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Blogger-Alphabet: A wie Arbeit / Ausbildung

buero_tuc.jpgGerade noch rechtzeitig habe ich über Ulli das Blogger-Alphabet von Anne von neontrauma.de entdeckt und für cool befunden. Zu den 26 Buchstaben des Alphabets sollen über 52 Wochen verteilt Artikel zu entsprechenden Themen geschrieben werden, Anregungen gibt es jeweils dazu. Mir gefällt die Themenauswahl sehr und da ich mich zurzeit schwer tue, spontan zu schreiben, ist etwas Vorgabe vielleicht nicht schlecht.

Also auf geht's, das erste Thema behandelt meine Arbeit bzw. Ausbildung (zu letzterem zählt man gemeinhin auch das Studieren, so dass das schon passt). Ich arbeite seit etlichen Jahren nebenher in der IT, entweder als Handlanger (anderen Leuten erklären, dass sie den Monitor einschalten müssen, damit ein Bild kommt - true story) oder als Programmierer. Das ist nicht die Branche, in der ich mal Vollzeit arbeiten möchte, aber die Thematik liegt mir und ich mache meine Arbeit gut und meistens auch gerne. Zurzeit arbeite ich an der Uni an der Professur für Digitale Drucktechnologien als Mädchen für alles, was mit Computern zu tun hat.

Als Student bin ich eingeschrieben in Sensorik und kognitive Psychologie und Biomedizinische Technik. Ich beschäftige mich also mit der menschlichen Wahrnehmung, betrachte gelegentlich neuronale Funktionen physikalisch und lerne allerlei psychologisches Handwerkszeug, dazu Elektrotechnik und Grundlagen der Anatomie, Physiologie, Diagnostik und Pathologie. Ja genau - obwohl es oft anders erwartet wird, spielt Informatik in beiden Fächern nur eine vergleichsweise kleine Rolle.

Da ich nach etlichen Jahren der Selbstfindung nun tatsächlich etwas studiere, was mich sehr interessiert, blogge ich natürlich auch gelegentlich darüber. Man findet entsprechende Artikel etwa unter den Schlagworten Studium, Psychologie oder Physik. Vor allem, wenn ein Bezug zum Alltag erkennbar ist - glücklicherweise bearbeite ich für die Uni mehr spannende Themen, als ich hier vorstelle, aber oft wäre es recht schwierig, Außenstehenden zu vermitteln, was ich z.B. in Vorträgen erkläre. Möglicherweise sollte ich das trotzdem mal versuchen.

arbeitsplatz_zuhause.jpgAuch Arbeit ist ein Schlagwort für Artikel hier im Blog, da hat sich aber schon eine Weile nichts getan. Zwar erntet man als Programmierer immer wieder mal Bewunderung für seine Künste, über ein kurzes Staunen geht das aber selten hinaus und ganz ehrlich, wie will man auch die Begeisterung dafür vermitteln, nachts stundenlang Befehle zusammenzuschrauben und gefühlte Millionen Fehler zu beheben, bis ein Programm daraus entsteht? Ich bin schon als Teenager gefragt worden, ob ich denn Programmieren beibringen könnte... und wenngleich z.B. Fiona mit Freunden angefangen hat, Programmieren zu lernen, ist es vor allem ein zeitintensives Selbststudium mit extrem viel Trial & Error. Meine anderen IT-Jobs sind keinen Deut interessanter - entsprechend ist meine Arbeit hier selten Thema.

Überhaupt überschneiden sich Blog und Arbeit/Studium recht wenig. Zwar erfahre ich immer wieder von Leuten, die hier still mitlesen, thematisiert wird das aber selten. Viele Blogger machen sich viele Gedanken um ihre Zielgruppe, ich kenne meine gar nicht. Ich sehe da einfach keine Relevanz für mich, denn sowohl persönliche als auch sachliche Artikel verfasse ich aus Freude am Schreiben. Entsprechend nenne ich meinen Blog auch nicht in Bewerbungen (auch nicht für Online-Jobs), denn das Niveau der Artikel hier passt nicht zu beruflicher Professionalität. Das soll es auch gar nicht. Wohl aber nenne ich gelegentlich meine journalistische Tätigkeit bei Festivalhopper als Referenz. Und bevor es den Bach runter ging, war auch das Projekt Habari - das System, mit dem dieser Blog läuft, an dem ich selbst mitgearbeitet habe - eine Referenz, die mir sogar mal einen Job einbrachte.

