Wie ich zwei Kasinos besuchte

Manchmal könnten die Dinge so einfach sein. Heute in Aachen zum Beispiel, als ich S. traf, der mir über das DSLR-Forum seine EOS 60D verkauft hatte. Für 750€ - ein Schnäppchen, aber doch 250€ mehr, als so ein Geldautomat ausspuckt. Daran habe ich als normalerweise bargeldlos lebender Mensch natürlich nicht gedacht, aber irgendwie würden wir das schon hinkriegen.

Also auf nach Aachen und erstmal alle dortigen Geldautomaten ausprobiert - blöderweise arbeiten die Banken inzwischen besser zusammen als früher und so konnte ich nirgendwo den fehlenden Betrag abheben. Also sponnen wir, während wir so durch die Innenstadt liefen bzw. humpelten - ich hatte mir am Vortag den Fuß verstaucht - die verrücktesten Ideen, wie ich an das Geld kommen könnte. Paypal-Auszahlung auf S.s Konto ging nicht, Paypal zahlt nur Geld auf Konten aus, wenn man Guthaben hat, ganz zu schweigen davon, dass S.s Konto natürlich nicht mit meinem Paypal-Account verbunden war.

Aber man kann ja in Supermärkten Geld abheben. Also auf zu Rewe. Die konnten mir aber nicht so richtig weiterhelfen - zwar wäre der Betrag kein Problem gewesen, das System funktioniert aber nur mit EC-Karten mit PIN, da es im Prinzip die Kasse zum Geldautomaten macht. Eine größere Anschaffung, die ich für S. hätte bezahlen können, stand auch nicht an, eine Teilzahlung in Naturalien war also auch keine Option und auch der Kauf einer Waschmaschine für 250€ mit sofortiger Rückgabe gegen Barzahlung war nicht möglich.

Und wie wir da so vor dem Rewe standen und überlegten, ob ich C., der in der Nähe wohnt, bitten könnte, für mich Geld abzuholen, fiel S. das Kasino ins Auge. Jetons kann man mit Kreditkarte bezahlen und gegen Bargeld tauschen. Das Automatenkasino bei Rewe arbeitet aber nur mit Bargeld, die Hauptfiliale mit Jetons. Da fuhren wir dann auch noch hin - aber Kreditkarten werden nur mit PIN akzeptiert, nicht mit Unterschrift. Und die PIN liegt, da sie zunächst zur falschen Filiale geschickt wurde, seit Wochen in meiner Sparkasse, die nie auf hat, wenn ich nicht arbeiten muss...

Nachdem wir also schon für diverse verwirrte Gesichter gesorgt hatten, ging es dann auf zu Real - denn die naheliegende Idee eines Geschenkgutscheins kam uns natürlich erst zum Schluss. Also Gutschein geschnappt, 250€ angefordert und bezahlt, das Terminal sagte "Zahlung erfolgt" - und dann stürzte die Kasse ab, denn Geschenkgutscheine kann man nur bis 150€ aufladen. Die offensichtlich ungeübte Kassierin total aufgelöst, die Kollegin rief erstmal den Chef an, der hat dann bei EasyCash ("äsäcäsch") angerufen, die bestätigten: Das Geld ist von der Kreditkarte schon weg!

So standen wir dann über zwanzig Minuten an der Kasse und überlegten (drei Mitarbeiter inzwischen, später noch der Filialleiter dazu), was denn zu tun sei. Mein Geld war weg, klar, ich musste also eine Leistung dafür bekommen - aber da Real das Geld nicht erhalten hat, konnten die mir den Betrag auch nicht einfach auszahlen, trotz irgendwie erfolgtem Storno (keine Ahnung was die unter Storno verstehen). Dabei war immer wieder die Rede vom "Mindestbetrag" (hier zu verwenden im Sinne von: Betrag, der höchstens aufgeladen werden darf) und so langsam verloren wir alle die Nerven. Der Filialleiter entschied dann am Ende das Offensichtliche: Ich bekam zwei Geschenkgutscheine - zu 150 und 100 Euro - und man würde sich dann etwas überlegen, wie Real an das Geld kommt.

