In Lavahöhlen und auf Gletschern - zwei Wochen Island

Es ist Sonntag, in sieben Stunden fährt mein Bustransfer zum Flughafen Keflavik1 und ich sitze im Zimmer meines Gastgebers, mitten in Reykjavik. Die letzten zwei Wochen2 habe ich in einer WG mit dem Isländer Karl und der Spanierin Anna gewohnt, zunächst im Garten im Zelt, jetzt drinnen, da mein Gastgeber selbst auf Reisen gegangen ist. 14:51 Uhr isländischer Zeit, draußen ist es hell und bewölkt - aber diese beiden Aussagen stehen in keinerlei Zusammenhang, denn im Sommer wird es hier auch nachts nicht dunkel und das Wetter kann sich in fünf Minuten schon wieder drastisch ändern. Das ist das erste falsche Klischee - in Island ist es nicht ständig kalt, es ist sogar teilweise recht warm (bis 25°C) und selbst im Winter wird es in manchen Regionen nichtmal so kalt wie in Deutschland. Dafür ist das Wetter aber wesentlich launischer und kann durchaus stundenlang alle paar Minuten komplett umschwingen.

Ein weiteres falsches Klischee ist, dass Island stets so malerisch aussieht wie hier bei der Süddeutschen. Polarlichter sieht man im Sommer gar nicht aufgrund der eben genannten Dauerhelligkeit :( und auch ansonsten sind natürlich auch isländische Landschaften abhängig von Wetter und Licht und es gibt durchaus auch Gebiete, die einfach langweilig sind.

Aber Island ist groß und in Deutschland würde auch niemand zwei Wochen Urlaub in Herne3 verbringen. Einige wenige Gegenden sind hier bereits touristisch stark erschlossen - erkennbar an den vielen Bussen und Menschen, die Deutsch oder schlechtes Englisch reden -, aber vielerorts sind Natur und Landschaft noch vollkommen unberührt. Im Nationalpark Þingvellir (für englische Aussprache: Thing-wet-lit) heißt das: Verlässt man die Hauptwege, muss man sehr aufpassen, die Natur nicht zu zerstören, und man muss auch auf der Hut sein vor Spalten in den überwachsenen Lavafeldern und steilen Klippen. Auf Schilder wie "Warning, this dangerous looking place is dangerous" wird hier generell verzichtet.

Wer sich dessen bewusst ist, wird mit atemberaubenden Ausblicken belohnt. Kristallklare Gewässer, farbenfrohe Vegetation an den verrücktesten Stellen und beeindruckende Gebirgslandschaften sind nur einige davon.

Gullfoss waterfall on IcelandDer "Golden Circle", die wohl bekannteste Touristenroute, führt nach dem Nationalpark in den Ort Geysir, an dem sich eine größere Ansammlung von - Überraschung - Geysiren befindet. Diese dürfen keineswegs mit den zum Baden geeigneten heißen Quellen verwechselt werden, denn es handelt sich hier um aus der Erde austretendes kochendes schwefelhaltiges Wasser. Entsprechend dumm haben die Touristen geguckt, die sich zu nah an einen der größten Geysire gewagt haben, um dessen Ausbruch fotografisch festzuhalten. :D Das heiße Wasser aus heißen Quellen und Geysiren wird übrigens direkt in das Wassernetz eingespeist - dadurch sparen sich Isländer Energiekosten zum Erwärmen von Wasser z.B. zum Duschen, müssen aber mit dem Schwefelgeruch und der ungeklärten Frage nach der gesundheitlichen Verträglichkeit leben. Die Location ist auch beliebt für Filmdrehs - ein deutsches Team drehte gerade eine Szene für "Ein Sommer in Island"4, als ich dort war.

