativ zu sein für die Band, die ist nämlich normalerweise weder gekennzeichnet von fettem Schlagzeug, noch choralem Backgroundgesang, noch knackigen Gitarrenriffs, und auch der Gesang der Frontfrau überzeugt mich selten.
American Babies - Cold Blooded
Auch hier kann ich nicht guten Gewissens die ganze Band empfehlen, denn das Album, von dem dieser Track stammt, kann ich nirgends auftreiben, und die vorherigen klingen doch sehr anders. Dieser Song passt eher zu obigem von Grace Potter, "fetter Rocksound" beschreibt es wohl ganz gut.
The Pretty Reckless - Going To Hell
...wobei "fetter Rocksound" im Sinne von "protzig" gemeint ist. The Pretty Reckless hingegen bieten durchaus gehobenes Niveau an ihren Instrumenten und in den Songstrukturen. Nicht zu abgefahren und auch noch nicht zu aggressiv für meinen Geschmack. Wer auf Alternative Rock steht, sollte diesem Song und dem gleichnamigen Album eine Chance geben.
Death From Above 1979 - Right on, Frankenstein
Und noch mehr Alternative Rock! Nicht ganz so abwechslungsreich über ein ganzes Album gesehen, aber dennoch ziemlich gut.


Review: Tomb Raider Anniversary

Stadt.jpgDie Tomb Raider-Serie war, beginnend mit dem allerersten Teil von 1996, entscheidend für meine Neigung zu Videospielen, ebenso wie die zeitgleich gestartete Crash Bandicoot-Reihe. Gemeinsam oder im Wettstreit mit meinem Vater zockte ich mich durch die ersten vier Teile auf der Playstation 1, konnte mich für den fünften dann nicht recht begeistern und verlor Lara Croft dann erstmal aus den Augen. Mit Legend spielte ich Tomb Raider erstmals am PC, per Emulator dann auch die alten Playstation 1-Teile wieder. Nun fand das inzwischen auch schon acht Jahre alte Anniversary den Weg zu mir, ein Remake des ersten Teils zum 10-jährigen Jubiläum.

Tomb Raider: Anniversary wirkt vom ersten Moment an sympathisch. Die Grafik ist wirklich schön, Lara hat endlich mal eine richtige Stimme statt merkwürdige Laute von sich zu geben. Alleine schon das Croft Manor ist wunderbar gemacht und hat mich mehrere Stunden bespaßt. Sogar an den Gag mit den Kisten im Wohnzimmer wurde gedacht (wenngleich der ja gar nicht aus dem ersten Teil stammt).

Auch die Level sind liebevoll nachgebaut worden. Viele erkenne ich sofort wieder, obwohl es Jahre her ist, dass ich das letzte Mal den originalen Teil gespielt habe. Gleichzeitig staune ich über die nun viel beeindruckendere Grafik. Auch sind die Szenarien freier begehbar, beispielsweise können Kisten nun nicht mehr nur in rechteckigen Bahnen mit abgesteckten Blöcken, sondern völlig frei bewegt werden. Innerhalb der drei Welten Peru, Ägypten und Atlantis sind die Übergänge zwischen den Leveln fließend, man kann also nahtlos zwischen Leveln hin- und her laufen.

Lavahöhle.jpgDabei fällt allerdings auch gleich der erste Bug auf: Irgendwann in der Mitte des Spiels hat sich mein Spielstand nicht mehr gemerkt, in welchem Level ich war. Nicht, dass Fortschritte verloren gegangen wären - aber die Levelstatistik bezog sich ab da immer auf das voran gegangene Level, so dass nicht mehr ersichtlich war, wieviele Secrets noch offen waren. Generell funktioniert das Speichern aber sehr gut und vor allem gibt es wie schon in Legend reichlich Checkpoints - im Gegensatz zur Playstation-Version des Originals, wo Speicherpunkte rar und nur einmalig benutzbar waren, was den Frustfaktor massiv erhöhte.

