Rückblick auf Rock am Ring - 2. Teil

Zwischen Reporter-Aufträgen, bezahlter Arbeit und Freizeitaktivitäten sind die Berichte von Rock am Ring ziemlich untergegangen. Nach zwei Monaten verblasst die Erinnerung auch langsam hinter den eindrucksvolleren anderen Festivals. Trotzdem möchte ich euch meine weiteren Berichte zu Deutschlands überbewertetstem Festival nicht vorenthalten.

Auch am Samstag geht es wieder ganz entspannt los. Zumindest nachdem ich das Festivalgelände erstmal erreicht habe - dazwischen steht nämlich jedes Mal ein langer Fußmarsch an, der nicht nur über Asphalt, sondern auch über Schotter und harte lose Steine führte. Ohne dicke Schuhsohle sind kaputte Füße vorprogrammiert. Und wir haben noch bei weitem nicht den schlechtesten Campingplatz - die hintersten sind so weit entfernt, dass man einen Shuttlebus nehmen oder über eine Stunde laufen muss. Im Vergleich z.B. zum (besuchermäßig) nur wenig kleineren Hurricane ist der Campingplatz hier unglaublich weitläufig und sowohl von manchen Parkplätzen als auch vom Festivalgelände weit entfernt.

Wenn man also einmal auf dem Konzertgelände ist, bleibt man dort auch bis abends. Da aber ohnehin viele den ganzen Tag vor der Center Stage verbringen, sind zumindest die Headliner-Fans davon nicht beeindruckt. Immerhin gibt es Dixis in den vorderen Bereichen, so dass man seinen Platz nicht den natürlichen Bedürfnissen des Menschen opfern muss...

Naja, mein Tag beginnt jedenfalls mit Boyce Avenue vor der Alterna Stage, eher aus Neugier als aus Interesse und wie erwartet präsentiert sich die Band sympathisch mit anständiger, unspektakulärer Popmusik. Kreischende Mädels gibt's auch reichlich und so lege ich mich lieber weiter hinten ins Gras und bedauere nicht, dass es keine Zugaben gibt.

The Stranglers, die als nächstes spielen, bieten einen angenehmen Kontrast dazu: Die Band fällt locker in die Kategorie "Altrocker" und fällt zunächst mal dadurch auf, dass sie unheimlich elegant gekleidet sind. Es gibt anständigen Rock mit coolen Bassriffs, aber obwohl die Band schon vierzig Jahre im Geschäft ist, ignoriert sie die Tatsache, dass auf Festivals nicht nur Fans da sind. Dafür amüsiere ich mich bestens über wild springende Menschen, die meine Eltern sein könnten.

Nach den Maccabees, die irgendwie ständig Stilbrüche in ihre Songs gebaut haben und damit auch die Stimmung brechen, sind dann endlich The Ting Tings dran, eins meiner persönlichen Highlights. Schon bei einem Clubkonzert in Hamburg hatten sie ja bewiesen, dass sie noch genauso genial sind wie vor drei Jahren, und beim Ring bekommen sie nun auch ein angemessenes Publikum. Es wird massig getanzt und sanft gepogt und bei der achtminütigen Version von Hands, die sich immer wieder neu aufbaut, gibt's nen Circle Pit. Nur der Sound ist mal wieder nicht gut.

Danach reicht's mir erstmal, Tenacious D werden zwar heiß umjubelt, meinen Geschmack treffen sie aber nicht. Dafür ärgere ich mich mal wieder über ausfallende Leinwände und über das überteuerte und obendrein schlechte Essen. Nichtmal vegetarische Döner, ja nichtmal Fritten bekommt man hier vernünftig hin. Da sind die selbst für Festivals überdurchschnittlich hohen Preise wirklich nicht gerechtfertigt.

Der Abend wird dann für mich der beste. Billy Talent wirken sehr authentisch und der Sänger hat sichtlich Spaß. Diamond on a Landmine, Devil on my Shoulder, Fallen Leaves, Red Flag, Rusted From The Rain, ich wusste gar nicht, dass ich so viele Songs von denen kenne. Praktischerweise ist die Stimmung auch hinten gut. Überhaupt vertrete ich die Theorie, dass an der großen Bühne hinten mehr Fans sind, weil vorne auf die Headliner gewartet wird. Das ist zwar bei jedem Festival ein bisschen so, aber hier ist es aufgrund der irrsinnig berühmten Headliner noch krasser.

