Brighton im Regen

Das Konzert war grandios und inzwischen habe ich noch einen weiteren Typen getroffen, der auf meinem Zimmer wohnt. Ist aber Brite und offensichtlich zum Feiern (aka Saufen) hier. Jemand vom Personal behauptet, ich sei im falschen Bett, obwohl ich in dem liege, was mir zugeteilt wurde. Ist dann aber irgendwie egal und ich muss nicht umziehen. Das Dreierbett, in dessen Mitte ich schlafe, wackelt bedenklich, wenn sich über mir jemand umdreht. Die Französin auf Arbeitssuche ist weg, dafür ist eine ganze Gruppe Franzosen angereist und wird direkt mit den Tücken des Hostels begrüßt: Das Fenster fällt zu, als sich eine von ihnen rauslehnt, sie klemmt sich den Finger und wir kriegen das Fenster nicht mehr auf. Erst einer vom Personal schafft es dann irgendwie.

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In Brighton hört man seltener Polizei und Krankenwagen als in London, aber immer noch häufiger als zuhause. Heute regnet es - schade, gestern hatte ich mir noch einen Sonnenbrand geholt. Mich zieht es trotzdem ans Meer. In den Klippen gibt es teilweise Nischen, die Schutz vor dem Wetter bieten; in einer begegne ich einer Band, die gerade zu Ehren eines vor einem Jahr verstorbenen Freundes einen Song aufnimmt. Die Wahl des Ortes begründen sie mit der guten Akustik und in der Tat klingen ihre akustischen Instrumente hier sehr gut.

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An der North Lane ist heute Flohmarkt, was auch bedeutet, dass viele Läden ihren Kram auf die Straße geräumt haben. Es herrscht ein reges Treiben; eine lautstark musizierende Gruppe preist Krishna, trotz des Wetters sind die Menschen gut gelaunt und ich verbringe über eine Stunde in einem Plattenladen, der kleiner ist als mein Schlafzimmer. Und ich sage Plattenladen, weil es hier mehr Platten als CDs gibt. Der Besitzer behandelt alle seine Kunden wie Freunde und spielt Schallplatten auf Wunsch auch vor. Ich erwerbe endlich "Lungs" von Florence And The Machine und zwei Promo-CDs für je ein Pfund. In einem anderen CD-Laden wandert später noch "No Wow" von The Kills in meinen Rucksack. Was wäre eine England-Reise ohne neue Musik.

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Am Abend muss ich trotz des Regens unbedingt nochmal raus. Am Abend zuvor hatte ich nach dem Konzert die wunderschöne Beleuchtung am Pier gesehen, dafür werde ich den Rest meiner Kameraakkulaufzeit verwenden. (Hoffentlich verkraftet das Ladegerät die 250V, die hier aus der Steckdose kommen). Aus fotografischer Sicht war das eine gute Idee, allerdings ist es unglaublich windig und es regnet inzwischen recht kräftig. In Deutschland wäre dafür schon Sturmwarnung gegeben wurden, hier ist es kaum windiger als die ganze Zeit schon.

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Inzwischen sind die restlichen freien Betten auch noch belegt worden von einer Gruppe Sprachassistenten aus Reading, darunter auch ein Deutscher. Sie bleiben allerdings nur eine Nacht auf ihrer England-Rundreise, bevor es demnächst für alle nach 8 Monaten Arbeit im Ausland zurück nach Hause geht. Am Ende meiner Woche Brighton werde ich eine Menge Menschen getroffen haben... hahahah



Blood Red Shoes zuhause in Brighton

Der Anlass meiner Brighton-Reise war ja, dass Blood Red Shoes hier her kommen und ich mal einen Auftritt in ihrer Heimatstadt sehen wollte. So ging es also gestern Abend ins direkt am Meer gelegene Concorde 2. Um 7 war Einlass, da ich mein Ticket noch abholen musste und außerdem möglichst weit vorne sein wollte, war ich schon um halb da. Aber, Überraschung: Quasi niemand stand draußen und auch bei Einlass um 7 waren erst ein paar Dutzend Leute da. Bis dahin hörten wir Cast of Cheers proben, die laut dem ausgehängten Zeitplan um halb 8 spielen sollten. Wir, das sind eine handvoll Briten und ein Franzose, der gerade noch auf irgendeinem Weg ein Ticket für das ausverkaufte Konzert aufgetrieben hat. Es ist nicht sein erster Besuch in Brighton, aber nachdem ihn die beiden Konzerte in Frankreich begeistert hatten, musste er unbedingt wieder herkommen.