Außer diesem Blog gibt es noch mein offizielles Portfolio. Ich bin gemeldeter Freiberufler, man kann mich buchen und mir Aufträge geben, und in einer Zeit, in der ich gerne als Fotograf arbeiten wollte, habe ich christian-gredig.de angelegt. Inzwischen ist die Seite lange nicht mehr aktualisiert worden und es gibt auch zurzeit keine Notwendigkeit dafür.

Man sieht, obwohl sich meine privaten Interessen und beruflichen Tätigkeiten durchaus überschneiden, kreuzen sie sich selten. In Zukunft wird das hoffentlich noch weniger und vermutlich erspart mir das etliche Fragen, die ich mir stellen müsste, und diverse Probleme.

Nachtrag: Ich habe hier, weil es mir offensichtlich erschien, nur die technische Seite betrachtet, und da gibt es tatsächlich nicht so viel Zusammenhang zwischen Arbeit, Studium und Blog. Ganz vergessen habe ich darüber, dass ich den Blog ja auch inhaltlich fülle - und das Schreiben hat mir durchaus schon geholfen. Berichte zu Veranstaltungen, an denen ich teilgenommen habe, werden gerne mir anvertraut, Abarbeitungen für die Uni fallen mir meistens leicht und nicht zu vergessen, den oben erwähnten "Job" bei den Festivalhoppern habe ich mit meinem Blog als Referenz bekommen. In letzter Zeit sind es weniger geworden, aber es gibt hier durchaus eine beachtliche Anzahl von Konzertberichten. Daher kommt schließlich auch der Name. "Job" aber deshalb in Anführungszeichen, weil das eine rein freiwillige Tätigkeit ist, bei der ich mir auch die Aufträge selbst aussuchen kann. Den Gedanken, beruflich im Journalismus zu arbeiten, habe ich schon vor einiger Zeit verworfen. Das Hobby zum Beruf machen kommt für mich nicht in Frage - dafür stumpfe ich zu schnell ab, ich würde also die Lust am Hobby verlieren.



Studium und Alltag 2

Das Schwierigste beim Studium ist, den Bezug zur Realität zu finden. Physiker stellen viele Ideale auf, damit sie Berechnungen durchführen können, und Psychologen arbeiten mit Theorien, die oft schwierig zu prüfen sind. Daher möchte ich in loser Folge festhalten, welche Alltagsphänomene mir begegnen, die mit den Themen meines Studiums tatsächlich erklärbar sind.

  • Physikalisches Praktikum: Auch wer Physik nicht verstanden oder nicht bestanden hat, wird im Praktikum zurecht kommen, denn Probieren geht auch an der Uni über Studieren. Neben besserem Verständnis für grundlegende physikalische Prinzipien nehme ich dabei vor allem auch den vernünftigen Umgang mit Messdaten mit. Niemand sollte der digitalen Küchenwaage die Präzision glauben, die sie mit zwei Nachkommastellen vorgaukelt. Und ob die 3€-Messschieber aus dem Baumarkt vernünftig geeicht sind, wage ich auch zu bezweifeln - aber immerhin weiß ich nun, wie man damit Zehntelmillimeter messen kann.
  • Evolutionstheoretische Gedanken zu Präferenzen bei der Geschlechterwahl: Was wir als attraktiv ansehen, steht für hohe Fitness, also für Vorteile gegenüber anderen beim Kampf ums Überleben. Aber auch wer stark gezeichnet ist, wirkt attraktiv, weil er damit eine hohe Resistenz gegen Angriffe / Feinde zeigt (denn er lebt ja trotz Verletzungen / Narben / usw. noch). Und weil wir uns gegen immer neue "Angriffe" verteidigen müssen, können wir es uns nicht leisten, über Generationen hinweg nur unser gutes Aussehen zu vererben - deshalb gibt es nicht nur unglaublich attraktive Menschen. Letzteres Phänomen wird als Lek-Paradox bezeichnet.
  • Wärmeaustausch: Ich verwende gelegentlich extrem heißes Wasser zum Spülen. Nach einiger Zeit ist es allerdings immer kalt - gemessen an der Ausgangstemperatur sogar recht schnell. Das liegt daran, dass ich immer eine ähnliche Menge Geschirrteile spüle - und dieses Geschirr Wärme aus dem Wasser aufnimmt. Nun ist die Wärme definiert als die Bewegungsgeschwindigkeit der Moleküle im Wasser; diese bewegen sich also schneller, wenn das Wasser heißer ist. Sich schneller bewegende Moleküle treffen öfter auf andere Körper (Geschirr) und übertragen dabei Energie (Wärme). Das Geschirr wärmt sich also auf (das war offensichtlich) - und zwar schneller, wenn das Wasser heißer ist. Deshalb lässt sich mit heißerem Wasser die gleiche Menge Geschirr schneller spülen (oder es lösen sich größere Verschmutzungen), aber keine größere Menge Geschirr spülen.