Leider steigt der Frustfaktor auch bei Tomb Raider: Anniversary mit der Zeit. Das neue Kampfsystem lässt sich unfassbar schlecht bedienen. Gegner werden automatisch anvisiert - ich habe bestimmt fünf Level gebraucht, bis ich raus hatte, wie man dann noch zu einem anderen Gegner wechselt. Damit nicht genug - auch anschießbare Objekte wie Schalter werden anvisiert. Dabei wird zwingend immer ein Gegner oder Objekt anvisiert, das gerade im Sichtfeld ist - das führt gerne mal dazu, dass drei Gegner von hinten kommen, während Lara vorne steif auf einen Schalter guckt und ums Verrecken nicht woanders hinschauen möchte, denn man soll ja das Ziel nicht aus den Augen verlieren. So werden Kämpfe zum Wutanfall, wenn mehrere Gegner ins Spiel kommen - selbst wenn der einzelne leicht auszuschalten wäre.

Turm.jpgDas merkt man besonders bei den Bossgegnern. Hier lenkt nichts ab und man kann locker herausfinden, was der Trick bei dem jeweiligen Boss ist, denn stumpfes Ballern ist hier nie angesagt. Die Bosskämpfe waren so mit die leichtesten. Überhaupt ist der Schwierigkeitsgrad massiv gesunken, auf "mittel" hatte ich am Ende 36 große Medipacks (vollständige Heilung) für den letzten Endboss übrig - und brauchte davon nur zwei.

Kämpfe sind also definitiv nicht die Stärke von Anniversary. Das merkt man auch daran, dass erst ganz am Ende auf Menschen geschossen wird, Gewalt wird hier nie als eine gute Lösung dargestellt. Auch die Waffen sind eher unspektakulär. Dafür stehen Rätsel im Vordergrund - und die sind wirklich gut. Einige sehr knifflig, viele mit etwas Nachdenken gut lösbar, aber fast alle raffiniert und interessant. Blicke in eine Komplettlösung waren diesmal nicht erforderlich. Auch die Kletterpassagen sind gut geworden, Lara kann nun auch auf Pfeilerspitzen balancieren und verfügt über einen Schwunghaken, was den möglichen Aktionen mehr Vielfalt verleiht. Der Haken ist allerdings ausgesprochen knifflig zu bedienen, es empfiehlt sich dringend, die Benutzung vor den letzten Leveln intensiv zu üben, da die zum Ende hin immer häufiger werdenden Zeitrennen sonst irrsinnige Frustration auslösen. Im vorletzten Level hätte ich fast meine Maus aus dem Fenster geworfen, weil dort das fürchterliche Zielsystem mit einer Schwunghaken-Passage und einigen schwer zu timenden Sprüngen zusammenkam und obendrein das ganze Spiel plötzlich anfing zu haken.

Midas.jpgMidas_texturlos.jpg

Die vielen Checkpoints und die großzügige Versorgung mit Munition und Medipacks machen solche Abschnitte erträglich, dennoch trübt das die Spielfreude vor allem gegen Ende sehr. Dabei könnte es so ein schönes Spiel sein - es besitzt ausreichend Abwechslung und Schwierigkeit, um deutlich mehr Spielzeit zu bieten als Legend. Der normale Levelverlauf ist meist offensichtlich, aber nicht stumpf, und die Secrets sind größtenteils anspruchsvoller, aber für den erfahrenen Tomb Raider-Spieler gut zu lösen. Die Story hält alles lose zusammen, aber wie immer steckt nicht allzu viel dahinter. Spaß hatte ich definitiv mit Anniversary - trotz freischaltbarer Extras (andere Outfits, Level auf Zeit spielen, Galerien u.ä.) und witziger Gimmicks (ohne Texturen spielen) bin ich aber wenig motiviert, nochmal von vorne anzufangen. Vielleicht zum nächsten Geburtstag - ist ja nicht mehr lange bis dahin.



