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Albumrezension: M83 - Hurry Up, We're Dreaming

Diesen Artikel habe ich ursprünglich für venue.de geschrieben.

M83, eine Dreampop-Band aus Frankreich, gehören wohl nicht zu den Bands, die mit jedem Album wieder etwas völlig neues erfunden haben. Das müssen sie aber auch gar nicht. Das kürzlich erschienene fünfte Album “Hurry Up, We’re Dreaming” klingt nach einem Widerspruch: Der Titel ist eine Aufforderung, sich zu beeilen, und redet gleichzeitig vom Träumen, was sonst Anlass für Langsamkeit ist. Betrachtet man die Worte des Bandleaders Anthony Gonzalez, der vor der Produktion des Albums nach L.A. umgezogen war, geht es eher um Erinnerungen, an denen man hängt, während das Leben einen auffordert schneller zu leben.

Umzüge in andere Städte bringen Aufregung und Abwechslung mit sich, und während “Hurry Up, We’re Dreaming” viel Bewährtes beibehält, ist es doch abwechslungsreich. Einige Tracks erinnern mit ihren verträumten Synthi-Klängen und dem weichen Gesang an den Vorgänger “Saturdays = Youth”, andere sind viel lauter und treibender. Dazwischen finden sich immer wieder kurze, ruhige, rein akustische Stücke wie “Where the Boats Go” oder “Trains to Pluton”. Auch hier wieder ein verspielter Widerspruch – die Titel wirken als Ruhepause zwischen den lebendigeren Stücken, tragen aber alle Namen, die mit Bewegung in Zusammenhang stehen.

Bis auf das von einer Akustikgitarre geprägte und mit Streichern untermalte “Soon, My Friend” sind dann allerdings doch alle Titel stilistisch unverkennbar M83-Songs – wenig Gitarren, dafür umso mehr Synthesizerklänge, Reverb-Effekte und elementare, aber nie hervortretende Schlagzeugpatterns. Neu ist der kräftigere Gesang. Frontmann Gonzalez begründet das mit der Tour von 2010, wo M83 mit Kings Of Leon, The Killers und Depeche Mode auf Tour waren: “Wenn man alle diese Frontmänner so selbstbewusst vor einem großen Publikum auf der Bühne sieht, gibt einem das auch Selbstvertrauen, das Gleiche zu versuchen”.

“Hurry Up, We’re Dreaming” kommt als Doppelalbum mit zweimal elf Tracks, die insgesamt 73 Minuten lang sind. Ich werde allerdings den Eindruck nicht los, dass Gonzalez bloß gerne ein Doppelalbum produzieren wollte – ein Konzept ist dahinter nicht erkennbar, nach den ersten elf Tracks geht es auf der zweiten CD genauso weiter. So bekommt man ein etwas überdurchschnittlich langes Album mit gewohnt solidem Indie- und Dreampop, bei dem sich die Band sicher nicht neu erfunden hat.



Seriously?

"Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar, da es Musik enthalten könnte, für die die GEMA die erforderlichen Musikrechte nicht eingeräumt hat."

Das kann doch nicht echt sein. Wir reden hier von einem Musikvideo zu einem Song, der noch gar nicht auf dem Markt ist - veröffentlicht von der Band selbst. Sobald die mitbekommen haben, dass wir das Video hier in Deutschland ohne Proxyserver nicht sehen können, stellen sie es sicher wieder in ein anderes Portal ein - so wie es mittlerweile üblich ist. Das zeigt doch ganz eindeutig, dass es den Bands scheißegal ist, wer da wo was zahlt, sie wollen einfach nur, dass ihre Fans ihre neue Musik hören können.

