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Kaum ein Thema aus dem alltäglichen Geschehen sorgt so häufig für Frust, Wut und Verständnislosigkeit bei mir wie der Straßenverkehr. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mit dem Fahrrad durch die Stadt fahre und dabei nicht mindestens einmal gefährdet werde. Jeden Tag berichten die Lokalnachrichten über Unfälle mit Personen- oder Sachschäden. Ich weiß nicht, woher es kommt, dass in Chemnitz ständig Autos angezündet werden, aber Wut über die durch Autofahrer verursachten Gefahren scheint mir ein plausibles Motiv zu sein.

Abgesehen davon, dass es einfach viel zu viele Menschen gibt, die von ihrer Persönlichkeit her Arschlöcher sind, gibt es auch eine Reihe von Dingen, gegen die man etwas tun könnte. Erstens, am Wochenende hat ein Rentner eine Fußgängerin schwer verletzt und eine Mauer gerammt, weil er Gas- und Bremspedal verwechselt hat. Ich verstehe bis heute nicht, wieso Führerscheine kein Ablaufdatum haben. Ich habe meinen jetzt bald acht Jahre, bin aber in den letzten vier Jahren fast gar nicht Auto gefahren und mit Sicherheit bin ich dadurch kein besserer Fahrer geworden. Sowohl mangelnde Fahrpraxis als auch altersbedingt höhere Reaktionszeiten, verminderte Konzentrationsfähigkeit und unüberlegteres Verhalten in Extremsituationen sind eine enorme Gefahr. Führerscheine sollten regelmäßig erneuert werden müssen. Für manche Fahrzeugklassen ist das längst so - auch für normale PKW sollte eine solche Regelung eingeführt werden. Führerscheindaten sind zentral erfasst, es müssen also keine Kontrollen durchgeführt werden, um festzustellen, wer seinen Führerschein nicht erneuert hat.

Was uns zu zweitens führt, man würde dadurch möglicherweise mehr ungültige Führerscheine verursachen, was aber ja erstmal natürlich niemanden davon abhalten muss, trotzdem zu fahren. Mehr allgemeine Fahrzeugkontrollen sind also angesagt, um generell mehr Fahrer ohne gültige Fahrerlaubnis oder mit Alkoholeinfluss zu erwischen. Bei kommerziellem Verkehr, vor allem LKW und Fernbusse, sind diese Kontrollen in den letzten Jahren drastisch verschärft worden, das sollte auch für PKW erfolgen, und zwar beginnend bei, drittens, Geschwindigkeitskontrollen. Es ist mir völlig unbegreiflich, wieso Blitzerstandorte im Radio bekannt gegeben werden dürfen, und wieso nicht jede Stelle, die regelmäßig von mobilen Blitzern besetzt wird, einen festinstallierten Blitzer bekommt. Überhöhte Geschwindigkeit ist eine große Gefahr. Auch Straßen, die wegen des hohen Verkehrsaufkommens tagsüber kein zu schnelles Fahren ermöglichen, sollten ausgestattet werden - da viele davon nachts zum Rasen verleiten, wodurch regelmäßig Personen zu Schaden kommen.

Überhaupt, hohes Verkehrsaufkommen. Viertens, wütende Autofahrer sind unkonzentrierter und risikobereiter als ausgeglichene Fahrer. Eine typische Kreuzung auf meinem Weg zum Supermarkt ist eine klassische Vorfahrt-Achten-Kreuzung mit einer vielbefahrenen Hauptstraße. Man hat dort kaum eine Chance, diese Hauptstraße zu überqueren, teilweise wartet man minutenlang. Ich beobachte dort regelmäßig, wie Autofahrer, wenn endlich eine halbwegs brauchbare Lücke entsteht, das Gas durchtreten und ohne Rücksicht auf alles andere über die Kreuzung brettern, nicht selten nur haarscharf an einem schweren Unfall vorbei. Solche Kreuzungen sollten dringend durch Ampeln mit Anforderungskontakt entschärft werden. Ebenso halte ich die bessere Verbreitung von Rechtsabbieger-Grünpfeilen in Westdeutschland für sinnvoll, da diese in Sachsen viele Kreuzungen deutlich entlasten.

