Musik-Neuentdeckungen 10/2014

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Knife Party - Bonfire
Emiliana Torrini - Gun
Ihr bringt den Namen Emiliana Torrini sofort in Verbindung mit "Jungle Drum" und findet es zum Davonlaufen? Nun, löst euch von dieser Vorstellung. Der Rest des Albums klingt... sehr anders. Ruhiger, teilweise, "Gun" allerdings besteht im wesentlichen aus diesem großartigen dramatischen und doch simplen Gitarrenriff, das mich in zwei Sekunden gepackt hatte.


Photography Challenge - Sunset

Sonnenuntergänge (und Sonnenaufgänge, die ebenso schön sein können) sind wohl eines der beliebtesten Motive in der Landschaftsfotografie. Ich muss zugeben, dass einer der Gründe, warum ich mich vor allem Konzerten widme, der ist, dass ich da nicht auf gutes Wetter oder die passende Uhrzeit warten und auch keine geeignete Location suchen muss. Umso mehr freut es mich, wenn sich in meiner direkten Umgebung schöne Motive bieten. Die beiden folgenden Fotos sind von 2011 aus meiner Zeit in Herne und entstanden am selben Abend. Das erste zeigt den Blick von meinem Balkon, das zweite den Bochumer Hauptbahnhof, der 15 Minuten mit der U-Bahn entfernt war und den ich gerade ansteuern wollte, als mir das Licht draußen auffiel.

Sonnenuntergang Balkon HerneSonnenuntergang Bahnhof Bochum

Wer auf HDR-Bilder steht, kann sich auf Sonnenuntergänge stürzen. Eine vernünftige Belichtung zu finden ist schwierig und nicht immer gibt die Szene es her, mit Silhouetten zu arbeiten. Das folgende Motiv ist spontan beim Autofahren irgendwo zwischen Hagen und Bochum entstanden.

Sonnenuntergang irgendwo zwischen Hagen und Bochum

Da Josh in seinem Artikel schon mehr gesagt hat als ich gewusst hätte, belasse ich es heute mal beim Zeigen der Fotos.



Photography Challenge - Silhouette

Silhouetten treten in der Fotografie eher zufällig auf, es sei denn, man hat reichlich Kunstlicht zur Verfügung. Ich arbeite nie im Studio, besitze keinerlei Lichtequipment und habe auch nicht vor das zu ändern - denn mein Lieblingsgebiet ist stets mit ausreichend Effekten ausgestattet. Bei Konzerten bekommt man schnell eine Gelegenheit, Künstler im Gegenlicht zu fotografieren. Zu den interessanteren Varianten gehören Aufnahmen gegen Stroboskoplicht - Farben werden vollkommen vernichtet, es gibt nur noch schwarz und weiß im angestrahlten Bereich. Leider ist das Timing dabei sehr schwer und es ist fast unmöglich, auch noch den Fokus richtig zu setzen.

Traumzeit 2013 Freitag - Editors

Den Gitarristen der Editors habe ich immerhin halbwegs erwischt. Das Konzert war großartig, aber fototechnisch extrem anstrengend, da nicht nur massenhaft Stroboskoplicht zum Einsatz kam, sondern generell sehr wenig anderes Licht, so dass es schlichtweg sehr dunkel war.

Serengeti - 0001 Chase & Status

Ganz anders bei Chase & Status im selben Jahr auf einem anderen Festival. Alleine die riesige Videowand hat eine großzügige Beleuchtung abgegeben. Das Foto ist entsprechend einfach zufällig entstanden, als gerade kein Frontlicht auf den Schlagzeuger gerichtet war. Ich bin ein bisschen neidisch auf das Drumset. hahahah

Im Hintergrund ist übrigens ein anderer typischer Konzertfoto-Effekt zu sehen: Die Kamera kann das Licht der LED-Scheinwerfer nicht korrekt verarbeiten. LEDs geben auf einem sehr schmalen Wellenlängenspektrum sehr intensives Licht ab, dadurch reißen die Farben aus. Auch auf dem oberen Foto ist der Effekt im Hintergrund zu sehen. Abhilfe schafft leider nur das Vermeiden von LED-Lichtquellen im Bildausschnitt, denn die wenigsten Beleuchter arbeiten mit Diffusorfolien, die das Licht zwar weicher machen, aber wie alle Filter auch die Helligkeit mindern.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie, die restlichen Beiträge sind ebenfalls unter dem Tag 30dpc zu finden.



