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Lykke Li: Wounded Rhymes

Schon nach dem ersten Konzert von Lykke Li 2009 beim Hurricane-Festival, das ich nur halb sehen konnte, war klar, dass ich mir das nochmal ganz ansehen muss. Dieses Jahr tourt sie nun wieder durch Europa und da ich gerade im Reisefieber bin und immer mal ins Paradiso in Amsterdam wollte, stand schnell fest, dass ich einen Wochenendtrip nach Amsterdam unternehmen werde. Ich schrieb 2009, ich hätte noch nie ein so fasziniertes Publikum gesehen... das sollte auch so bleiben, die Show damals war wirklich atemberaubend.

Die in Amsterdam stand der aber in nichts nach. Nachdem es ewig dauerte, bis die Techniker auf die Bühne kamen, um Setlists, Wasserflaschen und Handtücher zu verteilen, war ich wohl nicht der einzige im Publikum, der schon gespannt wartete, was passieren würde. Es passierte - Nebel. Zwei große ins Publikum gerichtete Nebelkanonen ließen erstmal die gesamte Halle verschwinden. Technisch war damit der größte Effekt bereits ausgespielt; der dichte, sich schnell wieder lösende Nebel war das Hauptelement, alles andere wurde nur sehr sparsam verwendet.

lykke li setlist.pngMit donnernden Ambient-Sounds wurde das eingenebelte Publikum dann endgültig auf den Beginn hingewiesen und währenddessen kamen dann auch ganz unspektakulär Lykke mit Band und Backgroundsängerin auf die Bühne und hauten direkt die ersten beiden Songs raus, das instrumentale, unveröffentlichte "Come Near" und "Jerome" vom neuen Album. Überhaupt war bei dieser Show alles ziemlich sparsam - auch Moderation ist nicht gerade Lykkes Stärke, ein paar Worte zum Publikum ob wir denn auch alle gut drauf sind und ansonsten ein Song nach dem anderen, bunt gemischt vom alten und vom neuen Album, sehr zu meiner Freude ergänzt um nicht auf Alben veröffentlichte B-Seiten wie das mit Kleerup aufgenommene "Until we bleed" oder der Twilight-Soundtrack-Titel "Possibility". So war nach kaum zehn Minuten schon die Hölle los, als nach den beiden Anfangssongs direkt "I'm Good I'm Gone" folgte, was in der kleinen Halle lautstark alles weg geblasen hat.

Lykke Li gehört definitiv zu den Künstlern, die live besser wirken. Nicht nur, weil Tonqualität und Abmischung ausgereifter wirken und durch die Lautstärke alles viel klarer zu hören ist. Die neblige, durch das weißblaue Licht eiskalt wirkende Atmosphäre in der ansonsten stockfinsteren Halle hat mehr als einen Titel besser wirken lassen. Dazu kommt Lykke selbst, der man jede Emotion ansieht, bei der anscheinend bei jedem Song alles wieder hoch kommt, was sie diesen Text hat schreiben lassen; die, immer komplett in schwarz gekleidet, wahlweise äußerst heiß aussieht oder sich völlig verhüllt und teilweise sogar mit dem Mikro unter ihrem riesigen Mantel verschwindet; die gleichzeitig in ihrer Musik aufgeht und doch den totalen Überblick über das Bühnengeschehen hat.

Besonders viel an Bühnengeschehen gab es ja eigentlich gar nicht. Lykkes Band besteht aktuell aus zwei Keyboardern, einem Gitarristen/Bassisten, einem Perkussionisten, einem Drummer, einer Backgroundsängerin und ihr selbst, wobei sowohl sie selbst auch auch der Drummer und der Perkussionist immer wieder an den verschiedenen auf der Bühne verteilten Trommeln, Becken und elektronischen Drumelementen standen. So kommt jeder Song für sich mit sehr wenig Elementen aus, während das gesamte Spektrum an genutzten Instrumenten sehr breit ist.