Da Metallica mich so überhaupt nicht interessieren (wofür ich sogar am Vormittag auf dem Campingplatz kurz interviewt wurde), geht's nach Billy Talent auch direkt wieder zurück zur Alterna Stage, wo Keane gerade boygroupmäßig umjubelt werden. Egal, denn anschließend blasen uns The Hives weg, die alleine schon durch das pompöse Bühnenbild beeindrucken. Mit großem Stimmumfang und viel Motivation kriegen wir alte und neue Songs um die Ohren gehauen und um Mitternacht ("werewolf hour!") wird uns gedroht, wenn wir nicht brav mitfeiern, trinkt der Sänger unser Blut zum Frühstück. Zulässige Antworten auf alles sind "Yeah!" und "The Hives!". Irgendwann erzählt der Sänger von einem "law", dass es verbietet, weiter zu spielen, aber mit Begeisterung brechen wir es und zerreißen es in tausend Stücke.

Das heutige Late-Night-Special Skrillex startet später mit Massen an Nebel und einen 5-Minuten-Countdown auf der Leinwand mit sich steigernder Musik. In einer Lichtexplosion am Höhepunkt des Sounds tritt dann Skrillex auf die Bühne - das bedeutet bei ihm, sein Kopf erscheint im Cockpit des gigantischen Raumschiffs, das auf der Bühne aufgebaut wurde. Für Dubstep eine grandiose Kulisse und was dann folgt, ist das abgefahrenste, was ich je gesehen habe. Das ganze Set lang wird literweise Nebel verballert, explodiert die Bühne in Farben und Stroboskopen, werden Laser und alles was sonst noch da ist eingesetzt. Dazu noch die Show auf der Videoleinwand - das der kleine Skrillex mit der Nerdbrille dabei in seinem Cockpit eine Party feiert und wild an Hebeln zieht und Knöpfen dreht, erscheint in dem ganzen Feuerwerk mehr als surreal. Unnötig zu erwähnen, dass wir zu Musik und Show feiern bis zum Ende.



Bloggertreffen und Picture my Day am Rhein

Treffen mit Leuten, die ich bisher nur über das Internet kannte, fand ich immer schon super und so war ich sofort begeistert, als ich vom Kölner Bloggertreffen 2012 (#btk12) hörte. Frei hatte ich auch und so ging es auf ins Rheinland. Der elfte Picture My Day-Day fiel auch noch auf das gleiche Datum. Kurz zur Erklärung: Beim Picture My Day-Day geht es darum, einen Tag in Bildern festzuhalten und diese hinterher irgendwie zu posten.

Ganz simpel und unter Bloggern, Twitterern etc. ziemlich beliebt. Ich hab's bisher nur nie geschafft, weil ich im Laufe des Tages immer aufgehört habe zu fotografieren. Diesmal sollte es anders werden und um gleich alles auf den Kopf zu stellen, nahm ich mein Smartphone (ja, ich alter Smartphone-brauche-ich-nicht habe nun auch eins, mehr dazu später) mit und beschloss alle PMDD-Fotos damit zu machen. Das scheiterte dann zwar daran, dass ich vergessen hatte, eine SD-Karte zu verwenden und der interne Speicher ziemlich bald voll war, aber die ersten acht sind dennoch vom Smartphone.

Wo ich eh schonmal auf dem Weg nach Süden war, nutzte ich die Gelegenheit für einen Abstecher nach Düsseldorf-Flingern, um dort meine Bestellung bei Creativdiscount abzuholen. Auch dazu später mehr.

Das Treffen am Deutzer Bahnhof für die, die zu Fuß zum Park laufen wollten, scheiterte kläglich. Irgendwann traf ich aber Gerrit, der auch den Weg kannte, so dass wir dann immerhin zu zweit zum Treffen liefen.

