Serverumzug

Wegen eines Serverumzugs war Konzertheld.de heute tagsüber nicht erreichbar. Das liegt daran, dass sowohl mein alter Hoster Webhoster als auch mein neuer Hoster 1&1 schneller gearbeitet haben, als ich es erwartet hatte. Das ist positiv, hat aber dafür gesorgt, dass ich mit dem Umzug der Domain nicht hinterher kam bzw. die Daten nicht schnell genug rüberschaufeln konnte.

Nachdem Webhoster mal wieder irgendeine PHP-Konfiguration kommentarlos verändert hatte, habe ich mal meine Kündigungsfrist nachgeschaut und siehe da, die ist bald. Und siehe da, 1&1 hat gerade mal wieder ein Angebot für ein paar Gratismonate in deren gehobenen Paketen. So habe ich nun nicht nur etwas mehr Speicher und unbegrenzt Traffic, sondern vor allem auch mehr Inklusivdomains (mehr zu deren Nutzung später), Git-Versionsverwaltung und SSH-Zugriff auf meinen Webspace. Alles Dinge, die mir das Leben einfacher machen.

Erstmal ändert sich dadurch nix. Dadurch, dass ich jetzt Git habe, werde ich aber beim Programmieren in Zukunft ordentlicher arbeiten können. Und dadurch, dass ich jetzt unbegrenzt Traffic habe, kann ich endlich bedenkenlos meine Fotos selber hosten statt immer wieder mit einem externen Dienstleister zu frickeln. Und dann funktionieren diese wunderbaren Foto-Seitenleisten vielleicht auch mal durchgehend und nicht nur ein paar Stunden am Tag.

Am Schönsten lief übrigens der Umzug der Domains innerhalb von 1&1. Ich habe eine vom Vertrag meiner Mutter übernommen und eine aus einem anderen meiner Pakete. Beides ging innerhalb weniger Minuten. Und auch den Authcode für den Umzug von Webhoster1 zu 1&1 bekam ich direkt am nächsten Morgen - und mit dem Code war dann auch Konzertheld.de innerhalb von Minuten bei 1&1 eingetragen und nach wenigen Stunden online.

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  1. Wie kann man sein Unternehmen genau so wie die Dienstleistung nennen?!


Hurricane-Liveberichte

Zur Zeit versinkt das schöne Scheeßel im Matsch, der Regen hat eingesetzt - aber wir lassen uns nicht vom Feiern abhalten. Seit Donnerstag bin ich beim Hurricane-Festival und inzwischen gibt es im Pressezelt auch WLAN. Dankenswerterweise haben mich die Festivalhopper akkreditiert, so dass ich jeden Tag von hier berichten kann. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass das Presseband pink ist. ;-)

Im Gegensatz zu den Kollegen von den Agenturen, die quasi immer die Headliner fotografieren müssen, kann ich mich hier ganz normal als Besucher bewegen, daher sind die Berichte entsprechend meinem Musikgeschmack gefärbt. Aber für Fotos ist dieses Mal ohnehin ein anderer Festivalhopper unterwegs, von mir sind die Texte. Schaut einfach rein: Hurricane-Artikel bei den Festivalhoppern.



Die ultimative Packliste

Nach der ultimativen LAN-Checkliste für Lanpartys, die nach und nach gewachsen und inzwischen wirklich vollständig ist, war es lange überfällig, eine Liste für normale Reisen zu erstellen. Jedes Mal vergesse ich irgendwas. Damit ist jetzt Schluss. Alles, was man eventuell braucht, kommt jetzt hier rein.

Vor Ort

  • Kleidung: An das Wetter des Zielortes angepasst und mengenmäßig abhängig von Hygienebedürfnissen und Waschgelegenheiten. Wechselsocken sind wichtiger als Wechselhosen und bei schlechtem Wetter sind Regenhose und Friesennerz nicht schick, aber nützlich. Auch an bequeme Kleidung für drinnen denken (Jogginghosen sind super)!
  • Passendes Schuhwerk (Wanderschuhe / Flipflops / Badelatschen / Gummistiefel...)
  • ggf. Ski- / Fahrrad- / Winterhandschuhe
  • Kopfbedeckung, Sonnencreme, Sonnenbrille
  • Medikamente / Reiseapotheke
  • Kulturbeutel (aka Waschzeug), Fön, Rasierer, Kontaktlinsenmittel
  • Stadtführer / Infomaterial / Festival-Timeline...

