Rückblick auf Rock am Ring - 1. Teil

Größen wie Metallica, Die Toten Hosen und Linkin Park sorgten dafür, dass Rock am Ring schon im Januar ausverkauft war und auch Rock im Park folgte etwas später mit der Meldung: Keine Karten mehr zu haben. Doch neben den begeisterten Massen - jeder tausendste Deutsche fährt zu Rock am Ring - wurden auch die kritischen Stimmen wieder laut: Rock am Ring ist dem Kommerz verfallen, hat außer Headlinern nichts zu bieten.

Nach der Fahrt nach Koblenz, vom Ruhrgebiet aus der nächste Bahnhof, von dem Shuttlebusse fahren, hat uns jedenfalls erstmal die erste Enttäuschung getroffen: Der Shuttlebus war gerade weg, 30 bis 45 Minuten bis der nächste kommt, außerdem sind viele Zeltplätze schon voll. Der Shuttlebus ist nicht im Ticketpreis enthalten, sondern kostet acht Euro pro Strecke, und er fährt über eine Stunde. Als dann der nächste Bus kam und wir nicht mehr reinpassten, war klar, der angenehme Teil der Anreise ist in Koblenz zu Ende.

Irgendwann, als es schon lange dunkel war und wir unterwegs noch ein paar Leute aufgegabelt hatten, die sechs Kilometer vom Campingplatz entfernt parken mussten, kamen wir dann auch mal an. Mit Hilfe der anderen Camper auf unserem Wunschzeltplatz schafften wir es sogar, uns dort zu platzieren, wo Plan B es vorgesehen hatte. Alles außer Essen wurde auf den Freitag verschoben, es war inzwischen nach Mitternacht und wir mit den Nerven am Ende.

Freitag war dann erstmal alles entspannter. Wir holten unsere Bändchen, ließen uns von den Zeltnachbarn verarschen, weil zehn von uns zwölf Vegetarier sind, brachten den Gaskocher zum Laufen (sogar ohne Panzertape) und richteten uns erstmal ein. Mein Konzertplan für Freitag war sowieso entspannt, nur drei Bands, die ich ernsthaft sehen wollte. Aber eigentlich war der Konzertplan für das ganze Festival entspannt, denn von den drei großen Headlinern interessierte mich nur einer wirklich und auch sonst war das Line-Up im Vergleich zu Hurricane und Deichbrand für mich eher uninteressant, obwohl Rock am Ring fast so teuer ist wie die beiden anderen zusammen.

Meine erste Band spielte dann auch direkt auf der Center Stage, der sagenumwobenen, der mit dem neuen Einlasssystem und den drei Zonen, von denen die vorderen zwei beschränkt sind. Es war erst Nachmittag, aber die erste Zone war schon dicht, und während des Festivals würde sich das auch nicht ändern. Wer einmal drin war im vordersten Wellenbrecher, ging nicht mehr freiwillig raus. Ich begnügte mich also mit Zone B und genoss The Subways, die ein bisschen klein wirkten auf der riesigen Bühne, ihren Auftritt aber sichtlich genossen. Party ist bei denen sowieso immer - die Musik ist unglaublich mitreißend, die Band ist live einfach richtig gut und außerdem streuen sie ständig ins Deutsche übersetzte Strophen ihrer Songs ein, zum Beispiel bei "Rock&Roll Queen" und "We Don't Need Money To Have A Good Time".

Ganz im Festivalsinne blieb ich danach zu Cypress Hill, die mit Hiphop ungefähr gar keine Übereinstimmung mit meinem Musikgeschmack haben, aber wo ich eh mal da war, konnte ich auch mal über den Tellerrand schauen. Ganz klischeehaft war ungefähr jedes dritte Wort "fucking" und jeder zweite Satz Eigenlob, aber die Jungs verstehen es das Publikum anzuheizen und am Ende gab es Soli für den Percussionisten und den DJ, was echt cool war. Im Gegensatz zu den darauf folgenden Kasabian, von denen ich nur "Underdog" kannte und die eine lahme Enttäuschung waren. Der Sänger sah aus wie Liam Gallagher, war aber offensichtlich weniger auf Drogen.