Das Bloggertreffen selbst war dann eine sehr schöne Sache. Ich wusste vorher nur von Sumi, dass sie da sein würde, und laut Facebook auch Carsten von venue.de, der war dann aber leider krank. Dafür traf ich TheStiller und Lordy und eine Menge andere sympathische Blogger, darunter Stefan, der seinen Blog unbeabsichtigt wie ein Verschlüsselungsverfahren genannt hat, und Caro von Hasencore.

Außer vielen Gesprächen, in denen es bei mir tatsächlich vor allem ums Bloggen ging (was insgesamt meine Blog-Motivation gesteigert hat), wurde dann noch nett gegrillt. Als es dann irgendwann richtig anfing zu regnen, war das Grillen nicht mehr so nett (danke an den Grillmeister, der noch tapfer alles durchgegrillt hat was gerade da war). Dafür habe ich dann später vermutlich zum ersten Mal in meinem Leben ein Kickerduell gewonnen (und leider vergessen, mit wem zusammen).

Das Gelände war übrigens wunderbar geeignet sowohl für die sonnigen als auch für regnerischen Phasen. Ich war schon begeistert, als wir eine Viertelstunde den Rhein entlang liefen vom Deutzer Bahnhof aus. So viel Grün mitten in Köln! Und mitten in ebendem Park, durch den wir da liefen, war dann auch das Treffen, neben ein paar Gebäuden, unter deren Vordach man auch sitzen konnte, wenn es gerade mal regnete. Hat eigentlich jemand rausgefunden, wer da etwas weiter hinten gezeltet hat?

Auf dem vorletzten Bild sieht man Mate, mein bevorzugtes neuentdecktes Getränk dort, von dem es dank des Sponsors Top Mate reichlich gab. Und außerdem den Schirm, den ich bei der Verlosung der Merchandise-Artikel Goodies von Buy-Unlike1 gewann. An dieser Stelle auch noch ein DANKE! an alle Sponsoren, die das Bloggertreffen mit Grillgut, Getränken und Geld unterstützt haben! Finanzielle und materielle Unterstützung ist eben auch sehr wichtig, denn damit zusammen lohnt sich auch das Engagement des Orga-Teams. Auch den fünfen DANKE für euren Einsatz! hahahah

Bleibt abschließend zu sagen, dass ich nächstes Jahr sicher wieder hinfahren werde. Es ist immer schön, auch ein bisschen was über die Personen zu wissen, deren Texte man liest. Außerdem habe ich etliche neue Blogs kennen gelernt und überhaupt war es einfach ein schönes Beisammensein mit netten Menschen!

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  1. Jetzt muss ich doch erstmal heraus finden, was die überhaupt genau tun...


Musik-Neuentdeckungen 7/2012

Ahem, es ist ja schon August. Meine Geplant-veröffentlichen-Funktion funktioniert wieder, aber diesmal habe ich schlicht vergessen den Artikel zu timen. Nunja. So wenig Songs im Juli? Dabei war der musikalisch durchaus vorzeigbar. Aber irgendwie nicht viel neues dabei. Dafür ist die Liste der Bands, die ich live gesehen habe, deutlich gewachsen (logisch in der Festivalsaison).

  • Linkin Park - Burn It Down (tape.tv)
    Immer wieder gehört, aber nicht erkannt, dabei hatte ich Linkin Park und auch diesen Song sogar live gesehen. Doch, das neue Album wird wieder besser.
  • Mirrors - Look At Me (tape.tv)
    Eigentlich hatte ich Sizarr hören wollen in Vorbereitung auf das Interview mit denen, aber da die Band noch nicht so viele Songs veröffentlicht hat, spielte tape.tv schnell andere Musik. Gut so!
  • The Invisible - London Girl (freeQnet)
    Beety tut sich schwer bei der Kategorisierung dieser Band - da ich letztens The Hundred In The Hands kennen gelernt habe, habe ich einen Namen für das, was auch The Invisible machen: Indietronica, eine Mischung aus Indierock und Electronic.


Machen wir nicht mehr.

