TENopoly in Hagen: TEN SING Original

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. Nach verschiedenen Beschreibungen geht es nun ans Eingemachte: Wie läuft so eine Show ab?

Die Solistin für das nächste Stück steht mit konzentriertem Blick am vorderen Bühnenrand, das Mikro fest in der Hand, während die Zuschauer noch den vorherigen Song bejubeln. Dann erklingen die ersten Töne auf dem Keyboard, erneut bricht Jubel los und die Zuschauer wissen: Sie muss sich gerade so konzentrieren, weil die Töne, die sie jetzt singen wird, extrem hoch und schwer zu treffen sind. Auch der Chor ist angespannt und selbst von den Fotografen hört man kaum noch Auslösegeräusche.

"Bring me to Life" läuft dann aber erfolgreich über die Bühne, Entspannung ersetzt Anspannung und erneut brechen Jubel und Fangesänge los. Es soll ein Abend des Jubels werden: Um die Überschneidung mit dem DFB-Pokalfinale möglichst gering zu halten, hat die Show der Hagener TEN SINGer bereits um 18 Uhr angefangen. Ungewöhnlich früh, aber am Feiern hindert das niemanden. Neben Eltern und Freunden sind auch TEN SINGer aus vielen anderen Gruppen angereist und singen immer wieder "Hey, TEN SING, you're so fun, you're so fun you blow my mind" und "Ihr seid spitze, hey!", was von der Bühne lautstark mit "Ihr aber auch!" beantwortet wird.

Die sechste Show der Hagener, die zum zweiten Mal im Gemeindehaus Vorhalle stattfand, ist eine schöne Oldschool-TEN SING-Show. Dass hier der Spaß vor allem anderen kommt, merkt man auch als Zuschauer sofort. Die meisten Jugendlichen stehen zum ersten Mal auf einer Bühne, haben heute ihren ersten großen Abend. Nicht alles läuft perfekt, aber Pannen werden gekonnt überspielt, vergessene Strophen mit Lachen weggewischt. Auch das Publikum zieht mit: Vor "Hallelujah" wird von einer Zuschauerin schnell mal mit der ersten Zeile ausgeholfen, in Umbaupausen singt das Publikum und die Band überbrückt die verbleibende Stille.

Es ist ein bunter Abend aus Chor-Band-Liedern, ruhigeren Duetten, dem Theaterstück um das "Tenopoly" und einem selbst entwickelten Tanz zu eigens dafür zusammen geschnittenen Songs. Wir bekommen den Beweis, dass man mit vier Akkorden eine beeindruckende Menge Songs bestreiten kann1, schmelzen zu "Behind Blue Eyes" dahin, singen "Fuck you" und "Mighty to save" mit und rocken schließlich zu "Last Resort" und "Du schreibst Geschichte". Und wir werden Zeugen, wie ein langweiliger Tenopoly-Familienabend zum schrägen Erlebnis wird, weil plötzlich Bruce Darnell den "Zweiten Platz beim Supertalent" bestimmt, gegen "Hagen 21" protestiert wird, als die Besitzerin aller vier Bahnhöfe die Renovierungskarte zieht oder die Mutter von der Polizei abgeführt wird, als sie ihrer Tochter die Miete nicht zahlen will.

Für mehr als die Hälfte der Teilnehmer war es das erste TEN SING-Jahr. Umso beeindruckender ist, was daraus entstanden ist: Das Band-Zusammenspiel funktioniert, die Solisten glänzen und auch der Chor ist präsent, obwohl die Besetzung dünn ist und die Chorleiterin teilweise selber Solo singt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gruppe bei den Danksagungen sich auch kräftig selbst feiert, denn alle Mitarbeiter haben ihre Aufgaben zusätzlich zu ihren normalen Teilnehmeraktivitäten übernommen. Ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Jugendliche in Eigenregie beeindruckendes leisten und damit ein gutes Beispiel für das Konzept TEN SING.

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  1. Eine Variante des im Internet bekannten 4-Chords-Songs, siehe hier: 4 Chords Song auf Youtube


TEN SING: Die Show

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. In den ersten beiden Artikeln ging es um das allgemeine Konzept von TEN SING und um gruppenübergreifende Aktionen. Heute geht es um die Shows, die jedes TEN SING-Jahr abschließen.

