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Tento text je čitelný v angličtině níže. This text is available in English below. :-)

Jedes Jahr vor den Sommerferien machen Dutzende TEN SING-Gruppen in Deutschland den großen Wochenendfestivals Konkurrenz, denn für viele endet dann das TEN SING-Jahr und die große Abschlussshow steht an. Für die einzelne Gruppe nur der Höhepunkt des Jahres, für alle anderen aber die Möglichkeit, neue und alte Freunde wieder zu sehen und noch mehr Menschen kennen zu lernen. Um die Vorfreude schonmal anzukurbeln, gibt es in Sachsen die Konzertnacht - ein Abend voller kurzer TEN SING-Auftritte mit Auszügen aus dem aktuellen Programm der Gruppen. Dieses Jahr fand die KonzertN8 in Annaberg statt - sieben sächsische und eine tschechische Gruppe präsentierten sich live, einige weitere reisten als Zuschauer an und auch Gäste aus Thüringen und Baden-Württemberg waren vor Ort.

Als Location stand uns das alte Stadtbad zur Verfügung, vom unteren Bahnhof zu Fuß zu erreichen, mit ausreichend Platz für eine große Bühne, alle Teilnehmer und Zuschauer und einer guten Akustik. Umkleidekabinen und Wasserstandsmarken erinnerten daran, dass der Bühnenbereich früher unter Wasser stand. Eine alte Leiter im Becken diente als Bühnenaufgang. Ein ungewöhnlicher Ort für einen ungewöhnlichen Konzertabend.

Während die meisten Gruppen Auszüge ihrer kommenden Show präsentierten, fiel Dresden als einzige aus dem Rahmen, da deren Show leider bereits vorbei ist. "Aus dem Rahmen fallen" ist bei TEN SING aber sehr relativ - so schaffte es Gastgeber Annaberg erst kurz vor der Konzertnacht, überhaupt genug Teilnehmer für eine Show anzuwerben, und auch die Auftritte unterschieden sich teilweise sehr. Es gab Lieder, die nur aus Chor bestanden, und Lieder, die auf Chor verzichteten. Balladen, Pop- und Rockmusik und HipHop waren vertreten. Auerbach präsentierte sich mit einem Video, Radeberg reiste ohne Schlagzeuger an und bekam bei "Seven Nation Army" spontan Unterstützung aus anderen Gruppen.

Besonderer Gast des Abends war eine eigens für die Konzertnacht gegründete Gruppe tschechischer TEN SINGer. Große Entfernungen (einige Teilnehmer kommen aus dem Osten Tschechiens) und Sprachbarrieren waren kein Hindernis - Moderationen und Andacht wurden auf tschechisch übersetzt. So kam es teilweise zu witzigen Szenen, wie beim Ende der Konzertnacht - großes "Ooooooh!" nach der Ankündigung, dass es vorbei ist, dann Übersetzung, großes "Ooooooh!" aus den Reihen der Tschechen - wobei in den meisten Fällen wohl vorher schon erahnt wurde, worum es geht... Darüber hinaus zeigte der Gastauftritt aber auch, dass alle TEN SINGer eine Einstellung teilen - es mag Unterschiede geben in der Art der Musik und der Proben, in der Zusammensetzung der Workshops, aber allen gemeinsam ist der Spaß an der Musik, die Lebensfreude und das Interesse am kulturellen Austausch mit anderen Jugendlichen. So wurde drei Stunden lang gemeinsam gefeiert - denn egal wie groß die Gruppe auf der Bühne gerade war oder welche Musikrichtung präsentiert wurde, gute Stimmung gab es allemal.

Wer wollte, konnte nach dem Konzertprogramm noch bei der Aftershowparty tanzen oder endlich wieder mit viel zu lange nicht gesehenen Leuten quatschen. Für die Übernachtungsgäste ging es anschließend einen kurzen Fußmarsch entfernt ins Pfarrhaus - wir hoffen, der dort wohnende Kirchenvorstand konnte trotz nächtlicher Gespräche und auf dem Kopfsteinpflaster trommelnder Rollkoffer schlafen. Beim Frühstück war das Schwimmbad schon wieder fast leer - danke an alle, die sich für den Abbau die Nacht um die Ohren geschlagen haben. Ich bin nun jedenfalls froh, dass Sachsen so ein kleines Bundesland ist, denn so sind die meisten Gruppen von überall gut erreichbar und uns steht eine großartige Konzertsaison bevor!