Der Einlass ist pünktlich, The Cast of Cheers sind es nicht ganz - vermutlich haben sie noch gewartet, denn irgendwie ist immer noch kaum jemand da. Das hindert die vier Iren aber nicht daran, 45 Minuten lang besten Math Rock zu präsentieren und dabei offensichtlich sehr viel Spaß zu haben. Der Schlagzeuger zerlegt sein Set bei den lauten Stücken fast und der Gitarrist/Keyboarder, der als einziger immerhin 2m² Platz hat auf der kleinen Bühne, springt und tanzt wie wild. Der Sound ist gewohnt hart und es wird viel mit per Fußpedal eingespielten Sounds gearbeitet. Ich habe keine Ahnung, wieso ausgerechnet Cast of Cheers als UK-Support ausgewählt wurden, aber dem Applaus nach zu urteilen kommen sie gut an und ich freue mich, eine weitere gute Band mal live sehen zu können. Und einige Songs wie "Animals", "Family" oder "Goose" kannte ich ja sogar schon.

Nach dem Konzert drehe ich mich um - und falle fast in den Fotograben: Plötzlich sind da hunderte Menschen! Die Concorde 2 fasst 600 Zuschauer und die sind inzwischen offensichtlich fast alle angerückt. Der Franzose und ich quatschen noch ein bisschen mit einem Brightoner Studenten und dann ist die Umbaupause auch schon rum und Blood Red Shoes kommen unter tosendem Applaus auf die Bühne.

Und offensichtlich sind sie in Höchstform. Direkt als Opener kriegen wir "It's Getting Boring By The Sea" und genau mit dem Druck und der Menge Rock geht es auch weiter. Eineinhalb Stunden Brightoner Rock vom Feinsten - und zwar, trotz neuem Album, vor allem alte Songs. Vom neuen sind "In Time To Voices" dabei und "Cold", ansonsten unter anderen "Heartsink", "Don't Ask", "Light it Up" und "It Is Happening Again" vom zweiten Album und neben dem schon genannten Opener noch "Say Something, Say Anything" vom ersten sowie als letzter Song vor den Zugaben "I Wish I Was Someone Better". Dazwischen eingestreut wenige kurze Moderationen; bevor sie einen Song aus der Zeit vor dem ersten Album spielen, betont Laura nochmal, dass es immernoch das Größte für sie ist, vor einem begeisterten Publikum zu spielen.

Und in der Tat ist das Publikum begeistert, springt und tanzt, bildet gelegentlich einen kleinen Moshpit und ist vor allem auch überdurchschnittlich textsicher. Nach "I Wish I Was Someone Better" ist es unglaublich heiß in der Halle und wir sind alle ziemlich glücklich. Nach einer kurzen Pause folgen dann noch drei Zugaben; darunter das sich ewig steigernde "Colours Fade" und als letzter Song für den finalen Moshpit und das totale Ausrasten "Je Me Perds" vom neuen Album.

Am Ende bin ich völlig erschöpft, ausgetrocknet und glücklich und kann sagen: Blood Red Shoes in Brighton sind eine Reise wert. Es geht etwas weniger hart zu als in Deutschland oder auch beispielsweise vor zwei Jahren in London, aber es macht definitiv nicht weniger Spaß. Außerdem bekamen wir als Publikum einen grandiosen Mix aus rockenden Songs zu hören und Laura und Steven sind wieder einmal total in ihrem Element aufgegangen. Während The Cast of Cheers (so weit es ging) über die Bühne sprangen, sind die beiden einfach an ihren Instrumenten total präsent, Laura mit den Haaren im Gesicht, Steven in ständig fließenden und beinahe fliegenden Bewegungen an den Drums. Ich freue mich schon auf Hamburg.