Bei der schnellen Folge an Songs und der Mischung aus energiegeladenem Tanzen und fesselnden ruhigen Songs war irgendwie alles schnell wieder vorbei. Dabei dauerte das Konzert immerhin 1,5 Stunden und umfasste 21 Songs, davon vier Zugaben. Danach kam etwas, was ich noch gar nicht kannte: Fans sprangen auf die Bühne und sammelten Setlists und Drumsticks. Eine Setlist hab ich auch noch erwischt - für die Drumsticks kam ich leider zu spät und auch wenn Sticks nix kosten, gratis verteilt werden die von den Technikern nicht. Was soll's. hahahah

Das Paradiso ist übrigens wirklich eine sehr geile Halle. Die Wir sind Helden-Live-DVD wurde dort aufgenommen, daher mein Eindruck, dass es sich lohnen würde, dort mal hinzufahren. Das Konzert war ausverkauft, trotzdem war es ziemlich entspannt vorne in der siebten Reihe. Die Halle ist architektonisch nett anzusehen, die Bühne ist sehr hoch und ich hatte den Eindruck, dass man von überall gescheit sehen kann. Gleichzeitig glänzt das Paradiso durch hervorragende Technikausrüstung. Das Audiomischpult ist volldigital und vor der Show gab's statt einer Vorband einen DJ, der sein Werk echt gut verstand und die Zeit bis zum Konzert recht erträglich überbrückt hat. Außerdem liegt das Gebäude direkt neben dem Melkweg, dem Amsterdamer Kulturzentrum, und damit mitten in der Innenstadt.

Trotz der gefühlten Kürze war's ein genialer Abend. Das einzige, was störte, war die lange Wartezeit vorher, die das Konzert selbst dann noch kürzer erscheinen ließ. Dafür wurde ich in der Zeit angesprochen, warum ich denn eigentlich da sei; eine Zuschauerin wunderte sich über die (zugegebenermaßen nicht besonders vielen) männlichen Zuschauer. :D Nun, was sagt man dazu... hab dann die Story vom Hurricane erzählt und dass ich sie halt nochmal sehen wollte. Dass Lykke Li besonders weibliche Musik macht, hätte ich so nicht gesagt... aber so hat jeder seine eigene Auffassung. Bei der nächsten Tour bin ich jedenfalls sicher wieder dabei. hahahah



World Vision Song Contest in Moers

Am Samstag standen gleich zwei TEN SING-Shows an, von denen eine aber leider in Hamburg und damit doch etwas weit weg. So ging es diesmal nach Moers; zwar alleine, aber schon in dem Menschenknäuel vor der Halle entdeckte ich die ersten bekannten Gesichter und drinnen ging es direkt weiter. Dabei waren insgesamt eigentlich eher wenig TEN SINGer im Publikum; die Halle war auch größtenteils bestuhlt, so platzierten wir uns ganz vorne in einer Ecke vor der Bühne.

Die Show stand unter dem Motto "World Vision Song Contest" und schon vor dem Einlass war ich von Justin Dustin, dem Manager dieser Veranstaltung, begrüßt worden. Der sollte auch später noch eine wichtige Rolle spielen, doch zuerst gab es einen Blick hinter die Kulissen, wo Gloria, einer der Stars, die an dem Abend auftreten sollten, hysterisch nach ihrer Visagistin und Fiji-Wasser verlangte.

Schrieb ich letztens noch, die Chor-Band-Lieder hätten üblicherweise den größten Teil an der Show, gab's diesmal direkt das Gegenbeispiel. Die gesamte Show war auf das Theaterstück ausgelegt, die Lieder und Tänze waren Teil der Show-Acts des World Vision Song Contest. Man bekam immer wieder den Backstage-Bereich zu sehen - nicht zuletzt, da bei der Tombola zu Beginn der Show zwei der im Publikum platzierten TSer Zuschauer Backstage-Pässe gewannen und dort alles genau im Auge behielten. Die beiden sich als TKKG ohne KG betätigenden Teenies waren zwar bei Promis, Technikern und Show-Personal gleichermaßen ungern gesehen, aber trotzdem wichtig, als es die erste Tote gab...

Eine Pause gab es nicht, die gesamte Show hing zusammen und war auch bis zum furiosen Finale passend in den vom Theaterstück gegebenen Kontext eingebunden. Die beiden Zugaben fielen dann aus dem Rahmen, das war dann aber auch egal. Wir hatten zwei Stunden zu dritt vor der Bühne wild gefeiert und wurden am Ende auf die Bühne geholt, weil wir offensichtlich die größten Stimmungsmacher im Publikum waren. :D

Überhaupt war mein persönliches Show-Erlebnis diesmal sehr davon geprägt, dass ich abseits des Hauptpublikums mit überaus motivierten TEN SINGern zusammen war und wir eigentlich ständig mit Chormoves und "Ihr seid spitze"-Rufen1 und anderem Kram (und ich auch noch mit Fotografieren) beschäftigt waren. Hat extrem Laune gemacht, auch wenn ich dadurch nicht soo viel zur Qualität der Show schreiben kann.