Fernbusreisen - schnell und bequem oder nur billig?

Die Gewerkschaft der Lokführer streikt wild und Zugreisen sind unzuverlässiger denn je. Ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, ob Fernbusse inzwischen das kleinere Übel sind.

FlixBus

Da wäre der vom Preis her billigste Anbieter FlixBus. Anfangs mit durchschnittlichem Streckennetz und immer wieder ausfallender Website, inzwischen mit anständigem Netz und funktionierender Website. Der Support ist freundlich und hilfreich (getestet auf Twitter). Fahrzeiten sind teilweise etwas kürzer bei der Konkurrenz, da anscheinend Fahrer besser geplant werden, um vorgeschriebene Pausen nicht auf Kosten der Fahrgäste durchzuführen. Es kommt allerdings auch öfter zu Verspätungen durch Staus und Berufsverkehr. Mit den Fahrzeugen hatte ich bisher nur gute Erfahrungen.

BerlinLinienBus

Ebenfalls sehr günstig und am Längsten etabliert ist BerlinLinienBus, die allerdings immer noch vor allem um Berlin herum aktiv sind. BerlinLinienBus fährt am meisten kleine Orte und Orte im Ausland an. Die Busse sind teilweise so leer, dass ich keine Ahnung habe, wo die Wirtschaftlichkeit bleibt. Möglicherweise liegt es an der Ausstattung - als einziger Anbieter habe ich hier mal einen wirklich alten Linienbus statt eines modernen Reisebusses vorgesetzt bekommen.

MeinFernBus

Auch aus Berlin, aber mit dem in Deutschland dichtesten Streckennetz ausgestattet ist MeinFernBus. Auch hier gibt es längst nicht Verbindungen von überall nach überall, aber die Versorgung großer Städte ist hier am Besten und es gibt tagsüber oft mehrere Verbindungen und auch einzelne Nachtbusse, zudem bietet die Website Verbindungen mit Umsteigen an. Support auf Twitter ist trotz Account nicht vorhanden. Die Fahrer bei MeinFernBus setzen teilweise rigoros Gepäckauflagen durch, mein kleiner Fotorucksack musste daher schonmal in den Gepäckbereich. Preislich liegt MeinFernBus prinzipiell im Mittelfeld, durch die große Beliebtheit sind die günstigen Preise aber oft schon sehr früh ausgebucht. Während FlixBus dies auf Nachfrage mitteilt, ist es bei MFB nicht möglich, herauszufinden, ab wann bestimmte Verbindungen gebucht werden können und es gibt auch kein einheitliches Konzept dafür (manche Verbindungen jetzt im Oktober bis Januar, manche nur bis Ende November).

DeinBus

DeinBus hat vieles ins Rollen gebracht, als sie von der Bahn für ihr Bus-Mitfahrgelegenheitssystem verklagt wurden, den Prozess aber gewannen. Das Netz ist seitdem aber dürftig geblieben, bei mir im Osten gibt es gar nichts. Dafür bieten sie aber als einziger Anbieter einen einheitlichen Online-Sparpreis von 9€ auf alle Strecken. Auf Fragen per Twitter kommt immer eine Reaktion, Praxiserfahrungen konnte ich leider bisher keine sammeln.

City2City

City2City hat inzwischen das Geschäft aufgegeben, trotzdem möchte ich meine Erfahrungen kurz aufschreiben. Meine einzige Fahrtbuchung gestaltete sich leider recht kompliziert, da das Bezahlsystem versagte, so dass Telefonsupport in gebrochenem Deutsch nötig war. Grund war das System für die Sitzplatzreservierung (das übrigens ein Alleinstellungsmerkmal war). Der Fahrer begrüßte mich dann mit Namen und ich wurde pünktlich und komfortabel von A nach B transportiert, allerdings mit sehr wenig anderen Fahrgästen, daher wohl auch der wirtschaftliche Untergang. Schade. Wie bei BerlinLinienBus gab es hier Schüler- und Studentenrabatt.

