Einmal auf die andere Seite

Aller Wahrscheinlichkeit nach ziehe ich im Oktober nach Chemnitz, um dort Sensorik und kognitive Psychologie zu studieren. Es wird der dritte Umzug sein, der nicht von meinen Eltern organisiert wird - nachdem ich zwei Jahre in Herne wohnte, hat es mich nun auch nur ein Jahr in Dortmund gehalten. Nicht, weil es hier so schlimm ist, sondern einfach, weil sich meine Lebensumstände immer wieder ändern. Im Gegenteil, ich mag das Ruhrgebiet sehr und ich werde es sicher manchmal vermissen.

Umziehen macht mir aber eigentlich sogar Spaß. Natürlich nicht das Schleppen der Möbel, aber das Erkunden einer neuen Stadt, die Wohnungssuche, das Ausmisten, Packen, Auspacken, Ideen spinnen wie die neue Wohnung gestaltet werden könnte. Wohnungsanzeigen sind dabei wie Stellenanzeigen - über die Formulierungen kann man sich großartig amüsieren und gemeint ist eh nie das, was da steht.

Ich erinnere mich noch an eine Wohnung in Herne. "Schöne, zentral gelegene Altbauwohnung in ruhiger Wohnstraße" - der Klassiker. Gemeint ist natürlich "Hellhörige, nicht gedämmte Wohnung direkt an den Bahnschienen des Hauptbahnhofs in einer Straße mit hohem Leerstand". Oder der Bahnangestellte, der mir den Garten seiner Wohnung in Dortmund als "idyllisch" anpries, während hinter ihm die S-Bahn vorbei ratterte. Auch "2 Grundmieten geschenkt wenn der Mietvertragsbeginn bis 30.12.2012 ist" im Juli 2013 spricht nicht gerade für die Wohnung.

Den dortigen Studenten zufolge gibt es in Chemnitz aber wirklich gute Wohnungen zu extrem niedrigen Mieten. Also kann ich mir in Ruhe Gedanken über weitere Kriterien machen. Hier in Dortmund habe ich zum Beispiel festgestellt, dass es nicht so schlimm ist, wenn der nächste Supermarkt 1,5km entfernt ist - Fahrrad sei Dank. Sehr wohl ist es aber nervig, wenn man den Einkauf dann in den dritten Stock schleppen muss. Ganz zu schweigen von der Waschmaschine, die wir zu dritt hochtragen mussten...

Überhaupt sind Entfernungen nicht mehr so schlimm, seit ich öfter Fahrrad fahre. Dafür werde ich diesmal aber darauf achten, dass das Haus kein Altbau ist - noch mehr Jahre in einem hellhörigen Haus voller schreiender Kinder und plärrender Fernseher ertrage ich nicht. Auch das sollte aber funktionieren, noch stehen viele Wohnungen leer. Ich bin gespannt, wie gut es funktioniert, ein paar Tage nach Chemnitz zu fahren und in kürzester Zeit viele Wohnungen anzusehen und dann eine auszusuchen.

Bleibt die Frage nach dem Transport. Nach stundenlanger Suche habe ich inzwischen immerhin ein brauchbares Angebot für einen LKW, aber ein Fahrer fehlt. Falls also einer von euch einen Führerschein der Klasse C1 (7,5 Tonnen) hat und mit mir nach Chemnitz fahren würde - bitte melden.



Volles Wochenende

Wenn ich Leuten absage, weil ich keine Zeit habe, ernte ich manchmal Spott. Mit einer freiberuflichen Tätigkeit, die mich nur etwa 20 Stunden die Woche kostet, und einem Sprachkurs als einzige Verpflichtungen erscheint es vielen unwahrscheinlich, dass meine Tage ausgebucht sein könnten. Es ist aber tatsächlich so. Das letzte Wochenende war zum Beispiel äußerst vollgepackt, wenn auch teilweise spontan.