Alerta, Alerta

Der 5. März ist der Jahrestag der Zerstörung von Chemnitz im größten Bombenangriff auf die Stadt im zweiten Weltkrieg und heute auch der Chemnitzer Friedenstag. So wie die Neonazi-Szene in Chemnitz diesen Tag nutzt, um für ihre Politik zu demonstrieren, nutzen ihn auch zahlreiche Gegendemonstranten, um ein Zeichen zu setzen, dass braune Ideologien hier im 21. Jahrhundert nicht mehr erwünscht sind.

Auch die Uni hatte anlässlich des Friedenstages zur Demonstration aufgerufen und so versammelten wir uns am Nachmittag vor der Mensa. Mit Bildern aus Hamburg, Frankfurt und Istanbul vor Augen wirkte der Platz reichlich leer - mit den ersten Meldungen von 20, 30 gesichteten Nazis nicht mehr. Etwa zehn Mal so viele Studenten zogen dann mit lauter Musik und Seifenblasen die Hauptstraße hinunter bis zum Südbahnhof, wo wir auf die im Zentrum gestartete Demo trafen und in Richtung der angemeldeten Nazi-Route abknickten. Die Musik war gut, die Moderatorin extrem entspannt und so war der Fußmarsch zum Kundgebungsort sehr entspannt.

Mit mehr lauter Musik positionierte unser Wagen sich dann am seeehr frühen Abend am Kundgebungsort, wo sich nach einer Weile die Anzeichen verdichteten, dass nichts Großartiges mehr passieren würde. Wir standen hinter den Gittern, die die Nazi-Route sichern sollten, aber an anderer Stelle hatte sich bereits eine Sitzblockade gebildet, so dass mit dem Eintreffen der rechten Demonstranten nicht mehr zu rechnen war. Also schlossen wir uns bei nächster Gelegenheit dem Aufruf an, die Sitzblockade zu unterstützen.

Nun hat so eine Sitzblockade zunächst einmal sehr viel mit Sitzen zu tun und dann auch mit Warten. Vielleicht 200 Menschen, ein Großteil von der DGB1-Jugend, verstopften dort eine Kreuzung, bewacht von ausgesprochen friedlicher Polizei. (Radio Chemnitz spricht von 700 Personen, bezieht dabei aber die anderen Demonstranten entlang der Naziroute mit ein.) Die gab uns dann nach und nach zu verstehen, dass wir kein Recht auf die Blockade haben, sondern im Gegenteil die Nazis als angemeldete Demo ein Recht darauf haben, den Weg zu passieren. Passend dazu gab's natürlich entsprechende Kommentare von den Sprechern der DGB-Jugend - Verhalten im Fall einer Räumung und natürlich die Aufforderung, nicht einfach abzuhauen.

Als dann durchsickerte, dass es vielleicht doch 200 und nicht 20 Nazis sind und die Hundertschaft der Polizei in schwarzen Schutzanzügen und Helmen anrückte und auf und ab patroullierte, kam auch langsam die Frage auf, ob wir wohl tatsächlich von uniformierten Beamten von der Straße entfernt werden würden, und ob es wohl Eskalationen mit den Nazis geben würde. Da es in den letzten Jahren aber Schlägereien und Überfälle gegeben hatte, war schnell klar, dass letzteres auf jeden Fall vermieden und die NPD-Demonstration auch nicht über dunkle Seitengassen umgeleitet werden würde. Also saßen wir weiter auf Zeitungen, Decken und aufeinander, warteten und brüllten Parolen, bis die Anwohner aus dem Fenster guckten.

Und wie wir so warteten, rätselten, warum die Polizisten wohl Kreuze auf der Uniform tragen, und wilde Schätzungen über Anzahl der Polizisten und der Nazis und den Einsatz von Schlagstöcken und rechter Gewalt anstellten, passierte - nichts. Bis es irgendwann hieß, dass die Nazi-Demo umgekehrt sei - auch auf deren Seite bestand wohl kein Bedarf an Eskalationen, so dass die rechte Szene schlicht und ergreifend umgekehrt und nach Hause gefahren war. Unsere Sitzblockade war inzwischen vollständig eingekesselt, aber bevor die ersten Leute ernsthaft schlechte Laune bekamen, durften wir geordnet in Richtung Hauptstraße abreisen.

