Alle Artikel zu #musik


Take some time. I

Manchmal sitze ich abends, oder eher nachts, vor dem PC, und bin genervt davon, immer alles schnell abarbeiten zu müssen. Und manchmal wehre ich mich dann dagegen, indem ich mich nicht dagegen wehre, und arbeite Dinge ab, indem ich mir Zeit dafür nehme. Das sind jetzt nicht solche Sachen wie "den Flur putzen" oder "zum Arzt gehen", sondern eher so etwas wie "endlich diesen Feed lesen, der mich schon seit Wochen im Google Reader nervt". Und manche Dinge sind es wirklich wert, dass man mal nicht beachtet, dass man damit jetzt eine halbe Stunde, eine ganze, zwei Stunden verbringen wird, während man in der Zeit doch 99 andere Dinge tun könnte.

Vielleicht wird das eine Reihe. Und weil das hier meistens ein Event- und Musikblog ist, starte ich die Reihe dann mal mit einer Reihe musikalischer Beiträge.

Einige Live-Aufnahmen und ein Interview mit Lykke Li bei KCRW [offlline] (englisch, 37-minütiges Video)
Lohnt sich, weil Lykke Li eigentlich nicht so der Interviewtyp ist.

Sonntagsgespräch auf HR mit Judith Holofernes von Wir sind Helden [offline] (deutsch, 30-minütiges Video)
Lohnt sich, weil Judith nicht nur geniale Songtexte schreibt, sondern auch sonst eine bemerkenswerte Persönlichkeit ist. Kann man sich gut als Tagesabschluss angucken.

Exklusivinterview mit Paramore auf MTV zur Bandkrise (englisch, wahlweise Video oder Text)
Lohnt sich für Paramorefans, weil da mit allem aufgeräumt wird, worüber man sich so Gedanken machen könnte. Und weil die Band bemerkenswert entspannt damit umgeht, dass sie zwei Mitglieder verloren hat, und weil es zeigt, dass Paramore es auch so meinen, wenn sie sagen, dass ihnen die Fans am Herzen liegen.



Statement zum Geschmacksstreit

Es ist kein Geheimnis, dass Musik Geschmackssache ist, und eigentlich ist das auch gar nicht diskussionswürdig. Trotzdem stoßen mir einige Dinge immer wieder sauer auf, zuletzt mehrfache Kritik aus dem Projekt Hörsturz, bei dem ja allerlei Musik vorgeschlagen und von Leuten mit verschiedenen Geschmäckern bewertet wird. Die meisten haben allerdings gemeinsam, dass sie eher kein Freund "mainstreamiger" Musik sind.

Ich gehöre da nicht so ganz zu und habe auch schon schlechte Kritiken einstecken müssen für meinen Musikgeschmack. Das ist ja erstmal auch okay; ich beschimpfe selbst ja auch immer wieder Screamo-Parts bei Metal-Stücken oder Rap. Was mich aber nervt, ist das immer wieder auftauchende Geschrei danach, dass die Sänger(innen) ja alle gar nicht singen können.

Es geht dann meist um eine Technik, die sich Autotune nennt meist Auto-Tune genannt wird1. Ob man denn gar nicht mehr ohne auskommen könnte, das sei ja alles Kommerz-Scheiß und total billig. Und jetzt stelle ich mich hier hin und sage: Na und?

Lasst die Leute doch ihre Stimmlage korrigieren. Erstmal tun sie das gar nicht immer nur, den Effekt kann man wohl auch für andere Klangveränderungen nutzen. Und ganz im Ernst, seit ich selbst in einer Band spiele, fällt mir immer mehr auf, wie primitiv manche Songs doch sind. Erster Gegenkritikpunkt wäre also schonmal: Wenn schon, dann teilt gefälligst an alle aus, auch an die Band.

Aber auch bei der Band bzw. dem PC / Synthesizer sage ich: Na und? Viele dieser primitiven Lieder gehen gut ins Ohr, bleiben dort, sind tanzbar oder verursachen gute Laune. Eingängige, simple Melodien sind doch nichts neues. Das Geniale an der Musik ist doch, dass für jeden etwas dabei ist. Es gibt momentan wohl (mal wieder) eine Zielgruppe, die auf primitive Musik mit eingängigen Beats und gepimptem Gesang steht. Na und?

