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Warum ich nichts mehr über Facebook organisiere

Ich habe zwar trotz großer Ankündigung meinen Facebook-Account nicht gelöscht, wohl aber neben etlichen flüchtigen Bekanntschaften auch alle meine Gruppen gelöscht. Ich möchte euch erläutern warum und auch dazu ermutigen, den selben Weg zu gehen.

Verbreitung von Informationen

Viele Gruppen existieren bloß, damit eine kleine Personengruppe eine große Personengruppe über Dinge informieren kann. Eine Gruppe ist dafür definitiv der sinnloseste Weg. Wenn man schon Facebook nutzen möchte, kann man einfach eine Gruppenunterhaltung erstellen. Wenn man es etwas klarer trennen möchte, wer informiert und wer informiert wird, ist ein Mailverteiler auch 2017 noch eine gute Lösung. Und für kurze Informationshappen könnte man auch eine WhatsApp-Gruppe oder eher einen WhatsApp-Broadcast verwenden. Alle diese Möglichkeiten bieten eine bessere Darstellung von mehreren aufeinander folgenden Informationen als Facebook-Gruppen.

Nun könnte man argumentieren, dass die Gruppen mit ihrer Kommentarfunktion aber doch praktisch seien, falls Rückfragen auftreten. Das ist aus zwei Gründen nicht so: Erstens, Rückfragen treten vor allem dann auf, wenn die Aussage von vornherein nicht informativ genug war. Gruppen bieten aber keine vernünftige Darstellung für lange Infotexte und stehen daher schon vom Konzept her einem vernünftigen Informationsfluss entgegen. Zweitens, erfahrungsgemäß sind Kommentare auf Facebook eher chaotisch, daher ist eine individuelle Rücksprache effizienter. Außerdem bringen Kommentare die Reihenfolge der Originalposts durcheinander, da Facebook alles nach letzter Änderung sortiert, was nicht hilfreich ist.

Organisation und Absprachen

Kaum eine Plattform ist für Absprachen so schlecht geeignet wie Facebook, Gruppen ganz besonders. Für kurzfristige Absprachen wie Termine sind Gruppen zu überdimensioniert, für mittlere Absprachen wie "wer bringt welchen Salat mit zur Party" schon zu chaotisch. Wird es noch etwas größer (es muss ja auch noch Musik her, und Getränke, und eine Location), verliert man sofort den Überblick, da es keinerlei Sortierungs- oder Markierungsfunktionen gibt. Für die Grillparty muss es vielleicht nicht gleich ein großes Organisationstool wie Trello sein, aber zumindest ein Kommunikationstool wie Slack mit der Möglichkeit, verschiedene Unterhaltungen zu verschiedenen Themen zu führen, sollte drin sein. Oder lieber ganz simpel - ein einfacher Chat in einem beliebigen Messenger und eine Person bestimmen, die alle wichtigen Dinge separat mitschreibt. Sobald es größer wird als die Grillparty, sollte definitiv ein dafür ausgelegtes Organisationstool genutzt werden, beispielsweise Trello, weil dann Themen klar strukturiert und einzelne Informationen und Diskussionen zu Themen zugeordnet werden können, ohne dass irgendwas untergeht.

Marktplatz, Mitfahrgelegenheiten & Co.

Handel ist die dritte Nutzungsart, die ich kennengelernt habe, und auch sie ergibt keinen Sinn. Absprachen zu Angeboten sollten individuell erfolgen, es hat keinen Nutzen für die anderen Gruppenmitglieder, verfolgen zu können, wie etwas an jemanden verkauft wird. Außerdem schieben Kommentare gerade die Angebote immer wieder nach oben, die vermutlich bereits für niemanden mehr zur Verfügung stehen. Zuletzt erreicht man mit einer Gruppe auch immer nur einen beschränkten Personenkreis, was sowohl beim Handel mit Waren als auch mit Mitfahrgelegenheiten und ähnlichem gilt. An den absurd langen Listen von Vorschriften für Gruppen wie "Verschenken und verkaufen in Chemnitz" sieht man, dass Gruppen eigentlich gar nicht geeignet sind. Handel sollte auf Plattformen ausgelagert werden, die darauf spezialisiert sind.

