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Blogger-Alphabet: C wie Code

Runde 3 im Blogger-Alphabet, diesmal geht es um ein Thema, das mir wirklich liegt: Den (Programmier-)Code hinter dem Blog. Dank vieler kostenloser Hostingplattformen kann man sich als Blogger ja aussuchen, wie sehr man sich damit beschäftigt, von gar nicht über ein bisschen für das Design oder ein bisschen mehr für Plugins bis sehr intensiv. Das befürworte ich sehr, denn tatsächlich lässt sich ein brauchbarer Blog ohne Programmierkenntnisse erstellen, was die Bloggerwelt denen geöffnet hat, die nicht aus der IT kommen. Dass manche Blogs optisch ein Griff ins Klo sind, ist ein anderes Thema (und bei D wie Design an der Reihe).

Wer nicht programmieren kann, ist allerdings an das System gebunden, das er nutzt, und muss mit dessen Vor- und Nachteilen leben. Ich fing damals mit einem selbst installierten Wordpress auf einem Standard-Webhosting-Paket an, damit war ich schon deutlich freier als man es beispielsweise bei Blogspot wäre, aber Wordpress war mir zu schwerfällig und ich wollte auch auf Serverseite mehr bestimmen können. Letzteres ist inzwischen mit einem eigenen virtuellen Server auch umgesetzt, soll hier aber gar nicht Thema sein.

Mehr Freiheit bei dem Content-Management-System hinter dem Blog gab und gibt mir Habari. Das Projekt ist inzwischen wohl leider als tot anzusehen, da keiner der Hauptentwickler mehr Zeit dafür hat, läuft aber hier noch stabil und wird daher im Einsatz bleiben so lange es geht. Ich habe selbst im Laufe der Jahre zahlreiche Änderungen daran vorgenommen und so manche Funktion hinzugefügt, daher ist mir der Quellcode bestens vertraut. Mein Admin-Backend tut genau das, was ich will. Plugins von anderen Habari-Usern und eigene Plugins geben mir die Funktionalität, die ich brauche, aber nicht mehr. Trotz ziemlich schwachem Server lädt die Seite sehr schnell. Fehlt etwas oder ist etwas defekt, kann ich das selbst lösen. Dass ich schon vor dem Bloggen jahrelang programmierte (nicht nur in PHP, wie es hier verwendet wird, sondern auch in Visual Basic und C#), hat sich also definitiv ausgezahlt.

Habari ist kein System für Leute, die Angst vor der Technik haben. Es bietet standardmäßig nur sehr rustikalen Bedienkomfort, nicht jede Funktion steht in einem Plugin bereit, das sofort funktioniert, und es gibt vergleichsweise wenig fertige Designs zur Auswahl. Das hier verwendete Design habe ich selbst entworfen und programmiert. Wenn man bereits programmieren kann, ist es sehr leicht, sich einzuarbeiten; es gibt auch noch das ein oder andere weitere Design von mir.

Dabei arbeite ich beim Programmieren, ähnlich wie ich meine Beiträge hier ohne grafischen Editor schreibe, mit einer sehr einfach gestrickten Umgebung. Private Projekte werden direkt auf dem Liveserver getestet, berufliche lokal. Beim Texteditor schwöre ich nach wie vor auf Notepad++, für den ich sogar Wine unter Linux installiert habe. Er ist vor allem in der Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit ungeschlagen. Darüber hinaus ist die Bedienoberfläche aufgeräumt, der meiste Platz steht dem Code zu, und trotzdem gibt es alle Funktionen, die ich mir wünsche.

In mehrfacher Hinsicht arbeite ich also, was das Bloggen und Programmieren angeht, anders als der Durchschnittsuser. Meine Methoden wären sicher nicht für jeden geeignet und ich würde sie auch nicht uneingeschränkt empfehlen, ich erziele damit aber das beste Ergebnis. Das klappt vor allem durch jahrelange Übung und Erfahrung - wer keine Ahnung hat, sollte definitiv nicht gleich einen Server mieten und versuchen, mit ein bisschen PHP was zusammen zu schrauben. Es ist keine Schande, Shared Hosting oder einen Blogging-Dienstleister zu verwenden. Auf spiller.me gibt es eine gelungene Artikelserie zum Thema "Ich möchte bloggen", die all denen ans Herz gelegt sei, die einsteigen wollen oder noch nicht so richtig angekommen sind. Und allen, die zumindest teilweise bereits die Kontrolle über ihre Technik übernommen haben: Hurra! Willkommen in einer Welt voller frustrierender Stunden und wertvoller Erfolgserlebnisse. hahahah