Ein Auftritt pro Jahr - klingt ganz schön wenig. Auch deshalb ist es wichtig zu verstehen, was hinter TEN SING steckt und warum so ein wilder Haufen so begeistert davon ist, einmal im Jahr auftreten zu können, während jede noch so unbekannte Schülerband zumindest alle ein bis zwei Monate mal einen Auftritt hat.

Nun besteht so eine Schülerband aber auch nur aus drei bis sechs Leuten und vor allem sind Bands ja in der Regel darauf angelegt, Songs zu schreiben und damit aufzutreten. TEN SING ist da ja komplett anders ausgerichtet - es geht um den Spaß am Erarbeiten der Show, um Kreativität, das Gruppengefühl und die Entwicklung und Förderung von Kompetenzen.1 Außerdem treffen sich die paar Mitglieder einer normalen Band immer wenn sie Zeit haben; bei TEN SING sind die Treffen aufgrund der Gruppengröße auf einen wöchentlichen Rhythmus beschränkt, der obendrein in den Schulferien meist aussetzt. Als kleinen Ausgleich dazu gibt es über das Jahr verteilt mehrere Probenwochenenden (und bei manchen Gruppen noch andere Wochenendaktionen), die überwiegend dem intensiven Proben, aber auch der Verbesserung des Gruppenklimas dienen.

Das Konzept der Jahresshow ist übrigens keinesfalls starr; es gibt durchaus Gruppen, die mit ihrer Show an mehreren Tagen hintereinander auftreten. Wenn die Location beispielsweise nicht alle Zuschauer fassen würde, ist es nicht unüblich, eine Show überwiegend für Eltern und eine überwiegend für TEN SING-Gruppen und Freunde zu veranstalten. Manche Gruppen schaffen es auch, zwei Shows im Jahr auf die Beine zu stellen, und es kommt nicht selten vor, dass über das Jahr verteilt kleinere Auftritte gebucht werden, zum Beispiel auf Stadtfesten oder als Werbeaktion in den Gemeinden.

Bei solchen Aktionen wird natürlich auch immer für die große Show geworben. Dadurch und durch gezielte Werbeaktionen (Flyer, Plakate in der Umgebung des Proben- und Showortes) und Werbung bei anderen TEN SING-Gruppen bringt es so eine TEN SING-Show schonmal auf bis zu 800 Besucher - oder bis zu 1200, verteilt auf zwei Abende. Da sind dann im Prinzip alle dabei, die während des TEN SING-Jahres etwas von der Gruppe mitbekommen haben: begeisterte Freunde, Eltern, andere TEN SINGer, aufmerksam gewordene Bewohner der Stadt und Mitglieder der beteiligten CVJM-Häuser und Gemeinden. Allen gemeinsam ist, dass sie vom hinter TEN SING steckenden Konzept begeistert sind, möglichst viele Talente zu fördern und Spaß zu haben, auch wenn dafür Qualität und Professionalität zurückstecken müssen.

Und das ist in der Tat das Beeindruckende an diesen Shows - auch, was geboten wird, aber vor allem was dahinter steckt. In der Regel gingen einer Show weniger als 40 zwei- bis dreistündige Proben voraus, in denen manch einer ein Instrument erlernt, zum ersten Mal einen Chor dirigiert oder ein Gesangssolo gelernt hat. Außerdem wurden in Eigenregie ohne professionelle Hilfe ein Theaterstück und eine oder mehrere Tanzchoreografien entwickelt. Die Eltern sind davon immer völlig begeistert. Manch Außenstehender wird sich schwer tun mit Begeisterung, wenn mal was nicht klappt, das Niveau des Theaterstücks niedrig ist oder die Chorsätze nur zwei- bis dreistimmig sind, weil die Gruppe nicht so groß ist. Und die anwesenden TEN SINGer letztlich bilden sich ihre Meinung abhängig von ihrer eigenen Leistung und anderen Shows, die sie schon gesehen haben, vor allem natürlich Shows der gleichen Gruppe in den Vorjahren. Am wichtigsten aber ist, dass die Gruppe selbst in dem Jahr etwas gelernt hat und an sich selbst Spaß hat. Und das ist auch der Grund, warum meine Showberichte nie negativ, sondern höchstens etwas kürzer ausfallen - sie sind bewusst nicht objektiv geschrieben, weil ich selber TEN SINGer bin und das Konzept dahinter kenne und weiß, dass es gar nicht das Hauptziel ist, möglichst viel Qualität auf die Beine zu stellen. Aus dem gleichen Grund ist es auch wichtig, dass anwesende Reporter das Konzept verstehen. Wenn TEN SING nur als billige Abendunterhaltung angesehen wird (der Eintritt liegt oft unter fünf Euro), ist die Darstellung automatisch unvollständig.

