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Klinisches Praktikum 2. Tag - Einsetzen eines Schrittmachers

Auch den zweiten Tag des Praktikums verbrachte ich mit meinen beiden Kommilitonen auf der Intensivstation K010 und damit ihr nicht genauso erschlagen werdet wie ich, habe ich den zweiten Tag mal ausgelagert. Da gab es nämlich direkt wieder Action: Während wir noch müde bei der Visite den Pflegern hinterher schlurften, kam der Oberarzt rein und meinte, heute könne mal jemand mit in den Schrittmacher-Saal. Hier ich!

Schwupps zwei Türen weiter und wieder Vorbereitung, diesmal nicht nur im Raum und am Patienten, sondern auch an mir. Umziehen (jetzt nicht mehr in allgemeinblau, sondern in stylischem OP-grün1), OP-Schuhe an, Haarnetz, Mundschutz, blöde Witze reißen wie bescheuert wir alle aussehen, Schürze und "Kostüm" (Strahlungsschutz). Und natürlich: Feststellen dass die Realität mal wieder viel entspannter aussieht als im Fernsehen, der Herzschrittmacher-OP ist einfach ein Raum mit einem Regal, zwei Tischen und ein paar fahrbaren Geräten, mit direktem Übergang zu einem Vorraum mit typischer Büro-Arbeitsfläche. Nix mit Schleusen oder Beobachtungsfenstern (vielleicht woanders), bloß ein dickes Schild an der Tür - und ok, wir sind ja auch schon auf der Intensivstation, wo nicht jeder reindarf.

Herzschrittmacher

Auch im Saal hieß es wieder, gute Vorbereitung ist alles. Das Implantieren eines Herzschrittmachers dauert von Schnitt zu Naht nur 20-30 Minuten, insgesamt waren wir aber über eine Stunde beschäftigt. Desinfizieren der Patientin war natürlich angesagt und auch wieder allerlei Vorbereitungen zum Schutz der Wundumgebung. Der Eingriff wurde unter örtlicher Narkose durchgeführt, unsere Patientin war also bei Bewusstsein. Der Schrittmacher wird oben in die Brust eingesetzt, so kann auch das Gesicht verdeckt werden (man darf sich aussuchen ob zum Schutz vor Blutspritzern oder um als Patient nicht zusehen zu müssen). Auch die diesmal zum Einsatz kommenden elektrischen Geräte wollen kurz getestet werden.

Ablauf des Eingriffs (hier sagt niemand Operation) ist dann etwa so: An einer passenden Stelle wird das Hautgewebe durchtrennt bis runter auf die Muskelfaszie2. So wird eine Tasche geschaffen, in die der Schrittmacher eingelegt werden kann, und ein Zugang zur Vene. Mittels Katheter und der bereits bekannten Drahtführung werden unter Röntgenbildbeobachtung nacheinander die zwei Sonden unseres Zweikammerschrittmachers bis in das Herz transportiert und dort wahlweise eingehakt oder eingeschraubt. Dazu jeweils elektrische Tests, welche Spannung benötigt wird, um die zugrundeliegende Herzerkrankung zu therapieren (sollte möglichst gering sein, schont die Batterie). Dann Einsetzen des Schrittmachers und Zunähen.

Wir waren diesmal zu sechst im Raum, da jeweils ein Arzt und ein Pfleger gerade angelernt werden. Normalerweise wird der Eingriff von einem Arzt mit Assistenz eines Pflegers durchgeführt, dazu ein zweiter Pfleger, der an der entsprechenden Kontrollstation die elektrischen Tests durchführt.

Feststellung: Endoskopische Verfahren sind supercool. Vollnarkose ist nicht erforderlich, auch muss das Herz nicht eröffnet werden, überhaupt ist kein großes Aufschneiden nötig und auch der Schrittmacher ist bloß so groß wie ein 2-Euro-Stück. Gruselig ist höchstens noch die Vorstellung von in der Vene verlaufenden Drähten, die im Herzen festgemacht werden. Deren Lage und Fixierung wurde übrigens immer wieder kontrolliert, indem man die Patientin kräftig atmen ließ (nicht, dass alles verrutscht, sobald sie aufsteht).

Außerdem bemerkenswert: Es floss weitaus weniger Blut als am Vortag. Durchtrennte Blutgefäße werden umgehend elektrisch verödet, um den Blutfluss zu stoppen. Das erspart Transfusionen bzw. schont den Kreislauf und macht die Arbeit des Arztes angenehmer.

Während der Arzt die Patientin noch "zumachte", wurden parallel schon die am Schrittmacher eingestellten Werte dokumentiert, ein Schrittmacherpass erstellt und auch der Verlauf der OP, die verwendeten Materialien und die nötige Strahlendosis mussten erfasst werden. Bei so kurzen Eingriffen macht die Dokumentation schonmal 20% der benötigten Zeit aus, daher wird hier viel parallel gearbeitet. Das ist auch wichtig, weil beim nächsten Eingriff oder weiteren Einstellungen andere Personen beteiligt sein können - die dann schnell wissen müssen, wie es letztes Mal gelaufen ist.

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Foto des Schrittmachers: von J. Heuser unter der Lizenz CC-by-sa 3.0

Titelfoto (EKG, das eine Herzrhythmusstörung zeigt): von Bionerd unter der Lizenz CC-by 3.0

  1. Dieser Artikel zeigt sehr schön auf, warum OP-Kleidung grün ist - es steckt eine Menge Psychologie dahinter, und zwar sowohl Emotions- als auch Biopsychologie: Warum tragen Ärzte im OP grüne Bekleidung?
  2. Die oberste Schicht eines Muskels, also das erste, worauf man trifft, wenn man in Richtung Muskel durch die Haut schneidet.