Þingvellir national park IcelandDie letzte Station auf der mit gehetzten Bustouren üblicherweise weniger als einen Tag dauernden Route führt nach Gullfoss, zum von der Wassermasse her größten Wasserfall Islands, der auch generell einer der größten der Welt ist (erstes Bild). Wasserfälle finden sich in Island aber auch an vielen anderen Orten. Die wenigsten sind so groß und mächtig wie Gullfoss, aber die Vielfalt hat mich trotzdem sehr beeindruckt. (zweites Bild: ein Wasserfall bei Seljalandsfoss, drittes Bild: kleiner Wasserfall in Þingvellir)

Seljalandsfoss, IcelandAls Warm-Up ist diese Route sicher geeignet, die beeindruckendsten Erlebnisse hatte ich aber mit Kalli, meinem Gastgeber, der bei einem freiwilligen Rettungsdienst arbeitet und daher über reichlich Ortskenntnis und Erfahrung mit unwirtlichen Gegenden verfügt. Dazu gehört das Erkunden einer der zahlreichen Höhlen in den Lavafeldern - wenn man mittendrin steht, ist es viel leichter vorstellbar, wie noch vor einigen hundert Jahren glühende Lava in reißenden, extrem heißen Strömen durch Island floss. Die Vielfalt der Farben und Formen geschmolzenen und zerstörten Gesteins flößt selbst erfahrenen Isländern immer wieder Respekt vor den Naturgewalten ein, erst Recht, wenn man bedenkt, dass auch heute noch etliche Vulkane aktiv sind - und "Ausbrüche" wie das kleine Husten des auf Island eher unbedeutenden Eyjafjallajöküll 2010 kaum vergleichbar sind mit richtigen Vulkanausbrüchen.

Von tief unten ging es später auch noch hoch hinaus. Mit Crampons, an Schuhe anschnallbare eisbrechende Klingen, und Eispickeln ging es auf den Sólheimajöküll, einen der kleineren Gletscher. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Möglichkeiten für Fehleinschätzungen: Es ist dort oben keineswegs unfassbar kalt, Handschuhe waren unnötig. Trotzdem läuft man natürlich auf Eis, das genauso rutschig ist wie jedes andere Eis - daher sollte man keineswegs glauben, auf Turnschuhen dort herumlaufen zu können, denn dann endet man möglicherweise wie so mancher Tourist erfroren oder durch Quetschungen erstickt in einer Gletscherspalte. Das Aufeinanderprallen des warmen Wetters und des gefrorenen Eises wurde uns dann auch schnell deutlich, als wir die nahezu reißenden Bäche sahen, in denen Schmelzwasser den Gletscher herunterfloss - mir kann jedenfalls keiner mehr erzählen, den Klimawandel gäbe es nicht, auch wenn er für die Erde als Ganzes auf lange Sicht sicher irrelevant ist. Ebenfalls beeindruckend: Gletscher wandern, auch unabhängig vom Schmelzen, bis zu 200 Meter im Jahr; also alleine in den Stunden, die wir dort oben waren, schon mehrere Zentimeter.

Sólheimajöküll - Wasserfall.jpg

Island ist mit seiner einzigartigen Landschaft und der Lage auf zwei tektonischen Platten also durchaus ein geeigneter Ort, um beeindruckende Naturphänomene zu erleben. Daher werde ich sicher irgendwann erneut dorthin reisen, um weitere Teile des Landes zu erkunden. Man sollte sich nur nicht von extrem bearbeiteten Fotos blenden lassen oder nur mit Tourismus-Firmen reisen - denn dann wird man enttäuscht oder verpasst die besten Orte.