Brighton Shopping

Auf meinem Zimmer sind 18 Betten und etliche davon bezogen, aber getroffen habe ich bisher nur eine nette Französin, die hier ihr Englisch aufbessern will und dafür ein paar Monate hier leben wird. Zur Finanzierung hat sie heute im Restaurant nach nem Job gefragt und direkt eine Abendschicht verpasst bekommen. Hoffentlich packt sie's. hahahah

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Das Frühstück ist gut, aber extrem sparsam. Viel falsch machen konnte man da nicht: Es gibt Toast und Marmelade und Cornflakes-ähnliches Zeug. Abgewaschen wird selbst. Die Französin ist auch da; der Job lief nicht besonders gut, sie wird's jetzt woanders versuchen. Ist auch ganz schön mutig, im Ausland mit schlechtem Englisch arbeiten zu gehen.

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Da ich Concorde 2 gestern nicht gefunden habe, mache ich mich erneut auf den Weg. Dank Google Street View weiß ich jetzt, dass ich auf der falschen Ebene des Küstenweges war. Außerdem will ich nach Marina Town, die kleine Hafenstadt, die ich gestern nur von oben gesehen habe. Dort werde ich dann auch einkaufen.

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Marina Town ist hübsch. Der große Parkplatz von Asda (großer Supermarkt) weniger, dafür bekomme ich in dem Laden alles. Später finde ich mich in einem anderen Shop wieder und probiere Gummistiefel an. Naheliegend, dass hier am Wasser welche verkauft werden. Leider finde ich keine, die gescheit passen. Für Shoppingliebhaber dürfte das hier aber das Paradies sein: Diverse kleine Läden, von denen man gar nicht immer weiß, was sie verkaufen, Klamottenläden und ein Calvin Klein Outlet. Außerdem sind in der Marina Village alle großen Fastfood-Ketten hier vertreten, verhungern muss man also auch dann nicht, wenn man sich mit dem Einkaufen oder englischem Essen schwer tut.

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Laut Wetterbericht sind es heute 13°C, gefühlt 12. In der Realität ist richtig warm, in der Sonne sind es deutlich über 20 Grad. Auf den Bänken sitzen jetzt am Mittag ein paar Leute mehr als gestern, voll ist es trotzdem nicht. Ich komme am Concorde 2 vorbei und höre mir von einer Bank auf dem Dach aus an, wie Blood Red Shoes die letzten beiden Songs proben. hahahah Später, als ich hier wieder vorbei komme, wird die Technik aufgebaut; ich bin versucht zu fragen, ob sie Helfer brauchen, aber wenn Briten mit mir Englisch reden, verstehe ich quasi nichts, ist also vermutlich keine gute Idee und ohnehin ziemlich aussichtslos. Auf dem Rückweg sehe ich einen Showtec-LKW am Backstageeingang, vermutlich ist es aber nicht Showtec aus Köln.

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Laut Wikipedia hat Brighton eine große Schwulen-Lesben-Bisexuellen-Transgender-Szene; das ist mir bisher nicht aufgefallen, dafür aber, was ich bei der Kaltmamsell gelesen habe, nämlich dass es hier viel vegetarisches und Bio-Essen gibt. Restaurants werben teilweise mit vegetarischen Angeboten, Supermärkte haben Vegetarier-Abteilungen und bei Subway gibt es zwei vegetarische Subs und nicht nur eins. Ganz zu schweigen von spezialisierten Vegetarier- und Bioläden.



