40 Aufgaben für 80 Wochen

Wie angekündigt hier also die Liste mit den 40 Zielen, die ich in den nächsten 80 Wochen erreichen möchte. Ich denke, alle sind realistisch und sinnvoll. Ein paar sind messbar - viele aber nicht. Daher habe ich auch die Darstellung verändert und werde nun mehr auf die Details eingehen. Das Projekt läuft bis 4. September 2016 und ich bin gespannt, was in der Zeit bis dahin alles passieren wird.

Sport & Ernährung

250km Fahrrad in einer Woche fahren
Chemnitz - Berlin wäre eine Option.
10 verschiedene (ernstzunehmende) Teesorten nennen und zubereiten können
(0/10)
2 Wochen vegan leben
10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen
  1. Pizza nach italienischer Art (die tatsächlich anders ist als die deutsche)
  2. Tofu nach vietnamesischem Rezept
  3. Persische Eierkuchen mit Lauch und Walnüssen
Ein Chinatown in Deutschland finden und leerkaufen
Gewürze! Kräuter! Sojasaucen! Verrückte Dinge, von denen man gar nicht weiß, was es ist!
Pilze im Wald pflücken gehen
Achterbahn fahren
Ängste überwinden!
Ein Fahrrad bauen
Bronze in vier Disziplinen des deutschen Sportabzeichens erreichen
 

Reisen

Einen One-Way-Flug buchen
Mit dem Rad oder zu Fuß an der britischen Südostküste entlang
Alle Nachbarländer von Deutschland bereisen
(3/9)
Nach Malaysia reisen
Am Rothaarigentag in Breda teilnehmen
Alle TEN SING-Gruppen in Sachsen besuchen
 

Medien online

1 Monat lang Tagebuch über meinen Medienkonsum führen
An einem Bloggertreffen teilnehmen
Alle 20 Wochen ein Update dieser Liste posten
(0/4)
Die Hälfte meiner (neuen) Blogposts mit Bildern versehen
Den DSL-Anbieter wechseln
 

Medien offline

Ein TEN SING-Video schneiden
Einen Film selber entwickeln
Einen "Lost Place" besuchen
5 Songs am Synthesizer spielen können
(0/5)
Ein Werk bei Soundcloud veröffentlichen
Weiterhin jedes Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen
Die Probenraum-Akustik verbessern
 

Haushalt

Nähen lernen und
Moltontücher zu Bettwäsche vernähen
Dachboden aufräumen
Bücher einlagern
Den Schreibtisch-Anbau vernünftig zusammenbauen
Die Küche fertigstellen
Dem Probenraum zu einer gescheiten Akustik verhelfen
 

Bildung

5 Bücher-Bildungslücken schließen
(0/5)
100 Leistungspunkte im Studium erreichen
(32/100)
Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben
Angepeilt ist mindestens B1, ich lasse aber mal offen, ob das über einen Sprachkurs passiert oder durch einen Auslandsaufenthalt.
An einer Gerichtsverhandlung teilnehmen
An einer Parteisitzung teilnehmen
Erste Hilfe für Autofahrer auffrischen


90er-Stöckchen

Nicht ganz unverschuldet bin ich von Sumi mit einem 90er-Stöckchen beworfen worden. Es geht darum einige Erinnerungen an die 90er auszugraben - das betrifft bei mir ziemlich genau die Zeit von meiner Geburt bis zum Wechsel auf's Gymnasium. Ich bin mir nicht sicher, wie präzise die folgenden Angaben wirklich in diese Zeit fallen oder nicht schon später waren - aber auf jeden Fall war es witzig, mal wieder daran zurück zu denken. hahahah

Liebster Disneyfilm?

War ja klar dass es gleich mit etwas losgeht, was ich gar nicht so genau beantworten kann. Ich bin absolut kein Filmmensch und war es glaube ich auch noch nie. Ich erinnere mich noch an Fantasia, aber den hab ich erst 2001 im Musikunterricht gesehen. Gesehen habe ich bestimmt ein paar Filme, die damals aktuell waren, aber bleibenden Eindruck hinterlassen hat eigentlich keiner.

Liebste/r Musiker/in/Band?

Bei Musik ist das natürlich ganz anders. Die erste CD, die ich von eigenem Geld kaufte, war die Single Narcotic, der einzige wirkliche Erfolg von Liquido, die übrigens eine deutsche Band waren und auch noch ein paar andere brauchbare Songs geschrieben haben (und deren Mitgründer Tim Eiermann nun bei Deine Jugend spielt, die man sich auch gut anhören kann).

Der Song hat mich von da an mein Leben lang begleitet. Ich feierte ihn auf meiner ersten Party (und allen folgenden), es war eines der ersten Stücke, die ich am Schlagzeug lernte, und inzwischen kann ich jeden Part des Liedes übernehmen - alle vier Instrumente und auch solo sang ich es nun zweimal vor Publikum.

Liebste Süßigkeit?

Und damit kommen wir zu dem, was meine Kindheit lange dominiert hat: Pokémon! Aus gesundheitlichen Gründen war ich nie der große Süßkramesser, aber ich erinnere mich noch an diese Pokémon-Kaugummis... es gab einfach alles von Pokémon.

Pokemon-Kampf auf dem Gameboy

Liebstes Spiel?

Vor allem natürlich die Karten. Aktenordnerweise hab ich die gehabt (okay, ich habe sie immer noch). Keine Ahnung, ob das nun schon in den 90ern oder kurz danach war, jedenfalls nahm ich auch an Wettkämpfen teil. Ich übertreibe gerne mal etwas...

Videospiele waren damals jedenfalls noch gar nicht so das Thema. Zwar zockte ich Tomb Raider lange bevor ich die Altersgrenze erreichte, aber noch nicht zur Grundschulzeit. Auch bei anderen Playstation-Spielen bin ich mir nicht sicher, wann das anfing. Eines der ersten Spiele, die ich suchtete, war jedenfalls Crash Bandicoot. Fantastische Serie. Müsste ich eigentlich mal wieder auskramen...

