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sonnenuntergang_3freunde.jpgModerne Medien sind inzwischen gar nicht mehr so modern und verändern den Alltag nicht nur von jungen Menschen, sondern zunehmend auch den der älteren Generation. Vor allem die erweiterten Möglichkeiten der Kommunikation sind durch günstige DSL-Flatrates und bezahlbare Tarife für mobiles Internet bei nahezu jedem angekommen.

Das ist zunächst einmal eine wunderbare Sache. Ich lerne viele Menschen kennen und habe inzwischen Kontakte, die mir wichtig sind, in Ungarn, Tschechien, Schweden, England, Island und den USA. Könnte ich diese Menschen nur per Post oder Telefonferngespräch erreichen, wäre es sehr kostspielig, den Kontakt zu halten. Mit E-Mails ist schon vieles einfacher, aber dank Facebook und WhatsApp bekomme ich sehr schnell sehr viel aus dem Leben meiner Freunde mit und kann sie noch schneller erreichen, auch wenn ich unterwegs bin - und unterwegs habe ich tendenziell am meisten Zeit dafür.

Einige Aspekte sind allerdings sehr nervig. So ermöglichen die großen sozialen Netzwerke nicht nur den Spionagebehörden, sondern auch den Nutzern allerlei Kontrolle. Ich weiß stets, wer meine Facebook-Nachrichten wann gelesen hat (außer wenn die Funktion mal wieder nicht korrekt funktioniert, was ich aber dann nicht weiß). Auch meine Freunde sehen immer, wann ich ihre Nachrichten gelesen habe und wieviel später ich dann geantwortet habe. Letzteres lässt sich bei WhatsApp abschalten, man verzichtet dann aber auch automatisch auf die entsprechende Information über die Gegenseite. Nicht wenige mit angekratztem Ego oder wenig Vertrauen werden da paranoid und machen sich schnell Gedanken, wieso denn nun gerade mal keine Antwort kommt. Das ist schade, denn meistens gibt es gar keinen relevanten Grund.

Außerdem ist es auch absolut ok, mal ein paar Tage Schweigen stehen zu lassen. Online-Kommunikation ist immer kontinuierlich, es gibt kein Ende, Begrüßung und Verabschiedung werden nur noch selten verwendet. Da wirkt es merkwürdig, nicht zu kommunizieren - aber im Offline-Leben wäre das völlig normal. Nicht ok ist es hingegen, nur sehr unregelmäßig überhaupt zu antworten und immer darauf zu warten, dass sich der Gesprächspartner wieder meldet. Das ist wie angerufen werden, aber oft nicht dran gehen und nie zurück rufen - einfach unhöflich.

Manchmal ist auch einfach alles gesagt. Die schönste Form der Kommunikation ist immer noch das persönliche Treffen. Und manchmal gibt es diesen Moment, in dem man einfach nur noch da sitzt und schweigt und alles ist gut. Dann kann Stille sogar sehr schön sein. Voraussetzung ist, keiner der Anwesenden leidet unter dem Phänomen des "Ruhe nicht ertragen können" - denn ein stiller Moment der Freundschaft (oder auch einfach nur ein gutes persönliches Gespräch) wird durch das Zücken des Smartphones effektiv zerstört.

Am Besten gefällt mir digitale Kommunikation, wenn sie so genutzt wird wie "analoge", direkte Kommunikation. Wenn ich mit Freunden auf Facebook mal kurzen, schnellen Austausch habe und mal lange Nachrichten mit tiefgründigem Inhalt schreibe. Wenn Telefonieren immer noch eine Option ist und das Handy bei persönlichen Treffen stumm bleibt. Soziale Medien können Menschen näher zusammen bringen. Sorgt dafür, dass sie uns nicht weiter auseinander drängen.