Da die Elemente der Show sich oft auf die oben genannten beschränken und nur teilweise um einen eigenen Männertanz oder einen Minichor2 ergänzt werden, hängt die Stimmung der Show auch wesentlich von den gewählten Liedern ab, die vom Chor mit der Band präsentiert werden. Beschränkungen in der Auswahl gibt es nur bei wenigen Gruppen, so dass das Programm meistens bunt gemischt ist. So gibt es immer Stimmungslieder, die bei gut besuchten Konzerten durchaus auch zu Moshpits und Crowdsurfen führen, bekannte Popsongs, die jeder mitsingen kann, und durchaus auch weniger bekannte Stücke, für die sich die Gruppe aber begeistert hat.

Dafür begeistern ist überhaupt ein Phänomen, das sich in jeder Gruppe in jedem TEN SING-Jahr beobachten lässt. Während normale Bands sich direkt in ihren eigenen Songs verwirklichen, fangen TEN SINGer an, die Lieder, die sie covern, zu leben und in ihren persönlichen Favoriten aufzugehen. Durch die wilde Mischung und die meist demokratischen Abstimmungen ist immer für jeden was dabei und nicht selten hört man nach einer Show ein Lied im Radio und denkt sofort an die Show zurück, auf der man das Solo dazu gesungen oder den Chorsatz dazu geschrieben hat. Und wenn diese Begeisterung erreicht wurde, war es ein gutes TEN SING-Jahr.

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  1. Dahinter steckt das Modell der fünf Cs: Creativity, Competence, Culture, Care und Christ. Mehr dazu auf tensingland.de.
  2. Vier- oder mehrstimmiger Chor mit maximal drei Personen pro Stimme - mit höherem Qualitätsanspruch als der normale Gruppenchor


TEN SING-Aktionen

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. Der gestrige Artikel hat hoffentlich einen verständlichen Überblick darüber verschafft, was TEN SING ist und was man dort macht. Heute geht es darum, was TEN SING unabhängig von den Ortsgruppen ist.

Obwohl es sich bei TEN SING um ein internationales Konzept handelt und gerade in Deutschland sehr viele Gruppen anzutreffen sind, passiert es häufig, dass man von TEN SING erzählen möchte und erstmal seltsam angeschaut wird, weil der Name kaum jemandem geläufig ist. Im CVJM, dem Christlichen Verein Junger Menschen (auch YMCA - Young Men's Christian Association) ist TEN SING der größte Bestandteil der Jugendarbeit, aber auch der CVJM ist ja nicht unbedingt in der Öffentlichkeit präsent. Das liegt zum einen daran, dass nur wenige öffentliche Aktionen stattfinden - wäre ja auch übertrieben, über die alltäglichen Treffen jeder Jugendgruppe zu berichten. Zum Anderen finden solche Aktionen dann nahezu immer auf lokaler Ebene statt - und in den Lokalteilen der örtlichen Presse finden sich durchaus Berichte über Auftritte von TEN SING-Gruppen. Aber die echten Lokalzeitungen sterben immer mehr aus und wenn, werden sie kaum gelesen.

Dazu kommt, dass die Teilnehmer von TEN SING ebenfalls überwiegend nicht durch allgemeine Öffentlichkeitsarbeit geworben werden, sondern durch gezielte Aktionen. Dazu gehören Auftritte an Schulen und Werbeaktionen im Konfirmationsunterricht in den Gemeinden rund um die von der Gruppe genutzten Räumlichkeiten. Auch über den CVJM direkt kommen teilweise neue Teilnehmer dazu, denn in den anderen CVJM-Gruppen ist TEN SING durchaus bekannt. Darüber hinaus sind die Kirchentage wohl die öffentlichkeitswirksamsten Veranstaltungen, weil vor allem an den Kirchentagen im Norden und Westen Deutschlands viele TEN SING-Gruppen teilnehmen - aber Kirchentag ist ja leider nur alle zwei Jahre.

