The Hundred In The Hands / Köln, Gebäude 9

The Hundred In The Hands im Gebäude 9 (Köln-Deutz). Ein ranziger Club, hinten auf einem alten Industriegelände, das zum "Kunstwerk" umfunktioniert wurde. Graffitis an allen Hauswänden, innen sind die Wände so voller Sticker und Tourplakate, dass man die Klotür nicht von der Wand unterscheiden kann. Als Indie-Band scheint man an diesem Schuppen nicht vorbei zu kommen. Die Bar ist geöffnet, ein DJ-Duo legt etwas alternative Musik auf, ein paar Leute sind da. Irgendwann macht jemand die Tür zum Konzertraum auf, aber niemand geht rein, passiert ja auch noch nichts. Der Sänger der Vorband wuselt mit einem Bier durch die Gegend, aber keiner erkennt ihn. Die DJs sind cool, sie machen normalerweise die GetAddicted-Party. Einer von ihnen kommt aus Dortmund, auch im Bochumer Bermuda3Eck haben sie schonmal aufgelegt. Gutes Zeug ist das, was sie da auflegen, es passt zu The Hundred In The Hands, die zwar einen recht eigenen Stil haben, dabei aber verschiedene Elemente mischen, so dass sie kompatibel sowohl zur Indie- als auch zur gemäßigten Elektronik-Szene sind.

Die Vorband Swearing At Motorists hingegen gehört eindeutig zu den Rockern dieses Landes. Obwohl aus St. Pauli in Hamburg, sprechen sie größtenteils Englisch und auch alle ihre Songs sind in englischer Sprache geschrieben. Ein bisschen seltsam, aber wie der Typ mit der Gitarre abgeht, lässt darüber hinweg sehen. Ein bisschen Livesampling und Loops, kombiniert mit langen, ruhigen Intros, die dann schlagartig explodieren und die beiden Hamburger ausrasten lassen, das bekommen wir knapp eine Stunde geboten. Gute Riffs und mitreißende Rhythmen, gepaart mit witzigen Moderationen eines Sängers, der sich offensichtlich selbst nicht allzu ernst nimmt. Ernstzunehmender Rock von einer alles andere als auf Perfektion getrimmten Band. Dazu schummrige Beleuchtung ohne jegliche Effekte (bis auf die flackernden blauen Scheinwerfer, die möglicherweise einfach defekt sind), perfekt passend zum hier vorherrschenden Underground-Clubfeeling.

Nachdem die beiden Bands gemeinsam mit ein paar Technikern umgebaut haben, geht's auch zügig weiter. Wir bekommen "Dressed In Dresden" als ersten Song, direkt gefolgt von "Empty Stations", das ich wegen seiner atemberaubenden Spannungskurve eigentlich als Intro erwartet hätte. Beide Songs klingen live noch viel eindringlicher als schon auf den Alben. Überhaupt kommt der gegensätzliche Sound live unheimlich gut rüber - rockige Gitarrensounds und harte Drumbeats kombiniert mit einem sanften Synthesizer und Eleanores sphärischer Stimme. Viel Moderation oder Publikumsinteraktion wie bei der Vorband gibt es nicht - einfach nur pure Musik. Es ist eines dieser seltenen Konzerte, wo sich Zuschauer und Band einfach in die Musik fallen lassen und eine Stunde einfach treiben, tanzen, getrieben von den teils mitreißenden, teils einnehmenden und umhüllenden Klängen.

Auch eine Bühnenshow fehlt völlig - glasklarer, wuchtiger Sound, minimales Licht, nichts als die drei Musiker auf der Bühne, die mich jedes Mal, wenn ich hinschaue, aufs Neue faszinieren, wie sie so völlig in der Musik aufgehen. Die Sängerin hat quasi immer die Augen geschlossen, nur ganz selten kommt sie hinter ihrem Synthesizer hervor, noch seltener ein Blick ins Publikum, gelegentlich wie unbewusst sanft tanzend. Der Gitarrist wechselt immer wieder abrupt zwischen hochkonzentriert auf die Effektgeräte und vollkommen mitgerissen von den Riffs; teilweise scheint es, als würde er jeden Moment in einer ekstatischen Bewegung versehentlich einen Verstärker umwerfen. Und der Schlagzeuger schließlich spielt völlig mühelos komplexe Rhythmen und schnelle Fills, vollkommen im Einklang mit den anderen beiden Bandmitgliedern, als wäre er genau dafür geschaffen worden.