Es ist nicht so, dass diese Musik alles andere verdrängt. Es ist nicht so, dass es nur noch Schrott gibt auf dem Musikmarkt. Es ist nicht so, dass jetzt alles elektronisch ist. Die Charts zeigen nur den kommerziellen Erfolg. Viele Titel tauchen da kurz mal auf und verschwinden dann wieder, weil sie nicht oft genug gekauft werden. Radio funktioniert größtenteils genauso - was mehr gekauft wird, bleibt länger in der Playlist. Aber großer kommerzieller Erfolg ist eben nicht alles und gerade auch die Projektteilnehmer sollten das wissen.

Es gibt Musik, deren Beat sich nie ändert und deren Gesang gepimpt ist. Es gibt Musik, die daraus besteht, dass man etwas altes genommen und neu abgemischt und Samples drunter gemischt hat. Es gibt deutsche Schlager. Es gibt Hip-Hop, Poprock und Europop2. Es gibt die Indie-Sachen, denen jetzt auch Mainstreamismus vorgeworfen wird (schonmal davon gehört, dass der Mainstream sich ändern kann?), und es gibt das, was neuerdings Singer-Songwriter heißt, was meiner Meinung nach eine Berufsbezeichnung und keine Musikrichtung ist und früher Liedermacher hieß.

Es gibt aber auch immer noch anständigen Rock, der einem E-Gitarrenklänge um die Ohren pfeffert. Es gibt Metal, bei dem man sich fragt, wie viele Beater das Basepedal wohl hat und was der Sänger da mit seiner Stimme macht, ganz ohne Effektgerät. Es gibt Elektrosongs, die aus mehr als Beat bestehen und bei denen sich niemand beschwert, wenn die Stimme des Sängers bis zur Unkenntlichkeit verzerrt ist und alle Instrumente synthethisch sind. Es gibt Indiepop, der musikalisch und textlich überzeugen kann. Auch deutsche Produktionen weisen immer wieder mal Qualität auf.

Man müsste einfach nur mal mehr hören als Charts und Radio. Und vor allem, wenn man das schon tut, daran denken, dass man zwar nicht alles mögen, aber zumindest vieles tolerieren sollte, denn Musik ist Geschmackssache - und über Geschmack zu streiten lohnt sich nicht.

Und zusammen mit dem Gedanken, dass aktuelle Musik ja noch lange nicht alles ist und auch die vergangenen Jahrzehnte schon gute Musik hervor gebracht haben, gebe ich euch jetzt mal noch einige wild gemischte Bands mit auf den Weg, die ich persönlich hörenswert finde. Alle Bands sind verlinkt, ich habe jeweils eine Quelle heraus gesucht, bei der man sich einige Lieder anhören kann. Wer mehr möchte, sollte größtenteils im Netz fündig werden. Teilweise sind es mehrere Links zu einzelnen Songs.

  • The Kills und Blood Red Shoes, zwei zweiköpfige Rockbands, die ohne technisches Brimborium richtig einheizen.
  • Wir sind Helden, eine deutschsprachige Band, die außer Rock und Indiepop noch ein paar merkwürdige Ideen hat und von Anfang an bis heute durch ausgefeilte wie intelligente Texte überzeugt.
  • The Gaslight Anthem, die dadurch auffallen, dass sie nicht auffallen, und mit ihrem entspannten Indierock eigentlich immer hörbar sind.
  • Eileen Q, eine leider ziemlich unbekannte Folkrockband, die nicht immer durch Tiefgang, dafür aber umso mehr durch Partypotenzial besticht, besonders live. Freue mich schon darauf sie beim Kirchentag wieder zu sehen. Bei dem verlinkten Konzert war ich dabei, eins der geilsten auf denen ich je war. JEDER hat gefeiert.
  • Daft Punk, die vermutlich vielen bereits bekannt sind. Elektroband, von der ich selber noch nicht so viel kenne. Soviel ich bisher mitbekommen habe, verstehen sie sich darauf, aus wenig viel zu machen.
  • Grossstadtgeflüster, die nicht nur riesige Konzertpartys schmeißen und einem mit elektronischen Klängen die Ohren zerfetzen können, sondern auch richtig gute (deutschsprachige) Texte drauf haben, die durchaus Tiefgang aufweisen können.
  • Yeah Yeah Yeahs, bei denen sich jedes Album anders anhört. Können (Alternativ-/Indie-)Rock, gerne auch gemischt mit Synthis, und experimentieren ab und an. Funktionieren am besten laut und können durchaus auch mal abschreckend wirken. Die Stimme der Sängerin ist purer Sex.
  • The Sounds aus Schweden, die mit Garage-Rock gestartet sind, dann Synthi-Klänge vermehrten, mit Beats um sich warfen und aktuell mit Dance-Sachen spielen. Alle Varianten tanzbar, mit Frust-Abbau-Potenzial und live der absolute Wahnsinn.