Klinisches Praktikum 1. Tag - Geräte auf der Intensivstation & ein blutiger Eingriff

Während für mein erstes Fach Sensorik und kognitive Psychologie ein beliebiges studienbezogenes 9-wöchiges Praktikum vorgesehen ist, ist am Ende des dritten Semester Biomedizintechnik eindeutig geplant, dass zwei Wochen Praktikum im örtlichen Klinikum absolviert werden. Da der Dozent für alle unsere Medizinvorlesungen dort Oberarzt ist, ergibt das auch Sinn, sollte man meinen.

So unkompliziert wie dadurch die Vermittlung war, so wenig Informationen gab es auch. Während es bei der Ankündigung noch danach klang, als wäre es ein eher technisches Praktikum, wirkte die Einweisung eher wie für ein medizinisches Praktikum. Entsprechend ratlos tauchten wir also zu neunt früh um 8 auf der kardiologischen Intensivstation auf, wo unser Dozent uns in Empfang nahm (diesmal in Krankenhaus-Arbeitskleidung).

Der organisatorische Block verschaffte erste Klarheit: Wir würden allerlei verschiedene Stationen besuchen, in Dreiergruppen, nahezu vollständig als Zuschauer. Eine der Stationen würde die Haustechnik sein, aber insgesamt geht es wohl eher um einen allgemeinen Einblick in den Klinikalltag.

Meine Gruppe durfte die ersten beiden Tage auf der Intensivstation bleiben (der kardiologischen - auch mir war vorher nicht klar, dass es nicht "die" Intensivstation gibt). Dort bekamen wir an beiden Tagen jeweils die Möglichkeit, einem Eingriff beizuwohnen, ansonsten war allerdings nicht viel los. Intensivpatienten benötigen viel Pflege, Umlagerung, Verbände wechseln, Waschen, Medikamente und Messwerte kontrollieren... man bedenke, viele der Patienten dort schlafen aufgrund von Medikationen dauerhaft (bzw. sind sediert), viele hatten einen Herzstillstand und ja, die Prognosen sind oft schlecht und ziehen entsprechende Konsequenzen nach sich. Wir lernten, dass bei einem Herznotfall eine gut funktionierende Rettungskette (schnelles Auffinden, gute Ersthilfe, schneller Transport) wichtig ist, aber nicht immer ausreicht, und dass auch in schlecht gelaufenen Fällen gelegentlich eine gute Genesung erfolgt.

Da wir nicht zu Pflegepersonal ausgebildet werden, beschäftigten wir uns mittags mit herumstehenden idiotensicheren Geräte, klebten EKG-Elektroden an unsinnige Stellen und lösten natürlich keine Messungen aus, ohne entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Auch die Lektüre des Handbuchs zum Beatmungsgerät war nicht nur Beschäftigungstherapie, gerade im Vergleich zu den Heimbeatmungsgeräten aus dem Schlaflabor war es doch interessant zu sehen, was die Technik hergibt.

Nun aber zu den aufregenden Themen. Bevor wir am ersten Tag das freie Patientenzimmer zerlegten, wurde bei einem Patienten eine Tracheotomie durchgeführt. Eine Tracheotomie, das wussten wir vorher, ist ein Luftröhrenschnitt, den man nutzt, um einen semi-dauerhaften Anschluss für ein Beatmungsgerät zu schaffen. Wir wissen nun auch, es ist der nächste Schritt nach einer Intubation (Beatmung durch Schlauch im Mund). Eine Beatmung direkt in die Luftröre ermöglicht eine bessere Hygiene (der Mund ist ja dann nicht mehr blockiert) und sie ist wesentlich schonender für alle an der Atmung beteiligten Elemente, z.B. werden die Stimmlippen im Kehlkopf nicht durch trockene Luft belastet. Außerdem ist der Transportweg der Luft kürzer1, was es dem Patienten erleichtert, wieder selber zu atmen.

Zu einem Eingriff gehört eine Menge Vorbereitung, das sollte auch später immer wieder Thema sein. Gefallen hat mir die recht simple Methode des sterilen Tisches, der nur mit sterilen Händen angefasst werden darf und auf dem alle sterilen Geräte und Utensilien bereit gelegt werden. Interessant zu sehen war dabei, wie gelegentlich abgewogen wurde, was ausgepackt wird (weil ausgepackt = nicht mehr steril). Am Patienten wird nicht nur desinfiziert und aufgeschnitten, sondern es werden auch allerlei Maßnahmen zur Sauberhaltung ergriffen (es könnte Blut fließen) und vor allem ist eine richtige Lagerung sehr wichtig.

Trachea-Kanüle

An einer Tracheotomie sind mindestens zwei Personen beteiligt, in unserem Fall auch noch ein paar helfende Hände mehr. Während die Oberärztin den Schnitt durchführte und die Atemkanüle (Bild von Klaus D. Peter, Lizenz CC-BY-SA-3.0) anbrachte, kontrollierte eine der Schwestern per Endoskop die korrekte Lage der Führungsdrähte. Das Verfahren funktioniert dann nämlich so, dass zunächst mit einer Spritze ein Draht eingeführt wird, über den dann nacheinander immer dickere Dilatatoren (spitz zulaufende Plastikröhrchen) in das Gewebe geführt werden, um es ausreichend aufzuweiten. Da passt am Ende dann durchaus ein Finger rein. Der Beatmungszugang wird dann mehr oder weniger einfach eingesteckt und innen mit einem aufblasbaren Ballon festgehalten (damit der Schlauch nicht rausrutschen kann).

