Lade die Band herunter

Werbung nervt. Abgesehen davon, dass sie sauteuer sind, würde ich nie Seitenbacher kaufen, weil ich dann immer an den Slogan denken müsste. Wegen der vielen Werbespots höre ich quasi nie Radio. Einen Fernseher habe ich nicht mal, aber dort gilt meist das Prinzip: Wenn man die Werbung nicht versteht, aber ein Auto drin vorkommt, ist es Autowerbung.

Werbung, die über ein Produkt informiert, so wie ich das im Deutschunterricht mal als gute Werbung gelernt habe, begegnet mir fast nie. Werbung, die mich begründet dazu bringt, etwas zu kaufen, noch weniger. Aber manchmal, und wenn man den trndblog verfolgt, bemerkt man es öfter, gibt es sympathische Werbeaktionen mit guten Ideen. Die neueste von Coca Cola gefällt mir besonders gut.

In Kolumbien hat Coca Cola nämlich einen Radiosender (Coke FM) gestartet, der noch Bekanntheit brauchte. Als Marketingaktion veranstaltete Coca Cola dazu ein Konzert einer angesagten Popband - die zu Beginn des Konzertes auf einer Bühne in 50m Höhe spielte. Alleine das finde ich schon irre. Aber die Verbindung ist noch genialer: Für je 10.000 Downloads eines Songs der Band auf Coke FM wurde die Bühne 10m herab gelassen. In einer Stunde hatte die Band mehr als 50.000 Downloads verkauft und spielte auf Augenhöhe der Fans.

Ein sehr schönes, wenn auch extrem ausgefallenes Beispiel, wie man Marketing näher zur Band bringen kann. Ich möchte nicht behaupten, dass nun jede Bühne schweben soll, oder dass noch mehr Zuschauer Konzerte online verbringen sollen, nein. Aber die Idee ist cool. Und es wäre erfreulich, wenn es wieder mehr Gründe gäbe, den Kauf von Musik mit der Band zu verbinden und nicht damit, dass man sein Geld einem großen Label in den Rachen wirft.

Video der Aktion auf Vimeo

Quelle



Hinweis auf veralteten Browser für Blogs

Jeder Website-Programmierer weiß, dass es ätzend ist, mit alten Browsern arbeiten zu müssen. Außerdem haben veraltete Browser Sicherheitslücken, die nicht mehr geschlossen werden, weil der Aufwand der Pflege alter Versionen auch für den Herausgeber zu groß ist. Trotzdem verwenden viele Menschen veraltete Browser. Vor allem beim auf Windows vorinstallierten Internet Explorer ist das verbreitet, da dieser trotz Windows-Updates nicht automatisch aktualisiert wird und auch nicht auf Updates hinweist.

Für CMS- und Blogbetreiber gibt es da eine nette Hilfestellung. Auf browser-update.org gibt es ein kleines Javascript, welches einen dezenten und doch unübersehbaren Hinweis einblendet, falls der Besucher der Seite einen veralteten Browser benutzt. Wie genau "veraltet" definiert wird, kann man dabei dem Herausgeber überlassen (dann ist es immer dann soweit, wenn der Herausgeber den Support einstellt) oder selber bestimmen.

Für Habari, die Plattform, auf der Konzertheld.de läuft, habe ich selbst ein passendes Plugin geschrieben. Damit lässt sich das Javascript automatisch einbinden und wahlweise über die Plugin-Konfiguration selbst Browserversionen festlegen. Das Plugin ist öffentlich verfügbar und über Git bearbeitbar auf GitHub unter habari-extras.



55 in 777

Hier nun also 55 Dinge, die ich in den nächsten gut zwei Jahren erledigen will. 77 in 777 hätte natürlich schöner ausgesehen, wäre aber erstens privater geworden, als ich es hier möchte, und zweitens auch ein bisschen in zwanghaftes Zielesetzen ausgeartet. Das wäre ja nicht der Sinn der Sache gewesen. Der letzte Tag ist übrigens wirklich vollkommen unabsichtlich mein Geburtstag...