Fahrrad-Neuaufbau - Teileliste & wie alles begann

Grünes Fahrrad Einzelteile.JPGNachdem ich 2012 das Fahrradfahren wieder für mich entdeckte, erstand ich ein nicht allzu klappriges gebrauchtes Trekkingrad und scheiterte direkt mal daran, damit von Hagen nach Dortmund zu fahren. Es war Winter, ich stürzte bei der ersten Schneematsch-am-Bordstein-Stelle. Dafür konnte das Rad natürlich nichts. Ich kaufte Spikereifen und trainierte, machte eine erste mehrtägige Fahrradtour im darauf folgenden Sommer und im nächsten Winter schockte mich nichts mehr.

Wofür das Rad aber was konnte, war das extrem hohe Gewicht des Rahmens. Dagegen half auch nicht, dass ich die nach und nach verschlissenen billigen Originalteile fast alle austauschte. Nach zwei Jahren hatte ich ein robustes, unverwüstliches und recht zuverlässiges, aber schwerfälliges Fahrrad und außerdem eine Menge Spaß an der Schrauberei entwickelt. Ich beschloss also, ein neues Fahrrad zu bauen - und zwar aus Einzelteilen und selbst.

Ist ja auch nicht so schwer, dachte ich. Hat ja nicht so viele Teile, so ein Fahrrad, und Trekkingräder sind populär, da gibt es reichlich Auswahl und Anleitungen. War auch nicht komplett falsch, der Gedanke. Drei grundlegende Entscheidungen waren schnell getroffen: Baugröße 28 Zoll, da am weitesten verbreitet und bisher passend für meine Körpergröße, V-Bremsen, da am billigsten, und 3x9 Gänge, da zukunftssicher (genug) und für Drehgriffschalter verfügbar, sollten es sein. Ich geb's zu: Ich hasse die Rapidfire-Daumenschalthebel. Und es sollte eine Kettenschaltung werden, also ein Fahrrad ohne Rücktrittbremse, da man dabei die Wartung leicht selber vornehmen kann (und dann allerdings auch regelmäßig muss).

  • Fahrradrahmen 28 Zoll mit Schaltauge und V-Bremsaufnahme (Cantilever-Sockel) für das Hinterrad, in zur Körpergröße passender Rahmenhöhe
  • Zwei Laufräder (Felge mit Speichen und Achse), 28 Zoll
  • Zwei zu den Felgen passende Mäntel (Schwalbe hat da eine gute Infoseite)
  • Zwei zu den Mänteln passende Schläuche
  • Federgabel für 28 Zoll, mit V-Bremsaufnahme (Cantilever-Sockel)
  • Zur Federgabel passender Steuersatz
  • Zur Federgabel passender Vorbau mit zur Körpergröße passenden Maßen (Ergotec hat da eine gute Infoseite)
  • Zum Vorbau passender Lenker in ausreichender Länge
  • Ein Paar Lenkergriffe - Durchmesser und Länge beachten, falls Drehgriffe zum Schalten verwendet werden!
  • Zum Rahmen passende Sattelstütze
  • Zur Sattelstütze passender Sattel
  • Ein Paar V-Bremsen
  • Ein Paar V-Brems-Bremshebel mit Bremszügen
  • Außenhülle für Bremszüge (2m) in passendem Durchmesser und Endkappen
  • Tretlager (Kurbel) für 3x9 Gänge (Tretlager haben meist 3 Kettenblätter, die aber je nach Anzahl der Gänge - hier 9 - unterschiedlich breit sind)
  • Zum Tretlager passendes Innenlager (Aufnahme und Länge müssen passen)
  • Zum Tretlager und Rahmen passender Umwerfer
  • Zur Hinterradachse passende Kassette für 3x9 Gänge
  • Zu beidem passende Kette für 3x9 Gänge
  • Schaltwerk für 3x9 Gänge
  • Zum Schaltwerk passender rechter Schaltgriff mit Schaltzug - Hier muss man sich auf einen Hersteller festlegen.
  • Zur Kurbel passender linker Schaltgriff mit Schaltzug - Beim Tretlager hingegen kann recht frei kombiniert werden, solange die Ganganzahl passt.
  • Außenhülle für Schaltzug (2m) in passendem Durchmesser und Endkappen
  • Vier Endhülsen für die Bowdenzüge (oder lieber ein paar mehr...)
  • Zwei Pedale
  • Klingel
  • Beleuchtung