Zumindest gefühlt war das Ruhrgebiet noch nie so voll mit Baustellen. Vier wichtige Verbindungen alleine in der Gegend, in der ich wohne, sind massiv gestört - die beiden Hauptstraßenbahnen in Gelsenkirchen und Bochum sowie die S2 Dortmund - Duisburg und der RE3 Hamm - Düsseldorf. Und während der Schienenersatzbusverkehr in Gelsenkirchen noch gut funktioniert, weil dort nur die Schienen, nicht aber die Straße gesperrt sind, führt der in Bochum schon zu Verwirrungen - und von der Deutschen Bahn... naja. Da sollte man besser gar nicht drüber reden.

In Castrop-Rauxel sind Bauarbeiten, deshalb kann da momentan kein Zug langfahren. Also fährt der RE3 ohne Halt von Dortmund nach Wanne-Eickel (lässt dabei also auch den unschuldigen Herner Bahnhof aus) und die S2 fährt bis Castrop und dann erst ab Herne wieder, dazwischen fährt ein Bus. Mit dem bekommt man seinen Anschluss auch - wenn man in der Lage ist, Treppen zu steigen, denn während es in Dortmund, Castrop und z.B. dem im Streckenverlauf folgenden Gelsenkirchen Aufzüge gibt, gibt es in Herne keinen. Genauer gesagt gibt es einen - an dem wird aber seit ungelogen zwei Jahren gebaut, benutzbar ist der nicht, und am hinteren Gleis fehlt ein Aufzug komplett. Mal ganz davon abgesehen, dass so ein oller Bus nicht so viele Menschen und auch nicht so viele Kinderwagen und Fahrräder aufnehmen kann wie ein Zug.

Abgesehen davon kommt es durch den Ersatzverkehr und die verschiedenen anderen Bemühungen zu Verspätungen. Die S2 wartet in Herne bzw. Castrop jeweils auf den Bus - der fährt über die Autobahn und ist daher natürlich nicht so schnell wie der Zug. Der RE3 wartet in Wanne-Eickel auf die S2 nach Recklinghausen1

Nein, Halt. Der RE3 wartet nicht in Wanne-Eickel auf die S2. Denn der für Herne beauftragte Mensch mit Warnweste, der einem erklärt, welches Gleis heute für die Abfahrt ausgelost wurde (und sich offenbar an meinen letzten Wutanfall über die erneute Änderung erinnerte und mir daher schon im Entgegenkommen mitteilte welches es heute ist), erklärt neuerdings auch, dass es die Verbindung S2 Herne - Wanne-Eickel + RE3 Wanne-Eickel - Düsseldorf nicht mehr gibt: "Das machen wir nicht mehr, da musste die S2 in Wanne den Wendekreis benutzen um von da nach Recklinghausen zu fahren und da gab es Verspätungen von bis zu 20 Minuten."

Sehr gut. Da stellt sich mir die Frage, wieso die S2 überhaupt nach Recklinghausen fährt - da fährt schließlich auch ein anderer Zug von Wanne aus hin und überhaupt, reicht es denn nicht zur Verwirrung dass von drei S-Bahnen pro Stunde eine nach Essen fährt und zwei nach Duisburg? Muss man da auch noch unregelmäßig zu bestimmten Tageszeiten eine auf völlig anderer Strecke nach Recklinghausen schicken?

Die Fahrplanauskunft auf vrr.de dieweil ist völlig überfordert und zeigt Verbindungen an, die es nicht mehr gibt oder die so knapp sind, dass man sie gar nicht erreichen kann. Auch die offizielle Auskunft auf bahn.de behauptet nach wie vor, die S2 nach Recklinghausen würde in Wanne-Eickel halten. Und in der Baustellenliste auf bahn.de ist der RE3 gar nicht aufgeführt - ist ja auch irrelevant, dass auf der wichtigsten Regionalstrecke des östlichen Ruhrgebiets drei Bahnhöfe ausfallen. Aber außer dem stets um seine Fassung bemühten Bahnbediensteten ("ich hab hier so eine Warnweste") gibt es ja auch noch die Aushänge. Und spätestens wenn man die liest, ist doch alles klar!

Wirrer Aushang

Klick macht groß. Alle Aushänge beziehen sich auf die beschriebene Baustelle...

