Planungsabsichten

Logistisch gesehen war die Idee, zum Studieren nach Chemnitz zu ziehen, extrem schlecht. Von Deutschlands 76 Großstädten ist Chemnitz vermutlich mit am Schlechtesten an den Rest der Welt angebunden. Auf der nach Einwohnerzahl sortierten Liste ist Chemnitz auf Platz 28 die zweite Stadt ohne Fernbahnhof (nach Mönchengladbach). In die nächsten Städte mit besserer Zuganbindung Leipzig und Dresden fährt einmal bzw. zweimal die Stunde ein Dieselzug (abends nicht mehr so oft). Mitfahrgelegenheiten werden meist von und nach Leipzig angeboten, auf Fernbuskarten sieht Chemnitz ungefähr so aus:

Deutschlandkarte mit Busverbindungen, zahlreich im Westen, leer im Osten, außer von Süden Prag(Bild ursprünglich von deinbus.de)

Wenn das ja wenigstens alles wäre. Zu allem Überfluss gibt es ja aber generell schon keine gescheite West-Ost-Verbindung in Deutschland (danke Nachkriegszeit). Die A4 hat in Hessen ein Loch. Fernzüge von Nordrhein-Westfalen aus fahren entweder über Hannover, Frankfurt oder Nürnberg, aber nie direkt nach Osten; bei den Regionalzügen sind die Umsteigezeiten so schlecht, dass sich ein Durchschlagen quer durch Deutschland nicht lohnt. Und fährt man nach Leipzig um von dort den Fernbus zu nehmen, fährt der entweder auch einen ähnlichen Umweg oder aber aufgrund der Geschwindigkeitslimits für Busse nicht so schnell, dass es sich zeitlich lohnen würde.

Beim Buchen werden die Anforderungen auch immer absurder. Musste man früher nur für Eintrittskarten zu begehrten Fußballspielen und Rockkonzerten früh aufstehen, muss man sich nun um Mitternacht um Bahntickets prügeln. Kürzlich versuchte ich für einen Sonntag von Siegburg/Bonn nach Chemnitz zu buchen - und beging den Fehler, erst um 00:07 die Website der Bahn aufzurufen. Die Sparpreisstufen 29, 39 und 49 Euro waren bereits ausgebucht. Grund: Die Teilstrecke Siegburg-Frankfurt ist extrem begehrt (und vermutlich wurde das Sparpreiskontingent auch mal wieder gekürzt).

Auch bei den Fernbussen kann man mittlerweile recht weit im Voraus buchen, so dass begehrte Termine früh ausgebucht sind. Zudem machen die Fernbusanbieter im Gegensatz zur Bahn keine klaren Aussagen, ab wann man sich denn um die Tickets prügeln darf. Ganz abgesehen davon, dass DeinBus die Verbindungen im Osten "aus operativen Gründen vorerst" wieder eingestampft hat und MeinFernBus von Bonn nur nach Berlin fährt. Leipzig erreicht man nur vom Ruhrgebiet und Chemnitz sowieso nur von Berlin und Dresden (bald immerhin auch aus Baden-Württemberg und Bayern). Über den ADAC Postbus reden wir besser gar nicht erst, deren Streckennetz ist nach wie vor dünn und trotzdem unfassbar undurchsichtig. Immerhin sind beim Bus, egal welcher Anbieter, auch die Normalpreise nie absurd hoch.

Man könnte meinen, das Fernbusangebot wächst sehr schnell, seit die gesetzlichen Vorgaben es zulassen. Man könnte auch sagen, es geht noch viel zu langsam. Auf jeden Fall braucht es aber mehr Anbieter wie DeinBus, die gezielt auch kleinere Orte anfahren, die von der Bahn vernachlässigt werden. Auch sollten die Taktungen weiter überarbeitet werden - an Tagen wie Ostern kann man sicher mehr Busse als üblich füllen und während die Bahn mit ihren langen Zügen es sich nicht leisten kann, auf wenig gefragten Strecken überhaupt zu fahren, können Busse sehr gut "dosiert" werden.

