Musik-Neuentdeckungen 12/2017

Frohes neues Jahr allerseits! Der Dezember war erfreulich voll mit neuer Musik.

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Moby - Like A Motherless Child
Moby meldet sich zurück mit neuer Musik, bescheidener denn je, doch großartig wie immer. Diesmal seit langem mal wieder mit Hip-Hop-Einflüssen und mit einem Sound, der aus verschiedenen Moby-Epochen zusammengesetzt scheint. Die frühe knarrende E-Gitarre, sphärische Flächensynthesizer wie aus der Tekkno-Zeit und Beats wie man sie in seiner Filmmusik findet. Unentschlossen, ob leicht und schwerelos oder düster und gedrückt. Ich bin gespannt auf den Rest des Albums Everything Was Beautiful And Nothing Hurt, das im März erscheinen wird.
Seether - Words as Weapons
Seether sind bei der Nickelback-Tour 2018 als Vorband dabei, nur so bin ich auf diese etwas härteren Vertreter des Rock aufmerksam geworden. Fügt sich dennoch gut in meine Sammlung für Tage, an denen es mal mehr E-Gitarre sein muss. Seether glänzen außerdem mit aufwändig gemachten Musikvideos.
The Heroine Whores - Future Youth
Ich mag ja Musik mit verschiedenen Sounds - alleine durch verschiedene Instrumente oder Klänge kann man einem Lied schon eine Menge Dynamik verleihen. Hier ist die Gitarre mal bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, mal fast clean und mit viel Hall. Im Gesamtklang schwebt die Stimme der Sängerin wie im Nebel. Sehr nice.
Noah Kahan - Young Blood
Es ist doch immer wieder gut, sich mit Anderen (und immer anderen) über Musik auszutauschen. Sonst hätte ich mich vermutlich nie mit Hip-Hop angefreundet, und dieser Song hier rettet vielleicht die Akustikgitarre, die dieses Jahr (und auch die vergangen Jahre) so fürchterlich von allen möglichen Künstlern überstrapaziert wurde. Ich habe ja gar nichts gegen eine Akustikgitarre, eine schöne Stimme und einen guten Text, es ist bloß schöner, wenn dann doch mal noch ein Bass, ein Klavier und ein bisschen Schlagzeug dazu kommen wie hier.
E^ST - Old Age
1 lausiger Artikel auf Facebook hat mir diese Künstlerin hier zugespielt, vermutlich, weil ich offensichtlich ein CHVRCHES-Fan bin. Na, das war gar nicht so abwegig. Erwähnte ich, dass ich Synthesizer mag? Ja? Sehr gut. Ich mag Synthesizer wirklich sehr. Offensichtlich, dass diese schöne Synthipop-Nummer sofort in meiner Sammlung landet. Und wenn die Frau live auch nur halb so viel Energie ausstrahlt wie in diesem Video, muss ich da unbedingt hin.
Atlas Ahead - Blackout
Die Chemnitzer Funk-Band Atlas Ahead hat endlich ein Album veröffentlicht und es ist ziemlich gut geworden. Noch besser sind sie allerdings live, erfreulicherweise hatte ich die Chance sie im Weltecho zu sehen und es macht einfach Spaß, wieviel Energie die Jungs von der Bühne schicken. Außerdem geht alleine die Musik mit den schicken Basslines und spacigen Keys gut in die Beine. Empfehlung!
Fritz Kalkbrenner - Hearts and Hands
Fritz Kalkbrenners aktuelles Album Grand Départ ist nun auch schon wieder von 2016, aber kurz vor Jahresende war ich noch auf einem seiner Konzerte und es war einfach gut, sich mal wieder von der Musik alle Gedanken austreiben zu lassen. Das Album birgt keine Überraschungen - das heißt aber auch, dass ihr es einfach hören könnt, wenn ihr seine Musik bisher mochtet.


Facebook-Auszeit und ein ernstes Problem

Im Herbst hatte ich mir für ein paar Wochen eine Facebook-Auszeit genommen. Ich wollte meinen Account schon länger löschen, der Funke hat bloß immer gefehlt. Im Juni kam einer: Auf Facebook war plötzlich eine kostenpflichtige Werbeanzeige geschaltet - angeblich in meinem Namen.