Es ist leider schwer, entsprechende Bilder aufzutreiben, die man auch verwenden darf, daher verweise ich an dieser Stelle mal auf ein (unblutiges) Video auf Wikimedia Commons. Es zeigt, was man durch das Endoskop sieht. Das Video wurde nicht bei einer hier beschriebenen Tracheotomie durchgeführt, sondern bei einem Eingriff aufgrund einer Beschädigung der Trachea, es zeigt also keinen gesunden Patienten, aber man bekommt einen guten Eindruck davon, was man sieht. Wir durften selbst mal reinschauen und in unserem Fall war die Bildqualität noch wesentlich besser.

Trachea-Endoskopie nach Trachea-Ruptur (es fließt kein Blut)

Was gab es sonst noch an Eindrücken am ersten Tag?

  • Viele Patienten werden beatmet, das kann mit Raumluft sein (wie ich es aus dem Schlaflabor kannte), üblicherweise ist aber ein höherer Sauerstoffanteil zugesetzt, da sonst keine ausreichende Sauerstoffsättigung im Blut erreicht wird. Vor kritischen Eingriffen sind es 100% Sauerstoff, um das Gewebe mit Sauerstoff zu fluten, damit während des Eingriffs kein kritischer Abfall auftritt. Bei gutem Verlauf werden die Patienten dann nach und nach entwöhnt: Der Sauerstoffanteil wird reduziert und der Atemvorgang selbst wird immer mehr dem Patienten überlassen, zunächst über entsprechende Einstellungen am Beatmungsgerät, dann über die Tracheakanüle (wie oben eine eingesetzt wurde) nur noch zeitweise, am Ende ist es nur noch Sauerstoffgabe über eine Nasenbrille.
  • Manche Patienten müssen aufgewärmt werden, weil sie ihre Körpertemperatur nicht aufrecht erhalten können. Andere werden heruntergekühlt (auf 32°C), um Organschäden durch Infektionen nach einem Ausfall des Herz-Kreislauf-Systems zu reduzieren.
  • Auf der Intensivstation blinkt und klingelt wirklich ständig irgendwas. Allerdings rennen dann nicht wie im Fernsehen wild Menschen durch die Gegend, denn erstens ist die Station von der räumlichen Ausdehnung her ziemlich klein und zweitens sind die Mitarbeiter dort doch recht entspannt.
  • Das EKG und die Sauerstoffsensoren in der Kardiologie sind viel toller als die im Schlaflabor. Auch wenn mir der EKG-Monitor gleich eine Herzrhythmusstörung diagnostiziert hat, weil wir die Elektroden lausig geklebt hatten.
  • Krankenhauskleidung hat kein innen und außen und auch nicht so richtig vorne und hinten. Wenn man sich schnell umziehen muss, muss man auf nichts achten.

  1. Geringeres Totraumvolumen = Volumen, das nicht zum Sauerstoffaustausch genutzt wird


Schlaf & Arbeit

Patientenzimmer wie im Text beschriebenSeit zwei Monaten arbeite ich im Schlaflabor. In der Zeit habe ich sicher mehr als ein Dutzend Mal zu hören bekommen: "Und, was machste da, schlafen, hahaha". Einige meinten das sogar ernst und dachten, ich wäre Proband und würde dafür bezahlt werden. Das ist natürlich Quatsch. Offenbar ist den wenigsten Menschen klar, was ein Schlaflabor ist - ich hatte ja selbst eine ganz andere Vorstellung davon.

Das Schlaflabor in Chemnitz sieht keineswegs aus wie ein Labor, eher wie ein Büro (es ist ja gleichzeitig auch eins). Hinter den meisten Türen verstecken sich allerdings Betten - in Zimmern wie in einem günstigen Hotel, ergänzt um einen fahrbaren Ständer mit einem Tablet-großen Gerät mit ein paar Dutzend Anschlüssen. Außerdem gibt es eine Videokamera mit Infrarotscheinwerfer, die auf das Bett gerichtet ist. Solange kein Patient angeschlossen ist, sieht das alles völlig unspektakulär aus, und auch der Kontrollraum besteht lediglich aus einer Menge Computer. Das Ganze befindet sich in einem Gebäude des Klinikums - es handelt sich um eine medizinische Einrichtung.

Natürlich verdiene ich mein Geld nicht im Schlaf, auch wenn meine Arbeit dort meistens ziemlich entspannt ist. Im Schlaflabor wird in drei Schichten gearbeitet: Tagsüber werden Geräte gewartet und Sensoren geprüft, was zu meinen Aufgaben gehört, Messungen ausgewertet und allerlei Bürotätigkeiten erledigt. Abends werden Patienten empfangen und untersucht und anschließend an besagtes tabletgroße Gerät angeschlossen - mit über 20 Sensoren und entsprechend vielen Kabeln, was dann schon etwas abenteuerlich aussieht, von den meisten der typischerweise sehr alten Patienten aber erstaunlich gelassen hingenommen wird. Computergestützt werden dann EKG, EEG und verschiedene Atmungs- und Bewegungsparameter aufgezeichnet. Der Nachtdienst überwacht den Schlaf der Patienten - vor allem auf korrekte Funktion (natürlich lösen sich auch mal ein paar Elektroden). Außerdem werden nachts Therapiegeräte eingestellt.

Patient im Schlaflabor wird, wer ernste Probleme mit Schnarchen oder Atemaussetzer hat, aber auch, wer Sekundenschlaf erlebt oder ohne diagnostizierte Ursache (z.B. Schilddrüsenfehlfunktion, Depressionen) ständig müde ist oder oft aufwacht. Manchmal hilft es, eine bestimmte Lage im Schlaf zu erzwingen (kaum jemand schläft immer so, wie er eingeschlafen ist), oft werden Beatmungsgeräte mit Maske eingesetzt.