Die Bahn investiert jedenfalls nach wie vor. Zurzeit wird das Fernzugangebot in Leipzig ausgebaut, für Chemnitz gibt es immerhin Pläne, ab 2015 mit der Elektrifizierung zu beginnen. Vielleicht müssen wir also in zehn Jahren immerhin nicht mehr mit einem langsamen, lärmenden Dieselzug nach Leipzig gurken. Eine Erklärung, warum winzige Orte wie Augustfehn und zahlreiche andere weit im Norden von Deutschland Intercity-Anbindung genießen, während es in Chemnitz, einer Stadt mit 240.000 Einwohnern und 10.000 Studenten, nicht einmal Strom für die Züge gibt, steht noch aus.



30 Day Photography Challenge - Texture

Ein Salzstreuer in Tortilla-Chips

Mit der "Lektion" im Hinterkopf habe ich mir tagelang den Kopf zerbrochen, welches Motiv sich wohl eignen würde: bei schlechtem Wetter eine Person oder ein Objekt vor einem texturreichen Hintergrund. Die Idee zu dem Foto oben (großklickbar) kam mir, als ich von den Chips gerade gedankenverloren ein paar in mich reinstopfte und mich fragte, ob deren eigenwillige Struktur wohl nur vom Mais kommt.

Beim nochmaligen Lesen des Artikels stellte ich dann fest, dass gar kein Motiv vor der Textur gefordert war. Egal, die Serie ist alt und ich mache das hier, um wieder mehr zu fotografieren und ein paar neue Ideen zu bekommen. Und in diesem Foto gibt es immerhin:

  • Verwendung von Texturen als bildfüllendes Element,
  • Kontraste und Schatten durch gezielten Einsatz von Kunstlicht,
  • Mischung von flachem Hintergrund und Hintergrund aus Objekten (Tisch und Chips)
  • und yaay, es ist ein Food Photo.


30 Day Photography Challenge - Black and White

TS Rheda-Wiedenbrück 2014TS Rheda-Wiedenbrück 2014 GescheSchwarz-weiß-Fotografie war nie mein Steckenpferd. Insofern war die dritte Lektion die zweite für mich, die mich dazu zwang, etwas auszuprobieren. Was dabei oft als verpönt gilt, wird hier unverblümt - und zu Recht - als Vorteil angepriesen: Das Entfernen der Farben macht ISO-Rauschen weniger schlimm und ermöglicht daher helle Belichtung auch in schwierigen Situationen. Auch wenn man erstmal in Farbe und mit entsprechendem ISO fotografiert (was sich empfiehlt), kann man nachträglich ruhigen Gewissens die Helligkeit korrigieren.

Konzertfotografie ist damit sowohl gut als auch schlecht als Beispiel geeignet. Helligkeit ist dort immer ein kritisches Thema - aber meistens sind Farben sehr wichtig. Die diesjährige Show von TEN SING Rheda-Wiedenbrück hatte "Black and White" zum Thema, was mir nun sehr entgegen kam. Die T-Shirts waren in schwarz und weiß gehalten und boten so einen schönen Kontrast zum von farbigen Scheinwerfern beleuchteten Hintergrund, der sich bei der Nachbearbeitung wunderbar nutzen ließ.

Das Thema hat mich außerdem ermutigt, auch mal drastischer an den Reglern für Farben und Kontraste zu schrauben. Gerade der Schwarzpunkt lässt sich viel weiter verschieben, wenn ohnehin nur noch Graustufen zur Verfügung stehen. So lassen sich Motive leichter vom Hintergrund abheben.

Wie immer sollte man es dabei nicht übertreiben. Ebenso wie man mit der Drittelregel Fotos langweilig werden lassen kann, sollte man nicht auf alles blind schwarz/weiß-Einstellungen anwenden. Ich habe das gesamte Set der Show monochrom gehalten, da es thematisch passte und sich bei vielen Bildern auch anbot, aber bei dem rechten Foto wäre es einfach schade um die wunderbaren Farben gewesen. Außerdem wäre auch der Kontrast gesunken - denn obwohl wir 500 Helligkeitsstufen, aber nur 200 Farbtöne unterscheiden können, heben sich die Haare der Sängerin in Farbe deutlicher vom Hintergrund ab.