Zum Schluss ein Gedanke, der vielen gekommen sein wird: "Aber auf Facebook erreiche ich doch jeden!" Dazu nur: Wer auf Facebook als Kommunikationsplattform besteht, hat Pech gehabt. Facebook ist ein soziales Netzwerk, man kann sich dort mit anderen Menschen verknüpfen und mit diesen in Kontakt bleiben. Dafür ist es gut. Für alles andere nicht. Wer Informationen will, sollte seine E-Mails lesen. Wer etwas organisieren will, sollte sich überwinden, ein mächtiges Tool wie Trello auszuprobieren, er wird es nicht bereuen. Und ein Account bei BlaBlaCar oder Ebay Kleinanzeigen schadet auch niemandem - man erreicht dort eben nicht nur Freunde, Freunde von Freunden und Freunde von Freunden von Freunden, sondern auch Oma Schulze von 300 Kilometer weiter, die deine alten Gardinen kaufen möchte (die du deinen Facebook-Freunden niemals hättest andrehen können). Ihr müsst euch ja nicht gleich bei Facebook löschen - aber löst euch davon, dass es das Tool für alles ist.



K wie Kommentare im Blogger-Alphabet

Kommentare sind eines der wichtigsten und ausschlaggebendsten Dinge für einen Blog und die Blogger-Community lebt davon. Trotzdem gibt es viele Blogs, die kaum Kommentare erhalten oder sie sogar deaktivieren. Letzteres oft, um Angriffen aus dem Weg zu gehen - aber auch das Deaktivieren der Kommentare bei alten Posts ist üblich, um Spam zu vermeiden. Mein Blog ist lediglich durch einen Captcha geschützt, den nur neue Kommentatoren lösen müssen, außerdem habe ich einen recht simplen Spamfilter (ohne automatisches Lernen). Der Rest wird moderiert. Ich erhalte recht wenig Spamkommentare und leider auch sehr wenig echte, so dass sich die Arbeit in Grenzen hält.

Viele meiner Leser kommen über Facebook und kommentieren gelegentlich dort, andere sind nicht-blogaffine Verwandte und Freunde, die mich persönlich ansprechen, statt hier zu kommentieren. Darüber freue ich mich natürlich auch, wobei es mich schon wurmt, dass die meisten Artikel hier leer ausgehen. Daher wird es demnächst wohl ein Plugin geben, das Facebook-Kommentare als Kommentar auf dem Blog anzeigt.

Wenn ich mal selbst anderswo kommentiere, erhalte ich zumindest eine Zeit lang selbst auch mehr Kommentare. Vor allem bei Blogparaden wie dieser hier, aber auch, wenn Leute sich eine Weile als Leser auf meinen Blog verirren. Das funktioniert allerdings nur bei eher kleinen Blogs zuverlässig - viele Autoren größerer und großer Blogs scheinen nicht die Zeit oder das Interesse zu haben, sich alle ihre Leser anzuschauen. Das führt auch dazu, dass ich Artikel auf großen Blogs seltener kommentiere, und kleinere Blogs lese ich zurzeit recht wenige.

Man merkt sowieso schon an den Fragen, die zu dieser Ausgabe des Blogger-Alphabets mitgeliefert wurden, dass ich eher weniger aktiv bin - von Kommentaren pro Tag, die ich schreibe, kann nicht die Rede sein. Mir ist eben nicht immer danach. Dafür wird selbstverständlich alles beantwortet, was auf meinem Blog erscheint! Auch verfolge ich, wenn ich mal kommentiere, alle Folgekommentare. So bin ich zwar kein großer Schreiber, aber wenn, dann recht kommunikativ.



E wie E-Mail im Blogger-Alphabet

Irgendwie bin ich wohl mit den Terminen durcheinander gekommen, hab ich doch schon wieder eine Runde verpasst. Macht nix, E-Mail ist ein Thema, über das ich gerne rede, also darf dieser Eintrag getrost als normaler Eintrag und nicht so sehr als von einer Aktion provozierter Eintrag betrachtet werden.

Mit dem Blog haben E-Mails freilich nichts zu tun. Kein Mensch schreibt mir E-Mails über oder wegen meines Blogs. Ich habe keinen Newsletter und keine Kooperationen auszuhandeln. Keine Signatur für den Blog. Trotzdem schreibe ich eine Menge Mails, und ich erhalte auch einige, denn ich halte E-Mail als Kommunikationsmöglichkeit keineswegs für veraltet.

E-Mails haben einen entscheidenden Vorteil: Man kann über eine Methode seiner Wahl auf sie zugreifen. Auch ohne seinen eigenen Mailserver, wie ich einen habe, hat man sehr viel mehr Kontrolle über seine Mails als über seine Facebook- oder WhatsApp-Nachrichten. Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich auf Facebook gesperrt - zack, Kontrollverlust, alle Nachrichten weg. Nach der Entsperrung waren die wieder da, aber für einen Monat konnte ich nichts nachlesen, was dort kommuniziert wurde. Auf WhatsApp hat man genauso wenig Kontrolle.