Wer sich in dieser Musik fallen lässt, bekommt die Chance, seinen Alltag vollständig auszublenden und einfach nur noch zu genießen. In diesem Zustand ist man der Band dann ganz nahe - nicht nur, weil die Location so klein und die Bühne direkt am Publikum ist, sondern noch viel mehr, weil man dann vorübergehend in der selben Welt lebt, jeder für sich, und alle gemeinsam. Wilde Feierorgien wie bei Rockkonzerten mit Moshpits und viel Chaos wären hier völlig fehl am Platze. Dass ich zwischendurch Nasenbluten bekomme - scheißegal, nur das Tanzen, das Fühlen der Musik zählt.

Und was wir da fühlen! Glück und Zerrissenheit, puren Genuss und Verlorensein. Wilde Leidenschaft, als die Band das alte "Tom Tom" auskramt, und sanfte Leidenschaft, als "Red Night" das Konzert als Zugabe beendet. Und vor allem Freude über die großartige Musik, die diese Band geschaffen hat. Freude, die weit länger anhält als eine gute Stunde.



Wenn man Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten

Spiegelreflexkameras sind zu billig und zu populär geworden. Das ist eine mögliche Begründung dafür, warum alle sozialen Netzwerke von Fotos überschwemmt werden, die von den meisten nicht für gut gehalten werden.

Den meisten? Die Blitzlichtfotos meiner Freunde von der letzten Party erhalten auf Facebook eine Menge positives Feedback. Und auch die arrogante erwachsene Fotografin, die letztens bei einem Konzert mit externem Blitz und Vollautomatikmodus rumrannte und mich nicht nur einmal blendete, hat sicherlich Lob erhalten für ihre Publikumsaufnahmen mit weißen Gesichtern vor im Schwarzen abgesoffenem Hintergrund.

"Die meisten" sind wohl eher diejenigen, die nicht nur für sich selbst fotografieren. Die mehr können als den Automatikmodus, wissen, was der Unterschied zwischen Tiefenschärfe und Schärfentiefe ist und was man mit Blende und Belichtungszeit anstellen kann. Die, die sich darüber aufregen, dass jeder zum Saturn rennen und sich irgendein Spiegelreflexkit kaufen kann. Auch ich gehöre dazu. Ich hasse Blitzlichtfotos.

Aber warum regen wir uns eigentlich auf? Die Berufsfotografen sagen, die Amateure nehmen ihnen die Aufträge weg und sorgen für Dumpingpreise. Ich wage zu behaupten, dass das nur die Berufsfotografen trifft, die sowieso nicht so richtig von ihrem Beruf leben können. Die kleine Konzerte oder private Veranstaltungen fotografieren, wo es dem Auftraggeber nicht so wichtig ist, dass die Fotos sowohl knackscharf als auch farblich originalgetreu und obendrein druckbar sind. Denn die eingangs erwähnten Greenhorns nimmt eh niemand ernst, der für Fotos Geld bezahlt (und alles andere ist egal, denn einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul). Und wer für eine relevante Summe Geld einen Auftragsfotografen bucht, wird erwarten, dass dieser Fotograf auf jeden Fall zum vereinbarten Termin vereinbartes Material liefert. Deshalb würde auch ich solche Aufträge nicht bekommen, obwohl ich - soviel Selbstbewusstsein muss sein - durchaus anständige Fotos mache, weil ich gar keine Lust habe, unter Druck zu fotografieren.

Aber auch die ernsthaften Hobbyfotografen jammern rum. Die Masse an Fotos zerstöre den Wert des einzelnen. Außerdem sei irgendwann alles fotografiert worden. Ganz ehrlich? Räumt halt mal eure Streams auf. Wenn ihr die amateurhaften Fotos nicht sehen wollt, filtert sie aus. Gebt euch halt nicht mit denen ab. Blockiert Leute auf Facebook, folgt weniger Leuten in Fotocommunitys.

Oder respektiert, dass eine Menge Leute gar nicht fotografieren, um Fotos zu produzieren, die druckbar und Geld wert sind. Man kann nämlich auch fotografieren einfach nur um etwas für sich persönlich und vielleicht noch ein paar Freunde festzuhalten. Deshalb darf man sich auch auf Facebook feiern lassen, wenn man ein Foto mit dem Lieblingskünstler ergattert hat, auch wenn es fehlfokussiert ist oder aufgrund des Blitzes die Farben nicht schön sind - denn es hilft, sich an einen schönen Abend zu erinnern.