Mit dieser Aktion und der ganzen Sucherei, Telefoniererei und Fahrerei verbrachte ich so statt zehn Minuten am Bahnhof geschlagene drei Stunden mitten in Aachen - und habe nun sowohl eine neue Kamera als auch zwei Kasinos von innen gesehen und das Wissen, dass es hierzulande wirklich schwierig ist, ohne PIN an Bargeld zu kommen... und wenn ich das nächste Mal in Aachen bin, kriegt S. erstmal ein Bier ausgegeben.



Zweijahresplan, Update 6

Anfang letzten Jahres erstellte ich eine Liste mit Dingen, die ich in einigermaßen naher Zukunft erledigen wollte. Die Liste hat sich im Laufe der bald vergangenen zwei Jahre drastisch verändert und durch die Ausbildung ist auch einiges leider nicht mehr so einfach. So sieht es zur Zeit aus:

  • Zum Hurricane fahren!
    Jawoll! Ich war da und es war gut!
  • Zu Rock am Ring fahren!
    Auch Rock am Ring habe ich nun mal erlebt - reicht dann aber auch. Und auch das Deichbrand gab's noch dazu, darüber reden wir aber lieber nicht weiter...
  • Zum Rothaarigentag fahren!
    Im Festivalrausch habe ich mich dann derart übernommen, dass ich so spät nachts nach Hause kam, dass ich dann doch wieder nicht beim Rothaarigentag war. Was mich im Nachhinein sehr ärgert! War aber auch schlecht geplant im Vorfeld. Nächstes Jahr dann aber!
  • Nochmal nach Amsterdam fahren
    So viele Reiseziele! Aber Amsterdam ist nicht weit, das könnte noch klappen.
  • Nach Brighton fliegen
    Erledigt! Es war wundervoll. Und es gibt zahlreiche Berichte. hahahah
  • In die Schweiz fahren/fliegen, Zürich angucken und TEN SING Uster besuchen
    Keine Ahnung ob dafür noch Geld bleibt.
  • Blind Booking / Nach Schweden fliegen
    Blind Booking ist inzwischen gar nicht mehr so attraktiv, dafür nimmt mein Interrail-Plan immer konkretere Formen an.
  • Fototour durch das Ruhrgebiet bzw. Gelsenkirchen und Herne
    Kamera kaputt, keine Fotos.
  • Mit TEN SING auftreten - diesmal in Bochum!
    Jo! Großartig war's!

Das Jahr ist bald schon wieder rum, nur noch ein Drittel verbleibt und ich nehme keine neuen Punkte mehr auf - aber zum Jahreswechsel wird es neue Pläne geben. 2014 werde ich schließlich meine Ausbildung vielleicht schon abschließen - bis dahin kann sich viel tun und danach erst Recht. hahahah



Umzug mit Pannen

Als ich von zuhause auszog, dauerte das etliche Wochen, alles ging nur nach und nach voran und das ganze Zeug wurde nur langsam rübergeschafft. Beim Umzug nach Dortmund am Montag sollte das anders laufen. Ich mietete einen Transporter, mit einigen Helfern sollte alles zügig vonstatten gehen. Manche Pläne klappten, andere nicht...

WIRED1

  • Künstler-Atelier neben der Wohnung
  • Frisch renovierte Wohnung
  • Avis-Service
  • Viel Platz im Transporter
  • Pizza

Nicht wired war hingegen meine neue Wohnung, da der DSL-Techniker nicht in der Lage war, zu erkennen, wo die Wohnung ist, in die gerade jemand einzieht.