Brighton Sea Walk

Der Einlass zu den Zugplattformen funktioniert wie bei den U-Bahnen mit Magnetstreifenkarten. Unten ist Baustelle und es ist windig - so windig, dass es einen umhaut, wenn man nicht darauf achtet, festen Stand zu haben. weder aus den Fenstern des Flughafens noch unten am Bahnsteig gibt es etwas zu sehen. Dafür wirken die Menschen alle sehr freundlich; Bahnpersonal bietet von sich aus Hilfe an und auf der Treppe hilft ein vorbeilaufender Passant einem älteren Herrn mit dem Koffer, indem er kommentarlos mit anpackt bis unten, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Auch über Brighton wurde mir schon berichtet, dass die Menschen dort sehr freundlich sein sollen. Ich bin gespannt.

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Mein Zug kommt leicht verspätet, weil das Gleis voll ist. Die Wagenanzahl und die empfohlene Einstiegsposition wird am Bahnsteig angegeben, im Wagen wird die Wagennummer durchgesagt. Zugteilungen sollten hier niemandem Probleme machen. Der Zug ist nicht schön, aber man sitzt bequem. In einer halben Stunde bin ich in Brighton und werde mich dort auf die Suche nach dem Hostel machen.

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Keine Ahnung wo ich hin muss. Einfach mal loslatschen, wird schon klappen. An der nächstbesten Touristeninfo bekomme ich einen Stadtplan geschenkt und eine Wegbeschreibung zum Hostel. Ich bin jetzt schon hellauf begeistert: Die Menschen hier lächeln einfach so, manche singen oder summen leise, irgendwie scheinen hier alle glücklich zu sein. Ich biege falsch ab, schaue auf den Plan und werde von einer gut gelaunten Frau angesprochen ob ich mich verlaufen habe. Sie ist Englischlehrerin und hat oft mit Deutschen und Schweizern zu tun und natürlich kann sie mir auch sagen dass ich bloß in die falsche Richtung gelaufen bin. Einen Tipp, welche Ecken von Brighton mich interessieren können, gibt es gleich dazu.

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Das Kartenterminal des Hostels ist defekt, also gehe ich erstmal Bargeld holen. Wenig später kann ich auf mein Zimmer und bin erstmal etwas geschockt. Während Brighton wunderschön ist, ist das Hostel die letzte Absteige. Der Schlafraum ist immerhin noch nur die reine Zweckmäßigkeit, aber bei den Toiletten ist an der einen Kabine die Tür und an der anderen das Licht defekt und Fliegen haben den Raum bevölkert. Hier werde ich sicher wenig Zeit verbringen.

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Raus zum Strand. Der liegt ohnehin auf dem Weg zur Concorde 2, wo morgen das Konzert stattfinden wird, dann weiß ich auch direkt mal wo das ist. Aus dem Hostel raus, die Straße runter, nach wenigen Minuten sehe und höre ich das Meer. Ich war lange nicht am Meer... und ich hatte ganz vergessen, wie schön es ist.

Die Straße am Meer entlang. Irgendwann stelle ich fest, dass ich vermutlich längst an der Concorde 2 vorbei gelaufen bin. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen immer andere Häuser. Wohngebiete zunächst, vereinzelte Lokale, dann Botschaften oder etwas ähnliches, große Villen. Ein öffentlicher Golfplatz. Immer noch eine Ecke und noch ein Stück weiter, keine Ahnung, wo ich inzwischen bin, aber immer wieder gibt es etwas neues zu sehen. Am Ende erblicke ich ein Schloss in der Ferne. Zeit, die Kamera rauszuholen. Danach auf die andere Straßenseite - inzwischen sind quasi keine Menschen mehr zu sehen, nur noch schnell vorbei fahrende Autos.

Marina Town. Hier bin ich also. Die Mini-Stadt am ehemaligen Hafen. Ich setze mich hinter eine Düne, der Straßenlärm verschwindet und ich blicke auf das Meer und die Marina Town. Der Anblick ist einfach unbeschreiblich schön. Auf kleinster Fläche sind Häuser zusammengepfercht, durchzogen von Schiffen und vereinzelten Surfern. Daneben Klippen. Dahinter das offene Meer. Rechts von mir steht die Sonne tief, man sieht schon den Mond. Ich könnte ewig hier sitzen.