Also Gelegenheit etwas eher abzuhauen und einen guten Platz an der Alterna Stage zu ergattern. Zone B war, als ich rauskam, inzwischen auch geschlossen, und überhaupt waren an der Center Stage unheimlich viele Menschen, die unheimlich wenig Spaß hatten. Ganz im Gegensatz zu denen bei Guano Apes, wo es kein Problem war, im zweiten Wellenbrecher nach ganz vorne zu kommen - nach den ersten Songs hörte ich irgendwo neben mir "hier sind wir richtig". Und als "Open Your Eyes" als vierter Song kam, erreichte die Stimmung den Höhepunkt und es gab bis zum Ende des Konzertes ständig Moshpits. So muss das!

Aufgrund einer Zeitplanänderung verpasste ich leider den Anfang von Fiva & Das Phantom Orchester, aber die Stadt gehört trotzdem denen, die da waren. Eins meiner persönlichen Highlights - das Konzert an der Clubstage war mit wenigen tausend Zuschauern vergleichsweise winzig, aber Fiva ist so süß wenn sie sich ständig bedankt weil alle, die da sind, sie einfach nur feiern, und das Publikum war so begeistert, dass schon nach zwei Dritteln des Konzertes Zugaben gefordert wurden, obwohl noch reguläre Spielzeit war. Wunderbar angenehmer, klischeefreier Hiphop beim Ring mit Fiva MC, dem DJ und dem Kontrabassisten.

Planlos was ich bis Evanescence tun sollte ließ ich von den anwesenden Mädels beraten, hörte mir Musik vom Handy an und blieb zu The Koletzkis. Die warteten nicht mit großer Show oder vielen Klängen auf, sondern mit minimalem, tanzbaren Elektro. Das aber in einer Qualität, die das Publikum auch durchweg zum Tanzen brachten. So blieb ich bis zum Schluss - verlasse nie ein gutes Konzert! - und bestaunte Evanescence von weiter hinten, wie sie stimmliche und instrumentale Leistungen brachten, die nur möglich sind, wenn man voll hinter seiner Sache steht. Ein Ohrgasmus quasi, und die Technik tat ihr übriges und ließ den Platz vor der Alterna in Licht förmlich explodieren.

Auf dem Weg zur Center, wo gerade Linkin Park auf die Bühne kamen, verweilte ich noch kurz erneut an der Club Stage, wo gerade Moonbotica auflegten, die mir von diversen Remixes ein Begriff waren. Auch dort großartige Stimmung und ich gewann zunehmend mehr den Eindruck, dass die kleinsten Konzerte hier die besten sind. An der Clubstage ist einfach alles nicht so Overkill wie an den beiden großen Bühnen.

Linkin Park allerdings waren auch nochmal ein Highlight. Leider sah ich quasi gar nichts von ganz weit hinten, da die Videoleinwände ständig ausfielen (was sich im Verlauf des Festivals auch nicht besserte), aber spätestens ab Bleed It Out, wo ich einen Ultrafan in der Menge entdeckte, war Party angesagt, und wen stört es schon, wenn um einen herum eher mäßiges Mitnicken als wildes Springen angesagt ist?!

Als Absacker gab's dann noch Marilyn Manson. Der war, wie man es erwartet - laut, grell, aggressiv und ein bisschen krank. Man kann nicht sagen, dass er nicht feiert, aber es strömten ständig Menschen weg. Auch schien die Technik schlecht zu sein, denn es gab ständig Rückkopplungen. Trotzdem waren Massen vor der Alterna und ich war froh, mit einigen anderen seitlich hinter dem Absperrzaun auf dem erstaunlich weichen Asphalt zu sitzen und das Konzert aus der Ferne zu beobachten, bis ich keine Lust mehr hatte.