TIRED

  • Wenig Sicherungsmöglichkeiten im Transporter
  • Vom Vermieter hängen gelassen werden
  • Auseinanderfallende Möbel
  • Unfähige DSL-Techniker
  • Amazon-Kunden, die behaupten, Ware sei nicht angekommen
  • Nachts um 3 Elektrogeräte ausladen
  • Wir nachts um 3
  • Nach dem Umzug noch Sachen aus der alten Wohnung schaffen müssen, obwohl der Nachmieter schon dort einzieht

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  1. Ich habe endlich einen Laden gefunden, der die Wired führt!


Partys, Packstationen und Produktdetails

Neulich war ich auf einer Ü30-Party. Natürlich bin ich nicht über 30, aber "Luckys Ü30-Partys" werden technisch von meiner Firma betreut. An sich wäre das ja ganz nett... immerhin läuft da durchaus größtenteils Musik, die ich mir auch anhören würde (mal von Schlager abgesehen und von Salsa, letzteres weil ich schlicht nicht tanzen kann). Blöderweise sind die Azubis und freien Mitarbeiter nur für Auf- und Abbau zuständig - so mussten wir einen Teil der Party verschlafen, um für den Abbau einigermaßen fit zu sein.

Immerhin bekamen wir in der Aufbaupause die beste Pizza, die ich je gegessen habe. Leider war das in Leverkusen... da werde ich wohl nie wieder sein (außer nächstes Jahr, um die nächste Party aufzubauen). Nächstes Wochenende geht's in Solingen weiter.

Während meine Ausbildung also immer mehr ins Rollen kommt, habe ich eine neue Wohnung gefunden. Nicht, dass an meiner bisherigen etwas schlecht wäre - blöderweise ist Herne aber recht weit weg von Kamen. Also wohne ich ab Montag in Dortmund, irgendwo zwischen einer katholischen Kirche, dem Rotlichtviertel und dem Hauptbahnhof. Die Baustelle am Herner Bahnhof, die hier kurz nach meinem Einzug anfing, ist dieweil immer noch nicht fertig. Dafür haben wir eine neue Packstation bekommen - die ist größer als die alte und vor allem steht sie jetzt im Bahnhof statt daneben, so dass man nicht mehr dahinter pissen kann.

Gepisst hat es auch kräftig beim Seegeflüster Hagen. So heftig, dass meine Kamera gestorben ist. Also hab ich mich schonmal schlau gemacht welches Modell denn der Nachfolger werden soll und bin dabei auf Amazon Marketplace über eine Canon EOS 60D für 440€ gestolpert1. Der Verkäufer wünscht den Kontakt nur an eine private Adresse - schreibt man ihm an die, beantwortet er Fragen mit Produktdetails gerne auf englisch (?!) und in den schönsten Worten. Schreibt man hingegen über Amazon, gibt's nur eine in schlechtem Deutsch formulierte Nachricht mit der Bitte, an die private Adresse zu schreiben... sehr seriös.

Noch fünf Tage arbeiten bis zum Umzug. Der bildet dann zusammen mit dem Berufsschul-Dienstag das Ersatzwochenende - mal schauen, was wir dann in "Elektrische Versorgung und Beleuchtung" behandeln, nachdem wir inzwischen alle die Vorstellung von fließenden Elektronen eingebrannt bekommen haben. Die halbe Klasse muss glauben, in einer Batterie seien am Anfang die Elektronen oben und am Ende auch ein paar unten... wenn man sich bei der Frage "Lachen oder Weinen?" für Lachen entscheidet, kann man das fast als Wochenende durchgehen lassen.