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Foto von rabiem22 auf Flickr unter CC BY 2.0

blinkende_kommunikation.jpgEs gibt eine Menge Dinge, die mich kurzfristig aufregen können. Menschen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln die Türen verstopfen, indem sie einfach stehen bleiben, rücksichtslose Autofahrer, laute Nachbarn, ungünstig gelegene Univeranstaltungen oder verspätete Züge. Aber so richtig dauerhaft, regelmäßig und jedes Mal wieder ärgert mich eigentlich fast nichts. Bis auf eine Verhaltensweise, die bei fast allen Personengruppen zu beobachten ist, ganz gleich ob Freunde, Bekannte, Kommilitonen, Arbeitskollegen, Couchsurfer, Sachbearbeiter oder sogar Studienberater, die genau dafür zuständig sind: Immer wieder passiert es, dass ich auf Fragen keine Antwort erhalte, auf Mails keine Reaktion kommt oder schriftliche Gespräche kommentarlos abgebrochen und nicht wieder aufgegriffen werden.

Natürlich gibt es zahlreiche Erklärungen dafür. Veraltete Kontaktdaten oder technische Fehler, die verhindern, dass die Nachricht überhaupt erst zugestellt wird. Nachrichten können in der Masse untergehen - bei WhatsApp, SMS und Facebook im privaten Umfeld, aber auch E-Mail-Accounts von zahlreichen Firmenangestellten nicht unüblich. Unvorhergesehen Ereignisse oder dringende Termine, die einen Abbruch des Gesprächs erfordern. Aber die wenigsten Gründe, die mir einfallen, liefern eine brauchbare Rechtfertigung, vor allem dann nicht, wenn es wiederholt zu Funkstille kommt.

Keinerlei Verständnis habe ich beispielsweise für die beiden Studienberater, die ich in den vergangenen Semesterferien anschrieb, um mich über die von ihnen betreuten Studiengänge zu informieren. Bis heute keine Reaktion. Wenn es an der Masse der E-Mails hängt, liegt das an mangelhafter Selbstorganisation. Falsche Kontaktdaten auf Uniwebsites kommen sicher auch vor, sind aber einfach nicht vertretbar. Und als Studienberater sollte man zumindest irgendwie reagieren - auch wenn man mal nicht alle Fragen beantworten kann.

Für Ämter und Angestellte diverser Unternehmen verhält es sich ähnlich. Klar hat man ein enormes Mailaufkommen, wenn man im Kundenservice arbeitet, aber gerade dann sollte und muss man ein System finden, die Mailflut zu bewältigen oder zumindest im Auge zu behalten, was noch bearbeitet werden muss. Das ist aber noch gar nicht der ärgerlichste Beispiel.

Auch Menschen, mit denen ich im Alltag persönlichen Kontakt habe, sind teilweise erschreckend schlecht erreichbar. Daran, dass im Zeitalter von Facebook niemand mehr auf gewöhnliche E-Mails antwortet, habe ich mich ja gewöhnt. Dass SMS ignoriert oder vergessen werden, kann man vielleicht mit WhatsApp begründen - wo ich nicht angemeldet bin, was aber ja im Wesentlichen wie SMS funktioniert, weswegen es mir nicht logisch erscheint, letztere zu vernachlässigen. Ist es so schwer, wenn man seine Nachrichten jederzeit lesen kann, dann innerhalb von ein, zwei Tagen zumindest mal darauf zu reagieren?

Da mich das Thema wirklich beschäftigt, spreche ich immer wieder Personen darauf an. Verständnis ernte ich selten, dafür Aussagen wie "Ja, SMS / Mails lese / beantworte ich nie" oder "Manchmal bin ich einfach zu faul" oder "sorry, vergesse ich ständig". Was sagt denn das aus? Sind soziale Kontakte nicht mehr wichtig? Können wir die Menschen, mit denen wir uns abgeben, nach unserem bevorzugten Kommunikationsmedium aussuchen? Und ist es normal, dass Kommunikation nicht mehr aus Dialogen besteht, sondern aus dem Senden einzelner Nachrichten ins Irgendwo?