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  1. Achtung, ich glänze jetzt mit Halbwissen aus einem Wikipedia-Artikel, dessen Diskussion um ein Vielfaches länger ist als der Artikeltext.
  2. Europop: Das, was jeder irgendwie toleriert.


Grossstadtgeflüster: Bis einer heult!!!

Grossstadtgeflüster, eine (inzwischen) dreiköpfige Elektropunk-Band aus Berlin, haben vor einiger Zeit eine recht steile Karriere hingelegt, als sie mit "Ich muss gar nix" quasi überall eingeschlagen sind wie eine Bombe. Als Quasi-Headliner beim Open Flair sind sie dabei auch bei mir angekommen und seitdem musste ich feststellen: Geplant war das wohl nicht, die Sache mit dem kommerziellen Erfolg. Das erste Album, "Muss laut sein", von dem auch der genannte Track stammt, ist völlig vergriffen und nur noch zu Mondpreisen von Privathändlern zu bekommen. Die Konzerte finden zu Niedrigpreisen in kleinen Hallen und Clubs statt. Sehr angenehme Umstände.

gsgf-bis-einer-heult.jpgAlben sind es mittlerweile drei geworden und das zweite, 2008 erschienene und auch nahezu vergriffene, "Bis einer heult!!!" konnte ich letztens endlich ergattern. Zweimal hatte ich GSGF live gesehen und nachdem beide Konzerte einfach der totale Wahnsinn waren, musste ich unbedingt auch etwas davon zuhause haben. Einige Titel kannte ich schon von Konzerten, andere von Youtube und ein paar gar nicht.

Das Album umfasst 16 Tracks, die, ich spoilere, allesamt reinhauen. Es beginnt mit den fordernden Titeln "Kümmer dich" und "Komm schon", wird dann mit dem kritischen "Lebenslauf" kurz etwas poppiger und schlägt dann die elektronisch-tanzbare Richtung ein, die eine ganze Menge Titel prägt. Bei manchen Titeln bleibt da außer den elektronischen Sounds und dem Beat nicht mehr viel Musik, so bei "IchBinHuiDuBistBuhDuBistSchubiIchBinDu", andere lassen den Punk so richtig raus, wie in dem zum wilden Abreagieren perfekten "Haufenweise Scheisse".

Durch alle Tracks, egal welche musikalische Richtung sie gerade einschlagen, ziehen sich die genialen Texte. Mal eher offen, mal eher subtil kritisch, mal eher rotzig, mal relativ diplomatisch, mal mit mehr und mal mit weniger Niveau. Vorm offenen Äußern von Meinungen, vor Fäkalsprache, Sex und Drogen wird hier nicht zurück geschreckt - nur vor abgegriffenen Themen. Dabei sind alle Titel so gehalten, dass man über den Text und die Botschaft nachdenken kann, wenn man mag, man kann aber stattdessen auch wild durch die Gegend tanzen, denn tanzbar sind die allermeisten Titel. Dazu trägt auch bei, dass nicht alle Songs einen üblichen Aufbau von gesungenen Strophen und Refrains haben, sondern auch mal ihre Basis auf ständig wiederholte Zeilen oder aneinander gereihte Worte oder Parolen bauen.

Hinter der Anordnung der Titel steckt wohl kein richtiges Konzept, allerdings sind sie zumindest so sortiert, dass man das Album durchhören kann, ohne einen Hänger zu kriegen, aber auch ohne nach der Hälfte Ärger mit den Nachbarn zu kriegen weil man die Wohnungseinrichtung zerlegt hat. Am Ende möchte man es dann direkt nochmal hören - oder auf ein Konzert gehen.