  1. Der typische Verkaufspreis für diese Kamera schwankt um 700€.


Musik-Neuentdeckungen 8/2012

  • Hans Zimmer - Bombers Over Ibiza (JXL Remix)
    Ein Freund empfiehlt mir gelegentlich Soundtracks und dieser Track hier ist absolut großartig. Hans Zimmer ist ja sowieso schon unheimlich talentiert und JXL hat sogar schon Elvis remixt und damit etwas großartiges geschaffen, in Kombination haben wir es hier mit einem dynamikreichen, bombastischen Soundtrack zu tun, der mich ziemlich umgehauen hat.
  • Moby - The Day (Basto! Remix) (Spotify)
    Spotify haut einem ja gnadenlos alles um die Ohren, was in der Ansicht gerade drin ist. Hört man ein Album eines Künstlers, geht es danach mit allen anderen weiter. So hörte ich zunächst das okaye "18 & 18 B-Sides", eine Moby-Compilation, und danach "Destroyed Remixed". "Destroyed" habe ich ja noch gar nicht vollständig gehört, weil es so sehr atmosphärisch ist und wieder mal eine völlig andere Stimmung bringt als die Alben davor (Moby kann eben einfach alles). Aber "The Day" gab es schonmal zum kostenlosen Download - fand ich da etwas seeehr ruhig, aber dieser Remix hat's mir angetan. Schön die sphärischen Elemente mit eher poppigen, eigentlich ziemlich fetzigen, aber auch irgendwie abgespaceten und daher passenden Elektro-Beats gemischt. Ganz schön seltsam, aber geht gut ins Ohr.
  • Madonna - Future Lovers
    In den Tiefen meiner Musiksammlung ist ein Album von Madonna aufgetaucht... und neben "Hung Up", woran sich vermutlich jeder erinnert, wenn er es hört, sind darauf auch eine Menge andere gute Tracks. Fans elektronischer, tanzbarer Popmusik sollten sich das mal gönnen, sofern sie es nicht eh schon tun.
  • Korn - Another Brick in the Wall (Open Flair)
    Ebenfalls weit entfernt von dem, was ich tagtäglich höre, sind Korn, die der Sonntagsheadliner des dieshjährigen Open Flairs waren. Bei dem Konzert spielten sie ihre Version von Pink Floyds "Another Brick in the Wall", in voller Länge, mit allen drei Teilen, dem epischen Gitarrensolo und dem Ende "Goodbye Cruel World". Absolut überzeugend.
  • Paul Kalkbrenner - Square 1
    Nachdem ich zweimal live bei Fritz Kalkbrenner war, musste ich mir natürlich auch mal seinen Bruder anhören. Wenig überraschend: Der hat's auch drauf!


Vegane Waffeln & Pfannkuchen

Ich bin zwar "nur" Vegetarier und das auch nur, weil ich mich in einer Findungsphase befinde, was die Wahl meines Essens angeht, aber Eiern war ich noch nie zugeneigt. Gekocht, als Rühr- oder als Spiegelei kommen sie mir gar nicht auf den Teller und auch ansonsten finde ich die Vorstellung von zusammengepferchten Hühnern so abartig, dass ich wo es geht auch auf Eier verzichten möchte und nicht nur auf Hühnerfleisch. Wiesenhof bewirbt zum Beispiel eine Marke, bei der nur fünfzehn Hühner pro Quadratmeter gehalten werden. Fünfzehn! Nehmt euch mal nen Quadratmeter und stellt da in Gedanken fünfzehn Hühner rein und dann überlegt euch, dass das deren supertierfreundliche Alternativmarke ist und nicht die normale.

Jedenfalls lerne ich gerade das ein oder andere über vegane Ernährung bei Steff und wurde durch ihren Blog auch auf ein Waffelrezept bei Veganesnom aufmerksam (ich hasse dieses "nomnom", aber egal, tut nix zur Sache). Blöderweise stellte ich mich dumm an beim Reinigen meines Waffeleisens und machte es eher noch unbrauchbarer, zumindest vorerst. Aber in den Kommentaren berichtete Nomi, dass sie Pancakes draus gemacht hatte, weil ihr Waffeleisen kaputt ging. Und ich liebe doch neuerdings Pfannkuchen so sehr! (Wieso nennt man die eigentlich neuerdings Pancakes und macht sie kleiner?)