Zu guter letzt ist die bloße Menge der Fahrzeuge ein Problem. Die Innenstädte sind überlastet, selbst wenn man Gefahrensituationen so gut es geht verhindert, gibt es immer noch massive Probleme mit Staus. Radfahren muss attraktiver werden. Jeder hätte gerne einen Firmenwagen, wie wäre es mit Firmenfahrrädern? Wer einigermaßen sportlich ist und über ein gutes Fahrrad verfügt, kann locker 10km zur Arbeit fahren, und selbst ein sehr gutes Fahrrad kostet nur einen Bruchteil eines Autos sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt. Das ist natürlich ein ganz anderer Ansatz als die Firmenwagen (die ja meistens auch zur Ausübung des Berufs rege genutzt werden), aber möglicherweise eine interessante Förderung und vielleicht auch ein Anreiz, in die Nähe des Arbeitsortes zu ziehen.
Ebenso trägt ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr zur Entlastung der Straßen bei. Das ist nun wirklich ein altes Argument und gerade in Chemnitz funktioniert das auch schon ziemlich gut. Es mangelt aber noch am Bewusstsein der Bevölkerung, dass ein Leben sogar ganz ohne Auto in der Stadt gut funktionieren kann. Denn viele werden den Gedanken haben, wenn ich eh schon ein Auto besitze, warum dann noch eine Monatskarte für den Bus kaufen? Mit der Kombination aus Bus, Bahn und Fahrrad lässt sich nahezu alles erledigen, wofür man sonst ein Auto gebraucht hätte, und bei Ikea mietet man sich dann eben kurzzeitig einen Transporter. Meine Nachbarn scheuchen eh schon ihre Kinder zum Einkaufen - auf ein Fahrrad passt ein Wocheneinkauf für zwei Personen, zu dritt würde man die ganze Familie versorgen.

Letztlich ist dieser Bewusstseinswechsel wohl das Wichtigste für eine langfristige Verbesserung der Verkehrssituation. Oft werde ich schockiert angesehen, wenn ich erzähle, dass ich für mein Fahrrad natürlich auch einen Satz Winterreifen habe und auch bei Schnee und Eis fahre. Umgekehrt verstehe ich genauso wenig, wie man sich um der scheinbaren Bequemlichkeit des Autos willen in den Berufsverkehr stürzen kann (den ich mit dem Fahrrad einfach umgehen kann). Autofahren hat einige Nachteile, bei denen mir jeder zustimmen wird, aber auch die Vorteile sind nicht alle so toll, wie es scheint. Umdenken ist notwendig. Wer wünscht sich nicht weniger Unfälle, weniger Lärm und weniger Kosten?

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Foto von davidbenito unter CC-BY-SA-2.0

Grünes Fahrrad Einzelteile.JPGNachdem ich 2012 das Fahrradfahren wieder für mich entdeckte, erstand ich ein nicht allzu klappriges gebrauchtes Trekkingrad und scheiterte direkt mal daran, damit von Hagen nach Dortmund zu fahren. Es war Winter, ich stürzte bei der ersten Schneematsch-am-Bordstein-Stelle. Dafür konnte das Rad natürlich nichts. Ich kaufte Spikereifen und trainierte, machte eine erste mehrtägige Fahrradtour im darauf folgenden Sommer und im nächsten Winter schockte mich nichts mehr.

Wofür das Rad aber was konnte, war das extrem hohe Gewicht des Rahmens. Dagegen half auch nicht, dass ich die nach und nach verschlissenen billigen Originalteile fast alle austauschte. Nach zwei Jahren hatte ich ein robustes, unverwüstliches und recht zuverlässiges, aber schwerfälliges Fahrrad und außerdem eine Menge Spaß an der Schrauberei entwickelt. Ich beschloss also, ein neues Fahrrad zu bauen - und zwar aus Einzelteilen und selbst.

Ist ja auch nicht so schwer, dachte ich. Hat ja nicht so viele Teile, so ein Fahrrad, und Trekkingräder sind populär, da gibt es reichlich Auswahl und Anleitungen. War auch nicht komplett falsch, der Gedanke. Drei grundlegende Entscheidungen waren schnell getroffen: Baugröße 28 Zoll, da am weitesten verbreitet und bisher passend für meine Körpergröße, V-Bremsen, da am billigsten, und 3x9 Gänge, da zukunftssicher (genug) und für Drehgriffschalter verfügbar, sollten es sein. Ich geb's zu: Ich hasse die Rapidfire-Daumenschalthebel. Und es sollte eine Kettenschaltung werden, also ein Fahrrad ohne Rücktrittbremse, da man dabei die Wartung leicht selber vornehmen kann (und dann allerdings auch regelmäßig muss).