Am Freitag war ich bei C. in Aachen. Aufgrund der Entfernung sehen wir uns nicht so oft, so blieb ich diesmal über Nacht und es ergab sich, dass wir bis morgens lange nach Sonnenaufgang Reisepläne schmiedeten. Nach viel zu wenigen Stunden Schlaf ging es wieder zurück Richtung Norden, allerdings nur bis Köln, wo ich M. traf, der mir Videomaterial von unserem Kirchentagsprojekt mitgebracht hatte. Vor dem abends anstehenden Konzert wollte ich dann eigentlich noch zum Probenraum, wegen der langen Zugstrecken blieb aber nur Zeit für zwei Songs. Immerhin wurde ich so das Gepäck los.

Von Essen ging es dann direkt weiter nach Moers zur dortigen TEN SING-Show (nochmal 1,5 Stunden Reisedauer). Da nicht klar war, ob die genannte Uhrzeit Anfang oder Einlass war, kam ich eine Stunde zu früh. Auch nicht schlimm, so blieb etwas Zeit die ganzen Leute zu begrüßen, von denen ich einige erst beim Kirchentag kennen gelernt hatte. TEN SING Moers besteht zurzeit fast komplett aus neuen Teilnehmern.

Die Show lief extrem schleppend an, es gab mehrere technische Probleme, Mikros fielen aus und viele hatten mit Nervosität zu kämpfen. Gerade das Theaterstück litt sehr darunter. Sehr schade, denn "99 Luftballons" ist ein klasse Lied für TEN SING und die Solistin war zwar leise, aber gut. "Set Fire to the Rain" lief dann schon richtig gut. In der zweiten Hälfte gingen dann die anwesenden Duisburger nach vorne, um für Stimmung zu sorgen, das hilft den Leuten auf der Bühne immer. Die Technik hatte inzwischen ein paar Tipps und frische Mikro-Akkus bekommen, so lief die zweite Hälfte nochmal deutlich besser. Am Ende stürmten wir die Bühne und feierten gemeinsam die Zugabe, großartig. hahahah

Danach ging's noch zur Aftershowparty, wo wir dank der viel zu bequemen Sofas ziemlich entspannt weiterfeierten und mit der Nebelmaschine den Rauchmelder auslösten. Da bei der Show aus genau dem Grund nicht genebelt werden durfte, holten die Techniker das dort nach, die Sichtweite betrug am Ende noch etwa einen Meter. ;) Mit dem letzten Bus ging es später wieder nach Duisburg und von dort mit dem Zug nach Hause, wo ich nach Mitternacht ankam.

Der Sonntag wäre dann eigentlich frei gewesen, aber da ich am Abend eingeladen wurde, nochmal zu kommen, und auch gespannt war, ob diesmal auch die erste Hälfte besser laufen würde, fuhr ich spontan nochmal hin. Von der Fahrt im heißen Zug und einem Sprint durch den Duisburger Hauptbahnhof zum Bus (gut, dass ich da mal gearbeitet habe und wusste, wo der Bus fährt!) verschwitzt kam ich diesmal fast zu spät, die am Vorabend nicht mehr rechtzeitig fertig gewordene Fotopräsentation lief schon.

Das Konzert war in der Tat um Welten besser. Diesmal waren TEN SINGer aus Anrath (Niederrhein) und Brackwede-Quelle (OWL) dabei, auch K. von Duisburg war nochmal gekommen und Maike aus Hamburg war auch noch da. Von ihr sind übrigens die Fotos, vielen Dank dafür! Technisch lief's diesmal von Anfang an fast gut, die Leistung der Gruppe war auf jeden Fall viel besser. Der Chor deutlich zu hören, die Solisten und die Band sicher, die Schauspieler entspannter und die Tänzerinnen synchroner. Auch das Publikum schien deutlich mehr Spaß zu haben, obwohl mir der Altersdurchschnitt wesentlich höher erschien. Nur die League of Legends-Witze hat vermutlich wieder keiner verstanden... :D

Nach der Show wurde noch abgebaut, und vermutlich habe ich noch nie erlebt, dass eine TEN SING-Show so schnell abgebaut war. Die Ladecrew kam mit dem Laden gar nicht hinterher. Da wirklich jeder mithalf, war die Halle nach zwei Stunden schon sauber und nahezu geräumt (bis auf die noch nicht verladenen Geräte eben). Am Lager sperrte S. uns dann leider aus, aber so bekamen wir wenigstens mal die Gelegenheit, eine Türöffnung mit Feuerwehrmethoden zu erleben (ein Hoch auf Connections). Und irgendwann war dann auch alles verstaut, so dass es ans Verabschieden und nach Hause ging.