Also ab in die Pfanne mit dem Teig, der erste Pfannkuchen wurde ziemlich dick, also Wasser reingepanscht und etwas Öl, damit der Teig sich besser verteilt und wooow die schmecken unglaublich gut. Eigentlich logisch, so ein Waffeleisen ist ja auch nix anderes als ne beschichtete Pfanne mit Muster. Also, supergeiles Rezept für vegane Waffeln oder Pfannkuchen oder, wenn man es noch etwas dicker macht, auch Brot, wenn man nämlich mit niedriger Hitze arbeitet klappen auch dicke Pfannkuchen und die kann man dann wunderbar schneiden und als Brot missbrauchen.

Und demnächst gibt es dann vegane Mayonnaise. Ich wollte eh immer mal welche selber machen und das Rezept für die vegane Variante ist unfassbar einfach. Vielleicht direkt heute, mal schauen. Hätte eh Lust auf Fritten.



Deichbrand & Eier mit Speck

Immer wenn es hier noch ruhiger wird als sonst in ruhigen Zeiten, schreibe ich vorrangig Berichte für die Festivalhopper. Zuletzt waren dabei das Deichbrand und das Eier mit Speck dran. Außerdem war ich bei Bochum Total unterwegs, beim Open Source und beim Hurricane. Bei Bochum Total und beim Deichbrand war Marina dabei, beim Eier mit Speck hat mich Markus unterstützt. Hier nun alle Berichte in chronologischer Reihenfolge rückwärts. Bis auf das Deichbrand hat es dabei immer großen Spaß gemacht, besonders bei Bochum Total fühlten wir uns pudelwohl und das Open Source und das Eier mit Speck waren schöne Neuentdeckungen für mich. Und das Hurricane ist ja sowieso großartig. hahahah

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Alle Texte von mir



Open Flair vor, auf, hinter und unter den Bühnen

Diesen Monat habe ich meine Ausbildung bei Smartlite begonnen, einem Veranstaltungstechnikdienstleister, der unter anderem Technik für Ü30-Partys, die Cranger Kirmes und das Open Flair-Festival stellt und betreut. So bekam ich kurzfristig die Gelegenheit kostenlos zum Open Flair zu fahren und dort ab Sonntagabend den Technikabbau zu unterstützen.

Irgendwie hatte ich das Open Flair ziemlich kontrastreich in Erinnerung. Grandiose Konzerte auf der einen Seite, darunter das letzte wirklich gute Wir sind Helden-Konzert, und einige organisatorische Pannen und einen sumpfigen Parkplatz auf der anderen Seite. Diesmal war alles etwas entspannter. Wir (meine Schwester und ich) sind erst am Freitag angereist und haben dann, nachdem wir die merkwürdige Führung zu den Parkplätzen verstanden hatten, auch einen gescheiten Parkplatz und einen guten Zeltplatz bekommen.

Letzterer lag quasi am Weg zur Seebühne (der Open Air-Bühne, die nicht auf dem Hauptgelände, sondern näher am Campinggelände liegt) auf einem Ersatzzeltplatz, auf dem nach uns tatsächlich niemand mehr angereist ist, so dass wir nicht nur viel Platz für uns, sondern auch eine freie Fläche hatten. Die hätte man super für Flunkyball nutzen können - wenn denn anständige Festivalcamper da gewesen wären! Aber aus irgendwelchen Gründen war das Durchschnittsalter auf unserem Platz ziemlich hoch und wurde nur durch die Kinder der anwesenden Familien gesenkt. So war es zwar nachts schön ruhig zum Schlafen, aber tagsüber war tote Hose.

Naja. Nachdem wir auf mysteriöse Weise Zeit bei der Anreise verloren hatten und dann noch mehr Zeit verloren, weil die Ticketübergabe meiner Schwester aufgrund des schlechten Mobilfunknetzes so lange dauerte, hörten wir Skindred leider nur und sahen dann Madsen als erste Band. Die waren grandios wie immer und als Zugabe gab's noch ein kurzes Cover von Alex Clares "Too Close", was wohl jeder Festivalbesucher und Radiohörer schonmal gehört hat. Schöne Sache, obwohl die Musikrichtung ja völlig anders ist als sonst bei Madsen.