30 Day Photography Challenge - Rule of Thirds

Zwei Mädchen machen Seifenblasen in der ersten Reihe bei einem Konzert

Gitarristin der Band The Subways beim Headbanging

Die Drittelregel ist so bekannt, dass man ihr kaum aus dem Weg gehen kann, wenn man fotografiert. Da ich lange kwerfeldein gelesen habe und dort immer wieder propagiert wurde, man solle doch ruhig auch die Regeln brechen, habe ich mich trotzdem nie damit beschäftigt, was man denn beim Bearbeiten von Fotos so beachten könnte. Nun stellt sich heraus: Ich habe unbewusst trotzdem immer wieder auf die "Rule of Thirds" zurück gegriffen.

Eigentlich besagt sie auch nur, dass man ein Foto vertikal und horizontal in Drittel teilen kann und dann eine schönere Komposition erreicht, wenn man wichtige Punkte und Linien auf den gedachten teilenden Gitterlinien platziert. Das funktioniert vor allem dann, wenn das Motiv etwas mehr als ein Drittel des Fotos einnimmt; dann lässt sich z.B. ein Auge oder eine markante Linie auf der äußeren einer der Gitterlinien bzw. einem der äußeren Knotenpunkte platzieren, was dem Bild eine Menge Tiefe gibt.

Macht man das mit einer ganzen Reihe von Bildern, sehen die aber schnell alle gleich aus. Außerdem funktioniert es mit manchen Motiven einfach nicht, beim spontanen Wühlen in Konzertfotos von Bochum Total (daher stammt auch das Foto links) habe ich kaum etwas gefunden, wo sich die Regel wirklich gut drauf anwenden lässt. Es ist aber ja auch nur eine Richtlinie - und nun kann ich zumindest benennen, was ich tue, wenn ich mal wieder das Motiv an den Rand schiebe bzw. bewusst nicht, weil ich das im jeweiligen Set schon zu oft getan habe.

Nachtrag: Hier noch der Link zum Artikel.



30 Day Photography Challenge - Self Portrait

Ich mit meinem Bass vor einer Wand im Wohnzimmer, an die Konzertkarten und Setlists gepinnt sind

Fotochallenges gibt es viele und obwohl ich eigentlich ein Fan solcher Aktionen bin, ist bei Fotos bisher keine über einen gammeligen Lesezeichenordner hinaus gekommen. Die Tatsache, dass solche Herausforderungen oft mit einem Selbstportrait beginnen, hat da nicht gerade geholfen.

Die 30 Day Photography Challenge von Josh aus Brighton in England, der in einer Wohnung mit Blick auf die britische Küste wohnt, die mich ganz neidisch macht, kombiniert das pure Fotografieren um des Fotografierens Willen mit einigen Tipps, um das Können des Fotografen zu verbessern. Das ist mir doch gleich viel lieber und so war ich auch bereit, tatsächlich mit einem Selbstportrait anzufangen.



Alerta, Alerta

Der 5. März ist der Jahrestag der Zerstörung von Chemnitz im größten Bombenangriff auf die Stadt im zweiten Weltkrieg und heute auch der Chemnitzer Friedenstag. So wie die Neonazi-Szene in Chemnitz diesen Tag nutzt, um für ihre Politik zu demonstrieren, nutzen ihn auch zahlreiche Gegendemonstranten, um ein Zeichen zu setzen, dass braune Ideologien hier im 21. Jahrhundert nicht mehr erwünscht sind.

Auch die Uni hatte anlässlich des Friedenstages zur Demonstration aufgerufen und so versammelten wir uns am Nachmittag vor der Mensa. Mit Bildern aus Hamburg, Frankfurt und Istanbul vor Augen wirkte der Platz reichlich leer - mit den ersten Meldungen von 20, 30 gesichteten Nazis nicht mehr. Etwa zehn Mal so viele Studenten zogen dann mit lauter Musik und Seifenblasen die Hauptstraße hinunter bis zum Südbahnhof, wo wir auf die im Zentrum gestartete Demo trafen und in Richtung der angemeldeten Nazi-Route abknickten. Die Musik war gut, die Moderatorin extrem entspannt und so war der Fußmarsch zum Kundgebungsort sehr entspannt.