Reise & Papiere

  • Ausweispapiere: Personalausweis, Reisepass, Visum...
  • Reisepapiere: Bahncard, Zugtickets, Flugtickets...
  • Barmittel: Geld in entsprechender Währung, Kreditkarte, Reiseschecks, EC-Karte...
  • Versicherungen: Krankenkassenkarte, Sozialversicherungsausweis, private Zusatzpolicen...
  • Kontaktdaten: In Papierform, falls der Akku leer ist! Unterkunft, Ansprechpersonen, Botschaft...
  • Kartenmaterial und Navigationsgerät, Kompass
  • Verkehrsmittel: Fahrzeugpapiere, Führerschein, ADAC-Karte, Türschlossenteiser, Warnweste, Helm...
  • Eintrittskarten
  • Proviant (Flugbestimmungen bzw. Festivalregeln beachten!)

Bei Unterkunft nicht im Hotel

  • Zelt, Heringe, Campingstuhl, Kühltasche...
  • Grill, Grillanzünder, Grillkohle...
  • Gas- oder Esbitkocher
  • Isomatte / Schlafsack oder Bettwäsche, Kopfkissen
  • Handtücher
  • Schloss (Schließfächer in Hostels!)
  • Desinfektionsspray
  • Moskitospray
  • Klopapier
  • Schlafmaske
  • Müllbeutel

Technik

  • Handy, Ladekabel fürs Handy und Steckdosenadapter für's Ausland
  • Mehrfachsteckdose
  • Notebook mit Akku, Ladekabel, Maus
  • Kamera mit Objektiven, Akkus, Ladegerät, Speicherkarten, Blitze, Stativ(e), Tasche(n), ggf. Kartenleser
  • MP3-Player (ggf. mit USB-Kabel), Kopfhörer, Y-Adapter für zwei Kopfhörer
  • Instrumente (Akustikgitarre, Cajon bzw. Instrumente für Auftritt), Stimmgerät / Stimmschlüssel
  • Werkzeug für's Auto, Verbandskasten, Autostarterkabel - kann man sich nicht nur mit helfen lassen, sondern auch anderen helfen
  • Werkzeug für's Fahrrad (Inbusschlüssel, Reifenheber, Luftpumpe, Flickzeug, evtl. Rohrzange/Engländer - schwer, aber praktisch)

Immer dabei

  • Taschenlampe mit Ersatzakkus
  • Panzertape (Gaffa)
  • Ohrstöpsel
  • Schreibzeug
  • Feuerzeug

Sonstiges

  • T-Shirt-Marker

Für Städte- und Konzertreisen bzw. Festivals sollte inzwischen so ziemlich alles dabei sein. Wenn ich von meiner Interrailtour zurück bin, wird sich zeigen, was dort noch nützlich ist.



Ladyhawke: Anxiety

Diese Rezension schrieb ich ursprünglich für venue.de.

Das zweite Album ist das Schwierigste, sagen viele Künstler und Kritiker. Man war mit dem ersten erfolgreich und will daran jetzt anknüpfen, ohne aber genau das Gleiche nochmal zu machen und ohne seinen Stil zu verleugnen. Nach dem ersten, selbstbetitelten Album von Ladyhawke hatte ich jedenfalls einiges erwartet - aber nicht das, was sie mit "Anxiety" präsentiert.

Im Vorfeld wurden bereits die Singles "Black White & Blue" und "Sunday Drive" ausgekoppelt, das 10 Tracks umfassende Album startet allerdings erstmal mit "Girl Like Me". Ein knackiges verzerrtes Gitarrenriff und Percussions tönen aus den Boxen und sorgen sofort für Begeisterung, geht der Sound doch schon fast Richtung Rock - aber die softe Ladyhawke, die auf ihrer letzten Scheibe vor allem mit Synthesizern glänzte, ist das nicht. Oder doch?