Ins Schlaflabor geht man also indirekt doch, um zu schlafen - oder besser gesagt, um wieder schlafen zu können.



Blogger-Alphabet: A wie Arbeit / Ausbildung

buero_tuc.jpgGerade noch rechtzeitig habe ich über Ulli das Blogger-Alphabet von Anne von neontrauma.de entdeckt und für cool befunden. Zu den 26 Buchstaben des Alphabets sollen über 52 Wochen verteilt Artikel zu entsprechenden Themen geschrieben werden, Anregungen gibt es jeweils dazu. Mir gefällt die Themenauswahl sehr und da ich mich zurzeit schwer tue, spontan zu schreiben, ist etwas Vorgabe vielleicht nicht schlecht.

Also auf geht's, das erste Thema behandelt meine Arbeit bzw. Ausbildung (zu letzterem zählt man gemeinhin auch das Studieren, so dass das schon passt). Ich arbeite seit etlichen Jahren nebenher in der IT, entweder als Handlanger (anderen Leuten erklären, dass sie den Monitor einschalten müssen, damit ein Bild kommt - true story) oder als Programmierer. Das ist nicht die Branche, in der ich mal Vollzeit arbeiten möchte, aber die Thematik liegt mir und ich mache meine Arbeit gut und meistens auch gerne. Zurzeit arbeite ich an der Uni an der Professur für Digitale Drucktechnologien als Mädchen für alles, was mit Computern zu tun hat.

Als Student bin ich eingeschrieben in Sensorik und kognitive Psychologie und Biomedizinische Technik. Ich beschäftige mich also mit der menschlichen Wahrnehmung, betrachte gelegentlich neuronale Funktionen physikalisch und lerne allerlei psychologisches Handwerkszeug, dazu Elektrotechnik und Grundlagen der Anatomie, Physiologie, Diagnostik und Pathologie. Ja genau - obwohl es oft anders erwartet wird, spielt Informatik in beiden Fächern nur eine vergleichsweise kleine Rolle.

Da ich nach etlichen Jahren der Selbstfindung nun tatsächlich etwas studiere, was mich sehr interessiert, blogge ich natürlich auch gelegentlich darüber. Man findet entsprechende Artikel etwa unter den Schlagworten Studium, Psychologie oder Physik. Vor allem, wenn ein Bezug zum Alltag erkennbar ist - glücklicherweise bearbeite ich für die Uni mehr spannende Themen, als ich hier vorstelle, aber oft wäre es recht schwierig, Außenstehenden zu vermitteln, was ich z.B. in Vorträgen erkläre. Möglicherweise sollte ich das trotzdem mal versuchen.

arbeitsplatz_zuhause.jpgAuch Arbeit ist ein Schlagwort für Artikel hier im Blog, da hat sich aber schon eine Weile nichts getan. Zwar erntet man als Programmierer immer wieder mal Bewunderung für seine Künste, über ein kurzes Staunen geht das aber selten hinaus und ganz ehrlich, wie will man auch die Begeisterung dafür vermitteln, nachts stundenlang Befehle zusammenzuschrauben und gefühlte Millionen Fehler zu beheben, bis ein Programm daraus entsteht? Ich bin schon als Teenager gefragt worden, ob ich denn Programmieren beibringen könnte... und wenngleich z.B. Fiona mit Freunden angefangen hat, Programmieren zu lernen, ist es vor allem ein zeitintensives Selbststudium mit extrem viel Trial & Error. Meine anderen IT-Jobs sind keinen Deut interessanter - entsprechend ist meine Arbeit hier selten Thema.

Überhaupt überschneiden sich Blog und Arbeit/Studium recht wenig. Zwar erfahre ich immer wieder von Leuten, die hier still mitlesen, thematisiert wird das aber selten. Viele Blogger machen sich viele Gedanken um ihre Zielgruppe, ich kenne meine gar nicht. Ich sehe da einfach keine Relevanz für mich, denn sowohl persönliche als auch sachliche Artikel verfasse ich aus Freude am Schreiben. Entsprechend nenne ich meinen Blog auch nicht in Bewerbungen (auch nicht für Online-Jobs), denn das Niveau der Artikel hier passt nicht zu beruflicher Professionalität. Das soll es auch gar nicht. Wohl aber nenne ich gelegentlich meine journalistische Tätigkeit bei Festivalhopper als Referenz. Und bevor es den Bach runter ging, war auch das Projekt Habari - das System, mit dem dieser Blog läuft, an dem ich selbst mitgearbeitet habe - eine Referenz, die mir sogar mal einen Job einbrachte.

Außer diesem Blog gibt es noch mein offizielles Portfolio. Ich bin gemeldeter Freiberufler, man kann mich buchen und mir Aufträge geben, und in einer Zeit, in der ich gerne als Fotograf arbeiten wollte, habe ich christian-gredig.de angelegt. Inzwischen ist die Seite lange nicht mehr aktualisiert worden und es gibt auch zurzeit keine Notwendigkeit dafür.

Man sieht, obwohl sich meine privaten Interessen und beruflichen Tätigkeiten durchaus überschneiden, kreuzen sie sich selten. In Zukunft wird das hoffentlich noch weniger und vermutlich erspart mir das etliche Fragen, die ich mir stellen müsste, und diverse Probleme.