Ich kenne das Konzept der GEMA nicht in allen Details. Es geht irgendwie um einen Geldtopf, aus dem alle Künstler schöpfen, in den aber auch alle Künstler einzahlen. Irgendwie sollen damit wohl finanziell noch nicht so starke Künstler gefördert werden. Das wirft für mich aber zwei Fragen auf: Die GEMA ist doch für Deutschland zuständig. Was haben dann Künstler aus dem Ausland damit zu tun? Sind die ernsthaft alle Mitglied bei der GEMA? Und: Was haben Portale wie Youtube damit zu tun? Wieso hat die GEMA so eine starke Machtposition und überhaupt, wieso ist es so wichtig, als Künstler Mitglied bei der GEMA zu sein? Ich verstehe das alles nicht.

Es ist echt allerhöchste Zeit, dass sich am System GEMA was ändert. Bezeichnendes Beispiel ist der Wikipedia-Artikel dazu - er besteht zu 20% aus Kritik, nicht nur, weil es so viel Kritik ist, auch, weil es sonst nicht viel zu schreiben gibt, weil das System so undurchsichtig ist...



Gamescom-Festival: Mehr als nur Beiwerk

Wenn in Köln die Gamescom, die weltgrößte Messe für Videospiele und Unterhaltungselektronik und Nachfolger der Games Convention, steigt, ist nicht nur auf dem Messegelände viel los - denn schon bevor die Messe endet, treten in der Stadt auf drei Bühnen die ersten Bands und Künstler auf. Das Gamescom-Festival ist eine regelmäßig parallel zur Gamescom stattfindende kostenlose Open Air-Veranstaltung, bei der sowohl lokale Künstler als auch Größen von nationalem und internationalem Rang auftreten. Ich war am Sonntag dabei und auf dem Programm standen die letzten drei Acts, beat!beat!beat! aus Viersen, Madsen aus dem Wendland und die seit zwei Jahren wieder aktiven Guano Apes aus Göttingen.

Die Hauptbühne, auf der auch meine drei Acts auftreten sollten, war von Deutz aus mit der Straßenbahn gut zu erreichen, und so war ich sehr zeitig dort. Direkt an der Haltestelle gab's Subway und direkt an der Bühne Burger King, verhungern musste ich also schonmal nicht. Über den Platz verteilt waren zwar etliche Menschen, aber so lose gestreut, dass ich mich locker in die erste Reihe stellen konnte. Unwissend, was mich bei beat!beat!beat! erwarten würde, suchte ich mir also einen guten Platz zum Fotografieren und wartete ab, was passieren würde.

Viel passierte erstmal nicht. Aufbau und Soundcheck, wie man das so kennt, irgendwann fing das Konzert an, aber es war heiß und immer noch nicht viel los, also bestand der wesentliche Unterschied darin, dass jetzt alle standen, statt auf dem Boden zu sitzen. Gestört hat die Band das nicht, so wurde es ein sehr entspanntes, aber trotzdem hörenswertes Konzert. Etwa eine Stunde lang gab es diverse Songs, auch dabei "Fireworks" und "We are waves", und etwa nach der Hälfte entstanden ganz vorne ein sich bewegender Fanblock und ein kleiner Moshpit. Die Securitys waren genauso entspannt wie Band und Publikum, so stellte ich denen meine Kamera vor die Füße und feierte das Ende des Konzertes mit. Ein guter Auftakt für einen guten Abend.

Das direkt an der Bühne gelegene Burger King bot in der Pause auch das nächstgelegene Klo, entsprechend voll war es dort. Am Ende der Umbauarbeiten hatte sich auch der Publikumsbereich gut gefüllt, also schnell wieder rein in den Front of Stage-Bereich, denn Madsen sind live immer ein geniales Erlebnis, sowohl auf als auch vor der Bühne. Erwartungsgemäß wurden uns dann auch Hits und Gags um die Ohren gehauen und der diesmal von Anfang an vorhandene Moshpit wurde mit jedem Lied größer, bis ich hinterher die Standfestigkeit der Wellenbrecher testen "durfte" und wir wirklich alle nur noch zusammengedrückt wurden. Einmal gab es sogar eine Wall of Death.