  1. Die S2 hat schon ohne Baustellen drei verschiedene Endziele: Von Dortmund aus geht es mal nach Duisburg, mal nach Essen und mal nach Recklinghausen, nach einem System, was ungefähr so logisch ist wie die britischen Irregular Verbs - man muss es einfach auswendig lernen.


Open Street Map (OSM) -> Google Earth (KML)

Für meinen bevorstehenden Umzug nach Dortmund habe ich mir in Google Earth eine Reihe von interessanten Punkten rund um Dortmund Hauptbahnhof markiert, um schnell sehen zu können, ob eine Wohnung an Adresse X nah genug an einem Rewe oder einer Sparkasse ist. Für die Nextbike-Radstationen gab es bereits eine KML-Datei, sodass ich sowieso alle Radstationen in Google Earth habe. Für Packstationen gibt es das bei OpenStreetMap - kann ja nicht so schwer sein, das zu konvertieren, dachte ich.

Ist es auch nicht. Aber bis man dazu mal ein Tool findet... daher hier ganz kurz der Hinweis auf das folgende Tool, dass unglaublich viele Formate untereinander konvertieren kann, darunter auch das OSM-XML-Format, KML und das GPS-Format GPX: GPSBabel. Natürlich kostenlos und für alle Betriebssysteme verfügbar.

Und weil's so schön ist, nochmal auf englisch, damit möglichst viele Suchende fündig werden.

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Since I am moving to Dortmund in a few months I marked some important points in Google Earth. So now I can see if there is a supermarket or a bank near a flat's address. For Nextbike cycle hire stations I already had a KML file so all the stations are in Google Earth. For parcel pickup there is a list in OpenStreetMap.

It turned out conversion from OSM to Google KML is not hard but it is hard to find a tool that does it. So take this as a hint. GPSBabel converts between a lot of formats, including OSM, KML and GPX. It is free and available for all OS.



Und plötzlich ist man VIP.

Eva vom hurra-blog schrieb letztens einen schönen Artikel darüber, wie sie zum Fernsehen kam und wieso es stimmt, wenn Leute mit Erfolg sagen: "Ich hatte einfach Glück". Ich fand es irgendwie beruhigend zu lesen, dass man Glück haben kann, wenn man etwas mit Leidenschaft tut, aber auch etwas frustrierend, dass Glück so wichtig ist. Aber zumindest bei den etwas kleineren Dingen geht es auch ohne (oder weniger).

So schreibe ich ja schon länger für venue.de, ein allgemeines Musikmagazin. Eigentlich immer dann, wenn ich auf einem Konzert bin, über das ich für meinen eigenen Blog Konzertheld.de sowieso schreiben würde, und zusätzlich noch ab und an mal eine CD-Rezension und ein paar Ankündigungen. Das macht Spaß, es ist nicht viel Arbeit und ab und zu springt mal freier Eintritt oder eine kostenlose CD im Gegenzug für einen Artikel und Fotos dabei raus.

Konzertberichte mit Fotos habe ich bei TEN SING angefangen, letztes Jahr dann erstmals auch mit normalen Bands bei Open Air-Veranstaltungen, bei denen Fotografieren erlaubt war. Damit und mit den Artikeln bei Venue habe ich dann die Festivalhopper angeschrieben, als die mal in einem Artikel kurz erwähnten, dass sie noch Leute brauchen. Meine Fotos und Artikel gefielen, ich kam ins Team, fuhr zum Ruhr-Uni-Sommerfest und fragte hoffnungsvoll Bochum Total und das Open Source an - und dann wurde der fürs Hurricane vorgesehen Reporter krank und ich wurde dort akkreditiert.

Und eh ich mich versah, hatte ich mein Notebook im Gepäck, meine Karte verkauft und fuhr zum Hurricane, um mich dort am Presse- und VIP-Stand anzumelden. Statt dem ohnehin schon nicht so schicken orangenen bekam ich ein rosa Bändchen und am nächsten Tag saß ich im Pressebereich des VIP-Zeltes zwischen einem Mitarbeiter von FKP Scorpio, der mir seinen Laptop lieh, weil bei mir das WLAN nicht ging, und einem Fotografen von DAPD, der pro Jahr eine Canon 5D verschleißt, weil er die 200.000 Fotos erreicht, die die Kamera verkraftet.