Nachtrag: Ich habe hier, weil es mir offensichtlich erschien, nur die technische Seite betrachtet, und da gibt es tatsächlich nicht so viel Zusammenhang zwischen Arbeit, Studium und Blog. Ganz vergessen habe ich darüber, dass ich den Blog ja auch inhaltlich fülle - und das Schreiben hat mir durchaus schon geholfen. Berichte zu Veranstaltungen, an denen ich teilgenommen habe, werden gerne mir anvertraut, Abarbeitungen für die Uni fallen mir meistens leicht und nicht zu vergessen, den oben erwähnten "Job" bei den Festivalhoppern habe ich mit meinem Blog als Referenz bekommen. In letzter Zeit sind es weniger geworden, aber es gibt hier durchaus eine beachtliche Anzahl von Konzertberichten. Daher kommt schließlich auch der Name. "Job" aber deshalb in Anführungszeichen, weil das eine rein freiwillige Tätigkeit ist, bei der ich mir auch die Aufträge selbst aussuchen kann. Den Gedanken, beruflich im Journalismus zu arbeiten, habe ich schon vor einiger Zeit verworfen. Das Hobby zum Beruf machen kommt für mich nicht in Frage - dafür stumpfe ich zu schnell ab, ich würde also die Lust am Hobby verlieren.



Watch your back, the Stapler is coming

Die englische Bezeichnung für Gabelstapler ist fork lift, aber der Mittdreißiger-Australier ohne Führerschein, der eigentlich auch ziemlich gut deutsch spricht, sagt immer nur Stapler. Er ist einer der Kollegen, die ich zu schätzen gelernt habe in dem halben Jahr, das ich als Stagehand, also ungelernter Helfer bei Bühnenarbeiten, gearbeitet habe. Zu diesen Kollegen gehört auch der Choleriker, der eigentlich echt umgänglich ist, außer wenn sich Kollegen dumm anstellen oder faul sind oder unsere Vorarbeiter mal wieder Arschlöcher sind.

Die Vorarbeiter der britischen Firma waren immer sehr nett. Kein Angeschnauztwerden wenn man nix zu tun hatte und daher dumm rumstand, ein Danke für jede Kleinigkeit genauso wie für die Gesamtarbeit des Tages. Cirque du Soleil war so eine angenehme Nummer - 44 Trucks, aber über 100 Helfer, sodass man es sich locker erlauben konnte, nach dem Aufbauen des Physio-Raums für die Artisten noch eine Massage zu genießen. Ähnlich entspannt stelle ich es mir vor, für Bands wie AC/DC zu arbeiten - die noch einen Truck mehr dabei haben auf ihrer Tour, den sie aber nie aufmachen, weil nur Ersatzteile drin sind.

Überhaupt sind so große Produktionen vor allem deshalb so spannend, weil man schon beim Ausladen staunen kann, wenn einer dieser großen LKW einfach mal nur Kisten mit Schuhen enthält und ein anderer nur Kisten mit eingebauter Garderobe mit Kostümen. Von so Dingen wie Särgen ganz zu schweigen - die Michael Jackson Immortal-Tour war wirklich sehenswert.

Während das Ausladen sehr davon abhängt, ob die Location genug Laderampen bietet oder ob wir ständig auf den Wechsel der Trucks warten müssen, läuft beim Aufbau in der Halle meistens alles streng durchorganisiert. So wird üblicherweise auf einer Seite der Halle eine rollbare Bühne aufgebaut, während auf der anderen Seite Traversen mit Ton- und Lichttechnik beladen werden. Motoren fahren die Traversen dann nach oben und die Bühne wird darunter geschoben. Dafür kann man bei so lächerlich überzogenen dreistöckigen Bühnenaufbauten wie bei Chris Brown schonmal 80 Leute brauchen.

Wenn man dann nicht mit entspannten Briten, sondern mit zugekoksten Belgiern zusammenarbeitet, kann das auch lebensgefährlich werden. Dabei ist es mal passiert, dass ein Wagen mit Stahlteilen oben auf der Rollbühne nicht gesichert wurde und filmmäßig ganz langsam, mit knarzenden Geräuschen und unter vielen erschrockenen Blicken, von der Bühne kippte und den darunter stehenden Kollegen veranlasste, schnell zur Seite zu springen, um nicht erschlagen zu werden. Sekunden später waren die massiven Stahlteile nur noch Schrott und die Scheiben nur noch Splitter.

Die großen Unterschiede zwischen den Aufträgen und die Abhängigkeit von der Firma, der man zuarbeitet, waren dann auch die Gründe für meine Kündigung. Ein weiteres Negativbeispiel war die Produktion, bei der die Trucks lausiger beladen waren als mein Umzugswagen - billige Pappkisten, Instrumente in Folie eingewickelt, alles lose in den Laderaum geworfen (oder während der Fahrt kräftig durchgerüttelt worden). Der Aufbau unheimlich schlecht organisiert, ewig lange Schichten, stundenlange Verspätungen der Vorarbeiter... da hat man schon am ersten Tag keine Lust mehr.

Für positive Erinnerungen sorgen hingegen die Überbleibsel, die sich noch in meinem Besitz befinden. Der geschnorrte Drumstick von Silbermond zum Beispiel. Während des Aufbaus wurden wir mit belegten Brötchen, Obst und Getränken versorgt und abends durften wir uns vor dem Abbau das Konzert ansehen. Als der Vorhang während dem ersten Song fiel, wussten wir, dass sich das Gefummel am Mittag gelohnt hatte.