ADAC Postbus

Ebenfalls kränkelnd ist der ADAC Postbus. Bei den gelben Bussen ist meine Meinung gespalten - nein, falsch, meine Meinung über die gelben Busse ist eigentlich eindeutig. Ich bin noch nie so bequem Bus gefahren wie mit dem ADAC Postbus. Wesentlich größere Beinfreiheit als bei allen anderen Anbietern, als einziger Anbieter Busse mit Dreipunktgurten und ansonsten komfortabel wie die Konkurrenten. Es sind stets zwei Mitarbeiter an Bord, damit Gepäck, Fahrkarten und Snack/Getränkeversorgung schnell abgewickelt werden können. Hier habe ich als einziges die Fahrradmitnahme getestet, da dies durch eine Aktion kostenlos war. Das Fahrrad wurde im Gepäckraum stehend verstaut - fühlt sich wesentlich sicherer an als der Gepäckträger hinten dran. Leider sind die Preise hier mit Abstand am Höchsten, was durch den Mehrkomfort noch vertretbar wäre, aber auch die Fahrpläne sind deutlich komplizierter als bei der Konkurrenz. Allzu oft gibt es bei der Suche nach Verbindungen keinen Treffer und es ist nicht erkennbar, ob auf der jeweiligen Strecke einfach keine Busse fahren oder nur an dem Datum, denn der ADAC Postbus bietet aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht an jedem Tag jede Verbindung an. In Kombination führt das dazu, dass ich meistens gar nicht erst nachschaue, ob der Postbus eine Alternative zu den anderen Anbietern ist.

Fazit

Schafft man es, auf der gewünschten Verbindung einen günstigen Bus zu buchen, wird man in der Regel pünktlich, komfortabel und sicher transportiert. Grobe Zwischenfälle gab es keine, vorteilhaft ist die Unterbringung des Gepäcks im verschlossenen Gepäckraum - das empfinde ich als sicherer als die Ablage meines Rucksacks im Gepäckständer am anderen Ende des Großraumwagens im Intercity-Zug. Beim Sitzkomfort kann der ADAC Postbus punkten, BerlinLinienBus schwankt hier stark.

Mit Verspätungen zu Stoßzeiten ist zu rechnen, Verbindungen zu diesen Zeiten werden von manchen Anbietern mehr, von manchen weniger angeboten. Ein großes alle Anbieter betreffendes Problem ist das unklare System der Ticketverfügbarkeit. Hat man den besten Zeitpunkt verpasst und andere Fahrgäste haben sich die günstigeren Tickets geschnappt, ist der Preisvorteil gegenüber dem Zug schnell weg, die oft höhere Fahrzeit bleibt aber natürlich bestehen. Durch Kontrollen wird diese noch wesentlich verlängert (von vielleicht 20 Fahrten wurde mein Bus bisher einmal kontrolliert). Ein Allheilmittel sind Fernbusse also keineswegs - aber das überrascht jetzt vermutlich die Wenigsten.



Musik-Neuentdeckungen 9/2014

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Inxs - Need you tonight
MetroGnome - Breaking Bad Remix
Was der da macht, möchte ich auch gerne können. Da gehört leider ne ganze Menge mehr zu, als am Ende mit den Triggern alles auszulösen.
Goran Bregović - Kalashnikov
Über sowas stolpert man, wenn man Couchsurfing-Hosts im Ausland sucht. Geht ganz gut ab, ist auch sehr witzig anzuschauen wie das Publikum so reagiert. Bloß keine Ahnung was der Text bedeutet.
El-P feat. Trent Reznor - Flyentology (Cassettes Won't Listen Remix)
Nochmal Breaking Bad-Soundtrack, diesmal original. Eine rauschende Meth-Party, total kaputte Gäste und eine richtig fette Anlage. Dieser Song passt perfekt dazu: Druckvoller Bass, wabernde Bass-Synthis, rauhe Vocals. Geiles Ding. Ich brauche neue Boxen.