Der Anfang der ganzen Geschichte war ein unscheinbarer Hinweis in meiner Seitenleiste bei den von mir verwalteten Seiten. Einer meiner Beiträge hätte eine Reichweite von soundso erreicht, von meinem Budget wären soundso viel Euro verbraucht. Budget? Ich hatte gar keine Werbung geschaltet, schon gar nicht für diesen Beitrag - es ging um einen älteren Post von TEN SING RheinRuhr. Ein schneller Blick in die Einstellungen und eine halbstündige Odyssee durch schlecht dokumentierte Facebook-Funktionen zeigten mir, dass dieser Beitrag beworben wurde, dass dies von meinem Account aus passiert war und dass eine mir nicht bekannte Kreditkarte eingetragen wurde, von der die Werbekosten abgebucht werden sollten.

Der Witz daran: Zu der Zeit, zu der die Anzeige geschaltet wurde, war ich gar nicht wach. Und die Kreditkarte gehörte auch keinem anderen Teammitglied. Ich wandte mich also an den Facebook-Support. Dieser verwies mich nach einiger Wartezeit auf ein Formular, dass ich bereits gefunden hatte, dass ich aber nicht ausfüllen konnte, weil ich dafür die Kreditkartennummer brauchte - und ich bekam aber nur die Endziffern angezeigt. Also nachgefragt, nein, das sei kein Problem, antwortete ein anderer Facebook-Mitarbeiter, ich solle einfach mit XXXX auffüllen. Na gut.

Ein paar Tage später, ein dritter Mitarbeiter schrieb mir, sie hätten das Formular erhalten, aber ich hätte es unvollständig ausgefüllt. Also erklärte ich die ganze Geschichte nochmal - in der Zwischenzeit hatte ich vorsichtshalber schonmal alle Anzeigen deaktiviert und alle Budgets auf null gesetzt. Nun kam erstmal eine Weile nichts. Irgendwann war mein Konto dann plötzlich gesperrt.

Ich schaffte es irgendwie, mein Passwort zu ändern, und durfte mich daraufhin wieder einloggen. Übrigens beides ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung, die ich zwischenzeitlich ebenfalls eingeschaltet hatte... nach dem Einloggen sah ich dann, dass der Support mir erneut geschrieben hatte: Es hätte offenbar ein Missbrauch meines Accounts vorgelegen, ich solle sicherheitshalber mein Passwort ändern. ACH! Mehr habe ich nie gehört. Kein Hinweis darauf, wo die ominöse Kreditkarte herkam, nichts, was mir irgendwie geholfen hätte. Da stellte ich fest: Facebook ist auch, wenn man seine Passwörter schützt, die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beachtet und auf seinen Account gut aufpasst, nicht sicher, und wenn etwas schief läuft, hilft einem niemand.

In der Folge deaktivierte ich meinen Account für eine Weile, um festzustellen, ob ich auch ohne Facebook auskomme. Traurige Nachricht: Gerade von den Menschen, die man nicht eh ständig trifft, erfährt man dann schnell nichts mehr, und auch Veranstaltungen verpasst man gelegentlich. Daher bin ich nun erstmal wieder zurück, habe meine Freundesliste noch gründlicher aussortiert (Vorbeugen gegen unvorsichtige Kontakte, die Spam weiterleiten) und überlege, welche Optionen es geben könnte...



Alice Merton: Radiokonzert in Erfurt

Sitzte im Büro, klingelt das Handy, ist der MDR dran, sagt du hast Karten für Alice Merton gewonnen. Wie cool! Buchste nen Bus und nen Zug nach Erfurt, schleifst ne Freundin von dort mit ins Kalif Storch, ziehst dir das mal rein.