Irgendwann breche ich doch auf und laufe zurück, diesmal auf der Meerseite. Kleine Wege entlang, damit ich das Meeresrauschen statt dem Straßenlärm höre. Ich bin dem Meer jetzt ganz nah. Einige Meter tiefer gelegen als die Straße, aber immer noch etwas über der Strandebene, ziehen sich hier wunderschöne Wege entlang. Rechts die Felsen, in die ab und an Bänke eingefügt wurden, links allerlei Begrünung und dahinter der Strand und das Meer. Nah am Wasser und doch in der Stadt.

Die tiefstehende Sonne wärmt mich auf dem Weg zurück. Es ist erstaunlich, wie wenig Menschen hier sind, nur alle paar Minuten treffe ich mal jemanden. Dabei habe ich schon gehört, dass Brighton teilweise ganz überlaufen ist von Touristen. Bisher merke ich davon angenehm wenig. hahahah



Fliegen

Flughäfen sind merkwürdig. Man läuft durch riesige, von unterbezahlten Reinigungskräften auf Hochglanz polierte Hallen, um irgendwo an einem kleinen Schalter sein Gepäck abzugeben. Für jede Station auf dem Weg zum Flugzeug gibt es Uhrzeiten, wann man spätestens da sein muss. "If you're late, we won't wait", schreibt Easyjet auf die Bordkarten. Wie könnte ich zu spät sein? Es ist noch eine Stunde Zeit bis zum Abflug und ich bin mit der Gepäckaufgabe bereits fertig.

Was einem jetzt noch bleibt, außer die Hallen zu bestaunen, wäre irgendwas zu kaufen. Falls man Krösus ist, natürlich. Wahlweise normal vor dem Terminal oder dahinter (dann natürlich "duty-free"). Oder man geht nochmal auf die Toilette. Das kann ich in Düsseldorf eher so mäßig empfehlen, denn von dem Hochglanz ist da noch nichts angekommen. Vielleicht, weil die Toiletten ganz hinten am Schalter für Sondergepäck sind, wo man nur hingeht, wenn die anderen wie heute gesperrt sind - oder man Sondergepäck hat.

Dort würde man dann möglicherweise Instrumente und Sportgeräte aufgeben. Oder Schlachtvorrichtungen. Oder seine persönlichen Minen, die man immer dabei hat; aber da der Schalter mit "bulky luggage" ins Englische übersetzt wurde, wohl doch nur die sperrigen Gegenstände.

Das Interessanteste sind noch die Menschen, die hier rumlaufen. Familien und Singles, Freizeit- und Geschäftsreisende. Aber morgens um 7 ist selbst am Flughafen nicht viel los. Die Leute, die mit mir aus dem Skytrain ausstiegen, passten alle auf einmal in den Aufzug, und am Check-in stand ich keine fünf Minuten. Ärgerlich, wenn man dafür viel mehr Zeit eingeplant hat.

Mal schauen, was für einen Sitzplatz ich gleich bekomme. Bei Easyjet gibt es (noch) keine Sitzwahl, daher habe ich keine Ahnung, wie das funktioniert. Möglicherweise setzt man sich einfach irgendwo hin, wenn man reinkommt. Welchen Vorteil hätte es sonst, das aufpreispflichtige "Speedy Boarding" zu buchen ("als erster im Flugzeug sein")? Schließlich klappt es am Flugzeug meistens einigermaßen, dass nicht alle drängeln und in der Tür stehen bleiben wie im Zug.

Noch 83 Minuten bis zum Start. Sagt man dazu eigentlich Take-off oder heißt das nur in der Raumfahrt so? Ist auch egal, jedenfalls dauert mir das alles zu lange. Flugzeuge starten nahezu immer pünktlich. Blöd nur, dass man davon nichts hat, weil man schon ewig vorher am Flughafen sein muss, denn es könnte ja irgendwas schief gehen oder der Schalter ist voll oder oder. Und dann muss man einchecken und durch die Sicherheitskontrollen und boarden und ach, dagegen ist Zugfahren wirklich einfach.