Die Hochzeit von ICQ und MSN ist noch gar nicht so lange her. Damals gab es im Chat zahlreiche Statuszustände, die auch rege genutzt wurden: Verfügbar, Abwesend, Lange Abwesend, Beschäftigt, Sehr beschäftigt (nicht stören). Heute funktioniert nicht mal der Onlinestatus bei Facebook noch ordentlich, man kann nicht davon ausgehen, dass eine Person tatsächlich anwesend ist. Dafür gibt es nun Hinweise, wenn Nachrichten gelesen wurden - was zu allerlei Ärgernissen führen kann, da niemand genau weiß, wann diese Hinweise erzeugt werden, ganz davon abgesehen dass sie anscheinend auch technisch unzuverlässig sind.

Unser moderner Alltag und unsere Lebensumstände erlauben es nicht mehr, dass wir uns für jedes Gespräch persönlich treffen; selbst Telefonate sind nicht immer möglich. Wir sollten mit digitaler schriftlicher Kommunikation also wieder sorgfältiger umgehen, auch wenn sie so einfach ist wie nie zuvor.

Möglicherweise werde ich alt. Diejenigen, die tatsächlich schon alt sind, schreiben meiner Generation gerne zu, wir seien die Generation Internet, die erste Generation, die mit dem Internet groß geworden ist. Aber was heißt das schon? Ich bin meinen Eltern in Sachen Technik zwar um Längen voraus, aber mit dem Internet aufgewachsen bin ich nicht.

Als ich das erste Mal von meiner Wohnung aus ins Internet ging, war ich 14. Ein Freund war gerade auf DSL umgestiegen und lieh mir sein Modem aus. Ich lernte web.de kennen und ICQ. Meine Erlebnisse im Internet waren allerdings anfangs sehr beschränkt - auf eine Stunde pro Woche. Die Erlaubnis, die gemeinschaftlich genutzte Playstation zu nutzen, bewegte sich in einem ähnlichen Rahmen (Fernseher oder PC in meinem Zimmer gab es nicht).

Eine der ersten Erfahrungen, an die ich mich erinnern kann, war, dass ich den PC zerlegt habe, mir fein säuberlich handschriftliche Notizen machte welches Kabel wo eingesteckt war und ihn hinterher wieder zusammen baute, ohne ihn dabei zu zerstören. Das war die Folge etlicher Hardware-Bücher, die ich aus der Bücherei angeschleppt hatte... einige Jahre später baute ich mit diesem fundierten Wissen meinen ersten eigenen PC (klappte auch schon beim zweiten Versuch).

Überhaupt, von wegen mit Technik aufwachsen. Noch im September 2007 wurde ich von einer Zeitung zu einem Interview eingeladen, in dem diskutiert wurde, ob man unbedingt ein Handy haben müsste. Ich war dabei der Vertreter der Position, dass man auch ganz gut ohne auskommt. Bis das Interview stattfand, hatte ich dann zwar doch selbst eins, aber bis heute nicht geändert hat sich, dass ich damit nur telefonieren und SMS verschicken kann (theoretisch auch Musik hören und fotografieren, aber beides dermaßen schlecht, dass es kaum erwähnenswert ist).

Jetzt erzähl' das heute mal einer einem typischen 14 Jahre alten Kind. Das hat dann schon sein zweites Smartphone (Vertrag möglicherweise von den Eltern finanziert), seit vier Jahren DSL und einen eigenen PC oder ein Notebook und natürlich einen Fernseher im eigenen Zimmer stehen, ausgestattet mit diversem Multimediakrempel. Dieses Kind wird in Sekunden alles mögliche per Internet mit seinem Smartphone angestellt haben, bevor ich überhaupt heraus gefunden habe, wie man den Browser startet. Durch das Dauer-Onlinesein ist natürlich auch Facebook immer auf dem Laufenden, ob der Unterricht gerade langweilig ist.