  • Fahrradrahmen 28 Zoll mit Schaltauge und V-Bremsaufnahme (Cantilever-Sockel) für das Hinterrad, in zur Körpergröße passender Rahmenhöhe
  • Zwei Laufräder (Felge mit Speichen und Achse), 28 Zoll
  • Zwei zu den Felgen passende Mäntel (Schwalbe hat da eine gute Infoseite)
  • Zwei zu den Mänteln passende Schläuche
  • Federgabel für 28 Zoll, mit V-Bremsaufnahme (Cantilever-Sockel)
  • Zur Federgabel passender Steuersatz
  • Zur Federgabel passender Vorbau mit zur Körpergröße passenden Maßen (Ergotec hat da eine gute Infoseite)
  • Zum Vorbau passender Lenker in ausreichender Länge
  • Ein Paar Lenkergriffe - Durchmesser und Länge beachten, falls Drehgriffe zum Schalten verwendet werden!
  • Zum Rahmen passende Sattelstütze
  • Zur Sattelstütze passender Sattel
  • Ein Paar V-Bremsen
  • Ein Paar V-Brems-Bremshebel mit Bremszügen
  • Außenhülle für Bremszüge (2m) in passendem Durchmesser und Endkappen
  • Tretlager (Kurbel) für 3x9 Gänge (Tretlager haben meist 3 Kettenblätter, die aber je nach Anzahl der Gänge - hier 9 - unterschiedlich breit sind)
  • Zum Tretlager passendes Innenlager (Aufnahme und Länge müssen passen)
  • Zum Tretlager und Rahmen passender Umwerfer
  • Zur Hinterradachse passende Kassette für 3x9 Gänge
  • Zu beidem passende Kette für 3x9 Gänge
  • Schaltwerk für 3x9 Gänge
  • Zum Schaltwerk passender rechter Schaltgriff mit Schaltzug - Hier muss man sich auf einen Hersteller festlegen.
  • Zur Kurbel passender linker Schaltgriff mit Schaltzug - Beim Tretlager hingegen kann recht frei kombiniert werden, solange die Ganganzahl passt.
  • Außenhülle für Schaltzug (2m) in passendem Durchmesser und Endkappen
  • Vier Endhülsen für die Bowdenzüge (oder lieber ein paar mehr...)
  • Zwei Pedale
  • Klingel
  • Beleuchtung

Die meisten Kompatibilitäten kann man sich bei vernünftigen Onlineshops aus der Beschreibung erschließen. Beispiel Vorbau: Der Lenker hat einen bestimmten Klemmdurchmesser, die Gabel hat einen bestimmten Durchmesser, der Vorbau muss auf beides drauf passen.

Werden als Beleuchtung keine Akku-Steckleuchten verwendet, sollte man heutzutage ein Vorderrad mit Nabendynamo erwerben (kostet deutlich weniger als später einen Nabendynamo nachzukaufen) und entsprechende Leuchten. Dabei an den Überspannungsschutz denken, falls die Lampen keinen eingebaut haben (Datenblatt lesen)!

Folgende Komponenten habe ich vom alten Rad weiterverwendet:

  • Vorderrad
  • Zwei Mäntel und einen Schlauch
  • Bremshebel
  • Bremsen
  • Bremszugaußenhülle
  • Sattel
  • Klingel
  • Beleuchtung

Das Hinterrad hatte noch eine Schraubkassetten-Aufnahme, Schraubkassetten gibt es für 9 Gänge aber nicht, also musste ein neues Hinterrad her. Dadurch konnte ich immerhin auch wieder auf Autoventile umsteigen (französische Ventile gehen mir immer kaputt). Eine Sattelstütze, die zum alten Sattel und zum neuen Rahmen passte, konnte ich in der Uni-Werkstatt abstauben.

Von allen anderen Teilen habe ich meist einfach das billigste genommen, das mir von der Farbe gefiel und zu den anderen Komponenten passte. Nicht empfehlenswert ist das bei Bremsen. Die bremsen zwar auch, aber die Billigmodelle z.B. von Shimano haben eine ungünstige Klemmung, die den Bremszug schädigt, so dass man den nach Demontage z.B. beim Reifenwechsel nicht erneut verwenden kann. Insgesamt ist es eine bunte Mischung aus Shimano- und SRAM-Teilen sowie etlichen Komponenten weniger bekannter Hersteller.