Sunday Drive folgt dann als zweiter Track. Die Gitarren sind nicht mehr durchgehend präsent, dafür aber teilweise zum Stimmungsaufbau fast bis ins psychotische verzerrt. Insgesamt dennoch ein Track, der an früher erinnert - wäre da nicht das Gitarrensolo, mit dem sich ganz neue Welten öffnen. Synthpop geht also noch, jetzt aber passend zum Stil des Albums mit harten Riffs dazwischen. Doch die Frau, die dort singt, ist unverkennbar Pip Brown, die, die alle Instrumentenstimmen selber geschrieben und größtenteils sogar selber eingespielt hat, noch häufiger als schon beim letzten Album.

Auch der dritte Titel "Black White & Blue" spielt wieder deutlicher mit den Synthesizern, Gitarrenklänge hört man nun nur noch im Hintergrund - bis gegen Ende wieder ein Solo kommt, diesmal bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Auf einem ähnlichen Niveau bewegt sich auch "Vaccine", nun aber mit einer deutlichen Verschiebung zum Bass. "Blue Eyes" hingegen haut uns wieder verzerrte Riffs um die Ohren und auch die Drums sind ziemlich präsent. An die Soli hat man sich inzwischen schon fast gewöhnt.

Mit diesen Songs im Ohr überrascht es auch nicht mehr, dass Pip eigentlich aus der Rockecke kommt - Vor ihrer Zeit mit Ladyhawke war sie als Gitarristin unterwegs. Sie selber dazu: "Ich war immer diejenige, die so Heavy-Zeug auf der Gitarre spielte und die zwischendurch Solos machte". So hat sie nun das Meisterstück vollbracht, ihr Projekt Ladyhawke neu zu erfinden und sich selbst dabei trotzdem treu zu bleiben, indem sie ihren eigenen, früheren Stil in eine Band einbringt, die bisher nicht viel mit Gitarrenmusik zu tun hatte.

Das zweite Album der Neuseeländerin weist also klar einen anderen, gitarrenorientierteren Stil auf. In der zweiten Hälfte des Albums gibt's dann aber dennoch mehr Abwechslung. In "Vanity" ist es der Synthesizer, der das Solo bekommt. Und "The Quick & The Dead" wartet mit einer hörbaren Beständigkeit auf, ein an sich sehr langsamer Song, der aber doch irgendwie treibend und fortlaufend ist. "The quick and the dead will find you", singt Pip Brown, und "this thing is never ending". Zwischendurch hört man sie nach Atem ringen und das Stück weist gleich zwei Soli auf, diesmal extrem schräger Natur.

Der Titelsong "Anxiety" schließlich kommt nochmal mit einem eigenen Sound um die Ecke, ein eher treibender Beat, aber sanfte, etwas verunsicherte Vocals. Die perfekte Kombination für den Klang eines Albums, in dem die Künstlerin verarbeitet hat, dass sie ziemlich schnell ins Rampenlicht geschubst wurde, wo sie sich erstmal gar nicht so wohl fühlte.

Mit Hoffnung und dem Vertrauen darauf, dass alles so gedacht war wie es ist, beschäftigt sich das langsame, wuchtige "Cellophane". Damit bleibt die ruhige Stimmung noch ein bisschen erhalten, bevor wir uns mit reichlich Lärm und mehr Tempo in "Gone Gone Gone" verabschieden.

Ladyhawke hat ihren Sound kräftig aufgemotzt und mit "Anxiety" ein neues Werk geschaffen, was nicht nur eine Fortführung, sondern eine Weiterentwicklung ihres Erstlings "Ladyhawke" ist. Ein Werk, was für überraschte Blicke bei den Fans sorgen dürfte, danach aber ebenso für Begeisterung sorgen wird wie bei denen, die Ladyhawke erst jetzt kennen lernen. Und das sei jedem empfohlen, der dem Pop nicht prinzipiell abgeneigt ist!



Bericht vom Ruhr-Uni-Sommerfest RUBissimo

Ab diesem Sommer bin ich auch für die Festivalhopper unterwegs und als erstes Festival war ich letzte Woche beim RUBissimo, dem Sommerfest der Ruhr-Universität Bochum. Der Bericht findet sich hier: RUBissimo Sommerfets an der Ruhr-Universität Bochum



The Ting Tings zurück in Deutschland!

Dieser Bericht erschien auch auf {venue}.