Jedes Jahr finden hingegen die vom CVJM angebotenen Seminare für TEN SINGer statt. Da gibt es jedes Jahr um Ostern das deutschlandweite Dassel-Seminar, bei dem 180 Teilnehmer zusammen kommen, und die regionalen Seminare, die in den CVJM-Regionen organisiert sind (Westbund NRW/Hessen, Norddeutschland, Ostwerk und viele der südlichen und mitteldeutschen Bundesländer). Und zusätzlich zu diesen eher kompetenzorientierten, jeweils einwöchigen Seminaren gibt es Veranstaltungen wie das Inside-Meeting in Wuppertal, das 48 Stunden dauert und quasi ein Mini-Spaß-Seminar ist, oder das Hessenprojekt, bei dem eine Show erarbeitet wird, mit der die Projektgruppe dann durch Deutschland tourt.

Nachdem ich das erste Mal auf einem der großen Seminare war, war ich so begeistert wie noch nie in meinem Leben. Ich beschrieb es damals als "eine Woche mit 180 tollen, hochmotivierten Menschen verbringen und die ganze Zeit genau das tun, was einem Spaß macht". Diese Aussage repräsentiert den Kern der Seminare recht gut - es gibt die Workshops, in denen man gleichzeitig Spaß haben und seine Fähigkeiten ausbauen kann, es gibt verschiedenste Aktionen, um sich in großen und kleinen Gruppen kennen zu lernen, von gemeinsamen Spielen über gemütliche Abende mit Akustikgitarre und Feedbackrunden bis hin zum Essen, es gibt entspannte geistliche Einheiten, um sich mit dem Glauben und dem eigenen Leben auseinander zu setzen und natürlich gibt es den Chor, der schon wegen der Masse von fast 200 Menschen beeindruckt, aber auch dadurch, dass innerhalb weniger Proben vier bis sechs Stücke erfolgreich einstudiert werden. Die Woche endet dann mit einer abendfüllenden Show, die in der einen Woche von den Teilnehmern aus dem Boden gestampft wurde, und das teilweise in Bereichen, in denen die jeweiligen TSer bisher noch keine Erfahrungen hatten.

An diesen Seminaren kann natürlich immer nur ein ausgewählter Kreis teilnehmen. Manche können aus zeitlichen oder beruflichen Gründen nicht, andere müssen rausgelost werden, weil nicht genug Plätze verfügbar sind. Einen kleinen Trost bietet dann immer die Gelegenheit, als Zuschauer an der Abschlussshow teilzunehmen - eine Gelegenheit, die gerne genutzt wird, so dass diese Konzerte immer gut besucht sind. Überhaupt ist es äußerst üblich, die Auftritte anderer TEN SING-Gruppen zu besuchen, denn dafür lohnt es sich, auch mal etwas weitere Strecken zu fahren, trifft man dort doch immer viele TEN SINGer, die man zuvor z.B. bei Seminaren kennen gelernt hat. Außerdem bieten TEN SING-Konzerte abendfüllende Unterhaltung unter Gleichgesinnten für kleines Geld (teilweise dank Sponsoren sogar komplett gratis).

Auch wenn einzelne durchaus mal alleine zu Konzerten reisen, sind doch meist noch andere Teilnehmer der eigenen Gruppe dabei, so dass Konzertbesuche, die damit verbundenen Zugfahrten und eventuelle Übernachtungen nach der Show auch Gelegenheit bieten, mit der eigenen Gruppe mehr Zeit zu verbringen. Am Schönsten ist es immer dann, wenn man schon unterwegs andere anreisende Gruppen trifft und so zum Beispiel einen normalen Linienverkehrsbus stürmt und feststellt, dass der volle Bus gerade quasi nur mit TEN SINGern gefüllt ist, die alle zur Show einer befreundeten Gruppe wollen. Und manchmal wird sogar ein eigener Bus angemietet, um mit der gesamten Gruppe in ein anderes Bundesland zu reisen und dort die Show einer anderen Gruppe zu besuchen.

TEN SING ist also viel mehr als nur wöchentliche Treffen und ein Auftritt für die Eltern. TEN SING ist vor allem Gemeinschaft. Und ohne die vielen Aktionen, die in der Region oder auf nationaler Ebene (oder sogar auf internationaler, dazu später) stattfinden, wäre es nicht halb so toll.