Mit mehr lauter Musik positionierte unser Wagen sich dann am seeehr frühen Abend am Kundgebungsort, wo sich nach einer Weile die Anzeichen verdichteten, dass nichts Großartiges mehr passieren würde. Wir standen hinter den Gittern, die die Nazi-Route sichern sollten, aber an anderer Stelle hatte sich bereits eine Sitzblockade gebildet, so dass mit dem Eintreffen der rechten Demonstranten nicht mehr zu rechnen war. Also schlossen wir uns bei nächster Gelegenheit dem Aufruf an, die Sitzblockade zu unterstützen.

Nun hat so eine Sitzblockade zunächst einmal sehr viel mit Sitzen zu tun und dann auch mit Warten. Vielleicht 200 Menschen, ein Großteil von der DGB1-Jugend, verstopften dort eine Kreuzung, bewacht von ausgesprochen friedlicher Polizei. (Radio Chemnitz spricht von 700 Personen, bezieht dabei aber die anderen Demonstranten entlang der Naziroute mit ein.) Die gab uns dann nach und nach zu verstehen, dass wir kein Recht auf die Blockade haben, sondern im Gegenteil die Nazis als angemeldete Demo ein Recht darauf haben, den Weg zu passieren. Passend dazu gab's natürlich entsprechende Kommentare von den Sprechern der DGB-Jugend - Verhalten im Fall einer Räumung und natürlich die Aufforderung, nicht einfach abzuhauen.

Als dann durchsickerte, dass es vielleicht doch 200 und nicht 20 Nazis sind und die Hundertschaft der Polizei in schwarzen Schutzanzügen und Helmen anrückte und auf und ab patroullierte, kam auch langsam die Frage auf, ob wir wohl tatsächlich von uniformierten Beamten von der Straße entfernt werden würden, und ob es wohl Eskalationen mit den Nazis geben würde. Da es in den letzten Jahren aber Schlägereien und Überfälle gegeben hatte, war schnell klar, dass letzteres auf jeden Fall vermieden und die NPD-Demonstration auch nicht über dunkle Seitengassen umgeleitet werden würde. Also saßen wir weiter auf Zeitungen, Decken und aufeinander, warteten und brüllten Parolen, bis die Anwohner aus dem Fenster guckten.

Und wie wir so warteten, rätselten, warum die Polizisten wohl Kreuze auf der Uniform tragen, und wilde Schätzungen über Anzahl der Polizisten und der Nazis und den Einsatz von Schlagstöcken und rechter Gewalt anstellten, passierte - nichts. Bis es irgendwann hieß, dass die Nazi-Demo umgekehrt sei - auch auf deren Seite bestand wohl kein Bedarf an Eskalationen, so dass die rechte Szene schlicht und ergreifend umgekehrt und nach Hause gefahren war. Unsere Sitzblockade war inzwischen vollständig eingekesselt, aber bevor die ersten Leute ernsthaft schlechte Laune bekamen, durften wir geordnet in Richtung Hauptstraße abreisen.

So unspektakulär wie die Aktion damit im Vergleich mit ausartenden Demonstrationen in anderen Städten verlaufen war, so erfolgreich kann sie bewertet werden. Ich fühle mich jedenfalls an eine Demo im Westen erinnert, bei der es regnete und die zwei Dutzend Nazis sich unter einer Bushaltestelle unterstellten, während hunderte Gegendemonstranten unterwegs waren. Und während es dort zu scharfer Kritik am Vorgehen der Polizei kam, kann man hier nur Respekt zeigen für die ruhige Sachlichkeit der Beamten. Deren bewusste Neutralität war zwar zuweilen seltsam oder nervig, aber als Hüter der Ordnung und Sicherheit haben sie heute einen guten Job geleistet.

Damit ist 2014 das zweite Jahr, in dem die Gegendemos den Aufmarsch der Neonazis in Chemnitz massiv behindert haben. Ein schönes Zeichen für eine Stadt im Umbruch, die nicht nur auf Häuserruinen, sondern auch auf braune Politik keine Lust mehr hat.