Die Schauspieler des Theater-Workshops kamen jedenfalls alle sehr überzeugend rüber. Der schon erwähnte Justin Dustin, genannt Jessedy Dessedy, der um seine Show, sein Geld und, hüstel, natürlich vor allem seine Angestellten und die Stars bemühte Manager. Die hysterische Gloria, die keinerlei kritische Kommentare vertragen kann, aber nach zehn Sekunden eh schon wieder vergessen hat worum es ging. Die fantastischen beiden Detektive, die überall eine Morddrohung wittern und damit zwar immer daneben, aber nicht falsch liegen. Die verschiedenen Angestellten der Show, wie der Techniker, die Kamerafrau, Glorias persönliche Assistentin, die Doppelgängerinnen und auch die Moderatorin der Show, die zwar immer nur kurz auftrat, aber dennoch wichtig war, um mitzubekommen, wann das Bühnengeschehen nach der Backstage-Action wieder die Stage zeigte. Das wurde zwar auch per Beamer projiziert, aber zumindest mir ging es so, dass ich immer wieder vergessen habe darauf zu gucken. Vermutlich habe ich auch noch Leute vergessen. Die Polizistin zum Beispiel und den Bodyguard.

Bandtechnisch ist mir vor allem aufgefallen, dass zusätzlich zum Schlagzeug zwei Handtrommeln (ich kenne mich da nicht aus, für Bongos waren die zu groß, glaube ich...) im Dauereinsatz waren. Coole Sache. Ansonsten war während der Lieder wie schon gesagt eher die Stimmung wichtig... besonders heraus gestochen hat da eigentlich recht wenig. Gloria, die von ihrem Lover Justin Dustin ungefähr hundert Spitznamen wegen ihrer fürchterlichen Stimem bekam, hat Gott sei Dank nicht wirklich so schrecklich gesungen, wie ihre Theaterrolle vermuten ließ. Die Solistin von "This Love" (Maroon 5) war eine der besten, die ich bei TS bisher gehört habe. Die Liedauswahl an sich war bunt gemischt, aber generell im eher nicht so lauten Bereich angesiedelt. "Message in a bottle" von Sting war ebenso dabei wie "Kryptonite" von $$$, "Hero of War" war vertreten und auch "Jesus in my house". Als Tanz gab's Taio Cruz' "Break your heart" und "Alcohol".

Das Programmheft spricht von knapp 30 TSern in Moers, einige Leute haben allerdings mehrere Rollen übernommen. Schlecht besetzt war jedenfalls keiner der Workshops, wenngleich der Chor natürlich nie groß genug sein kann. Cool finde ich, dass es einen kleinen eigenen Technik-Workshop gibt, der laut Programmheft bei den Proben die Workshops betreut (was immer das genau heißen mag). Leider war der Ton das einzige, was mir zwischendurch negativ aufgefallen ist (wegen so Dingen wie nicht ausgeschalteten Mikros, wo sie ausgeschaltet sein sollten oder ähnlichen Kleinigkeiten). Liegt aber auch einfach daran, dass die Techniker immer diejenigen sind, deren größtes Lob es ist, wenn niemand bemerkt hat dass sie da sind, weil einfach jeder Fehler auffällt, aber niemand bemerkt, wenn alles gut läuft.

Nach der Zugaben-Party auf der Bühne haben wir uns dann auch recht schnell auf den Rückweg bzw. auf den Weg zur Dönerbude gemacht (Pomdöner! Geniale Sache! :D ). Durch den teilweise gemeinsamen Rückweg gab's so noch einen netten Ausklang des Abends voller neuer Insider. Sehr schöne Sache und wieder mal ein Zeichen dafür, dass es sich lohnt, zu TEN SING-Shows zu fahren, auch wenn es mal etwas weiter weg ist. hahahah

  1. Gute TEN SING-Tradition... wenn die Show gut ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann jemand anfangen "Ihr seid spitze, hey!" zu rufen, worauf die Gruppe auf der Bühne mit "Ihr aber auch!" antwortet, was sich zehn Sekunden bis mehrere Minuten hinziehen kann. :D


Rock the Church

Während andere sich jedes Wochenende betrinken, bin ich momentan jedes Wochenende auf irgendeinem Konzert. Schon etwas her ist inzwischen Rock the Church, eine Veranstaltung in Gelsenkirchen-Buer, bei der drei Bands in einer Kirche auftreten. Keine großen Namen und kein großes Event, aber sehr günstig und durchaus mit Künstlern die sich hören lassen können.