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  1. einziger internationaler Flughafen Islands
  2. Dieser Artikel entstand im Juni
  3. eine mäßig aufregende Stadt im Ruhrgebiet mit ähnlich vielen Einwohnern wie Islands Hauptstadt Reykjavik
  4. Mäßig spannender Film einer mäßig kitschigen Filmreihe


Photography Challenge - Lens Flare

Es ist eine Schande, dass ich in Brighton war, der Heimat von Blood Red Shoes und Josh, dem Mann, der die Kurse für die Fotografie-Challenge zur Verfügung stellt, an der ich seit einiger Zeit teilnehme, und dabei keine einzige Einheit der Challenge absolviert habe. Das anstehende Thema war Bokeh, und ich habe es einfach nicht geschafft, ein Motiv zu finden, das mir dafür zugesagt hätte. Das Thema finde ich aber an sich nicht besonders spannend. Das Bokeh ist die Form, die unscharfe Objekte annehmen; es hängt im Wesentlichen von der eingestellten Blende und vom verwendeten Objektiv ab. Vielleicht mache ich demnächst mal ein paar Vergleichsfotos, da ich gerade sowohl ein gewöhnliches Immerdrauf von Tamron als auch eine Profi-Linse von Canon hier habe.

Damit also direkt weiter zu Lens Flare. Früher hat man mir erzählt, man dürfe mit der Kamera nie in die Sonne zielen, das könnte die Augen und die Kamera beschädigen. Ist (zumindest heutzutage) natürlich Quatsch. Man sollte das sicherlich nicht minutenlang machen, ebenso wie man nicht mit bloßem Auge minutenlang in die Sonne schauen sollte, aber gegen die Sonne fotografieren geht natürlich. Der dabei entstehende Effekt ist oft lästig, manchmal aber auch sehr schick, und er ist auf jeden Fall super für sommerliche Fotos geeignet. Geblendet werden von der Sonne löst direkt Assoziationen mit Sommer und strahlendem Sonnenschein aus und erzeugt damit hoffentlich eine positive Grundstimmung.

Das Foto, das ich hierfür ausgewählt habe, ist gar nicht so stark vom eigentlichen Lens Flare geprägt, dafür aber zusätzlich von eindeutiger Überbelichtung. Es ist auf Island entstanden, während ich eine Straße als Anhalter entlang wanderte, und es gehört zu den wenigen Fotos, mit denen ich stimmungsmäßig sehr zufrieden bin.

Road in Iceland

Die beiden Island-Artikel sind auch endlich fertig und zur Veröffentlichung vorbereitet. Trotz der Masse hat es eine Menge Spaß gemacht, sich durch die Fotos zu wühlen, an Parametern zu drehen und HDRs zu basteln oder einfach zu staunen, welche großartigen Aufnahmen schon unbearbeitet aus der Kamera kommen. Daher wird sicher auch der nächste Challenge-Artikel auf Fotos von Island zurückgreifen - denn dann geht es um Landschaftsfotografie.



Müll

Deutschland muss ganz schön verwirrend sein, wenn man aus einem fernen oder auch gar nicht so fernen Land kommt. Schon wenn man vom Land in die Stadt zieht, kann das ein ziemlicher Schock sein; selbst Chemnitz mit seinen etwa 200.000 Einwohnern wirkt mit seinen Straßenschluchten und Plattenbauten einschüchternd auf manche Besucher. Auf meinen Reisen lerne ich viele Menschen kennen, einige davon kommen von anderen Kontinenten, um Europa zu erleben. Aber man muss gar nicht weit weg gehen, um Menschen zu treffen, die unser Land anders sehen.

In meiner Zeit in Dortmund habe ich in der Nordstadt gewohnt, also nördlich vom Bahnhof, einer Gegend, in der kaum jemand deutsche Wurzeln hat. In meinem Haus gab es immer wieder Probleme mit Mülltrennung. Es gab neun Wohnungen, acht bewohnt, eine leerstehend, letzter Mieter unbekannt verschwunden. Nur zwei Bewohner waren in Deutschland geboren, der Rest teilweise vor längerer Zeit, teilweise erst kürzlich zugezogen.

Mülltrennung also. In Dortmund gibt es zu jedem Haus eine Papiertonne, eine gelbe Tonne, in die nur Verpackungen mit grünem Punkt dürfen, eine Biotonne, in die rohe, aber keine gekochten Lebensmittel gehören, sowie Haare und Kehricht, aber keine Pflanzen, und eine Restmülltonne. Glas muss zu Sammelcontainern gebracht werden.