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Every year before the summer holidays dozens of TEN SING groups in Germany challenge the big weekend festivals - for most groups the TEN SING year ends and it is time for the final show. For a single group it is only the year's highlight but for all the others it is a possibility to meet old and new friends and make some new. To let anticipation grow, in Saxony we have concert night: an evening full of short TEN SING concerts presenting parts of the upcoming shows. This year concert night took place in Annaberg, seven German and one Czech group played, several more arrived as guests.

The old swimming pool served as location, offering much space for a big stage, all the participants and visitors, and a good sound. Changing rooms and water level marks reminded of the water that once allowed people to swim where our stage was build now. An unusual place for an unusual evening.

While most groups presented parts of their upcoming shows, Dresden made an exception as their show was already over. But exceptions are the rule for TEN SING. Host Annaberg just recently gathered enough participants to perform at all. Also the shows were very different. We had silent and loud music, Pop, Rock and Hip Hop, songs consisting of only choir and songs using no choir at all. Auerbach showed a self-presentation in a video, Radeberg had no drummer and was spontaneously supported by other groups.

The evening's special guest was a group consisting of TEN SINGers from Czech Republic. Long distances (some of them arrived from the East of the Czech Republic) and language differences were no actual barriers - moderation and devotion were translated to Czech. So sometimes we had a big "Oooooh!" when the speaker announced concert night was now over and then we had translation and another "Oooooh!" - but we guess in most cases it was propably already clear what the speaker said before the translation.

The guest appearance also showed that TEN SINGers share an attitude. Groups may differ in type of music, rehearsal structure, group size and age and workshops, but they all love and live for music and share love of life. So for three hours we partied together - no matter what size the group on stage or what kind of music was presented, there was always a great atmosphere.

Those who wanted to could dance and meet friends at the following after-show party. Overnight guests were afterwards accommodated in the nearby church house - we hope the church administration was able to sleep despite the nightly talks and the rolling suitcases on the cobblestone pavement. At breakfast the stage was already removed from the swimming pool - thanks to the technicians working all night. I am now very glad Saxony is quite small and most groups are easily reachable - we are heading towards a great concert season!

Nicht ganz unverschuldet bin ich von Sumi mit einem 90er-Stöckchen beworfen worden. Es geht darum einige Erinnerungen an die 90er auszugraben - das betrifft bei mir ziemlich genau die Zeit von meiner Geburt bis zum Wechsel auf's Gymnasium. Ich bin mir nicht sicher, wie präzise die folgenden Angaben wirklich in diese Zeit fallen oder nicht schon später waren - aber auf jeden Fall war es witzig, mal wieder daran zurück zu denken. hahahah

Liebster Disneyfilm?

War ja klar dass es gleich mit etwas losgeht, was ich gar nicht so genau beantworten kann. Ich bin absolut kein Filmmensch und war es glaube ich auch noch nie. Ich erinnere mich noch an Fantasia, aber den hab ich erst 2001 im Musikunterricht gesehen. Gesehen habe ich bestimmt ein paar Filme, die damals aktuell waren, aber bleibenden Eindruck hinterlassen hat eigentlich keiner.

Liebste/r Musiker/in/Band?

Bei Musik ist das natürlich ganz anders. Die erste CD, die ich von eigenem Geld kaufte, war die Single Narcotic, der einzige wirkliche Erfolg von Liquido, die übrigens eine deutsche Band waren und auch noch ein paar andere brauchbare Songs geschrieben haben (und deren Mitgründer Tim Eiermann nun bei Deine Jugend spielt, die man sich auch gut anhören kann).

Der Song hat mich von da an mein Leben lang begleitet. Ich feierte ihn auf meiner ersten Party (und allen folgenden), es war eines der ersten Stücke, die ich am Schlagzeug lernte, und inzwischen kann ich jeden Part des Liedes übernehmen - alle vier Instrumente und auch solo sang ich es nun zweimal vor Publikum.

Liebste Süßigkeit?

Und damit kommen wir zu dem, was meine Kindheit lange dominiert hat: Pokémon! Aus gesundheitlichen Gründen war ich nie der große Süßkramesser, aber ich erinnere mich noch an diese Pokémon-Kaugummis... es gab einfach alles von Pokémon.

Pokemon-Kampf auf dem Gameboy

Liebstes Spiel?

Vor allem natürlich die Karten. Aktenordnerweise hab ich die gehabt (okay, ich habe sie immer noch). Keine Ahnung, ob das nun schon in den 90ern oder kurz danach war, jedenfalls nahm ich auch an Wettkämpfen teil. Ich übertreibe gerne mal etwas...