The Ting Tings haben sich in den letzten Jahren auf verschiedensten Wegen einen Namen gemacht - sie spielten auf großen Festivals, ihre Musik lief im Radio, die Singles wurden in verschiedenen Werbespots großer Firmen verwendet. Sie haben sich aber darüber hinaus auch rar gemacht - nach dem Debütalbum "We Started Nothing" von 2008 folgte erst vor wenigen Wochen endlich eine zweite Scheibe und seit 2009 waren sie nicht mehr in Deutschland auf Tour. Dafür aber, um einige Songs in einem Berliner Studio aufzunehmen, und mit diesen Songs im Gepäck gab es jetzt drei Auftritte hierzulande, einen in Berlin beim Melt! Weekender, einen im Grünspan in Hamburg und einen bei Rock am Ring. Also packte ich meine Sachen, fuhr ein paar Freunde in Hamburg besuchen und suchte das Grünspan auf.

Das Grünspan fasst zwar nur ein paar hundert Leute, dafür bietet es aber eine wunderbare Atmosphäre und einen genialen Sound. Durch den Konzertraum zieht sich seitlich an der Wand eine schick beleuchtete Bar, obendrüber, ebenso liebevoll in Szene gesetzt, findet sich die Garderobe. Der DJ, der vor dem Konzert auflegte, gehört leider nicht zur Location, sondern wurde vom Veranstalter gebucht. Mit wild gemischter und trotzdem perfekt passender Musik von Yeah Yeah Yeahs über Crystal Castles und M83 bis The Hives wurden wir perfekt unterhalten, bis sich um 20:15 mal jemand zum Soundcheck bequemte. Die Verzögerung ist möglicherweise auch auf die Besucherzahl zurück zu führen - zu der Zeit war es nämlich zwar schon eine Viertelstunde nach planmäßigem Beginn, aber immer noch recht leer und die Abendkasse geöffnet.

Irgendwann wurde es dann aber endlich dunkel, ein Intro erklang und Jules kam an seinen Platz. Das Intro wurde von Drums abgelöst und Fans wussten: Es gibt "Great DJ" direkt als ersten Song. Mit den dadurch ausgelösten Begeisterungsschreien des Publikums kam dann auch Katie auf die Bühne´, haute in die Saiten und spielte das allseits bekannte Riff, das ursprünglich mal aus einem schlecht gespielten Akkord entstand und später zu einem Song wurde - wie einige Titel des ersten Albums. Ganz anders "Hang It Up", das Flaggschiff des neuen Albums. Auch hier dominiert zunächst das Gitarrenriff, diesmal aber ganz gezielt und mit trockener Drummachine, die dann später von dröhnenden echten Drums abgelöst wird.

Dabei zeigt sich auch direkt die unglaubliche Dynamik der Show. The Ting Tings sind nur zu zweit und von einer Verteilung der Instrumente kann man nicht reden, denn ständig werden Instrumente gewechselt, werden synthethische und "echte" Komponenten gemischt, werden Loops verwendet und neue Patterns drüber gelegt. Bei keiner Band rennen so oft Roadies über die Bühne, um Gitarren anzunehmen, wieder anzugeben, Keyboards hinzustellen, Fußpedale und Synthis zu tauschen und alles wieder gerade zu richten. Spielte Jules am Anfang noch die zweite Gitarre, musste die später im Lied dem Schlagzeug weichen. Später werden auch Gitarren, Keyboards und Synthesizer gemischt, mal singt Katie, mal Jules, mal beide, und bei "We Walk" spielt Jules dazu auch noch gleichzeitig Schlagzeug und Gitarre - wozu hat man schließlich zwei Hände und zwei Füße!

Und um nochmal auf die Roadies zurück zu kommen: Nicht nur die Instrumentenwechsel sorgen für viel Bewegung, auch Frontfrau Katie läuft, rennt und springt über die Bühne wie ein Flummi, schmeißt Mikro- und Instrumtenständer um und sorgt überhaupt für ziemlich viel Chaos, ganz zu schweigen davon, dass immer jemand das lange Gitarrenkabel einsammeln muss. Die Technik tut ihr übriges, damit die Bewegung auch optisch zur Geltung kommt. Und als bei einem Lied mal eine dritte Gitarre gebraucht wird, darf der Gitarrenangeber auch mal selber ran.