  1. Deutscher Gewerkschaftsbund


Musik-Neuentdeckungen 2/2014

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Zaz - Le long de la route
Wenn man viele Musikmagazine liest und viel mit Leuten zu tun hat, die viel mit Musik zu tun haben, hört man oft Namen von Künstlern, die das nächste große Ding sein sollen, und kann sich gar nicht alle immer anhören. Aber manchmal hört man dann zufällig was und stellt fest, dass es stimmt. Zaz gefällt mir jedenfalls sehr mit ihrem französischen Folkpop.
MONSTERS feat. Monde Yeux - Naked Girls
Ein wunderbar fluffiger Song und sooo ein tolles Video. Unbedingt ansehen! Von deutschen Studenten ein Jahr lang liebevoll produziert. hahahah
Archive - Hatchet
Kompletter Wechsel der Musikrichtung und der Art des Videos. Schon fast verstörend geradlinig treibend wird man von Hatchet überrollt. Damit zeigen Archive neben Popmusik und Dubstep-artigen Songs mit schrägen Hooks noch mindestens eine weitere Facette.
Crystal Castles - Baptism
Dass Crystal Castles hier noch nie vorgestellt wurden... damals beim Projekt Hörsturz hatte mal jemand ihren Song "Alice Practice" vorgestellt, den ich damals so gar nicht abkonnte. Das ist nun über drei Jahre her und ich höre deutlich mehr elektronische Musik, eigentlich sogar überwiegend. Crystal Castles haben nicht gerade einen Stammplatz in meiner Playlist, weil sie nunmal nach wie vor sehr anstrengende Musik machen, aber um den Verstand mit schrillen Synthesizern und verzerrtem Gesang zu zerstören, eignen sie sich großartig. "Baptism" ist auf der "verstörend"-Skala so mittel.
Misteur Valaire - Don't get lá
Wir schrauben die Durchgedrehtheit gerade so weit zurück, dass man wieder zur Musik tanzen kann und ich erinnere mich an eines der genialsten Clubkonzerte, auf denen ich bisher war: Irgendwo in Köln in einem total winzigen Laden in irgendeinem Keller mit vielleicht 20 Leuten, die Bühne kaum größer als mein Bett, die Band zu spät, aber das Konzert unfassbar gut. Irgendwann war die Band so drauf, dass sie mit uns vor der Bühne und an der Bar gefeiert hat und jeder Song in zig Varianten total ausgeufert ist und ich bereue bis heute, dass ich nicht noch zu einem der anderen Konzerte gefahren bin, denn obwohl die Band aus Kanada kommt, hat sie alleine in Nordrhein-Westfalen mehr Konzerte gespielt wie die meisten Bands im ganzen Land. Don't get lá war damals noch nicht veröffentlicht, aber bereits ein Hit. Die ebenso großartigen C2C haben den Song remixt und quasi einen neuen Song erschaffen - direkt mit anhören!
Mizuki - Block Party
Von F. bekommt man manchmal schräge Musiktipps... in diesem Fall war ich zunächst total verwirrt, weil der dubstep-artige Akustik-Song (sofern man bei elektronischer Musik davon sprechen kann) so gar nichts mit meiner Vorstellung von Bloc Party zu tun hatte...
Rone - Bye Bye Macadam
Und noch eine echte Neuentdeckung. Playlists von Künstlern, die man mag, sind oft sehr dankbar, denn auch wenn man nicht nur Hits darauf entdeckt, kann man sie doch meist bedenkenlos durchlaufen lassen. So auch bei denen von Claire.


Studium und Alltag 1

Das Schwierigste beim Studium ist, den Bezug zur Realität zu finden. Physiker stellen viele Ideale auf, damit sie Berechnungen durchführen können, und Psychologen arbeiten mit Theorien, die oft schwierig zu prüfen sind. Daher möchte ich in loser Folge festhalten, welche Alltagsphänomene mir begegnen, die mit den Themen meines Studiums tatsächlich erklärbar sind. Außerdem ist es gleichzeitig eine Antwortensammlung für die immer wieder gestellte Frage "Was hat denn Physik mit Psychologie zu tun?!".