Aufgewärmt ging's dann direkt zur Seebühne, um dort 5BUGS zu sehen. Da war, wie überhaupt während des gesamten Festivals, ziemlich wenig los, die Stimmung aber kein bisschen schlechter. Überhaupt haben mich 5BUGS ziemlich überzeugt, fast noch mehr als Madsen, vielleicht auch, weil sie viele gute Songs dabei hatten die ich noch nicht kannte.

Da eh nix los war, konnten wir in der Umbaupause zum Zelt laufen und uns vor Fiva noch etwas ausruhen. Zu Fiva und dem Phantom-Orchester würde die Beschreibung "grandios wie immer" auch passen - aber auch wenn ich sie schon so oft gesehen habe wie Madsen, verteilen sich die vier Konzerte nur auf zwei Monate und nicht auf drei Jahre. Es war wieder ein neuer Kontrabassist dabei und es gab ein paar kleinere Verspieler oder Aussetzer, aber die Atmosphäre war großartig und das Konzert insgesamt so gut, dass sich niemand daran gestört hat, so es denn den Leuten überhaupt aufgefallen ist.

Nach einer Esspause, bei der wir eine Gaskartusche versehentlich turboentleerten, ging's dann noch zu Samy Deluxe (mit Tsunami-Band). Nicht ganz so klischeefreier Hip-Hop wie bei Fiva, aber dennoch hörenswert. Und im Gegensatz zum Deichbrand, wo wegen der beschädigten Bühne und der Bauarbeiten die erste Welle gesperrt war konnten wir diesmal weit vorne sein und der Sound war auch gut.

In der Nacht war es wie schon erwähnt sehr ruhig. Keine Generatoren, keine laute Musik, nichtmal sich unterhaltende Nachbarn am Grill unterm Pavillon. Tote Hose, aber erholsam. Den Samstag ließen wir dann auch ganz entspannt angehen und fuhren erstmal zum Edeka um uns fürs Frühstück einzudecken. Das hat das Open Flair wirklich quasi allen Festivals voraus - ein Supermarkt in fußläufiger Reichweite ist unschlagbar praktisch. Zusätzlich gab es diesmal sogar einen gut sortierten Zelt-Supermarkt vor dem Campinggelände, wo es sogar Obst und Gemüse zu kaufen gab (neben allem was man sonst so braucht).

Konzerte gingen dann los mit Sondaschule, die wir vor zwei Jahren auf der Seebühne am Donnerstag Abend gesehen hatten und die nun auf der großen HR3-Bühne spielten. Großartiges Konzert und reichlich Party. Sondaschule sind auch einfach eine coole Liveband. Ebenso wie Zebrahead, die einfach immer einen Besuch wert sind, weil da immer der Bär steppt. Für meine Schwester stand dann Jennifer Rostock an, die hatte ich beim Hurricane schon gesehen, also ging's zu Captain Capa, die ich bei Bochum Total wegen meines Ausflugs zu TEN SING Bad Essen nicht sehen konnte.

Captain Capa sind bei Audiolith unter Vertrag, dem Hamburger Label, bei dem auch Supershirt, Frittenbude und Egotronic sind, und bisher haben alle Bands dieses Labels meinen Geschmack getroffen. Captain Capa gehen in Richtung Tekkno oder, wie Intro mal schrieb, "Hochgeschwindigkeitspop". Wie zuvor schon bei Fiva ging's mit wirklich wenigen Zuschauern los und füllte sich dann, als mehr Leute merkten, dass ein guter Beat und ein paar geschickt platzierte Effekte zum Tanzen reichen. Sympathisch und spontan präsentierten sich die beiden und für mich war das Konzert definitiv ein Highlight. Bei Jennifer Rostock wurde dieweil bei beiden Geschlechtern blank gezogen, was die anwesenden Familien mit kleineren Kindern wohl etwas verstörte...

