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[Gastartikel] Der Energiespar-Staubsauger kommt

Mit der sukzessiven Ausrottung der Glühbirne durch die EU, beginnend im Jahr 2009, teilte sich Deutschland einmal mehr in seine natürlichen Elemente: Die Spieß- und die Wutbürger. Die Spießbürger tauschten vom Keller bis zum Dachboden alle energiehungrigen Glühbirnen durch schöne, neue Kompaktleuchtstofflampen aus. Sie leben seitdem bis heute glücklich im fahlen Licht der Gasentladung. Die Wutbürger hingegen begannen damit, Glühbirnen zu horten. Als auch das nichts mehr half, sprangen die großen Leuchtmittelproduzenten den Wutbürgern bei und produzierten Halogenleuchtmittel in der Form von guten, alten Glühbirnen. Nur die Mattierung des Glaskörpers war für immer verloren. Doch auch die Spießbürger fanden in ihrem innersten keine Symapthie für die Energiesparlampe. So vereinten sich Spieß- und Wutbürger aufs Neue zur gemeinsamen Abwehr weiterer irsinniger Verordnungen aus Brüssel. Gemeinsam schaffte man es, das Ölkännchen-Verbot zu kippen.

Doch nicht immer war man erfolgreich. Denn im Gegensatz zum Einmal-Öl-Portionierer wird der Energiespar-Staubsauger tatsächlich kommen: Ab September 2017 dürfen Staubsauger dann nicht mehr als 900 Watt verbrauchen. Von September 2014 bis August 2017 gilt eine gnädige Übergangsregelung, die die Nennleistung auf 1600 Watt begrenzt. Die Spieß- und die Wutbürger sind mittlerweile jedoch ein eingespieltes Team. Während die Wutbürger bereits planen, wie man Energiespar-Staubsauger mit Flugzeugturbinen nachrüsten kann, lesen die Spießbürger die entsprechende EU-Verordnung und rechnen aus, ob die Verlängerung der Saugzeit durch die Verminderung der Saugkraft nicht sogar zu einem Anwachsen der Energiekosten führt.

In der EU hingegen ist man hingegen schon viel weiter. Weitgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit denkt man dort bereits einmal mehr über die Verordnung von Wasserspar-Duschköpfen nach. Für Deutschland bedeutet das möglicherweise einen Anstieg der Wasserkosten, da durch einen verringerten Wasserverbrauch die Leitungen öfter gewartet werden müssen. Aber darum kümmern sich sicherlich zu gegebener Zeit die Spieß- und die Wutbürger.



Prioritätensetzung bei der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn legt also in Zukunft mehr Wert auf die Verwendung deutscher Begriffe an Stellen, an denen auch Anglizismen verwendet werden könnten. Wie schön. Das kann man nützlich finden in einer Zeit, in der deutsche und englische Sprache immer mehr gemischt werden - oder unnötig, oder zu spät. Ich habe kein Problem mit Anglizismen; viele deutsche Sprachkonstrukte werden sowieso falsch verwendet und gerade im ÖPNV ist es doch schön, wenn Ausländer auch dort Begriffe erkennen, wo nicht explizit deutsche und englische Variante angeboten werden.

Viel interessanter finde ich aber, dass so ein Thema überhaupt Relevanz hat - denn man sollte meinen, die Bahn hat andere Probleme. Hier in Dortmund zum Beispiel wird gerade am Bahnhof gebaut; auch an der Strecke Gelsenkirchen - Wanne-Eickel - Herne - Castrop-Rauxel, die ich wöchentlich fahre, wird gebaut (zum dritten Mal in diesem Jahr. Der Aufzug am Bahnhof Herne ist auch seit über zwei Jahren in Arbeit). Dass das den Zugverkehr allgemein erschwert, kann ich noch verstehen; aber es kommt in letzter Zeit auch öfter zu anderen Problemen in Dortmund, wie dem Ausfall des Stellwerks kürzlich und dem daraus folgenden Totalausfall des gesamten Bahnhofs. Möglicherweise besteht da ein Zusammenhang.