Die meisten Kompatibilitäten kann man sich bei vernünftigen Onlineshops aus der Beschreibung erschließen. Beispiel Vorbau: Der Lenker hat einen bestimmten Klemmdurchmesser, die Gabel hat einen bestimmten Durchmesser, der Vorbau muss auf beides drauf passen.

Werden als Beleuchtung keine Akku-Steckleuchten verwendet, sollte man heutzutage ein Vorderrad mit Nabendynamo erwerben (kostet deutlich weniger als später einen Nabendynamo nachzukaufen) und entsprechende Leuchten. Dabei an den Überspannungsschutz denken, falls die Lampen keinen eingebaut haben (Datenblatt lesen)!

Folgende Komponenten habe ich vom alten Rad weiterverwendet:

  • Vorderrad
  • Zwei Mäntel und einen Schlauch
  • Bremshebel
  • Bremsen
  • Bremszugaußenhülle
  • Sattel
  • Klingel
  • Beleuchtung

Das Hinterrad hatte noch eine Schraubkassetten-Aufnahme, Schraubkassetten gibt es für 9 Gänge aber nicht, also musste ein neues Hinterrad her. Dadurch konnte ich immerhin auch wieder auf Autoventile umsteigen (französische Ventile gehen mir immer kaputt). Eine Sattelstütze, die zum alten Sattel und zum neuen Rahmen passte, konnte ich in der Uni-Werkstatt abstauben.

Von allen anderen Teilen habe ich meist einfach das billigste genommen, das mir von der Farbe gefiel und zu den anderen Komponenten passte. Nicht empfehlenswert ist das bei Bremsen. Die bremsen zwar auch, aber die Billigmodelle z.B. von Shimano haben eine ungünstige Klemmung, die den Bremszug schädigt, so dass man den nach Demontage z.B. beim Reifenwechsel nicht erneut verwenden kann. Insgesamt ist es eine bunte Mischung aus Shimano- und SRAM-Teilen sowie etlichen Komponenten weniger bekannter Hersteller.

Wer eine Selbsthilfewerkstatt in seiner Stadt hat, kann nun einkaufen und mit einem Bollerwagen voll Teile dort aufkreuzen. Oder im nächsten Artikel im Überblick lesen, was man vor der Montage wissen sollte und es dann vielleicht komplett selber bauen.



Kamera & Mensch

So alt wie bezahlbare Digitalfotografie sind Diskussionen darüber, wer sich Fotograf nennen darf, wie schlimm es ist, dass jeder Fotos machen kann, und darüber, was ein gutes Foto ist. Vorweg sei gesagt: Das alles ist total subjektiv und niemand sollte sich anmaßen, ein Urteil zu fällen und für allgemeingültig zu erklären.

Manches ist aber ein paar Gedanken wert. Seit auch digitale Spiegelreflexkameras (DSLRs) erschwinglich sind, werden sie auch gekauft, weil viele Menschen sich davon eine bessere Fotoqualität erhoffen. Damit erntet man schließlich schnell Kommentare wie "gute Quali!". Manchen mag das schon reichen - andere weinen ein bisschen, weil viele Amateurfotografen aus ihrer DSLR nicht das heraus holen, was drin steckt. Und es steckt eine ganze Menge drin - teures Objektiv oder nicht.

Ich fotografiere überwiegend Konzerte und bin daher auf alles angewiesen, was mir mehr Licht auf den Sensor bringt. Entsprechend habe ich auf eine Kamera aufgerüstet, die ein besseres Rauschverhalten hat als Einsteigermodelle, um mit höherer Lichtempfindlichkeit arbeiten zu können. Ich habe Objektive mit großen Maximalblenden gekauft und bin nun sogar auf Canons Profiklasse umgestiegen, um noch etwas mehr Schärfe, etwas bessere Farben und etwas besseres Rauschverhalten bei Dunkelheit auch beim Objektiv zu bekommen.