Aber apropos Sound. Als ich Richtung Campingplatz lief, platzte mir fast der Schädel, als ich am Zelt der Independent Party Station vorbeikam. Unglaublich dröhnende Bässe und ein irrsinnig lauter Sound drangen heraus - alle drei Bühnen waren ein Witz dagegen. Überhaupt empfand ich den Sound bei Rock am Ring als sehr leise und auch immer wieder als schlecht abgemischt. Bei Cro am Sonntag gab es auch Hinweise darauf, wieso - die Techniker hatten ihre interne Kommunikation auf die PA geschaltet und so konnte jeder Anwesende mithören, dass sie total unter Zeitdruck stehen und nicht fertig wurden bis das Konzert anfing. Zeitplan vor Qualität also. An den Videos der übertragenden Sender habe ich nach dem Festival erstmal gemerkt, wieviel ich tatsächlich aufgrund der schlechten Mischung einfach nicht gehört habe.



Musik-Neuentdeckungen 6/2012

Trotz Rock am Ring ging der Monat eher langweilig los, was neue Musik angeht.

  • Garbage - I'm only happy when it rains (Hurricane)
    Ist das eigentlich wirklich so bekannt wie ich denke? Ich kannte genau diesen Song und stellte dann fest, dass die Band noch mehr drauf hat.
  • Jennifer Rostock - Mikrofon (Hurricane)
    Jennifer Rostock konkurriert beim Hurricane mit Royal Republic... nachdem ich mehrfach gesagt bekam, dass Jennifer Rostock live genial ist/sind, war ich da - sechs Lieder, dann bin ich rüber zu RR. War gut - aber nicht gut genug, um die schwedischen Punker zu schlagen.
  • Bonaparte - Shenanigan (Hurricane)
    Wer hingegen genial war, waren Bonaparte. Super Konzert, interessante Show und absolut geniale Fans. So friedlich und doch so heftig Party hat man selten. Keine Ahnung, ob es einen Song gibt, der so heißt, bzw. ob der Song so heißt, aber das Wort kommt darin häufig vor...
  • The Hundred In The Hands - Pigeons (Open Source)
    Und endlich mal wieder eine Band mit "Wow! Die muss ich unbedingt nochmal sehen!"-Effekt! Das Open Source ist ein kleines Festival in Düsseldorf, das sich der alternativen und elektronischen Musik verschrieben hat. The Hundred In The Hands passen da gleich doppelt rein und für deren Musik gibt es sogar eine Genrebezeichnung, die ich noch nicht kannte: Indietronica - die Indie-Szene der elektronischen Musik. Live sind sie übrigens deutlich besser als aus der Konserve!


Serverumzug

Wegen eines Serverumzugs war Konzertheld.de heute tagsüber nicht erreichbar. Das liegt daran, dass sowohl mein alter Hoster Webhoster als auch mein neuer Hoster 1&1 schneller gearbeitet haben, als ich es erwartet hatte. Das ist positiv, hat aber dafür gesorgt, dass ich mit dem Umzug der Domain nicht hinterher kam bzw. die Daten nicht schnell genug rüberschaufeln konnte.

Nachdem Webhoster mal wieder irgendeine PHP-Konfiguration kommentarlos verändert hatte, habe ich mal meine Kündigungsfrist nachgeschaut und siehe da, die ist bald. Und siehe da, 1&1 hat gerade mal wieder ein Angebot für ein paar Gratismonate in deren gehobenen Paketen. So habe ich nun nicht nur etwas mehr Speicher und unbegrenzt Traffic, sondern vor allem auch mehr Inklusivdomains (mehr zu deren Nutzung später), Git-Versionsverwaltung und SSH-Zugriff auf meinen Webspace. Alles Dinge, die mir das Leben einfacher machen.

Erstmal ändert sich dadurch nix. Dadurch, dass ich jetzt Git habe, werde ich aber beim Programmieren in Zukunft ordentlicher arbeiten können. Und dadurch, dass ich jetzt unbegrenzt Traffic habe, kann ich endlich bedenkenlos meine Fotos selber hosten statt immer wieder mit einem externen Dienstleister zu frickeln. Und dann funktionieren diese wunderbaren Foto-Seitenleisten vielleicht auch mal durchgehend und nicht nur ein paar Stunden am Tag.