Musik-Neuentdeckungen 7/2013

  • Norah Jones - Chasing Pirates (House)
    Schon bei den ersten beiden Malen, die ich die acht Staffeln von Dr. House gesehen habe, fiel mir die exzellente Musikauswahl auf. Dank play.house kann ich nun auch die restlichen Stücke identifizieren. Einiges erkenne ich inzwischen selbst, z.B. "Stadium Love" von Metric, in anderen Fällen wäre ich nie drauf gekommen. Mit Norah Jones zum Beispiel sollte ich mich möglicherweise mehr beschäftigen.
  • Trentemøller - Miss You
    Einer dieser Songs, die man nüchtern hören sollte, weil man sich sonst eventuell in Embryo-Haltung unter dem Schreibtisch verkriecht. Minimaler Elektrosound, nur ein paar einzelne Synthi-Klänge... und doch so eine große Wirkung.
  • Avicii - Wake Me Up
    Tipp von Ulli. hahahah Nicht so heftige Synthis wie bei "Levels", eher ein Sommer- als ein Discohit.


TEN SING mit Worten erklärt

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. TEN SING bleibt dabei aber eins dieser Dinge, die man schlecht erklären, aber gut zeigen kann - wenn du also ungefähr zwischen 13 und 19 bist und in deiner Nähe eine TEN SING-Gruppe ist, geh doch einfach mal hin! - Heute geht es zunächst einmal darum, was TEN SING ganz grundlegend ist.

tensingartikel1a_small.jpgAls ich 2009 in Bremen beim Kirchentag war, lief ich an einem der ersten Tage durch die Bremer Innenstadt und begegnete dabei einer Menschenansammlung, die sich um eine Gruppe Jugendlicher versammelt hatte. Die Gruppe sang als Chor bekannte Popsongs, teilweise begleitet von Akustikgitarre und Cajon. Sie waren echt ziemlich gut - aber das beeindruckendste daran war, wie sehr man an ihnen angesehen hat, dass sie alle einen riesigen Spaß daran hatten, mitten in der Stadt auf der Straße zu stehen und zu singen.

Diese Gruppe war ein sogenanntes Streetteam von TEN SING, eine für den Kirchentag zusammengestellte Gruppe, die über das Kirchentagsgelände verteilt immer wieder spontane Open Air-Auftritte ohne Bühne präsentiert. Außer diesen Streetteams gibt es TEN SINGer auch - und vor allem - in örtlich organisierten Gruppen unterschiedlicher Größe, grob gesagt zwischen 8 und 80 Leute. Etwa 150 dieser Gruppen gibt es in Deutschland, zahlreiche weitere im Rest von Europa, vor allem in Norwegen, wo das Projekt ursprünglich entstanden ist, und vereinzelt auch außerhalb von Europa.

So eine Gruppe bildet dann als erstes einen Chor. Die Leitung wird dabei häufig von Teilnehmern der Gruppe übernommen, teilweise auch von CVJM-Mitarbeitern. Der Anspruch ist niedrig - Spaß, Motivation und Talentförderung stehen im Vordergrund. Damit kommt dann auch der zweite Bestandteil von TEN SING zum Tragen - die Workshops. Während der Chor die gesamte Gruppe einschließt, bilden sich zusätzlich separate Workshops, die sich an den Talenten der Gruppenteilnehmer orientieren.

In Deutschland gehören zu einer TEN SING-Gruppe immer eine Band und ein Theater-Workshop, meistens auch noch ein Tanz-Workshop. Je nach Gruppengröße gibt es darüber hinaus weitere Workshops oder Teams, etwa für PR & Design (Plakate, Flyer, Website...), Technik oder Organisatorisches. Zusammen mit dem Chor entsteht daraus in etwa einem Jahr eine abendfüllende Show - ohne professionelle Hilfe, denn alle Workshops und Teams werden von Teilnehmern der Gruppe geleitet. Eine erwachsene Leitung gibt es, wenn überhaupt, nur für die Kooperation mit dem örtlichen CVJM und die Finanzen. Oft wird diese Aufgabe aber auch von älteren TEN SINGern übernommen, die nicht mehr aktiv als Teilnehmer einer Gruppe dabei sind.

Ohne Frage finden sich viele Talente bei TEN SING. Manche Bands wären ohne dieses Angebot nicht entstanden, möglicherweise hätten die jeweiligen Musiker sogar nie eine musikalische Laufbahn eingeschlagen. Dazu gehören auch Silbermond, die sich bei TEN SING kennen lernten, und Musiker von Reamonn und a-Ha, die ihre musikalischen Kenntnisse dort erwarben. Trotzdem sind die Proben während der Gruppentreffen natürlich sehr wenig. Daher bietet der CVJM zweimal im Jahr ein einwöchiges Seminar an, auf dem alle bereits genannten und noch einige weitere Workshops angeboten werden, um Teilnehmer richtig fit zu machen auf dem Gebiet, das ihnen am meisten Spaß macht. Dazu gibt es weitere regionale und überregionale Aktionen, bei denen der Spaß und der Kontakt zu anderen TEN SINGern im Vordergrund stehen.