Während auf der Bühne also von Anfang an wirklich reichlich viel los ist, ist das Publikum nur mäßig begeistert. Die erste Reihe tobt, als Katie sich bei "Hang It Up" zwischen die Fotografen im Fotograben quetscht um so vielen Fans wie möglich die Hand zu schütteln, aber bewegungsfreudig sind die vielleicht 300 Zuschauer nicht. Als Katie nach "Give It Back" und "Guggenheim" meint, jetzt sei aber wirklich genug Zeit zum Ausruhen gewesen und Tanzen angebracht, holen einige ihr Handy raus um zu filmen. Schade, dabei hat sie doch extra eine kleine deutsche Rede geschrieben und auch da nochmal darauf hingewiesen, dass der Spaß das Wichtigste ist: "Meine Deutsch ist scheiße, deshalb halte ich jetzt besser die Klappe und bringe euch zum Tanzen!"

Die Tanzwilligen jedenfalls lassen sich nicht davon abhalten, dass sie in der Unterzahl sind, und feiern mit Katie und Jules zu "Hit Me Down Sonny", das live um einen Gitarrenpart ergänzt wurde, und "Fruit Machine". Als danach "Shut Up And Let Me Go" erklingt, ist dann auch die gesamte Menge begeistert, denn den Song hat wirklich jeder schonmal irgendwo gehört und die "Hey!"-Parts auswendig gelernt. Außerdem haben The Ting Tings ihre riesige Stand-Basedrum wieder dabei, die Katie mit Begeisterung spielt - und hinterher zu Boden wirft und sich draufstellt, darauf inzwischen barfuß tanzt und die Cowbell spielt.

Die meisten Songs machen ja schon vom Album viel Spaß, aber live nochmal deutlich mehr, nicht nur, weil die Band selbst wild feiert, sondern auch, weil viele Songs um zusätzliche Parts ergänzt wurden, zum Beispiel weitere Gitarrenriffs oder "echte" Varianten von eigentlich synthethischen Patterns. Außerdem ist die Abmischung ganz anders, das Schlagzeug kommt viel wuchtiger rüber und auch wenn Jules bei "We Walk" gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug spielt, sind doch einige Songs in der Instrumentierung reduziert, so dass die vorhandenen Elemente wesentlich kräftiger rauskommen.

"We Walk" ist dann auch schon der vorletzte Song des regulären Teils, gefolgt von einer acht Minuten langen Version von "Hands", einem in Berlin entstandenen, stark vom Tekkno beeinflussten Song. Vielleicht der mit den meisten Facetten: Als Single kommt er in einer normalen synthethischen Fassung, in Akustiksessions in einer völlig anderen, melodischen Form und in Hamburg ergänzt um ausschweifende, in Richtung Trance gehende Synthi-Samples in einer doppelt so langen, sich ständig steigernden Fassung, die am Ende, nach zwei Breakdowns, mit einem harten Gitarrenriff und scheppernden Drums vollkommen explodiert. Kein Wunder, dass das Publikum lautstark Zugaben fordert.

Nach einer gefühlt ziemlich langen Pause gab es die dann auch. Zunächst "Keep Your Head" - in dem immer nur noch "Ten minutes to go" sind und man einfach die Ruhe bewahren soll, in einer aufgemotzten Liveversion. Und für die weniger eingefleischten Fans danach natürlich noch "That's Not My Name" - als letzten Song, aber nicht mit weniger Emotionen, obwohl längst nicht mehr taufrisch.

70 Minuten dauerte das Konzert damit nur, und wenn man sich die beiden Alben anschaut, die beide nur 10 Tracks umfassen, könnte man meinen, dass sich die Band ganz schön viele Freiheiten rausnimmt. Man kann aber auch ihren Worten Glauben schenken, dass sie einfach anspruchsvoll sind. Schließlich hat das aktuelle Album "Sounds From Nowheresville" deshalb so lange gebraucht, weil die Band einfach mal einen ganzen Haufen Songs verworfen hat, weil sie "nicht funktioniert" haben. Und so grandios wie das Ergebnis der kritischen Auswahl war auch das Konzert. Wer lange aushält, bekommt also auch ein grandioses Ergebnis - und außerdem lebt eine Band ja im Idealfall nicht für die Fans, sondern mit den Fans.