Ich hatte vergessen, vorher mal reinzuhören, wer da so auftritt, und mich daher auf einen eher fotografischen Abend eingestellt. Aufgetreten sind dann n:ticket, Blind Pilots und Sebel van der Nijhoff, zwei Rockbands und ein Singer-Songwriter1, damit war der Abend auch musikalisch nicht weit von meinem Geschmack entfernt.

[n]ticket hatten gerade angefangen, als ich vom Imbiss gegenüber zurück kam, und machten schon kräftig Lärm. Der Sänger hat kräftig Stimmung ins Publikum gebracht und überhaupt war die ganze Band ziemlich gut dabei. Zwischendurch gab's ne Mitmachaktion aus der rockenden katholischen Jugend und als die erste Reihe gerade wüst am Headbangen war, wurden zwei auf die Bühne geholt.

Nach so einem gelungenen Einstieg fragte der Moderator dann fatalerweise, ob jemand Lust auf Akustik hätte. Da gab es dann etliche "Nein!"-Rufe... Sebel van der Nijhoff, der akustisch mit seinem Bassisten da war, trat natürlich trotzdem auf. Erwartungsgemäß gab es diesmal keinen wilden Pogo, dafür wurde das Publikum gespalten, denn Sebel verlässt sich größtenteils auf seine Texte, die zwar meist gut, aber oft auch recht frauenfeindlich sind. Mehr oder weniger ernst gemeint hat das immerhin für Stimmung gesorgt, wobei es durchaus auch rockigere Einlagen gab, denn auch mit Akustikgitarren kann man mehr als Balladen spielen.

Blind Pilots, deren Schlagzeug schon vorher bei [n]ticket benutzt wurde, waren aber definitiv der Headliner des Abends. Trotz der geringen Zuschauermenge (mutig geschätzt waren es vielleicht hundert Leute) gab es das volle Rockerprogramm mit Pogo, Moshpit, Headbangen und Wall of Death. War aber für alle recht angenehm, denn für die, die keine blauen Flecken wollten, war genug Platz, etwas außerhalb ein bisschen ruhiger zu feiern, aber die Stimmung war insgesamt gut. Der Bassist war der Hammer, es ist ein Wunder, dass ich ein Foto habe, wo er gescheit drauf zu sehen ist, soviel, wie der durch die Gegend gesprungen ist.

Für mich war's ein interessantes Erlebnis. Durch die ungezwungene, wenig offiziell wirkende Atmosphäre und die in der Mitte der Kirche aufgebaute Bühne war es leicht, umher zu laufen und zu fotografieren wie ich gerade Lust hatte. Außerdem konnte ich gefahrlos Objektive wechseln, was nicht immer so leicht ist. So hat der Abend einen netten Mix aus guter Musik, Konzertstimmung und Fotoevent abgegeben. Die Speicherkarte ist voll geworden und der Akku leer und dank des neuen Objektivs und dem Einsatz meines Teles, was ich eigentlich viel zu selten verwende, ist die Ausschussquote auch nicht so irrsinnig hoch.

  1. Woher auch immer der Begriff kommt, aber mittlerweile verwendet den ja jeder...


Abgeschmeckt - das Beste für TEN SING Münster

Die über das Jahr verteilten TEN SING-Shows sind inzwischen zu einer Überbrückung von Konzert zu Konzert geworden, die ich nicht mehr missen möchte. Am Samstag vor einer Woche erlebte ich mal wieder eine Premiere1: Als ich mit Andi ankam, war gerade Einlass, und vor dem Gebäude hatte sich eine riesige Schlange gebildet. Das ließ auf eine Show mit beeindruckender Besucherzahl schließen.

IMG_7917o.JPGDie Halle war dann auch tatsächlich gut gefüllt (die Gruppe selbst schreibt auf ihrer Website von 450 Zuschauern), es gab einen großen Stehbereich und seitlich davon etliche Sitzplätze für die Unmotivierten. Bühne und Hallendecke waren mit reichlich Technik vollgestopft, das erklärte auch den trotz vieler Sponsoren vergleichsweise hohen Eintrittspreis von 5€ (VVK 3€). Die großzügige Lichttechnik musste allerdings nicht dafür herhalten, schlechte Leistungen zu vertuschen, denn alle dargebotenen Leistungen konnten sich definitiv hören und sehen lassen.