An besagten Sammelcontainern sammelt sich regelmäßig Sperrmüll, Restmüll, Verpackungen, Kartons, Kleidung, eigentlich alles, was man sich vorstellen kann, vielleicht mit Ausnahme von Elektrogeräten. Schon die Tatsache, dass Sammelcontainerplätze keine allgemeinen Müllsammelplätze sind, überfordert selbst einige unserer hier aufgewachsenen Mitbürger, von den oben genannten Feinheiten bei den Mülltonnen ganz zu schweigen. Man muss nicht von besonders weit gekommen sein, um eine Infrastruktur zu kennen, in der es nur "Müll" gibt. Kein Wunder also, dass in unseren vier Mülltonnen stets alles wild durcheinander war.

Woher aber soll man sowas als eingewanderter Deutscher auch wissen? Meine Mietunterlagen enthalten eine Broschüre zu korrektem Lüften zur Schimmelvermeidung, aber keine Informationen zu Mülltrennung. Jetzt in Chemnitz stehen in unserem Hof mehrere Mülltonnen und einige Container, ich habe eine Weile gebraucht, um mir zu merken, welche zu meinem Haus gehören (nicht, dass ich nachvollziehen könnte, warum das wichtig ist). Wenn dann etwas falsch sortiert ist, kommt vielleicht mal ein böser Brief vom Vermieter, der von der Entsorgungsfirma eins drauf gekriegt hat - nicht etwa eine aufklärende Information, dass man in Deutschland Müll sehr genau trennt, ganz zu schweigen von einer Erklärung warum wir das tun.

Deutschland ist in so vielen Punkten so anstrengend, kompliziert, spießig und schwer zu verstehen. Über viele weitere Dinge könnte man ganze Artikel verfassen: Warum regen sich die Menschen auf, wenn im Lidl mal wieder eine bulgarische Großfamilie mit Fünf-Cent-Stücken bezahlt? Warum ist der britische Tourist schockiert, dass eine Zugfahrt von Berlin nach München zum Normalpreis 130€ kostet? Wieso tut sich der Europareisende aus Qatar so schwer damit, ein EU-Rail-Ticket zu kaufen?

Letzterer hat mich besonders beeindruckt. In einem Land, in dem man sich im Sommer am meisten Sorgen darüber macht, ob das eigene Haus wohl hitzeabweisend genug ist, um nicht bei 50°C einfach zu sterben, ist es nicht möglich, verschiedene Transportsysteme mit einer irrsinnigen Anzahl verschiedener Fahrkarten zu verstehen - das gibt es dort einfach nicht. "We have the capital, Doha, that's it", war in etwa seine Aussage. Ich hoffe, er hat der französischen Eisenbahngesellschaft erklären können, was er vor hat, und viele europäische Städte gesehen. Und ich hoffe, dass wir den Menschen, die sich das harte Ziel gesetzt haben, ein deutsches Leben zu führen, mehr Respekt und Verständnis entgegen bringen können.



Wilde Verwindungen

Lose Sammlung von wirren Gedankengängen, irren Fünden und wilden Tatsachen. Dies ist der 1000. Post auf Konzertheld.de. hahahah

In Becker Staffel 2, Folge 18 taucht eine Person namens April auf, die wie Kandi aus Two and a Half Men aussieht, deren Schauspielerin April heißt. In Hard Candy hingegen spielt Ellen Page mit, von der ich dadurch (danke an Sumi für den Filmtipp) endlich weiß, dass ich sie aus Inception kenne. Dafür habe ich nun vergessen, wo ich sie gesehen und erkannt habe...