Gesamtstand: 0/55
Letzter Tag: 20. Februar 2015

Sport / Ernährung

  1. 100 Liegestützen schaffen (?/100)
  2. 200 Sit-Ups schaffen (?/200)
  3. 500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück legen (0/500)
  4. Mindestens jede zweite Woche zum Badminton (0/55)
  5. 2 Wochen vegan leben (0/2)
  6. 10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen (0/10)
  7. Zu Weihnachten mindestens 10x backen (0/10)
  8. Marmelade selber machen
  9. Pudding selber machen

Digital

  1. Alle 77 Tage ein Update dieser Liste posten (0/10)
  2. 100 Artikel schreiben, die nicht Teil einer Serie sind (0/100)
  3. Portfolio-Website fertig designen
  4. Mein gesammeltes Videomaterial von TEN SING zusammenschneiden (0/3)
  5. Monatlich Habari aktualisieren (0/26)
  6. 15 Beiträge zu Habari leisten (veröffentlichte Plugins oder Themes oder Core-Bugfixes) (0/15)
  7. Eine Woche offline gehen (0/7)
  8. 1000 Artikel erreichen (857/1000)

Foto / Musik

  1. Portfolio mit min. 20 Fotos pro Kategorie füllen (0/60)
  2. 100 Songs am Schlagzeug vollständig spielen können (18/100)
  3. 50 Songs am Bass spielen können (7/50)
  4. 10 Songs an der Gitarre spielen können (0/10)
  5. Jeden der 101 Stadtteile von Dortmund fotografisch darstellen (0/101)
  6. Weiterhin min. 1x im Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen (0/2)
  7. Einen Film selber entwickeln
  8. Einen "Lost Place" besuchen
  9. Beide CD-Regale füllen (114/174)

Reisen

  1. Beim Kirchentag in Hamburg dabei sein
  2. Beim Rothaarigentag in Breda dabei sein
  3. Beim YMCA-Festival in Prag als Volunteer dabei sein
  4. Eine Interrail-Reise machen
  5. In einem Nachtzug schlafen
  6. Eine Reise nur mit Couchsurfing bestreiten
  7. Eine Reise nur mit dem Fahrrad bestreiten
  8. Eine Deutschland-Rundreise machen
  9. Nochmal nach Brighton reisen
  10. Beim Kirchentag in Stuttgart dabei sein

Freizeit allgemein

  1. Erdbeeren pflücken gehen - war ich nicht mehr seit ich Kind war!
  2. 10 Dortmunder Clubs / Kneipen besuchen (1/10)
  3. Geocachen gehen
  4. Die Herr der Ringe-Trilogie lesen (0/3)
  5. 5 Bildungslücken bei Filmen schließen (0/5)
  6. 5 Träume aufschreiben (0/5)
  7. An einer Demo teilnehmen

Bildung

  1. Jede Woche einen zufälligen Wikipedia-Artikel lesen (0/111)
  2. Jeden Monat einen zufälligen englischen Wikipedia-Artikel lesen (0/26)
  3. Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben (0/3 - A1, A2, B1)
  4. An 5 Tagen die Woche die Zeitung zumindest grob lesen (0/555)
  5. Begrüßung und Verabschiedung in 10 Fremdsprachen lernen (2/10)

Organisation

  1. Regelmäßig (wöchentlich) den Finanzplaner in Ordnung bringen (0/111)
  2. Weihnachtsgeschenke spätestens Nikolaus zusammen haben (0/2)
  3. Jahresrückblick spätestens am 28.12. fertig haben (0/2)
  4. Keller aufräumen

Menschen

  1. Nachbarn ansprechen (0/7)
  2. Regelmäßiger Leute besuchen, die weiter weg wohnen (0/9)
  3. Alle TEN SING-Gruppen im Westbund besuchen (10/34)


Zweijahresplan, Abschluss

Das Leben muss vorwärts gelebt werden, kann aber erst im Rückblick verstanden werden.
- Sören Kierkegaard

Ende des Jahres 2010 fasste ich eine Menge Pläne für die kommenden zwei Jahre. Nun ist es 2013 und obwohl vieles ganz anders geworden ist, habe ich viel erlebt und getan und auch einiges über Zukunftsplanung gelernt.