Den größten Bestandteil machen natürlich immer die Lieder aus. Nie hat eine TEN SING-Show meinen Musikgeschmack so gut getroffen. 1000 Miles (Vanessa Carlton) und Suddenly I see (KT Tunstall) waren dabei, Happy Ending (Avril Lavigne) und Jerk it out (Caesars), aber auch Living on a prayer (Bon Jovi) und Hungriges Herz (MIA./Scala). Bei Münster ist allerdings auch der Tanz sehr präsent gewesen; es gab nicht nur Frauentanz, sondern auch Paartanz und sogar einen ernsthaften Männertanz, der eine deutlich bessere Figur machte als so mancher alberner Auftritt anderer Gruppen. Last but not least2 gab es natürlich das Theaterstück, welches für die Show titelgebend war und dessen Szenen sich mit den Liedern abwechselten. "Abgeschmeckt" ist der Titel des Kochbuches von Starfernsehkoch Horscht Lischter, der seine Konkurrentin Johanna Laifer völlig im Schatten stehen lässt. Doch deren Management möchte das nicht einfach so hinnehmen... mehr möchte ich gar nicht verraten, denn am Samstag gibt es noch eine zweite Aufführung und ich kann wirklich empfehlen hinzugehen.

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An diesem Punkt stelle ich normalerweise heraus, was gut und was schlecht war; das ist diesmal aber besonders schwierig, denn nicht nur Tanz und Theater machten einen guten Eindruck, sondern auch die Solisten glänzten durchweg durch starke Stimmen und Textsicherheit. In der zweiten Hälfte, als ich die Seite gewechselt hatte, beeindruckte auch der Chor; da zeigte sich sehr deutlich, dass die Plätze in der Mitte die besten sind, an der rechten Seite hat man den Chor kaum gehört, links dafür sehr laut.

IMG_8240o.JPGFehlt noch die Band. Die war recht gut besetzt; wenn ich mich richtig erinnere, waren es zwei Keyboarder, mindestens je zwei Schlagzeuger und Gitarristen und ein Bassist. Den Bassisten fand ich persönlich sehr cool, da er es bei einem Lied sogar schaffte, beim Spielen herum zu hüpfen, aber auch die anderen hatten sichtlich Spaß an den Liedern.

Alles in allem also ne richtig fette Show, die sowohl im Großen und Ganzen, als auch im Detail überzeugte. Sehr cool fand ich zum Beispiel den Effekt, den einer der Gitarristen bei Living on a Prayer mit dem Mund und irgendeiner Art Effektgerät gemacht hat. Oder die auf der Bühne aufgestellte Tür, durch die die Solisten teilweise gekommen sind.

Am Ende war dann mal wieder die Stimmung total ausgelassen, es gab zwei Zugaben und dann wurde lautstark nochmal der Männertanz gefordert. Etwa zwei Stunden gute Unterhaltung (plus Pause) waren das, für die es sich gelohnt hat, nach Münster zu fahren. Am Samstag gibt's nochmal einen Auftritt - noch kann man hier Karten reservieren. hahahah

  1. Damit ist nicht die Show selbst gemeint, denn das ist eigentlich immer eine Premiere - nicht alle Gruppen treten überhaupt mehrmals auf.
  2. Gibt es dafür eigentlich ein nicht dämlich klingendes deutsches Äquivalent (schon wieder ein Anglizsmus)?


Wise Guys in Essen

Ach ja, im Dezember war ja noch das Wise Guys-Konzert, fast unter gegangen. Mein zwölftes. hahahah Leider kamen wir (J., meine Mutter und ich) diesmal zu spät, da meine Mum mit der Straßenbahn im Schnee steckte und sie die Karten hatte. Nunja, nicht so tragisch, wenngleich es schade war, dass wir den Opener verpasst haben, denn statt dem nicht so tollen neuen haben sie wohl den alten "Guten Abend und hallo" gespielt, wir hörten es vom Foyer aus.

Die Konzerte in der Grugahalle in Essen sind immer vollbestuhlt, was aber, worauf immer direkt hingewiesen wird, nicht bedeutet dass man sitzen muss. Obwohl bei der üblichen Publikumsbefragung heraus kam, dass sehr viele neue dabei waren (sprich Leute die noch nie ein Wise Guys-Konzert gesehen haben), war die Stimmung durchgehend ziemlich gut. Es gab vier neue Lieder und eine gemischte Auswahl vom neuen Album und von Klassikern. Der zweite Song, während dem wir reingeplatzt sind, war zum Beispiel "Mädchen lach doch mal", was schon etliche Jahre alt ist. Unter den neuen, ich spoilere jetzt, ist unter anderem eins über Facebook und eins über Hürth, wo der neue Probenraum der Wise Guys ist.