Wenn ich heute erzählen würde, wie mein Leben in dem Alter aussah, würde man mich fragen, ob meine Eltern internetfeindlich, altmodisch oder besonders streng waren. Möglicherweise waren sie etwas überdurchschnittlich restriktiv, aber ich würde nicht sagen, dass mir das irgendwie geschadet hat. Mal ganz abgesehen davon, dass PC-Technik und Internet "damals" einfach noch wesentlich teurer waren als heute, die paar Stunden Modem-Internet kosteten teilweise soviel wie heute eine Monatsgebühr für eine DSL-Flatrate.

Jeder kann mit dem besonders gut umgehen, mit dem er aufgewachsen ist. Mit Smartphones kann ich mich bis heute nicht anfreunden, dafür weiß ich, wie man Windows 95 repariert, falls es nicht bootet, und ich kann mit Disketten umgehen (und MS-DOS davon starten). Da sind unsere Eltern doch gar nicht anders. Mein Vater wirft bei neuestem Hightech mit Abkürzungen um sich und findet alles geil, ohne zu wissen, was es ist, aber dafür kriegt er den Videorekorder wieder hin, wenn der mal wieder die Kassette gefressen hat, während die 14jährigen von heute sich fragen würden, wieso die DVD rechteckig und so dick wie zwei DVD-Hüllen ist. Und noch eine Generation älter sind die Leute froh, wenn sie telefonieren können und vielleicht noch ein Handy bedienen, aber dafür ist mein Großonkel mit über 70 in der Lage, Stromleitungen in seinem Haus selbst zu verlegen.

Sollen doch alle diskutieren und streiten über Sinn und Unsinn moderner Technik und darüber, ob es klug ist, Kindern sowas in die Hand zu drücken, gerade dann, wenn man selbst nicht damit umgehen kann. Aber das mit der Generation Internet ist Schwachsinn und nichts weiter als die Feststellung, dass Menschen dann mit etwas besonders gut umgehen können, wenn sie es immer schon benutzen als wäre es das normalste der Welt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und Neues ist immer schwer zu begreifen und fremd, sei es Farbfernsehen, Digitalfotografie, Mobiltelefonie, Breitbandinternet oder mobiles Internet.

Eines dieser Projekte, die ich wirklich nicht ernst nehmen kann: De-Mail. E-Mails, über eine gesicherte Verbindung (nicht Ende-zu-Ende) verschlüsselt übertragen werden. Da stellen sich mir zwei grundlegende Fragen.

Was ist daran neu?

Anmeldeverfahren über gesicherte Verbindungen gibt es schon lange und verschlüsseln kann auch jeder. Jetzt ist es (vielleicht) ein bisschen bequemer geworden, kostet dafür aber teilweise Geld. Auch dieses Konzept ist nicht neu. Behördengänge und anderen wichtigen Kram online erledigen: Das ist keine Erfindung der De-Mail, sondern die lange überfällig Feststellung, dass auch die deutschen Behörden dieses "Internet" kennen lernen sollten. Rechnungen von Firmen werden schon lange online zugestellt, bei vielen Firmen automatisch oder auf Wunsch mit Signatur.

Was ist an der bisherigen E-Mail anders als an Papierpost?

Ganz im Ernst: Mein E-Mail-Postfach hat ein unglaublich sicheres Passwort, mein Briefkasten gar keins. Da ist 'ne Klappe dran, die kann man hochmachen und meine Post rausklauen. Das würde ich nichtmal merken. Geht sogar schon bevor der Postbote die Post aus dem Kasten holt. An meine Mailadresse kann man mir Spam schicken - per Post in den Briefkasten ist das sogar legal (nur nicht so umweltfreundlich). Und Phishing - schonmal jemanden beerdigt? Na? Gesehen, was da für Post kommt und wer plötzlich Geld will? Da ist die Erfolgschance ja sogar viel höher, denn die Aufklärungsrate für Online-Betrug ist hoch, aber was "schwarz auf weiß" kommt, gilt immer noch als seriös.