So unspektakulär wie die Aktion damit im Vergleich mit ausartenden Demonstrationen in anderen Städten verlaufen war, so erfolgreich kann sie bewertet werden. Ich fühle mich jedenfalls an eine Demo im Westen erinnert, bei der es regnete und die zwei Dutzend Nazis sich unter einer Bushaltestelle unterstellten, während hunderte Gegendemonstranten unterwegs waren. Und während es dort zu scharfer Kritik am Vorgehen der Polizei kam, kann man hier nur Respekt zeigen für die ruhige Sachlichkeit der Beamten. Deren bewusste Neutralität war zwar zuweilen seltsam oder nervig, aber als Hüter der Ordnung und Sicherheit haben sie heute einen guten Job geleistet.

Damit ist 2014 das zweite Jahr, in dem die Gegendemos den Aufmarsch der Neonazis in Chemnitz massiv behindert haben. Ein schönes Zeichen für eine Stadt im Umbruch, die nicht nur auf Häuserruinen, sondern auch auf braune Politik keine Lust mehr hat.

  1. Deutscher Gewerkschaftsbund


Studium und Alltag 1

Das Schwierigste beim Studium ist, den Bezug zur Realität zu finden. Physiker stellen viele Ideale auf, damit sie Berechnungen durchführen können, und Psychologen arbeiten mit Theorien, die oft schwierig zu prüfen sind. Daher möchte ich in loser Folge festhalten, welche Alltagsphänomene mir begegnen, die mit den Themen meines Studiums tatsächlich erklärbar sind. Außerdem ist es gleichzeitig eine Antwortensammlung für die immer wieder gestellte Frage "Was hat denn Physik mit Psychologie zu tun?!".

  • Gas und Druck: Mit meiner Fahrradpumpe kann ich auch Autoreifen aufpumpen. Da aber der Druck sinkt, wenn das Volumen größer wird, muss ich das durch eine größere Gasmenge ausgleichen - also mehr Luft reinpumpen, um den gleichen Druck wie im Fahrradreifen zu erzielen. Ausgehend davon, dass ein Autoreifen etwa 30mal so viel Volumen hat wie ein Fahrradreifen, aber nur etwa ein Drittel des Drucks braucht, muss ich trotzdem 10mal so viel pumpen... zum Vergleich: Der Luftdruck an der Erdoberfläche auf dem Boden beträgt etwa 1 Bar, in einen Autoreifen kommen 2 bis 3, in einen Fahrradreifen 4 bis 6 und beim Tauchen in 50m Tiefe muss man etwa 5 Bar aushalten.
  • Nach einem verwandten Prinzip funktioniert übrigens auch das schnellere Kochen in Töpfen mit Deckel: Druck und Volumen hängen auch mit der Temperatur zusammen. Durch den Deckel verhindern wir das Entweichen von Wasserdampf und verringern das Volumen. Letzteres sorgt dafür, dass wir weniger Energie zum Erhitzen benötigen. Und wir erhalten eine bessere Kontrolle über den Kochvorgang - verteilt sich der Wasserdampf nämlich in der Küche, statt im Topf wieder zu kondensieren, steigt die Temperatur ebenfalls schneller und wenn wir nicht aufpassen, brennt etwas an. (Das heißt natürlich auch, dass wir weiter Energie sparen können, wenn wir nur so viel Wasser verwenden wie nötig.)
  • Psychophysik: Wenn ich mit dem Messbecher Waschmittel aus der Packung nehme, kann ich relativ gut schätzen, ob ich die richtige Menge vom verklumpten Waschmittel abgekratzt habe, ohne auf die Maßeinheit zu schauen - wenn ich mit einer geringen Menge anfange. Fange ich mit einer großen Menge an, fällt es mir schwerer, die richtige Menge wieder zurück zu schütten. Das liegt daran, dass die Empfindlichkeit für Gewichtsunterschiede abhängig vom Anfangsgewicht ist. Wir können 10 von 20 Gramm unterscheiden und 1 Kilo von 2 Kilo, aber nicht 1 Kilo von 1010 Gramm. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Reizen, zum Beispiel Licht - deshalb erblinden wir auch nicht direkt, wenn wir in die Sonne schauen, obwohl die Sonne nicht nur 3 oder 4 Mal so hell ist wie das Licht in unserem Zimmer, sondern viele tausend Mal so hell.
  • Psychoakustik: Wenn ich in meinem Bett liege, bin ich ziemlich nah dran an der rechten Box und ziemlich weit weg von der linken. Der Subwoofer ist irgendwo dazwischen. Während ich die rechte Box, die softwareseitig sogar etwas leiser eingestellt ist, sehr laut und den Subwoofer auch sehr deutlich höre, bemerke ich die linke Box gar nicht. Dahinter stecken zwei Phänomene: Zum einen wird die linke Box von der rechten überstrahlt. Unser Gehirn lokalisiert unterschiedliche Schallquellen anhand von Lautstärke, Frequenz und zeitlichem Abstand, aber wenn wir zwei Schallsignale empfangen, die zeitlich nur minimal versetzt eintreffen (mein Wohnzimmer ist nicht so groß) und die gleiche Frequenz haben (gleiches Lied aus beiden Boxen), kann dazwischen nicht mehr unterschieden werden und wir haben den Eindruck, nur aus einer Richtung etwas zu hören.
    Der Subwoofer hingegen gibt ganz andere Frequenzen wieder. Außerdem spielt dort auch ein physikalischer Effekt mit - während die höheren Klänge kurze Schallwellen ergeben, sind die Wellenlängen beim Subwoofer sehr lang. Bei den kurzen Wellenlängen können wir, da wir zwei Ohren haben, die unterschiedlichen Positionen der Welle an den Ohren nutzen um die Herkunft zu identifizieren. Die langen Basswellen schaffen aber nichtmal einen vollständigen Durchgang vom linken bis zum rechten Ohr, sodass es zwar einen zeitlichen Unterschied gibt, aber keinen relevanten Unterschied des Pegels. Dadurch fällt uns die Lokalisation von Bässen sehr schwer.