Trotzdem sind meine Fotos längst nicht die besten. Vermutlich bin ich recht gut, sonst würde ich nicht seit mehreren Jahren für Deutschlands zurzeit zweitgrößtes Festivalportal fotografieren, aber ich bin keineswegs überdurchschnittlich talentiert oder gar in der Lage, mein Geld mit Fotografie zu verdienen.

Menschen zu fotografieren liegt mir beispielsweise nicht. Dazu gehört, das Geschehen vor der Kamera zu kontrollieren - dafür fehlt mir das Gefühl. Deshalb sind mir Konzerte lieber, wo ich das vorhandene Geschehen nur dokumentiere. Andere Fotografen haben dafür Talent, sie können gut mit Menschen umgehen, Situationen auflockern, wunderbare natürlich wirkende Bilder schießen.

Wieder andere haben sich der Landschaftsfotografie verschrieben und stehen früh auf, harren lange bei schlechtem Wetter aus und lassen sich nicht abschrecken, wenn sie nach stundenlanger Fototour mal nur ein einziges gutes Bild mitbringen. Ich liebe Landschaften und ich reise gerne, aber die Jagd nach den besten Plätzen ist mir zu einsam und zeitintensiv.

Tingvellir - 0012.jpgJeder, der fotografiert, sollte sich im Klaren darüber sein, warum er das tut und wofür oder für wen. Jeder, der Fotos veröffentlicht, sollte ebenfalls darüber nachdenken. Entsprechend sollten die Mittel gewählt werden. Nicht jeder braucht eine Spiegelreflexkamera, aber wer das Geld dafür hat, kann es investieren - vielleicht auch in eine Systemkamera, die sicher oft sogar die bessere Wahl ist, oder in eine gute Bridgekamera. Objektive wechseln können muss nur, wer sowohl von Kamera als auch Objektiv Höchstleistung benötigt.

Und nicht jeder sollte auf Facebook oder ähnlich kommentarreichen Plattformen veröffentlichen, denn manchmal lässt man sich zu sehr von den zwangsweise kundgetanen Meinungen beeinflussen und vergisst, warum man eigentlich fotografiert. High-End-Kameras wurden nicht für Leute geschaffen, die Katzen und ihr Mittagessen fotografieren, denn die Zielgruppe für diese Art von Fotos interessiert sich nicht für die Schärfe und die Echtheit der Farben. Ist aber die Pizza hochauflösend und detailreich, wird an den nächsten Urlaubsfotos vielleicht herumgenörgelt, weil die gar nicht so beeindruckend aussehen.

Vorsicht ist also geboten - vor den Tücken der Technik und den Banausen im sozialen Umfeld. Und vor der vermeintlichen "Konkurrenz" - der Durchschnittsfotograf sollte sich nicht mit Profis messen, die außer viel Zeit in der Kälte (um mal bei der Landschaftsfotografie zu bleiben) auch viel Zeit in die Nachbearbeitung investiert haben und bei alledem vermutlich noch etwas Glück hatten. Fotos von Pasta sehen immer aus wie Fotos von Pasta, bei den Wäldern Ecuadors gibt es eben mehr Gestaltungsspielraum und entsprechend groß kann der Neid - oder der Frust - werden, wenn man immer nur zu den Legenden aufblickt.

Was zählt, ist am Ende, ob man das erreicht hat, was man wollte. Auch Urlaubsfotos ohne aufwändige HDR-Effekte bringen Erinnerungen hervor. Eine interessante Straßenszene sollte man auch festhalten, wenn man gerade keine Auswahl aus sechs Objektiven und drei Blitzen zur Hand hat, sondern nur das Smartphone. Und ein gutes Auge für Motive ist mehr wert als die Ausrüstung eines Agenturfotografen. Zu der gehört übrigens auch gerne mal eine wasserfeste Kompaktkamera - denn die beste Kamera ist die, die man dabei hat und auf die man sich verlassen kann.