Nun sagen heutzutage viele, E-Mail sei langsam und unpraktisch. Für die schnelle Unterhaltung zwischendurch stimmt das sicher - die führe ich auch auf WhatsApp, wenngleich mir persönliche Gespräche lieber sind. Mit einigen Freunden unterhalte ich mich aber typischerweise in langsameren Rhythmen, dafür detailreicher und tiefgründig, dafür eignet sich E-Mail wunderbar. Früher hätte man Briefe geschrieben (und tatsächlich mache ich das auch heute noch manchmal). Viele kluge und ernste Gedanken werden auf diesem Wege ausgetauscht, und ich würde diese Gedanken nicht gerne einem undurchsichtigen Dienstleister wie Facebook anvertrauen, nicht, weil die mitlesen könnten, sondern weil sie auch meinen Zugriff darauf bestimmen.

Etwas unpraktisch finde ich E-Mail allerdings auch selbst. Und zwar vor allem, weil die Entwicklung von E-Mail-Software offenbar vor zehn Jahren stehen geblieben ist. Nahezu jedes Mailprogramm ist hässlich, viele sind unübersichtlich und alle sind unflexibel. Nur ein einziges (und ich habe wirklich lange gesucht und viele ausprobiert) bietet die Darstellung, die ich gerne hätte: Nämlich - ironischerweise - die, die Facebook verwendet, Nachrichten gruppiert nach der Person / den Personen, die an der Unterhaltung beteiligt sind.

Die Sortierung nach Datum ist schlicht unpraktisch, weil dann alte Nachrichten die Liste unnötig in die Länge ziehen (weil z.B. Ina mir schon dreimal wieder geschrieben hat, wodurch die letzte Nachricht meiner Mutter nach unten rutscht). Gruppierung nach Betreff funktioniert eher mäßig, manche Programme nutzen Konversations-IDs, das funktioniert recht gut, aber die Darstellung ist dann ausgesprochen hässlich oder erneut unpraktisch (weil z.B. bei Evolution plötzlich die Sortierung innerhalb einer Konversation kaputt geht). Und das einzige Mailprogramm, das eine Facebook-ähnliche Darstellung bietet, gibt es nur für Mac - obwohl das Feature offenbar gefragt ist, kümmert sich niemand darum. Aber genug davon, warum auch mich die Verwendung von E-Mails gelegentlich nervt.

Selbst mit der Position, dass E-Mail für den privaten Gebrauch unpraktisch ist, ist es schockierend, wie wenig Menschen in meiner Generation offenbar noch mit Mails vertraut sind. Schließlich öffnen sich da gerade, ganz langsam, aber endlich, immerhin, ganz wunderbare Wege, Kommunikation zu verbessern. 16 Jahre nach der Jahrtausendwende ist es tatsächlich so weit, dass ich nahezu jede Kommunikation digital abwickeln kann: Meine Krankenversicherung akzeptiert alles digital. Meine anderen Versicherungen zumindest dann, wenn ich Unterlagen ausdrucke, unterschreibe, einscanne und zurück e-maile. Die Uni ebenso, gelegentlich sogar ohne Ausdrucken und Unterschreiben rein digital, wenn ich die E-Mail signiere (die Uni bietet geprüfte Signaturen1 an, die tatsächlich eine Aussagekraft haben). Selbst die Stadtverwaltung akzeptiert meine Unterlagen per Mail, solange ich die Seite mit der Unterschrift ausdrucke und im Original einreiche.

Dennoch treffe ich manchmal Kommilitonen, die erstaunt sind, woher ich irgendwelche Informationen habe. Dabei lese ich bloß regelmäßig meine Mails... bin einigen Mailverteilern beigetreten und erhalte so viele wertvolle Informationen rund um mein Studium. Denn vieles wird immer noch per Mail verteilt, weil sich Facebook & Co dafür einfach nicht eignen. Soziale Medien sind zu kurzlebig für wichtige Informationen und sie erreichen auch nicht jeden - selbst wer angemeldet ist, bekommt dank undurchsichtiger Algorithmen nicht alles angezeigt, was er sehen möchte.

Ich kann mir vorstellen, dass Papierpost irgendwann ausstirbt, aber ich hoffe, dass die E-Mail nicht durch chatartige Kommunikationsformen ersetzt wird, wie sie im privaten Bereich gerade sehr dominant sind. Die Vorstellung, Nachrichten vom Prüfungsamt auf WhatsApp suchen zu müssen, finde ich nämlich ziemlich gruselig.