In den Momenten, in denen man frei atmen konnte, entschädigte das Konzert mit Hits wie "Nachtbaden", "Perfektion", "Mein Herz bleibt hier" und "Du schreibst Geschichte". Sänger und Schlagzeuger tauschten ihre Rollen für einen halben Song und die gesamte Band bewies mal wieder, dass ihre Stärke eindeutig bei den Liveauftritten liegt. Übrigens haben Madsen anscheinend seit einiger Zeit eine neue Keyboarderin - oder ich habe die Band einfach zu lange nicht live gesehen.

Nachdem beat!beat!beat! noch sehr entspannt waren, war das Madsen-Konzert definitiv anstrengend und nicht mehr entspannt und ich war genau wie die anderen um mich rum ziemlich froh, aus dem FOS-Bereich flüchten zu können. Etwas weiter hinten ließ ich mich dann von einer aus einem Fan und ein paar Mitgeschleiften bestehenden Gruppe aufklären, wer die Guano Apes eigentlich sind, dass die ziemlich gut sein sollen und dass sie gerade mit alten und neuen Songs auf Tour sind. Auf der Bühne konnte man dieweil schon beobachten, wie riesige Stellwände positioniert wurden und die Lichttechniker ihre Scheinwerfer programmierten. Ganz klar: Guano Apes sind ein bis zwei Nummern größer.

Mit Konzertbeginn wurde dann der volle technische Glanz sichtbar - es war inzwischen dunkel, von den Stellwänden wurden die Folien abgerissen, so dass in riesigen Buchstaben APES sichtbar wurde und die Lichttechnik fuhr ihr volles Programm auf. Bereits als zweiten Song gab es die aktuelle Single "Oh what a night" und ab da war klar: Das wird ein würdiger Abschluss. Direkt hinter dem Wellenbrecher war es wieder deutlich entspannter, die Menschen waren ausgesprochen gut drauf und es gab genug Freiraum, sich nach Lust und Laune zu bewegen. Der Friesenplatz war auch wirklich groß genug, wenn auch nicht überdimensioniert, für die Menschenmenge.

Außer "Oh what a night" gab es auch Songs wie "Open your eyes" und das "Big in Japan"-Cover. Die Sängerin war ständig woanders und voll bei der Sache, auch die Band war überraschend gut. Einmal hat der Bassist (der die meiste Zeit auf einem Case stand) eine Flasche ins Publikum geworfen, ich glaube, so weit habe ich noch nie eine Flasche fliegen sehen. Ich hatte wirklich nicht den Eindruck, dass das Comeback vor zwei Jahren nur wegen des Geldes war. Stilistisch hat mich das Konzert an Die Happy erinnert - nur zwei Nummern größer. Für mich jedenfalls ein überraschend guter Auftritt - den Publikumsbeobachtungen nach kam es auch bei den Fans gut an, auch wenn vorne nicht so viel los war wie bei Madsen. Aber Madsen könnten auch ein ganzes Konzert nur Dieter Bohlen-Cover spielen und es würden trotzdem alle abfeiern. Bei den Guano Apes haben das zumindest bei den beiden Zugaben auch die hinteren Reihen getan.

Negativ aufgefallen ist mir, dass immer wieder Samples per Playback eingespielt wurden - damit will ich gar nicht unterstellen, dass nicht live gespielt wurde, aber manches hätte man einfach auch noch live einspielen können statt Samples zu nutzen. Außerdem haben Guano Apes, genau wie Madsen und beat!beat!beat! vorher, nur etwa eine Stunde gespielt, wodurch die gesamte Veranstaltung etwa zwanzig Minuten eher endete als geplant. Keine Ahnung, was dahinter steckte, schade war es schon. Aber was soll's, für eine Gratisveranstaltung war das verdammt gut und die Fahrt nach Köln auf jeden Fall wert. Also nächstes Jahr die Augen offen halten, wer zur Gamescom nach Köln kommt! hahahah



Projektseite 52 Songs

Das Projekt "52 Songs" wurde von Konna ins Leben gerufen mit dem Ziel, jede Woche neue Songs unter einem bestimmten Thema zu entdecken. Mit dabei ist der Gedanke, dass man an manche Songs ganz anders heran geht, wenn man sie in der entsprechenden Stimmung hört oder mit einem bestimmten Thema assoziiert.