Oder die vielen T-Shirts. Deichkind zum Beispiel sind absolut nicht mein Ding als Gast, aber der Job war extrem entspannt und ich hatte Gelegenheit, mit deren Kart über die Bühne und die Laderampe des LKW rauf zu fahren. Bei Lionel Richie standen wir während der Zugaben neben der Bühne und beobachteten, wie er Gangnam Style zu Richie Style umbastelte und jede Menge Mitt- und Endvierziger von ihren Stühlen aufsprangen und mithopsten. Und auch die AIDA Night of the Proms war nicht der schlechteste Job - viel harte Arbeit, aber entsprechend viel Geld am Ende des Tages. Erfahrungen, auf die ich nicht verzichten möchte - Wiederholungsbedarf besteht aber auch nicht unbedingt.



Klassischer Jahresrückblick

Dieses Jahr ohne kreative Idee, einfach, weil es auch mal schön ist, einfach zu schauen, was passiert ist. Vor allem, wenn es so viel ist wie dieses Jahr. Jedes Jahr hat besondere und einmalige Erlebnisse, 2013 war vor allem auch von entscheidender Bedeutung für die Zukunft.

Das Projekt TEN SING RheinRuhr kam bereits 2012 ins Rollen. 2013 ging es dann richtig los - im Januar fuhr ich vom Ruhrgebiet nach Hamburg, um am offiziellen gemeinsamen Kirchentags-Vorbereitungstreffen für Mitwirkende teilzunehmen. Eine spannende Erfahrung, wenngleich die Teilnahme nicht obligatorisch war. Nebenbei lernte ich TEN SING Hamburg-Bramfeld kennen, eine kleine, aber sehr liebe Gruppe.

Im Februar ging es dann erneut nach Norden, meine seit längerem geplante Radtour in Ostfriesland nachholen. Ich erfror einmal fast, traf dafür aber viele wundervolle Menschen, die ich teilweise vorher noch nie getroffen hatte - darunter auch meine ersten Couchsurfing-Bekanntschaften. So grausam wie der Wind auf dem flachen Land, so herzlich und hilfsbereit empfingen mich die Menschen dort.

Nebenbei arbeitete ich immer wieder als Stagehand und baute Technik bei kleinen und großen Konzerten auf. Einige Aufträge machten wirklich Spaß, viele waren echt nervig. Die Krönung war We Will Rock You, die schlechter organisiert waren als mein eigener Umzug. Ich kündigte und begann im April, als Webprogrammierer für rent-a-guide zu arbeiten, was mich nebenbei in die Selbstständigkeit führte.

Kurz darauf führten wir unser äußerst erfolgreiches Probenwochenende von TEN SING RheinRuhr durch und fuhren nochmal zwei Wochen später mit 70 Leuten zum Kirchentag nach Hamburg. Ich bin immer noch stolz auf und glücklich über das, was wir dort vollbracht haben. Es waren nicht nur großartige Auftritte, für die wir sehr gefeiert wurden, sondern vor allem auch die Aktion an sich, die TEN SINGer aus verschiedensten Gruppen zusammen brachte.

Im Sommersemester belegte ich einen Gebärdensprachkurs und lernte die Grundzüge einer spannenden und absolut ernst zu nehmenden Sprache kennen. Parallel startete die Festivalsaison. Nach den großen Festivals im Vorjahr besuchte ich diesmal vor allem kleinere Events. Es sei auf die nahezu vollständige Liste meiner besuchten Konzerte verwiesen, die gegen Jahresende die 300er-Marke überschritt. Die Berichte dieses Jahres findet ihr bei den Festivalhoppern. Auf dem AStA-Fest in Paderborn lernte ich eher zufällig Claire kennen, nun eine meiner absoluten Lieblingsbands und die Entdeckung des Jahres überhaupt.

Außerdem ging es im Sommer erneut nach Ostfriesland. Diesmal war es angenehm, ich traf erneut viele liebe Menschen und diesmal auch etliche TEN SINGer. Eine Aktion, die nächstes Jahr sicher wiederholt wird. Und noch weiter auf Reisen ging es nach Amsterdam, um nach vielen Jahren des Wartens endlich Yeah Yeah Yeahs live zu erleben. Unfassbar gut!

Auch auf die andere Seite von Deutschlands ging es, nämlich nach Prag. Als ich zum YMCA-Festival fuhr, ahnte ich noch nicht, dass ich bald öfter im Osten sein würde. Auch dort lernte ich wieder viele neue Menschen kennen, diesmal aus ganz Europa und sogar den USA. Ich arbeitete als Volunteer in einem großartigen Team und lernte ein bisschen Dänisch. Die zwischenmenschlichen Erlebnisse, die ein Sturm verursacht, der die Evakuation des Geländes erfordert, während man selbst versucht, eines der Zelte zu retten, sind unbeschreiblich. Ich werde mich wohl immer wieder daran erinnern, wie wir immer wieder aus dem Zelt schauten, um Schutzlose vor dem Regen zu retten, während wir es davor schützten, vom Wind zerfetzt zu werden - und hinterher festzustellen, dass ganz in der Nähe ein Blitz einen Baum umstürzen ließ.

Nur einen Monat später war ich erneut im Osten, um mich in Chemnitz nach Wohnungen umzusehen. Ich hatte mich für ein erneutes Studium entschieden: Sensorik und kognitive Psychologie. Die Wohnungssuche war wenig erfolgreich und überhaupt war die ganze Reise Verschwendung. Die Makler waren nervtötend und / oder unverschämt, die Vermieter dreist und überheblich. In einem Ort wie Chemnitz, wo günstige Wohnungen nahezu im Überfluss vorhanden sind, hätte ich nicht mit so absurden Forderungen gerechnet. Auch musste ich erleben, dass man als Selbstständiger keinerlei finanzielles Vertrauen genießt.