Von wegen genieß deine Jugend

Es ist kein Wunder, dass sich junge Menschen heute immer öfter Jobs verweigern, die Erreichbarkeit nach Feierabend fordern oder bei denen Überstunden normal sind. Wer schon zu Schulzeiten nicht vor 16 Uhr nach Hause kommt und später durch das Studium geprügelt wird mit acht Klausuren in zwei Wochen, hat keinen Unterschied mehr zwischen der "schönen Schulzeit" und dem "harten Arbeitsleben". Mir hat man noch erzählt, ich würde später wehmütig an die Schulzeit zurück denken - schon bei mir stimmt das nicht mehr, und damals gab es G8 noch nicht.

Und während ich damals fröhlich alles schwänzte, worauf ich keine Lust hatte, sobald ich mich selber krank schreiben durfte, stehen die Schüler heute spätestens in der verkürzten Oberstufe so unter Druck, dass sie schon fast freiwillig früh ins Bett gehen, weil einfach keine Energie mehr da ist. Wer es schafft, neben Unterricht und Hausaufgaben mehr als einer Freizeitaktivität nachzugehen, wird bestaunt. Das macht mich traurig - denn Geld verdienen, Familienleben pflegen und den Haushalt schmeißen müssen wir alle früh genug, da sollte zumindest Schülern viel Freiraum bleiben, um ihre Interessen auszuloten.

Bedarf dafür besteht auf jeden Fall - beispielsweise ist die durchschnittliche Zahl der Bundesfreiwilligendienstleistenden pro Monat von 2012 auf 2014 um 25% gestiegen1, was sicher auch auf einen höheren Anteil bei den Schulabsolventen zurückgeht, die vor dem Studium erstmal eine Zeit lang etwas anderes ausprobieren. Studiengänge wie Sensorik und kognitive Psychologie findet man nicht, wenn man unter Druck schnell eine Entscheidung trifft. Für viele in diesem Fach ging eine Bewerbung auf oder sogar ein Studium eines anderen Faches voraus. Erzähle ich, was ich studiere, werde ich oft ungläubig angesehen - die Kombination Physik und Psychologie erscheint kaum jemandem sofort logisch. Dabei ergibt sie sofort Sinn, wenn man mal darüber nachdenkt, auch in der Praxis treffen diese beiden Bereiche heutzutage oft aufeinander.

Aber zur Schulzeit bleibt ja schon nicht genug Zeit für den vorgesehenen Stoff, geschweige denn für interdisziplinäre Betrachtungen oder Praxisbeispiele. Ich hatte zwei Jahre lang Physik-Leistungskurs, fünf Schulstunden die Woche. Genau eine davon hatte Praxisbezug - als wir einen Vertretungslehrer hatten, der ganz entgeistert war, dass niemand im Kurs wusste, wofür wir den elektrischen Schwingkreis lernen. Kein Wunder, dass viele schimpfen, der Schulstoff sei unnötig - das ist er tatsächlich, solange niemand erklärt, was man damit anfangen kann, denn dann vergisst man die Inhalte sowieso wieder und entwickelt auch kein weiteres Interesse mehr daran.