Watch your back, the Stapler is coming

Die englische Bezeichnung für Gabelstapler ist fork lift, aber der Mittdreißiger-Australier ohne Führerschein, der eigentlich auch ziemlich gut deutsch spricht, sagt immer nur Stapler. Er ist einer der Kollegen, die ich zu schätzen gelernt habe in dem halben Jahr, das ich als Stagehand, also ungelernter Helfer bei Bühnenarbeiten, gearbeitet habe. Zu diesen Kollegen gehört auch der Choleriker, der eigentlich echt umgänglich ist, außer wenn sich Kollegen dumm anstellen oder faul sind oder unsere Vorarbeiter mal wieder Arschlöcher sind.

Die Vorarbeiter der britischen Firma waren immer sehr nett. Kein Angeschnauztwerden wenn man nix zu tun hatte und daher dumm rumstand, ein Danke für jede Kleinigkeit genauso wie für die Gesamtarbeit des Tages. Cirque du Soleil war so eine angenehme Nummer - 44 Trucks, aber über 100 Helfer, sodass man es sich locker erlauben konnte, nach dem Aufbauen des Physio-Raums für die Artisten noch eine Massage zu genießen. Ähnlich entspannt stelle ich es mir vor, für Bands wie AC/DC zu arbeiten - die noch einen Truck mehr dabei haben auf ihrer Tour, den sie aber nie aufmachen, weil nur Ersatzteile drin sind.

Überhaupt sind so große Produktionen vor allem deshalb so spannend, weil man schon beim Ausladen staunen kann, wenn einer dieser großen LKW einfach mal nur Kisten mit Schuhen enthält und ein anderer nur Kisten mit eingebauter Garderobe mit Kostümen. Von so Dingen wie Särgen ganz zu schweigen - die Michael Jackson Immortal-Tour war wirklich sehenswert.

Während das Ausladen sehr davon abhängt, ob die Location genug Laderampen bietet oder ob wir ständig auf den Wechsel der Trucks warten müssen, läuft beim Aufbau in der Halle meistens alles streng durchorganisiert. So wird üblicherweise auf einer Seite der Halle eine rollbare Bühne aufgebaut, während auf der anderen Seite Traversen mit Ton- und Lichttechnik beladen werden. Motoren fahren die Traversen dann nach oben und die Bühne wird darunter geschoben. Dafür kann man bei so lächerlich überzogenen dreistöckigen Bühnenaufbauten wie bei Chris Brown schonmal 80 Leute brauchen.

Wenn man dann nicht mit entspannten Briten, sondern mit zugekoksten Belgiern zusammenarbeitet, kann das auch lebensgefährlich werden. Dabei ist es mal passiert, dass ein Wagen mit Stahlteilen oben auf der Rollbühne nicht gesichert wurde und filmmäßig ganz langsam, mit knarzenden Geräuschen und unter vielen erschrockenen Blicken, von der Bühne kippte und den darunter stehenden Kollegen veranlasste, schnell zur Seite zu springen, um nicht erschlagen zu werden. Sekunden später waren die massiven Stahlteile nur noch Schrott und die Scheiben nur noch Splitter.

Die großen Unterschiede zwischen den Aufträgen und die Abhängigkeit von der Firma, der man zuarbeitet, waren dann auch die Gründe für meine Kündigung. Ein weiteres Negativbeispiel war die Produktion, bei der die Trucks lausiger beladen waren als mein Umzugswagen - billige Pappkisten, Instrumente in Folie eingewickelt, alles lose in den Laderaum geworfen (oder während der Fahrt kräftig durchgerüttelt worden). Der Aufbau unheimlich schlecht organisiert, ewig lange Schichten, stundenlange Verspätungen der Vorarbeiter... da hat man schon am ersten Tag keine Lust mehr.

Für positive Erinnerungen sorgen hingegen die Überbleibsel, die sich noch in meinem Besitz befinden. Der geschnorrte Drumstick von Silbermond zum Beispiel. Während des Aufbaus wurden wir mit belegten Brötchen, Obst und Getränken versorgt und abends durften wir uns vor dem Abbau das Konzert ansehen. Als der Vorhang während dem ersten Song fiel, wussten wir, dass sich das Gefummel am Mittag gelohnt hatte.