So hat eben mal wieder alles seine Vor- und Nachteile und deswegen würde ich auch nie im Inland fliegen. Über das Meer allerdings würde es mit dem Zug einfach ewig dauern, außerdem ist der Zug durch den Tunnel auch nicht gerade billig. Im Gegensatz übrigens zu dem Zug, mit dem ich vom Flughafen Gatwick nach Brighton fahre; der fährt 50 Kilometer in 27 Minuten für 4,50 britische Pfund. Schneller schaffen es die deutschen Regionalzüge auch nicht, eher im Gegenteil.

Noch 76 Minuten bis zum Start, 36 bis zum Beginn des Boardings. Dafür fangen jetzt die Durchsagen an: Gepäck nicht unbeaufsichtigt lassen, auf Wertgegenstände aufpassen. Vor mir ist plötzlich wie aus dem Nichts eine riesige Schlange entstanden, die muss natürlich jetzt regelmäßig über die Gefahren eines Flughafens informiert werden. Ich gehe dann mal besser zu den Sicherheitskontrollen und sitze dann dahinter weiter rum. In Deutschland lohnt es sich ja nichtmal dafür, früh zu kommen.

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Die halbe Stunde verbringe ich bei den Sicherheitskontrollen und in langen Gängen. Die Terminals sind alle wild durcheinander, nur das mit der letzten Nummer (meins) ist ganz hinten. Das Boarden geht problemlos vonstatten, im Gang komme ich ins Gespräch mit zwei anderen Deutschen. Eine davon teilt sich eine Sitzreihe mit einem Iren und mir. Bis zum Start dauert es noch eine halbe Stunde, aber ich komme mit dem Iren ins Gespräch und schon starten wir. Der Ire ist viel rumgekommen, hat in fast allen Teilen der Welt mal gearbeitet - und momentan ist er an der Ruhr-Uni in Bochum angestellt. Wir unterhalten uns über das Reisen an sich und die verschiedenen Länder und Kulturen. Ich lerne, dass es in China zu Staus kommt, weil Leute ihre Kühe über die Autobahn treiben und dass Stau im Schweizerdeutsch Puff heißt. Und schon landen wir in Gatwick.

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Das Auschecken und Einsammeln des Gepäcks läuft reibungslos ab. Der Ire fliegt weiter nach Irland, dafür treffe ich die Deutsche wieder, die inzwischen ihre Kinder getroffen hat, die in Brighton studieren. Mein Ticket habe ich schon, mit dem Eingeben des Reservierungscodes in den Automaten war auch das sofort erledigt. Leider geht mein Zug erst in zwei Stunden, so fahren wir nicht zusammen. Aber Brighton ist nicht groß und man trifft sich bestimmt mal wieder. Ich vertreibe mir die Zeit mit Fotos sichten und bearbeiten und bei der Cloud, einem deutschen WiFi-Betreiber, gibt's 15 Minuten kostenloses Internet.

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Übrigens ist das hier der 800. Post auf Konzertheld.de. hahahah



Keine Störungen in Sicht

Meine Damen und Herren, auf dem vor uns liegenden Streckenabschnitt befinden sich, soweit ich das überblicken kann, keine Störungen. Das bleibt hoffentlich auch bis zum Ende der Fahrt so und von mir aus auch gerne bis Schichtende. Mir bleibt also nichts, als Ihnen von Herzen einen schönen Sonntagabend und eine angenehme Reise zu wünschen. Unser nächster Halt ist Köln Trimbornstraße, der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung links.

Ein kleiner Nachtrag zu vorhin, lassen Sie sich von dem schlechten Wetter nicht verärgern, das ist halt das Aprilwetter.

Herr Meiermüllerschulz bitte nach vorne in die Zugführerkabine, es liegt eine Nachricht für Sie vor.