Denn das ist ein weiterer Aspekt, der TEN SING zu etwas Besonderem macht: Der rege Kontakt und Austausch zwischen den Ortsgruppen. Zwar ist jede Gruppe individuell, aber ebenso ist jeder TEN SINGer individuell und letztlich hängt die Wahl der Gruppe vor allem daran, wo man wohnt, denn als TEN SINGer ist man bei jeder Gruppe willkommen. Und damit bewegen wir uns langsam in das Gebiet, was TEN SING so besonders macht und mich so begeistert.



Vegetarismus-Zwischenstand

DIe Zeit vergeht so schnell, inzwischen wird es lächerlich, die Monate zu zählen, die ich Vegetarier bin. Das hat etwas gezwungenes und passt eher zu Dingen, die Durchhaltevermögen fordern. Ich entziehe aber nicht Koks oder Zigaretten, sondern bloß Fleisch. Die harte Phase des Entzugs ist längst vorbei.

Auch die Anzahl der Erklärungen, die ich pro Monat abgeben muss, sinkt, weil inzwischen die meisten meiner Freunde, Bekannten und Verwandten Bescheid wissen und zumindest keine blöden Kommentare mehr abgeben. Toleranz ist da, aber auch noch Unverständnis für die Hintergründe. Ich habe zum Beispiel letztens nach einer Grillparty zwei übrig gebliebene Bratwürste gegessen. Als Vegetarier "dürfte" ich das eindeutig nicht - aber die Alternative wäre Wegwerfen gewesen, und was wäre es denn für eine schwachsinnige Selbstauflage, die dazu führt, Lebensmittel zu verschwenden? Aus dem gleichen Grund habe ich auch mal nach einem Festival am Abbautag eine Konservendose geöffnet, die unsere Nachbarn da gelassen hatten, obwohl das Gericht fleischhaltig war. Die Wurststücke schwammen obendrauf und ich habe sie dann entsorgt, aber besser als die ganze Dose dem Müll zu überlassen war das allemal.

Ich bin Vegetarier, weil ich glaube, dass ich damit die (westliche) Welt ein Stück besser machen kann, vor allem, indem ich andere dazu bringe, ebenfalls ihr Essverhalten zu überdenken. Und genau dieses Überdenken ist es, was wir alle tun sollten. Nicht jeder muss dazu komplett Vegetarier werden. Nur das Bewusstsein für alternative Ernährungsmethoden sollte wachsen.

Die häufigste Reaktion ist immer noch "das könnte ich nicht". Das ist die Einstellung, die ich meine. Kleine Kinder mögen keinen Spinat. Wer als Erwachsener immer noch so denkt, ist in seiner Ernährungsweise festgefahren und sollte sich mal vor Augen führen, welche Konsequenzen das hat. Es ist wie in vielen Bereichen unseres Lebens die Bequemlichkeit, die dafür sorgt, dass sich nichts ändert. Deshalb gibt es immer noch Tierhaltung, bei der die Tiere sich nicht bewegen können und mit Medikamenten vollgepumpt werden müssen, damit sie nicht ständig krank sind. Deshalb gibt es immer noch Schlachtereien, in denen Menschen unter schlechten Bedingungen für einen Hungerlohn arbeiten. Weil viele von uns zu intolerant, festgefahren oder einfach zu faul sind, über ihr Verhalten nachzudenken.

Viele, aber nicht alle. 8 Millionen Deutsche sind inzwischen Vegetarier. Das immer noch eine Minderheit, aber es führt dazu, dass ein großes Regal bei Kaufland in der Kühlabteilung gefüllt ist mit Produkten für Vegetarier. Manche davon sind teuer, andere wirken eklig, aber viele sind eine Bereicherung für den Speiseplan. Jetzt im Sommer gibt es dazu ein riesiges Angebot an Obst und Gemüse. Und gerade im Sommer, wo wir wegen der Wärme alle ungern kochen, haben die, die auch mal auf Fleisch verzichten können, einen großen Vorteil: Gemüse kann man wunderbar auch roh verzehren.