Und nun ist es 6 Uhr morgens und ich bin immer noch wach. Mein Mailserver hatte ein Authentifizierungsproblem, das behoben werden wollte. Ein Kernelupgrade war auch fällig, die Spülmaschine musste ausgeräumt werden, Essen war auch noch nicht fertig und unsortierter Papierkram ließ meinen Schreibtisch nach und nach verschwinden. Aber nun ist erstmal gut. Nachher ist auch noch ein Tag.



Lesestoff

Da hier momentan nicht viel passiert, weil meine für's Bloggen verbleibende Zeit für die Festivalhopper draufgeht, möchte ich euch kurz meine Blogroll ans Herz legen - eine kleine Auswahl der Blogs, die ich täglich lese. Jeden davon kann ich sehr empfehlen. Also, schaut mal rein und füttert den Feedreader eurer Wahl.

Außerdem empfehlenswert, auch wenn es kein Blog ist: 10000flies, eine Seite, die täglich Newscharts erstellt - auf der Basis von Facebook-Likes, Google-Plus-Einsen und Twitter-Shares. Also ein schöner Überblick über das, was die Menschen gelesen und geteilt haben - entsprechend viel uninteressanter Schrott ist dabei, aber eben auch die großen Themen des Tages und in jedem Fall ist es interessant zu sehen, welche Artikel dort landen.

Und zu guter letzt sei hier noch auf meine Artikel bei den Festivalhoppern verwiesen. Aktuell bin ich bei Bochum Total, davor auch schon beim Open Source, beim Unifest in Paderborn und beim Traumzeit-Festival in Duisburg. Und nächste Woche geht's zum Serengeti. hahahah



Fassungslos

Ich habe mich aus der aktuell laufenden Sexismus-Debatte bisher rausgehalten, weil ich mich über das Thema ausreichend informiert fühlte und denke, dass ich persönlich nicht viel dazu beitragen kann. Diese kleine Sammlung hier möchte ich trotzdem kurz mit euch teilen. Es geht um die aktuelle Wimbledon-Siegerin, die äußerlich anscheinend von dem abweicht, was die "Fans" gewohnt sind.

Women’s Wimbledon Champion Marion Bartoli Deemed “Undeserving Ugly Fat Slut" By Sexists Because She’s Not A Tall Skinny Blonde von Public Shaming

Fremdschämen ist da in der Tat absolut angebracht. Ich war noch nie so fassungslos.



Sharkoon Fireglider: Schlichte Luxusmaus

Nachdem mich Logitech enttäuscht hatte, probierte ich die Sharkoon Fireglider aus, ebenfalls eine Lasermaus mit Kabel und sieben Tasten, allerdings ein paar Euro günstiger. Sharkoon war mir bisher eher als Hersteller von Casemodding-Zubehör bekannt, eine Gamingmaus, die aussieht wie eine Büromaus und auch als solche genutzt werden kann, machte mich neugierig.