Oder die vielen T-Shirts. Deichkind zum Beispiel sind absolut nicht mein Ding als Gast, aber der Job war extrem entspannt und ich hatte Gelegenheit, mit deren Kart über die Bühne und die Laderampe des LKW rauf zu fahren. Bei Lionel Richie standen wir während der Zugaben neben der Bühne und beobachteten, wie er Gangnam Style zu Richie Style umbastelte und jede Menge Mitt- und Endvierziger von ihren Stühlen aufsprangen und mithopsten. Und auch die AIDA Night of the Proms war nicht der schlechteste Job - viel harte Arbeit, aber entsprechend viel Geld am Ende des Tages. Erfahrungen, auf die ich nicht verzichten möchte - Wiederholungsbedarf besteht aber auch nicht unbedingt.



Genius? Keine Genies am Werk.

Kürzlich erlitt mein Speedlink Gravity 2.1-System einen Kabelbruch und wurde fortan bei jeder Berührung geerdet. Das traf meinen Glauben an "billig kann doch gut sein" schwer, also legte ich diesmal für ein vergleichbares System 30% mehr Moneten auf den Tisch. Auf geht's, die Sandwich-Methode, Feedback immer mit etwas Gutem beginnen.

Die Genius SW-G2.1 sehen in schwarz-orange futuristisch, aber noch vertretbar aus, lediglich die goldenen Elemente wirken etwas zu abgehoben. Das Kabelsystem ist vorbildlich - die Kabel werden nicht unter dem Tisch beim Subwoofer, sondern auf dem Tisch im Verstärker zusammengeführt, so dass auch die Kabellängen ausreichen. Leider staubte der Klavierlack schon während des Verkabelns ein.

Dann Musik an, erstmal irgendwas zum Einstellen, "Power of Love" lief gerade. Ihr kennt das, dieser typische Keyboard-Sound. Der klang leider, als würde jemand in eine Blechdose pusten. Die Satelliten klingen wie 5€-Plastikschrott. Total blechern in den Höhen, die Mitten kaum da und wenn, dann sehr unnatürlich. Ein echtes Schlagzeug soll klingen wie ein echtes Schlagzeug, nicht wie ein Haufen Ölfässer, alte Töpfe und Kehrbesen.

Dabei habe ich mich über den Subwoofer noch gefreut. Schön punchig, ein typischer Hornbass, mit Druck und trotzdem nicht verwaschen. Dachte ich. Dann habe ich die Satelliten rausgezogen, um die vom Gravity anzuschließen (die dann auch besser klangen) - und bekam in dem Moment den reinen Subwoofer-Brei zu hören. Ein ekelhaftes Gewaber aus Bass mit matschigem Restsound dabei. Als ich den Kopf unter den Tisch steckte, traf mich der Schlag. 70% des Sounds gehen schon auf dem Weg nach oben über den Tisch verloren. Wenn das nach unten geht, dürfte in ner halben Stunde der erste Nachbar vor der Tür stehen und sich zu Recht aufregen.

Bei Konzertaufbauten habe ich erlebt, wie sich Boxen anhören, wenn man eine vernünftige Weiche vorschaltet. Dann geben die Bässe den Bass wieder und die Topteile mit separaten Lautsprechern vernünftige Mitten und Höhen. Ich bezweifle, dass es immer eine 2000€-Weiche sein muss, um angemessenen Klang zu bekommen. Hier klingt es jedenfalls eher, als wäre schlicht gar keine verbaut.

Das Beste an dem System ist echt noch das Kabelkonzept. Auch der Bassregler an der Tischeinheit ist praktisch. Nachdem ich die Satelliten nun gehört habe, verstehe ich allerdings auch, wieso keine Regler für Mitten und Höhen dabei sind - da ist ohnehin nichts mehr zu retten. Und nun bin ich auf das Gesicht des Postmenschen gespannt, wenn ich mit dem gleichen Paket wieder zurück komme.



Sammlungsauflösung

...aber nicht ohne wenigstens ein Foto rauszuholen.

Zerlegter DVD-Rekorder

Zerlegtes DVD-Laufwerk



Sharkoon Fireglider: Schlichte Luxusmaus

Nachdem mich Logitech enttäuscht hatte, probierte ich die Sharkoon Fireglider aus, ebenfalls eine Lasermaus mit Kabel und sieben Tasten, allerdings ein paar Euro günstiger. Sharkoon war mir bisher eher als Hersteller von Casemodding-Zubehör bekannt, eine Gamingmaus, die aussieht wie eine Büromaus und auch als solche genutzt werden kann, machte mich neugierig.