  1. Eine Signatur soll digital die Unterschrift ersetzen - nur ich, der eine bestimmte Datei und ein dazu passendes Passwort besitzt, kann eine gültige Signatur mit meinem Namen an eine E-Mail hängen.


Was ich an moderner Kommunikation mag und was nicht

sonnenuntergang_3freunde.jpgModerne Medien sind inzwischen gar nicht mehr so modern und verändern den Alltag nicht nur von jungen Menschen, sondern zunehmend auch den der älteren Generation. Vor allem die erweiterten Möglichkeiten der Kommunikation sind durch günstige DSL-Flatrates und bezahlbare Tarife für mobiles Internet bei nahezu jedem angekommen.

Das ist zunächst einmal eine wunderbare Sache. Ich lerne viele Menschen kennen und habe inzwischen Kontakte, die mir wichtig sind, in Ungarn, Tschechien, Schweden, England, Island und den USA. Könnte ich diese Menschen nur per Post oder Telefonferngespräch erreichen, wäre es sehr kostspielig, den Kontakt zu halten. Mit E-Mails ist schon vieles einfacher, aber dank Facebook und WhatsApp bekomme ich sehr schnell sehr viel aus dem Leben meiner Freunde mit und kann sie noch schneller erreichen, auch wenn ich unterwegs bin - und unterwegs habe ich tendenziell am meisten Zeit dafür.

Einige Aspekte sind allerdings sehr nervig. So ermöglichen die großen sozialen Netzwerke nicht nur den Spionagebehörden, sondern auch den Nutzern allerlei Kontrolle. Ich weiß stets, wer meine Facebook-Nachrichten wann gelesen hat (außer wenn die Funktion mal wieder nicht korrekt funktioniert, was ich aber dann nicht weiß). Auch meine Freunde sehen immer, wann ich ihre Nachrichten gelesen habe und wieviel später ich dann geantwortet habe. Letzteres lässt sich bei WhatsApp abschalten, man verzichtet dann aber auch automatisch auf die entsprechende Information über die Gegenseite. Nicht wenige mit angekratztem Ego oder wenig Vertrauen werden da paranoid und machen sich schnell Gedanken, wieso denn nun gerade mal keine Antwort kommt. Das ist schade, denn meistens gibt es gar keinen relevanten Grund.

Außerdem ist es auch absolut ok, mal ein paar Tage Schweigen stehen zu lassen. Online-Kommunikation ist immer kontinuierlich, es gibt kein Ende, Begrüßung und Verabschiedung werden nur noch selten verwendet. Da wirkt es merkwürdig, nicht zu kommunizieren - aber im Offline-Leben wäre das völlig normal. Nicht ok ist es hingegen, nur sehr unregelmäßig überhaupt zu antworten und immer darauf zu warten, dass sich der Gesprächspartner wieder meldet. Das ist wie angerufen werden, aber oft nicht dran gehen und nie zurück rufen - einfach unhöflich.

Manchmal ist auch einfach alles gesagt. Die schönste Form der Kommunikation ist immer noch das persönliche Treffen. Und manchmal gibt es diesen Moment, in dem man einfach nur noch da sitzt und schweigt und alles ist gut. Dann kann Stille sogar sehr schön sein. Voraussetzung ist, keiner der Anwesenden leidet unter dem Phänomen des "Ruhe nicht ertragen können" - denn ein stiller Moment der Freundschaft (oder auch einfach nur ein gutes persönliches Gespräch) wird durch das Zücken des Smartphones effektiv zerstört.

Am Besten gefällt mir digitale Kommunikation, wenn sie so genutzt wird wie "analoge", direkte Kommunikation. Wenn ich mit Freunden auf Facebook mal kurzen, schnellen Austausch habe und mal lange Nachrichten mit tiefgründigem Inhalt schreibe. Wenn Telefonieren immer noch eine Option ist und das Handy bei persönlichen Treffen stumm bleibt. Soziale Medien können Menschen näher zusammen bringen. Sorgt dafür, dass sie uns nicht weiter auseinander drängen.

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Foto von rabiem22 auf Flickr unter CC BY 2.0



Kommunikation an der Supermarktkasse

Die besten Erlebnisse im Supermarkt hat man an der Kasse. Auf engem Raum kommen viele Menschen und noch mehr Produkte zusammen, doch die Aufmerksamkeit zieht vor allem eines auf sich: Das Kassenband.