Die (der?) Fireglider kommt in einer für Gamingzubehör üblichen schicken Verpackung, die sich leicht öffnen lässt. Zum Lieferumfang gehören außer der Maus auch sieben kleine Gewichte, mit denen sich das Gewicht der Maus anpassen lässt. Ebenfalls anpassen lässt sich die Empfindlichkeit in DPI (bis zu 3600). Eine farbige Anzeige auf der Maus signalisiert den eingestellten Wert. 3600 ist so unfassbar schnell, dass ich die Maus nicht mehr kontrollieren kann. Ich entscheide mich für den Wert, bei dem die Anzeige grün leuchtet, es ist einer der niedrigsten und zum normalen Arbeiten völlig ausreichend. Zusammen mit den Gewichten rechtfertigt sich so jedenfalls der Begriff Gamer-Maus. Der DPI-Wert wird übrigens intern gespeichert, bleibt also auch erhalten, wenn man die Maus an einen anderen Rechner mitnimmt oder zwischendurch aussteckt oder den Rechner neustartet.

Außerdem dabei sind zwei Sets Ersatzfüße, falls die mal abnutzen. Sehr löblich, da mir sowas bei anderen Mäusen schon öfter gefehlt hat. Die Tasche wirkt ziemlich klein und nicht besonders hochwertig, aber bei einem Preis von kaum über 20€ kann man da gut drüber weg sehen.

Ein Kaufgrund war das "fein justierbare" Mausrad. Das hört sich für mich an, als könnte man daran irgendwas verstellen. Dem ist nicht so, es handelt sich um ein normales Mausrad mit feiner Rasterung, sehr angenehmem Drehverhalten und sehr leisem Drehgeräusch. Letzteres tröstete mich dann auch, denn der Hauptgrund, warum ich mich bisher gegen gerasterte Mausräder entschied, war das laute Klicken beim Drehen. Das Mausrad bleibt beim Klicken sehr stabil, das genaue Gegenteil der Logitech M500. Seitliches Scrollen gibt es nicht.

Die Maus liegt nicht unglaublich gut, aber schon sehr angenehm in der Hand. Von der Größe her würde ich sie zwischen der VX und MX von Logitech anordnen. Mir ist sie groß genug, etwas kleiner wäre auch ok gewesen. Nutzern der MX ist sie möglicherweise auch wegen der vergleichsweise geringen Höhe zu klein. Die Oberfläche fühlt sich aufgrund der Beschichtung sehr angenehm an. Auf meinem Kunststoff-Mauspad gleitet sie leise und leicht.

Das Klicken der Maustasten ist deutlich hörbar, die Tasten sind aber angemessen leichtgängig. Kein labberiges Zeug, aber Kraft aufwenden muss man auch nicht. Mehr kann man bei normalen Tasten nicht reißen. Die sechste Taste ist ganz am Kabelende zwischen linker Maustaste und Rad positioniert. Durch zweistufige Erhöhung und geriffelte Oberfläche hebt sie sich deutlich ab und auch durch die Position ist es schwer, sie versehentlich zu treffen, und doch leicht genug erreichbar um sie im Alltag zu nutzen. Die siebte Taste ist unter dem Rad und schaltet den DPI-Wert um. Die Software zur Tastenprogrammierung nutze ich nicht, da ich unter Linux arbeite. Dort sind die beiden seitlichen Tasten (vor und zurück) standardmäßig vertauscht. Das lässt sich anpassen, ich finde es aber angenehm, da aufgrund der etwas anderen Position der Tasten die Zurück-Taste dort ist, wo sie immer ist, die Vor-Taste aber nicht dahinter, sondern davor. Für meinen Daumen ist diese Lage angenehmer. Auch hier wurde übrigens eine Riffelung verwendet, um die Tasten unterscheiden zu können.

Die Fireglider fällt kaum auf, wenn sie auf dem Schreibtisch liegt. In der niedrigsten DPI-Stufe leuchtet gar die LED nicht. Trotzdem punktet sie durch gute Verarbeitung, angenehmes Handling und viele Kleinigkeiten. Die Gewichte habe ich nicht ausprobiert, aber beim Herausnehmen zeigt sich schon, dass man das Gewicht der Maus damit fühlbar verändern kann. Die Sharkoon Fireglider wird mich nun jedenfalls länger begleiten.



Musik-Neuentdeckungen 6/2013

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google findet sich alles.