Am Schönsten lief übrigens der Umzug der Domains innerhalb von 1&1. Ich habe eine vom Vertrag meiner Mutter übernommen und eine aus einem anderen meiner Pakete. Beides ging innerhalb weniger Minuten. Und auch den Authcode für den Umzug von Webhoster1 zu 1&1 bekam ich direkt am nächsten Morgen - und mit dem Code war dann auch Konzertheld.de innerhalb von Minuten bei 1&1 eingetragen und nach wenigen Stunden online.

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  1. Wie kann man sein Unternehmen genau so wie die Dienstleistung nennen?!


Hurricane-Liveberichte

Zur Zeit versinkt das schöne Scheeßel im Matsch, der Regen hat eingesetzt - aber wir lassen uns nicht vom Feiern abhalten. Seit Donnerstag bin ich beim Hurricane-Festival und inzwischen gibt es im Pressezelt auch WLAN. Dankenswerterweise haben mich die Festivalhopper akkreditiert, so dass ich jeden Tag von hier berichten kann. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass das Presseband pink ist. ;-)

Im Gegensatz zu den Kollegen von den Agenturen, die quasi immer die Headliner fotografieren müssen, kann ich mich hier ganz normal als Besucher bewegen, daher sind die Berichte entsprechend meinem Musikgeschmack gefärbt. Aber für Fotos ist dieses Mal ohnehin ein anderer Festivalhopper unterwegs, von mir sind die Texte. Schaut einfach rein: Hurricane-Artikel bei den Festivalhoppern.



Die ultimative Packliste

Nach der ultimativen LAN-Checkliste für Lanpartys, die nach und nach gewachsen und inzwischen wirklich vollständig ist, war es lange überfällig, eine Liste für normale Reisen zu erstellen. Jedes Mal vergesse ich irgendwas. Damit ist jetzt Schluss. Alles, was man eventuell braucht, kommt jetzt hier rein.

Vor Ort

  • Kleidung: An das Wetter des Zielortes angepasst und mengenmäßig abhängig von Hygienebedürfnissen und Waschgelegenheiten. Wechselsocken sind wichtiger als Wechselhosen und bei schlechtem Wetter sind Regenhose und Friesennerz nicht schick, aber nützlich. Auch an bequeme Kleidung für drinnen denken (Jogginghosen sind super)!
  • Passendes Schuhwerk (Wanderschuhe / Flipflops / Badelatschen / Gummistiefel...)
  • ggf. Ski- / Fahrrad- / Winterhandschuhe
  • Kopfbedeckung, Sonnencreme, Sonnenbrille
  • Medikamente / Reiseapotheke
  • Kulturbeutel (aka Waschzeug), Fön, Rasierer, Kontaktlinsenmittel
  • Stadtführer / Infomaterial / Festival-Timeline...

Reise & Papiere

  • Ausweispapiere: Personalausweis, Reisepass, Visum...
  • Reisepapiere: Bahncard, Zugtickets, Flugtickets...
  • Barmittel: Geld in entsprechender Währung, Kreditkarte, Reiseschecks, EC-Karte...
  • Versicherungen: Krankenkassenkarte, Sozialversicherungsausweis, private Zusatzpolicen...
  • Kontaktdaten: In Papierform, falls der Akku leer ist! Unterkunft, Ansprechpersonen, Botschaft...
  • Kartenmaterial und Navigationsgerät, Kompass
  • Verkehrsmittel: Fahrzeugpapiere, Führerschein, ADAC-Karte, Türschlossenteiser, Warnweste, Helm...
  • Eintrittskarten
  • Proviant (Flugbestimmungen bzw. Festivalregeln beachten!)