Videospiele waren damals jedenfalls noch gar nicht so das Thema. Zwar zockte ich Tomb Raider lange bevor ich die Altersgrenze erreichte, aber noch nicht zur Grundschulzeit. Auch bei anderen Playstation-Spielen bin ich mir nicht sicher, wann das anfing. Eines der ersten Spiele, die ich suchtete, war jedenfalls Crash Bandicoot. Fantastische Serie. Müsste ich eigentlich mal wieder auskramen...

Liebstes McDonald’s Juniortütenspielzeug? (Jaja, damals hieß das hierzulande noch nicht Happy Meal! :D )

Oha. Meine Erziehung war immer sehr Fastfood-feindlich, aber ich erinnere mich daran, dass die Schlümpfe immer attraktiv waren, weil die Beigaben in den Juniortüten im Vergleich zu den irrsinnig teuren im Laden zu erwerbenden Figuren, Häusern und anderem Zubehör recht großzügig ausfielen.

Liebstes Buch?

Oooh, Bücher. Ich weiß noch, wie ich die Bibliotheksangestellten verwirrte, weil ich darüber enttäuscht war, dass man nur 40 Medien gleichzeitig entleihen durfte. Ich verschlang Bücher wie das Krümelmonster Kekse. Highlights waren auf jeden Fall alle Netsurfer-Bücher und später Level 4: Die Stadt der Kinder und die Mystery Park-Serie. Fantastische Geschichten. hahahah

Liebstes Klamottengeschäft?

Das ist etwas, was sich bis heute gehalten hat: Kleidung ist mir ausgesprochen egal.

Liebste Zeichentricksendung?

Erwähnte ich, dass ich Pokémon suchtete? ;) Dabei gehöre ich auch zu der Fraktion, die nie etwas anderes toleriert hat. Digimon, Dragon Ball, Naruto und was es nicht alles gab - keine Chance.

Was hast du nach der Schule im Fernsehen angeschaut?

Da die ganzen Animes zu schülerfreundlichen Zeiten liefen, entsprechend: siehe oben. :D

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. Der gestrige Artikel hat hoffentlich einen verständlichen Überblick darüber verschafft, was TEN SING ist und was man dort macht. Heute geht es darum, was TEN SING unabhängig von den Ortsgruppen ist.

Obwohl es sich bei TEN SING um ein internationales Konzept handelt und gerade in Deutschland sehr viele Gruppen anzutreffen sind, passiert es häufig, dass man von TEN SING erzählen möchte und erstmal seltsam angeschaut wird, weil der Name kaum jemandem geläufig ist. Im CVJM, dem Christlichen Verein Junger Menschen (auch YMCA - Young Men's Christian Association) ist TEN SING der größte Bestandteil der Jugendarbeit, aber auch der CVJM ist ja nicht unbedingt in der Öffentlichkeit präsent. Das liegt zum einen daran, dass nur wenige öffentliche Aktionen stattfinden - wäre ja auch übertrieben, über die alltäglichen Treffen jeder Jugendgruppe zu berichten. Zum Anderen finden solche Aktionen dann nahezu immer auf lokaler Ebene statt - und in den Lokalteilen der örtlichen Presse finden sich durchaus Berichte über Auftritte von TEN SING-Gruppen. Aber die echten Lokalzeitungen sterben immer mehr aus und wenn, werden sie kaum gelesen.

Dazu kommt, dass die Teilnehmer von TEN SING ebenfalls überwiegend nicht durch allgemeine Öffentlichkeitsarbeit geworben werden, sondern durch gezielte Aktionen. Dazu gehören Auftritte an Schulen und Werbeaktionen im Konfirmationsunterricht in den Gemeinden rund um die von der Gruppe genutzten Räumlichkeiten. Auch über den CVJM direkt kommen teilweise neue Teilnehmer dazu, denn in den anderen CVJM-Gruppen ist TEN SING durchaus bekannt. Darüber hinaus sind die Kirchentage wohl die öffentlichkeitswirksamsten Veranstaltungen, weil vor allem an den Kirchentagen im Norden und Westen Deutschlands viele TEN SING-Gruppen teilnehmen - aber Kirchentag ist ja leider nur alle zwei Jahre.

