Auf in den Herbst.

Neulich las ich diesen Eintrag bei Leonie und irgendwie war plötzlich mein ganzes Grauen vor dem Herbst verschwunden. Das ist ein bisschen merkwürdig, weil ich früher den Sommer immer gehasst habe und mich gefreut habe wenn es wieder regnete und dunkel wurde; aber im letzten Jahr habe ich im Herbst die totale Krise gekriegt, weil es ständig dunkel war und kalt und matschig und irgendwie hatte ich einfach ne mega Herbstdepression.

Dieses Jahr wird das, glaube ich, wieder anders. Ich genieße jetzt schon den frischen Wind und den Regen. Freue mich auf Konzerte in Hallen statt die Festivalsaison zu vermissen. Und vor allem freue ich mich auf Nebel, auf vereinzelt durchbrechende Sonne und auf die bunten Farben des Herbstes - denn da steckt eine Menge Potenzial für Fotos drin, und zum Fotografieren bin ich (abgesehen von Konzertfotos) dieses Jahr bisher viel zu wenig gekommen.

Und deshalb liege ich jetzt gerade in meinem Bett, warm eingekuschelt, während durch das Fenster kalte Luft reinkommt, und freue mich, dass der Herbst Chancen hat mal eine anständige Jahreszeit zu werden. hahahah



KAZ Open Air: Wisecräcker und Supershirt in Herne

Geht es um Events, wird von Köln geredet, von Locations in Dortmund, Bochum und angesagten Clubs in Städten, die weiter weg sind - aber manchmal kommen die guten Bands auch direkt vor die Tür. So wie vor ein paar Wochen, als das "Kulturell-alternative Zentrum" ein kostenloses Open Air veranstalte und als Headliner Wisecräcker und Supershirt gewinnen konnte.

Von beiden hatte ich schonmal kurz gehört, aber mehr als ein, zwei Songs war mir nicht bekannt. Kurz für die, denen es auch so geht: Beide passen in die Punkszene, Wisecräcker sind aber vorwiegend an Ska orientiert und passend mit mehreren Bläsern ausgestattet, während Supershirt rein elektronisch arbeiten. Am Nachmittag traten außerdem lokale Herner Bands auf, die ich aber nicht gesehen habe.

Unwissend, was mich erwartet, fuhr ich also mit dem Bus durch die Gegend und war schon gut drauf, als am Ziel mehr Leute aus dem Bus ausstiegen als bei den Gelsenkirchener Bismarcker Rocktagen überhaupt insgesamt da waren. Am Ende des kleinen Skaterparks stand dann hinter ein paar Fressbuden und dem Merchandisestand auch eine kleine Bühne. Um die hundert Leute dürften schon da gewesen sein, verstreut über die Fläche, auf den Skateranlagen, an den Fressbuden oder im Gras.

Irgendwann kamen Wisecräcker dann auf die Bühne und durften sich erstmal zwei Songs damit beschäftigen, die Leute dazu zu motivieren, nach vorne zu kommen. Das lief am Anfang etwas schleppend, aber mit jedem weiteren Song wurden es mehr Leute und die Stimmung wurde sichtlich besser. Dazu sei gesagt, dass zwar einigermaßen viele Leute da waren, der Platz aber immer noch viel größer war als nötig. Zudem gab es keinerlei Trennung der Bühne vom Publikum, was am Anfang dafür sorgte, dass sich niemand nah ran traute, und hinterher dazu, dass Leute auf den Boxen tanzten. hahahah

Nach den ersten paar Songs war dann allen kräftig warm und es hatte sich vorne eine harte Partyzone gebildet, in der kräftig gepogt wurde, während dahinter eine größere Gruppe Leute gemischten Alters gut gelaunt zuschaute. Für mich das absolute Paradies, reichlich Platz sich frei zu bewegen, genug Stimmung um wahlweise mitzufeiern oder zu fotografieren und eine absolut geniale ausgelassene Atmosphäre. Wisecräcker spielten über ne Stunde und mischten unter ihre normalen eigenen Songs auch mitsingtaugliche wie "Ich bin zu alt für diesen Scheiß - für diesen Scheiß bin ich zu alt" oder ein Cover von "Moskau". Dabei sorgte die Gießkanne immer wieder für Verwirrung - Insider wissen spätestens seit Bochum Total, dass der sinnbefreite Gießkannenpogo der Trend des Jahres ist, aber die von weiter weg angereisten Wisecräcker waren davon sichtlich irritiert. :D