Auf dem Kassenband werden auf verschiedenste Art Waren gesammelt - mit militärischer Genauigkeit angeordnet, vorsortiert in der Einpackreihenfolge, hoch aufgetürmt, um ja nicht warten zu müssen, bis das Band vorrückt oder mit riesigem Abstand zu den Waren des Vordermanns, um auch ja genug Diskretionsabstand zu wahren. Sofern vorhanden, werden die eigenen Waren mit eiserner Härte von denen der anderen Kunden abgetrennt - der Warentrenner wird auf das Band geschlagen wie ein Zaunpfahl in harten Boden.

Kommunikation unter den Wartenden ist streng verboten. Hat man etwas vergessen und wagt es, zurück zu laufen, während der restliche Einkauf bedrohlich nach vorne rückt, erntet man finstere Blicke der umstehenden Kunden. Mit der Flasche Ketchup in der Hand wird dann brav schweigend gewartet, bis der nächste Kunde jedes Teil nach reiflicher Überlegung an seinen Platz gelegt hat, um sich dann (schweigend) an ihm und seinem Einkaufswagen vorbei zu quetschen und den Ketchup dem eigenen Einkauf hinzuzufügen.

Die Kommunikation mit der kassierenden Person hingegen folgt einem strengen Protokoll. Hallo, waren Sie mit dem Einkauf zufrieden, wollen Sie die Treuepunkte, haben Sie vielleicht 3 Cent klein. Die letzte Frage rechtfertigt auch stundenlanges Wühlen im Portemonnaie und das Zusammenkratzen von 27 Cent in 1-Cent-Stücken. Rentner zählen dreifach beim Abzählen der Kunden zur Ermittlung der kürzesten Schlange.

Wollen Sie den Kassenzettel?



Sieg der Mehrheit

Seit ein paar Tagen bin ich WhatsApp-Nutzer. Wie immer, wenn ich einen meiner Grundsätze umwerfe, ringe ich ein bisschen mit mir selbst, ob das wohl so gut war, daher werde ich meine Gedanken mal ordnen. Ich war einer der letzten in meinem Freundeskreis, der einen Internetanschluss bekam, ich habe erst seit 2004 ein Handy und erst seit 2014 ein Smartphone. Das mag seltsam erscheinen, schließlich begann ich, Programmieren zu lernen, als ich 9 war, und zerlegte unseren PC im Wohnzimmer, bevor mein Vater verstanden hatte, in welcher Reihenfolge man die SCART-Kabel am Videorekorder anschließen musste (ich bin mir nicht sicher, ob er es je verstanden hat). Aber es war bei allen drei einfach kein Bedarf da - vielleicht fühlt sich die Entscheidung für WhatsApp deswegen etwas anders an.

Denn Bedarf besteht da nach wie vor nicht. Es war diesmal vielmehr das Wegfallen von Gründen für meinen Widerstand.

  • Kommunikation per E-Mail kann ich schon lange nicht mehr durchsetzen und schlimmer als Facebook sind SMS und Threema1 nun auch nicht. Und anders erreicht man heutzutage einfach niemanden mehr.
  • Sicherheit? Mit vielen Personen, die ich nun per WhatsApp erreichen kann, kommunizierte ich bislang per SMS. Die sind nichtmal während der Übertragung verschlüsselt.
  • Datenschutz? Dass ich mich nicht von Facebook abmelden werde, habe ich schon vor längerem entschieden. Seit ich ein Smartphone nutze, lagern meine Kontakte auch wieder bei Google. Da WhatsApp nun zu Facebook gehört, ist es einfach irrational, es aus Misstrauen nicht zu nutzen.
  • Sicherheit, zum zweiten? WhatsApp fordert irrsinnig viele Berechtigungen auf meinem Telefon. Seit Android 4.3 kann man darüber aber die Kontrolle erlangen. In der Tat versucht WhatsApp gelegentlich ohne Anlass, meinen Standort abzufragen oder meine Kontakte zu ändern - das habe ich ihm nun schlicht verboten.
  • Sicherheit, zum dritten? WhatsApp ist bekannt dafür, Sicherheitslücken nur langsam zu schließen. Das passt mir gar nicht. Vielleicht ein Grund, warum ich noch ein seltsames Gefühl dabei habe.

Bei den drei vorhergehenden Kommunikationserweiterungen - Internet, Handy, Smartphone - war einfach irgendwann die Zeit reif. Ich habe vorher ohne überlebt, nun möchte ich keins mehr abgeben. Vermutlich wird auch WhatsApp schon bald normal sein - es zwingt mich ja auch niemand, es ständig zu nutzen, und auch Fotos und Sprachnachrichten sind verzichtbar.