Zufallswissen: Sehen

  • Der Visus gibt an, wie gut man im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung sehen kann. Er ist die Zahl, die man vielleicht genannt bekommt, wenn man den typischen Führerschein-Sehtest mit den Ringen mit Loch macht. Die kleinste Öffnung, die der Durchschnittsmensch bei diesem Test noch erkennen kann, beträgt eine Winkelminute: V = 1 / α mit α = 1 ergibt den Durchschnittsvisus 1.
  • Da Optiker typischerweise mit abgestuften Standardtests arbeiten und nicht wie Physiker genaue Winkelwerte bestimmen, erhält man Werte wie 0,7, 1, 1,3 oder 1,6 - oder: 100%, 130%, 160%.
  • Bei manchen Menschen kann, so wie bei mir, auch eine starke Sehschwäche so gut ausgeglichen werden, dass ein überdurchschnittlicher Visus erzielt wird. So trage ich zwar Kontaktlinsen, die 8 Dioptrien ausgleichen, erreiche aber dennoch einen Visus von über 160%.
  • Kurzsichtigkeit bedeutet: Linse und Retina liegen in meinem Auge zu weit auseinander, so dass der Fokuspunkt vor der Retina liegt - das Licht also zu kurz ins Auge hinein reicht, da es, gemessen an der Distanz, zu stark gebrochen wird. Daher auch minus 8 Dioptrien - das Licht wird erst etwas nach außen geleitet, um dann durch die natürlich Brechkraft des Auges passend fokussiert zu werden.
  • Weitsichtigkeit funktioniert umgekehrt (Linse und Retina liegen zu nah beieinander). Altersweitsichtigkeit hingegen kommt zustande, wenn die Brechkraft der Linse im Auge nachlässt (das Licht wird nicht weit genug vorne fokussiert).
  • Beim "Lasern" der Augen wird zur Korrektur des Fokuspunktes die Brechkraft des Auges selbst verändert, indem Teile der Hornhaut abgetragen werden. Dieser Effekt ist nicht umkehrbar. Außerdem kann es, wie manche Infoseiten mit einem Sternchen andeuten, auch nach der Operation wieder zu Fehlsichtigkeit kommen, da sich das Auge ständig verändert.

Bis auf den letzten eher medizinischen Aspekt ist all das übrigens Bestandteil unserer Kognitionsvorlesung - und es zeigt wunderbar, wieso Physik und Psychologie sehr wohl zusammen passen: Die oben beschriebenen Dinge basieren auf physikalischen Phänomenen, beeinflussen aber die Wahrnehmung, die von der Psychologie untersucht wird. Eine typische potenziell psychologische Frage, die sich aus der Liste ergeben könnte, ist: Wieso sehen manche Menschen besser als andere?

Leider ist mir immer noch nicht gelungen, mit Fotos nachzustellen, wie eine Fehlsichtigkeit von acht Dioptrien aussieht. Nur so viel: Ohne Sehhilfe ist eine Teilnahme am normalen Leben unmöglich. Dennoch gibt es noch wesentlich stärkere Korrekturen; Brillen schaffen 10, Kontaktlinsen 15 Dioptrien.

Danke an meinen Optiker Herrn Jerono, unseren Kognitionsprofessor Dr. Krems und unser aller Lieblingslehrbuchautor E. Bruce Goldstein PhD.