Während ich mich danach in der Umbaupause an der Kamera austobte, brach endgültig die Dunkelheit herein, was die Skater allerdings nicht vom Skaten abhielt. Schon gegen Ende des Wisecräcker-Konzertes hatte man gemerkt: Es würde dunkel werden - hier wurde an Scheinwerfern gespart, der vordere Bühnenbereich war schlicht nicht beleuchtet und wenn einer aus der Band ans Publikum heran kam, stand er quasi im Dunkeln, da die Frontbeleuchtung fehlte.

Die nächste gute Stunde wurde dann auf das Partyniveau nochmal eins draufgelegt. Während Wisecräcker mit Bläsern und Ska-Rhythmen schon kräftig eingeheizt hatten, hauten Supershirt dem Publikum jetzt harte elektronische Beats um die Ohren. Drumcomputer und Synthesizer lösten Schlagzeug und Bläser ab. Das Publikum war jetzt warm und feierte von Anfang an mit der Band, die ausgesprochen gut drauf war und sehr sympathisch rüber kam.

Mag sein, dass nicht jeder der Texte einen Sinn hat, zumindest keinen, der sich sofort erschließt, aber Spaß machen sie allemal. Und auch wenn wohl einige Fans vor Ort waren, konnten auch die anderen jede zweite Zeile von "8000 Mark" mitgröhlen. ;) Der Beat tat sein übriges und so wurde bald auch in den Reihen hinter dem pogenden Haufen getanzt.

Außer frei erfundenen neuen Strophen gab es zwischendrin einen kurzen komplett improvisierten Song an den Synthis. Klappte mäßig, machte trotzdem Spaß. hahahah Hinterher gab's, hurra, Knicklichter für alle! Außer der Gießkanne wurden nun auch vereinzelt Menschen auf Händen getragen, einige tanzten auf der Bühne weiter und ich bin sicher, einige haben die Gelegenheit genutzt und sind hinterher noch zur Aftershowparty gegangen, wo einer der Supershirt-Jungs aufgelegt hat.

Hin fuhr ich mit dem Gedanken, dass Gratisveranstaltungen ja immer einen Besuch wert sind, und zurück fuhr ich bestens gelaunt mit heiß gelaufener Kamera und hatte so viel Spaß wie schon eine ganze Weile nicht mehr. Zumindest Supershirt werde ich mir definitiv nochmal ansehen und auch Wisecräcker dürfen sich gerne mal wieder auf einem Festival blicken lassen. Ska trifft Elektro - ein gelungener Abend und wieder einmal der Beweis dafür, dass Bands live richtig gut sein können, auch wenn man sich die Musik zuhause üblicherweise nicht anhören würde.



Projekt Hörsturz - Runde 55

Nachdem die letzte Runde, die Sonderrunde zum Thema Liveversionen, wegen Teilnehmermangel um eine Woche verlängert wurde, ist jetzt wieder eine normale Runde im {ph} gestartet. Wer auch Lust hat, alle zwei Wochen zehn bunt gemischte Musikvorschläge zu hören, ist herzlich willkommen. Einfach auf der Seite der aktuellen Runde vorbei schauen - in die laufende Runde kann sofort eingestiegen werden, also einfach mithören und bewerten. hahahah

{rating100} KT Tunstall - Weirdo (von Konzertheld)
Wie schön, mein eigener Vorschlag diesemal zuerst. "Weirdo" kommt von KTs drittem Album "Tiger Suit", welches ich kürzlich entdeckte. Sie selbst nennt die Musik darauf "Nature Techno" - als Tekkno würde ich das nicht bezeichnen, aber der Begriff passt schon irgendwie, es sind die alten natürlichen Klänge gemischt mit neuen elektronischen Sounds und tanzbaren Rhythmen. "Weirdo" ist einer der ruhigeren Songs auf dem Album, gefällt mir aber auch wegen des Textes besonders gut.