616 Tage

Das Projekt 55 in 777, angelehnt an das Day Zero Project, soll über einen großen Zeitraum kleine und große Erfolge sichtbar machen. Dafür habe ich eine Liste mit 55 großen und kleinen messbaren Dingen erstellt und verfolge diese nun 777 Tage lang. So sah diese Liste am Anfang aus. Der Übersichtlichkeit halber habe ich Kommentare zu bereits im letzten Check abgeschlossenen Punkten entfernt.

Gesamtstand: 14/47
Letzter Tag: 20. Februar 2015

Sport / Ernährung

  1. 100 Liegestützen schaffen (?/100)
  2. 200 Sit-Ups schaffen (37/200)
  3. :check: 500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück legen
  4. 2 Wochen vegan leben (0/2)
  5. 10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen (2/10)
    Pizza nach italienischer Art (die tatsächlich anders ist als die deutsche); Tofu nach vietnamesischem Rezept. Gar nicht so einfach, typische Nationalgerichte enthalten meistens Fleisch!
  6. Zu Weihnachten mindestens 10x backen (5/10)
  7. :check: Marmelade selber machen
  8. :check: Pudding selber machen

Digital

  1. Alle 77 Tage ein Update dieser Liste posten (7.5/10)
  2. 100 Artikel schreiben, die nicht Teil einer Serie sind (96/100)
  3. Mein gesammeltes Videomaterial von TEN SING zusammenschneiden (0/3)
  4. :check: 15 Beiträge zu Habari leisten (veröffentlichte Plugins oder Themes oder Core-Bugfixes)
  5. Eine Woche offline gehen (3/7)
    Beim Jugendcamp war ich immerhin schonmal drei Tage offline, bei der Interrail-Reise wird es sich sicher auch noch länger ergeben.
  6. 1000 Posts erreichen (988/1000)

Foto / Musik

  1. Portfolio mit min. 20 Fotos pro Kategorie füllen (24/60)
  2. 100 Songs am Schlagzeug vollständig spielen können (31/100)
  3. 50 Songs am Bass spielen können (10/50)
  4. 10 Songs an der Gitarre spielen können (0/10)
  5. :check: Weiterhin min. 1x im Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen
  6. Einen Film selber entwickeln
  7. Einen "Lost Place" besuchen
  8. Beide CD-Regale füllen (133/174)

Reisen

  1. :check: Beim Kirchentag in Hamburg dabei sein
  2. Beim Rothaarigentag in Breda dabei sein
    Dieses Jahr hatten wir selbst einen Auftritt an dem Wochenende. Damit klappt es in diesem Zeitraum leider nicht mehr.
  3. :check: Beim YMCA-Festival in Prag als Volunteer dabei sein
  4. Eine Interrail-Reise machen
  5. :check: In einem Nachtzug schlafen
  6. Eine Reise nur mit Couchsurfing bestreiten
  7. Eine Reise mit mindestens einer Übernachtung nur mit dem Fahrrad bestreiten
  8. :check: Eine Deutschland-Rundreise machen
  9. Nochmal nach Brighton reisen
  10. Beim Kirchentag in Stuttgart dabei sein
    Mir fällt jetzt erst auf, dass das ja nach dem Ende des Projektes ist...