Bis die Wolken wieder lila sind

Dass wir irgendwann alt werden, dagegen können wir nichts tun. Wir können nur beeinflussen, was wir dann sehen, wenn wir uns umdrehen und zurück blicken. Aber ganz viele andere Menschen möchten auch gerne beeinflussen, womit wir die Zeit bis dahin verbringen. Sie glauben zu wissen, wie wir erfolgreich werden, was wir dafür tun müssen. Wie wir Karriere machen. Sie haben vielleicht selber nie Karriere machen können, aber wir müssen ja nicht auch so enden. Außerdem sind wir ja noch jung und junge Menschen können viel lernen und hart arbeiten. Bis sie kaputt sind. Oder bis sie vielleicht von einem Wagen voller Stahlteile erschlagen wurden, weil ein zugekokster Vorarbeiter die Bremse nicht angezogen hat.

Aber vielleicht möchten wir gar keine Karriere machen. Vielleicht haben wir gar keine Lust, der Vorarbeiter zu sein, dessen Job so stressig ist, dass er mit dem Koksen schon lange nicht mehr aufhören will. Vielleicht sind wir auch viel zu jung, um über so etwas wie Rente nachzudenken oder darüber, wieviele Angestellte uns mit 28 unterstellt sind. Ein paar aus meiner Generation wissen vielleicht genau, was sie wollen, ziehen das straight durch und werden damit glücklich. Vielen geht es nicht so. Viele schmeißen ihr erstes Studium, manche scheitern danach wie ich auch noch mit einer Ausbildung. Überhaupt, scheitern. Was ist das schon? Drei Monate Ausbildung und neun weitere Monate in der Veranstaltungsbranche haben mir eine Menge Erfahrungen gebracht. Der Typ ist damals nicht von den Stahlteilen erschlagen worden, er ist rechtzeitig zur Seite gesprungen und blieb unverletzt, aber ich habe etwas später gekündigt und weiter gesucht.

Hier in Chemnitz an der Uni denken die Studenten nicht, sie müssten Karriere machen oder in 6 Semestern mit dem Studium fertig sein. Einige wollen das, klar, aber die Hörsääle bei den Vorträgen zu Auslandssemestern sind auch rappelvoll. Was wird man damit, fragen mich die Leute, wenn ich sage, dass ich Sensorik und kognitive Psychologie studiere. Wissen wir alle nicht so genau, sage ich dann manchmal. Irgendwas cooles hochbezahltes oder arbeitslos.

Überhaupt ist es nicht so schlimm, mit extrem wenig Geld zu leben. Statt mit dem Auto kann man hier wunderbar Fahrrad fahren - da braucht man auch nur zwei Winterreifen und nicht vier. Und zu den Verwandten in den Westen geht es dann eben mit dem Fernbus. Da trifft man dann vielleicht noch wunderbare Leute, die an der gleichen Uni studieren und ursprünglich aus der gleichen Gegend kommen, aber bisher in den 10.000 anderen untergegangen sind.

Überhaupt sind Menschen doch viel mehr wert als Geld. Letzten Sommer habe ich beim YMCA-Festival in Prag am Backstage-Einlass gearbeitet. Statt dafür bezahlt zu werden, bekam ich Rabatt auf den Teilnahmepreis. Finanziell war es das bisher teuerste Festival, an dem ich teilnahm. Dafür bin ich aber auf dem Hinweg mit einem Nachtzug gefahren, der fast überfallen worden wäre, was ich mit meinem Sitznachbarn verhinderte. Und vor Ort lernte ich viele viele weitere Menschen aus der ganzen Welt kennen - so habe ich nun Kontakte nach Island, Dänemark, Ungarn, in die Niederlande und in die USA. Wofür brauche ich eine große Wohnung, Luxusgüter, einen vollen Kühlschrank? Ich bin sowieso kaum zuhause.

Wenn wir Karriere machen und viel Geld anhäufen, schützt uns das nicht davor, unseren Job irgendwann zu verlieren und doch arbeitslos zu werden. Dann brauchen wir das Geld auf, bis nichts mehr da ist und der Staat uns unterstützt. Dann jammern wir, dass der Staat uns erst gezwungen hat, alles aufzubrauchen, und danach jammern wir darüber, dass er uns ja viel zu wenig gibt.

Hätten wir unsere Zeit statt in profitable Geschäftskontakte lieber in gute Freunde investiert, wären die jetzt für uns da. Unser Konto wäre nicht so voll, aber der Kühlschrank trotzdem nicht leer, und vom Staat würden wir gefühlt auch nicht so wenig bekommen. Wir würden uns vielleicht umorientieren und einen anderen Job finden, für den wir uns nicht überqualifiziert fühlen würden, und weiterleben. Am Wochenende frei haben und im Sommer draußen grillen, bis die Wolken wieder lila sind.