{rating40} Sufjan Stevens - Say Yes! to M!ch!gan! (von Freddi)
Ein Song über einen Bundesstaat, der klingt wie ein Weihnachtslied? Seltsames Zeug und teilweise ganz schön wüst mit den überlagerten Spuren.

{rating70} Savatage - The Wake of Magellan (von cimddwc)
Hmm. Ein langer Track gitarrenlastiger Rock? Normalerweise würde mich das ziemlich annerven, aber dieser Song hier ist gar nicht mal schlecht. Nicht mein Geschmack, aber im Toleranzbereich.

{rating40} Tim Bendzko - Wenn Worte meine Sprache wären (von Gondorff)
Tim Bendzko. Muss das sein? Dieser Typ, der teilweise sprechgesangt und ansonsten durch sinnfreie Texte glänzt? "Wenn Worte meine Sprache wären"... also bitte. Was benutzt der denn da bitte gerade? Ne, dieser Song macht sich bei mir gerade fast genauso unbeliebt wie der bescheidene Weltretter-Song.

{rating100} Röyksopp - Keyboard Milk (von Mars)
Noch ein langer Track, diesmal rein elektronisch-instrumental. Röyksopp. Jedes Mal, wenn ich die höre, denke ich, dass ich mir mehr von denen anhören sollte. Das hier ist mal wieder so ein geniales Beispiel. Schon fast minimalistisch und doch sehr klangvoll und meiner Meinung nach perfekt geeignet, um jegliche Art von Aktivität zu hinterlegen. Inspirierend, aber nicht ablenkend, wohlklingend, aber nicht langweilig.

{rating50} Silent Feature Era - Oliver (von Michael)
Hm. Der Bendzko hat meine Motivation getreten, es ist kalt und dieser Song inspiriert mich nicht.

{rating60} Wolf People - Empty Heart (von beetFreeQ)
Ganz gut hörbar, haut mich aber nicht vom Hocker.

{rating60} Panic At The Disco - Mercenary (von David)
Panic! At The Disco mit einem Song, dessen Titel nur ein Wort hat? Hm. Dennoch, auch hier wieder: Hörbar, aber unspannend. Nur eben Panic! At The Disco-Style und nicht 60er.

{rating40} Hey Sholay - In Bed With Old St Nick (Kids on Funny Stuff in Bear Suits) (von JuliaL49)
Sollte mir der Titel etwas sagen? Ein weiterer unspektakulärer Song...

{rating70} Aloha - Brace Your Face (von Kristin)
... aber der letzte verspricht nochmal etwas interessanter zu werden. Musikalisch sparsam, aber nett anzuhören. Während die vorherigen alle eher so klangen, als wollten sie was sein, es aber nicht waren, ist der hier absichtlich nix und gerade dadurch doch was. Nicht überragend, aber doch besser.

Das war's für diese Runde. Der Schnitt von 6,3 ist ausnahmsweise mal repräsentativ und zeigt, dass viel Durchschnitt und ein bisshen wirklich Gutes dabei war. Und wenn noch jemand mitbewerten möchte - bis Samstag, 15.10. einschließlich ist noch Zeit.



Blabla

Kennt ihr "Creek Mary's Blood" von Nightwish, diesen epischen 8-Minuten-Song? Ich hatte heute ein episches Ampel- und Berufsverkehrerlebnis, während dem ich diesen Song in voller Länge genießen durfte. Eigentlich war mein Bus gar nicht schlecht in der Zeit - aber dann kam kurz vor der Einfahrt in den Duisburger Hauptbahnhof, schon drei Viertel der Strecke hinter der letzten Haltestelle vorm Bahnhof, die Hauptstraße und die Abbiegerampel. Und danach die einfach-so-Ampel und die andere Abbiegerampel. Und einfach nur, weil es so voll war, hat es dann mal acht Minuten gedauert, bis der Bus die 200 Meter zurück gelegt hat.