Und was für eine gute Entscheidung das war! Alice Merton ist mit nur einer veröffentlichten Vier-Track-EP schon auf USA-Tour und für einige Zwischenstopps gerade wieder in Deutschland. "Wir haben für die fünf Tage jetzt sogar einen Tourbus, das ist richtig cool, also, nach fünf Tagen ist es vielleicht nicht mehr so cool, weil es dann etwas stinken wird", erzählt sie in perfektem Deutsch. Dabei hatte sie vorher noch angekündigt, dass sie normalerweise englisch redet und nur wegen der Radiozuhörer zu deutsch überredet wurde, eigentlich hätte sie immer Angst einen Fehler zu machen - sagt's und wechselt von einer Sekunde zur nächsten die Sprache als wäre es nichts. Später verfällt sie immer wieder ins Englische, "das ist so komisch auf der Bühne deutsch zu reden", sagt sie. Nur eines von vielen Zeichen, wie sympathisch Alice Merton rüberkommt.

Und sie redet eine ganze Menge - erzählt Geschichten zu ihren Songs, von ihrem Manager, der immer zu ihr gehalten hat, als sie immer und immer wieder bei Labels vorsprach und abgelehnt wurde, davon, wie sehr sie das jedes Mal getroffen hat, und wie sie das in ihrem Song "Holes" verarbeitet hat. Ich schreibe Songs aus Gründen, sagt sie, und dass es wie Therapie sei: "Das klingt immer wie so ein Klischee, aber so ist es wirklich". Und wir glauben es ihr sofort. "Holes" ist super tanzbar, aber man merkt ihr so sehr an, wie sie wieder an die darin verarbeiteten Situationen denkt, dass man sich kurz fragt, ob es okay ist, dazu zu tanzen. Bei manchen Songs wirkt sie nach den letzten Tönen richtig fertig, als hätte sie gerade etwas sehr emotionales durchlebt.

Gleichzeitig kann man bei ihrem Konzert aber auch eine Menge Spaß haben. Trotz der Emotionen wirkt sie nie negativ oder frustriert, sondern nur ehrlich, und natürlich gibt es auch schönere Geschichten, witzige und fiese. Wie von diesem Freund, der sie zwei Jahre lang ignorierte und dann, als der Erfolg kam, plötzlich wieder da war. "Ich bin nicht nachtragend... aber doch ein bisschen", singt sie. Und dass sie vor allem Angst hat, und aber auch weiß, dass sie sich damit das Leben kaputt macht, und dass man das nicht machen soll. Vermutlich habe ich mich lange nicht mehr oder noch nie so sehr mit den Inhalten einer Künstlerin auseinander gesetzt - dabei kam ich doch eigentlich auch vor allem dadurch auf sie, weil ihre Hitsingle "No Roots" so extrem eingängig und tanzbar ist.

Und wie gut der Rest erst tanzbar ist! "No Roots" streut sie recht beiläufig gegen Ende des Konzertes ein (und tatsächlich eskaliert das durchgehend unfassbar langweilige Publikum nichtmal da so richtig), aber das ist ok, denn wenn sie nicht gerade alleine am Klavier sitzt und intensive Balladen vorträgt, geht ihr Sound unfassbar gut in die Beine. Mit ihr sind drei weitere Musiker auf der Bühne, die alle in ihrem Alter sind und so wirken, als wären sie definitiv nicht als Profimusiker von irgendeinem Management gebucht worden. Alice Merton ist kein neues gepushtes Popsternchen am Himmel der großen Labels. Im Gegenteil - sie veröffentlichte bereits ihre erste EP auf ihrem eigenen Label, ein bedeutendes Detail, das sie bei der Geschichte zu ihrer Karriere bescheiden ausgelassen hat. Und wie sie wissen auch ihre Mitmusiker, was sie tun, stellen sich dabei stets in den Hintergrund, aber gelegentlich blitzt doch der Spaß an ihren Instrumenten durch, wenn krachende Gitarrenriffs eine Soundgrundlage schaffen, fette Synthesizer-Bässe erklingen oder die Bassdrum den Zuschauern in den Arsch tritt.