Liebstes McDonald’s Juniortütenspielzeug? (Jaja, damals hieß das hierzulande noch nicht Happy Meal! :D )

Oha. Meine Erziehung war immer sehr Fastfood-feindlich, aber ich erinnere mich daran, dass die Schlümpfe immer attraktiv waren, weil die Beigaben in den Juniortüten im Vergleich zu den irrsinnig teuren im Laden zu erwerbenden Figuren, Häusern und anderem Zubehör recht großzügig ausfielen.

Liebstes Buch?

Oooh, Bücher. Ich weiß noch, wie ich die Bibliotheksangestellten verwirrte, weil ich darüber enttäuscht war, dass man nur 40 Medien gleichzeitig entleihen durfte. Ich verschlang Bücher wie das Krümelmonster Kekse. Highlights waren auf jeden Fall alle Netsurfer-Bücher und später Level 4: Die Stadt der Kinder und die Mystery Park-Serie. Fantastische Geschichten. hahahah

Liebstes Klamottengeschäft?

Das ist etwas, was sich bis heute gehalten hat: Kleidung ist mir ausgesprochen egal.

Liebste Zeichentricksendung?

Erwähnte ich, dass ich Pokémon suchtete? ;) Dabei gehöre ich auch zu der Fraktion, die nie etwas anderes toleriert hat. Digimon, Dragon Ball, Naruto und was es nicht alles gab - keine Chance.

Was hast du nach der Schule im Fernsehen angeschaut?

Da die ganzen Animes zu schülerfreundlichen Zeiten liefen, entsprechend: siehe oben. :D



55 Aufgaben in 777 Tagen - Auswertung

Als eine Variante von vielen hatte mein "55 in 777"-Projekt zum Ziel, kleine alltägliche Erfolge sichtbar zu machen, indem sie bewusst gemessen werden, und den Erfolg verschiedener Aufgaben über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Schon beim Jahresrückblick vor einigen Wochen erwähnte ich, dass Jahreswechsel schlechte Deadlines abgeben. Daher entschied ich mich einfach für die Schnapszahl von 111 Wochen.

Es sollten realistische Ziele sein, und die meisten waren es auch, und dennoch sind von den 55 nicht nur mehr als die Hälfte nicht erreicht worden, sondern ganze 10 auch komplett verworfen worden. Auf die Gründe dafür möchte ich zuerst eingehen.

Monatlich Habari aktualisieren (0/26)
Da die Entwicklung von Habari, meiner Blogsoftware, viel zu langsam voranschreitet, ist dieses Ziel nicht erreichbar gewesen. Dennoch habe ich alle bekannt gewordenen Sicherheitslücken und Fehler umgehend geschlossen, sofern Patches verfügbar waren.
An 5 Tagen die Woche die Zeitung zumindest grob lesen (0/555)
Das Nachhalten dieser Häufigkeit wäre viel zu viel Aufwand gewesen, daher habe ich das Ziel sehr früh schon wieder verworfen. Spätestens seit meinem Umzug nach Chemnitz habe ich aber auch kaum noch Zeitung gelesen - die Gedanken dazu wären einen eigenen Blogpost wert.
Beim Kirchentag in Stuttgart dabei sein
Ich ließ außer Acht, dass der Kirchentag in Stuttgart nach Ende des Projektes stattfindet. Dennoch ist meine Teilnahme bereits gebucht.
Eine Interrail-Reise machen
Aus verschiedenen privaten Gründen ist daraus nichts geworden, obwohl ich kurz davor stand, und es wird wohl auch nichts mehr draus werden.
Beim Rothaarigentag in Breda dabei sein
Auch das habe ich leider nicht geschafft, wird aber hoffentlich irgendwann mal klappen.

Drei weitere Aufgaben sind aufgrund meines Umzugs hinfällig geworden, zwei weitere habe ich anscheinend stillschweigend unter den Tisch fallen lassen. Hm.

Als nächstes sei nun als eigentliche Auswertung und Feedback an mich selbst die Liste mit den verbliebenen Aufgaben inklusive aller alten und abschließenden Kommentare dargestellt:

Sport / Ernährung

  1. 100 Liegestützen schaffen (13/100)
    An den Sit-Ups sieht man, dass die Online-Trainingsprogramme "100 Liegestütz", "200 Sit-Ups" usw. durchaus Wirkung zeigen, aber mein Durchhaltevermögen war zu gering.
  2. 200 Sit-Ups schaffen (89/200)
    89 Sit-Ups sind allerdings durchaus etwas, auf das ich stolz bin.
  3. :check: 500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück legen
  4. 2 Wochen vegan leben (0/2)
    Ein paar Mal angedacht, aber immer wieder verworfen.
  5. 10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen (3/10)
    Pizza nach italienischer Art (die tatsächlich anders ist als die deutsche); Tofu nach vietnamesischem Rezept; Persische Eierkuchen mit Lauch und Walnüssen. Schwierig, da viele Nationalgerichte Fleisch enthalten.
  6. :check: Zu Weihnachten mindestens 10x backen
  7. :check: Marmelade selber machen
  8. :check: Pudding selber machen

Digital

  1. :check: Alle 77 Tage ein Update dieser Liste posten (9.5/10)
    Close enough.
  2. :check: 100 Artikel schreiben, die nicht Teil einer Serie sind (100+/100)
  3. Mein gesammeltes Videomaterial von TEN SING zusammenschneiden (0/3)
    Videoschnitt erfordert intensive Einarbeitung, und während ich dafür zwar immer wieder mal Motivation habe, fehlt mir die Zeit. Immerhin ist inzwischen genug Rechenleistung vorhanden und die Dateien sind vorsortiert.
  4. :check: 15 Beiträge zu Habari leisten (veröffentlichte Plugins oder Themes oder Core-Bugfixes)
  5. Eine Woche offline gehen (3/7)
    Ein gewagtes Ziel in der heutigen Zeit und auch eins, was mir inzwischen nicht mehr erstrebenswert erscheint, da ich meinen Medienkonsum nicht als exzessiv betrachte und daher auch keine drastischen Gegenmaßnahmen brauche.
  6. :check: 1000 Posts erreichen (1010+/1000)