Letztlich half ein Tipp von zukünftigen Komilitonen, an einen vernünftigen Vermieter zu geraten, und unglaublich kurzfristig ungesehen eine Wohnung zu mieten. Mithilfe einer Profi-Tetris-Software und tatkräftiger Unterstützung von Freunden, Familie, Bekannten und Mitstudenten gelang es in einer total irrwitzigen Aktion, meine gesamte Wohnung in einen viel zu kleinen LKW zu stopfen und heil nach Chemnitz zu transportieren, wo ich mich inzwischen gut eingelebt habe.

Im November ging es dann das erste Mal wieder zurück in den Westen. Mehrere Konzerte, Familie und Freunde besuchen. Ich ergatterte einen Platz in der ersten Reihe bei Claire und lehnte ein Angebot, für 20€ den Platz mit jemandem hinter mir zu tauschen, ab. Während ich mit Mitfahrgelegenheiten sehr schlechte Erfahrungen machen musste, erwiesen sich die in diesem Jahr massiv gewachsenen Fernbusangebote als äußerst angenehme Reisemöglichkeit. So ging es auch im Dezember zu Weihnachten mit dem Bus wieder nach Gelsenkirchen, wo ich nun in dem Haus, aus dem ich vor dreieinhalb Jahren auszog, diesen Text schreibe.

In meinem Alter mag jedes Jahr wichtig erscheinen. In diesem habe ich auf jeden Fall besonders viele Freundschaften geknüpft und wichtige Entscheidungen für meine Zukunft getroffen. Ich betrachte Entscheidungen nicht mehr nur unter der Frage nach richtig oder falsch, sondern vor allem unter dem Einfluss auf mein Leben, den sie haben werden. Dieses Studium wird mir eine Menge bringen, egal, ob ich es mit Bachelor, Master oder gar nicht abschließe und unabhängig davon, welchen Beruf ich danach ausübe. Mein Lebenslauf hat dieses Jahr ein paar mehr Knicke bekommen, aber es ist nicht wichtig, welche Form er hat, sondern nur, was drinsteht, und welche Menschen daran beteiligt waren. Vor allem, welche Menschen blieben, als der nächste Knick kam. Und diesen Menschen möchte ich danken, dass sie an diesem erlebnisreichen Jahr beteiligt waren, egal in welcher Form und egal wie nahe sie mir stehen. Ihr seid mir alle wichtig. Danke!



Die Kunst des Kunstrasenlegens

Neben attraktiven Aufträgen wie den Konzerten der Toten Hosen und Silbermond und finanziell attraktiven Aufträgen wie der aufwändigen AIDA Night of the Proms gibt es für Stagehands bei einer Personalvermittlungsfirma leider auch manchmal ätzende Jobs. So wie der Kunstrasen-Job. Arbeitsbeginn morgens um 3, planmäßige Dauer 4-6 Stunden. Die Nachtarbeit war dabei gar nicht das Problem...

Nach zwei Stunden beschlossen unsere wenig kommunikativen Arbeitsleiter (der Chef, ein zweiter etwas älterer Herr und ein junger ergebener Untertan), dass sie jetzt Frühstückspause haben - und verschwanden ohne weiteren Kommentar. Und ohne zu fragen, ob wir auch was von der Tanke wollen. Das mit der Frühstückspause haben wir uns auch nur aus den vorherigen Kommentaren zu nicht vorhandenem Kaffee zusammen gereimt... So saßen wir dann über eine Stunde einfach rum, denn Arbeiten ohne Anweisung ist strikt verboten und Kontaktdaten hatten wir keine. Ätzender kann eine Schicht kaum anfangen - zumal wir zu dem Zeitpunkt noch dachten, wir seien eh in absehbarer Zeit fertig, denn das Ausrollen der Rasenstreifen hatten wir inzwischen raus und zwei Drittel lagen bereits.

Gut eine Stunde später ging es also kommentarlos, ohne jegliche Erklärung oder Entschuldigung, genauso weiter wie vorher. Der Chef war inzwischen deutlich redseliger geworden. Er war mit seiner Firma, die offenbar Böden aller Art, also auch Gießböden wie Beton, anbietet, ja schon überall! In den USA für ein Laufturnier und in Australien und ach, am schönsten ist es in Malaysia, da ist das Essen so günstig. Und während er in einem irren Tempo immer wieder die gleichen Geschichten noch weiter ausschmückte, blieb keine Energie mehr zum Arbeiten übrig, so dass wir immer wieder einfach rumstanden und uns sein Gequatsche anhören mussten, statt zu arbeiten.

So ein Kunstrasen muss dann irgendwie rutschsicher gemacht werden und eine verbreitete Methode ist, zwischen die Bahnen Klett auf den Boden zu legen und das Flausch-Gegenstück auf den Bahnen daran zu befestigen. So hält sich der gesamte Boden durch sein Gewicht von Naht zu Naht. Unser Flauschband musste nun erst noch angeklebt werden und nun könnte man denken, das sei ja kein Akt. Aber bei dieser Firma braucht man zum Anbringen von 16 solcher 23m langen Streifen - 8 Mitarbeiter und fast 5 Stunden! Dabei klebt nur einer, zwei wärmen vorher den Boden mit Heißluftföhnen auf (der Kleber klebt nur richtig, wenn er warm ist - da erwärmt man natürlich den Boden, nicht den Kleber!), zwei halten den Streifen hoch, damit er den am Boden arbeitenden nicht auf dem Kopf festklebt, einer wickelt die Schutzfolie des Streifens auf (!), einer geht hinterher und tritt den Streifen fest und einer passt auf, dass sich die Kabel der Heißluftpistolen nicht verheddern.