Was leider wirklich nur sehr schlecht funktioniert hat. Veranstalter des Konzertes war MDR Sputnik, Karten wurden nur unter Radiozuhörern (und Online-Followern) vergeben, der Anteil an vermutlich spontanen, wenig begeisterten Zuhörern war groß. Ein schwieriges Publikum, dem sich die Sängerin auf zweierlei Arten stellt: Zum einen zelebriert sie ihre Musik einfach trotzdem, bringt die Leute zwar nur schwer zum Tanzen, wohl aber zum Zuhören mit ihren Geschichten, ihrer unfassbar sympathischen Ausstrahlung und indem sie auf jeden der vereinzelten Zuschauerrufe direkt eingeht. Zum anderen wird mal dezent, mal weniger dezent zum Mitmachen aufgefordert, und etwa im letzten Drittel des Konzertes funktioniert das auch: "Bei dem nächsten Song lassen wir immer das Publikum springen, im Chorus", sagt sie, und als sie "Jump!" ins Mikrofon schreit, tun die Leute das tatsächlich - wir staunten nicht schlecht.

Vielleicht ist es ein bisschen höfliches Mitmachen, so wie auch immer wieder mitgeklatscht wird, vielleicht trauen sich die noch-nicht-Fans auch einfach nicht so recht. Auf jeden Fall hören wir nach dem Konzert viele Stimmen von positiv überraschten Zuschauern. Dass die Band selbst abbaut und selbst ihren eigenen Merch verkauft - Bonuspunkte. Wir möchten die sympathischen vier einfach knuddeln und vor allem: Bald wieder auf ein Konzert!


Wer nun reinschauen möchte: Zusammenschnitt MDR Sputnik



Musik-Neuentdeckungen 11/2017

Huch, ein ganzer Monat ohne Blogeinträge... ich war nachlässig, und vielbeschäftigt. Aber Musik gab es, und gar nicht so wenig!

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles. Die in Klammern angegebenen Daten zeigen, wie ich auf das jeweilige Lied aufmerksam geworden bin.

Wise Guys - Du bist die Musik
Obwohl die Wise Guys damals noch nicht auf dem Höhepunkt ihres stimmlichen Könnens waren, war Wo der Pfeffer wächst schon ein beeindruckendes Album. Es zählt gar nicht zu meinen liebsten und ist auch eines der wenigen, die ich nicht selbst besitze, aber dennoch hat es seine Highlights und Du bist die Musik ist definitiv eins. Die Stimmung, die dort aufgebaut wird, ist trotz der wenigen Mittel sehr eindrucksvoll und damit bringt dieses Lied mehr rüber als viele der späteren Werke. Bemerkenswert ist auch, dass hier ausnahmsweise Effekte zum Einsatz kommen, was die Wise Guys sich in den meisten Phasen ihrer Karriere strikt verboten haben. Für die Aussage des Songsi st das aber in keiner Weise relevant.
Meredith Brooks - Bitch (Erstifahrt)
Ein alter Song, der noch nicht so richtig zum Klassiker geworden ist. Sollte er aber. Wer in den 90ern/2000ern Popmusik gehört hat, kam an Songs wie diesem nicht vorbei, und das ist auch gut so.
Noel Gallagher's High Flying Birds - Fort Knox (Musikexpress)
Von Noel Gallaghers nicht mehr so neuem Musikprojekt hielt ich bisher nicht so viel, zu poplastig war mir das alles. Aber dieser Titel hier von seiner neuen Scheibe hat mit Pop nichts mehr zu tun. Big Beat, fette Sounds, eine Soundwand wie aus einem Film, massiv wie die Mauern von Fort Knox halt. Auch stimmungsmäßig extrem passend. Sehr fett. Sehr gut.
Caravan Palace (Erstifahrt)
Von Electroswing hat man natürlich schonmal gehört, aber erst, als das bei der Erstifahrt stundenlang im Hintergrund lief, wurde mir klar, dass das eigentlich total zu meinem Geschmack passt. Tanzbare Beats, moderne Bässe gemischt mit Vintage-Bläsern, sehr schick. Caravan Palace ist wohl einer der bekannteren Vertreter und ich empfehle hiermit einfach deren Gesamtwerk.
Violent Femmes - Never Tell
Beim Couchsurfen habe ich seit langem mal wieder Platten gehört und dabei Violent Femmes kennengelernt. Als man in den 80ern noch nicht die Möglichkeit hatte, Musik digital am PC oder auf einem Handy zu hören, haben sich die Bands noch mehr Dynamik erlaubt. Es ist sehr schade und ein großes Problem, dass das heute unüblich ist, auch in meiner eigenen Band merken wir das immer wieder. Violent Femmes jedenfalls nahmen damals keine Rücksicht darauf, wie laut oder leise andere Bands sind, und knallen einem eine wilde Rocknummer nach der anderen um die Ohren. Reinhören, zum Beispiel in Never Tell, aber gerne auch in das ganze Album Hallowed Ground.