Foto / Musik

  1. Portfolio mit min. 20 Fotos pro Kategorie füllen (24/60)
    Was ich mir darunter anfangs vorgestellt hatte, weiß ich schon gar nicht mehr, da ich aber inzwischen sicher bin, dass ich auf keinen Fall selbstständig werden möchte, verfolge ich auch alles, was daran hängt, nicht mehr intensiv.
  2. 100 Songs am Schlagzeug vollständig spielen können (43/100)
    Songs abzählen, die ich kann, ist einfach Unfug. Aber...
  3. 50 Songs am Bass spielen können (22/50)
  4. 10 Songs an der Gitarre spielen können (7/10)
    ...es hat mich dazu gebracht, mich ernsthaft mit meinen Instrumenten auseinander zu setzen. Also ein positiver Effekt, der jedoch nicht gemessen werden sollte. Dass ich allerdings am Ende des Projektes nicht nur eine Gitarre besitzen, sondern sogar so gut spielen können würde, dass ich damit auftreten werde, war mehr ein Traum als ein Plan.
  5. :check: Weiterhin min. 1x im Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen
  6. Einen Film selber entwickeln
    Technik ist da, eine Dunkelkammer fehlt.
  7. Einen "Lost Place" besuchen
    Ein schwierig zu erreichendes Ziel.
  8. :check: Beide CD-Regale füllen
    Ich werde auf jeden Fall in sehr naher Zukunft ein drittes brauchen...

Reisen

  1. :check: Beim Kirchentag in Hamburg dabei sein
  2. :check: Beim YMCA-Festival in Prag als Volunteer dabei sein
  3. :check: In einem Nachtzug schlafen
  4. Eine Reise nur mit Couchsurfing bestreiten
    Couchsurfing ist kein Wunschkonzert, daher hat das bisher nicht geklappt.
  5. Eine Reise mit mindestens einer Übernachtung nur mit dem Fahrrad bestreiten
    Und dieses Ziel ist in Sachsen einfach sehr schwer, da hier kaum Ziele in Fahrradnähe liegen und ich auch kein Interesse an wirklich langne Radtouren habe.
  6. :check: Eine Deutschland-Rundreise machen
  7. :check: Nochmal nach Brighton reisen

Freizeit allgemein

  1. :check: Erdbeeren pflücken gehen - war ich nicht mehr seit ich Kind war!
  2. :check: Geocachen gehen
  3. Die Herr der Ringe-Trilogie lesen (0/3)
    Auch dieses Ziel ist aus schlichtem Desinteresse nichtmal angefasst worden. Sowas passiert, wenn man glaubt, etwas tun zu müssen, aber gar keinen persönlichen Sinn darin sieht.
  4. :check: 5 Bildungslücken bei Filmen schließen (5/5)
    Gesehen: Die fabelhafte Welt der Amélie, Pulp Fiction, Täglich grüßt das Murmeltier, Juno, Die zwölf Geschworenen
  5. 5 Träume aufschreiben (4/5)
  6. :check: An einer Demo teilnehmen

Bildung

  1. Jede Woche einen zufälligen Wikipedia-Artikel lesen (0/111)
  2. Jeden Monat einen zufälligen englischen Wikipedia-Artikel lesen (0/26)
    Naja, und dafür fehlt mir einfach die Muße im Alltag, und neben dem Uniwissen noch zufälliges Wissen in mich reinquetschen... vielleicht nebenbei mal, aber sicher nicht regelmäßig, denn wofür?
  3. Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben (0/3 - A1, A2, B1)
    Das wiederum war vielleicht einfach ein zu hohes Ziel für den Zeitraum...
  4. Begrüßung und Verabschiedung in 10 Fremdsprachen lernen (4/10)
    ...und das ein zu sinnloses.

Organisation

  1. :check: Regelmäßig (wöchentlich) den Finanzplaner in Ordnung bringen
  2. Weihnachtsgeschenke spätestens Nikolaus zusammen haben (0/2)
  3. Jahresrückblick spätestens am 28.12. fertig haben (1/2)
  4. :check: Keller aufräumen

Menschen

  1. :check: Nachbarn ansprechen
  2. Alle TEN SING-Gruppen im Westbund besuchen (12/34)
    Und dieses Ziel hätte ich getrost auch streichen können, denn von Sachsen aus wäre das einfach viel zu teuer. Durch TEN SING RheinRuhr habe ich die meisten allerdings kennen gelernt.

Gut funktioniert hat an diesem Projekt, ein paar Ziele im Auge zu behalten, um Dinge, die ich immer schonmal erledigen wollte, die aber längere Zeit benötigen, endlich zu schaffen. Weniger gut funktioniert haben die messbaren Dinge, einfach, weil es bei den meisten gar nicht sinnvoll war, sie zu zählen oder zu messen.

Niemanden interessiert, wieviele Songs der Schlagzeuger von Dream Theater spielen kann (oder der von Tool). Ich hätte locker 100 Songs lernen können - aber warum sollte ich meine Zeit damit verschwenden, 50 Songs zu lernen, für die ich gut genug bin, nur um eine Zahl voll zu kriegen? Da arbeite ich lieber an meinen Fähigkeiten, um mehr Songs spielen zu können - und in der Tat muss ich mich inzwischen für die Bandproben nicht mehr vorbereiten, da ich quasi jeden Song, den wir covern, nach einmaligem Anhören sofort spielen kann. Dafür habe ich Zeit in die Gitarre investiert und kann nun in der Tat einige Songs spielen und bin hochmotiviert, mehr Akkorde zu lernen, besser mit Barré-Griffen umgehen zu können und irgendwann weitere Techniken zu lernen.

Außerdem habe ich gelernt, dass Ziele, für die ich vielleicht Respekt bekomme oder online bejubelt werde, mir nur deshalb nicht unbedingt auch selbst etwas bedeuten. Es ist sicher eine coole symbolische Aktion, mal eine Woche offline zu gehen, aber es würde mein Leben einfach sehr beeinträchtigen und ich hätte nichts davon. Und auch wenn J. mich bearbeitet hat, mir endlich die Harry Potter-Filme anzusehen (und ich deswegen erstmal die letzten beiden Bücher nachgeholt habe), interessiert mich Herr der Ringe nach wie vor nicht, und sei es noch so bekannt und erfolgreich.