Das Verfahren ist simpel: An jedem Montag stellt Konna ein Thema vor, zu dem dann innerhalb der jeweiligen Woche von allen Teilnehmern jeweils ein Song vorgeschlagen werden soll. Einsteigen ist jederzeit möglich. Die Vorschläge werden in Form von Kommentaren und Pingbacks unter dem jeweiligen Montagseintrag gesammelt und da die Teilnehmerzahl bereits zu Anfang sehr hoch war, sind es echt viele, die man sich da jede Woche anhören kann.



Ich kann's nicht mehr hören!

Hinz Kunze ist Singer-Songwriter aus Hintertupfingen
Hinz Kunze schreibt seine Lieder selbst und tritt gerne mal mit Akustikgitarre statt mit einer Band auf. Er kommt aus Hintertupfingen. Im 20. Jahrhundert auch: Liedermacher.
Jaqueline-Geraldine ist gar kein richtiger Fan von Wo sind Helmet!
Jaqueline-Geraldine hat Wo sind Helmet durch MTV entdeckt, über den Soundtrack von "Flashlight: Tod dem Abendrot" kennen gelernt oder einfach nur das erste und zweite Album gleichzeitig gekauft.
Jimmy eats cookies sind soooo Mainstream geworden!
Jimmy hat gemerkt, dass er sein Leben lang mit seiner Musik Geld verdienen muss und fährt jetzt deshalb lieber die sichere Schiene: Cookies mit Bertie-Botts-Bohnen-Universalgeschmack, damit jeder drauf klar kommt, statt der selbst kreierten Schweißvariante für die eingefleischten Fans.


Bochum Total Zwischenbericht

  • Das Lineup ist dieses Jahr sehr rockerunfreundlich.
  • Die Killerpilze sind keine Kinder mehr, dafür aber auch nicht mehr lustig. Und weil sie nicht überziehen durften, gab es auch nicht "Richtig Scheiße". Kinderpogo gab's trotzdem.
  • Die limitierte Auflage von Festivalbändchen war natürlich gerade ausverkauft als ich eins kaufen wollte.
  • Dass der CVJM fast direkt neben der Pottmob-Bühne ist, ist echt praktisch.
  • Carpark North sind eine geile Band mit seeeehr wenig Fans. Immerhin haben bei dem Covermix aus "Another brick in the wall", "Sweet Dreams" und "Harder better faster stronger" einige mitgeklatscht... am bittersten war der Moshpit, in dem keiner angefangen hat zu moshen.
  • Idioten, die sich auf den Schultern tragen lassen um umstehende Personen mit ekligem rotem Zeug zu duschen, werden bestraft, indem mindestens zehn andere Leute Bierdosen werfen. :D
  • Casper macht zu viel Rap und ist ziemlich beliebt. Entsprechend war es brechend voll und ich bin nach vier Liedern gegangen.


Kirchentag als Gruppenerlebnis

Anfang Juni war ich jetzt schon zum dritten Mal beim Kirchentag, diesmal mit einer kleinen Jugendgruppe. 2009 war ich alleine mit dem Intercity nach Bremen gefahren und 2010 mit meiner Mutter im Sonderzug nach München. Entsprechend war es diesmal wieder etwas anders.

Gefahren sind wir mit dem Auto; von Duisburg über Herne und Hannover nach Radeberg, wo unsere Unterkunft war. Das hat dank Staus ewig gedauert (9 Stunden), so dass wir erst gegen Mitternacht in der Unterkunft waren und den Abend der Begegnung am Mittwoch leider völlig verpassten. (Unsere Fahrerin hatte noch Univeranstaltungen mit Anwesenheitspflicht, deshalb konnten wir nicht eher los.)