Musik-Neuentdeckungen 10/2017

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Pappschachtelmann - Das Buch
"Deutschsprachiger Indie-Rock, geprägt von melodiösem Bass- und Gitarrenspiel und abwechslungsreichem Schlagzeug und dies gepaart mit erdigem und bodenständigem Charme" - ich zitiere mal dankend die treffende Selbstbeschreibung dieser Chemnitzer Band.
Gloria - Immer noch da
Dass Gloria nur zwei Leute sind, hat mich schon überrascht, noch mehr allerdings, dass einer davon Mark Tavassol von Wir sind Helden ist. Immer noch da ist eigentlich "bloß ein Popsong", aber schön fluffig leicht, und ich mag ja Synthesizer, und irgendwie kann man sich das gut anhören.
Occupanther - Chimera feat. Claire
Alles, was Claire involviert, ist potenziell gut. Musik, die vor allem vom Beat lebt, ebenfalls. Na, sehr schön. Da könnt ihr Occupanther ja jetzt anhören.
Revolution Harmony - I Is Love For You
Musik für Musiker. Revolution Harmony sind zwei Musiker, die auf Youtube Tutorials zu Musiktheorie verbreiten, die meiner Meinung nach sehr gut sind. Manchmal schreiben sie auch selbst Songs und man, es ist großartig, was dabei heraus kommt, wenn man sich richtig Gedanken darüber macht, was man tut. Keine Instrumentalspur ist primitiv, überall passiert etwas, trotzdem trägt alles zur Gesamtstimmung bei statt sie zu zerstören. Auch die Brüche im Ablauf sind gewagt, aber gut. Wer sonst nicht darauf achtet, ob Musik komplex ist oder nicht, sollte sich I Is Love For You mal anhören, um zu hören, warum ich mich gelegentlich über simple Popmusik beschwere.
Grandbrothers - Long Forgotten Future
Man hört es der Musik von Grandbrothers nicht gleich an, was dahinter steckt, und auch, dass die beiden aus Düsseldorf kommen, ist nicht die erste Vermutung. Mit einem stark modifizierten Flügel und einer Menge Loop-Technik produzieren Grandbrothers elektronische Klaviermusik, die einen fesselt, alle Gedanken durcheinanderwirbelt und dann etwas glücklicher wieder freilässt.
Blue Oyster Cult - Don't Fear the Reaper
Eine Schlagzeugerin, der ich auf Youtube folge, hat diesen Song gecovert (und einige andere aus der Zeit, die teilweise hier schon auftauchten). Das Gitarrenriff klingt großartig, die Struktur des Songs ist interessant, es klingt alles wunderbar nach den 70ern und hey, eine Cowbell.


No Roots

Der Grund dafür, dass ich so selten Musikvideos poste, liegt darin, dass ich die meisten Musikvideos doof finde. Deswegen schaue ich inzwischen auch kaum noch welche an. Ein Song, über den ich mich in letzter Zeit jedes Mal freue, ist No Roots von Alice Merton (und ich wette, jeder, der das hier liest, kennt den auch, obwohl euch der Name nichts sagt) und da die Frau noch gar kein Album herausgebracht hat, hörte ich den also auf Youtube.

Und hey.