Fünf Sterne Deluxe waren dieses Jahr beim Highfield, die sind mir aus meiner Kindheit in den 90ern noch ein Begriff. Bekannter ist aber eigentlich eines ihrer Mitglieder Das Bo für den Song Türlich, türlich. Und noch einer von denen hat Karriere gemacht: Tobi Tobsen mit Moonbotica. Die kennt man mittlerweile auch über Deutschland hinaus als erfolgreiche DJs. Tobi war früher auch mal bei Fettes Brot - da schließt sich dann auch der Kreis zum Hip-Hop wieder.

J. habe ich auf einer Party kennen gelernt, auf der sie nur mehr oder weniger zufällig war. Während sie mich als Fotografen erkannte, wunderte ich mich darüber, dass wir uns sonst nie begegnet sind, denn ihr Büro liegt im Gebäude neben meinem und ihre Berufsschule quasi neben meiner Wohnung. Noch verrückter ist aber, dass wir nach der Party beide in (weit vorher gebuchten) Urlaub fuhren - und zwar beide nach Paris.



Musik-Neuentdeckungen 11/2014

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi - Champagner & Schnittchen
Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden von penetranten Fans, die immer wieder mit ihrer Lieblingsband ankommen, bis du sie dir endlich anhörst, obwohl du eigentlich eine schlechte Vormeinung hast über die. Susanne Blech in entspannter und mit mehr Hip-Hop. Coole Sache!
Rise Against - Swing Life Away
N. aus meiner TEN SING-Gruppe möchte es bei der nächsten Show singen und auf A.s Facebook-Profil ist es mir zufällig begegnet, bei so schrägen Kombinationen muss ich einfach reinhören. Dass Rise Against auch tolle ruhige Lieder geschrieben haben, wusste ich schon von Hero of War. Swing Life Away ist nicht so traurig, nur emotional, und ich mag ganz besonders eine Stelle: "I've got some friends / some that I hardly know / but we've been through times / I wouldn't trade for the world".
Against the Current - Shake it off
Taylor Swift nimmt ihre Songs aus Spotify raus und wir covern einen ihrer Songs bei TEN SING. Ihre Version kenne ich gar nicht, aber die Against the Current-Version gefällt mir sehr, trotz simplem Ablauf und einfacher Akkordfolgen. Eine markante, aber nicht nervige Sängerin und fluffiger Popsound sind doch auch mal was Schönes.
H-Blockx - Countdown to Insanity
Nur weil eine Band länger keine erfolgreiche Single herausgebracht hat, ist sie noch lange nicht am Ende. H-Blockx haben eine stabile Fanbase und vor zwei Jahren bei Bochum Total gezeigt, dass sie auch immer noch Spaß an ihren Songs haben. Völlig zu Recht, denn auch heute gibt es noch zu wenig gute Crossover-Musik, so dass man sich die alten Sachen ruhig mal wieder reinziehen kann!
The Ting Tings - Hands (Michael Woods Remix)
"Hands" hat es nur auf die Deluxe-Version des zweiten Albums geschafft, für die normale war der Song der Band nicht gut genug. In der Club-Version von Michael Woods allerdings ist er seit Jahren ein beliebtes Element jeder Ting Tings-Show und nimmt in seiner nochmal aufgemotzten Version dabei gut sieben Minuten der meist weniger als eine Stunde dauernden Auftritte ein. Ein Fest für jeden Fan von Clubmusik. Alleine dafür lohnt es sich, ein Konzert der Ting Tings zu besuchen.


Die vergessenen Taschen

Manche Geschichten sind so verrückt, dass sie nur wahr sein können. So wie kürzlich nach der Probe, als wir an der Bushaltestelle standen und folgende Szene beobachteten:

Zwei Männer machen sich an einem Parkschild (Reservierung für ein bestimmtes Kennzeichen) zu schaffen. Einer der beiden macht anschließend ein Foto und geht in ein Haus. Der andere steigt in sein Auto und rast davon. Hinter dem Auto bleiben zwei Taschen zurück, die wohl einem der beiden gehörten.