Ohne Unterbrechung ging's dann weiter zu J.B.O., die gerade auf der kleinen Freibühne spielten und genau das waren, was ich erwartet hatte: Zehn Minuten lustig, dann irrelevant und nervig. "Im Gegensatz zu Bayern München hat der nächste Song einen Titel!" - Sprüche wie die kann man sich mal anhören, muss man aber nicht. Dann lieber die Broilers, die zwar anfangs Probleme mit ihrem Bass hatten, spätestens danach aber eine gute Show hinlegten. Viel besser war aber noch das Publikum - wir waren ziemlich weit vorne, wo die Leute noch sehr locker standen, aber kaum erklangen die ersten Akkorde, kamen von hinten Leute angerannt, schubsten uns zur Seite und ein tobender Moshpit entstand, der sich bis Konzertende kaum beruhigte.

Die im Plan eingezeichnete Platzaktion fiel wohl irgendwie aus, jedenfalls bemerkten wir nix und die nächste Band spielte auch schon, also war's wieder Zeit für's Abendessen (gute Ravioli!) und danach auf zu Egotronic, die genauso betrunken, aber auch genauso gut waren wie schon beim Deichbrand (diesmal ohne technische Unfälle - eigentlich unnötig zu erwähnen, dass auch diese Deichbrand-Panne hier ausblieb). Viele bekannte Songs wurden wieder gespielt, das Set war aber insgesamt etwas anders und unter anderem gab es ein Cover von einem Saalschutz-Song (noch eine Audiolith-Band), der auf Supershirts "8000 Mark" verweist. Netter Zusammenhang. Außerdem lernten wir, dass das Beste, was man nach einer gescheiterten Beziehung tun kann, ist, ein Nazischiff zu versenken, und es war "verhunze fremde Popsongs"-Tag und auch "Zu spät" von den Ärzten blieb nicht verschont. :D

Nachdem sich dann anschließend herausstellte, dass The Baseballs zwar ähnliche Musik machen wie Dick Brave & The Backbeats, dabei aber nicht halb so gut sind, ging's zurück zur Seebühne und - Überraschung - das Gerücht, das vorher umging, stellte sich als offiziell heraus: Sondaschule spielten nochmal, da Timid Tiger absagen mussten! Mehr als die Hälfte der Songs des Sets wurde ausgetauscht und viele der Zuschauer vom Mittag waren auch nachts um halb eins wieder anwesend. Ein perfekter Abschluss für den Samstag, auch wenn es schade um Timid Tiger war.

Am Sonntag begannen wir den Tag noch später. Das Zelt heizte sich in der Sonne unglaublich auf und so schälten wir uns eigentlich nur aus den Schlafsäcken, um nicht zu schmelzen. Die ersten Bands die spielten kannten wir eh nicht und bei der Hitze waren wir auch recht unmotiviert einfach hinzugehen. Also erstmal schön Festivalfrühstück mit Erdbeerwodka und schonmal Gepäck zum Auto bringen.

Zu Das Pack mussten wir dann aber hin, immerhin spielten die direkt vor Monsters of Liedermaching und einer der Monsters ist auch bei Das Pack. Im letzten Jahr hatte er sich mit nem Schlauchboot auf die gegenüberliegende Bühne tragen lassen. Wir schafften es auch tatsächlich mal pünktlich und bekamen eine ordentliche Portion Pferdeäpfel niveaulosen, aber lustigen Rock. Anschließend kamen die restlichen Monsters auf die Bühne und ließen sich alle in Schlauchbooten rübertragen - und hielten dabei Schilder hoch: "Schlauchboot? Schon wieder?!".