Das Video dazu ist auch cool. Keine Video-Einleitung, die so lang ist wie der Song, keine seltsamen Szenen, deren Zusammenhang man nicht versteht, bloß ein paar schlichte Shots von der Sängerin, authentisch, attraktiv, stilvoll und wirkungsvoll gesetzte Schnitte und Übergänge. So wie der Song sich quasi unmerklich steigert (man achte mal darauf, was da alles passiert, abgesehen von Gesang und dem Lead-Bass-Synthesizer), steigern sich auch die Szenen in dem Video. Kann man machen. Und ich bin sehr gespannt, was da noch kommt - alleine die Tatsache, dass Alice Merton, so alt wie meine jüngere Schwester, schon vor ihrem ersten vollständigen Album nicht nur einen ernstzunehmenden Hit gelandet, sondern auch ein eigenes Label gegründet hat, spricht dafür, dass sie es ernst meint. Finde ich gut.



Fehlplanungen am Chemnitzer Campus

Vorhin schrieb ich an den ADFC Chemnitz. Anlass war die aktuelle Verkehrssituation am Hauptcampus der TU Chemnitz. Dort wird seit Anfang des Jahres kräftig gebaut - der begehbare begrünte Mittelstreifen wird gegen eine Straßenbahn ausgetauscht. Das Projekt war durchgehend sehr umstritten, der Ärger über die geopferten Bäume wich aber irgendwann dem leisen Gedanken "vielleicht ist eine Straßenbahn von der Uni zum Bahnhof ja doch ganz nett".

Reichenhainer Straße in Chemnitz kurz vor Fertigstellung des Umbaus 2017

Abgesehen davon, dass die Straßenbahnlinie nun aber gar nicht den gesamten Campus erfasst, wurde für den Umbau auch die Straße gravierend umstrukturiert: Einseitig wurden die Parkplätze abgeschafft, beidseitig der Radweg. Es gibt also auf der vielleicht am meisten von Radfahrern genutzten Straße in Chemnitz keinen Radweg mehr. Das war mir schon am Anfang aufgefallen, ich hatte bereits dann dem ADFC geschrieben und man antwortete mir:

Die Reichenhainer Str. wird ja quasi zur verkehrsberuhigten Zone, der Durchgangsverkehr wird ab dem neuen Kreisverkehr am Südbahnhof über die Fraunhofer-Str. in Richtung Südring gehen. Damit ergibt sich die Möglichkeit, den Radverkehr wieder direkt auf die Reichenhainer Straße zu bringen. Wenn es die Situation zulässt, ist das ein Ziel, welches der ADFC schon immer verfolgt. Die derzeitige Situation, daß Autofahrer denken, ihnen gehört die Straße allein kommt u.a. auch ein wenig daher, daß zu lange daran gearbeitet wurde, den Radverkehr außer Sichtweite des Autofahrers oder zumindest an den Rand einer für Kfz frei befahrbaren Straße zu drängen. Ziel sollte aber sein, auch den Chemnitzer Autofahrern und denen aus der Umgebung wieder das eigentlich Normale, das jederzeit in Gemeinden und Städten nahezu überall Radfahrer auf der Straße anzutreffen sind, in die Köpfe zu bringen.

Die für die Planung von Straßen und Wegen zugrunde liegenden Empfehlungen ERA legen den Planern nahe, bei gemischten Verkehrsgruppen auf einer Fahrbahn entweder die Straße eng zu halten, also nur um die 3,25m, damit der Radfahrer VOR dem Auto bleiben kann und nicht eng überholt wird ODER sehr weit zu halten (die angesprochenen >4m sind sehr gut) damit der Kfz-Verkehr in ausreichend großem Abstand entspannt überholen kann.

Wir sehen also den Umbauten auf der Reichenhainer und Reitbahnstr. erstmal entspannt entgegen.

Die Vorstellung, Autofahrer und Radfahrer könnten friedlich miteinander auf der Straße fahren, fand ich damals schon naiv und utopisch. Ich weiß auch nicht, wie ein Unterschied von 75cm in der Fahrbahnbreite dafür sorgt, dass Radfahrer nicht nur überholt, sondern sicher überholt werden können. Was daraus geworden ist, könnt ihr jedenfalls im Folgenden in meiner Antwort lesen.