Nach ein paar Bahnen verlor ich fast den Verstand und riss den Flauschstreifen an mich. Am Anfang durften wir nicht - schwierige Arbeit! - aber die Tatsache, dass wir für eine Naht eine halbe Stunde brauchten, hatte dann auch die Vorarbeiter etwas mürbe gemacht. Als dann noch zwei der anderen dazu kamen und auch das Vorwärmen beschleunigten, brauchten wir - Überraschung - nur noch 10 Minuten.

In dem gleichen Tempo wurde dann den Rest des Tages weiter gearbeitet. Die Tribünenbauer kamen und gingen, die Bandenbauer kamen und gingen auch irgendwann wieder, nachdem sie auf uns warten mussten, weil wir nicht im Zeitplan waren (warum wohl? Es gab doch sogar Kaffee!), die Presse kam und verschwand wieder. Wir blieben und schnitten Löcher in den Rasen, um mit weiß gefärbten Streifen die Strafräume zu markieren (hat man das nicht mal mit Kreide gemacht?). Das gleiche Spiel dann nochmal für die Logos der beteiligten Firmen, die auch ins Feld eingebaut wurden. Immer wieder schneiden, Folie mit Kleber bestreichen, nochmal nachmessen, die Messung korrigieren, kleben, warten, Pause machen, und weil es so anspruchsvolle Arbeit ist und zu wenig Werkzeug da war, durften wir auch nicht ran und konnten nicht auf beiden Spielfeldseiten parallel arbeiten.

Das Tollste daran war dann immer, wenn man mal nachgefragt hat, ob man denn mal arbeiten könnte (!). Zum Beispiel wenn der Chef am Rand saß und niemand etwas tat. Dann wurde nämlich in jammerndem Ton vorgetragen, was noch alles gemacht werden müsse. Ja wie wär's denn dann mal mit anfangen?! Schon die Aktion mit den Heißluftpistolen hätten die drei Firmenangestellten ohne uns fünf Helfer erledigen können, für das Schneiden wären wir auch nicht erforderlich gewesen. Nach 12,5 Stunden (!) musste ich dringend zu einem anderen Termin. Fertig war das Feld da immer noch nicht - es wurden immer noch Löcher geschnitten und danach musste auch noch Kunstrasengranulat gestreut werden...

Nach diesem Einsatz werde ich jedenfalls keine Aufträge mit unkalkulierbarem Risiko annehmen, nur weil ich denke, dass es mal was anderes ist als Rock'n'Roll. Warum ich bei dieser absolut lächerlichen Nummer nicht komplett den Verstand verloren habe, ist mir bis heute nicht klar...



Partys, Packstationen und Produktdetails

Neulich war ich auf einer Ü30-Party. Natürlich bin ich nicht über 30, aber "Luckys Ü30-Partys" werden technisch von meiner Firma betreut. An sich wäre das ja ganz nett... immerhin läuft da durchaus größtenteils Musik, die ich mir auch anhören würde (mal von Schlager abgesehen und von Salsa, letzteres weil ich schlicht nicht tanzen kann). Blöderweise sind die Azubis und freien Mitarbeiter nur für Auf- und Abbau zuständig - so mussten wir einen Teil der Party verschlafen, um für den Abbau einigermaßen fit zu sein.

Immerhin bekamen wir in der Aufbaupause die beste Pizza, die ich je gegessen habe. Leider war das in Leverkusen... da werde ich wohl nie wieder sein (außer nächstes Jahr, um die nächste Party aufzubauen). Nächstes Wochenende geht's in Solingen weiter.

Während meine Ausbildung also immer mehr ins Rollen kommt, habe ich eine neue Wohnung gefunden. Nicht, dass an meiner bisherigen etwas schlecht wäre - blöderweise ist Herne aber recht weit weg von Kamen. Also wohne ich ab Montag in Dortmund, irgendwo zwischen einer katholischen Kirche, dem Rotlichtviertel und dem Hauptbahnhof. Die Baustelle am Herner Bahnhof, die hier kurz nach meinem Einzug anfing, ist dieweil immer noch nicht fertig. Dafür haben wir eine neue Packstation bekommen - die ist größer als die alte und vor allem steht sie jetzt im Bahnhof statt daneben, so dass man nicht mehr dahinter pissen kann.

Gepisst hat es auch kräftig beim Seegeflüster Hagen. So heftig, dass meine Kamera gestorben ist. Also hab ich mich schonmal schlau gemacht welches Modell denn der Nachfolger werden soll und bin dabei auf Amazon Marketplace über eine Canon EOS 60D für 440€ gestolpert1. Der Verkäufer wünscht den Kontakt nur an eine private Adresse - schreibt man ihm an die, beantwortet er Fragen mit Produktdetails gerne auf englisch (?!) und in den schönsten Worten. Schreibt man hingegen über Amazon, gibt's nur eine in schlechtem Deutsch formulierte Nachricht mit der Bitte, an die private Adresse zu schreiben... sehr seriös.

Noch fünf Tage arbeiten bis zum Umzug. Der bildet dann zusammen mit dem Berufsschul-Dienstag das Ersatzwochenende - mal schauen, was wir dann in "Elektrische Versorgung und Beleuchtung" behandeln, nachdem wir inzwischen alle die Vorstellung von fließenden Elektronen eingebrannt bekommen haben. Die halbe Klasse muss glauben, in einer Batterie seien am Anfang die Elektronen oben und am Ende auch ein paar unten... wenn man sich bei der Frage "Lachen oder Weinen?" für Lachen entscheidet, kann man das fast als Wochenende durchgehen lassen.

  1. Der typische Verkaufspreis für diese Kamera schwankt um 700€.