Ein interessantes Highlight war der Gastauftritt einer jungen Sängerin mit ihrer Band, Jördis Tielsch. Die Wise Guys hatten mal in ihre Musik reingehört und waren dann wohl dermaßen begeistert, dass sie sie jetzt massiv fördern, z.B. eben durch Gastauftritte in ihrer Show, aber auch durch Songwriting und durch das Organisieren von größeren Konzerten in Konzerthallen. Möge sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden, ich bin mir mit meiner da nicht sicher...

Außer einer ganzen Menge Songs gab's natürlich wieder jede Menge Rumgeblödel... so konnte Nils seine Sirene zum Besten geben, mit der er beim Casting zum neuen Wise Guy1 gekommen war. Außerdem haben sich Eddi und Sari ein relativ schweres Wortgefecht mit Beleidigungen gegen Sari geliefert, was vermutlich witzig gemeint war, ich aber erstens ziemlich niveaulos fand und zweitens irgendwie zu ernst rüber kam. Bei der Show im Januar hatten sie sowas auch schon gebracht, wo ich fast den Eindruck hatte, das sei ungeplant und die würden sich gerade ernsthaft streiten, diesmal war es noch schlimmer. Diesmal ging es darum, dass Sari irgendwie weniger coole Moves drauf hat als die anderen und auch ansonsten zu nix zu gebrauchen ist. Naja, wenn's den anderen Zuschauern gefällt...

Man merkt ja schon, dass die Wise Guys lange im Geschäft sind. Die Lichttechnik ist mir diesmal (natürlich) besonders aufgefallen, die ist schon echt professionell. Bei der Songauswahl können sie auf ein großes Repertoire zurück greifen, was die Qualität der Show merklich steigert. Daran angelehnt gibt es 2011 eine Wunschtour, bei der von Fans gewählte Songs gespielt werden, Details dazu auf der Wise Guys-Website. Eines hat sich aber nicht geändert in den letzten Jahren und ich verstehe es immer noch nicht: Der Vorverkauf für die Konzerte am Jahresende startet wieder im Januar. Und das Konzert in Bochum (es gibt ab 2011 ein paar neue Orte, wo Konzerte gespielt werden, darunter Bochum, Aurich und Wetzlar) ist jetzt schon (nahezu) ausverkauft.

Dieses Jahr werde ich meine Serie brechen. Das Konzert beim Kirchentag wird reichen... wenn ich jetzt schon entscheiden muss, ob ich am Jahresende zu den Wise Guys möchte, ist die Antwort nein. Die Karten werden nicht billiger, die Bands, die ich sehen möchte, aber mehr. Und irgendwie bin ich ganz schön verwöhnt von den vielen unbestuhlten Rockkonzerten, da sehe ich mir auch die Wise Guys lieber Open Air mit 60.000+ Menschen an.

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1 Neuer Wise Guy: Clemens, eines der Gründungsmitglieder der Wise Guys, hat die Band aus privaten Gründen verlassen. Daher gab es vor inzwischen mehreren Jahren ein Casting, wer der Nachfolger wird. Das ist nun Nils.



Do you speak music? TEN SING Krefeld

Als …



Wer sich umdreht oder lacht... TEN SING Kürten

Bäm! Wen interessieren schon so kleine Konzerte wie Blood Red Shoes letztens. Man kann schließlich für 5€ eine fette Show von 80 TEN SINGern bekommen - und einer von 800 Zuschauern in einer umfunktionierten Turnhalle sein, die in einem Kaff steht, dessen Einwohnerzahl Wikipedia nicht kennt (nur die der großzügig zusammenfassenden Obergemeinde).

Ein paar der Kürtener (bergisches Land, nächste Großstadt: Leverkusen) kannte ich schon vom Kirchentag, wo wir uns abends bei einem der Großkonzerte getroffen hatten. Also, eigentlich waren die mir aufgefallen, wie größere Gruppen TEN SINGer eben auffallen, weil sie überdurchschnittlich viel Spaß haben und meistens relativ laut sind. :D Jedenfalls war abzusehen, dass die Show cool wird, und so bin ich mit Nina und Joni von TS Hagen da hin gefahren.

Was soll ich sagen, es war fett. Wir waren, trotz kleinem Ausflug zur Tanke, echt früh da, irgendwie ne dreiviertel Stunde vor Anfang oder so, was uns netterweise Plätze ganz vorne beschert hat. Da war noch nicht viel los... irgendwie haben wir uns dann die Zeit mit fotografieren, quatschen und über die merkwürdige Musik ablästern vertrieben und um 7 war's dann auch echt voll. Also, nicht so rockkonzertzusammenquetschmäßig voll, aber schon 80% Hallenauslastung.