  • Safri Duo - Everything (TS Duisburg)
    Etwas ungewöhnlich ist TEN SING Duisburg bei einer ihrer Tanzperformances gestartet, denn im Gegensatz zu Played-A-Live, das wohl jeder schonmal gehört hat, der 2001 schon geboren war, hört man diesem Song seine Tanzbarkeit anfangs nicht unbedingt an. Dennoch genial als Einstieg.
  • The xx - Intro
    Das Intro geht nur zwei Minuten, klingt aber so genial, dass es davon 10-Stunden-Loops auf Youtube gibt. Ein solcher wurde mal auf Twitter verlinkt, aber irgendwie habe ich den Song dann nie hier vorgestellt. Gestern beim Abbau lief er mal wieder. Toller, hallender Klang, mit ganz wenig Tönen und einem sparsamen, aber nicht langweiligen Drumpattern wird schon in der ersten Minute eine geniale Atmosphäre aufgebaut.
  • Claire - Pioneers (AStA Sommerfest)
    Ebenfalls scheinbar einfach gehalten und geradlinig sind viele Tracks von Claire, die mich beim Sommerfestival an der Uni Paderborn total aus den Latschen gehauen haben, obwohl ich nur die letzten zwei Songs sah. Ein schlichter, aber wuchtiger Beat, ätherische Synthis und immer mehr Feinheiten, Becken, E-Drums, Breaks, der Track wird nie langweilig, obwohl er seine Grundform nie ändert. Mal ganz davon abgesehen, dass die Frau eine tolle, einprägsame Stimme hat. Und ich mich frage, wie alt die vier überhaupt sind - auf jeden Fall jünger als ich.
  • New Found Land - The Hunter (BoTo)
    "Kenn ich nix, fahr ich nich hin" ist immer ein Fehler bei Festivals, deren Musikrichtung man eigentlich gerne hört. Ich habe zwar noch nie irgendwo so eine schlechte Programmübersicht gesehen wie auf der Website von Bochum Total, aber "schwedischer Indie" reicht mir ja schon, um mal reinzuhören. Und naja, irgendwie ist es auch genau das. Indierock, wie ihn vor allem skandinavische Bands produzieren. Exzellent.
  • General Ghost - It's Worth It I Promise (Free Download!)
    General Ghost gehen mit Paramore auf Tour, und nun überlege ich, doch zu nem Paramore-Konzert zu gehen - könnte ja schließlich gut werden und die Vorband ist schonmal nen Besuch wert.
  • Crystal Fighters - Love Is All I Got (Juicy Beats)
    Das Juicy Beats hat "auch in diesem Jahr wieder...mh... 20 oder so" Bühnen (O-Ton Pressekonferenz), aber schon die Hauptbühne hat so gute Acts, dass ich es kaum dort weg schaffen werde. Was eine Schande ist für den Bericht, aber Crystal Fighters zum Beispiel haben es erst so in mein Blickfeld geschafft. Wundervolle unaufgeregte Indiemusik. Fluffig und tanzbar genug für die großen Bühnen, abwechslungsreich genug für die Mainstream-Feinde. Großartig zum Beispiel wie bei diesem Lied ganz nebenbei Synthesizer und Verzerrer eingestreut werden und auf einmal da sind, als würden sie die ganze Zeit schon dazu gehören.
  • Glasperlenspiel - Nie vergessen
    Der Name fiel 2011, als ihr erstes Album rauskam, schon öfter - aber irgendwie hatte das Duo es nie in meinen Fokus geschafft. Nun liefen sie nach einem Konzert als Rausschmeißer und ich war hin und weg. Wundervoller Elektropop, ein Graus für Feinde von Radiomusik, perfekt für meine Musiksammlung irgendwo zwischen Robyn und dem Mainstream.
  • Laing - Morgens immer müde (Traumzeit)
    Manchmal kann man an den Vorschlägen, welche Bands zu dem gerade laufenden Stück passen, die Schublade erkennen, in die sich die aktuelle Band stecken lässt. Am Zuverlässigsten funktioniert das, wenn die Band nicht in eine Schublade passt: Dann sind die Vorschläge total wirr und widersprüchlich. Silbermond, Seeed und Rea Garvey zum Beispiel sieht man sonst nicht zusammen. Außer bei Laing - die kombinieren nämlich den textlichen Stil der genannten Bands mit Minimal Electro. Absolut schräg, geht nach dem "Häh?" im Kopf aber direkt in die Beine. Wenn die ewig wiederholte Spotify-Werbung nicht so nervig wäre, hätte ich sie vielleicht schon früher entdeckt. Aber wer klickt schon auf "den Banner", nachdem er 100x dazu aufgefordert wurde?
  • Imagine Dragons - It's Time
    Meine Schwester sah die bei Rock am Ring und meinte, ich würde die bestimmt kennen... nun... nein. Also, die paar Zeilen aus dem Refrain dieses Liedes kennt vermutlich wirklich jeder, aber... die sind doch ein totales One-Hit-Wonder, oder?!