{rating90} Die Texte sind nahezu nie nervig, langweilig oder niveaulos.
{rating90} Die Musik ist häufig tanzbar und über das Album verteilt recht abwechslungsreich.
{rating90} Sehr gutes Album insgesamt. Schade nur, dass man es nicht mehr zu normalen Preisen kaufen kann - beim ersten Album ist es allerdings noch schlimmer.



Lykke Li: Wounded Rhymes

Schon nach dem ersten Konzert von Lykke Li 2009 beim Hurricane-Festival, das ich nur halb sehen konnte, war klar, dass ich mir das nochmal ganz ansehen muss. Dieses Jahr tourt sie nun wieder durch Europa und da ich gerade im Reisefieber bin und immer mal ins Paradiso in Amsterdam wollte, stand schnell fest, dass ich einen Wochenendtrip nach Amsterdam unternehmen werde. Ich schrieb 2009, ich hätte noch nie ein so fasziniertes Publikum gesehen... das sollte auch so bleiben, die Show damals war wirklich atemberaubend.

Die in Amsterdam stand der aber in nichts nach. Nachdem es ewig dauerte, bis die Techniker auf die Bühne kamen, um Setlists, Wasserflaschen und Handtücher zu verteilen, war ich wohl nicht der einzige im Publikum, der schon gespannt wartete, was passieren würde. Es passierte - Nebel. Zwei große ins Publikum gerichtete Nebelkanonen ließen erstmal die gesamte Halle verschwinden. Technisch war damit der größte Effekt bereits ausgespielt; der dichte, sich schnell wieder lösende Nebel war das Hauptelement, alles andere wurde nur sehr sparsam verwendet.

lykke li setlist.pngMit donnernden Ambient-Sounds wurde das eingenebelte Publikum dann endgültig auf den Beginn hingewiesen und währenddessen kamen dann auch ganz unspektakulär Lykke mit Band und Backgroundsängerin auf die Bühne und hauten direkt die ersten beiden Songs raus, das instrumentale, unveröffentlichte "Come Near" und "Jerome" vom neuen Album. Überhaupt war bei dieser Show alles ziemlich sparsam - auch Moderation ist nicht gerade Lykkes Stärke, ein paar Worte zum Publikum ob wir denn auch alle gut drauf sind und ansonsten ein Song nach dem anderen, bunt gemischt vom alten und vom neuen Album, sehr zu meiner Freude ergänzt um nicht auf Alben veröffentlichte B-Seiten wie das mit Kleerup aufgenommene "Until we bleed" oder der Twilight-Soundtrack-Titel "Possibility". So war nach kaum zehn Minuten schon die Hölle los, als nach den beiden Anfangssongs direkt "I'm Good I'm Gone" folgte, was in der kleinen Halle lautstark alles weg geblasen hat.

Lykke Li gehört definitiv zu den Künstlern, die live besser wirken. Nicht nur, weil Tonqualität und Abmischung ausgereifter wirken und durch die Lautstärke alles viel klarer zu hören ist. Die neblige, durch das weißblaue Licht eiskalt wirkende Atmosphäre in der ansonsten stockfinsteren Halle hat mehr als einen Titel besser wirken lassen. Dazu kommt Lykke selbst, der man jede Emotion ansieht, bei der anscheinend bei jedem Song alles wieder hoch kommt, was sie diesen Text hat schreiben lassen; die, immer komplett in schwarz gekleidet, wahlweise äußerst heiß aussieht oder sich völlig verhüllt und teilweise sogar mit dem Mikro unter ihrem riesigen Mantel verschwindet; die gleichzeitig in ihrer Musik aufgeht und doch den totalen Überblick über das Bühnengeschehen hat.

Besonders viel an Bühnengeschehen gab es ja eigentlich gar nicht. Lykkes Band besteht aktuell aus zwei Keyboardern, einem Gitarristen/Bassisten, einem Perkussionisten, einem Drummer, einer Backgroundsängerin und ihr selbst, wobei sowohl sie selbst auch auch der Drummer und der Perkussionist immer wieder an den verschiedenen auf der Bühne verteilten Trommeln, Becken und elektronischen Drumelementen standen. So kommt jeder Song für sich mit sehr wenig Elementen aus, während das gesamte Spektrum an genutzten Instrumenten sehr breit ist.