Das ist einer der Nachteile des Duisburger Busbahnhofs. Für die, die's nicht kennen: Der U-Bahn- und Busbahnhof liegt an dem Ende des Bahnhofs, das dem Ende, wo man aus dem (Regional-)Zug aussteigt, gegenüber liegt. Weiß man das nicht und sieht die gefühlt zwei Zentimeter großen Schilder nicht, latscht man also durch die Bahnhofshalle, raus, um den ganzen Bahnhof rum und hinten wieder zum Bus. Weiß man es, latscht man nur das ganze Gleis entlang und am Ende die Treppe runter (dauert trotzdem noch mindestens zwei Minuten, was ätzend ist, wenn man vom Bus kommt und der Zug schon wartet).

Na jedenfalls hätte ich acht Minuten eher am Gleis sein können, wäre der Busbahnhof vorne. Aber was soll's. Bei dem Fahrstil des Busfahrers war eh alles egal... Hauptsache irgendwann endlich raus.

Aber über die ganzen Kleinigkeiten sollte man eigentlich lieber lachen statt sich aufzuregen. So wie vorgestern, als mir die Kassiererin Zucchini statt Zwiebeln gebucht hat. Die Dame an der Info und ich waren uns einig, dass Zucchini in Frikadellen doch etwas seltsam wären... und solange keine Tiefkühlware im Wagen liegt, ist es ja auch kein Drama, mal was zu reklamieren.

Nur eine Witzfigur diese Woche habe ich nicht verstanden. Den UPS-Fahrer, der mit offener Beifahrertür gefahren ist. Oder ohne Beifahrertür, da war ich mir nicht so sicher. Jedenfalls war es weder eine offene Schiebetür noch so eine normale aufschwenkende Tür. Da war einfach offen. Oo



Habari: Bricks - Textbausteine für Posts

Aus der Not heraus habe ich vor einiger Zeit ein Plugin entwickelt, mit dem sich beliebige Textbausteine in Habari einfügen lassen. Ich wollte die immer gleichen Codeschnipsel für die Bewertungen im {ph} automatisiert einfügen. Außerdem hatte ich gerade meinen Habari-Ordner verschoben und damit einen Großteil der Links zerstört.

Bricks bringt Abhilfe für beides. Die Version 0.1 besitzt noch keine schöne Konfigurationsoberfläche, funktioniert aber bereits zuverlässig. Einem Block wird ein Name zugewiesen und ein Inhalt. Der Name muss eindeutig sein und darf nur aus alphanumerischen Zeichen sowie Bindestrichen und Unterstrichen bestehen. Nach der Syntax [Name]=[Inhalt] wird der Block in die Konfiguration eingetragen und kann dann sofort genutzt werden, dazu muss nur der Name in geschweiften Klammern in den Code eines Artikels eingefügt werden. Auch andere Plugins können mit einbezogen werden, so nutze ich einen Block für die oben eingebundene Info zum Projekt Hörsturz, der die Footnote-Syntax verwendet.

Funktionen

  • Benutzerdefinierte Blöcke: Beliebiger Inhalt kann per Textbaustein in Artikel eingefügt werden.
  • Standardblock für interne Links: Der Block "i" wird immer durch den aktuellen Habaripfad ersetzt. Jeder Link, der mit einem i in geschweiften Klammern beginnt und danach relativ zum Habari-Stammpfad angegeben wird, funktioniert auch nach einem Umzug des Habari-Ordners noch.

Installation

Plugin herunterladen, ggf. entpacken und in einen Unterordner nach /user/plugins hochladen/verschieben. In der Pluginübersicht aktivieren. Fertig.

Deinstallation

Plugin deaktivieren und Ordner entfernen. Angelegte Textbausteine werden zur Zeit nicht entfernt. Der Eintrag "bricks__bricks" in der Optionstabelle der Habari-Datenbank muss von Hand entfernt werden.