An rationalen, schlagkräftigen Argumenten bleibt jedenfalls nur eins: WhatsApp ist nur verfügbar, wenn Internet verfügbar ist - im Gegensatz zu SMS, die quasi immer zugestellt werden können. Da mit dem Smartphone aber auch das mobile Internet bei mir Einzug gehalten hat und ich sowieso noch nie ein Fan von wirklich ständiger Erreichbarkeit war, ist das kein Problem (und SMS sind ja nicht abgeschafft). Ich werde mich also vermutlich in einer Weile daran gewöhnt haben, dass meine Standard-Kommunikations-App auf dem Handy nun etwas anders aussieht. Bevorzugt sind sowieso immer noch Telefon und persönliches Treffen - aber mit den Gründen dafür könnte man einen weiteren Blogeintrag füllen.

  1. Als sicherer und vertrauenswürdiger geltende WhatsApp-Alternative


Einen positiveren Lebensstil entwickeln

Ich habe heute den nachrichtenreichsten Feed aus meinem Feedreader geworfen und erhalte nun keine Nachrichten mehr von heise online. Damit erhalte ich über meinen automatischen Reader keinerlei konventionelle Nachrichten mehr - alle anderen Nachrichtenportale mussten schon vor längerer Zeit weichen, auch die Tageszeitung habe ich abbestellt. Nur die Tagesschau in 100 Sekunden ist geblieben, damit ich zumindest nicht verpasse, falls die EU pleite geht oder Deutschland Kriegsgebiet wird, ergänzt von Radio Chemnitz für die Geschehnisse direkt um mich herum.

Bei direkter Kommunikation mit anderen Menschen war ich noch nie besonders gut und bin es auch heute nicht. Klar fällt es mir mit einigen leicht mich stundenlang zu unterhalten und darüber bin ich dann stets sehr froh, aber Gespräche selber anzetteln liegt mir nicht. Und wenn, dann werden es schnell unerfreuliche Themen und Genörgel. Das ist mir kürzlich aufgefallen und die Erkenntnis kam überraschend, denn eigentlich bin ich ein sehr positiver Mensch.

Nun kann man sicher argumentieren, dass wir nicht gerade in positiven Zeiten leben und es schwer ist, im Blick auf die gesamte Welt positive Gedanken zu haben. Dem setze ich entgegen, dass wir uns nicht mit allem beschäftigen sollten, was in der Welt passiert. Durch die vorherrschende Globalisierung kommen wir nicht ganz darum herum - aber ich muss nicht wissen, wieviele Menschen diese Woche in welchen Ländern wodurch gestorben sind. Natürlich finde auch ich das sehr schlimm - aber ich bin nicht in der Lage, das alles zu verarbeiten. Und ich kann nicht jeden Tag etwas dagegen tun. Deshalb habe ich meine allgemeinen Nachrichten drastisch reduziert.

Außerdem leidet die Qualität der Nachrichten in den letzten Jahren allgemein. Auch Heise ist davon betroffen, die Artikel verlieren an Qualität und auch die Themenauswahl wird langsam fragwürdig. Darüber hinaus möchte ich auch die Themen, die ihre Berechtigung haben, nicht mehr alle sehen. Ich kann den NSA-Skandal nicht mehr ertragen, mag nicht mehr auf Leute einreden, dass sie ihre E-Mails verschlüsseln sollen, will nicht wissen welche IT-Unternehmen gerade was getan haben. Also weg damit.

Bleibt die Frage, ob mein eigenes Leben positiv genug ist, wenn ich genug Störfaktoren ausblende, oder konkreter die Frage, was in meinem Leben nervt und was mir Freude bereitet. Aus einer Laune heraus (und vielleicht weil ich durch das Studium ein bisschen geschädigt bin) habe ich mal eine schnelle qualitative Analyse erstellt, womit ich dieses Jahr so meine Zeit verbracht habe, und habe zwei Faktoren erkannt, die anscheinend eine Rolle spielen: Gehe ich einer Tätigkeit alleine oder mit anderen nach und handelt es sich um Alltag oder aus der Reihe fallende Ereignisse?