Nachdem das unter großem Gejohle mehr oder weniger klappte, gab's auf der großen Bühne auch die Erklärung dazu: Eigentlich wollte sich die Band diesmal in großen Glaskugeln tragen lassen - aber es gab schlicht keine! Hätten sie mal Deichkind gefragt, die sind schließlich Meister in schrägen Bühnenshows mit den unmöglichsten Utensilien. Das Monsters-Konzert war dann, wie nicht anders zu erwarten, wieder höchst genial. Wir machten vier Refrains lang Sitzpogo und wurden so still, dass man das Xylophon bei "so einem sauguten Refrain" unverstärkt hören konnte.

Da ich ab 19:15 Uhr für den Abbau am Kleinkunstzelt eingeteilt war, machte ich noch ein Nickerchen und ging das Zelt anschließend suchen. Es lag etwas außerhalb im wunderschönen Schlosspark, wo auch das Weinzelt stand. Als ich ankam, war das Liveprogramm auch bereits zu Ende und so ging es direkt los: Kabel einsammeln, unter der Tribühne herkriechen, Molton1 abnehmen und verpacken, Traversen und Bühne abbauen und andere Utensilien verpacken und dann den LKW beladen. Insgesamt alles ziemlich entspannt und da wir von den Technikern her schon ziemlich viele waren und dazu noch ehrenamtliche Helfer vom Open Flair dabei hatten, ging es auch sehr schnell, so dass wir noch während Kraftklub (21:30 Uhr) zurück zum Hauptgelände liefen.

Dort angekommen wurde noch fix ein LKW fertig beladen und dann durften wir uns Korn ansehen. Leider ließen uns die Securitys nicht auf den FOH-Turm2, aber das Publikum stand eh sehr locker, so dass wir erst in der zweiten und später sogar ganz vorne in der ersten Welle standen und feierten. Ich kannte von Korn vorher nur "Word Up" und das mit Skrillex entstandene "Get Up", aber was sie live spielten, überzeugte mich ebenfalls. Außerdem gab es "Another Brick In The Wall" in der vollständigen Version inklusive epischem Gitarrensolo, eigenem eingebauten Schlagzeugsolo und einem absolut schaurigen "Goodbye, Cruel World", an dessen Ende der Sänger nur noch "Goodbye!" ins Mikro keifte und von der Bühne ging. Hätte es statt Zugaben Suizid gegeben, es wäre ein passender Abgang gewesen.

Nachdem anschließend das Publikum weg war, ging's dann an den Abbau der großen Bühne und des FOH-Turms, denn die kleine Freibühne wurde schon während Korn abgebaut. Schwere Kisten wurden mit Radlader von oben herunter transportiert und unter der Bühne wurde sichtbar, wie staubig das Gelände gewesen wäre, hätten die großartigen Securitys nicht immer wieder Wasser über die staubigen Flächen gespritzt. Wir bauten Kabel ab, die pro Stück eine Kiste füllen, die größer ist als ein großer Umzugskarton und zu zweit getragen werden sollten, und liefen über die Bühne, auf der in den letzten Tagen außer Korn auch die Beatsteaks, Madsen und viele andere gespielt hatten.

Viele, viele Scheinwerfer, unendlich viele Kabel und dutzende Meter Traversen später war gegen fünf Uhr morgens tatsächlich schon alles abgebaut. Dankbarerweise ist für die Bühne an sich - also das Hauptgestänge, an dem wir unsere Technik aufgehängt hatten, und das Podest - eine andere Firma zuständig. So ging's dann zurück nach Kamen und morgens um sieben war ich schon wieder in Dortmund auf dem Weg nach Hause, müde, aber bis dahin ohne Energydrinks konsumiert zu haben, und an einigen Erfahrungen reicher. hahahah

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  1. Feuerfester, schwerer, meist schwarzer Dekostoff, der oft zur Abdeckung der Bühnenrückseite verwendet wird
  2. Der Turm gegenüber der Bühne, in dem die Mischpulte stehen