Die Lieder-Setlist kriege ich nicht mehr zusammen (vielleicht kann mir da jemand helfen??), macht aber nix, denn bei dieser Show standen Lieder, Theater und Tanz viel mehr in Zusammenhang als ich es von anderen Shows gewohnt war. Müsste man mal nachfragen wie die das hinbekommen haben. Das Theaterstück hat das Thema vorgegeben: Wir schreiben das Jahr 2325, die Plumpssäcke haben die Weltherrschaft übernommen und alles fröhliche, farbige und Spaß machende verbannt. Es kursieren Legenden, im 21. Jahrhundert hätte es mal eine Gruppe fröhlicher Menschen gegeben, sogenannte TEN SINGer. Man arbeitet aber kontinuierlich daran, diese Absurditäten auszurotten. Spaß haben steht unter schweren Strafen. Doch da gibt es noch die rebellischen Bunten, die sich in geheimen Locations treffen, fette Partys feiern und Krawall und Remmidemmi veranstalten...

In der ersten Hälfte war eher wenig los. Wir hatten noch keine anderen TEN SINGer gefunden und die Stücke waren eher poppig als rockig, mal von Krawall und Remmidemmi abgesehen. An der Qualität der Performance hat das aber nix geändert. Eigentlich waren alle echt gut, die Band, der Chor, die Solisten, die Tänzer, die Schauspieler, die Techniker und die genialen auf und neben der Bühne versteckten Menschen die so Dinge wie Requisitenaufbau, Ablauf und Versorgung des Chors mit Wasser geregelt haben. (Wir brauchen sowas auch! Vor allem Wasser!)

In der Pause haben wir dann die anderen Gruppen gefunden (mindestens Köln und WeigleHaus [Essen] waren da), entsprechend war die Stimmung dann besser. :D In der zweiten Hälfte ging es dann für die Bunten an die Revolution. Es hieß Geschichte schreiben (Madsen), improvisieren (MacGyver!!) und schlussendlich die gefangene Geisel von den Plumpssäcken befreien und selbige stürzen. Hallelujah! (Dr. Alban)

Wir wollten aber noch nicht gehen. Nein Mann, es gab noch ne weitere Tanzperformance (3D Lasercraft) und zwei weitere Songs. Die Kürtener waren sichtlich happy und total fertig, für uns hieß es dann: Nein Mann, ich will noch nicht geh'n, ich will noch 'n bisschen abbau'n. :D

Nach der Show war dann reichlich Gelegenheit Leute zu suchen die man so kennt oder zumindest schonmal getroffen hat. Irgendwo war wohl auch eine Aftershowparty, von der wir aber nicht wirklich was mitbekommen haben und für die vermutlich eh nicht mehr wirklich Zeit mehr gewesen wäre. Also haben wir noch n bisschen abbauen geholfen und sind dann irgendwann zurück nach Hagen, bevor ich das Auto weg gebracht, Straßenbahn und Zug erwischt und mein Zuhause erreicht habe. Typischer Fall von müde und hungrig, aber glücklich. hahahah



Wieder zuhause - Neues Album & Konzert von Wir sind Helden

Nachdem ich im Forum und an anderen Stellen jede Menge Negatives abgelassen habe über die neueste Wir sind Helden-Tour, muss ich das doch mal ins korrekte Licht rücken. Es war nämlich keineswegs schlecht, das Helden-Konzert im E-Werk in Köln. Es war einfach nur sehr viel anders als gewohnt - und dass die Helden es noch drauf haben, haben sie beim Open Flair ja mehr als deutlich bewiesen.

Nach zweijähriger Tourpause und darin enthalten auch langer Studioabstinenz haben die Helden ihr viertes Album herausgebracht. Judith, die Sängerin, sagte mal, dass sie sich wünscht, dass es "das schöne Album" genannt wird - ich denke, es hat gute Chancen diesen Titel zu bekommen; "das laute Album" oder "das Party-Album" wird es jedenfalls sicherlich nicht. Sehr viele ruhige Titel sind darunter, selbst die abgedrehteren oder lauteren hauen lange nicht so auf den Putz wie "Denkmal" oder "Endlich ein Grund zur Panik". Dafür gibt es zum Beispiel die witzige Ballade von Wolfgang und Brigitte und den sich endlos steigernden Rocksong "Im Auge des Sturms". Einige neue Instrumente ersetzen den ein oder anderen Synthesizer-Klang, was auch live sehr zur Begeisterung des Publikums diente - nicht nur Judiths Ukulelen, derer sie offensichtlich einige verschleißt.