Download

Git-Repository (aktuelle Entwicklerversion)

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52 Songs: Stadt

Hui, das Thema dieser Woche war das erste, zu dem mir nicht sofort etwas eingefallen ist. Aber dafür gibt es ja die Suchfunktion in der Medienbibliothek. So kam New in Town von Little Boots ans Licht, ein Song, in dem es darum geht, wie viel in einer Stadt los ist, im positiven wie im negativen Sinn. Übrigens auch eine meiner liebsten Künstlerinnen, die ihre ersten Youtubevideos bei sich im Schlafzimmer gedreht hat1 und Ideen wie eine Laserharfe nicht nur zu Ende spinnt, sondern auch umsetzt.

  1. und damit meine ich ein Schlafzimmer wie jedes andere, nicht so eins wie das von Moby, das ein komplettes Tonstudio beinhaltet.


Musik-Neuentdeckungen 9/2011

  • Brooke Fraser - Something in the water (1LIVE)
    Nachtrag von August - diesen tollen Song hatte ich glatt vergessen. Macht mir unglaublich gute Laune und sorgt für Motivation.
  • KT Tunstall - (Still A) Weirdo (Simfy)
    Irgendwie kam ich auf die Idee, nachzusehen, ob KT Tunstall noch andere Alben veröffentlicht hat als "Eye to the telescope". Hat sie natürlich, zwei nämlich, eins davon erst letztes Jahr. Davon stammt dieser Song, der nicht unbedingt typisch ist für das Album, aber jetzt schon einer meiner Lieblingstitel. Das Album ist bei Simfy verfügbar, unbedingt mal reinhören.
  • Foster the People - Pumped Up Kicks (Cougar Town)
    Chillige Musik mit Stimmverzerrer. Nette Kombi. Die Serie (Cougar Town) ist übrigens der Hammer. Jede Menge Schauspieler von Scrubs spielen da mit, aber Cougar Town ist einfach mal viel besser. :D


Test: Sennheiser Sport-Ohrhörer MX 70 VC

Zwei Jahre und vier Monate ist mein Vergleichstest zu Ohrhörern jetzt her und ach, was für ein Wunder, seit einigen Monaten ist der Klang meiner heißgeliebten MX360 nicht mehr schön. Das Doofe ist nur, dass die Dinger nicht mehr mit asymmetrischen Kabeln bzw. dann nur noch mit 2,5mm-Stecker produziert werden. Also mussten neue her.

Nachdem ich ein Paar falsche MX360 zurück geschickt habe und ein zweites geschenkt bekam, weil der Händler im Ausland sitzt und den Rückversand nicht bezahlen wollte, war klar, dass ein neues Modell eine Chance bekommen würde. Asymmetrische Kabel sind selten und die meisten sind wegen massenhaften Negativbewertungen direkt aussortiert worden. Als ich mich schon fast mit den symmetrischen Gratis-Ohrhörern angefreundet hatte, stolperte ich bei Amazon über die Sport-Ohrhörer MX 70 VC. Nicht nur asymmetrisch - auch noch grün! Ein Traum. Das ließ mich auch darüber hinweg sehen, dass nicht ein einziger Kunde 5 Sterne gegeben hatte.

Die Lieferung kam mal wieder aus England und dauerte gefühlt ewig. Verpackt waren die MX 70 ausnahmsweise mal nicht in Zerstör-Blister, sondern in einer Verpackung, die ich ohne mich zu verletzen auseinander friemeln konnte. Mir kamen nach und nach Ohrhörer, Kabel, Lautstärkeregler, eine Transporttasche, Ohrpolster und Papierkram entgegen. Erster Eindruck: Schick sind sie ja - zweiter Eindruck, nach dem Reinstecken: Die Kunden hatten Recht - die Dinger halten nicht.

Die Austausch-Ohrpolster verbesserten den Halt auch nicht wirklich und schon auf dem Weg zum Spiegel ist mir der linke fast raus gefallen. Abhilfe schaffte dann das zusätzliche Überziehen normaler Ohrpolster. Das sieht jetzt zwar erstmal bescheiden aus, bis ich grüne Ohrpolster gekauft habe, hält dafür aber und der Klang wirkte auch erstmal vertretbar.