Wer eine Selbsthilfewerkstatt in seiner Stadt hat, kann nun einkaufen und mit einem Bollerwagen voll Teile dort aufkreuzen. Oder im nächsten Artikel im Überblick lesen, was man vor der Montage wissen sollte und es dann vielleicht komplett selber bauen.

Viele Fahrradfahrer auf einer StraßeDas Fahrrad ist wohl das Verkehrsmittel, das am Wenigsten ernst genommen wird, vorgesehen für Leute ohne Geld und mit zu großem Umweltbewusstsein. Das ist natürlich Quatsch, alleine schon weil niemand etwas dagegen haben wird, Geld zu sparen und die Umwelt zu schonen. Aber auch ganz praktisch hat das Fahrrad in der Stadt gravierende Vorteile.

Wer ein vernünftiges Fahrrad fährt und keinen klapprigen Drahtesel, kann durchaus auch Zeit sparen. Dabei rede ich nicht von Fahrrädern für mehrere tausend Euro. Anständige Fahrräder von der Stange bekommt man schon für wenige hundert Euro, auch selber bauen ist eine Option (dazu später mehr in anderen Artikeln).

Hier ein paar Beispiele:

  • Zu Kaufland benötigt man von meiner Wohnung 7 Minuten mit dem Auto, 9 mit dem Rad. Mit dem Bus braucht man deutlich länger.
  • Zum Probenraum sind es 12 mit dem Auto, unter 20 mit dem Rad, je nachdem wie schnell man auf der freien Strecke fährt - denn als Radfahrer kann man den ampel- und kreuzungsfreien Chemnitztalradweg nutzen. Der Bus braucht auch hier länger als beide Varianten.
  • Auch auf dem Weg zum CVJM, der auf einem der höchsten Punkte der Stadt liegt, bin ich mit dem Fahrrad schneller als der Bus.

Mein bisheriger Geschwindigkeitsrekord liegt bei 49,6km/h, 30km/h auf ebener Strecke sind realistisch. Da wird man in Wohngebieten sogar von Autos nicht mehr überholt.

Die BikeCitizens, die auch die Fahrradhalterung Finn vertreiben, haben ihrem Kartendienst eine Funktion hinzugefügt, die sehr schön darstellt, wie weit man in seiner Stadt in einer bestimmten Zeit bei einem bestimmten Fahrstil mit dem Fahrrad kommt. Ich schaffe es in 30 Minuten bis an den äußersten Stadtrand. BikeCitizens Maps

An dem Argument des Geldsparens ist natürlich auch was dran. In der Anschaffung liegt ein Fahrrad mehrere Größenordnungen unter Gebrauchtwagen. Werkstattbesuche sind auch 2015 noch überflüssig, alle Teile kann man mit einer anständigen Werkzeugkiste selber warten und austauschen. Ersatzteile kosten größtenteils unter 50€, auf jeden Fall aber unter 100€. Steuern fallen keine an, lediglich die Versicherung fällt relativ zum Kaufpreis meistens recht teuer aus. Und das Konzept der effektiven Geschwindigkeit finde ich auch interessant.

Am meisten freue ich mich über das Fahrrad im Berufsverkehr. Zwar muss man dann mit aggressiven Autofahrern kämpfen (wer die Nerven schonen will, fährt dann lieber Bus). Aber ein Fahrrad passt an jeder langen Autoschlange vorbei - der Zeitvorteil in der Stadt wird also immer größer, je dichter der Verkehr ist. Auch Parkplatzsorgen gehören der Vergangenheit an (auch wenn man an belebten Orten wie der Uni durchaus auch mit dem Fahrrad mal etwas suchen muss).

Ein beliebtes Argument für Autos ist nach wie vor die Möglichkeit, mehr zu transportieren. Wer es ernst meint mit dem Radfahren, verwendet ein Lastenrad und kauft auch für eine ganze Familie ein, aber auch mit einem Rucksack und einem normalen Fahrrad mit Fahrradtaschen oder einem großen Gepäckträgerkorb kann man den Wocheneinkauf für zwei Personen erledigen. Für ein paar Euro bekommt man außerdem Spanngurte, mit denen sich auch Reisegepäck bei Fahrradtouren oder Wasserkästen beim Einkauf transportieren lassen. In den paar Minuten, die die Montage benötigt, kreisen Autofahrer noch um den Block auf der Suche nach einem Parkplatz.