Und die meisten dieser Leute behaupten auch gar nicht von sich, gute Fotografen zu sein. Viele bezeichnen sich gar nicht erst als solche. Unter Druck gesetzt werden sie erst, wenn die, die sich für gute Fotografen halten, anfangen, rumzumotzen. Dabei macht sich dann aber nur eine Seite lächerlich - und die fotografiert nicht mit Blitz.



Dortmunder Gewinner & Verlierer (kein Fußball)

Wobei es heute erstaunlich ruhig war und ist überall on- und offline. War das Spiel so belanglos?

Egal. Mich verärgert jedenfalls gerade, dass die Westfalenhallen so schlecht an das U-Bahn-Netz angebunden sind. Also, schlecht ist relativ, zwei Linien halten dort relativ oft - bis ab Mitternacht nichts mehr fährt. Und in den Nächten auf Sonntag dauert es bis halb 8, bis die Hallen wieder angefahren werden. Nachtbusse fahren dort auch nicht vorbei. Ganz schön bitter für so eine Metropole wie Dortmund.

Noch bitterer ist, was auf meiner früher bevorzugten, nun fast-monopolistischen1 Online-Fahrplanauskunft vrr.de passiert, wenn man sich in Dortmund bewegen will. Seit dort auf ein neues System umgestellt wurde, bekommt man ja generell sehr schlechte Ergebnisse, auch, weil nun noch seltener kurze Strecken zu Fuß eingeplant werden und man stattdessen wilde Fahrten mit Bussen machen soll. Die aktuelle Krönung ist, dass für die Westfalenhallen nicht die Haltestelle Westfalenhallen, sondern die Haltestelle Stadion verwendet wird. Dabei ist die viel weiter weg!

Vielleicht wurde dabei an die Techniker gedacht. Wenn man nämlich hinten am Liefereingang rausgeht, ist es unter Umständen tatsächlich kürzer, zum Stadion zu laufen. Trotzdem bewegt man sich damit in die falsche Richtung, denn wenn man dann in die U-Bahn einsteigt, ist der nächste Halt auf jeden Fall "Westfalenhallen".

Besser funktioniert da das Fahrradleihsystem von Nextbike, das auch sämtliche Metropolrad Ruhr-Stationen einschließt. Einfach Karte dranhalten, PIN und Radnummer eingeben und losfahren - das ist nicht nur die Werbung, sondern die Realität. So bin ich dann Freitag Nacht mit dem Rad nach Hause gefahren - denn dankenswerterweise sind sowohl die B1 als auch die B54 mit brauchbaren Radwegen ausgestattet. Und so werde ich dann wohl zum Abbau morgen früh um sieben auch wieder hin fahren...

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Frage: Woran erkenne ich, dass auch die Auskunft auf dvg-duisburg.de von vrr.de stammt?
Antwort: Sie erkennt "dortmund hbf" als "Dortmund / metropolradruhr Station Hbf gegenüber Hauptausgang".

  1. Alle Fahrplanauskünfte der lokalen Verkehrsbetreiber wurden mit vrr.de zusammengelegt, so dass es für das Ruhrgebiet nur noch vrr.de und bahn.de gibt.


Ruhr.2010 - Was war das nochmal?

Haha, es ist 2012 und ich blicke schamlos zwei Jahre zurück. Da war ja Essen stellvertretend für das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt und es gab zahlreiche Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktionen im ganzen Ruhrgebiet. Das ganze Projekt schien sehr auf Touristen ausgerichtet zu sein, aber eigentlich habe ich auch einiges davon mitbekommen.

Da war als erstes die alternative Eröffnungsveranstaltung Anstoß in Gelsenkirchen. Dort sollte die offizielle Eröffnungsveranstaltung nämlich eigentlich stattfinden, aber dann kam ein armer Irrer genialer Mensch auf die Idee, die Veranstaltung zur Zeche Zollverein zu verlegen - Open Air also. (Im Januar!!) Naja, Gelsenkirchen hat dann selbst was auf die Beine gestellt, was sich sehen lassen konnte: Hagen Rether war da und Herbert Knebel, das Musiktheater-Ensemble und das Rockorchester Ruhrgebeat. Und ha - wir waren im Warmem drinnen. *g*

Eine der größten offiziellen Veranstaltungen fand dann allerdings auch in Gelsenkirchen statt, in der wesentlich größeren Veltins-Arena (noch bevor das Dach etwas später beschädigt wurde): Der Day of Song. Zehntausende Menschen füllten die Arena und neben Live-Auftritten u.a. vom belgischen Mädchenchor Scala und dem genialen Bobby McFerrin gab es auch mehrere Gelegenheiten für das gesamte Publikum als Chor zu singen. Ein grandioses Erlebnis.