Das WLAN war schlecht und der Pressebereich klein, aber die Pressemenschen waren alle sehr nett und wenn es draußen regnete, konnte ich rein. Am dritten Tag wusste ich, dass auch die Profis manchmal auf kleine Kameras bauen, weil die beste Kamera die ist, die man dabei hat, und irgendwie war es schon fast normal, zwischen rauchenden Agenturmitarbeitern und 50cm langen Objektiven zu sitzen und Artikel zu schreiben, während draußen das Festival tobte.

Beim Open Source war ich auch zum Fotografieren, aber dank des besseren Wetters und der Tatsache, dass das Festival nur einen Tag und eine Nacht geht, war die Aktion wesentlich entspannter. Ein großartiges Festival übrigens, das ich vermutlich ohne die Festivalhopper gar nicht kennen gelernt hätte. Sort sah ich auch Sizarr zum ersten Mal, und mit denen saß ich heute in der VIP-Kirche (kein Witz) von Bochum Total zum Interview. Trotz Gratisfestival gibt's da sogar ein kostenloses Büffet und Freigetränke. Sehr sehr coole Sache, mit Managern zu telefonieren und Bands zu treffen - und letztlich viel unspektakulärer, als man sich das vorstellt, weil die meisten auch nur mit Wasser kochen.

Am Sonntag geht es mit Fiva & Das Phantom Orchester weiter. In ein paar Stunden geht es aber erstmal wieder zu einer TEN SING-Show - diesmal ohne Kamera, denn die übernimmt Marina, die mit mir von Bochum Total berichtet und den Samstag sicher alleine schmeißen wird.

Albenrezensionen
Artikel bei den Festivalhoppern



Rückblick auf Rock am Ring - 1. Teil

Größen wie Metallica, Die Toten Hosen und Linkin Park sorgten dafür, dass Rock am Ring schon im Januar ausverkauft war und auch Rock im Park folgte etwas später mit der Meldung: Keine Karten mehr zu haben. Doch neben den begeisterten Massen - jeder tausendste Deutsche fährt zu Rock am Ring - wurden auch die kritischen Stimmen wieder laut: Rock am Ring ist dem Kommerz verfallen, hat außer Headlinern nichts zu bieten.

Nach der Fahrt nach Koblenz, vom Ruhrgebiet aus der nächste Bahnhof, von dem Shuttlebusse fahren, hat uns jedenfalls erstmal die erste Enttäuschung getroffen: Der Shuttlebus war gerade weg, 30 bis 45 Minuten bis der nächste kommt, außerdem sind viele Zeltplätze schon voll. Der Shuttlebus ist nicht im Ticketpreis enthalten, sondern kostet acht Euro pro Strecke, und er fährt über eine Stunde. Als dann der nächste Bus kam und wir nicht mehr reinpassten, war klar, der angenehme Teil der Anreise ist in Koblenz zu Ende.

Irgendwann, als es schon lange dunkel war und wir unterwegs noch ein paar Leute aufgegabelt hatten, die sechs Kilometer vom Campingplatz entfernt parken mussten, kamen wir dann auch mal an. Mit Hilfe der anderen Camper auf unserem Wunschzeltplatz schafften wir es sogar, uns dort zu platzieren, wo Plan B es vorgesehen hatte. Alles außer Essen wurde auf den Freitag verschoben, es war inzwischen nach Mitternacht und wir mit den Nerven am Ende.

Freitag war dann erstmal alles entspannter. Wir holten unsere Bändchen, ließen uns von den Zeltnachbarn verarschen, weil zehn von uns zwölf Vegetarier sind, brachten den Gaskocher zum Laufen (sogar ohne Panzertape) und richteten uns erstmal ein. Mein Konzertplan für Freitag war sowieso entspannt, nur drei Bands, die ich ernsthaft sehen wollte. Aber eigentlich war der Konzertplan für das ganze Festival entspannt, denn von den drei großen Headlinern interessierte mich nur einer wirklich und auch sonst war das Line-Up im Vergleich zu Hurricane und Deichbrand für mich eher uninteressant, obwohl Rock am Ring fast so teuer ist wie die beiden anderen zusammen.