Wenn ich das nächste Mal jemanden jammern höre, der seinen Mercedes nicht volltanken kann, zeige ich ihm meine letzten Kontoauszüge. Er wird weinen. Ich werde glücklich sein.



Gruß aus Sachsen

straße1.jpgGerade habe ich meine ersten Hausaufgaben seit ungefähr viereinhalb Jahren gemacht, das erste Übungsblatt für Höhere Mathematik. Seit drei Wochen studiere ich wieder - Sensorik und kognitive Psychologie an der TU in Chemnitz, wo ich seit zwei Tage vor Semesterbeginn auch wohne.

Das Aufgabenblatt hat die erste wirklich erschreckende Erkenntnis gebracht. Im Osten sprechen nicht alle fürchterliches Sächsisch, der Bäcker hat mehr Brotsorten als "Brot", die Straßen und Häuser sind nicht mehr kaputt und überhaupt ist es hier eigentlich sehr schön und die Menschen sind ausgesprochen nett. Nein, viel schlimmer ist: Meine Mathefähigkeiten sind ungefähr auf das Niveau der 10. Klasse gesunken. Winkelfunktionen gehen so gerade noch, Polynomdivision auf keinen Fall, und egal welche Art von Aufgabe es ist, sie zu lösen dauert ewig und ist unglaublich anstrengend.

Möglicherweise werde ich während des Studiums sogar lernen, wieso das so ist. Die einfache Erklärung ist natürlich, weil es lange her ist, aber das ist ja sehr unwissenschaftlich. Die genauere Funktionsweise des Gedächtnisses ist Teil der Forschung in der kognitiven Psychologie, genau dem Bereich, der zu meinem Studium gehört. Außerdem geht's um Wahrnehmung, um Verarbeitung von Sinnesreizen und darum, wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Mit der Frage, ob der Baum da draußen wirklich ein Baum ist, wie einer der Makler bei der Wohnungssuche fragte, beschäftigen wir uns nicht; wohl aber damit, wieso wir erkennen, dass es ein Baum ist.

Im physikalischen Bereich behandeln wir zurzeit nur Grundlagen, aber im Kognitionsseminar merkt man schon, worauf das Ganze abzielt: Das erste Referatsthema ist Psychophysik und bildgebende Verfahren - was tut unser Gehirn aus physikalischer Perspektive und wie können wir das sichtbar machen? Überhaupt haben wir hier sehr viele Seminare, Übungen, Sprechstunden, Tutorien, bei denen es niemanden interessiert, ob wir daran teilnehmen oder auf Costa Rica in der Hängematte liegen, die aber ausgesprochen nützlich sind, weil sie dem Studium Sinn geben und Schwierigkeiten nehmen. Vielleicht ist das der Grund, warum die TU Chemnitz hier einen sehr guten Ruf hat.

Überhaupt sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, in den Osten zu ziehen. Ich wohne in einem 70er-Jahre-Haus im Erdgeschoss. Es ist kein Plattenbau, aber auch die sind nicht so schlimm, sagen einige, die in einem wohnen. Mein Bad hat Klarsichtglas (wtf?), dafür hat das Haus sowohl Kellerparzellen als auch Bodenkammern (nochmal das gleiche auf dem ausgebauten Dachboden) für jeden Mieter - 20m² Lagerfläche geschenkt. Von den Nachbarn hört man recht viel, von draußen dafür gar nichts. Die Busse fahren langsam, dafür aber oft und auch werktags die ganze Nacht durch. Außerdem kosten sie viel weniger als im Ruhrgebiet.

Während einige Studenten fluchen, dass sie auf jeden Fall wieder weg ziehen, wenn sie fertig sind, habe ich auch schon Leute getroffen, die zum Studieren her kamen und danach geblieben sind. Mir ist das momentan ziemlich egal - ich möchte vor allem mal längere Zeit im Ausland verbringen und werde mich nun erstmal auf die anstehenden Vorträge zum Thema Auslandssemester stürzen. Und meine Matheskills aufarbeiten. Alles weitere wird sich dann schon ergeben.



Start in Phase 2

Mitte dieses Monats hat mein drittes Semester angefangen... ich schmiss die erste Woche zu gunsten des TEN SING Westbundseminars, über das ich hier in Kürze auch noch berichten werde, danach ging's los. Aus irgendwelchen Gründen hatte ich noch den alten Stundenplan1 und landete erstmal nicht in den Vorlesungen, zu denen ich wollte. Aber das ist gar nicht das, worüber ich schreiben wollte.