[...] auch wenn auf die letzte Nachricht dann keine Antwort mehr kam, hier ein aktueller Zwischenbericht. An der Reichenhainer Straße ist inzwischen eine Fahrspur mehr oder weniger fertig - die Bordsteine sind da, die Parkplätze sind wieder errichtet worden, streckenweise ist also auf der Fahrbahn stadtauswärts alles so, wie es mal sein wird. Das heißt auch, es zeigt sich jetzt, ob es funktioniert, dass Radfahrer und Autofahrer vernünftig nebeneinander herfahren können.

Kurze Antwort: Nein. Entweder fahren die Radfahrer so, dass sie einen vernünftigen Sicherheitsabstand zum Rand haben - dann können die Autofahrer nicht überholen. Oder die Radfahrer fahren sehr randnah, dann überholen die Autofahrer, teils genervt und daher schnell und mit starker Beschleunigung (wie immer und überall) - ausreichend Sicherheitsabstand ist da nicht dabei.

Zurzeit dürfen Radfahrer die Spur auch entgegen der Fahrtrichtung benutzen, was einige weitere Beobachtungen ermöglicht. Erstens, auf Radfahrer, die entgegen der Fahrtrichtung fahren, wird teilweise (nicht immer) mehr Rücksicht genommen. Zweitens, ein wirklich sicheres Aneinandervorbeifahren ist nichtmal dann möglich, wenn die Autofahrer sehr nah am Rand fahren. Funktioniert also auch nicht.

Ganz davon ab: Nah am Rand fahren sollte weder für Autos noch für Fahrräder notwendig sein, denn da parken ja Autos und da wird auch gelegentlich mal eine Tür einfach aufgerissen.

Damit ist eigentlich alles gesagt. JETZT ist es natürlich zu spät, denn die Stadt hat offensichtlich großen Druck ausgeübt, um das ganze Projekt voran zu bringen, die Bauarbeiten werden also bald abgeschlossen sein und dann wird sich da nichts mehr tun. Die Reichenhainer Straße wird sicherlich nicht lebensgefährlich nach dem Umbau und man muss sagen, dass es immerhin ein Vorteil ist, dass auf der stadteinwärts führenden Seite die Parkplätze wegreduziert wurden - denn dort geht es heftig bergab und man lief als Radfahrer bisher Gefahr, bei hoher Geschwindigkeit eine Autotür abzubekommen. Dennoch denke ich, dass klar markierte Radwege auf der Straße wesentlich sicherer sind als keine Radwege.

Aus meiner Sicht war also der Verzicht auf einen Radweg auf der neuen Reichenhainer Straße eine totale Fehlentscheidung und es ist mir unbegreiflich, wie der ADFC, die einzige Lobby für Radfahrer und damit die vermutlich einzige Organisation, der man vielleicht zugehört hätte, das auch noch befürworten konnte. Chemnitz' wichtigste Uni-Straße hat damit deutlich an Attraktivität verloren.



Musik-Neuentdeckungen 09/2017

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Now, Now - Yours
Manchmal erweisen sich Empfehlungen anderer Künstler als Treffer, manchmal als verwirrend abwegig. Das hier war ein Treffer - auch wenn ich ihn von Hayley Williams nicht erwartet hätte. Synthesizer! Hab ich mal erwähnt, dass ich Synthesizer mag? Das hier hat Einflüsse von 80er-Rock und mag sich dadurch nicht in die Popschiene stecken lassen, obwohl es heutzutage noch am ehesten dahin gehört. Wie auch immer. Synthesizer!
MC Skule, Anne Hilliard & IV Green - 99 Math Problems (minkorrekt Podcast)
Ein Rap über Mathematik von einem Haufen Schulkinder... und es ist tatsächlich cool. Der Beat ist gut und die Kinder klingen nicht wie nervige kleine Kinder, sondern gut. Außerdem steckt ein cooles Projekt dahinter. Angucken!
Liz Gillies - Wild Horses (Rolling Stones Cover)
Das haben wir letztes Jahr bei TEN SING gespielt und es ist einfach so schön. Muss hier mal erwähnt werden.
Kate Harmony