Ein weiterer Nebeneffekt waren die Absätze "Nicht alle Dinge sind messbar". Schon länger als das Projekt schreibe ich privat gelegentlich positive Ereignisse meines Lebens auf. Das ist etwas, was mir nach wie vor Spaß macht und auch rückblickend immer wieder hilft, zu sehen, dass keineswegs "nichts" oder "nichts Gutes" passiert ist, sondern eine ganze Menge erfreuliche Dinge passiert sind.

Daher möchte ich mit einem sehr ähnlichen Projekt weitermachen. Für die nächsten 80 Wochen werde ich mir 40 Dinge vornehmen, die mir helfen sollen, langfristig etwas zu erreichen. Erneut sind die Zahlen willkürlich gewählt und sicherlich wird erneut einiges davon anders laufen als geplant. Ein paar der alten Aufgaben werde ich übernehmen, andere sind neu. Die Liste wird in den nächsten Tagen online gehen und dann ähnlich dem alten Projekt regelmäßig aktualisiert erneut veröffentlicht. Sollte sich jemand zu einem ähnlichen Projekt entschließen, würde ich mich über einen Hinweis freuen!



777 Tage

Das Projekt 55 in 777, angelehnt an das Day Zero Project, soll über einen großen Zeitraum kleine und große Erfolge sichtbar machen. Dafür habe ich eine Liste mit 55 großen und kleinen messbaren Dingen erstellt und verfolge diese nun 777 Tage lang. So sah diese Liste am Anfang aus. Der Übersichtlichkeit halber habe ich Kommentare zu bereits im letzten Check abgeschlossenen Punkten entfernt.

Endstand: 22/45

Heute zunächst einmal die normale aktualisierte Liste, danach erstelle ich dann auch eine Auswertung des Projektes und stelle ein neues vor.

Sport / Ernährung

  1. 100 Liegestützen schaffen (13/100)
  2. 200 Sit-Ups schaffen (89/200)
  3. :check: 500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück legen
  4. 2 Wochen vegan leben (0/2)
  5. 10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen (3/10)
    Pizza nach italienischer Art (die tatsächlich anders ist als die deutsche); Tofu nach vietnamesischem Rezept; Persische Eierkuchen mit Lauch und Walnüssen
  6. :check: Zu Weihnachten mindestens 10x backen
  7. :check: Marmelade selber machen
  8. :check: Pudding selber machen

Digital

  1. :check: Alle 77 Tage ein Update dieser Liste posten (9.5/10)
    Close enough.
  2. :check: 100 Artikel schreiben, die nicht Teil einer Serie sind (100/100)
  3. Mein gesammeltes Videomaterial von TEN SING zusammenschneiden (0/3)
  4. :check: 15 Beiträge zu Habari leisten (veröffentlichte Plugins oder Themes oder Core-Bugfixes)
  5. Eine Woche offline gehen (3/7)
  6. :check: 1000 Posts erreichen (1010/1000)

Foto / Musik

  1. Portfolio mit min. 20 Fotos pro Kategorie füllen (24/60)
  2. 100 Songs am Schlagzeug vollständig spielen können (44/100)
  3. 50 Songs am Bass spielen können (22/50)
  4. 10 Songs an der Gitarre spielen können (7/10)
  5. :check: Weiterhin min. 1x im Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen
  6. Einen Film selber entwickeln
  7. Einen "Lost Place" besuchen
  8. :check: Beide CD-Regale füllen
    Ich werde auf jeden Fall in sehr naher Zukunft ein drittes brauchen...

Reisen

  1. :check: Beim Kirchentag in Hamburg dabei sein
  2. :check: Beim YMCA-Festival in Prag als Volunteer dabei sein
  3. :check: In einem Nachtzug schlafen
  4. Eine Reise nur mit Couchsurfing bestreiten
  5. Eine Reise mit mindestens einer Übernachtung nur mit dem Fahrrad bestreiten
  6. :check: Eine Deutschland-Rundreise machen
  7. :check: Nochmal nach Brighton reisen

Freizeit allgemein

  1. :check: Erdbeeren pflücken gehen - war ich nicht mehr seit ich Kind war!
  2. :check: Geocachen gehen
  3. Die Herr der Ringe-Trilogie lesen (0/3)
  4. :check: 5 Bildungslücken bei Filmen schließen (5/5)
    Gesehen: Die fabelhafte Welt der Amélie, Pulp Fiction, Täglich grüßt das Murmeltier, Juno, Die zwölf Geschworenen
  5. 5 Träume aufschreiben (4/5)
  6. :check: An einer Demo teilnehmen

Bildung

  1. Jede Woche einen zufälligen Wikipedia-Artikel lesen (0/111)
  2. Jeden Monat einen zufälligen englischen Wikipedia-Artikel lesen (0/26)
  3. Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben (0/3 - A1, A2, B1)
  4. Begrüßung und Verabschiedung in 10 Fremdsprachen lernen (4/10)

Organisation

  1. :check: Regelmäßig (wöchentlich) den Finanzplaner in Ordnung bringen
  2. Weihnachtsgeschenke spätestens Nikolaus zusammen haben (0/2)
  3. Jahresrückblick spätestens am 28.12. fertig haben (1/2)
  4. :check: Keller aufräumen

Menschen

  1. :check: Nachbarn ansprechen
  2. Alle TEN SING-Gruppen im Westbund besuchen (12/34)

Aber nicht alle Dinge sind messbar. In den vergangenen 77 Tagen...

  • ...verbrachte ich Weihnachten erstmals mit Freunden,
  • ...erlebte ich unsere Mensa als riesige Gesellschaftsspielparty,
  • ...besuchte ich eine alte Freundin,
  • ...besuchte ich endlich wieder ein TEN SING-Seminar und stellte fest, dass es mir immer noch riesigen Spaß macht.


TEN SING Sachsenseminar: I want to be a hippie

Mit Fotos von Anna "Uschi" Kammbach

Geronimo sagt, an dieses Seminar werden wir uns noch lange erinnern, und wenn wir irgendwann nicht mehr jeden Tag von der Freude und dem Glück der vergangenen Tage zehren können, werden uns Lieder daran zurück denken lassen, Erinnerungen wieder hervor holen und auch in einigen Jahren noch Bilder vor unserem inneren Auge erscheinen lassen. TEN SING in der eigenen Gruppe ist ein Lichtblick in jeder Woche - TEN SING in der großen Gemeinschaft verändert Leben.