Am Anfang standen vor allem viele Reisewünsche. Daran hat sich nichts geändert - mit jeder Reise kommen neue Reisewünsche dazu, aus finanziellen Gründen hat leider vieles nicht geklappt. Ich war nicht in Kanada, obwohl ich dort eine Bekannte hätte besuchen können. Ich war auch weder in der Schweiz noch in Schweden. Dafür aber in Brighton, wo ich Schwedinnen kennen lernte. Und ich lernte Couchsurfing kennen - und stellte mal wieder fest, dass die Welt voller wunderbarer Menschen ist! Mit dieser Möglichkeit wird Reisen in Zukunft deutlich billiger und angenehmer sein, deshalb ist der neue Plan auch wieder voller Reiseziele. Aber dazu später.

Später mischte sich TEN SING dazu. Da ist eine ganze Menge passiert... ich wechselte meine Gruppe von Hagen zu Bochum, unter anderem aufgrund der Entfernung. Mit Bochum stand ich für ein paar Minuten auf einer riesig großen Bühne vor über 2000 Menschen - absolut irre! Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich die Augen schließe und mir die Bilder in Erinnerung rufe. Auch die beiden anderen Auftritte machten riesigen Spaß. Dann klappte es mit der Band nicht mehr (dazu in einem anderen Artikel mehr) und ich stieg quasi eine Ebene auf - nun bin ich nicht mehr in einer lokalen Gruppe aktiv, sondern leite ein überregionales Projekt anlässlich des Kirchentages in Hamburg dieses Jahr.

Was erfolgreicher war als geplant, waren Festivals. Ich wurde Festivalreporter für die Festivalhopper, Deutschlands größtes Festivalportal, und fuhr 2012 auf viele Festivals, die ich sonst sicher nicht gesehen hätte. Apropos Jobs: Nach einigem Hin und Her arbeite ich nun wohl dauerhaft in der Veranstaltungsbranche. Auch dort trifft man auf eine Menge interessante Menschen und kann in kurzer Zeit unter extremen Umständen sehr viel erleben...

Fotografisch tauchten nur wenige Punkte im Plan auf. Ich nahm mir immer wieder kleine und größere Projekte vor, zog aber keins durch. Irgendwann stellte ich fest: Ich bewundere tolle HDR-Landschaftsaufnahmen, aber es macht mir keinen Spaß, selbst durch die Gegend zu ziehen und stundenlang auf das richtige Licht zu warten. Ich bewundere Straßenfotografien, aber ich traue mich nicht, einfach eine riesige Kamera auf fremde Menschen zu halten. Dafür liebe ich es, Bands zu fotografieren, und genau das mache ich ja nun öfter als je zuvor. Je besser die Band, desto besser die Fotos. Das ist mein Ding, damit mache ich weiter. Alles andere bleibt Beiwerk. Und so bin ich quasi ohne es zu merken im Bus geblieben

Als neuen Plan möchte ich eine neue Methode nutzen. Das Day Zero Project beschäftigt sich damit, ursprünglich waren es mal 101 Dinge in 1001 Tagen und bei mir sind es nun 55 Dinge in 777 Tagen. Es geht prinzipiell einfach darum, sich Dinge vorzunehmen, deren Erfolg man irgendwie messen oder überprüfen kann, und zwar in einem längeren Zeitraum als einem Jahr, weil das langfristige Pläne realistischer macht. Dadurch, dass man dabei ein Maß festlegt, denkt man auch automatisch darüber nach, was denn überhaupt realistisch ist - das habe ich getan und hoffe, dass ich möglichst viel erreichen werde.

Letztlich wird in den nächsten 2,18 Jahren aber vor allem viel passieren, was ich nicht geplant hatte. Das war bisher immer auf irgendeine Art gut oder ließ sich für etwas Gutes nutzen und so wird es auch in Zukunft sein.



Musik-Neuentdeckungen 12/2012

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es keine Links, aber über Google findet sich alles.