Bei Unterkunft nicht im Hotel

  • Zelt, Heringe, Campingstuhl, Kühltasche...
  • Grill, Grillanzünder, Grillkohle...
  • Gas- oder Esbitkocher
  • Isomatte / Schlafsack oder Bettwäsche, Kopfkissen
  • Handtücher
  • Schloss (Schließfächer in Hostels!)
  • Desinfektionsspray
  • Moskitospray
  • Klopapier
  • Schlafmaske
  • Müllbeutel

Technik

  • Handy, Ladekabel fürs Handy und Steckdosenadapter für's Ausland
  • Mehrfachsteckdose
  • Notebook mit Akku, Ladekabel, Maus
  • Kamera mit Objektiven, Akkus, Ladegerät, Speicherkarten, Blitze, Stativ(e), Tasche(n), ggf. Kartenleser
  • MP3-Player (ggf. mit USB-Kabel), Kopfhörer, Y-Adapter für zwei Kopfhörer
  • Instrumente (Akustikgitarre, Cajon bzw. Instrumente für Auftritt), Stimmgerät / Stimmschlüssel
  • Werkzeug für's Auto, Verbandskasten, Autostarterkabel - kann man sich nicht nur mit helfen lassen, sondern auch anderen helfen
  • Werkzeug für's Fahrrad (Inbusschlüssel, Reifenheber, Luftpumpe, Flickzeug, evtl. Rohrzange/Engländer - schwer, aber praktisch)

Immer dabei

  • Taschenlampe mit Ersatzakkus
  • Panzertape (Gaffa)
  • Ohrstöpsel
  • Schreibzeug
  • Feuerzeug

Sonstiges

  • T-Shirt-Marker
  • Geschenke

Für Städte- und Konzertreisen bzw. Festivals sollte inzwischen so ziemlich alles dabei sein. Wenn ich von meiner Interrailtour zurück bin, wird sich zeigen, was dort noch nützlich ist.



Ladyhawke: Anxiety

Diese Rezension schrieb ich ursprünglich für venue.de.

Das zweite Album ist das Schwierigste, sagen viele Künstler und Kritiker. Man war mit dem ersten erfolgreich und will daran jetzt anknüpfen, ohne aber genau das Gleiche nochmal zu machen und ohne seinen Stil zu verleugnen. Nach dem ersten, selbstbetitelten Album von Ladyhawke hatte ich jedenfalls einiges erwartet - aber nicht das, was sie mit "Anxiety" präsentiert.

Im Vorfeld wurden bereits die Singles "Black White & Blue" und "Sunday Drive" ausgekoppelt, das 10 Tracks umfassende Album startet allerdings erstmal mit "Girl Like Me". Ein knackiges verzerrtes Gitarrenriff und Percussions tönen aus den Boxen und sorgen sofort für Begeisterung, geht der Sound doch schon fast Richtung Rock - aber die softe Ladyhawke, die auf ihrer letzten Scheibe vor allem mit Synthesizern glänzte, ist das nicht. Oder doch?

Sunday Drive folgt dann als zweiter Track. Die Gitarren sind nicht mehr durchgehend präsent, dafür aber teilweise zum Stimmungsaufbau fast bis ins psychotische verzerrt. Insgesamt dennoch ein Track, der an früher erinnert - wäre da nicht das Gitarrensolo, mit dem sich ganz neue Welten öffnen. Synthpop geht also noch, jetzt aber passend zum Stil des Albums mit harten Riffs dazwischen. Doch die Frau, die dort singt, ist unverkennbar Pip Brown, die, die alle Instrumentenstimmen selber geschrieben und größtenteils sogar selber eingespielt hat, noch häufiger als schon beim letzten Album.

Auch der dritte Titel "Black White & Blue" spielt wieder deutlicher mit den Synthesizern, Gitarrenklänge hört man nun nur noch im Hintergrund - bis gegen Ende wieder ein Solo kommt, diesmal bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Auf einem ähnlichen Niveau bewegt sich auch "Vaccine", nun aber mit einer deutlichen Verschiebung zum Bass. "Blue Eyes" hingegen haut uns wieder verzerrte Riffs um die Ohren und auch die Drums sind ziemlich präsent. An die Soli hat man sich inzwischen schon fast gewöhnt.