Kein würdiger Nachfolger

Viele Jahre lang nutzte ich eine Logitech VX Revolution als die Computermaus meiner Wahl. Sie war nicht so groß wie die MX, aber auch nicht so winzig wie die VX Nano. Sie hatte einen ausgesprochen präzisen Laser, mit dem auch Egoshooter Spaß machten. Man konnte den Funkempfänger in der Maus verstauen und vor allem konnte man das Mausrad umschalten zwischen Klickrasterung und freiem Drehen. Das ist großartig, wenn man wie ich oft durch lange Texte oder Programmquelltexte scrollen muss. Ihr einziges Manko war die kurze Distanz, die sie per Funk überwinden konnte.

Nun ist das Batteriefach kaputt. Schon vorher passte nicht mehr jeder Akku, nun war sie mit gar keinem mehr zufrieden. Also nach sechs Jahren erneut die quälende Frage: Welche Maus soll es denn sein? Das Angebot ist gigantisch, von den ganz schlichten Drei-Tasten-Mäusen bis zur Mad Catz R.A.T.-Serie, die vom Aussehen einer Maus schon sehr weit entfernt ist, gibt es quasi alles. Ich halte meine Ansprüche eigentlich für gering: Laser, wahlweise freidrehendes Mausrad und entweder gute Funkleistung oder Kabel.

Aber am Mausrad scheitert es - anscheinend verwendet niemand außer Logitech diese Technik. Möglicherweise ist sie patentiert. Jedenfalls kaufte ich nun die Logitech M500 - ein indirekter Nachfolger der VX mit etwas anderer Form und Kabel, da Berichten zufolge die Funkleistung noch schlechter geworden sein soll.

Die M500 ist unter den gehobenen Mäusen bei Logitech das Billigmodell. Mit nur etwa 24€ kostet sie kaum mehr als die Durchschnittslasermaus, verfügt dafür aber eben über das umschaltbare Mausrad und zwei weitere Tasten an der Daumenseite. Die Form wird als ergonomisch angepriesen - aber bei dem Ausmaß des ergonomischen Designs heutzutage halte ich das kaum für gerechtfertigt. Es beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass der Daumen nicht komplett neben der Maus liegt, sondern sich ein bisschen in das Gehäuse einfügt. Ansonsten fühlt sich die M500 trotzdem an wie die ganzen ovalen Standardmodelle.

Die Tasten sind allesamt ok. Es sind halt Tasten, man kann damit klicken, sie tun was man erwartet und machen dabei ein mittellautes Klickgeräusch. Deutlich lauter ist die Umschalttaste für das Mausrad. Während man bei der VX einen Pin zur Seite schob, gibt es nun eine Taste, die man drücken muss. Das funktioniert zuverlässig und Position und Widerstand sind so gewählt, dass man sie nicht versehentlich betätigen wird.