Freizeit allgemein

  1. :check: Erdbeeren pflücken gehen - war ich nicht mehr seit ich Kind war!
  2. :check: Geocachen gehen
  3. Die Herr der Ringe-Trilogie lesen (0/3)
  4. 5 Bildungslücken bei Filmen schließen (3/5)
    Gesehen: Die fabelhafte Welt der Amélie, Pulp Fiction, Täglich grüßt das Murmeltier
  5. 5 Träume aufschreiben (3/5)
  6. :check: An einer Demo teilnehmen

Bildung

  1. Jede Woche einen zufälligen Wikipedia-Artikel lesen (0/111)
  2. Jeden Monat einen zufälligen englischen Wikipedia-Artikel lesen (0/26)
  3. Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben (0/3 - A1, A2, B1)
  4. Begrüßung und Verabschiedung in 10 Fremdsprachen lernen (4/10)

Organisation

  1. Regelmäßig (wöchentlich) den Finanzplaner in Ordnung bringen (88/111)
  2. Weihnachtsgeschenke spätestens Nikolaus zusammen haben (0/2)
  3. Jahresrückblick spätestens am 28.12. fertig haben (1/2)
  4. :check: Keller aufräumen

Menschen

  1. :check: Nachbarn ansprechen
  2. Alle TEN SING-Gruppen im Westbund besuchen (12/34)

Aber nicht alle Dinge sind messbar. In den vergangenen 77 Tagen...

  • ...überlebte ich die Klausurphase des zweiten Semesters,
  • ...erweckte ich einen vor fünf Jahren aus einem defekten Notebook ausgebauten LCD-Monitor wieder zum Leben,
  • ...fuhr ich zum href="http://www.festivalhopper.de/news/2014/08/19/highfield-2014-punkrock-bis-hip-hop" >Highfield und zum Utopia Island,
  • ...schloss ich mein Projekt, alle Staaten der Welt mit Hauptstadt und Flagge auswendig zu lernen, erfolgreich ab - das wäre auch dieser Liste würdig gewesen, aber die Idee kam erst viel später,
  • ...stand ich endlich wieder als Schlagzeuger, Bassist, Chorsänger und Solosänger auf einer Bühne.


Sturm vor dem Sturm

Diesen Monat geht es endlich auf Interrail-Tour. Kurz nochmal für alle, die es nicht kennen: Der Interrail-Pass ist ein europaweit gültiges Zugticket, mit dem man für einen Pauschalpreis in einem bestimmten Zeitraum nahezu alle Züge in nahezu allen Ländern kostenlos nutzen kann. P. und ich werden damit diesen Herbst Tschechien, Österreich, Ungarn, Kroatien, Slowenien, Italien und Frankreich bereisen. Die Vorbereitungen laufen inzwischen auf Hochtouren.

Damit meine ich allerdings nicht die üblichen Reisevorbereitungen (Packlisten usw.), das können wir beide schon fast blind. Vielmehr soll - und muss - ein Großteil unserer Unterkünfte über Couchsurfing laufen. Kurz nochmal für alle, die es nicht kennen: Auf der kostenlosen Plattform Couchsurfing bieten Menschen, die gerne reisen und Menschen kennen lernen, Schlafplätze in ihrer Wohnung an - einfach so. Das ist aus mehreren Gründen anstrengend.

Plumpe "Hallo, bitte nimm uns auf"-Anfragen möchte niemand1 bekommen, daher lese ich jedes Profil und versuche zumindest kurz auf die Person einzugehen. Das macht Arbeit und erfordert, dass man sorgfältig auswählt, wen man überhaupt anschreibt. Es erhöht aber im Erfolgsfall auch die Sicherheit und das Vertrauen in die Person - auch Couchsurfing ist nicht das Paradies. In Hauptstädten gibt es viele Hosts, aber noch mehr Surfer. In kleineren Städten sind die Hosts weniger gefragt, sprechen aber vielleicht nicht so gut Englisch und es gibt viele Profile, aus denen man gar nichts über die Personen erfährt.

Für Wien, unsere erste Station, haben wir nun ein Hostel gebucht, da kein Erfolg beim Couchsurfing absehbar war. In Ungarn und Kroatien könnte das finanziell auch noch passen, in den teureren Ländern aber ist es einfach keine Möglichkeit. Daher rotieren wir gerade und nehmen dutzende Profile unter die Lupe.