Mit diesen Songs im Ohr überrascht es auch nicht mehr, dass Pip eigentlich aus der Rockecke kommt - Vor ihrer Zeit mit Ladyhawke war sie als Gitarristin unterwegs. Sie selber dazu: "Ich war immer diejenige, die so Heavy-Zeug auf der Gitarre spielte und die zwischendurch Solos machte". So hat sie nun das Meisterstück vollbracht, ihr Projekt Ladyhawke neu zu erfinden und sich selbst dabei trotzdem treu zu bleiben, indem sie ihren eigenen, früheren Stil in eine Band einbringt, die bisher nicht viel mit Gitarrenmusik zu tun hatte.

Das zweite Album der Neuseeländerin weist also klar einen anderen, gitarrenorientierteren Stil auf. In der zweiten Hälfte des Albums gibt's dann aber dennoch mehr Abwechslung. In "Vanity" ist es der Synthesizer, der das Solo bekommt. Und "The Quick & The Dead" wartet mit einer hörbaren Beständigkeit auf, ein an sich sehr langsamer Song, der aber doch irgendwie treibend und fortlaufend ist. "The quick and the dead will find you", singt Pip Brown, und "this thing is never ending". Zwischendurch hört man sie nach Atem ringen und das Stück weist gleich zwei Soli auf, diesmal extrem schräger Natur.

Der Titelsong "Anxiety" schließlich kommt nochmal mit einem eigenen Sound um die Ecke, ein eher treibender Beat, aber sanfte, etwas verunsicherte Vocals. Die perfekte Kombination für den Klang eines Albums, in dem die Künstlerin verarbeitet hat, dass sie ziemlich schnell ins Rampenlicht geschubst wurde, wo sie sich erstmal gar nicht so wohl fühlte.

Mit Hoffnung und dem Vertrauen darauf, dass alles so gedacht war wie es ist, beschäftigt sich das langsame, wuchtige "Cellophane". Damit bleibt die ruhige Stimmung noch ein bisschen erhalten, bevor wir uns mit reichlich Lärm und mehr Tempo in "Gone Gone Gone" verabschieden.

Ladyhawke hat ihren Sound kräftig aufgemotzt und mit "Anxiety" ein neues Werk geschaffen, was nicht nur eine Fortführung, sondern eine Weiterentwicklung ihres Erstlings "Ladyhawke" ist. Ein Werk, was für überraschte Blicke bei den Fans sorgen dürfte, danach aber ebenso für Begeisterung sorgen wird wie bei denen, die Ladyhawke erst jetzt kennen lernen. Und das sei jedem empfohlen, der dem Pop nicht prinzipiell abgeneigt ist!



Bericht vom Ruhr-Uni-Sommerfest RUBissimo

Ab diesem Sommer bin ich auch für die Festivalhopper unterwegs und als erstes Festival war ich letzte Woche beim RUBissimo, dem Sommerfest der Ruhr-Universität Bochum. Der Bericht findet sich hier: RUBissimo Sommerfets an der Ruhr-Universität Bochum



The Ting Tings zurück in Deutschland!

Dieser Bericht erschien auch auf {venue}.

The Ting Tings haben sich in den letzten Jahren auf verschiedensten Wegen einen Namen gemacht - sie spielten auf großen Festivals, ihre Musik lief im Radio, die Singles wurden in verschiedenen Werbespots großer Firmen verwendet. Sie haben sich aber darüber hinaus auch rar gemacht - nach dem Debütalbum "We Started Nothing" von 2008 folgte erst vor wenigen Wochen endlich eine zweite Scheibe und seit 2009 waren sie nicht mehr in Deutschland auf Tour. Dafür aber, um einige Songs in einem Berliner Studio aufzunehmen, und mit diesen Songs im Gepäck gab es jetzt drei Auftritte hierzulande, einen in Berlin beim Melt! Weekender, einen im Grünspan in Hamburg und einen bei Rock am Ring. Also packte ich meine Sachen, fuhr ein paar Freunde in Hamburg besuchen und suchte das Grünspan auf.