  • Icon for Hire - Get Well (CRN 2012)
    Icon For Hire wollte meine Schwester unbedingt sehen, ich kannte sie vorher gar nicht. Sie spielten am zweiten Tag der Christmas Rock Night und das Konzert war schon gut, aber so richtig Gefallen an der christlichen Hardrock-Band mit Nu-Metal-Einflüssen fand ich erst etwas später. Fun Fact: Die Band kommt aus Illinois, einer der Bundesstaaten, die ich auswendig kenne - denn Paramore, deren Sängerin der Sängerin von Icon for Hire nicht unähnlich ist, haben dort in Chicago eine geniale Live-DVD aufgezeichnet.
  • Foals - Inhaler
    Wo ich "Inhaler" zum ersten Mal gehört habe, weiß ich gar nicht mehr so genau. Das Video dazu ist... merkwürdig. Aber sehenswert.
  • Skindred - Ratrace (Deichbrand)
    Skindred sind mir beim Deichbrand-Festival eher zufällig untergekommen. Sie mischen Heavy Metal, Reggae und HipHop - hört sich komisch an, funktioniert aber ausgezeichnet und bringt das Publikum zum Toben. Beim Open Flair habe ich sie dann leider nur gehört, weil wir draußen auf jemanden warten mussten.
  • Marteria, Yasha & Miss Platnum - Lila Wolken (TEN SING)
    Nicht dass ich Marteria generell mögen würde... aber in diesem Track spielt er ja eine eher untergeordnete Rolle. Und "Wir bleiben wach, bis die Wolken wieder lila sind" ist etwas, was ich sehr gut nachvollziehen kann...
  • Silbermond - Krieger des Lichts
    Tja, und Silbermond habe ich im Dezember wiederentdeckt. Der Aufbau war keiner meiner schönsten Jobs, aber das Konzert dafür umso besser.


Frohes neues Jahr!

Das Blatt ist unbeschrieben. Auf geht's.

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Krieger des Lichts sein

Silbermond fand ich vor einigen Jahren mal richtig gut, als ich gerade "Passend gemacht" und damit das ganze erste Album "Verschwende deine Zeit" entdeckt hatte (lange nach dem Erscheinen). Dann verschwanden sie mit dem Umbruch auf härteren Rock und elektronische Musik aus meinem Musikgeschmack. Aber nicht lange, denn etwas später landete ich bei TEN SING, wo auch Silbermond ihre Ursprünge haben. Entsprechend kamen ihre Lieder dort immer wieder vor. Nun ließ ich mich als Stagehand für ihr Konzert in Dortmund einteilen und hatte so die Gelegenheit, auch einen Großteil des Konzertes zu erleben.

Direkt zu Anfang zeigte sich dabei, wofür wir uns mit dem teiltransparenten Vorhang abgemüht hatten: Mit "Unter der Oberfläche" ging's los, die Band spielte zunächst hinter dem Vorhang - bis Steffi mit dem Mikroständer dagegen stach und zeitgleich eine zerbrechende Oberfläche darauf projiziert und der Vorhang fallen gelassen wurde. Genialer Effekt! Dabei war das Konzert sonst eher effektarm - schon oft stellten wir fest, dass sich das Können der Band und die Menge der technischen Effekte umgekehrt zueinander verhalten, und Silbermond gehört definitiv zu den guten Bands. Schon beim zweiten Song geht's auf der Bühne so ab wie bei manchen anderen Bands erst im Finale.

Was nicht heißt, dass es danach langweilig wird - aus allen Alben gibt es mehrere Titel. Das Publikum ist dabei durchgehend begeistert und kann die Texte problemlos mitsingen, seien es alte Titel wie "Durch die Nacht" oder "Zeit für Optimisten", neue Stücke wie "Himmel auf" oder "Teil von mir" oder Songs vom zweiten Album wie "Meer sein" oder "Unendlich". Ich selbst kannte das neue Album bisher fast gar nicht, habe nun aber auch Gefallen daran gefunden - es wirkt etwas ernster, dafür aber textlich sehr überzeugend. Aktuell ganz passend z.B. "Waffen", in dem sich die Band klar positioniert: "So voll wie unser Magazin, so leer ist unser Verstand". Wenn man die Zeitung liest, muss man nur die erste Seite nehmen und hat schon tausend Textideen, so Steffi zu der Frage, woher sie eigentlich die Themen für ihre Songs nehmen. Auf wenig Zustimmung stößt hingegen die Moderation zum Thema Fußball - in Dortmund will eben niemand, dass immer die bessere Mannschaft gewinnt!

Zwischendurch gibt's dann eine kleine Akustikeinlage auf der zweite Bühne, die über einen Laufsteg mitten ins Publikum gebaut wurde. Auf der hatte zuvor auch ein Sänger gespielt - eine schöne Idee, um die Umbaupause zwischen der ersten Vorband und Silbermond zu nutzen. Zumal es ein sympathischer Typ mit netten Texten und einer angenehmen Stimme ist. Es ist schön hier zu spielen: "Ich komme aus Berlin, da gibt es nichtmal einen Fußballverein - dafür aber auch keinen Flughafen."