Zu so großen Worten verleiten mich sechs Tage TEN SING-Seminar in Meerane/Sachsen. In fünf davon haben wir mit über 90 Leuten eine knapp zweistündige Show erarbeitet - das allein ist enorm beeindruckend, und wer die Vorbereitungen genauer betrachtet, wird merken, dass noch viel mehr dahinter steckt.

Sonntag Nachmittag, ich bin zu spät, platze in meinen Workshop, also die Bassisten-Gruppe der Band. Fünf Menschen erwarten mich, einer von ihnen stellt sich als Florien vor und erklärt gerade, welche Töne wo auf dem Griffbrett liegen und wie man seine Hand am Besten hält, wenn man die Saiten anspielt. Die anderen vier hatten teilweise noch nie einen Bass in der Hand - und doch werden Erik, Johanna, Merthe und Sarah am Mittwoch mit mir die Aula rocken und Paranoid, Move Your Feet oder Superheroes begleiten.

Montag, Chorprobe. Sind die Chorleiter so leicht zufrieden zu stellen oder sind wir so gut? Auf jeden Fall habe ich lange keinen so lauten Männerchor mehr gehört. Was bedeutet eigentlich der Text, den wir da singen? This is my deliverance, hands held high as you deliver it, you have made me a child of God. Richtig, das Christus-C im 5C-Modell von TEN SING. Bread without the leaven, ungesäuertes Brot. Christen können offensichtlich auch kräftig feiern, der Song geht gut ab!

Schnell ein Stück Kuchen schnappen und weiter zu den Modul-Workshops. Musiktheorie bei Maddin. Was ist ein Quintenzirkel und wofür ist der gut, und welche Akkorde harmonieren gut, wenn man sie in einem Lied verwendet? Das A ist die zweite Saite an Bass und Gitarre und A7sus2 ist ein A-Dur-Akkord mit hinzugefügter Septime und statt der ersten Terz einer Sekunde - der markante Abschluss-Akkord vom Intro von Behind Blue Eyes.

Workshops, Modulworkshops, LeistungsKompetenzWorkshops (LKW). Die erfahrensten und talentiertesten Teilnehmer aus den Workshops übernehmen direkt selbst die Leitung eines Mini-Workshops mit einigen anderen Teilnehmern und stellen in zwei Teams Shows in der Show auf die Beine. Alina singt "You Can't Hurry Love", aber am Schlagzeug sitzt nicht Phil Collins, das Drumkit ist elektronisch und ungewohnt, der Takt geht immer wieder verloren, für einen zweiten Song wird noch fix ein Ablaufplan geschrieben, ein paar Theaterleute haben Starallüren. Eine wuselige Stunde später haben sich alle zusammengerauft, jetzt läuft der Song, ein "Break" ist nur ein kurzer Break mit Schlagzeugbeat, aber bei "Stop" ist Ende für alle.

Das Essen ist immer der erholsamste Teil des Tages. Da der Raum zu klein ist, wird in zwei Schichten gegessen und die jeweils andere Schicht kann zum Entspannen genutzt werden. Dazu hat aber eigentlich kaum jemand Lust, im Bandraum läuft eine Jamsession, die Duschen sind immer noch kalt (oder schon wieder) und Texte für Solos muss man ja auch irgendwann auswendig lernen.

Erst Montagabend kehrt etwas Ruhe ein, es gibt einen Workshopgottesdienst (oder sagen wir Mitmachgottesdienst, damit nicht alles "Workshop" heißt). Die Aula wird gemütlich hergerichtet, ein Anspiel wird vorbereitet, in der Küche wird um die Wette Obst geschnippelt. Seelsorge wird angeboten, es gibt eine Andacht. Tränen fließen, Teilnehmer, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, verkünden tiefe Ergriffenheit.

Mittwoch, letzte Proben vor der Show. Steven verhaspelt sich jetzt nicht mehr bei "Crazy", die Bandteilnehmer können ihre Songs auswendig und headbangen um die Wette. Die LKW-Probe ist zu langsam, das Theater kann nicht mehr proben, aber auch der zweite Song ist jetzt nur noch knapp vorbei an perfekt. Während wir noch Feedback sammeln, probt schon das zweite Team, das vorgestern noch zu wenig Schlagzeuger hatte und später mit "Born To Be Wild" die Halle zum Kochen bringen wird.

Das Abendessen ist diesmal unfassbar vielfältig, auch bereits eingetroffene Besucher werden im festlich dekorierten Glasgang mitversorgt. Am Schlimmsten ist das Warten, weil dann nichts mehr bleibt um die Nervosität zu überdecken. Wie war noch gleich das Ende des zweiten Refrains, irgendwas mit As-Dur? Dann Intro, rauf auf die Bühne. Die Scheinwerfer verbrennen einem gefühlt die Haare. Bombs away, SAY Geronimo! Der Techniker rauft sich wahrscheinlich immer noch die Haare, wie er bloß die Chordynamik abmischen soll, aber das Publikum tobt.

Merthe, die bisher nur Geige gespielt hat, spielt jetzt Black Sabbaths "Paranoid" mit Steven, der normalerweise Akustikgitarren in der Hand hat, es läuft so geil, dass Christian am Ende den Stagedive wagt. Die LKW-Teams übertreffen sich selbst - alle Aufregung wird zu Energie, Konzentration und Spaß statt Nervosität, Romy singt "Tage wie diese" trotz Lampenfieber fehlerfrei und ich sehe nur noch springende Menschen. Die Schauspieler haben alle ihre Requisiten beisammen und wir werden Zeugen von kochenden Känguruhs und gehirnfressenden Zombies im Gewissen eines Couchpotatoes, wechseln die Perspektiven auf unser Leben mit Hippie vs Hipster und fühlen mit einem äußerst genervten Busfahrer, bis er endlich den Mut aufbringt seinen Job zu schmeißen. Unnötig zu erwähnen, dass nach "Deliverance" Zugaben gefordert werden - offenbar haben wir doch oft genug unsere Stimmen geübt.