Das Grünspan fasst zwar nur ein paar hundert Leute, dafür bietet es aber eine wunderbare Atmosphäre und einen genialen Sound. Durch den Konzertraum zieht sich seitlich an der Wand eine schick beleuchtete Bar, obendrüber, ebenso liebevoll in Szene gesetzt, findet sich die Garderobe. Der DJ, der vor dem Konzert auflegte, gehört leider nicht zur Location, sondern wurde vom Veranstalter gebucht. Mit wild gemischter und trotzdem perfekt passender Musik von Yeah Yeah Yeahs über Crystal Castles und M83 bis The Hives wurden wir perfekt unterhalten, bis sich um 20:15 mal jemand zum Soundcheck bequemte. Die Verzögerung ist möglicherweise auch auf die Besucherzahl zurück zu führen - zu der Zeit war es nämlich zwar schon eine Viertelstunde nach planmäßigem Beginn, aber immer noch recht leer und die Abendkasse geöffnet.

Irgendwann wurde es dann aber endlich dunkel, ein Intro erklang und Jules kam an seinen Platz. Das Intro wurde von Drums abgelöst und Fans wussten: Es gibt "Great DJ" direkt als ersten Song. Mit den dadurch ausgelösten Begeisterungsschreien des Publikums kam dann auch Katie auf die Bühne´, haute in die Saiten und spielte das allseits bekannte Riff, das ursprünglich mal aus einem schlecht gespielten Akkord entstand und später zu einem Song wurde - wie einige Titel des ersten Albums. Ganz anders "Hang It Up", das Flaggschiff des neuen Albums. Auch hier dominiert zunächst das Gitarrenriff, diesmal aber ganz gezielt und mit trockener Drummachine, die dann später von dröhnenden echten Drums abgelöst wird.

Dabei zeigt sich auch direkt die unglaubliche Dynamik der Show. The Ting Tings sind nur zu zweit und von einer Verteilung der Instrumente kann man nicht reden, denn ständig werden Instrumente gewechselt, werden synthethische und "echte" Komponenten gemischt, werden Loops verwendet und neue Patterns drüber gelegt. Bei keiner Band rennen so oft Roadies über die Bühne, um Gitarren anzunehmen, wieder anzugeben, Keyboards hinzustellen, Fußpedale und Synthis zu tauschen und alles wieder gerade zu richten. Spielte Jules am Anfang noch die zweite Gitarre, musste die später im Lied dem Schlagzeug weichen. Später werden auch Gitarren, Keyboards und Synthesizer gemischt, mal singt Katie, mal Jules, mal beide, und bei "We Walk" spielt Jules dazu auch noch gleichzeitig Schlagzeug und Gitarre - wozu hat man schließlich zwei Hände und zwei Füße!

Und um nochmal auf die Roadies zurück zu kommen: Nicht nur die Instrumentenwechsel sorgen für viel Bewegung, auch Frontfrau Katie läuft, rennt und springt über die Bühne wie ein Flummi, schmeißt Mikro- und Instrumtenständer um und sorgt überhaupt für ziemlich viel Chaos, ganz zu schweigen davon, dass immer jemand das lange Gitarrenkabel einsammeln muss. Die Technik tut ihr übriges, damit die Bewegung auch optisch zur Geltung kommt. Und als bei einem Lied mal eine dritte Gitarre gebraucht wird, darf der Gitarrenangeber auch mal selber ran.