Musik-Neuentdeckungen 5/2012

Der Mai war schon mehr als halb rum, als die Flaute doch endlich noch ein Ende nahm.

  • Coldplay - Paradise (TEN SING)
    Wie konnte dieser tolle Song eigentlich so lange an mir vorbeiziehen? Coldplay machen echt gute Musik, ich sollte die besser im Auge behalten.
  • Canterbury - Saviour
    Und manchmal kommt es doch noch vor, dass Freunde mir Musik vorschlagen, die mir gefällt. Und ein schönes Beispiel für Vorband-Ketten: Canterbury spielten als Vorband für You Me At Six und die wiederum für Paramore. Und letztere liebe ich ja bekanntlich sehr.
  • M.I.A. - Paper Planes (TEN SING)
    Ewig nicht gehört, dann auf der Show von TS Sittensen wiedererkannt und endlich mal rausgesucht von dem das ist und siehe da, mal wieder MIA, von denen so mancher geniale Song ist. Diese großartige Band macht so viel verschiedene Musik, ich kann nur empfehlen sich mal durchzuhören und bin gespannt auf den Auftritt bei Rock am Ring.
    ups. Da habe ich wohl MIA. und M.I.A. für die gleiche Band gehalten... großer Fehler, denn MIA. sind offenbar inzwischen zu einer billigen Blingblingpopband mutiert. Und die englische Wikipedia lässt mir auch ein Licht aufgehen, wo ich den Song schonmal gehört habe: Er tauchte im Soundtrack von Slumdog Millionaire auf.
  • Fratellis - Chelsea Dagger
    Noch ein Tipp von einer Freundin, die ich dank meiner West-Nord-Deutschlandreise endlich mal wieder getroffen habe. Vielen Dank dafür. hahahah
  • McFly - Five Colours In Her Hair (TEN SING)
    Die anderen haben immer die bessere Musik. So ist McFly dann jetzt auch bei mir angekommen.


Blood Red Shoes Instore-Akustikset und Konzert in Hamburg

Nachdem Blood Red Shoes durch Westeuropa und das vereinigte Königreich tourten (wie berichtet), waren sie nun auch wieder in Deutschland zu Besuch. Münster, Frankfurt, Hamburg, München und Köln standen auf dem Plan, wobei die Hamburger gleich doppelt genießen durften: Wer vor dem Konzert nochmal einen Blick auf Facebook, Twitter oder die Bandwebsite geworfen hatte, erfuhr dort von einem spontanen Akustikset im Saturn-Markt an der Mönckebergstraße.

Die sonst größtenteils lauten Songs statt mit harten Verzerrern und prägnanten Drums mal nur mit Akustikgitarren zu erleben, konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, so hetzte ich in die Innenstadt in den vierten Stock zur dort in der CD-Abteilung aufgebauten Bühne - wo der Soundcheck gerade erst angefangen hatte. Erst eine Dreiviertelstunde verspätet fing das Set an - bis dahin gab es die typische Ladenatmosphäre: "Ein Mitarbeiter der Waschmaschinenabteilung bitte zur 671".

Wer während der Wartezeit nicht nervös wurde und schon zur Reeperbahn vor fuhr, wurde mit fünf Songs in einer ganz ungewöhnlichen Fassung belohnt. Slip Into Blue, In Time To Voices, Say Something Say Anything, Lost Kids und Two Dead Minutes gaben die beiden zum Besten. Nervöser als sonst seien sie, meinte Steven, so ganz ohne laut brüllende Verstärker. Auf jeden Fall schafften sie es, den sonst zwar vergleichsweise ruhigen, aber doch nicht lauten Songs eine ganz andere Aussage zu verpassen. Die etwa hundert Zuschauer schienen danach jedenfalls alle Lust auf das große Konzert zu haben, ließen sich alles signieren, was grad greifbar war und wechselten noch ganz entspannt ein paar Worte mit Laura-Mary und Steven, bevor es rüber zu den Docks ging.