Dazu kommt, dass wir ja nicht einfach eine Pauschalreise mit Hin- und Rückflug buchen, sondern viele tausend Kilometer mit dem Zug zurücklegen und dabei zahlreiche Städte bereisen wollen. Raildude ist da eine große Hilfe, auch die Auskunft der Deutschen Bahn schlägt viele nützliche Verbindungen vor. Das erspart es uns größtenteils, die Websites der ausländischen Zuggesellschaften zu bemühen. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, welche Bahnhöfe verbunden sind, welche Strecken ungefähr wie lange dauern und wo eventuell doch Aufpreise anfallen.

Wenn am Ende alles einigermaßen klappt, wird es dafür sicherlich ein einmaliges spannendes Erlebnis. Bezahlbar und frei die Welt bereisen - gibt es eine bessere Art, seine Ferien zu verbringen?

  1. Außer Todd, der ein Haus gemietet hat und es nur für Couchsurfer nutzt


Verhältnismäßigkeit

Duisburg HBF (3).jpgWer für das Studium weit weg gezogen ist und hin und wieder seine Familie oder Freunde in der alten Heimat besuchen fährt, kommt nicht umhin, ein seltsames Phänomen zu bemerken: Es ist hierzulande ein Leichtes, 600 Kilometer für 20€ zurück zu legen, aber vorneweg noch 18€ für 60km zu zahlen und hintendran nochmal über 5€ für die letzten 20km.

Die Rede ist natürlich von dem Preisirrsinn im öffentlichen Nahverkehr, der seit dem stark wachsenden Fernbusangebot noch viel deutlicher geworden ist. Das obige Beispiel trifft unter Umständen auf diejenigen zu, die mich vom Ruhrgebiet aus in Chemnitz besuchen wollen: Die paar Kilometer von Gelsenkirchen nach Dortmund kosten zum dortigen Verbundstarif 5,30€, für 20€ kommt man mit dem Bus bis Leipzig (schwankt leicht, meist nach unten) und wenn man dann von Leipzig mit dem Zug nach Chemnitz fährt, fällt der normale Bahntarif an, der mit 17,40€ zu Buche schlägt.

Noch absurder wird es, wenn man es bis Gelsenkirchen schafft. Dann nämlich kostet bereits die Fahrt vom Hauptbahnhof zum Haus meiner Mutter 2,50€ (zum Vergleich: ein äquivalentes Ticket in Chemnitz kostet 2,00€).

Da ich eine Bahncard besitze und in Sachsen die Züge mit dem Uniticket kostenlos benutzen kann, trifft mich das Preischaos nicht so hart, trotzdem ist es absurd, dass bei einer Fahrt nach Hause 3% der Strecke 20% des Preises ausmachen. Auch wenn man nur die Deutsche Bahn nutzt, stehen die Preise in keiner nachvollziehbaren Relation: Der Normalpreis für die Strecke beträgt 101€, mit Sparpreisen mit schlechten Stornobedingungen und langen Vorlaufzeiten schafft man es runter bis 29€ und selbst die 1. Klasse ist als Sparpreis billiger - 89€. Die Bahn hat also längst verstanden, dass die Fahrgäste nicht immer den Normalpreis zahlen wollen, auch die mit Bahncard nicht.

Daher werden Sparpreise auch rabattiert, sodass mich eine Fahrt von Dresden nach Prag oder auch noch deutlich darüber hinaus (z.B. nach Hradec Kralove) mit Bahncard 25 nur noch 14,25€ kostet, eine Strecke, die halb so lang ist wie die nach Hause. Vergleicht man die Sparpreise, scheint das Verhältnis sogar zu stimmen, allerdings sind die Sparpreise nach Tschechien viel länger verfügbar als die ins Ruhrgebiet und bei 39€ für Paris - Chemnitz (knapp 1000km) ist eh alles wieder durcheinander.