Während auf der Bühne also von Anfang an wirklich reichlich viel los ist, ist das Publikum nur mäßig begeistert. Die erste Reihe tobt, als Katie sich bei "Hang It Up" zwischen die Fotografen im Fotograben quetscht um so vielen Fans wie möglich die Hand zu schütteln, aber bewegungsfreudig sind die vielleicht 300 Zuschauer nicht. Als Katie nach "Give It Back" und "Guggenheim" meint, jetzt sei aber wirklich genug Zeit zum Ausruhen gewesen und Tanzen angebracht, holen einige ihr Handy raus um zu filmen. Schade, dabei hat sie doch extra eine kleine deutsche Rede geschrieben und auch da nochmal darauf hingewiesen, dass der Spaß das Wichtigste ist: "Meine Deutsch ist scheiße, deshalb halte ich jetzt besser die Klappe und bringe euch zum Tanzen!"

Die Tanzwilligen jedenfalls lassen sich nicht davon abhalten, dass sie in der Unterzahl sind, und feiern mit Katie und Jules zu "Hit Me Down Sonny", das live um einen Gitarrenpart ergänzt wurde, und "Fruit Machine". Als danach "Shut Up And Let Me Go" erklingt, ist dann auch die gesamte Menge begeistert, denn den Song hat wirklich jeder schonmal irgendwo gehört und die "Hey!"-Parts auswendig gelernt. Außerdem haben The Ting Tings ihre riesige Stand-Basedrum wieder dabei, die Katie mit Begeisterung spielt - und hinterher zu Boden wirft und sich draufstellt, darauf inzwischen barfuß tanzt und die Cowbell spielt.

Die meisten Songs machen ja schon vom Album viel Spaß, aber live nochmal deutlich mehr, nicht nur, weil die Band selbst wild feiert, sondern auch, weil viele Songs um zusätzliche Parts ergänzt wurden, zum Beispiel weitere Gitarrenriffs oder "echte" Varianten von eigentlich synthethischen Patterns. Außerdem ist die Abmischung ganz anders, das Schlagzeug kommt viel wuchtiger rüber und auch wenn Jules bei "We Walk" gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug spielt, sind doch einige Songs in der Instrumentierung reduziert, so dass die vorhandenen Elemente wesentlich kräftiger rauskommen.

"We Walk" ist dann auch schon der vorletzte Song des regulären Teils, gefolgt von einer acht Minuten langen Version von "Hands", einem in Berlin entstandenen, stark vom Tekkno beeinflussten Song. Vielleicht der mit den meisten Facetten: Als Single kommt er in einer normalen synthethischen Fassung, in Akustiksessions in einer völlig anderen, melodischen Form und in Hamburg ergänzt um ausschweifende, in Richtung Trance gehende Synthi-Samples in einer doppelt so langen, sich ständig steigernden Fassung, die am Ende, nach zwei Breakdowns, mit einem harten Gitarrenriff und scheppernden Drums vollkommen explodiert. Kein Wunder, dass das Publikum lautstark Zugaben fordert.

Nach einer gefühlt ziemlich langen Pause gab es die dann auch. Zunächst "Keep Your Head" - in dem immer nur noch "Ten minutes to go" sind und man einfach die Ruhe bewahren soll, in einer aufgemotzten Liveversion. Und für die weniger eingefleischten Fans danach natürlich noch "That's Not My Name" - als letzten Song, aber nicht mit weniger Emotionen, obwohl längst nicht mehr taufrisch.

70 Minuten dauerte das Konzert damit nur, und wenn man sich die beiden Alben anschaut, die beide nur 10 Tracks umfassen, könnte man meinen, dass sich die Band ganz schön viele Freiheiten rausnimmt. Man kann aber auch ihren Worten Glauben schenken, dass sie einfach anspruchsvoll sind. Schließlich hat das aktuelle Album "Sounds From Nowheresville" deshalb so lange gebraucht, weil die Band einfach mal einen ganzen Haufen Songs verworfen hat, weil sie "nicht funktioniert" haben. Und so grandios wie das Ergebnis der kritischen Auswahl war auch das Konzert. Wer lange aushält, bekommt also auch ein grandioses Ergebnis - und außerdem lebt eine Band ja im Idealfall nicht für die Fans, sondern mit den Fans.