Ganz anders das Mausrad. Während es im freidrehenden Modus gewohnt praktisch ist, weist es im Klickrastermodus schon wesentlich weniger Widerstand auf als die meisten anderen gerasterten Mausräder. Vor allem aber kann man mit dem Mausrad auch seitlich scrollen - und da zeigt sich die größte Schwäche der M500. Das Rad ist dermaßen wabbelig in seiner Halterung, dass man zum einen jederzeit versehentlich seitlich scrollen kann, weil das Rad einfach seitlich wegrutscht - zum anderen bekommt man beim absichtlichen seitlichen Scrollen überhaupt kein Feedback. Am Deutlichsten zeigt sich das, wenn man im freidrehenden Modus (den ich meistens nutze) versucht, mit dem Mausrad zu klicken: Denn auch der Klickwiderstand des Rades ist lausig, es fühlt sich einfach wabbelig an, und durch den geringen Halt bin ich dabei schon mehr als einmal seitlich abgerutscht und habe so das Scrollen ausgelöst. Mal ganz davon abgesehen, dass das Klicken auch nicht immer funktioniert...

Die M500 mag ja als Gesamtprodukt recht solide sein, aber für mich ist das Mausrad nunmal der wichtigste Bestandteil der Maus nach der linken Maustaste. Mit so einem wabbeligen Ding kann ich nicht arbeiten. Daher werde ich nun erneut den Amazon-Katalog wälzen...



Prioritätensetzung bei der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn legt also in Zukunft mehr Wert auf die Verwendung deutscher Begriffe an Stellen, an denen auch Anglizismen verwendet werden könnten. Wie schön. Das kann man nützlich finden in einer Zeit, in der deutsche und englische Sprache immer mehr gemischt werden - oder unnötig, oder zu spät. Ich habe kein Problem mit Anglizismen; viele deutsche Sprachkonstrukte werden sowieso falsch verwendet und gerade im ÖPNV ist es doch schön, wenn Ausländer auch dort Begriffe erkennen, wo nicht explizit deutsche und englische Variante angeboten werden.

Viel interessanter finde ich aber, dass so ein Thema überhaupt Relevanz hat - denn man sollte meinen, die Bahn hat andere Probleme. Hier in Dortmund zum Beispiel wird gerade am Bahnhof gebaut; auch an der Strecke Gelsenkirchen - Wanne-Eickel - Herne - Castrop-Rauxel, die ich wöchentlich fahre, wird gebaut (zum dritten Mal in diesem Jahr. Der Aufzug am Bahnhof Herne ist auch seit über zwei Jahren in Arbeit). Dass das den Zugverkehr allgemein erschwert, kann ich noch verstehen; aber es kommt in letzter Zeit auch öfter zu anderen Problemen in Dortmund, wie dem Ausfall des Stellwerks kürzlich und dem daraus folgenden Totalausfall des gesamten Bahnhofs. Möglicherweise besteht da ein Zusammenhang.

Ein anderes Thema, welches gerade im Ruhrgebiet mehr Beachtung verdient: Barrierefreiheit. Als ich kürzlich im Norden auf Radtour war, staunte ich darüber, wieviele Aufzüge es dort gibt. Ich weiß nicht, woher die Neigung zu Rolltreppen an westdeutschen Bahnhöfen kommt - Rolltreppen sind nutzlos. Menschen ohne Gepäck und ohne Behinderung können auch normale Treppen benutzen. Und denjenigen, die auf Rollstuhl oder Krücken angewiesen oder mit Kinderwagen, Fahrrad oder schwerem Gepäck unterwegs sind, wäre mit einem Aufzug mehr geholfen. Rolltreppen fördern nur die Faulheit der Menschen.

"Mehr geholfen" stimmt dabei sogar nur in einigen Fällen. Ich kann mein Fahrrad - wenn auch unter Anstrengung, weil es mit Gepäck fast 30 Kilo wiegt - auch die Treppe hochtragen. Wer auf Gehhilfen angewiesen ist, hat oft keine Möglichkeit, Treppen zu überwinden, und Rolltreppen helfen da oft ebenfalls nicht - weil sie zum Aufsteigen nicht angehalten werden können.