Der VRR1 macht bei dem Gehampel nicht mit. Dort ist einfach (wie auch in vielen anderen Verbundgebieten) immer alles teuer. Fahrten innerhalb der Stadt pauschal 2,50€, in die Nachbarstadt und gelegentlich auch etwas weiter 5,30€ (besonders toll, wenn man nah an einer Stadtgrenze wohnt), die nächste Stufe kostet 11€ und von Gelsenkirchen bis zum Rand des Verbundraums im Süden, Düsseldorf (47km) sind es 13,10€. Damit kann man immerhin auch Züge im Verbundraum benutzen, wochentags kommt man jedoch spätestens ab Mitternacht nirgendwo mehr hin und je nach Wohnlage auch am Wochenende nicht. Manche Linien fallen sonntags gar vollständig weg. Auch Mehrfachtickets lohnen sich nicht immer, denn regelmäßig zum Jahresanfang werden die Preise erhöht und angebrochene Tickets verfallen oder müssen umgetauscht werden.

Also doch auf zum Fernbus, damit alles gut wird? Funktioniert natürlich so auch nicht. Fernbusse bieten längst kein so dichtes Streckennetz wie die Bahn, wodurch Absurditäten wie die im ersten Absatz erst entstehen. Auch die zeitliche Verfügbarkeit ist bei Bussen noch viel schlechter und je nach Strecke muss man erheblich längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Also wäge ich weiterhin jedes Mal sorgfältig ab, welche Kombination der Verkehrsmittel sich anbietet. Diesmal habe ich Glück: Für Hin- und Rückfahrt ist noch ein Sparpreis der Bahn zu einer akzeptablen Uhrzeit verfügbar, zusammen 43,50€ und dank Bahncard ist auch die Anschlussfahrt im VRR enthalten, die Überlegung, aus Protest lieber vom Bahnhof nach Hause zu laufen, entfällt also. Zweimal Umsteigen und auf der Strecke gibt es Bauarbeiten, aber wenn alles klappt, dauert es nur 7 Stunden, eine weniger als mit dem zwei Euro billigeren Bus, und da hätte ich auch zweimal umsteigen müssen, weil der Bus nur ab Leipzig und nur bis Dortmund fährt.

Und während ich hier überlege, wie ich möglichst billig quer durchs ganze Land fahre, treten die Lokführer der GDL schon wieder in Streik. Von den teuren Fahrpreisen kommt anscheinend nicht viel bei denen an, die mich aktiv von A nach B bringen. Die Bahn klagt über steigende Kosten für Ressourcen und Instandhaltung, aber die Preisanstiege werden stets an den Kunden weiter gegeben - es muss also etwas grundlegend falsch laufen.

An mangelnder Auslastung kann es jedenfalls nicht liegen. Denn während im VRR auch abends leere Gelenkbusse durch die Städte fahren und ich mich bei manchen Fernbusanbietern frage, wie man mit drei Fahrgästen zu 6€ in einem Bus von Berlin nach Leipzig Geld verdient, sind Züge stets einigermaßen bis sehr ausgelastet. Selbst morgens um 3 habe ich schon Züge erlebt, bei denen der Großteil der Sitzplätze belegt war. Sitzplatzreservierungen für 4,50€ je Strecke rechtfertigt das jedoch nicht. Auch dazu könnte man ganze Artikel verfassen - die verrückten Eigenarten des Zugfahrens was verfügbare Sitzplätze angeht, wer wo bevorzugt wird und was passiert, wenn die Wagen 20 bis 29 heute leider fehlen.

Das Thema Reisen ist einfach viel zu kompliziert. Im Jahr 2014 ist es ein so essentielles Bedürfnis, dutzende und hunderte Kilometer zurück zu legen, dass viel mehr in Massenverkehrsmittel investiert werden sollte - Geld, aber auch Zeit, um bestehende Systeme zu überarbeiten. Ein gut funktionierendes, bezahlbares öffentliches Verkehrssystem würde letztlich auch die Zahl der notwendigen Autofahrten reduzieren und damit wenig erfolgversprechende und umstrittene Forschungen an Elektroautos zur Schadstoffreduzierung überflüssig machen, wodurch wiederum Gelder frei werden würden. Aber vermutlich sehe ich die Welt einfach viel zu einfach.

---

  1. Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, erstreckt sich von Düsseldorf bis Dortmund