Erwartet hatte ich eigentlich, dass das Finale dort gespielt wird, aber "Das Beste" gibt's mit Klavier von der großen Bühne aus. Das erweicht dann auch die meisten "härteren" Zuschauer - egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, schon lange Fan oder heute zum ersten Mal dabei, hier ist jeder vertreten - und augenscheinlich auch jeder begeistert. Zum Finale, als wir schon neben der Bühne auf unseren Einsatz warteten, gibt's dann "Krieger des Lichts" mit dem neuen Lichtermeer - man muss ja zugeben, Feuerzeuge mögen out sein, aber wenn das Publikum dafür Lichter am Handy hat und die benutzt, sieht es eigentlich noch besser aus. Die auch auf den Rängen gut gefüllte Westfalenhalle 1 vom Publikum erleuchtet zu sehen ist schon ein Eindruck, den man lange im Kopf behält. Da ist es dann auch mal schön, die ganzen Scheinwerfer mal auszuschalten.



Nutella und Marmelade

..."Vorsicht bei der Einfahrt." Der Wind steht passend, der Straßenlärm ist noch nicht da, bei offenem Fenster kann ich die Bahnhofsansagen hören. Dabei wohne ich fast zehn Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt - das ist nicht weit, aber weiter als bei meiner letzten Wohnung. Generell hört man hier ziemlich viel, dafür, dass das Haus locker vierzig Jahre jünger ist als das in Herne. Aber heute nicht, heute ist Sonntag und es ist acht Uhr morgens, da sind die Nachbarn ausnahmsweise mal noch nicht wach. Nur ich habe seit langem mal wieder die Nacht durchgemacht und gehe jetzt erstmal Brötchen holen.

Die Bäckerei hat allerdings geschlossen, dafür ist der SB-Backshop geöffnet. Die Brötchen sind gut, sie haben eine dünne knusprige Haut und sind ansonsten ganz weich. Ich gönne mir vier verschiedene Beläge und Orangensaft aus einer Flasche, aus der man nur reichlich eingießen kann. Wir sollen es uns gut gehen lassen, sagt sogar die Bibel. Die sagt allerdings auch, dass wir denen helfen sollen, die das alleine nicht schaffen. Ich habe keine Ahnung, wo hier in der Nähe jemand sich nicht leisten kann, ständig Nutella, Käse, Honig und zwei Sorten Marmelade vorrätig zu haben, vielleicht schon hier im selben Haus.

Ich weiß ja nichtmal, wie der Nachbar heißt, der mir schon dreimal angeboten hat, seine SAT-Schüssel mitzunutzen. Dabei habe ich gar keinen Fernseher. Ich weiß generell zu wenig von meinen Nachbarn und den anderen Menschen die hier wohnen. Das ist uns auch letztens im Kloster aufgefallen, als wir überlegt haben, wieso wir eigentlich so wenig mit unseren Menschen über Religion reden: Vor allem, weil wir generell so wenig mit unseren Mitmenschen reden. Wenn sie dann auch noch wie die Zeugen Jehovas direkt mit der Tür ins Haus fallen, sperren wir uns erst recht. Ist eigentlich jemals bei jemandem die evangelische Kirche aufgekreuzt, um das Evangelium zu verkünden?

Auch die großen Kirchen in unserem Land sind eben mit der Zeit gegangen und damit mit dem Trend zu weniger Kommunikation mit Fremden. Aber Deutschland ist auch schon länger kein christlicher Staat mehr, auch wenn die zurzeit stärkste Partei im Bundestag ein 'C' im Kürzel trägt. Ein Grund mehr, dass ich neugierig bin, wie das Leben in religiös geprägten Ländern aussieht. Unser Workshopleiter im Kloster hat eine Zeit lang in Israel gelebt... seinen Erzählungen nach kann man kaum begreifen, warum die Menschen dort so leben, wie sie leben, aber eine Reise wert ist es auf jeden Fall. Vielleicht schaffe ich es ja mal dort hin zu reisen. Der Flughafen ist ja auch nur wenige Minuten von hier entfernt.