Meine erste Band spielte dann auch direkt auf der Center Stage, der sagenumwobenen, der mit dem neuen Einlasssystem und den drei Zonen, von denen die vorderen zwei beschränkt sind. Es war erst Nachmittag, aber die erste Zone war schon dicht, und während des Festivals würde sich das auch nicht ändern. Wer einmal drin war im vordersten Wellenbrecher, ging nicht mehr freiwillig raus. Ich begnügte mich also mit Zone B und genoss The Subways, die ein bisschen klein wirkten auf der riesigen Bühne, ihren Auftritt aber sichtlich genossen. Party ist bei denen sowieso immer - die Musik ist unglaublich mitreißend, die Band ist live einfach richtig gut und außerdem streuen sie ständig ins Deutsche übersetzte Strophen ihrer Songs ein, zum Beispiel bei "Rock&Roll Queen" und "We Don't Need Money To Have A Good Time".

Ganz im Festivalsinne blieb ich danach zu Cypress Hill, die mit Hiphop ungefähr gar keine Übereinstimmung mit meinem Musikgeschmack haben, aber wo ich eh mal da war, konnte ich auch mal über den Tellerrand schauen. Ganz klischeehaft war ungefähr jedes dritte Wort "fucking" und jeder zweite Satz Eigenlob, aber die Jungs verstehen es das Publikum anzuheizen und am Ende gab es Soli für den Percussionisten und den DJ, was echt cool war. Im Gegensatz zu den darauf folgenden Kasabian, von denen ich nur "Underdog" kannte und die eine lahme Enttäuschung waren. Der Sänger sah aus wie Liam Gallagher, war aber offensichtlich weniger auf Drogen.

Also Gelegenheit etwas eher abzuhauen und einen guten Platz an der Alterna Stage zu ergattern. Zone B war, als ich rauskam, inzwischen auch geschlossen, und überhaupt waren an der Center Stage unheimlich viele Menschen, die unheimlich wenig Spaß hatten. Ganz im Gegensatz zu denen bei Guano Apes, wo es kein Problem war, im zweiten Wellenbrecher nach ganz vorne zu kommen - nach den ersten Songs hörte ich irgendwo neben mir "hier sind wir richtig". Und als "Open Your Eyes" als vierter Song kam, erreichte die Stimmung den Höhepunkt und es gab bis zum Ende des Konzertes ständig Moshpits. So muss das!

Aufgrund einer Zeitplanänderung verpasste ich leider den Anfang von Fiva & Das Phantom Orchester, aber die Stadt gehört trotzdem denen, die da waren. Eins meiner persönlichen Highlights - das Konzert an der Clubstage war mit wenigen tausend Zuschauern vergleichsweise winzig, aber Fiva ist so süß wenn sie sich ständig bedankt weil alle, die da sind, sie einfach nur feiern, und das Publikum war so begeistert, dass schon nach zwei Dritteln des Konzertes Zugaben gefordert wurden, obwohl noch reguläre Spielzeit war. Wunderbar angenehmer, klischeefreier Hiphop beim Ring mit Fiva MC, dem DJ und dem Kontrabassisten.

Planlos was ich bis Evanescence tun sollte ließ ich von den anwesenden Mädels beraten, hörte mir Musik vom Handy an und blieb zu The Koletzkis. Die warteten nicht mit großer Show oder vielen Klängen auf, sondern mit minimalem, tanzbaren Elektro. Das aber in einer Qualität, die das Publikum auch durchweg zum Tanzen brachten. So blieb ich bis zum Schluss - verlasse nie ein gutes Konzert! - und bestaunte Evanescence von weiter hinten, wie sie stimmliche und instrumentale Leistungen brachten, die nur möglich sind, wenn man voll hinter seiner Sache steht. Ein Ohrgasmus quasi, und die Technik tat ihr übriges und ließ den Platz vor der Alterna in Licht förmlich explodieren.