Bei der schnellen Folge an Songs und der Mischung aus energiegeladenem Tanzen und fesselnden ruhigen Songs war irgendwie alles schnell wieder vorbei. Dabei dauerte das Konzert immerhin 1,5 Stunden und umfasste 21 Songs, davon vier Zugaben. Danach kam etwas, was ich noch gar nicht kannte: Fans sprangen auf die Bühne und sammelten Setlists und Drumsticks. Eine Setlist hab ich auch noch erwischt - für die Drumsticks kam ich leider zu spät und auch wenn Sticks nix kosten, gratis verteilt werden die von den Technikern nicht. Was soll's. hahahah

Das Paradiso ist übrigens wirklich eine sehr geile Halle. Die Wir sind Helden-Live-DVD wurde dort aufgenommen, daher mein Eindruck, dass es sich lohnen würde, dort mal hinzufahren. Das Konzert war ausverkauft, trotzdem war es ziemlich entspannt vorne in der siebten Reihe. Die Halle ist architektonisch nett anzusehen, die Bühne ist sehr hoch und ich hatte den Eindruck, dass man von überall gescheit sehen kann. Gleichzeitig glänzt das Paradiso durch hervorragende Technikausrüstung. Das Audiomischpult ist volldigital und vor der Show gab's statt einer Vorband einen DJ, der sein Werk echt gut verstand und die Zeit bis zum Konzert recht erträglich überbrückt hat. Außerdem liegt das Gebäude direkt neben dem Melkweg, dem Amsterdamer Kulturzentrum, und damit mitten in der Innenstadt.

Trotz der gefühlten Kürze war's ein genialer Abend. Das einzige, was störte, war die lange Wartezeit vorher, die das Konzert selbst dann noch kürzer erscheinen ließ. Dafür wurde ich in der Zeit angesprochen, warum ich denn eigentlich da sei; eine Zuschauerin wunderte sich über die (zugegebenermaßen nicht besonders vielen) männlichen Zuschauer. :D Nun, was sagt man dazu... hab dann die Story vom Hurricane erzählt und dass ich sie halt nochmal sehen wollte. Dass Lykke Li besonders weibliche Musik macht, hätte ich so nicht gesagt... aber so hat jeder seine eigene Auffassung. Bei der nächsten Tour bin ich jedenfalls sicher wieder dabei. hahahah



Im Test: E-Drumset Fame DD 506 im Musicstore-Stage-Bundle

Seit Sommer 2010 spiele ich Schlagzeug bei TEN SING bzw. lerne es dort nebenbei, aber das ist immer nur einmal die Woche, also muss mal bald ein Übungsschlagzeug her. In ner Mietwohnung nicht einfach, also bestellte ich ein E-Schlagzeug beim Musicstore und testete mal wieder.

Bestellt habe ich ein Musicstore-Bundle, bestehend aus dem E-Drumset Fame DD 506, einer Monitorbox mit Kabel, Drumsticks, einem Hocker, einem Kopfhörer, einer Tasche und einer Übungs-DVD. Die Monitorbox sollte später mal zum Einsatz kommen, als ich mit M., C. und S. in meinem Schlafzimmer Musik gemacht habe (worüber sich lustigerweise niemand beschwert hat. Aber dazu später mehr).

Aufbauen ließ sich das Drumset dann noch recht einfach. Ich habe allerdings zwei Tage gebraucht, um zu merken, dass die Beckenpads und die Drumpads nicht alle gleich sind, sondern es jeweils ein spezielles gibt für Hi-Hat und Snare Drum. Die Hi-Hat kann man nicht mit der Hand stoppen, die Snare Drum hat einen eigenen Anschlag am Rahmen für Rimshots. Vertauscht man die Pads, gibt es merkwürdige Effekte wie abbrechende Töne und nicht stoppbare Becken. Das aufgebaute Schlagzeug schwankt zwar leicht beim Spielen, wirkt aber prinzipiell stabil.