Während die Verteilung von Tätigkeiten alleine und mit anderen insgesamt sehr gleichmäßig ist, gibt es ein starkes Ungleichgewicht bei Aufteilung in positiv, negativ und neutral empfundene Tätigkeiten. Während bei den Tätigkeiten alleine die negativen Einträge fast die Hälfte und mit den neutralen zusammen deutlich mehr als die Hälfte ausmachen, sind diese beiden Kategorien bei den Tätigkeiten mit anderen fast leer. Ich verbringe meine Zeit also wesentlich lieber mit anderen, habe dazu aber oft keine Gelegenheit. Soweit so vorhersehbar. Interessanter ist allerdings, dass die wenigen negativ empfundenen Dinge, in die andere Personen involviert sind, allesamt alltäglicher Art sind. Das stützt eine These von mir, dass wir an allem nach und nach die Lust verlieren, wenn wir uns zu lange, zu oft oder in einem zu hohen Maße unfreiwillig oft damit beschäftigen (zweimal die Woche mag ich meinen Job, täglich nicht).

Was mache ich nun mit diesen Erkenntnissen? Mir fallen spontan zwei Ansätze ein. Zum einen kann ich zwar wenig Einfluss darauf nehmen, welche Uni-Veranstaltungen ich besuchen muss und wieviele Stunden ich in der Woche arbeiten muss, aber ich kann versuchen, die Anteile zu verlagern. Ich kann also daran arbeiten, die mir zur Verfügung stehende Freizeit besser zu nutzen. Dazu passt auch der zweite Ansatz: Negative Stimmung (und von der ging ich ja aus, als ich anfangs feststellte, dass ich mich gefühlt mehr aufrege und beschwere, wenn ich mit Freunden rede) entsteht auch durch die Erwartung und das Bevorstehen von negativ empfundenen Ereignissen. Soll heißen: Wenn meine Ticketliste auf der Arbeit lang ist, wird mich das auch nerven, wenn ich gar nicht im Büro bin. Wenn ich immer noch keine Unterkunft für meinen Urlaub habe, schränkt das meine Vorfreude ein, auch wenn ich gerade gar nicht konkret damit beschäftigt bin. Und zuletzt raubt Aufschieberei Zeit - ich muss mich immer wieder einarbeiten, springe hin und her, nehme Bücher in die Hand, aber nicht lange genug, nichts wird wirklich fertig.

Es hilft also alles nix - ich muss da durch. Den Stoff auch für die langweiligen Vorlesungen sofort aufbereiten, damit er mir in der Klausurphase nicht im Weg steht. Das hat dieses und letztes Semester teilweise schon gut geklappt. Arbeiten in großen Blöcken, damit endlich mal richtig was geschafft wird. Das hat heute mal wieder funktioniert und auch bei meinem Telejob in New York gelingt mir das ab und zu - da wird es dann auch belohnt mit dem geilen Gefühl, an einem Nachmittag 150€ verdient zu haben. Öfter mal spülen, damit ich nicht irgendwann zwei Stunden damit verbringe und anschließend wegen der weichen Finger nicht Gitarre spielen kann, was mich auch noch einer der wenigen erfreulichen Freizeitaktivitäten beraubt, denen ich jederzeit nachgehen kann. Und genau das - Gitarre üben, Fotografieren gehen, Bloggen - auch mal bewusst einbauen, wenn ich absolut keine Motivation für Arbeit oder Uni aufbringen kann, um nicht Zeit zu verschwenden, indem ich missmutig vor dem PC hocke. Auch das hat sich gelegentlich schon bewährt, wenn auch bisher eher unbewusst, und gelegentlich ist dann die Überraschung groß, wie leicht mir manche Lieder schon fallen.

Und was die Gespräche mit Freunden angeht - vielleicht ist es auch dort hinderlich, wenn es zum Alltag verkommt. Manchmal gibt es eben einfach nichts zu sagen, weil nichts passiert ist und niemand in Stimmung ist, über irgendwas eine Diskussion anzufangen. Letztlich macht auch das eine gute Freundschaft aus - sich keine Gedanken zu machen, wenn man mal nichts zu reden hat.



Funkstille

blinkende_kommunikation.jpgEs gibt eine Menge Dinge, die mich kurzfristig aufregen können. Menschen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln die Türen verstopfen, indem sie einfach stehen bleiben, rücksichtslose Autofahrer, laute Nachbarn, ungünstig gelegene Univeranstaltungen oder verspätete Züge. Aber so richtig dauerhaft, regelmäßig und jedes Mal wieder ärgert mich eigentlich fast nichts. Bis auf eine Verhaltensweise, die bei fast allen Personengruppen zu beobachten ist, ganz gleich ob Freunde, Bekannte, Kommilitonen, Arbeitskollegen, Couchsurfer, Sachbearbeiter oder sogar Studienberater, die genau dafür zuständig sind: Immer wieder passiert es, dass ich auf Fragen keine Antwort erhalte, auf Mails keine Reaktion kommt oder schriftliche Gespräche kommentarlos abgebrochen und nicht wieder aufgegriffen werden.

