Unser Busfahrer Klaus


Nun hat zwar Chris grad erst darüber gebloggt, dennoch möchte ich auch mal was zu Busfahrern loswerden. Könnte interessant werden - sein Erlebnis ist nämlich ein krasser Gegenpol zu dem, was ich hier erzählen möchte.

Busfahrer begleiten mich seit mindestens zehn Jahren, davor bin ich mir nicht sicher, weil ich da noch zu Fuß zur Grundschule gegangen bin. Aber spätestens seit danach fahre ich regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln und daher kommt es wohl auch, dass ich selbst beim Autofahren Positionen, Straßen und Entfernungen anhand von Haltestellen angebe und mich immer zurechtfinde, solange ich öffentliche Verkehrsmittel zur Hand habe (ansonsten bin ich aufgeschmissen). Der Bus war immer mein Liebling. Als Kind fand ich den warmen Motor hinten im Gelenkbus immer toll. Da hab ich dann auch immer meine Sporttasche drauf gestellt und vergessen... Straßenbahnen mag ich heute erst recht nicht mehr, siehe meine Einträge zur Variobahn.

In der Fahrschule hat man mir mehrfach eingetrichtert, ich solle in Situationen mit großen Fahrzeugen immer im Zweifel einfach stehen bleiben, weil Fahrer von LKW und Bussen das auch alleine hinkriegen z.B. um enge Kurven zu fahren. Das hat sich definitiv als richtig erwiesen. Mein krassestes Erlebnis in der Hinsicht war, als ich mal einen Bus (ohne Gelenk) gesehen habe, der sich in die Straße verfahren hat in der ich wohne.

Die Straßen verlaufen hier wie folgt: Von unserem Haus aus gesehen links kommt ein verkehrsberuhigter Bereich. Dieser endet ca gegenüber von unserem Haus. Von der anderen Seite, also von der Hauptstraße, kommt eine 30er Zone, die nach rechts (also von unserem Haus weg, vor dem verkehrsberuhigten Bereich) abbiegt. Die Parksituation hier ist nicht nur schlimm, sondern grausam. Die Straße ist eh schon eng, auf der einen Seite parken Autos mehr oder weniger auf einem Parkstreifen, auf der anderen Seite auch noch, in dem Teil der von der Hauptstraße kommt passen noch so gerade zwei fahrende Autos aneinander vorbei, im restlichen Teil (nach der Kurve und Spielstraße) nicht, weil dort zuviele Autos parken.

Und aus dem Teil hinter der Kurve kam nun rückwärts (also mit der Rückseite auf unser Haus zu) ein Bus an. Ist um die Kurve gefahren und zur Hauptstraße. Irre langsam zwar und mit ständigem wieder anhalten, aber ohne irgendwo gegen zu fahren. Rückwärts zwischen den parkenden Autos durch raus auf die Hauptstraße, wo man vorwärts schon nix sieht. Ohne das was passiert ist. Ich hab bis heute nicht verstanden, wie das funktioniert hat...

Enge Straßen gibt es viele und ich habe schon oft erlebt, dass Busfahrer mit irrsinnigem Augenmaß irgendwo vorbeifahren, wo Autofahrer Angstzustände kriegen und sich oft dann total dumm verhalten. Ich berichtete ja mal über so ein Exemplar von Autofahrer.

Nun gut. Eigentlich wollte ich auf was ganz anderes eingehen, aber so geht's halt wenn man einfach drauflos schreibt und nur ein paar Stichpunkte hat. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ein Busfahrer mal von seiner typischen Schicht erzählt hat. Überstunden erstmal und am Wochenende zusätzlich fahren, weil Personalmangel herrschte. Sechs Stunden eine normale Linie von 45 bis 60 Minuten pro Strecke - und drei Stunden eine Linie, die von Start bis Ziel nur 10 Minuten braucht und dabei dreimal am Busdepot vorbei kommt. Der Fahrer meinte, er freue sich jedes Mal darauf den Bus da endlich reinfahren zu können...

Das war übrigens die gleiche Linie wie die mit den asozialen Blagen von der Sonderschule (keine Beleidigung, sondern ernst). Gute Nerven braucht man also in mehrfacher Hinsicht. Trotzdem ist die deutliche Mehrzahl der Busfahrer in dem Teil von Gelsenkirchen in dem ich wohne wirklich nett, hält an wenn man winkt und lässt einen auch nochmal raus wenn man die Haltestelle verpennt hat. Auch anderswo erlebe ich das öfter als unfreundliche Busfahrer. Natürlich sind nicht alle so - bei manchen frage ich mich auch, ob sie schon zu lange keine Verkehrsregeln mehr gelesen haben, weil sie ständig die Schilder "Vorfahrt an der nächsten Kreuzung" und "Vorfahrt von rechts" verwechseln...

Am Interessantesten ist immer zu beobachten was passiert, wenn große Menschenmengen einen Bus stürmen. Beim evangelischen Kirchentag in Bremen 2009 z.B. war nach einem abendlichen Folkrockkonzert einfach mal Party im Bus, die Fahrgäste haben ausgelassen Lieder gesungen und Spaß gehabt und am Ende gab's "Ein Hoch auf unser'n Busfahrer Klaus" und der hat's ganz locker genommen. So sollte es immer laufen. Gegenteilig dann wieder direkt hinterher die metronom bahn, die kein Verständnis für fröhliche Menschen hatte. Iih, gute Laune, wie eklig.

Bei allem Verständnis für den Druck unter dem Busfahrer oft stehen finde ich so ein Verhalten wie in Chris' Blogpost absolut unangemessen und überzogen. Aber bei aller Wut über solche schwarzen Schafe sollte man auch vergessen, dass es wirklich viele nette Busfahrer gibt. Und Straßenbahnfahrer - wobei da etliche Situationen anders sind. Aufgrund der weiten Automatisierung von Straßenbahnen und der Abschottung des Fahrers in einigen Modellen und in U-Bahnen gibt's da leider nicht so viel zu erzählen... von daher... ein Hoch auf Klaus, den gemütlichen Dicken, den jeder duzt und der sein Fahrzeug perfekt beherrscht hahahah