Ich verbrachte mein erstes Semester damit zu glauben, alles wäre einfach und ich könnte ja vieles schon von der Schule aus. Die Fahrerei von Gelsenkirchen nach Bochum nervte, eine Stunde hin und eine weitere zurück zu fahren um eine einzelne, obendrein langweilige, Vorlesung zu sehen, war einfach kein Vergnügen. Also verbrachte ich das zweite Semester damit, umzuziehen. Ich war unglaublich langsam dabei, warum, weiß ich bis heute nicht, und am Ende war wieder Klausurphase und das Semester schon quasi wieder vorbei.

In meinem Sportverein gab es eine Menge ernste Probleme, die einige Änderungen nach sich zogen. Zu den Änderungen gehört unter anderem, dass mein Judotraining in einer anderen Halle stattfindet, die nicht so günstig zu den öffentlichen Verkehrsmitteln liegt wie die alte. Daraus ergab sich, dass ich jetzt immer das Auto meiner Mutter leihe um zum Training zu fahren und danach dort zum Essen bleibe. Eigentlich eine schöne Sache. Zum Badminton fahre ich durch den Umzug jetzt sogar weniger lange als vorher (zumindest hin), weil ich nur von Bahnhof zu Bahnhof fahren muss statt durch die Stadt - 8 statt 12 Minuten Fahrt. Die Wahl, nach Herne zu ziehen statt noch näher zur Uni Richtung Bochum, war also durchaus gut.

Während dem zweiten Semester war auch wieder Kirchentag und natürlich war es wieder genial (ich berichtete). Nachdem ich letztes Jahr ein bisschen frustriert war, weil ich TEN SING entdeckt hatte, aber direkt die Info bekam dass ich nicht geradae deren Hauptzielgruppe sei, entdeckte ich dieses Jahr, dass das so nicht richtig ist. Ich suchte nach einer Gruppe, deren Jahresshow noch nicht stattgefunden hatte, und landete in Hagen. In der Woche nach der Show gab's ne Schnupperprobe für Interessenten, dann waren Sommerferien und naja, ich bin immer noch dort hahahah

Jetzt in den Herbstferien war besagtes Seminar und neben knapp 600 Fotos habe ich von dort auch eine irrsinnige Menge Motivation und eine konkrete Fassung meiner Zukunftsplanung mitgebracht - und irgendwie habe ich das Gefühl, jetzt vollständig zu sein. Ich werde sicherlich weiterhin nicht jede Vorlesung in der Uni mögen und weiterhin feststellen müssen, dass nicht alles so toll ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber jetzt fehlt nichts mehr. Keine unfreiwillige lange Fahrerei mehr. Keine Unausgeglichenheit. Keine Konflikte, in die ich reingezogen werde, ohne es zu wollen. Wenn ich jetzt zur Uni fahre und zwischen den riesigen, hässlichen2 Betonklötzen lang laufe, Musik im Ohr, um mich herum jede Menge Menschen und momentan vielleicht im Regen oder angefochten von eisigem Wind, dann fühle ich mich nicht mehr wie jemand, dem irgendwas fehlt, weil er einfach mal drauflos gestartet ist, sondern wie jemand, der weiß was er tut und warum. Dann bin ich wieder so begeistert vom Unifeeling wie ganz am Anfang während der Vorkurszeit, begeistert von den Möglichkeiten, die die Uni bietet, und von den unglaublich vielen unterschiedlichen Menschen, von denen einige einfach tun, worauf sie gerade Bock haben, und von denen den meisten einfach scheißegal ist, was du tust. Und entgegen der Ängste einiger Erstis ist das kein Nachteil, sondern ein Vorteil, denn es geht einem niemand mehr auf die Nerven mit Erinnerungen (zumindest nicht von der Uni aus).

Ich bin gespannt, wie das dritte Semester wird und wie es dann weitergeht. Ich war zwar mal wieder etwas langsam, aber noch hat niemand eine Tür vor mir zugeschlagen, im Gegenteil, im Hintergrund sind die Fenster aufgegangen. Auf geht's.

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1 Man muss dazu sagen, dass man bei Elektrotechnik in Bochum nicht so viele Wahlmöglichkeiten hat was den Stundenplan angeht. Manchmal gibt es zu den Übungen mehrere Termine - das war's aber auch schon.

2 Mit einer Ausnahme: Das neue Gebäude, in das die Elektrotechniker jetzt umgezogen sind. Kein Betonhochbau mehr, sondern ein... naja... Betonflachbau, aber durchaus schick und modern. Dafür aber noch verwirrender als die anderen Gebäude und völlig anders aufgebaut.