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Verschiedene Anmerkungen:

  1. Auf der Berufsschule hat mich mal ein Lehrer gefragt, was denn Vegetarismus sei. Er kannte den Begriff schlicht nicht.
  2. Außer den Bratwürstchen habe ich noch ein weiteres Mal gesündigt - bei einer Nachtschicht, es gab Pizza und ich griff im Dunkeln ein Stück und übersah den Thunfisch. Drama, Drama.
  3. Tofu kann man auch roh essen, da verstehe ich dann aber tatsächlich, dass Leute es eklig finden... wobei Tofu als Salatbeilage super ist und auf verschiedene Arten ausgesprochen lecker zubereitet werden kann.


5 Jahre Konzertheld.de

Nachdem der Rückblick auf die letzten Jahre ja gestern schon rausging, gibt es heute noch ein paar Zahlen und technische Informationen. Gefeiert wird dann ab übermorgen - meine TEN SING-Artikelreihe ist endlich fertig und so wird es in fünf Artikeln einen detaillierten Einblick geben, was TEN SING ist und warum ich davon so begeistert bin. hahahah

Dies ist der 906. Post auf Konzertheld.de. 8 davon habe ich nicht selber geschrieben, 9 weitere sind Einträge in der Blogroll. Diese werden unter Habari, genau wie die 6 statischen Seiten, auf die gleiche Art erstellt wie die normalen Einträge und Eventberichte. Insgesamt haben sich dazu 530 Kommentare eingefunden, darin nicht enthalten sind Reaktionen auf Facebook und persönliches Feedback.

Statistiken habe ich in den fünf Jahren immer wieder mal eingeführt, verworfen, wieder eingeführt und wieder verworfen. Piwik, das inzwischen wohl bekannteste Statistik-Tool nach Google Analytics, liefert zwar mittlerweile recht glaubwürdige und brauchbare Daten, macht aber momentan Schwierigkeiten bei der Einrichtung.

Habari, das Blogsystem, hat sich ebenfalls massiv weiter entwickelt, und die neuesten großen Änderungen sind noch gar nicht fertig entwickelt. Für die zahlreichen von mir entwickelten Plugins und die Überarbeitung und Fertigstellung der deutschen Übersetzung hat man mir vor einigen Monaten die Mitgliedschaft im Entscheidungsteam angeboten. Wir arbeiten hart daran, Habari auch für Blogger nutzbar zu machen, die keinerlei Programmierkenntnisse haben - und ich bin zuversichtlich, dass es spätestens nächstes Jahr soweit ist. Möglicherweise wird Habari dann weite Verbreitung finden, denn auch wenn Wordpress ebenfalls viel nachgebessert hat, erweist sich Habari schon jetzt an vielen Stellen als ausgereifter.

Großartige Veränderungen für die Leser wird es hier am Blog allerdings vorerst nicht geben. Das Header-Bild muss unbedingt ausgetauscht werden. Ich bin immer noch nicht dazu gekommen, eine passende Lichtsituation bei einem Konzert aufzunehmen. Die Blöcke im Header sollen in Zukunft zu einem verschmelzen, der verschiedene Artikel aufgrund der bisherigen Kriterien vorschlägt - wurde gerade kommentiert, oft gelesen, ist besonders gut recherchiert oder liegt mir besonders am Herzen - nur eben gemischt und schöner dargestellt. Und auf gelegentliches, nachvollziehbares Feedback hin wird es vielleicht mehr Bilder geben - in der Hinsicht schraube ich schon am Theme, um die Einbindung von Fotos für mich einfacher zu machen.

Mein Blog war nie etwas besonders durchgeplantes, sondern nur aktuellen Ideen ausgesetzt, und nun hat es schon fünf Jahre lang gut funktioniert. Daran wird sich auch nichts ändern. Schön wäre allerdings, wieder mehr in Kontakt mit anderen Bloggern zu kommen - das ist in letzter Zeit etwas eingeschlafen, auch, weil etliche Blogs gestorben sind. Ich bin gespannt, wie sich das in Zukunft entwickelt.



Das erste Mini-Jubiläum

Im klassischen Sinne sind fünf Jahre eher ein Mini-Jubiläum, im digitalen Zeitalter sind fünf Jahre schon eine sehr lange Zeit. Zurzeit spiele ich Tomb Raider II - in der Playstation-Version von 1997. Unfassbar alt für ein Videospiel, und die Grafik ist auch unfassbar... hässlich. Damals verursachte die Brutalität großen Wirbel, verglichen mit heutigen Spielen ist es ein Witz, überhaupt von "Gewaltdarstellung" zu sprechen.