Nicht nur die Hetzerei des Systems G8 ist kontraproduktiv für die Interessenentwicklung und die nachhaltige Vermittlung von Wissen, auch eine Ebene höher läuft einiges schief. Es ist ja prinzipiell niemand gezwungen, sein Abi auf einem Gymnasium zu machen, nichtmal das Abi an sich ist ja ein Muss. An einigen Gesamtschulen2 kann man immer noch oder wieder nach 13 Jahren Abitur machen. Einige Freunde haben ein Fachabi. Viele Realschulen haben einen ausgezeichneten Ruf und der Erfahrung von Schülern dort nach wird dort oft besserer Unterricht angeboten als an den selbst ernannten Elite-Gymnasien. Aber in meiner Elterngeneration und dadurch übertragen auch bei vielen Jugendlichen hat das Fachabi einen wesentlich schlechteren Ruf als das "richtige" Abi, ein Fachhochschulabschluss wird immer noch nicht als gleichwertig angesehen, obwohl drei Jahre Studium mittlerweile an jeder Hochschule zu einem Bachelor führen, und auch für Berufsausbildungen werden Abiturienten lieber genommen als Realschulabsolventen - völliger Blödsinn, denn in fast keiner Berufsausbildung wird auch nur ein Quäntchen Stoff aus der Oberstufe benötigt. Der Mathematikunterricht an der Berufsschule, die ich eine Zeit lang besuchte, befasste sich überwiegend mit Bruchrechnung (lernt man in der sechsten Klasse).

Eltern, Lehrer und die gesamte Gesellschaft müssen dringend aufhören, schon in der Mittelstufe Schüler unter Druck zu setzen. Niemand kann ernsthaft behaupten, ein wiederholtes Schuljahr, ein paar geschwänzte Unterrichtsstunden, ein Auslandsjahr oder ein Semester über der Regelstudienzeit würden irgendwas am Leben nach der Ausbildung ändern. Und die gesellschaftliche Abwertung von Bildungsabschlüssen unter Universitätsniveau führt nicht zu einer besser gebildeten Gesellschaft, sondern zu weniger Möglichkeiten für junge Menschen - ein völlig widersinniger Schritt in einer Zeit, in der kaum jemand noch begreifen kann, wie viele Möglichkeiten es gibt.

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Foto: eigenes Werk

  1. Quelle: Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben
  2. Die gibt es nicht in allen Bundesländern, u.a. aber in NRW - eine Mischform aus den dortigen drei anderen weiterführenden Schulen, die es durch Kurse auf verschiedenen Niveaus ermöglichen soll, die Entscheidung Haupt-/Realschule oder Gymnasium nicht sofort nach der Grundschule, sondern später zu treffen



Konzertschnipsel

Uni-Sommerfest an der Ruhr-Uni Bochum. Der Rektor hört auch mal Dark Wave. Danja Atari macht vor allem Spaß - ohne jede Clubatmosphäre und auf einer sehr leeren Bühne, aber ganz sommerlich leicht, mit wirklich gutem Sound und ausufernden Remixes.

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Das Konzert von Samuel Harfst ist vorbei, aber er redet einfach noch immer weiter, während des Konzertes hat er einiges erwähnt, für das die Zuschauer nun Erläuterungen einfordern. Er ist kein Prediger, zieht aber mehr Leute in den Bann als der Pfarrer am Sonntag. Dabei hatte er während des Konzertes noch ständig die Hand in der Hosentasche und wirkte bei den Moderationen recht unsicher. Und er weiß, dass TEN SING einer der ersten Chöre war, die ein Lied von ihm sangen.

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TEN SING Versmold macht "Irgendwas mit Piraten". Paul hat sich einfach mal Geige spielen selbst beigebracht, weil eine Geige, die sei Urgroßvater mal als Bezahlung für ein Fahrrad bekommen hat, wieder aufgetaucht ist. Die Ureinwohnerin aus dem Theaterstück hat in jeder Szene mehr Kinder dabei. Es wird aus Felsbook gelesen und mit dem Spaten mit der Zuckerberg-Frisur gegraben.

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Blood Red Shoes haben diesmal viele erwachsene Zuschauer, aber auch junge Punks und Paramore- und Wir sind Helden-Fans. Einige sind Nachbarn, Blood Red Shoes wohnen ganz in der Nähe und auch das Studio ist um die Ecke, andere sind sogar aus dem Ausland, Polen und Frankreich sind vertreten. Die Show ging nur 70 Minuten, aber man ist erschöpft als wären es drei Stunden gewesen. Viele harte Songs führten zu Moshpits, die größer waren als manche Konzerthalle.