Auf dem Weg zur Center, wo gerade Linkin Park auf die Bühne kamen, verweilte ich noch kurz erneut an der Club Stage, wo gerade Moonbotica auflegten, die mir von diversen Remixes ein Begriff waren. Auch dort großartige Stimmung und ich gewann zunehmend mehr den Eindruck, dass die kleinsten Konzerte hier die besten sind. An der Clubstage ist einfach alles nicht so Overkill wie an den beiden großen Bühnen.

Linkin Park allerdings waren auch nochmal ein Highlight. Leider sah ich quasi gar nichts von ganz weit hinten, da die Videoleinwände ständig ausfielen (was sich im Verlauf des Festivals auch nicht besserte), aber spätestens ab Bleed It Out, wo ich einen Ultrafan in der Menge entdeckte, war Party angesagt, und wen stört es schon, wenn um einen herum eher mäßiges Mitnicken als wildes Springen angesagt ist?!

Als Absacker gab's dann noch Marilyn Manson. Der war, wie man es erwartet - laut, grell, aggressiv und ein bisschen krank. Man kann nicht sagen, dass er nicht feiert, aber es strömten ständig Menschen weg. Auch schien die Technik schlecht zu sein, denn es gab ständig Rückkopplungen. Trotzdem waren Massen vor der Alterna und ich war froh, mit einigen anderen seitlich hinter dem Absperrzaun auf dem erstaunlich weichen Asphalt zu sitzen und das Konzert aus der Ferne zu beobachten, bis ich keine Lust mehr hatte.

Aber apropos Sound. Als ich Richtung Campingplatz lief, platzte mir fast der Schädel, als ich am Zelt der Independent Party Station vorbeikam. Unglaublich dröhnende Bässe und ein irrsinnig lauter Sound drangen heraus - alle drei Bühnen waren ein Witz dagegen. Überhaupt empfand ich den Sound bei Rock am Ring als sehr leise und auch immer wieder als schlecht abgemischt. Bei Cro am Sonntag gab es auch Hinweise darauf, wieso - die Techniker hatten ihre interne Kommunikation auf die PA geschaltet und so konnte jeder Anwesende mithören, dass sie total unter Zeitdruck stehen und nicht fertig wurden bis das Konzert anfing. Zeitplan vor Qualität also. An den Videos der übertragenden Sender habe ich nach dem Festival erstmal gemerkt, wieviel ich tatsächlich aufgrund der schlechten Mischung einfach nicht gehört habe.



Musik-Neuentdeckungen 6/2012

Trotz Rock am Ring ging der Monat eher langweilig los, was neue Musik angeht.

  • Garbage - I'm only happy when it rains (Hurricane)
    Ist das eigentlich wirklich so bekannt wie ich denke? Ich kannte genau diesen Song und stellte dann fest, dass die Band noch mehr drauf hat.
  • Jennifer Rostock - Mikrofon (Hurricane)
    Jennifer Rostock konkurriert beim Hurricane mit Royal Republic... nachdem ich mehrfach gesagt bekam, dass Jennifer Rostock live genial ist/sind, war ich da - sechs Lieder, dann bin ich rüber zu RR. War gut - aber nicht gut genug, um die schwedischen Punker zu schlagen.
  • Bonaparte - Shenanigan (Hurricane)
    Wer hingegen genial war, waren Bonaparte. Super Konzert, interessante Show und absolut geniale Fans. So friedlich und doch so heftig Party hat man selten. Keine Ahnung, ob es einen Song gibt, der so heißt, bzw. ob der Song so heißt, aber das Wort kommt darin häufig vor...
  • The Hundred In The Hands - Pigeons (Open Source)
    Und endlich mal wieder eine Band mit "Wow! Die muss ich unbedingt nochmal sehen!"-Effekt! Das Open Source ist ein kleines Festival in Düsseldorf, das sich der alternativen und elektronischen Musik verschrieben hat. The Hundred In The Hands passen da gleich doppelt rein und für deren Musik gibt es sogar eine Genrebezeichnung, die ich noch nicht kannte: Indietronica - die Indie-Szene der elektronischen Musik. Live sind sie übrigens deutlich besser als aus der Konserve!