Die Pedale für Hi-Hat und Bassdrum gefallen mir gar nicht. Es gibt zwar Klett und Spikes, auf Laminat rutschen die aber trotzdem ständig weg. Das Hi-Hat-Pedal liegt lose in der Gegend rum, da das zugehörige Beckenpad am Rack und nicht auf einem Ständer montiert ist. Das Basspedal ist schlabberig und federt sehr merkwürdig, so dass ich ständig Doppelschläge produziere. Ändern der Empfindlichkeit des Kickpads (Bassdrumpad) hilft nicht. Je nach Spieltechnik gibt's entweder undeutliche Schläge oder ich habe das Gefühl, das Pedal zu zerstören.

Letzteres ist merkwürdig, denn insgesamt muss man auf diesem Schlagzeug ziemlich kräftig spielen, um überhaupt Töne zu erzeugen, besonders bei den Becken - bei einem akustischen Schlagzeug ist es eher anders herum. Der Anschlag auf den Pads ist dadurch nicht gerade leise. Wenn man die Kopfhörer auf hat, hört man das ab einer gewissen Lautstärke nicht mehr, aber schön ist es in jedem Fall nicht.

Die Soundsamples selbst sind einer der größten Kritikpunkte, sie hören sich einfach scheiße an. Es gibt zwar einige hundert zur Auswahl, aber das klingt nur viel und ist es eigentlich nicht. Die Samples klingen mehr oder weniger unecht, bei den Becken ist es am schlimmsten, bei den Toms kann man es noch am ehesten ertragen. Bei der Hi-Hat kennt nicht jedes Sample die drei möglichen Zustände (offen, halboffen und geschlossen). Es ist ohnehin schon nervig, dass es nur diese drei Zustände gibt, eine Spielweise bei der die Hi-Hat langsam geöffnet wird ist so nicht möglich.

Damit wären wir beim Spielgefühl. Dass es anders ist als auf einem echten Schlagzeug, war ja zu erwarten, aber gerade bei den Becken ist es echt lausig. Es dauert eine Weile, bis man eine Einstellposition gefunden hat, bei der sich die Beckenpads wenigstens ein bisschen bewegen, wenn man draufschlägt, ohne gleich die Verkabelung zu stören. Danach ist es aber immer noch ein merkwürdiges Gefühl. Das Stoppen der Becken funktioniert, man muss aber ziemlich kräftig zupacken und kann sich auch dann noch nicht richtig darauf verlassen, dass es klappt, weil man den Bereich, den man anfassen muss, eventuell nicht getroffen hat. Die Hi-Hat kennt wie gesagt nur drei Stufen und diese Stufen kann man auch nicht fest einstellen, so dass man den Fuß immer auf dem Pedal haben muss.

Was den Drumcomputer angeht, habe ich außer der miesen Qualität der Sounds nichts zu meckern. Es gibt einen Ausgang für die Monitorbox (Stereo über zwei Monoklinkenkabel) und einen zweiten für die Kopfhörer, die Lautstärke lässt sich unabhängig regeln. Der Aux-Eingang für externe Soundquellen ist ebenfalls unabhängig. Die Bedienung des Drumcomputers ist einfach, die Verkabelung auch, die Kabellängen sind allerdings unflexibel. Eine andere als die Standardaufstellung ist nicht möglich und erweiterbar ist das Set schonmal gar nicht. Ein ganz klarer Nachteil gegenüber einem Akustikset.

Zu den restlichen Setkomponenten möchte ich gar nicht viele Worte verlieren, die tun alle ihren Job, nicht besonders gut, aber auch nicht schlecht. Ich denke aber, die bisherige Kritik am E-Schlagzeug spricht für sich. Mag sein, dass es für den ein oder anderen eine Alternative zum Üben ist, mir hat es aber vor allem aufgrund der Tatsache, dass sich die Sounds so mies anhören und dass man so fest draufkloppen muss, ziemlich schnell den Spaß verdorben.

Übrigens habe ich eine Sache außer Acht gelassen: Man kann den Drumcomputer über USB oder Midi an einen Computer hängen, dann lassen sich auch die Sounds austauschen. Das erfordert aber eine Menge Software, Einarbeitung und vermutlich auch Geld. Zum Üben zu aufwändig, meiner Meinung nach.