Natürlich gibt es zahlreiche Erklärungen dafür. Veraltete Kontaktdaten oder technische Fehler, die verhindern, dass die Nachricht überhaupt erst zugestellt wird. Nachrichten können in der Masse untergehen - bei WhatsApp, SMS und Facebook im privaten Umfeld, aber auch E-Mail-Accounts von zahlreichen Firmenangestellten nicht unüblich. Unvorhergesehen Ereignisse oder dringende Termine, die einen Abbruch des Gesprächs erfordern. Aber die wenigsten Gründe, die mir einfallen, liefern eine brauchbare Rechtfertigung, vor allem dann nicht, wenn es wiederholt zu Funkstille kommt.

Keinerlei Verständnis habe ich beispielsweise für die beiden Studienberater, die ich in den vergangenen Semesterferien anschrieb, um mich über die von ihnen betreuten Studiengänge zu informieren. Bis heute keine Reaktion. Wenn es an der Masse der E-Mails hängt, liegt das an mangelhafter Selbstorganisation. Falsche Kontaktdaten auf Uniwebsites kommen sicher auch vor, sind aber einfach nicht vertretbar. Und als Studienberater sollte man zumindest irgendwie reagieren - auch wenn man mal nicht alle Fragen beantworten kann.

Für Ämter und Angestellte diverser Unternehmen verhält es sich ähnlich. Klar hat man ein enormes Mailaufkommen, wenn man im Kundenservice arbeitet, aber gerade dann sollte und muss man ein System finden, die Mailflut zu bewältigen oder zumindest im Auge zu behalten, was noch bearbeitet werden muss. Das ist aber noch gar nicht der ärgerlichste Beispiel.

Auch Menschen, mit denen ich im Alltag persönlichen Kontakt habe, sind teilweise erschreckend schlecht erreichbar. Daran, dass im Zeitalter von Facebook niemand mehr auf gewöhnliche E-Mails antwortet, habe ich mich ja gewöhnt. Dass SMS ignoriert oder vergessen werden, kann man vielleicht mit WhatsApp begründen - wo ich nicht angemeldet bin, was aber ja im Wesentlichen wie SMS funktioniert, weswegen es mir nicht logisch erscheint, letztere zu vernachlässigen. Ist es so schwer, wenn man seine Nachrichten jederzeit lesen kann, dann innerhalb von ein, zwei Tagen zumindest mal darauf zu reagieren?

Da mich das Thema wirklich beschäftigt, spreche ich immer wieder Personen darauf an. Verständnis ernte ich selten, dafür Aussagen wie "Ja, SMS / Mails lese / beantworte ich nie" oder "Manchmal bin ich einfach zu faul" oder "sorry, vergesse ich ständig". Was sagt denn das aus? Sind soziale Kontakte nicht mehr wichtig? Können wir die Menschen, mit denen wir uns abgeben, nach unserem bevorzugten Kommunikationsmedium aussuchen? Und ist es normal, dass Kommunikation nicht mehr aus Dialogen besteht, sondern aus dem Senden einzelner Nachrichten ins Irgendwo?

Die Hochzeit von ICQ und MSN ist noch gar nicht so lange her. Damals gab es im Chat zahlreiche Statuszustände, die auch rege genutzt wurden: Verfügbar, Abwesend, Lange Abwesend, Beschäftigt, Sehr beschäftigt (nicht stören). Heute funktioniert nicht mal der Onlinestatus bei Facebook noch ordentlich, man kann nicht davon ausgehen, dass eine Person tatsächlich anwesend ist. Dafür gibt es nun Hinweise, wenn Nachrichten gelesen wurden - was zu allerlei Ärgernissen führen kann, da niemand genau weiß, wann diese Hinweise erzeugt werden, ganz davon abgesehen dass sie anscheinend auch technisch unzuverlässig sind.

Unser moderner Alltag und unsere Lebensumstände erlauben es nicht mehr, dass wir uns für jedes Gespräch persönlich treffen; selbst Telefonate sind nicht immer möglich. Wir sollten mit digitaler schriftlicher Kommunikation also wieder sorgfältiger umgehen, auch wenn sie so einfach ist wie nie zuvor.