Bleiben wir in Gelsenkirchen, denn über das Jahr verteilt wurde allen teilnehmenden Städten für je eine Woche das Programm Local Heroes zugesprochen, Gelegenheit, lokale Aktionen und Künstler bekannt zu machen. Viel mitbekommen habe ich davon zugegebenermaßen nicht, aber ein Highlight war definitiv der Auftritt von Manfred Mann mit der Earth Band in Gelsenkirchen-Buer am Busbahnhof (ok, das war nach den Local Heroes). Lustig, mal die Rockhelden seiner Elterngeneration live zu sehen. War gar nicht schlecht. hahahah

Ruhrgebiet bedeutet immer auch Kohle und Zechen (oder heute "Bergwerke"). Die meisten davon stehen nicht mehr, dennoch hat der Kohleabbau eine enorm wichtige Rolle in der Geschichte des Ruhrgebiets gespielt. Noch heute merkt man einiges davon, wenn man z.B. in einer Doppelhaushälfte wohnt, war das vielleicht früher mal ein Zechenhaus, sprich eine für Bergarbeiter gedachte Unterkunft. Außerdem gibt es an vielen Stellen Straßenschäden durch ehemaligen Bergbau. Manche Zechen sind heute als Kulturstätte erhalten, z.B. Consol in Gelsenkirchen-Bismarck, andere sind aber nicht mehr zu sehen. Die Schachtzeichen, riesige leuchtende gelbe Gasballons, haben an einigen Tagen markiert, wo früher Zechen standen.

Ich mag das Ruhrgebiet sehr und da ich inzwischen in der dritten Stadt wohne und auch in Bochum, wo ich noch nie gewohnt habe, viel Zeit verbringe, sage ich oft, dass ich aus dem Ruhrgebiet komme und nicht aus Dortmund, Herne oder Gelsenkirchen. Und wenn man mal darauf achtet, kann man hier eine Menge erleben, sogar kostenlos. Dafür muss es gar nicht Kulturhauptstadtjahr sein, aber wenn Ruhr.2010 den Ruf des Ruhrgebiets ein bisschen verbessert hat, dann völlig zu Recht.



30 Day Challenge für Fotos

Vor einiger Zeit habe ich mal an einer (übrigens immer noch kursierenden) Challenge teilgenommen, bei der zu 30 paarweise auftretenden sehr verschiedenen Themen Songs vorgestellt werden sollten. Das hat viel Spaß gemacht und mich motiviert, ein bisschen in meiner Sammlung zu wühlen und über themenbezogene Musik nachzudenken.

Bei Jakub, den ich beim Bloggertreffen ansprach, weil er mit einer Holga1 herumlief, entdeckte ich nun etwas ähnliches für Fotos. Es geht wieder darum, 30 Tage lang etwas vorzustellen - diesmal eben Fotos. Paarweise sind die Themen nicht, dafür beginnt und endet die Reihe mit einem Selbstportrait. Ich werde mich dafür nachher nach dem Frühstück mal kreativ betätigen.

Die Themen sind nicht ganz so kreativ wie bei den 30 Songs, aber ich denke, Spaß machen wird es trotzdem und so kommen wenigstens mal wieder ein paar Fotos zustande, die nicht auf einem Konzert entstanden.

Alle Beiträge wird es fortlaufend unter dem Tag 30photos geben.