Dort war ich dann erstmal froh, nicht wie viele andere mein Ticket signiert haben zu lassen, denn in den Docks werden zuhause ausgedruckte Tickets eingezogen und gegen Abendkassentickets getauscht. Das Docks bietet Platz für 1000 Leute, gut 800 Tickets wurden verkauft, damit ist es die größte Location, die Blood Red Shoes in Deutschland spielen. Die Aufteilung in eine große freie Fläche und einen schmaleren, durch höheren Boden und Geländer abgeteilten Randbereich sollte sich später noch als nützlich erweisen.

Bevor die 800 Zuschauer aber überhaupt da waren, spielten mit leichter Verspätung erstmal Wallace Vanborn, eine Hardrock-/Metalband aus Belgien. Bei Vorbands ist ja fast nie richtig was los, aber im Vergleich kamen die drei Jungs schon gut an und heizten die Stimmung kräftig auf. Acht Lieder gab es zu hören.

Trotz guter Vorband waren natürlich trotzdem Blood Red Shoes das Highlight des Abends. Während der Umbaupause fanden sich die restlichen Zuschauer ein und bei mir stieg die Spannung, ob es wohl die gleiche Setlist werden würde wie in Brighton. Und dann wurde es wieder dunkel - sehr dunkel, denn die Lichttechnik geizte ziemlich mit Scheinwerfern - Laura und Steven kamen auf die Bühne und hauten direkt mal "It's getting boring by the sea" raus und "Don't Ask" raus. Zwei Lieder gespielt und die Party tobte. Eigentlich tobte sie schon nach dem ersten und es gab auch gar nicht viel Moderation, bevor "Heartsink" folgte.

Die Setlist dieses Konzertes war einfach perfekt. Es ging weiter mit "In Time To Voices", dem Titelsong des aktuellen Albums, gefolgt von "When We Wake" vom Vorgänger "Fire Like This". Und genau so ging es weiter. Ein lauter Song folgte auf den nächsten und wenn man gerade anfing die blauen Flecke vom Moshen zu zählen, gab es wieder eine vergleichsweise ruhige Nummer. Das Publikum zeigte sich dabei tanzbereit ("Cold"), mitbrüllfreudig ("Light It Up") und moshpitfähig ("I Wish I Was Someone Better"). Der oben angesprochene Rand war dabei nahezu der einzige Bereich, in den man sich flüchten konnte - riesige Moshpits und Circle Pits bezogen quasi jeden mit ein. Generell herrschte eine sehr partyfreudige, aber auch sehr rücksichtsvolle Atmosphäre. Wer durch Bewegungen Raum zum Tanzen forderte, den ließen die anderen gewähren, wer auf bestem Weg war, die Kontrolle zu verlieren, achtete dabei trotzdem noch darauf, niemanden ernsthaft in Mitleidenschaft zu ziehen.

Kurz vor dem Ende des Hauptblocks kam dann auch der Moment, an dem man sich einfach total fallen lassen kann, an dem die Band vollkommen in der Musik aufgeht und man einfach das perfekte Konzert spürt. Applaus, Schlachtrufe und Getrampel nach dem letzten Song "I Wish I Was Someone Better" waren schier endlos und natürlich wollten danach alle drei Zugaben (oder lieber mehr), als Steven die Wahl zwischen zwei oder drei stellte. Und, passend zur Setlist, waren natürlich auch die Zugaben genial gewählt: "It Is Happening Again" um die Stimmung zu halten, das sieben Minuten lange "Colours Fade" um sie ins Psychotische zu treiben und zum Schluss das kurze, aber aggressive "Je Me Perds" um vollkommen auszurasten.

Die Setlist war bis auf eine Ausnahme mit der in Brighton identisch: Das gewidmete Lied war diesmal "Down Here In The Dark", gewidmet denen, die zum ersten Mal dabei sind. Die Stimmung im Publikum war allerdings anders. Während die Brightoner vor allem textsicher waren und das auch gezeigt haben, wurde in Hamburg bewegungsreicher gefeiert. Es gab kaum ein Lied, bei dem nicht gepogt, gemosht oder zumindest geheadbangt wurde. So war es ein sehr aktiver Genuss - für die Fans und ganz offensichtlich auch für die Band, die auch schwierige Übergänge und Riffs problemlos meisterte, so dass selbst Laura-Mary etwas mehr aus sich herauskam als sonst.