Wir haben die Taschen dann mitgenommen, als der Bus kam, und anhand des Inhalts schnell Name und Adresse des Besitzers ausgemacht (und uns großartig amüsiert über die verrückte Szene). Er wohnte bei mir in der Nähe, also nahm ich die Taschen mit. A. erfragte inzwischen über Facebook die Handynummer.

Als ich den Besitzer kurz darauf anrief, stellte sich die Situation ganz anders dar:

Die beiden Männer gehörten zu einer Einweihungsparty. Dem neuen Bewohner wurde symbolisch ein Parkplatz geschenkt, daher Schild und Foto. Der eine ging dann zurück zur Feier, der andere wollte noch schnell sein Auto umparken und vergaß vor lauter Spaß an der Aktion mit dem Schild seine Taschen.

Nun kann man spekulieren, ob er die Taschen schneller wieder bekommen hätte, wenn wir sie stehen gelassen hätten, oder viel später, oder gar nicht, auf jeden Fall hatten wir so alle drei ein sehr lustiges Erlebnis. :D Der Besitzer der Taschen kam nach dem Anruf direkt vorbei und holte sie wieder ab. Wir tauschten noch unsere beiden Perspektiven aus, amüsierten uns großartig und er überließ uns die beiden 20€-Gutscheine, die in seinem Portemonnaie in der Tasche waren. Frohe Weihnachten!



693 Tage

Das Projekt 55 in 777, angelehnt an das Day Zero Project, soll über einen großen Zeitraum kleine und große Erfolge sichtbar machen. Dafür habe ich eine Liste mit 55 großen und kleinen messbaren Dingen erstellt und verfolge diese nun 777 Tage lang. So sah diese Liste am Anfang aus. Der Übersichtlichkeit halber habe ich Kommentare zu bereits im letzten Check abgeschlossenen Punkten entfernt.

Gesamtstand: 16/48
Letzter Tag: 20. Februar 2015

Sport / Ernährung

  1. 100 Liegestützen schaffen (13/100)
  2. 200 Sit-Ups schaffen (89/200)
  3. :check: 500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück legen
  4. 2 Wochen vegan leben (0/2)
  5. 10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen (2/10)
    Pizza nach italienischer Art (die tatsächlich anders ist als die deutsche); Tofu nach vietnamesischem Rezept. Gar nicht so einfach, typische Nationalgerichte enthalten meistens Fleisch!
  6. Zu Weihnachten mindestens 10x backen (5/10)
  7. :check: Marmelade selber machen
  8. :check: Pudding selber machen

Digital

  1. Alle 77 Tage ein Update dieser Liste posten (8.5/10)
  2. :check: 100 Artikel schreiben, die nicht Teil einer Serie sind (100/100)
  3. Mein gesammeltes Videomaterial von TEN SING zusammenschneiden (0/3)
  4. :check: 15 Beiträge zu Habari leisten (veröffentlichte Plugins oder Themes oder Core-Bugfixes)
  5. Eine Woche offline gehen (3/7)
  6. 1000 Posts erreichen (996/1000)

Foto / Musik

  1. Portfolio mit min. 20 Fotos pro Kategorie füllen (24/60)
  2. 100 Songs am Schlagzeug vollständig spielen können (43/100)
  3. 50 Songs am Bass spielen können (20/50)
  4. 10 Songs an der Gitarre spielen können (2/10)
  5. :check: Weiterhin min. 1x im Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen
  6. Einen Film selber entwickeln
  7. Einen "Lost Place" besuchen
  8. Beide CD-Regale füllen (137/174)