Nun also der Soundvergleich zu den MX360 (den neuen, nicht den zwei Jahre alten), den Testsiegern des letzten Tests. Und wo ich schonmal dabei bin, auch noch die Ohrhörer, die bei meinem Player Sandisk Sansa Clip+ dabei waren, und mein aktuelles Headset.

Dave Darell - Freeloader Original Mix

  • MX 70: Bass vs synthetische Höhen. Letztere sind genau so kristallklar da wie sie sollten bei so kleinen Kopfhörern.Der Bass klingt nicht wie Bass, ist aber immerhin deutlich hörbar und als solcher zu erkennen. Wichtig, wenn ich als Schlagzeuger irgendwo was raushören möchte.
  • MX 360: Schon fast etwas unangenehme Höhen, aber auf jeden Fall deutlich druckvollerer Bass. Jetzt ist auch das hörbar, was nicht die Base ist.
  • Sandisk: Der Bass ist geblieben, aber das gesamte Klangbild ist jetzt dumpf. Passt zu dem billigen Kabel, von dem ich mich gerade mal wieder frage, wann es wohl reißt.
  • Creative FATAL1TY: Mit den großen Kopfhörern ergibt sich natürlich ein völlig anderer Klang. Einer, der ausgewogener klingt, die Höhen aber etwas im Gesamtsound untergehen lässt.

Red Hot Chili Peppers - By the Way

  • MX 70: Okay, jetzt bin ich schon enttäuscht. Die Base klingt schon wieder, als würde das Pedal ein Kissen treten, und der geniale Bassist ist gar nicht hörbar. Da nützen auch die sauberen Höhen nix.
  • MX 360: Wie zu erwarten war, wieder deutlich besserer Klang. Hier fällt mir jetzt auch auf, was für eine lausige Komprimierung ich da benutzt habe.
  • Sandisk: Vertretbar für gratis mitgelieferte Kopfhörer, aber mehr auch nicht.
  • Creative FATAL1TY: Und wie gehabt liefern die großen Kopfhörer den ausgewogensten Klang, der wie die MX 360 auch wieder die Kompression aufzeigt.

The Naked and Famous - Young Blood

  • Creative FATAL1TY: Dann mache ich mit den großen mal weiter, um zu wissen, was an Klang da ist. Beschreiben muss ich diesen Song ja wohl nicht. hahahah Und wenn ich schreibe, dass die Höhen immer noch etwas leiden, aber insgesamt alles da ist, wundert das auch keinen mehr.
  • MX 70: Der Klang ändert sich dramatisch, je nachdem, wie die Ohrhörer sitzen. Bei diesem Song klingt es aber irgendwie immer scheiße. Der Gesang ist dumpf, der Synthesizer irgendwie da und vom Schlagzeug nur der übliche Matsch zu hören.
  • MX 360: Scheint ein schwieriger Song zu sein, bei meinen bisherigen Favoriten ist zu wenig von der Gitarre zu hören. Trotzdem der beste Klang diesmal.
  • Die Ohrhörer von Sandisk: ... habe ich zur Vermeidung von Kabelchaos schonmal weg gepackt.

The Naked and Famous - Spank

Den Abschluss macht ein Song, der eine Stelle enthält, die ich unterwegs nie höre, weil sie in der Umgebung untergeht. Break, dann Synthi-Beat, der immer höher und irgendwann auch doppelt so schnell wird, in einem Pling-Sound endet und danach ein sehr lauter Gitarrenpart. Interessanterweise können aber sowohl die MX 360 als auch die MX 70 diesen Teil gut wiedergeben. Das Headset schneidet aber diesmal am besten ab, weil da im Gitarrenteil auch das Schlagzeug und der Gesang noch gut hörbar sind.

Ehrlich gesagt, hatte ich nicht erwartet, dass der Test so schlecht für die MX 70 ausfällt. Die Kundenbewertungen sprachen nämlich nicht nur vom schlechten Halt der Ohrhörer, sondern auch vom Sennheiser-typischen guten bassreichen Sound. Davon habe ich aber gerade nicht viel gehört. Jetzt sag mir mal jemand, was ich mit den Teilen mache... es mangelt doch so sehr an Alternativen.