Auf dem Land oder in Kleinstädten mögen die Verhältnisse anders sein - ein Auto ist dort vielleicht in mehr Fällen notwendig. Aber gerade der Vergleich zum öffentlichen Nahverkehr wird dort erst recht stimmen, und letztlich ist es auch oft eine Frage der Bequemlichkeit. Wer Regen scheut oder es nur ein paar Minuten auf dem Fahrrad aushält, ist damit nicht gut beraten. Aber vernünftige Kleidung, etwas Training und im Winter Spikereifen (für Autos verboten, für Fahrräder erlaubt) schaffen meistens Abhilfe.

Fotoquelle: Frerk Meyer auf Flickr, lizensiert unter CC-BY-SA 2.0

Manchmal fallen die Dinge so zusammen, wie es sich keiner ausdenken kann. So wie neulich, als ich vom Kirchentag zurückfahren wollte, meinen Bus verpasste und dafür in einer Mitfahrgelegenheit landete, deren Fahrer meinen letzten Auftritt gesehen hatte und mit einer weiteren Mitfahrerin, deren letzten Auftritt ich gesehen hatte. So auch heute wieder.

Nachdem ich mehrere Semester lang meine Fahrradschrauberkenntnisse in der Uni-Selbsthilfewerkstatt verbessert hatte, begann ich vor einigen Wochen, ein neues Fahrrad selbst zu bauen. Dafür war ich auch heute wieder in der Werkstatt, wo uns ein ehemaliger Mitarbeiter besuchte, der einem "Kunden" mit Fachwissen aushalf. Es stellte sich heraus, dass er inzwischen bei einer lokalen Fahrradwerkstatt arbeitet, bei der ich mich kürzlich beworben hatte. Auf meine Bewerbung bekam ich keine Antwort - aber anscheinend ist die Tätigkeit dort sowieso wesentlich weniger interessant, als ich es mir vorgestellt hatte. Und, umso besser, inzwischen hat sich ohnehin ergeben, dass ich lieber eine Stelle an der Uni annehmen möchte, von der ich zum Zeitpunkt meiner Bewerbung bei besagter Werkstatt noch nichts wusste. So fügt sich eins zum anderen...

Zu dem Fahrrad-Selbstbau-Projekt wird es hier sicher auch noch den ein oder anderen Artikel geben. Vorerst ein paar Bilder. Die Foto-Seitenleiste hat nun auch eine Galerie-Funktion, also einfach anklicken. hahahah

Grünes Fahrrad fertig.JPGGrünes Fahrrad halbfertig.JPGGrünes Fahrrad Einzelteile.JPG

Als ich mal einige Monate Nachtschicht gearbeitet habe, entdeckte ich meine Liebe zum Fahrradfahren wieder. In der Nähe der Westfalenhallen in Dortmund, wo ich damals oft war, gab es eine Mietstation für Leihräder. Nur wenig später wollte ich auch wieder außerhalb der Stadt fahren und im Alltag und so erstand ich ein gebrauchtes Rad über eine Kleinanzeigenbörse. Man kann darüber streiten, ob das eine gute Idee war, Fakt ist: Das Rad ist robust und der Grundrahmen übersteht echt einiges, und in Chemnitz bin ich über die Vollfederung jeden Tag froh.

In den 1,5 Jahren, die das Rad nun mein ist, habe ich geschätzt um die 2000km abgerissen und einige Erfahrungen möchte ich nun einfach mal unsortiert weitergeben. Empfehlenswerte Technik, die ich gekauft habe und immer noch verwende, verlinke ich einfach mal schamlos; solltet ihr über einen dieser Links etwas kaufen, kommt mir eine kleine Provision zugute - für euch ändert sich nichts.