Eine fette Aftershowparty, eine kurze Nacht, vier aufgeräumte Schlafräume und eine Workshopeinheit später liegen wir uns dann schon zum Abschied in den Armen. Sachsen ist ein Stück kleiner geworden, viele Gruppen sind näher zusammengerückt und die heute verschickten Freundschaftsanfragen auf Facebook stehen nicht für leere Onlinekontakte, sondern für wunderbare Menschen, die nun durch eine gemeinsame Zeit verbunden sind. Eine manchmal stressige und oft anstrengende Zeit, aber auch eine lehrreiche und vor allem eine Zeit mit viel Gemeinschaft und Spaß, neuen Freunden, überschrittenen Grenzen und entdeckten Talenten. Wir freuen uns auf das Sachsenseminar 2016!



Reiferwachsen

Diese Woche erlebte ich einen interessanten Kontrast zwischen zwei verdrehten Welten. Bis Donnerstag war ich beim TEN SING-Sachsenseminar, um endlich mal wieder mehrere Tage am Stück von kreativen, begabten, liebenswerten Menschen umgeben zu sein und mich musikalisch auszutoben. Es war so toll, dass viele weinten, als es zu Ende war. Für diesen Text ist aber vor allem wichtig, dass ich viele Teilnehmer viel zu alt geschätzt habe, weil sie so viel Reife und Stärke zeigten. Weil 15-jährige sich vor einen Chor von 70 Leuten stellten und ein Lied dirigierten. Weil Menschen, die nie vorher einen Bass in der Hand hatten, in fünf Tagen so hart gearbeitet hatten, dass sie am Ende bei der Show die Menge zum Toben brachten.

Dann kam ich nach Hause und wusch meine Wäsche. Auf dem Weg zum Dachboden, wo der Trockenraum ist, traf ich eine Nachbarin, die mir mitteilte, dass ich mir eine eigene Wäscheleine mitnehmen könne, sie hätte alles abgehängt. Oben fand ich meine noch nasse Wäsche abgehängt und zusammengelegt auf einem Tisch vor und tatsächlich gab es die Wäscheleinen nicht mehr, auf denen meine Wäsche vorher gehangen hatte.

Der Hintergrund dazu ist, dass einer der Mieter ständig im Haus geraucht hatte und auch auf meine und die Bitte eines weiteren Nachbarn hin weder davon Abstand nahm noch sich überhaupt ernsthaft dazu äußerte. Wir schrieben also die Verwaltung an, denn das Haus stank, ich habe Asthma und Rauchen im Haus ist laut Hausordnung (aus eben diesen, wie ich finde recht nachvollziehbaren, Gründen) verboten. Die Hausverwaltung kam, verbot das Rauchen persönlich und beanstandete auch gleich einige andere Verstöße besagter Nachbarin. Damit habe ich mich offenbar so unbeliebt gemacht, dass ich nun ihre Wäscheleine nicht mehr benutzen darf.

Es ist nun nicht so, dass ich auf ihre Wäscheleinen angewiesen wäre, ich besitze einen eigenen Wäscheständer, den ich kurzerhand aus der Bodenkammer holte und aufstellte. Auch habe ich kein großes Interesse daran, mit meinen Nachbarn besser auszukommen als nötig. Aber wie kindisch und albern ist denn bitte diese Aktion? Eine erwachsene Frau mit Kindern teilt mir ernsthaft mit, wenn ich im Haus Unruhe stiften würde, müsste ich auch mit Gegenwehr rechnen, und hängt ihre Wäscheleinen ab, die bislang jeder mitnutzen durfte, dem danach war? Mir wird ins Gesicht gesagt, dass man sich von so einem Jungspund nichts sagen lässt? Kein Wunder, dass die Verwaltung unser Haus einen "Kindergarten" nennt.

Bei solchen Geschichten denke ich mir immer, dass das, was unsere Gesellschaft als Erwachsensein definiert, einfach nichts mit dem Alter zu tun hat. Teenagern, die in der Lage sind, Verantwortung für eine große Gruppe zu übernehmen, eine Band zu leiten, Chöre zu dirigieren und abendfüllendes Programm in Alleinregie zu erarbeiten, traut man nicht zu, alleine mit dem Zug quer durchs Land zu fahren oder einen anständigen Job anzunehmen - aber Menschen, die immer noch an Trotzreaktionen hängen und nicht zu normaler Kommunikation fähig sind, setzen Kinder in die Welt, dürfen Auto fahren und Unternehmen leiten?

Viele Altersgrenzen sind eine Mischung aus statistischem Richtwert und Willkür. Reife kommt mit der Zeit, aber sie steckt nicht in der Torte zum achtzehnten Geburtstag. Teenager sind keine unfähigen, verantwortungslosen Nervensägen, die man in möglichst enge Grenzen weisen muss. Schulabsolventen wissen nur selten sofort, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Studenten sind keine Sozialschmarotzer, die jeden Tag saufen und die man besser nicht anständig bezahlen sollte. Und unter denen, die all das hinter sich haben, sind immer noch genug, die man besser wie Kinder behandeln sollte. Die Merkwürdigkeit dieser ganzen Alterskiste ist so deutlich, dass es schon aufgeschrieben wie ein einziges Widerspruchsknäuel wirkt. Verrückte Welt, wann erkennst du wohl, wer hier wirklich Größe zeigt?



Düsseldorf - Leipzig

Ich sitze im Nacht-Fernbus und habe gerade eine Szene erlebt, die meinen Glauben an das Gute im Menschen wieder festigt. Ein junger Mann wollte mitfahren, bettelte den Fahrer an, er sei aus Dresden, Student und Freunde dort könnten für ihn bezahlen, er hat 35€ dabei, aber die Fahrt kostet 49€. Daraufhin hat doch tatsächlich jemand den Rest für ihn bezahlt oder zumindest ausgelegt, damit er mitfahren kann und nicht in Düsseldorf festsitzt. In Düsseldorf festsitzen ist nicht lustig, ich spreche da aus Erfahrung...

Ich lese In Plüschgewittern von Herrndorf und bin mir noch nicht sicher worum es geht, obwohl ich schon mehr als die Hälfte gelesen habe. Nach Tschick habe ich mir alles unter den Nagel gerissen, was in der Bücherei zu kriegen war, er schreibt einfach unglaublich gut.