Wundervoll! So leicht kann man eine öde Zugfahrt mit Halt an jeder Mülltonne auflockern. Und wenn man dem Fahrer das dann sagt, freut er sich auch. Gerne mehr davon! hahahah



52 Songs: Einschlafen

Letzte Woche war ich in Niedersachsen, diese Woche ist natürlich auch das Projekt {52s} wieder dran. In Runde 42 geht es darum, welche Musik man vor dem Einschlafen hört.

Praktischerweise fing ich letztens damit an, überhaupt Musik vor dem Einschlafen zu hören (wieso auch immer ich nicht schon früher auf die Idee kam). Musik ist ein wunderbares Hilfsmittel, um den Kopf frei zu kriegen und sich zu entspannen, so dass man danach gut einschlafen kann. Bei mir klappt das am Besten mit elektronischer Musik, z.B. Dubstep. Eigentlich jeden Abend dabei ist deshalb Bangarang von Skrillex.



Gedankensammlung (vegetarisch)

Letzte Woche war Dassel-Seminar, also das deutschlandweite und damit auch deutschlandweit größte TEN SING-Seminar. Eine Woche, in der ich durchgehend Spaß oder zumindest gute Laune hatte und auch so viel gelernt habe wie lange nicht mehr. Wir haben in vier Chorproben fünf Lieder gelernt, in zwei Nächten zehn Tonnen Technik abgebaut, verladen, transportiert, wieder aufgebaut und nach der Show wieder abgebaut, wir haben in einer Woche eine Stunde beeindruckendes Programm aus dem Boden gestampft und wir haben in einer halben Stunde 213 Menschen umarmt.

Nebenbei war es mein erstes Seminar als Vegetarier und den Meinungen der Nichtvegetarier nach zu urteilen war unser Essen wesentlich besser. Wir waren gut zehn Prozent Vegetarier, die Köchin ebenfalls. Später beim Technikaufbau gab's Veggie-Burger von McDonalds und vegetarisch belegte Pizza und ich stellte fest, dass ich Fleisch inzwischen nicht mehr vermisse. Ich biss sogar im Dunkeln versehentlich in ein Stück Pizza mit Fleisch und legte es wieder weg, weil es mir schlicht nicht schmeckte.

Ich stellte außerdem mal wieder fest, dass es sich nicht lohnt, sich mit Menschen abzugeben, die einem irgendwas vormachen. TEN SINGer sind irgendwie prinzipiell toleranter, offener, ehrlicher und direkter als andere Menschen und diese Woche mit über 200 solcher Menschen war einfach nur wundervoll. Da ist es einfach überhaupt kein Problem, Leute anzusprechen und sich nett zu unterhalten oder Komplimente zu machen einfach nur weil es nett gemeint und ehrlich ist. Es ist auch kein Problem, man selbst zu sein und jeden Scheiß zu machen auf den man Bock hat - statt dass man komisch angeguckt wird, werden sich Leute finden, die mitmachen.

Der Alltag hat mich heute total erschlagen. Alleine im Zug sitzen und leer in die Gegend starren, während alle anderen ebenfalls leer in die Gegend starren, statt mit hundert Leuten eine Straßenbahn zu stürmen, chaotischer Kofferhaufen zu bilden, wildfremde Menschen fröhlich zu begrüßen und zu singen. Alleine zuhause hocken statt in Räumen voller gut gelaunter Menschen mit Bechern Rhythmen auf den Tisch zu klopfen. Musik von Spotify hören statt mit 200 Leuten in einem Chor zu singen. Die Boxen einschalten statt ein 40-Kanal-Mischpult zu bedienen.

Eine wundervolle Zeit liegt hinter mir. Aber es liegt auch eine wundervolle Zeit vor mir. Nächste Woche geht es nach England und kurz darauf startet meine NRW-Norddeutschland-Reise. Als ich beim Seminar erzählte, dass ich gerade TEN SING-Gruppen in NRW besuche, wurde ich direkt in weitere Gruppen auch in anderen Bundesländern eingeladen. So werde ich in sechs Tagen von Bonn nach Hamburg reisen, dort dann ein paar Tage bei Freunden bleiben und dann zum Jugendtag Richtung Berlin fahren. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.