  • Meine erste Fahrradreise ging in den Norden, und zwar im Winter. Also schaffte ich mir Winterreifen an, um gegen Eis und Schnee gerüstet zu sein. Spikereifen vorne und Universal-Geländereifen hinten. Spikereifen erhöhen die Reibung massiv, daher habe ich darauf verzichtet, zwei davon einzusetzen. Im Norden habe ich keinen Nutzen davon gehabt, aber später im Winter auf vereisten Brücken in der Stadt war ich mehr als einmal froh, noch bremsen und lenken zu können.
  • Reifenwechsel am Fahrrad ist kein Hexenwerk, auch wenn ich kräftig geflucht und am Anfang wirklich lange gebraucht habe. Besonders nervig war dabei, dass Bike24 meine Reifen in einen zu kleinen Karton gequetscht hat, so dass ich sie alleine drei, vier Mal aufziehen musste, bis sie ihre vorgesehen Form annahmen. Geduld und Spülmittel zum Gleiten auf der Felge helfen, ebenso eine gute Pumpe und Reifenheber.
  • Ein Reinfall war hingegen die Fahrradhalterung für mein Tablet. Da ist die Auswahl eh nicht gerade groß und die einzige, die für mein Tablet und meinen Lenker passend schien, versagte trotzdem direkt beim innerstädtischen Test nach wenigen Metern. Das Tablet flog nach vorn und überlebte (die Spikereifen waren da schon wieder runter...), die Halterung hat's direkt zerlegt. Seitdem liegt das Tablet bei Bedarf im Lenkerkorb.
  • Einen klassischen Felgendynamo will heutzutage niemand mehr und neuerdings sind Akkulampen ja sogar gesetzlich zulässig, wenn auch noch nicht eindeutig genug. Aber Grauzone ist besser als verboten. Meine sind jedenfalls ganz wunderbar, ich bin schon mehrfach angesprochen worden, wo die denn her seien. Ein Handgriff und sie sind dran, ein Handgriff und sie sind wieder ab und damit vor Diebstahl sicher. Man sollte allerdings direkt Akkus dazu kaufen und keine Batterien verwenden, denn auch wenn die Lampen sehr lange mit einer Ladung auskommen, gehen Batterien schnell ins Geld.
  • Nicht nur die Beleuchtung und die Reifen, auch die meisten anderen Teile meines Drahtesels sind inzwischen ausgetauscht worden. Völlig problemlos wechseln kann man zum Beispiel die Bremsen - brauchbare Felgenbremsen gibt es schon für unter 10€ (z.B. Shimano Acera) und den teilweise verbauten Billigbremsen sind selbst die deutlich überlegen. Ansonsten auf jeden Fall daran denken, die Bremsbeläge zu erneuern, wenn sie abgefahren sind! Für beides braucht man bei den einfachen Felgenbremsen nicht mehr als einen 5er Inbusschlüssel oder einen 10er Ringschlüssel (meistens ersteres), beides gibt's im Baumarkt für unter 5€.
  • Auch überraschend einfach sind Arbeiten an Gabel, Lenker und Steuersatz. Das dafür nötige Werkzeug kostet ein paar Euro mehr, kann aber sicher bei einem Bekannten mit gut sortiertem Werkzeugkoffer geliehen werden. Meine Gabel musste ich wechseln, weil die Schraube der Bremsaufnahme gebrochen und die Bremsaufnahme somit unbrauchbar geworden war (ich konnte keine Vorderradbremse mehr montieren). Sehr ärgerlich und vor allem die bisher teuerste Reparatur. Dafür weiß ich nun, wie die Lenkung montiert ist - wenn also z.B. mal Spiel in der Lenkung ist, nicht abschrecken lassen, im Internet finden sich eine Menge gute Anleitungen und in verschiedenen Foren, z.B. radforum.de, wird auch Anfänger-Schraubern gerne geholfen.

Das nächste Projekt wird der Wechsel der Kassette (hinteres Zahnradpaket der Schaltung) und der Kette. Diese nutzen sich gegenseitig mit der Zeit ab und müssen irgendwann einfach ausgetauscht werden, weil die Kette sich dehnt und dann beim Schalten nicht mehr so gut über die Zahnräder läuft bzw. weil die Kassette sich abnutzt und die Kette nicht mehr so gut greifen kann. Das äußert sich dann typischerweise darin, dass man den Schalthebel zweimal drehen muss, um einen Gang zu schalten. Nicht schlimm, aber nervig, und mit 24€ halten sich die Kosten auch noch im Rahmen. Mit der neuen Kassette habe ich dabei auch gleich meine Gänge ein bisschen variiert - je nach Anzahl der Zähne auf den Zahnrädern kann man beeinflussen, ob z.B. der erste Gang besonders leicht oder der höchste besonders effektiv ist. Am Montag geht's in die Selbsthilfewerkstatt der Uni und danach hoffentlich wieder raus auf die Radwege. hahahah

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