Und Verschlüsselung gegen Manipulation - was, nur weil die meisten Postbeamten vertrauenswürdig sind, ist das Papiermedium sicherer? Ich habe kürzlich ein amtliches Schreiben bekommen, indem mit Kuli korrigiert wurde, die Stadt muss wirklich arm sein, wenn sie das Dokument nichtmal neu ausdruckt, wenn es Fehler enthält. Das war von Hand verklebt, überhaupt kein Problem, das zu öffnen und zu manipulieren und wieder zu verschließen. Was, ich spinne, das macht doch keiner? Und, wurde schonmal eine deiner Mails manipuliert?

Ich sehe so schon keinen Bedarf für ein solches Produkt. Und dann kommt noch die Deutsche Post mit ihrem Konkurrenten E-Postbrief. Das sind E-Mails, die wie Briefe sind, nur teurer. Eine normale E-Mail (Maximalgröße 20MB) kostet soviel wie ein Standardbrief. Empfangsbestätigung (Einschreiben) kostet 1,60€ extra. Ein absolut irrsinniger Preis, wenn man die FAQ gelesen hat und daher weiß, dass diese Funktion nichts weiter bewirkt, als dass der Empfänger einen weiteren Klick ausführen muss, um die Nachricht zu lesen. Er bestätigt damit die Kenntnisnahme der Nachricht. Die Preise der De-Mail stehen leider immer noch nicht fest, aber der E-Postbrief ist schonmal keinen Cent billiger als die klassische Post.

Ehrlich gesagt fühle ich mich ziemlich verarscht von diesem Konzept. Bei der Telekom, die Anbieter der De-Mail ist, heißt es im Werbe-Flash: "Meine Freunde vertrauen mir per E-Mail. Warum meine Versicherung nicht?" Das ist genau die richtige Frage. Warum nicht? Beziehungsweise: Warum nicht alle? Meine Fotoversicherung zum Beispiel vertraut mir per Mail. Alle Dokumente habe ich online eingereicht. Die Versicherungspapiere habe ich allerdings trotzdem per Post erhalten. Aber wie eingangs erwähnt, sind andere Firmen da schon vollständig digital.

Die einzigen, die noch fehlen, sind die staatlichen Behörden. Und ganz im Ernst: Dass die immer am langsamsten sind und eine Extrawurst brauchen, ist auch nicht neu.

Vor etwa 2 Jahren machte ich mich daran, einen Artikel zu schreiben, indem ich beschrieb, was Twitter ist und warum ich es für nützlich halte. Ich wollte mich auf ein Jahrespraktikum bei einem christlichen Zeitschriftenverlag bewerben, dafür sollte man Artikel vorlegen, die man bereits geschrieben hatte. Der Twitter-Artikel sollte dafür dienen und entsprechend gut sein - veröffentlicht habe ich ihn nie, auf die Stelle habe ich mich letztlich nie beworben.

Seit dem Wochenende bin ich nicht mehr bei Twitter angemeldet. Mein Account ist nicht mehr zugänglich und meine Tweets erscheinen in keiner Timeline mehr. Ich war Twitter überdrüssig geworden. Ich folgte zwischendurch etwa 100 Leuten und las deren Nachrichten, verfolgte Freunde, Bekannte, Fremde, Nachrichtendienste und Politiker. Dann begann mich Twitter zu nerven, weil minütlich Dutzende Nachrichten eintrafen. Ich entfernte einen Großteil der Leute, so dass ich ihne Nachrichten nicht mehr bekam.