Vorteilhaft war dafür die Unterkunft, wir waren in einer Kirche, die aber kein öffentliches Gemeinschaftsquartier war, sondern nur von uns genutzt wurde. So waren wir zu sechst dort, hatten drei Schlafräume zur Verfügung, eine vollständige Küche und eine funktionierende Dusche. Und mit dem Zug konnte man in 20 Minuten jeden der wichtigen Innenstadt-Bahnhöfe von Dresden erreichen.

Die Gruppe war altersmäßig gemischt; zwei Geschwister (11 und 14), zwei Mädels (16 und 17), unsere Fahrerin (28) und ich (21). Entsprechend haben wir uns zwar aufgeteilt, je nachdem welche Veranstaltungen so gewünscht waren, aber außer mir war nie jemand alleine unterwegs (und ich auch nur selten). So zog ich am Donnerstag mit L. los, um mir eine Veranstaltung mit der Kirchentagspräsidentin und unserem Bundespräsidenten anzusehen; davon wurde uns aber schon auf dem Weg dorthin abgeraten, weil die Halle total überfüllt war. Mangels Motivation, schon so früh zum Messegelände zu fahren, fuhren wir also zu der Kirche, wo die anderen waren, und wohnten dort der wohl langweiligsten Veranstaltung des ganzen Kirchentags bei. Eigentlich sollte es um Patchworkreligiosität gehen; nach der schwammigen Einführung des anwesenden Soziologen gab es dann aber schon reichlich Zündstoff aus dem Publikum, auf den der zweite Gast, eine Bischöfin aus Sachsen, aber leider kaum eingegangen ist. Dann ging es plötzlich um die "religiös unmusikalischen" Ossis und alles driftete immer weiter vom Thema ab. Das einzig unterhaltsame war, vollkommen willkürlich auf die Bänke zu klopfen, wenn irgendwer ein gerade genanntes Statement unterstützen wollte. Am Ende waren wir alle geschädigt und sahen uns keine weitere Veranstaltung dieser Art mehr an.

Mangels Kirchentagsschals sind wir danach dann doch am Messegelände gelandet; Ulli hatte uns gesteckt, dass die ganzen Schalverkäufer sich dort herumtreiben. Nach den eher öden Zelten des Markt der Möglichkeiten-Bereichs "Theologie und Glaube" landeten wir dann im Buchshop, wo wir gefühlt ewig waren, endlich an einen Schal kamen und auch Ulli trafen, die immer noch auf dem Messegelände war.

Apropos Bücher: Vor einiger Zeit fand ich im Zug ein Bookcrossing-Buch, von dem ich zur Zeit des Kirchentags immerhin ein Drittel gelesen, aber nach wie vor nicht begeistert war. Es stellte sich heraus, dass S. ein riesiger Fan der Autorin ist, so wanderte das Buch jetzt vom Ruhrgebiet über Dresden nach Hamburg. Sinn des Bookcrossing erfüllt, würde ich mal sagen.

Abends nach dem Wise Guys-Konzert fuhren wir dann als Gruppe wieder zurück zur Unterkunft (Zugverbindungen gab es genug, so wie die Züge aussahen, hat man alles ausgekramt, was es im Osten jemals gab...). Am Mittwoch nach der Ankunft hatte keiner mehr Nerven gehabt zu kochen, aber jetzt konnten die Nudeln zum Einsatz kommen. An sich keine Kunst, aber dass ich mir mal von einer elfjährigen anhören muss, wie ich Nudeln zu kochen habe, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. :D Insgesamt waren wir aber alle ziemlich fertig, viel los war also nicht mehr.