Die (der?) Fireglider kommt in einer für Gamingzubehör üblichen schicken Verpackung, die sich leicht öffnen lässt. Zum Lieferumfang gehören außer der Maus auch sieben kleine Gewichte, mit denen sich das Gewicht der Maus anpassen lässt. Ebenfalls anpassen lässt sich die Empfindlichkeit in DPI (bis zu 3600). Eine farbige Anzeige auf der Maus signalisiert den eingestellten Wert. 3600 ist so unfassbar schnell, dass ich die Maus nicht mehr kontrollieren kann. Ich entscheide mich für den Wert, bei dem die Anzeige grün leuchtet, es ist einer der niedrigsten und zum normalen Arbeiten völlig ausreichend. Zusammen mit den Gewichten rechtfertigt sich so jedenfalls der Begriff Gamer-Maus. Der DPI-Wert wird übrigens intern gespeichert, bleibt also auch erhalten, wenn man die Maus an einen anderen Rechner mitnimmt oder zwischendurch aussteckt oder den Rechner neustartet.

Außerdem dabei sind zwei Sets Ersatzfüße, falls die mal abnutzen. Sehr löblich, da mir sowas bei anderen Mäusen schon öfter gefehlt hat. Die Tasche wirkt ziemlich klein und nicht besonders hochwertig, aber bei einem Preis von kaum über 20€ kann man da gut drüber weg sehen.

Ein Kaufgrund war das "fein justierbare" Mausrad. Das hört sich für mich an, als könnte man daran irgendwas verstellen. Dem ist nicht so, es handelt sich um ein normales Mausrad mit feiner Rasterung, sehr angenehmem Drehverhalten und sehr leisem Drehgeräusch. Letzteres tröstete mich dann auch, denn der Hauptgrund, warum ich mich bisher gegen gerasterte Mausräder entschied, war das laute Klicken beim Drehen. Das Mausrad bleibt beim Klicken sehr stabil, das genaue Gegenteil der Logitech M500. Seitliches Scrollen gibt es nicht.

Die Maus liegt nicht unglaublich gut, aber schon sehr angenehm in der Hand. Von der Größe her würde ich sie zwischen der VX und MX von Logitech anordnen. Mir ist sie groß genug, etwas kleiner wäre auch ok gewesen. Nutzern der MX ist sie möglicherweise auch wegen der vergleichsweise geringen Höhe zu klein. Die Oberfläche fühlt sich aufgrund der Beschichtung sehr angenehm an. Auf meinem Kunststoff-Mauspad gleitet sie leise und leicht.

Das Klicken der Maustasten ist deutlich hörbar, die Tasten sind aber angemessen leichtgängig. Kein labberiges Zeug, aber Kraft aufwenden muss man auch nicht. Mehr kann man bei normalen Tasten nicht reißen. Die sechste Taste ist ganz am Kabelende zwischen linker Maustaste und Rad positioniert. Durch zweistufige Erhöhung und geriffelte Oberfläche hebt sie sich deutlich ab und auch durch die Position ist es schwer, sie versehentlich zu treffen, und doch leicht genug erreichbar um sie im Alltag zu nutzen. Die siebte Taste ist unter dem Rad und schaltet den DPI-Wert um. Die Software zur Tastenprogrammierung nutze ich nicht, da ich unter Linux arbeite. Dort sind die beiden seitlichen Tasten (vor und zurück) standardmäßig vertauscht. Das lässt sich anpassen, ich finde es aber angenehm, da aufgrund der etwas anderen Position der Tasten die Zurück-Taste dort ist, wo sie immer ist, die Vor-Taste aber nicht dahinter, sondern davor. Für meinen Daumen ist diese Lage angenehmer. Auch hier wurde übrigens eine Riffelung verwendet, um die Tasten unterscheiden zu können.

Die Fireglider fällt kaum auf, wenn sie auf dem Schreibtisch liegt. In der niedrigsten DPI-Stufe leuchtet gar die LED nicht. Trotzdem punktet sie durch gute Verarbeitung, angenehmes Handling und viele Kleinigkeiten. Die Gewichte habe ich nicht ausprobiert, aber beim Herausnehmen zeigt sich schon, dass man das Gewicht der Maus damit fühlbar verändern kann. Die Sharkoon Fireglider wird mich nun jedenfalls länger begleiten.