Jedes Jahr finden hingegen die vom CVJM angebotenen Seminare für TEN SINGer statt. Da gibt es jedes Jahr um Ostern das deutschlandweite Dassel-Seminar, bei dem 180 Teilnehmer zusammen kommen, und die regionalen Seminare, die in den CVJM-Regionen organisiert sind (Westbund NRW/Hessen, Norddeutschland, Ostwerk und viele der südlichen und mitteldeutschen Bundesländer). Und zusätzlich zu diesen eher kompetenzorientierten, jeweils einwöchigen Seminaren gibt es Veranstaltungen wie das Inside-Meeting in Wuppertal, das 48 Stunden dauert und quasi ein Mini-Spaß-Seminar ist, oder das Hessenprojekt, bei dem eine Show erarbeitet wird, mit der die Projektgruppe dann durch Deutschland tourt.

Nachdem ich das erste Mal auf einem der großen Seminare war, war ich so begeistert wie noch nie in meinem Leben. Ich beschrieb es damals als "eine Woche mit 180 tollen, hochmotivierten Menschen verbringen und die ganze Zeit genau das tun, was einem Spaß macht". Diese Aussage repräsentiert den Kern der Seminare recht gut - es gibt die Workshops, in denen man gleichzeitig Spaß haben und seine Fähigkeiten ausbauen kann, es gibt verschiedenste Aktionen, um sich in großen und kleinen Gruppen kennen zu lernen, von gemeinsamen Spielen über gemütliche Abende mit Akustikgitarre und Feedbackrunden bis hin zum Essen, es gibt entspannte geistliche Einheiten, um sich mit dem Glauben und dem eigenen Leben auseinander zu setzen und natürlich gibt es den Chor, der schon wegen der Masse von fast 200 Menschen beeindruckt, aber auch dadurch, dass innerhalb weniger Proben vier bis sechs Stücke erfolgreich einstudiert werden. Die Woche endet dann mit einer abendfüllenden Show, die in der einen Woche von den Teilnehmern aus dem Boden gestampft wurde, und das teilweise in Bereichen, in denen die jeweiligen TSer bisher noch keine Erfahrungen hatten.

An diesen Seminaren kann natürlich immer nur ein ausgewählter Kreis teilnehmen. Manche können aus zeitlichen oder beruflichen Gründen nicht, andere müssen rausgelost werden, weil nicht genug Plätze verfügbar sind. Einen kleinen Trost bietet dann immer die Gelegenheit, als Zuschauer an der Abschlussshow teilzunehmen - eine Gelegenheit, die gerne genutzt wird, so dass diese Konzerte immer gut besucht sind. Überhaupt ist es äußerst üblich, die Auftritte anderer TEN SING-Gruppen zu besuchen, denn dafür lohnt es sich, auch mal etwas weitere Strecken zu fahren, trifft man dort doch immer viele TEN SINGer, die man zuvor z.B. bei Seminaren kennen gelernt hat. Außerdem bieten TEN SING-Konzerte abendfüllende Unterhaltung unter Gleichgesinnten für kleines Geld (teilweise dank Sponsoren sogar komplett gratis).

Auch wenn einzelne durchaus mal alleine zu Konzerten reisen, sind doch meist noch andere Teilnehmer der eigenen Gruppe dabei, so dass Konzertbesuche, die damit verbundenen Zugfahrten und eventuelle Übernachtungen nach der Show auch Gelegenheit bieten, mit der eigenen Gruppe mehr Zeit zu verbringen. Am Schönsten ist es immer dann, wenn man schon unterwegs andere anreisende Gruppen trifft und so zum Beispiel einen normalen Linienverkehrsbus stürmt und feststellt, dass der volle Bus gerade quasi nur mit TEN SINGern gefüllt ist, die alle zur Show einer befreundeten Gruppe wollen. Und manchmal wird sogar ein eigener Bus angemietet, um mit der gesamten Gruppe in ein anderes Bundesland zu reisen und dort die Show einer anderen Gruppe zu besuchen.

TEN SING ist also viel mehr als nur wöchentliche Treffen und ein Auftritt für die Eltern. TEN SING ist vor allem Gemeinschaft. Und ohne die vielen Aktionen, die in der Region oder auf nationaler Ebene (oder sogar auf internationaler, dazu später) stattfinden, wäre es nicht halb so toll.