  1. Unglaublich billige, unzuverlässige Kamera mit Objektiv aus Plastik


Musik-Neuentdeckungen 9/2012

  • Ramona Falls - Sqworm (freeQnet)
    Der Name kam mir schon mehrfach unter, über Beety habe ich mich dann auch dazu verleiten lassen, mal reinzuhören. "Sqworm" würde ich nicht unbedingt als repräsentativ für die Band bezeichnen, wohl aber als äußerst hörenswert.
  • Little Boots - Headphones
    Little Boots arbeitet seit geraumer Zeit immer mal wieder ein bisschen an ihrem zweiten Album und ich bin sehr gespannt, denn die beiden bisher bekannten Tracks hören sich schon wieder echt gut an. Ich mag sie ja schon alleine deshalb, weil sie immer noch bei sich zuhause im Schlafzimmer Videos von sich aufnimmt wie sie eigene oder fremde Stücke singt, nur am Keyboard begleitet. Die Musik kann sich aber auch hören lassen!
  • DC Talk - What If I Stumble
    Auf einer CD in einem der DJ-Pulte bei mir in der Firma fand ich eine Rockversion von "What If I Stumble", einem ziemlich verbreiteten christlichen Lied, das im Original von DC Talk stammt. Leider habe ich die Rockversion bisher nirgendwo finden können, aber die wesentlich ruhigere Originalversion ist auch sehr schön.
  • Swedish House Mafia - Save The World (TEN SING)
    Noch gar nicht erwähnt - im Original nicht halb so grandios wie die Gänsehaut-Chorversion vom Dassel-Seminar, aber dennoch ein genialer Song. Ein Prachtexemplar aus Wechseln zwischen ruhigen Strophen und feiernden Refrains und wie geschaffen für TEN SING.
  • The Rolling Stones - You Can't Always Get What You Want (Soulwax Remix)
    Den Soundtrack zum Film "21" habe ich schon länger in meiner Sammlung - wird Zeit, mal darauf hinzuweisen, wie großartig der ist. Es ist kein extra für den Film produzierter Soundtrack, sondern eine Sammlung von verschiedenen mehr oder weniger bekannten Songs und Remixes, und gleich der erste Titel, ein Remix eines The Rolling Stones-Klassikers, ist einer meiner Favoriten. Auch "Big Ideas" von LCD Soundsystem und einige der unbekannten Titel sind sehr hörenswert, außerdem finden sich "Young Folks" und Rihannas "Shut Up And Drive" darauf.


Wie ich zwei Kasinos besuchte

Manchmal könnten die Dinge so einfach sein. Heute in Aachen zum Beispiel, als ich S. traf, der mir über das DSLR-Forum seine EOS 60D verkauft hatte. Für 750€ - ein Schnäppchen, aber doch 250€ mehr, als so ein Geldautomat ausspuckt. Daran habe ich als normalerweise bargeldlos lebender Mensch natürlich nicht gedacht, aber irgendwie würden wir das schon hinkriegen.

Also auf nach Aachen und erstmal alle dortigen Geldautomaten ausprobiert - blöderweise arbeiten die Banken inzwischen besser zusammen als früher und so konnte ich nirgendwo den fehlenden Betrag abheben. Also sponnen wir, während wir so durch die Innenstadt liefen bzw. humpelten - ich hatte mir am Vortag den Fuß verstaucht - die verrücktesten Ideen, wie ich an das Geld kommen könnte. Paypal-Auszahlung auf S.s Konto ging nicht, Paypal zahlt nur Geld auf Konten aus, wenn man Guthaben hat, ganz zu schweigen davon, dass S.s Konto natürlich nicht mit meinem Paypal-Account verbunden war.

Aber man kann ja in Supermärkten Geld abheben. Also auf zu Rewe. Die konnten mir aber nicht so richtig weiterhelfen - zwar wäre der Betrag kein Problem gewesen, das System funktioniert aber nur mit EC-Karten mit PIN, da es im Prinzip die Kasse zum Geldautomaten macht. Eine größere Anschaffung, die ich für S. hätte bezahlen können, stand auch nicht an, eine Teilzahlung in Naturalien war also auch keine Option und auch der Kauf einer Waschmaschine für 250€ mit sofortiger Rückgabe gegen Barzahlung war nicht möglich.

Und wie wir da so vor dem Rewe standen und überlegten, ob ich C., der in der Nähe wohnt, bitten könnte, für mich Geld abzuholen, fiel S. das Kasino ins Auge. Jetons kann man mit Kreditkarte bezahlen und gegen Bargeld tauschen. Das Automatenkasino bei Rewe arbeitet aber nur mit Bargeld, die Hauptfiliale mit Jetons. Da fuhren wir dann auch noch hin - aber Kreditkarten werden nur mit PIN akzeptiert, nicht mit Unterschrift. Und die PIN liegt, da sie zunächst zur falschen Filiale geschickt wurde, seit Wochen in meiner Sparkasse, die nie auf hat, wenn ich nicht arbeiten muss...