Naja. Zeit für einen Bruch in der chronologischen Wiedergabe. Meine Gruppe habe ich abends wieder getroffen, L. und ich wollten zu einem Jugendgottesdienst mit Samuel Harfst, die anderen zu Aura Dione. Wir trennten uns also recht bald wieder an einer der Straßenbahnstationen an der Messe, trafen einen Ex-TSer aus Bochum und irgendwie waren L. und ich dann eher an der Bühne, wo Aura Dione auftreten sollte, als die anderen. Also haben wir uns dort erstmal ins Gras gechillt, wir mussten einmal über das ganze Ostra-Gelände und dafür war es eigentlich viel zu heiß. Ich glaube, von diesen Chillpausen haben wir etliche eingelegt, bis wir irgendwann mal ankamen... dabei sind wir sogar einer großen Menschenmenge begegnet, die dem Prinzip "die Masse weiß immer, wo es lang geht" widersprach und sich verlaufen hatte. Miese Sache. Irgendwie kamen wir dann an einem Konzert von Echtzeit vorbei, blieben kurz (es gab Schatten unter Bäumen) und als wir danach feststellten, dass das Gottesdienstzelt stickig und heiß war, blieben wir bei dem Konzert. Perfekte Entscheidung, nach Echtzeit, die schon gut waren, traten Good Weather Forecast auf, die absolut unglaublich geil waren. Wir waren so wahnsinnig fertig danach, dass wir auf dem Rückweg in irgendeiner Baustelle rumgesessen und flaschenweise Wasser gekippt haben. "Zuhause" war dann entsprechend außer Essen wieder nicht viel los.

Das schöne daran, mit einer Gruppe beim Kirchentag zu sein, ist für mich die Tatsache, dass man sich im Zweifel immer auch den anderen anschließen kann. So hatte ich am Samstag das Problem, dass der Vormittag voll war mit Veranstaltungen, die ich sehen wollte, und der Nachmittag dafür sehr leer. Also fing ich schon etwas eher an und nahm mit den anderen an einer Worship-Veranstaltung teil, um danach den dritten Teil einer meiner anderen Veranstaltungen zu sehen. Der war allerdings ein Vortrag draußen in der Hitze und irgendwie unspannend, so dass L., die auch dabei war, und ich, erstmal ausprobiert haben was man am Besten gegen die Hitze zun kann. Die Wasserbecken am Markt neben der Bühne, wo der Vortrag lief, waren eine wunderbare Abkühlung und es stellte sich als eine geniale Idee heraus, die Kirchentagsschals nass zu machen und um Hals und Arme zu wickeln, da man dadurch außer Abkühlung auch noch Sonnenbrandschutz hat.

Nachdem wir mittags wieder mit der ganzen Gruppe an einem offenen Singen teilnahmen, dümpelte der Tag so vor sich hin. In der Sonne liegen wechselte sich mit halbmotiviert an einem Konzert von Eileen Q teilnehmen und im Schatten liegen ab. Der Abend war dann für uns alle miserabel, bei mir war Bodo Wartke überfüllt und bei den anderen gab es statt des erwarteten besinnlichen Abends fremdsprachige Mantragesänge. So saßen wir dann abends tatsächlich mal zusammen, aßen zum hundertsten Mal Spagetti, tauschten uns aus und hörten Musik.

Über den ganzen Kirchentag betrachtet haben wir uns doch recht oft aufgeteilt und jeder hat so das gemacht, worauf er Lust hatte. Ganz alleine unterwegs waren wir aber selten und ansonsten gab es ja Handys und Treffpunkte. Vom Gefühl her habe ich allerdings in Bremen und München, wo ich im Wesentlichen alleine unterwegs war, öfter neue Leute getroffen. Dafür bin ich dieses Jahr mehrfach von TEN SINGern oder an TS Interessierten angesprochen worden, wohl auch wegen der auffälligen T-Shirts. Und ganz ausgeblieben sind Begegnungen mit Fremden natürlich nicht. hahahah

Am meisten zusammen waren wir allerdings während der Fahrt und in der Unterkunft. Und ich denke, das macht das Gruppenerlebnis am meisten aus: Man erlebt den Kirchentag gemeinsam, obwohl man an verschiedenen Veranstaltungen teilnimmt, und wenn man gerade nicht an etwas teilnimmt, erlebt man sich selbst. hahahah