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Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. TEN SING bleibt dabei aber eins dieser Dinge, die man schlecht erklären, aber gut zeigen kann - wenn du also ungefähr zwischen 13 und 19 bist und in deiner Nähe eine TEN SING-Gruppe ist, geh doch einfach mal hin! - Heute geht es zunächst einmal darum, was TEN SING ganz grundlegend ist.

tensingartikel1a_small.jpgAls ich 2009 in Bremen beim Kirchentag war, lief ich an einem der ersten Tage durch die Bremer Innenstadt und begegnete dabei einer Menschenansammlung, die sich um eine Gruppe Jugendlicher versammelt hatte. Die Gruppe sang als Chor bekannte Popsongs, teilweise begleitet von Akustikgitarre und Cajon. Sie waren echt ziemlich gut - aber das beeindruckendste daran war, wie sehr man an ihnen angesehen hat, dass sie alle einen riesigen Spaß daran hatten, mitten in der Stadt auf der Straße zu stehen und zu singen.

Diese Gruppe war ein sogenanntes Streetteam von TEN SING, eine für den Kirchentag zusammengestellte Gruppe, die über das Kirchentagsgelände verteilt immer wieder spontane Open Air-Auftritte ohne Bühne präsentiert. Außer diesen Streetteams gibt es TEN SINGer auch - und vor allem - in örtlich organisierten Gruppen unterschiedlicher Größe, grob gesagt zwischen 8 und 80 Leute. Etwa 150 dieser Gruppen gibt es in Deutschland, zahlreiche weitere im Rest von Europa, vor allem in Norwegen, wo das Projekt ursprünglich entstanden ist, und vereinzelt auch außerhalb von Europa.

So eine Gruppe bildet dann als erstes einen Chor. Die Leitung wird dabei häufig von Teilnehmern der Gruppe übernommen, teilweise auch von CVJM-Mitarbeitern. Der Anspruch ist niedrig - Spaß, Motivation und Talentförderung stehen im Vordergrund. Damit kommt dann auch der zweite Bestandteil von TEN SING zum Tragen - die Workshops. Während der Chor die gesamte Gruppe einschließt, bilden sich zusätzlich separate Workshops, die sich an den Talenten der Gruppenteilnehmer orientieren.

In Deutschland gehören zu einer TEN SING-Gruppe immer eine Band und ein Theater-Workshop, meistens auch noch ein Tanz-Workshop. Je nach Gruppengröße gibt es darüber hinaus weitere Workshops oder Teams, etwa für PR & Design (Plakate, Flyer, Website...), Technik oder Organisatorisches. Zusammen mit dem Chor entsteht daraus in etwa einem Jahr eine abendfüllende Show - ohne professionelle Hilfe, denn alle Workshops und Teams werden von Teilnehmern der Gruppe geleitet. Eine erwachsene Leitung gibt es, wenn überhaupt, nur für die Kooperation mit dem örtlichen CVJM und die Finanzen. Oft wird diese Aufgabe aber auch von älteren TEN SINGern übernommen, die nicht mehr aktiv als Teilnehmer einer Gruppe dabei sind.

Ohne Frage finden sich viele Talente bei TEN SING. Manche Bands wären ohne dieses Angebot nicht entstanden, möglicherweise hätten die jeweiligen Musiker sogar nie eine musikalische Laufbahn eingeschlagen. Dazu gehören auch Silbermond, die sich bei TEN SING kennen lernten, und Musiker von Reamonn und a-Ha, die ihre musikalischen Kenntnisse dort erwarben. Trotzdem sind die Proben während der Gruppentreffen natürlich sehr wenig. Daher bietet der CVJM zweimal im Jahr ein einwöchiges Seminar an, auf dem alle bereits genannten und noch einige weitere Workshops angeboten werden, um Teilnehmer richtig fit zu machen auf dem Gebiet, das ihnen am meisten Spaß macht. Dazu gibt es weitere regionale und überregionale Aktionen, bei denen der Spaß und der Kontakt zu anderen TEN SINGern im Vordergrund stehen.

Denn das ist ein weiterer Aspekt, der TEN SING zu etwas Besonderem macht: Der rege Kontakt und Austausch zwischen den Ortsgruppen. Zwar ist jede Gruppe individuell, aber ebenso ist jeder TEN SINGer individuell und letztlich hängt die Wahl der Gruppe vor allem daran, wo man wohnt, denn als TEN SINGer ist man bei jeder Gruppe willkommen. Und damit bewegen wir uns langsam in das Gebiet, was TEN SING so besonders macht und mich so begeistert.