Durch den von der Schnelllebigkeit verursachten Druck erscheinen heute gefühlt weniger gute Spiele als 1997. Aber das Schöne am digitalen Zeitalter ist ja, dass nichts mehr verloren geht. Dank Emulatoren kann ich alte Playstation-Spiele spielen, obwohl ich nichtmal einen Fernseher besitze, und auch DOS-Klassiker laufen auf modernen Betriebssystemen. Die ersten drei Tomb Raider-Teile gibt es übrigens auch bei Good Old Games in einer unter allen aktuellen Betriebssystemen lauffähigen Version - zusammen für $10.

Auch die Beiträge in meinem Blog, der morgen fünf Jahre alt wird, sind alle noch erhalten. Eine der ersten war Dinge, die ich unbedingt mal erledigen muss. Da fehlen inzwischen nur noch die Auslandsreisen, und nach Asien geht es vielleicht nächstes Jahr. Auch aktuell läuft wieder ein Projekt, bei dem ich mir einige Dinge vorgenommen habe. So kann man Fortschritt messen.

Man kann Fortschritt auch an seiner Persönlichkeit messen. Irgendwann während der Schulzeit, ich glaube es war in der 10. Klasse, machten wir eine Reihe Persönlichkeitstests als Hilfe für die Berufswunschfindung mit einem Ratgeber namens "Start frei!". Den meisten dürfte der Aufwand, den wir investiert haben, in Erinnerung geblieben sein. Die Ergebnisse waren teilweise wirklich weit weg von dem, was wir erwartet hatten, und ich kann mich an niemanden erinnern, der heute da steht, wo er laut dem Ratgeber sein könnte.

So ganz abwegig können die verschiedenen Tests aber nicht sein. Zumindest meine offensichtlichsten Charaktereigenschaften beschrieben die Ergebnisse recht gut - ich war eher introvertiert, gehörte eindeutig in die Spezialisten-Schublade und zu den Planern und Denkern. Nach dem Abitur wiederholten ein Freund und ich einige Tests. Das Ergebnis fiel wie erwartet deutlich anders aus, aber erneut recht treffend. Mehr Offenheit anderen Menschen gegenüber, weniger Akribie. (Jeder denke sich seinen Teil, was das in der Oberstufe bedeutete.)

Nun sortiere ich tonnenweise Unterlagen aus, um die Anzahl der benötigten Umzugskartons zu reduzieren, und stolperte wieder über diesen Ratgeber. Einer der Tests war unausgefüllt, weil wir den auf einer Kopie ausgefüllt hatten (um beim Auswerten nicht umblättern zu müssen): 99 Adjektive, in kurzer Zeit sollen alle angekreuzt werden, die man für sich selbst für zutreffend hält. Das Ergebnis ist eine Kurve, anhand deren Form man anschließend einen Typ zugeordnet bekommt.

Persönlichkeitstest-Grafik: Die blaue Linie zeigt ein um 30 Grad nach links gekipptes L, die rote ein Z

Die rote Linie ist die aktuelle, die blaue die von vor zehn Jahren. Die blaue passte damals einigermaßen, aber wie gut der zu der roten Form gehörende Typ mich beschreibt, ist schon fast gruselig. Es beschreibt meine Freude daran, neue Leute kennenzulernen, ein gewisses politisches Bewusstsein und die Tatsache, dass man mir gelegentlich sagen sollte, wenn ich gut gearbeitet habe. Witzigerweise ist die Seite genau neben der mit dem Ergebnis von vor zehn Jahren. Die Beschreibungen sind nicht gegensätzlich, aber schon sehr anders ausgerichtet, in manchen Bereichen gibt es aber Überschneidungen ("macht gerne alles so, wie es immer gemacht wurde").

Gut so. In der Psychologie wird eine Persönlichkeitsumkehrung auch als Persönlichkeitsvertuschung angesehen, beispielsweise weil sie nicht gesellschaftskompatibel ist. Das kann vorteilhaft sein, aber auch Störungen und Probleme mit sich bringen. Eine Veränderung und Ergänzung der eigenen Persönlichkeit hingegen wird als ganz normal angesehen. Zeiten ändern sich. Menschen auch.