  • Gas und Druck: Mit meiner Fahrradpumpe kann ich auch Autoreifen aufpumpen. Da aber der Druck sinkt, wenn das Volumen größer wird, muss ich das durch eine größere Gasmenge ausgleichen - also mehr Luft reinpumpen, um den gleichen Druck wie im Fahrradreifen zu erzielen. Ausgehend davon, dass ein Autoreifen etwa 30mal so viel Volumen hat wie ein Fahrradreifen, aber nur etwa ein Drittel des Drucks braucht, muss ich trotzdem 10mal so viel pumpen... zum Vergleich: Der Luftdruck an der Erdoberfläche auf dem Boden beträgt etwa 1 Bar, in einen Autoreifen kommen 2 bis 3, in einen Fahrradreifen 4 bis 6 und beim Tauchen in 50m Tiefe muss man etwa 5 Bar aushalten.
  • Nach einem verwandten Prinzip funktioniert übrigens auch das schnellere Kochen in Töpfen mit Deckel: Druck und Volumen hängen auch mit der Temperatur zusammen. Durch den Deckel verhindern wir das Entweichen von Wasserdampf und verringern das Volumen. Letzteres sorgt dafür, dass wir weniger Energie zum Erhitzen benötigen. Und wir erhalten eine bessere Kontrolle über den Kochvorgang - verteilt sich der Wasserdampf nämlich in der Küche, statt im Topf wieder zu kondensieren, steigt die Temperatur ebenfalls schneller und wenn wir nicht aufpassen, brennt etwas an. (Das heißt natürlich auch, dass wir weiter Energie sparen können, wenn wir nur so viel Wasser verwenden wie nötig.)
  • Psychophysik: Wenn ich mit dem Messbecher Waschmittel aus der Packung nehme, kann ich relativ gut schätzen, ob ich die richtige Menge vom verklumpten Waschmittel abgekratzt habe, ohne auf die Maßeinheit zu schauen - wenn ich mit einer geringen Menge anfange. Fange ich mit einer großen Menge an, fällt es mir schwerer, die richtige Menge wieder zurück zu schütten. Das liegt daran, dass die Empfindlichkeit für Gewichtsunterschiede abhängig vom Anfangsgewicht ist. Wir können 10 von 20 Gramm unterscheiden und 1 Kilo von 2 Kilo, aber nicht 1 Kilo von 1010 Gramm. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Reizen, zum Beispiel Licht - deshalb erblinden wir auch nicht direkt, wenn wir in die Sonne schauen, obwohl die Sonne nicht nur 3 oder 4 Mal so hell ist wie das Licht in unserem Zimmer, sondern viele tausend Mal so hell.
  • Psychoakustik: Wenn ich in meinem Bett liege, bin ich ziemlich nah dran an der rechten Box und ziemlich weit weg von der linken. Der Subwoofer ist irgendwo dazwischen. Während ich die rechte Box, die softwareseitig sogar etwas leiser eingestellt ist, sehr laut und den Subwoofer auch sehr deutlich höre, bemerke ich die linke Box gar nicht. Dahinter stecken zwei Phänomene: Zum einen wird die linke Box von der rechten überstrahlt. Unser Gehirn lokalisiert unterschiedliche Schallquellen anhand von Lautstärke, Frequenz und zeitlichem Abstand, aber wenn wir zwei Schallsignale empfangen, die zeitlich nur minimal versetzt eintreffen (mein Wohnzimmer ist nicht so groß) und die gleiche Frequenz haben (gleiches Lied aus beiden Boxen), kann dazwischen nicht mehr unterschieden werden und wir haben den Eindruck, nur aus einer Richtung etwas zu hören.
    Der Subwoofer hingegen gibt ganz andere Frequenzen wieder. Außerdem spielt dort auch ein physikalischer Effekt mit - während die höheren Klänge kurze Schallwellen ergeben, sind die Wellenlängen beim Subwoofer sehr lang. Bei den kurzen Wellenlängen können wir, da wir zwei Ohren haben, die unterschiedlichen Positionen der Welle an den Ohren nutzen um die Herkunft zu identifizieren. Die langen Basswellen schaffen aber nichtmal einen vollständigen Durchgang vom linken bis zum rechten Ohr, sodass es zwar einen zeitlichen Unterschied gibt, aber keinen relevanten Unterschied des Pegels. Dadurch fällt uns die Lokalisation von Bässen sehr schwer.