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Eigentlich wollte ich mir ja bloß noch die letzten paar Lieder von Chris Brown ansehen, schließlich ist es immer schön zu sehen, wie sich die aufgebaute Technik im Einsatz macht, selbst wenn man die Musik nicht mag. So kam ich also um 21 Uhr an (um 20 Uhr war planmäßig Anfang, um 18:30 Einlass und seit morgens um 8 standen draußen Groupies vor der Tür) und was war? Es lief Musik, die Halle dunkel, die Zuschauer mäßig schlecht gelaunt, der Star des Abends gab sich noch nicht die Ehre.

Etwa eine Viertelstunde später machte ich dann erstmal meinen Gehörschutz rein, denn das Introvideo startete und als dort Chris Brown erschien, rasteten die überwiegend weiblichen, minderjährigen Fans schon extrem aus. Ganz zu schweigen von dem Lärm, der ihm entgegen schlug, als er aus dem Boden seines Azteken-Raumschiffes emporfuhr. Diesem seltsamen Konstrukt kann auch die Laserbeleuchtung keine Schönheit einhauchen und da auch die Tänzer eher posen als tanzen, macht der gestochen scharfe riesige LED-Screen noch den besten Eindruck. Die Fans übrigens eingeschlossen, denn die feiern nicht, sondern filmen lieber. Eine dermaßen große Ansammlung Foto- und Videokameras habe ich bei einem Konzert noch nie zuvor gesehen.

Nach zwei Songs lässt sich Mr. Achsosexy dann mal zu ein paar Worten herab und Überraschung, auf einmal klingt seine Stimme ganz brüchig. Mehr als drei hingerotzte Fetzen Stimmungsabfrage gibt es aber nicht und danach auch nur noch einen weiteren Song - dann zieht er sich wieder zurück und "DJ Babey Drew", pompös über den LED-Screen angekündigt, aber für den Zuschauer unsichtbar, mixt in wenigen Minuten bei dunkler Bühne alles zusammen, was man 2012 in einer Disco braucht.

Die ohnehin schon nur von schwärmenden Teenies geprägte Stimmung in der Halle stirbt damit dann auch so langsam vor sich hin, die Tänzer, die nach dem DJ-Set als erstes wieder auf die Bühne treten, werden kaum noch bejubelt, nur für Chris ist noch etwas Gekreische übrig, als er noch einmal auf seiner Plattform aus der Bühne emporfährt. Die ganze Show ist unglaublich protzig, aber einfach nicht gut - niemand weiß, was das Bühnenbild eigentlich darstellen soll, die Tänzer sind keine Gruppe, sondern ein Haufen sich merkwürdig verrenkende und posende Individuen. Und was Chris Brown selbst angeht - der ist nur deshalb der Hauptbestandteil der Show, weil ihn alle so anhimmeln. Eine Band gibt es nicht, daher kommt der Großteil der Musik und auch der Großteil der Backing Vocals vom Band und ich als ungeschulter Nichtfan erkenne ihn teilweise gar nicht zwischen den pulsierend leuchtenden Anzügen der Tänzer.

Im weiteren Verlauf kommt der DJ nochmal für einige Minuten zum Zuge und legt unter anderem Gangnam Style auf. Als danach "Yeah 3x" kommt, fangen auch tatsächlich ein paar Leute an zu tanzen - am Rand des längst nicht vollen Innenraums, die in der Mitte filmen weiterhin. Nach Don't Wake Me Up scheint dann das Ende der Show erreicht zu sein, es wird stiller, dann Stimmen aus dem Off, eine Diskussion etwas zu tun, ein Video, wie sich Chris Brown einen Joint anzündet, was er dann in dramatischem Licht in Szene gesetzt auf der Spitze seines Bühnenpalastes auch tut. Gekreische (Mr. Sexy ist wieder da!) mischt sich mit Verwirrung (was sollte das denn jetzt?). Ein Song - Ende. Bühne dunkel, Saallicht an, ganz klare Botschaft: Keine Zugaben.

Die Karten für dieses Konzert haben zwischen 40 und 80 Euro gekostet - mir wäre es keinen Cent wert gewesen. 7 Stunden Aufbau und 4 Stunden Abbau für 2,5 Stunden Warten und eine Stunde lächerliche Show - manchmal steht der technische Aufwand in keinem guten Verhältnis zu dem, was damit dann geboten wird. Bleibt die Spekulation, ob unter den kreischenden Teenies auch Rihanna war, und wieviele Personen während dem Konzert ohnmächtig geworden sind oder Gehörschäden davon trugen...


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