Die Liebe ist im Bären! TEN SING Duisburg-Süd

Wenn es im Ruhrgebiet eine TEN SING-Gruppe gibt, die als wirklich total verrückt bekannt ist, dann ist es Duisburg-Süd. Nachdem sie eine Krise im letzten Jahr überwinden konnten, stellten die etwa 20 Jugendlichen dieses Jahr wieder eine abendfüllende Show auf die Beine. Als Band sprang die Band der Gruppe aus Duisburg-Nord ein, so dass wie bei TEN SING üblich eine Menge Lieder von Chor, Solisten und Band geboten wurden, im Wechsel mit dem themengebenden Theaterstück und den TänzerInnen.

Musikalisch war dann auch echt alles dabei - Pokémon- und Bofrost-Song genauso wie Chop Suey von System of a Down, Time is running out von Muse, den Titelsoundtrack von Scrubs und Remmidemmi von Deichkind. Mitgröhlen war angesagt, in Erinnerungen an gemeinsam erlebte Seminare schwelgen, gepogt wurde auch. Angenehmerweise gab es klar getrennte, nebeneinander liegende Bereiche für Sitz- und Stehplätze, so dass jeder sehen konnte und so viel Spaß haben, wie er mochte, ohne dabei andere zu nerven. Ich war natürlich im Stehbereich - dort wurde so viel gefeiert und mitgesungen, dass ich teilweise nichtmal sagen konnte, ob ich gerade den Chor oder das Publikum höre. Dafür war der Sound insgesamt sehr geil, großes Lob an die Technik.

Überhaupt kann man von der Show in Huckingen sagen, dass außer Spaß auch Vielfalt eine große Rolle gespielt hat. Im Theater ging es um einen Teddybären, der von seiner sich überaus cool fühlenden Besitzerin einfach weggeworfen wurde, so dass er los zog, um nach der Liebe zu suchen. Man nahm ihn nicht ernst, man belästigte ihn sexuell, man schlug ihn zusammen und nichtmal an der Frittenbude gab es ein anständiges Frustessen für ihn. Für das Happy End sorgt am Ende Finchen, die Schnecke, die bis dahin als Running Gag immer irgendwie da, aber nie richtig dabei war - sie zeigt dem Bären, dass man die Liebe zu sich kommen lassen sollte statt sie zu suchen, und gibt ihm den Tipp mit dem Kindergarten, wo es für den Bären mehr als genug Liebe gibt.

Der Tanz ließ sich ebenfalls nicht lumpen. Während Schwarzlicht mittlerweile schon fast überall zu finden ist, kann man das von Ausdruckstänzen nicht sagen. Zudem gab es die klassische Synchronchoreografie und einen Act mit Backgroundtänzern und je nach Lied wechselnden Solo- bzw. Paartänzern.

Knapp zwei Stunden Programm ohne Pause wurden so voll - mehr als bei so manchem Weltstar, und hier war der Eintritt frei. Das Publikum war gut dabei, wir waren am Ende alle mächtig fertig. Das heißt natürlich nicht, dass die Show nicht in einer fetten Party geendet ist - laut Setlist war als letztes Lied Remmidemmi von Deichkind geplant, so dass wir schon alle gut drauf waren, vorher wurden aber quasi die Zugaben eingeschoben. Es gab noch einen weiteren geilen Rocksong ("Are you gonna be my girl" von Jet), die Schnecke gab noch eine Zugabe und erntete den verdienten Applaus. Es konnte zu "That's not my name" (Ting Tings) getanzt werden, dann machte die Gruppe ihren Abgang, kam wieder rein, es gab noch mehr Danksagungen und dann wurde gerockt bis zum Umfallen. So bekam eine wunderbare Show einen Abschluss, der dem Abend gerecht wurde. Danke, TEN SING Duisburg-Süd!