Der Fahrer spricht vermutlich eigentlich gut deutsch, hat aber Probleme damit, die Vorschriften abzulesen. Immer wenn er improvisiert ist es flüssig. Bei den Regeln atmet er schwer, macht lange Pausen und lässt die Artikel weg.

Im Buch findet der Protagonist heraus, dass sein Date mit sexuell inkompatibel nicht gemeint hat, dass sie lesbisch ist, sondern dass sie Fetische hat. Man erfährt aber nicht, wie er das findet. Ich erlebe die Reise in Sprüngen, wie der Protagonist, der zuviel trinkt, sein Leben.

Wir sind in Bochum, gerade war Fahrerwechsel und der neue heißt Alex, duzt uns und sagt bei seiner Durchsage so alberne Sachen wie "wenn du zwischendurch Durst hast und vielleicht ne Cola willst oder ne Sprite, komm einfach zu mir, dann möchte ich dir diesen Traum gerne erfüllen", und natürlich freut er sich auch sehr das wir heute mal das Vergnügen miteinander haben. Eigentlich sagt er viel weniger als sein Kollege, aber er braucht dafür genauso viele Worte.

Bei Marsberg wache ich auf, werde nachdenklich, da hatte ich mal eine gute Freundin, die irgendwann verschwand. Gegen halb 2 bin ich fast wieder eingeschlafen, da fängt einer das Schnarchen an. Zeit für den MP3-Player. Der hilft nicht beim Einschlafen, aber immerhin bin ich dann nicht genervt.

Als Ruhen bezeichnen Psychologen einen Zustand, in dem das Gehirn ähnlich arbeitet wie im Schlaf, die übrigen Körperfunktionen aber nicht so weit herunter gefahren werden. Diesen Zustand erreicht man bei Nachtfahrten wesentlich leichter als richtigen Schlaf. Dummerweise ist man dann irgendwann so ausgeruht, dass man weder weiter ruhen noch wirklich einschlafen kann.

Wir stehen. Die Polizei steht auch, aber dann bekommt sie grün, und dann wir. Sonst ist hier keiner um viertel vor vier. Ich sehe die Flippothek, aber der Schnee von der Hinfahrt ist weg. Immerhin müssen wir den Bus nicht verlassen. Das bedeutet allerdings auch, dass der schnarchende Typ einfach weiter pennt. Vielleicht gehe ich doch mal raus.

Der Bus hat die gleiche Heimat wie ich, er kommt von Grafs Reisen aus Gelsenkirchen. Viele Klassenfahrten wurden von denen durchgeführt. Alex sieht aus, als wäre er jünger als ich. Ob McDonald's mehr Umsatz macht, seit es so viele Fernbusse gibt, von denen viele an dieser Raststätte halten? Eine Laterne, die wohl mal von einem LKW getroffen wurde, schwankt im Wind.

Vor uns schert gerade ein Wagen aus Glauchau ein. Verrückt, wie oft ich unterwegs Glauchauer Kennzeichen sehe, Chemnitz dagegen nur selten. Der schnarchende Typ atmet Rotz und klingt jetzt nur noch widerlich.

Das Buch ist fast zu Ende, ich habe jetzt raus worum es ging, es war so simpel, dass ich es nicht gemerkt habe. Draußen liegt Schnee, wir sind gleich in Leipzig. Der Busfahrer rammt fast einen Transporter beim Auffahren auf die Bundesstraße, zumindest sieht das für mich so aus, bestimmt war es harmlos. Ich lese fix weiter.

Leipzig Hauptbahnhof. Ich sitze auf einer dieser Holzbänke, auf denen ich schonmal übernachtet habe, in Frankfurt. Das Buch nimmt kurz vor Schluss noch eine überraschende Wendung. Wieviele dieser Bänke es wohl gibt? Der Bahn-Mitarbeiter grüßt nicht zurück. Vermutlich wirke ich ziemlich herunter gekommen. Jeder wirkt so nach einer Reise über Nacht. Aber das ist okay, denn obwohl ich bis 23 Uhr in Duisburg war, sind es noch fünf Stunden bis zur Vorlesung und nur noch vier Vorlesungen in diesem Semester.



Vorbei rasende Höhen und Tiefen

Hiking - 0007.jpgAnfang, Mitte 20 ist es vermutlich normal, wenn einem jedes Jahr wie ein ganz besonderes vorkommt. Ich versuche dieses Mal gar nicht erst zu begreifen, dass schon wieder ein Jahr vergangen ist, sondern betrachte den Wechsel von Dezember zu Januar einfach als das weitere Fortschreiten des Wahnsinns, der mein Leben ist. Jahreswechsel sind sowieso von viel geringerer Bedeutung, als man bei der ganzen Feierei annehmen könnte, denn vieles wird sich im nächsten Jahr, aber nicht am 1.1., ändern.

Ende 2013 war ich nach Chemnitz gezogen, um dort Sensorik und kognitive Psychologie zu studieren. Anfang 2014 war meine Wohnung immer noch nicht so richtig fertig, was sich änderte, als ich endlich den geplanten Umbau meiner Küche durchführen konnte. Ich bin 1,91m groß und habe daher die gesamte Arbeitsfläche 20cm höher gebaut, um Rückenschmerzen zu vermeiden. Das Ergebnis ist nicht wahnsinnig schick, aber ich bin dennoch stolz drauf, denn es ist komplett selbst gebaut.

Im Studium hatte ich mich schnell eingelebt und brachte auch die erste Klausurenwelle erfolgreich hinter mich. Einige Menschen wurden gute Freunde, andere kehrten mir den Rücken zu. Danach ging es auf Konzerttour - Leipzig, Gießen, Köln, Hamburg. Claire fanden es so cool, dass ich ihnen durchs halbe Land hinterher fuhr, dass sie mir ein T-Shirt schenkten und ihre persönliche Unterstützung für die nächste Tour ankündigten, sollte ich wieder mehrere ihrer Konzerte in weit entfernten Städten besuchen wollen. Ein Traum wurde wahr, und natürlich werde ich auch 2015 am Start sein!