In Dortmund gibt es nur an einem einzigen Bahnsteig einen Aufzug, der obendrein nur von der Hauptebene erreichbar ist. Die wiederum ist aber nur vom Südeingang barrierefrei erreichbar, der Nordeingang liegt tiefer - und hat nur eine Rolltreppe als Verbindung zur Hauptebene und einen Aufzug in die Tiefebene, wo die U-Bahnen fahren. Soll heißen: Wer auf einen Aufzug angewiesen ist, hat keine Chance, selbstständig die Gleise 6-31 zu erreichen. Dortmund ist ein Extrembeispiel, aber auch an anderen Bahnhöfen sind nicht alle Gleise barrierefrei erreichbar, vor allem die, wo nur S-/Regionalbahnen halten. Übrigens: von dem einen Bahnsteig, den man in Dortmund mit einem Aufzug erreichen kann, fahren nur S- und Regionalbahnen.

Eigentlich ist das aber total egal. Von den anderen Gleisen fahren dann nämlich vor allem Fernzüge und Regionalzüge mit langen Strecken wie RE 1 (Paderborn - Aachen) oder RE 6 (Minden - Düsseldorf), also die Hauptlinien des Bundeslandes. Die werden von besonders vielen Fahrgästen genutzt - deshalb hat man sich für doppelstöckige Zugmodelle entschieden. Damit kann man bei gleicher Zuglänge ungefähr doppelt so viele Menschen transportieren. Ups - nur fast. Alle, die beim Einsteigen darauf angewiesen sind, dass sie keine Lücke und keine Stufen überwinden müssen, bleiben draußen.

Denn sowohl die hochmodernen, schnellen Fernzüge, als auch die doppelstöckigen Regionalzüge haben eine Treppe am Einstieg. Das an sich ist schon ein Hohn im Zeitalter der Niederflur-Bahnsteige. In den Doppeldeckern geht es dann direkt weiter: Zu beiden Ebenen muss man eine weitere Treppe überwinden. Das ist auch für Reisende mit Gepäck eine Zumutung, ganz zu schweigen davon, dass das Reisen mit einem Fahrrad oder Kinderwagen zum Horrortrip ausartet. Zusätzlich führen die Treppen dazu, dass auch gesunde Reisende sich zweimal mehr als sowieso schon überlegen, ob sie den Gang entlang laufen und einen freien Sitzplatz suchen oder lieber den Türbereich verstopfen. Und es verlangsamt das Ein- und Aussteigen allgemein.

Wenn die Deutsche Bahn ihre verbeamteten Mitarbeiter mit einem Großprojekt beschäftigen muss, sollte sie sich lieber die Fahrpläne vornehmen. Die zu überarbeiten kostet bestimmt nicht mehr als das Umstellen von 2200 Anglizismen auf deutsche Begriffe - hätte aber sicher einen positiveren Effekt. Denn während Privatunternehmen wie die NordWestBahn einplanen, dass im Berufsverkehr mehr Leute mit dem Zug fahren und die gleiche Strecke daher nicht in der gleichen Zeit bewältigt werden kann, beharrt die Bahn auf ihrem gleichmäßigen Stundentakt, der regelmäßig zur Hauptverkehrszeit zu Verspätungen führt.

Da Züge aber sowieso je nach Wochentag, Uhrzeit und Mondphase Fahrtziel, Länge der Strecke und Uhrzeit der letzten Fahrt ändern, sollte man ohnehin nicht auf die Regelmäßigkeit vertrauen. Mal ganz davon abgesehen, dass auch die Aushangfahrpläne manchmal falsch sind - so werden in Essen falsche Gleise angegeben, in Dortmund fehlt beim RB 43 (ein Zug der Konkurrenz!) die Mehrzahl der Haltestellen. Und mit regelmäßig auftretenden Verspätungen bringt ganze getaktete Plan sowieso nichts. Daher sollte die Deutsche Bahn mal ihre Verspätungen auswerten und in den Fahrplan übernehmen - Fahrgäste nehmen Verspätungen weniger übel, wenn sie planmäßig sind.