Das Konzert hatte also durch einen recht hohen Anteil an neuen Songs (8 von 22, davon 6 Zugaben) und auch den eher verhaltenen Opener eine ganz andere Atmosphäre, könnte ich jetzt behaupten. Mittlerweile denke ich aber schon fast, dass auch das Publikum daran beteiligt war, und zwar nicht unwesentlich. Bei mir in der Ecke war zum Glück noch einigermaßen was los, aber insgesamt hätte mehr Bewegung im Publikum sein können - schließlich gab es ja noch die 14 anderen Songs, unter denen z.B. auch Denkmal, Von hier an blind und Nur ein Wort waren, die ja nun zu den bekanntesten Titeln zählen dürften.

Nebenbei: Wo sind die Feuerzeuge abgeblieben?! Als Nichtraucher hatte ich früher nie eins dabei, nun habe ich extra eins eingesteckt und was war - als ich es am Ende zu den Balladen rausholte war ich einer von drei im vorderen Drittel. Pff.

Okay, ich verfalle wieder ins Motzen, aber ich sagte ja, dass es kein schlechtes Konzert war. Es war anders - vielleicht unnötigerweise, aber wie dem auch sei, es hat trotzdem Spaß gemacht. Die Qualität der Lieder leidet ja nicht, wenn die Band keine schlechte Performance hinlegt - und das war nun wirklich nicht der Fall. Ich bin immer noch begeistert, welche genialen Texte wieder dabei sind. "Alles" kann ich sehr empfehlen vom neuesten Album "Bring mich nach Hause", mein Liebling ist das bereits genannte "Im Auge des Sturms", bei dem ich mich wahnsinnig gefreut habe als es live gespielt wurde, ebenso wie über "23:55 - Alles auf Anfang", das einfach Spaß macht. Die gesamte Setlist ist im Helden-Forum, falls sich da jemand für interessiert.

Erwähnenswert ist eine Aktion aus dem Schlussteil des Hauptteils... Judith meinte irgendwann etwas in der Art wie so, jetzt kommen dann die B-Seiten und spielte ein mir völlig unbekanntes, aber sehr cooles Lied. Irgendwo vorne feierte die Ur-Helden-Fan-Forum-Fraktion wie blöde - es war Streichelzoo, ein uralter Song aus der Zeit vor dem ersten Album (Zitat Judith: "Was hat sich diese junge Band damals bloß dabei gedacht?"). Publikum verwirrt, sehr gut - als nächstes gab's dann "Guten Tag". :D

Übrigens hatten die Helden auch diesmal wie beim Open Flair eher wenig ausgefallene, dafür aber sehr effektvoll eingesetzte Lichttechnik dabei, die in Kombination mit der Bühnendeko alles wunderbar in Szene gesetzt hat. Man schaue sich dazu Videos bei Youtube an, ich fand's ziemlich toll.

Toll war auch, dass zwischen der Vorband (die ich bisher nicht erwähnte, weil ich mich nicht wirklich daran erinnere, war jetzt nicht so spannend) und den Helden selbst keine wahnsinnig große Umbaupause entstand, weil vieles schon aufgebaut und abgedeckt bzw. der hintere Bühnenbereich abgeteilt war. Sehr gut.

Das Drumherum wird vermutlich inzwischen langweilig... vor dem Konzert traf ich angenehmerweise ein paar Leute an der Bushaltestelle; zusammen haben wir das E-Werk dann sogar gefunden. Nach dem Konzert traf ich zwei die ich schon kannte und wurde sogar netterweise zum Bahnhof gefahren (Deutz - weil das Navi den Bahnhof Mülheim ums Verrecken nicht finden wollte Oo ). Leider hatte der Zug dann eine Stunde Verspätung und ich fuhr einen Umweg, der mich etwas schneller als Ziel brachte. Von Halloween habe ich nicht viel mitbekommen, ein paar Leute waren kostümiert, ein paar mehr angetrunken und zweimal hieß es "Notarzteinsatz". Mein zweiter Zug endete unplanmäßig an dem Bahnhof wo ich raus musste... am Ende war ich dann irgendwann heil zuhause und total müde. Gelohnt hat es sich trotzdem - das Konzert war Geld und Aufwand wert. Nur noch zwei weitere Male auf Konzerte dieser Tour gehen werde ich wohl nicht.