Final - Your favorite song

Einer der Gründe, dass ich die 30 Day Challenge rückwärts gemacht habe, ist dass ich mit einem absoluten Kracher enden wollte. Nun wird sicherlich nicht jeder die Meinung teilen, dass dieses Lied einfach megageil ist, aber nachdem ich zwischen Rockklassikern kramte und auch Narcotic von Liquido gute Chancen hatte, zu meinem Lieblingssong gekürt zu werden, weil es mich schon seit Ewigkeiten begleitet - nun, danach schaute ich mal wieder Livevideos und beschloss, dass mein absoluter Lieblingssong auch live genial sein muss. Alles andere wäre auch eine Schande, wo es doch mein liebstes Hobby ist, auf Konzerte zu gehen. Und da Liquido sich leider vor einiger Zeit aufgelöst haben, ist es nun Misery Business von Paramore geworden - und der Song ist so unglaublich geil, dass ich dafür sogar ein Video einbinde, was ich sonst nie tue. Es gibt unzählige Live-Performances, auch eine Aufnahme von dem Konzert auf dem ich war, aber die hier aus Tokio ist qualitativ sehr gut, hat eine coole Version des Intros und die Band geht auch gut ab.



Music Memories - 5

Einige Lieder, die ich heute höre, teilweise sogar sehr gerne, wurden mir quasi aufgedrückt. Bohemian Rhapsody von Queen zum Beispiel hätte ich nie gehört, hätten wir es nicht vor etlichen Jahren mal im Schulchor gesungen. Wenn man sich immer wieder mit einem Lied beschäftigt und es immer wieder hört, kann man es irgendwann zumindest ganz gut aushalten. Im Fall von Smells like Teen Spirit habe ich dadurch eine eigentlich unbegründete Abneigung überwunden. Als ich gerade bei TEN SING anfing, war im Gespräch, nach der gerade aufgeführten Show noch einen Kurzauftritt zu geben. Wir entschieden uns dafür und unter den Liedern, die wir dafür auswählten, war auch der Nirvana-Klassiker.

TEN SING ist sowieso immer dafür gut, mich für Musik zu begeistern, die ich sonst nie hören würde, zumindest kurzzeitig. Lieder wie Ooh eeh ooh ah ah höre ich mir bestimmt nicht im Alltag an, aber trotzdem wecken sie Erinnerungen an das Ereignis, was damit zusammenhängt, in diesem Fall an das Westbundseminar 2010. Dazu gehören auch Marchin' on von Timbaland feat. One Republic, I wanna fly so high von Sonique und Allez Olla Olé von Jessy Matador, denn diese Lieder waren Bestandteil des Mashups, das zu unserer Gemeinschaftstanzaktion gehörte. Übrigens auch eine Sache, die mich ohne die geniale Stimmung auf dem Seminar nur genervt hätte...



Music Memories - 4

Eine ganz andere Geschichte gehört zu "Only Time" von Enya. Irgendwie weckt dieses Lied immer sehr starke Gefühle bei mir, die ich aber weder richtig einordnen noch zu irgendwas zuordnen kann. Immer, wenn ich das Lied erwähne, wird vom 11. September gesprochen, weil bei den Berichterstattungen dazu wohl oft dieses Lied im Hintergrund lief, ich kann es aber wirklich nicht damit in Verbindung bringen, zumal ich vom 11. September nicht viel mit bekommen habe2. Als Kind habe ich mal autogenes Training gemacht, vermutlich ist es dort einzuordnen... keine Ahnung. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich allgemein empfänglich für Musik von Enya bin, aus irgendwelchen Gründen lief mal "Orinoco Flow" im Radio und ich hatte das Gefühl, ich würde es irgendwoher kennen - aber woher kennt man sowas? Das läuft doch normalerweise nirgendwo und typische Musik für Jugendliche ist es ja auch nicht gerade...

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2 Ich war auf Klassenfahrt und erinnere mich noch daran, dass irgendwie plötzlich alle an der Rezeption der Jugendherberge standen, weil dort ein Fernseher war, auf dem wohl irgendwas interessantes lief. Ich weiß gar nicht, ob ich damals mit 11 realisierte, was da vor sich ging. Jedenfalls habe ich keinerlei Erinnerung daran, dass ich mich irgendwie besonders damit beschäftigt habe - das kam erst jetzt vor kurzem, als ich einen Dokuthriller darüber sah und daraufhin Wikipedia durchwühlte.