Kein würdiger Nachfolger

Viele Jahre lang nutzte ich eine Logitech VX Revolution als die Computermaus meiner Wahl. Sie war nicht so groß wie die MX, aber auch nicht so winzig wie die VX Nano. Sie hatte einen ausgesprochen präzisen Laser, mit dem auch Egoshooter Spaß machten. Man konnte den Funkempfänger in der Maus verstauen und vor allem konnte man das Mausrad umschalten zwischen Klickrasterung und freiem Drehen. Das ist großartig, wenn man wie ich oft durch lange Texte oder Programmquelltexte scrollen muss. Ihr einziges Manko war die kurze Distanz, die sie per Funk überwinden konnte.

Nun ist das Batteriefach kaputt. Schon vorher passte nicht mehr jeder Akku, nun war sie mit gar keinem mehr zufrieden. Also nach sechs Jahren erneut die quälende Frage: Welche Maus soll es denn sein? Das Angebot ist gigantisch, von den ganz schlichten Drei-Tasten-Mäusen bis zur Mad Catz R.A.T.-Serie, die vom Aussehen einer Maus schon sehr weit entfernt ist, gibt es quasi alles. Ich halte meine Ansprüche eigentlich für gering: Laser, wahlweise freidrehendes Mausrad und entweder gute Funkleistung oder Kabel.

Aber am Mausrad scheitert es - anscheinend verwendet niemand außer Logitech diese Technik. Möglicherweise ist sie patentiert. Jedenfalls kaufte ich nun die Logitech M500 - ein indirekter Nachfolger der VX mit etwas anderer Form und Kabel, da Berichten zufolge die Funkleistung noch schlechter geworden sein soll.

Die M500 ist unter den gehobenen Mäusen bei Logitech das Billigmodell. Mit nur etwa 24€ kostet sie kaum mehr als die Durchschnittslasermaus, verfügt dafür aber eben über das umschaltbare Mausrad und zwei weitere Tasten an der Daumenseite. Die Form wird als ergonomisch angepriesen - aber bei dem Ausmaß des ergonomischen Designs heutzutage halte ich das kaum für gerechtfertigt. Es beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass der Daumen nicht komplett neben der Maus liegt, sondern sich ein bisschen in das Gehäuse einfügt. Ansonsten fühlt sich die M500 trotzdem an wie die ganzen ovalen Standardmodelle.

Die Tasten sind allesamt ok. Es sind halt Tasten, man kann damit klicken, sie tun was man erwartet und machen dabei ein mittellautes Klickgeräusch. Deutlich lauter ist die Umschalttaste für das Mausrad. Während man bei der VX einen Pin zur Seite schob, gibt es nun eine Taste, die man drücken muss. Das funktioniert zuverlässig und Position und Widerstand sind so gewählt, dass man sie nicht versehentlich betätigen wird.

Ganz anders das Mausrad. Während es im freidrehenden Modus gewohnt praktisch ist, weist es im Klickrastermodus schon wesentlich weniger Widerstand auf als die meisten anderen gerasterten Mausräder. Vor allem aber kann man mit dem Mausrad auch seitlich scrollen - und da zeigt sich die größte Schwäche der M500. Das Rad ist dermaßen wabbelig in seiner Halterung, dass man zum einen jederzeit versehentlich seitlich scrollen kann, weil das Rad einfach seitlich wegrutscht - zum anderen bekommt man beim absichtlichen seitlichen Scrollen überhaupt kein Feedback. Am Deutlichsten zeigt sich das, wenn man im freidrehenden Modus (den ich meistens nutze) versucht, mit dem Mausrad zu klicken: Denn auch der Klickwiderstand des Rades ist lausig, es fühlt sich einfach wabbelig an, und durch den geringen Halt bin ich dabei schon mehr als einmal seitlich abgerutscht und habe so das Scrollen ausgelöst. Mal ganz davon abgesehen, dass das Klicken auch nicht immer funktioniert...

Die M500 mag ja als Gesamtprodukt recht solide sein, aber für mich ist das Mausrad nunmal der wichtigste Bestandteil der Maus nach der linken Maustaste. Mit so einem wabbeligen Ding kann ich nicht arbeiten. Daher werde ich nun erneut den Amazon-Katalog wälzen...