Reisen

  1. :check: Beim Kirchentag in Hamburg dabei sein
  2. Beim Rothaarigentag in Breda dabei sein
    Dieses Jahr hatten wir selbst einen Auftritt an dem Wochenende. Damit klappt es in diesem Zeitraum leider nicht mehr.
  3. :check: Beim YMCA-Festival in Prag als Volunteer dabei sein
  4. Eine Interrail-Reise machen
    Daraus wird wohl nichts mehr.
  5. :check: In einem Nachtzug schlafen
  6. Eine Reise nur mit Couchsurfing bestreiten
  7. Eine Reise mit mindestens einer Übernachtung nur mit dem Fahrrad bestreiten
  8. :check: Eine Deutschland-Rundreise machen
  9. :check: Nochmal nach Brighton reisen
  10. Beim Kirchentag in Stuttgart dabei sein
    Mir fällt jetzt erst auf, dass das ja nach dem Ende des Projektes ist...

Freizeit allgemein

  1. :check: Erdbeeren pflücken gehen - war ich nicht mehr seit ich Kind war!
  2. :check: Geocachen gehen
  3. Die Herr der Ringe-Trilogie lesen (0/3)
  4. 5 Bildungslücken bei Filmen schließen (4/5)
    Gesehen: Die fabelhafte Welt der Amélie, Pulp Fiction, Täglich grüßt das Murmeltier, Juno
  5. 5 Träume aufschreiben (3/5)
  6. :check: An einer Demo teilnehmen

Bildung

  1. Jede Woche einen zufälligen Wikipedia-Artikel lesen (0/111)
  2. Jeden Monat einen zufälligen englischen Wikipedia-Artikel lesen (0/26)
  3. Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben (0/3 - A1, A2, B1)
  4. Begrüßung und Verabschiedung in 10 Fremdsprachen lernen (4/10)

Organisation

  1. Regelmäßig (wöchentlich) den Finanzplaner in Ordnung bringen (99/111)
  2. Weihnachtsgeschenke spätestens Nikolaus zusammen haben (0/2)
  3. Jahresrückblick spätestens am 28.12. fertig haben (1/2)
  4. :check: Keller aufräumen

Menschen

  1. :check: Nachbarn ansprechen
  2. Alle TEN SING-Gruppen im Westbund besuchen (12/34)

Aber nicht alle Dinge sind messbar. In den vergangenen 77 Tagen...

  • ...bin ich erfolgreich ins dritte Semester gestartet,
  • ...war ich nicht auf Interrail-Tour, aber in Frankreich,
  • ...hatte ich zum ersten Mal eine Couchsurferin zu Besuch.


Kamera & Mensch

So alt wie bezahlbare Digitalfotografie sind Diskussionen darüber, wer sich Fotograf nennen darf, wie schlimm es ist, dass jeder Fotos machen kann, und darüber, was ein gutes Foto ist. Vorweg sei gesagt: Das alles ist total subjektiv und niemand sollte sich anmaßen, ein Urteil zu fällen und für allgemeingültig zu erklären.

Manches ist aber ein paar Gedanken wert. Seit auch digitale Spiegelreflexkameras (DSLRs) erschwinglich sind, werden sie auch gekauft, weil viele Menschen sich davon eine bessere Fotoqualität erhoffen. Damit erntet man schließlich schnell Kommentare wie "gute Quali!". Manchen mag das schon reichen - andere weinen ein bisschen, weil viele Amateurfotografen aus ihrer DSLR nicht das heraus holen, was drin steckt. Und es steckt eine ganze Menge drin - teures Objektiv oder nicht.

Ich fotografiere überwiegend Konzerte und bin daher auf alles angewiesen, was mir mehr Licht auf den Sensor bringt. Entsprechend habe ich auf eine Kamera aufgerüstet, die ein besseres Rauschverhalten hat als Einsteigermodelle, um mit höherer Lichtempfindlichkeit arbeiten zu können. Ich habe Objektive mit großen Maximalblenden gekauft und bin nun sogar auf Canons Profiklasse umgestiegen, um noch etwas mehr Schärfe, etwas bessere Farben und etwas besseres Rauschverhalten bei Dunkelheit auch beim Objektiv zu bekommen.