Nachdem wir also schon für diverse verwirrte Gesichter gesorgt hatten, ging es dann auf zu Real - denn die naheliegende Idee eines Geschenkgutscheins kam uns natürlich erst zum Schluss. Also Gutschein geschnappt, 250€ angefordert und bezahlt, das Terminal sagte "Zahlung erfolgt" - und dann stürzte die Kasse ab, denn Geschenkgutscheine kann man nur bis 150€ aufladen. Die offensichtlich ungeübte Kassierin total aufgelöst, die Kollegin rief erstmal den Chef an, der hat dann bei EasyCash ("äsäcäsch") angerufen, die bestätigten: Das Geld ist von der Kreditkarte schon weg!

So standen wir dann über zwanzig Minuten an der Kasse und überlegten (drei Mitarbeiter inzwischen, später noch der Filialleiter dazu), was denn zu tun sei. Mein Geld war weg, klar, ich musste also eine Leistung dafür bekommen - aber da Real das Geld nicht erhalten hat, konnten die mir den Betrag auch nicht einfach auszahlen, trotz irgendwie erfolgtem Storno (keine Ahnung was die unter Storno verstehen). Dabei war immer wieder die Rede vom "Mindestbetrag" (hier zu verwenden im Sinne von: Betrag, der höchstens aufgeladen werden darf) und so langsam verloren wir alle die Nerven. Der Filialleiter entschied dann am Ende das Offensichtliche: Ich bekam zwei Geschenkgutscheine - zu 150 und 100 Euro - und man würde sich dann etwas überlegen, wie Real an das Geld kommt.

Mit dieser Aktion und der ganzen Sucherei, Telefoniererei und Fahrerei verbrachte ich so statt zehn Minuten am Bahnhof geschlagene drei Stunden mitten in Aachen - und habe nun sowohl eine neue Kamera als auch zwei Kasinos von innen gesehen und das Wissen, dass es hierzulande wirklich schwierig ist, ohne PIN an Bargeld zu kommen... und wenn ich das nächste Mal in Aachen bin, kriegt S. erstmal ein Bier ausgegeben.



Zweijahresplan, Update 6

Anfang letzten Jahres erstellte ich eine Liste mit Dingen, die ich in einigermaßen naher Zukunft erledigen wollte. Die Liste hat sich im Laufe der bald vergangenen zwei Jahre drastisch verändert und durch die Ausbildung ist auch einiges leider nicht mehr so einfach. So sieht es zur Zeit aus:

  • Zum Hurricane fahren!
    Jawoll! Ich war da und es war gut!
  • Zu Rock am Ring fahren!
    Auch Rock am Ring habe ich nun mal erlebt - reicht dann aber auch. Und auch das Deichbrand gab's noch dazu, darüber reden wir aber lieber nicht weiter...
  • Zum Rothaarigentag fahren!
    Im Festivalrausch habe ich mich dann derart übernommen, dass ich so spät nachts nach Hause kam, dass ich dann doch wieder nicht beim Rothaarigentag war. Was mich im Nachhinein sehr ärgert! War aber auch schlecht geplant im Vorfeld. Nächstes Jahr dann aber!
  • Nochmal nach Amsterdam fahren
    So viele Reiseziele! Aber Amsterdam ist nicht weit, das könnte noch klappen.
  • Nach Brighton fliegen
    Erledigt! Es war wundervoll. Und es gibt zahlreiche Berichte. hahahah
  • In die Schweiz fahren/fliegen, Zürich angucken und TEN SING Uster besuchen
    Keine Ahnung ob dafür noch Geld bleibt.
  • Blind Booking / Nach Schweden fliegen
    Blind Booking ist inzwischen gar nicht mehr so attraktiv, dafür nimmt mein Interrail-Plan immer konkretere Formen an.
  • Fototour durch das Ruhrgebiet bzw. Gelsenkirchen und Herne
    Kamera kaputt, keine Fotos.
  • Mit TEN SING auftreten - diesmal in Bochum!
    Jo! Großartig war's!

Das Jahr ist bald schon wieder rum, nur noch ein Drittel verbleibt und ich nehme keine neuen Punkte mehr auf - aber zum Jahreswechsel wird es neue Pläne geben. 2014 werde ich schließlich meine Ausbildung vielleicht schon abschließen - bis dahin kann sich viel tun und danach erst Recht. hahahah