So fing das Jahr im April mit einem dicken Highlight an zu rollen und nahm dann sehr schnell Geschwindigkeit auf. Auch ich rollte durch's Land, denn es verging kein Monat ohne eine geplante oder spontane Reise. So riss ich weitere Kilometer ab, um eine E-Gitarre persönlich abzuholen, denn ich begann, das Gitarrespielen zu erlernen. Vor der Rückfahrt von Hannover ließ mich meine Mitfahrgelegenheit sitzen, dafür traf ich mal wieder Markus, der mir auf meinen Reisen ständig begegnet, nun endlich auch mal in seiner Heimatstadt. Auf der fix umgeplanten Rückfahrt sammelte ich noch mein Fahrrad ein, dass ich am Vorabend nach dem Supershirt-Konzert in Leipzig gelassen hatte - in dem Glauben, es sei gestohlen worden, der erste Schockmoment des Jahres.

Überhaupt gab es auch immer wieder Ärger. Bei einem Diebstahlversuch wurde mein Rad so schwer beschädigt, dass die Reparatur mehrere Wochen dauerte und einen dreistelligen Betrag kostete. Auch musste um diese Zeit unser TEN SING-Auftritt erneut verschoben werden, da die Finanzierung geplatzt war. Sehr ärgerlich, aber es sollte noch bis September dauern, bis wir endlich auftreten konnten.

Dafür nahm TEN SING RheinRuhr am evangelischen Jugendcamp in Siegburg teil. Auch wenn die Aktion stressig war und nicht so glatt lief wie im Jahr zuvor beim Kirchentag, können wir stolz darauf sein, viele Jugendliche zusammengebracht zu haben. Nicht jeder kann von sich behaupten, binnen 48 Stunden eine Show auf die Beine gestellt zu haben und damit in einer fremden Stadt aufgetreten zu sein!

Auch als Konzertbesucher war ich im Sommer weiter unterwegs. Trotz (offenbar veralteten) Geschichten über den Ku-Klux-Klan verbrachte ich eine tolle Zeit beim Highfield Festival, freute mich über das Kosmonaut direkt in Chemnitz und machte etliche neue Erfahrungen beim technolastigen Utopia Island in Bayern. Dazu gehört auch die anschließende Übernachtung auf dem Boden eines bayrischen Bahnhofs - nicht die einzige, später im Jahr traf mich der Bahnstreik und ich durfte auch noch Frankfurter Holzbänke kennenlernen. Ein Obdachloser bewachte mein Gepäck während ich schlief, im Gegenzug hielt ich seinen Platz frei, wenn er rauchen war.

Meine Auslandsreisen verliefen hingegen recht problemlos. Zwar sagte ich die Interrail-Tour mangels Couchsurfing-Unterkünften ab, dennoch ging es aber nach Frankreich, wo ich ein paar schöne Tage an der Küste und in Paris verbrachte. Noch beeindruckender war Island - zwei Wochen in einem Land, das von Natur, Landschaft und Wetter so völlig anders ist als unseres, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

So war der Sommer sicher der Beste seit langem. Wenn gerade weder Festivals noch eigener Urlaub anstanden, verbrachten wir lange Abende grillend und sternschnuppenguckend am Schlossteich oder kämpften uns gemeinsam durch den Mathestoff. Dankenswerterweise werden in Chemnitz die Prüfungsphasen so gebaut, dass alle Klausuren nach den Vorlesungen, aber dennoch lange vor Ferienende liegen, so dass man danach auch wirklich noch einige Wochen Ferien hat. Die NPD flog aus dem sächsischen Landtag und an der TU fingen zum Wintersemester 2014/2015 noch mehr Sekos an als in meinem Jahrgang.

Nach unserer TEN SING-Premiere kurz vor Semesterbeginn hatten wir noch zwei kleine Auftritte und schon waren wir wieder mitten in den Vorlesungen. Die Konzertsaison war nun vorbei und auch längere Reisen mussten erstmal im Kopf stattfinden, für legendäre Hauspartys ist aber immer Zeit. 2014 war ein Partyjahr - ergänzend zu den zahlreichen Konzerten, die schon länger typisch für mich sind, nun auch immer wieder mit Partys an der Uni und bei Freunden. Niemand kann behaupten, Chemnitz sei eine langweilige Stadt!

Mit dem Herbst schimmelte dann auch meine Wohnung wieder weg und meine Laune fing an stärker zu schwanken. Pralles Studentenleben hin oder her, mit so nervigen Dingen wie Ämtern, Vermietern und Nachbarn muss man sich leider trotzdem herumschlagen. Immerhin verbesserte ein überraschendes Jobangebot einer Firma aus New York meine finanzielle Situation erheblich, so dass ich spontan für ein paar Tage nach Brighton, einen meiner Lieblingsorte an der britischen Küste, fliegen und entspannen konnte. Direkt danach besuchte mich erstmals eine Couchsurferin - ebenfalls eine ausgesprochen positive Erfahrung.

Der Dezember schließlich dauerte gefühlt nur einen Atemzug. Trotz gar nicht vorhandener Weihnachtsstimmung, einer Verletzung am Fuß und daraus resultierenden Querelen in der Uni verbrachte ich einen wirklich schönen Abend auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt und später, als ich schon in NRW war, noch einen in der Aachener City. Chemnitz überraschte mit einem Konzert in einem süßen kleinen Cafe direkt bei mir um die Ecke und Weihnachten wurde erträglich durch fast komplett ausgefallenen Familienbesuch und eine alternative Weihnachtsparty bei Freunden. Direkt hinterher ging's noch raus aufs Land die Füße wund tanzen und Silvester verbrachte ich damit, alles, was brannte oder knallte, mit Schneebällen zu bewerfen, denn Sachsen war inzwischen kräftig eingeschneit.

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Im Januar wird endlich meine feuchte Wand saniert und ich fahre mal wieder nach Hessen. Seit ich 2010 auszog, bin ich über 15.000km gereist und falls ich die recht ernste Idee, im März nach Israel zu fliegen, in die Tat umsetze, wird diese Zahl schon bald drastisch steigen. Auch Malaysia und Indonesien stehen auf dem Plan und es wird Zeit, über Auslandssemester nachzudenken. Eine Menge Potenzial für ein weiteres spannendes Jahr - womit wir wieder beim Anfang sind: Aufregende Lebensphasen werden nicht in Phasen vom 1.1. bis 31.12. gerechnet.