Der entstandene Zustand der Ruhe war so angenehm, dass ich die Liste, in der ich die Kontakte, denen ich ehemals folgte, löschte. Stattdessen folgte ich einigen ausgewählten Leuten, zu denen ich in irgendeiner Art eine Verbindung hatte. Aber irgendwann wurde das auch nervig und ohne Nachrichtendienste und Politiker war der Informationsnutzen gering. Obendrein hatte ich nie wirklich viele menschliche Follower (sprich Leute die meine Nachrichten lesen), so dass auch der Nutzen durch abfragbares Wissen der anderen gering war.

Klar, in den zwei Jahren war Twitter nicht vollkommen nutzlos. Insbesondere für kurze Kommunikation war es geeignet. Absprachen für Termine, kurze Wortwechsel zu irgendwas aktuellem, wie die Kommentare zu Statusmeldungen auf Facebook, nur in maximal 140 Zeichen pro Nachricht. Über einige interessante Menschen habe ich ein bisschen was erfahren in der Zeit. Ein- oder zweimal wurden ICQ-Nummern ausgetauscht, einmal half mir eine Userin bei einer Übersetzung.Aber irgendwie war ich hauptsächlich per Sofortupdate in 40 Leben eingebunden, und das nervte mit der Zeit, denn die vielen kleinen Details interessierten mich gar nicht.

Ich wollte nicht mehr jede kleine Meldung zu was auch immer bekommen. Nicht über Dinge, die Apple neu rausbringt, nicht über das Wetter in Städten, die zwischen 10 und 800 Kilometer weit entfernt sind. Wollte keine Nachrichten mehr lesen, die ich nicht verstehe, weil ich die betroffene Thematik nicht kenne, weil ich die Person, von der die Nachricht stammt, eigentlich kaum kenne. Ganz besonders nervig waren Massen an Meldungen von anderen Diensten, die über neue Blogposts, gehörte Songs oder den aktuellen Aufenthaltsort eines Users informierten.

Ich hatte es satt, jeden Tag 200 Meldungen zu bekommen, die ständig meine Aufmerksamkeit forderten, obwohl nur 20% davon interessant waren. Ich wollte keine Zeit mehr aufbringen für etwas, was viele Nerven erfordert und eine nicht unerhebliche Menge Zeit frisst, dafür aber wenig Unterhaltung, noch weniger Information und nicht viel mehr sozialen Kontakt bringt.

Viele Personen, denen ich folgte, bloggen, von anderen habe ich andere Kontaktdaten und manche kenne ich persönlich (vor allem die, die ich selber zu Twitter motivierte). Und bei den meisten steht es mir ja frei, ihre Tweets zu lesen, da sie ihr Profil öffentlich anzeigen lassen. In der Hinsicht also auch kein Verlust. So schmiss ich meinen Account hin, freute mich, dass der Username weiterhin gesperrt bleibt, und verbannte mein Twitter-Plugin aus meinem Browser.

Und seit ich nicht mehr dabei bin, merke ich erstmal, wie gut die Entscheidung war. Keine ständig steigende Zahl von ungelesenen Kurznachrichten mehr, die mich nervt. Auch kein Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich mir die aktuelle Zahl neuer Nachrichten nicht anzeigen lasse und sie nicht direkt lese. Dafür aber noch ein paar Reste von formulierten Gedanken, die ich twittern könnte, Dinge, die mir passieren oder in den Sinn kommen, die ich twittern würde - Twitter war schon so normal, dass ich in Gedanken schon mit allen geteilt hatte was gerade aktuell war. Dieses ständige daran-denken, was man mit anderen teilen könnte, nervt. Es verschwindet zum Glück langsam und irgendwie bin ich ziemlich froh darüber, denn am Anfang meiner Twitterzeit habe ich noch bei jedem Tweet darüber nachgedacht, ob ich das öffentlich machen möchte, später längst nicht mehr. Jetzt ist Schluss. Unwiderruflich, wie Twitter mich so schön belehrte.

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