Trotzdem sind meine Fotos längst nicht die besten. Vermutlich bin ich recht gut, sonst würde ich nicht seit mehreren Jahren für Deutschlands zurzeit zweitgrößtes Festivalportal fotografieren, aber ich bin keineswegs überdurchschnittlich talentiert oder gar in der Lage, mein Geld mit Fotografie zu verdienen.

Menschen zu fotografieren liegt mir beispielsweise nicht. Dazu gehört, das Geschehen vor der Kamera zu kontrollieren - dafür fehlt mir das Gefühl. Deshalb sind mir Konzerte lieber, wo ich das vorhandene Geschehen nur dokumentiere. Andere Fotografen haben dafür Talent, sie können gut mit Menschen umgehen, Situationen auflockern, wunderbare natürlich wirkende Bilder schießen.

Wieder andere haben sich der Landschaftsfotografie verschrieben und stehen früh auf, harren lange bei schlechtem Wetter aus und lassen sich nicht abschrecken, wenn sie nach stundenlanger Fototour mal nur ein einziges gutes Bild mitbringen. Ich liebe Landschaften und ich reise gerne, aber die Jagd nach den besten Plätzen ist mir zu einsam und zeitintensiv.

Tingvellir - 0012.jpgJeder, der fotografiert, sollte sich im Klaren darüber sein, warum er das tut und wofür oder für wen. Jeder, der Fotos veröffentlicht, sollte ebenfalls darüber nachdenken. Entsprechend sollten die Mittel gewählt werden. Nicht jeder braucht eine Spiegelreflexkamera, aber wer das Geld dafür hat, kann es investieren - vielleicht auch in eine Systemkamera, die sicher oft sogar die bessere Wahl ist, oder in eine gute Bridgekamera. Objektive wechseln können muss nur, wer sowohl von Kamera als auch Objektiv Höchstleistung benötigt.

Und nicht jeder sollte auf Facebook oder ähnlich kommentarreichen Plattformen veröffentlichen, denn manchmal lässt man sich zu sehr von den zwangsweise kundgetanen Meinungen beeinflussen und vergisst, warum man eigentlich fotografiert. High-End-Kameras wurden nicht für Leute geschaffen, die Katzen und ihr Mittagessen fotografieren, denn die Zielgruppe für diese Art von Fotos interessiert sich nicht für die Schärfe und die Echtheit der Farben. Ist aber die Pizza hochauflösend und detailreich, wird an den nächsten Urlaubsfotos vielleicht herumgenörgelt, weil die gar nicht so beeindruckend aussehen.

Vorsicht ist also geboten - vor den Tücken der Technik und den Banausen im sozialen Umfeld. Und vor der vermeintlichen "Konkurrenz" - der Durchschnittsfotograf sollte sich nicht mit Profis messen, die außer viel Zeit in der Kälte (um mal bei der Landschaftsfotografie zu bleiben) auch viel Zeit in die Nachbearbeitung investiert haben und bei alledem vermutlich noch etwas Glück hatten. Fotos von Pasta sehen immer aus wie Fotos von Pasta, bei den Wäldern Ecuadors gibt es eben mehr Gestaltungsspielraum und entsprechend groß kann der Neid - oder der Frust - werden, wenn man immer nur zu den Legenden aufblickt.

Was zählt, ist am Ende, ob man das erreicht hat, was man wollte. Auch Urlaubsfotos ohne aufwändige HDR-Effekte bringen Erinnerungen hervor. Eine interessante Straßenszene sollte man auch festhalten, wenn man gerade keine Auswahl aus sechs Objektiven und drei Blitzen zur Hand hat, sondern nur das Smartphone. Und ein gutes Auge für Motive ist mehr wert als die Ausrüstung eines Agenturfotografen. Zu der gehört übrigens auch gerne mal eine wasserfeste Kompaktkamera - denn die beste Kamera ist die, die man dabei hat und auf die man sich verlassen kann.