Ein anderes Thema, welches gerade im Ruhrgebiet mehr Beachtung verdient: Barrierefreiheit. Als ich kürzlich im Norden auf Radtour war, staunte ich darüber, wieviele Aufzüge es dort gibt. Ich weiß nicht, woher die Neigung zu Rolltreppen an westdeutschen Bahnhöfen kommt - Rolltreppen sind nutzlos. Menschen ohne Gepäck und ohne Behinderung können auch normale Treppen benutzen. Und denjenigen, die auf Rollstuhl oder Krücken angewiesen oder mit Kinderwagen, Fahrrad oder schwerem Gepäck unterwegs sind, wäre mit einem Aufzug mehr geholfen. Rolltreppen fördern nur die Faulheit der Menschen.

"Mehr geholfen" stimmt dabei sogar nur in einigen Fällen. Ich kann mein Fahrrad - wenn auch unter Anstrengung, weil es mit Gepäck fast 30 Kilo wiegt - auch die Treppe hochtragen. Wer auf Gehhilfen angewiesen ist, hat oft keine Möglichkeit, Treppen zu überwinden, und Rolltreppen helfen da oft ebenfalls nicht - weil sie zum Aufsteigen nicht angehalten werden können.

In Dortmund gibt es nur an einem einzigen Bahnsteig einen Aufzug, der obendrein nur von der Hauptebene erreichbar ist. Die wiederum ist aber nur vom Südeingang barrierefrei erreichbar, der Nordeingang liegt tiefer - und hat nur eine Rolltreppe als Verbindung zur Hauptebene und einen Aufzug in die Tiefebene, wo die U-Bahnen fahren. Soll heißen: Wer auf einen Aufzug angewiesen ist, hat keine Chance, selbstständig die Gleise 6-31 zu erreichen. Dortmund ist ein Extrembeispiel, aber auch an anderen Bahnhöfen sind nicht alle Gleise barrierefrei erreichbar, vor allem die, wo nur S-/Regionalbahnen halten. Übrigens: von dem einen Bahnsteig, den man in Dortmund mit einem Aufzug erreichen kann, fahren nur S- und Regionalbahnen.

Eigentlich ist das aber total egal. Von den anderen Gleisen fahren dann nämlich vor allem Fernzüge und Regionalzüge mit langen Strecken wie RE 1 (Paderborn - Aachen) oder RE 6 (Minden - Düsseldorf), also die Hauptlinien des Bundeslandes. Die werden von besonders vielen Fahrgästen genutzt - deshalb hat man sich für doppelstöckige Zugmodelle entschieden. Damit kann man bei gleicher Zuglänge ungefähr doppelt so viele Menschen transportieren. Ups - nur fast. Alle, die beim Einsteigen darauf angewiesen sind, dass sie keine Lücke und keine Stufen überwinden müssen, bleiben draußen.

Denn sowohl die hochmodernen, schnellen Fernzüge, als auch die doppelstöckigen Regionalzüge haben eine Treppe am Einstieg. Das an sich ist schon ein Hohn im Zeitalter der Niederflur-Bahnsteige. In den Doppeldeckern geht es dann direkt weiter: Zu beiden Ebenen muss man eine weitere Treppe überwinden. Das ist auch für Reisende mit Gepäck eine Zumutung, ganz zu schweigen davon, dass das Reisen mit einem Fahrrad oder Kinderwagen zum Horrortrip ausartet. Zusätzlich führen die Treppen dazu, dass auch gesunde Reisende sich zweimal mehr als sowieso schon überlegen, ob sie den Gang entlang laufen und einen freien Sitzplatz suchen oder lieber den Türbereich verstopfen. Und es verlangsamt das Ein- und Aussteigen allgemein.

Wenn die Deutsche Bahn ihre verbeamteten Mitarbeiter mit einem Großprojekt beschäftigen muss, sollte sie sich lieber die Fahrpläne vornehmen. Die zu überarbeiten kostet bestimmt nicht mehr als das Umstellen von 2200 Anglizismen auf deutsche Begriffe - hätte aber sicher einen positiveren Effekt. Denn während Privatunternehmen wie die NordWestBahn einplanen, dass im Berufsverkehr mehr Leute mit dem Zug fahren und die gleiche Strecke daher nicht in der gleichen Zeit bewältigt werden kann, beharrt die Bahn auf ihrem gleichmäßigen Stundentakt, der regelmäßig zur Hauptverkehrszeit zu Verspätungen führt.

Da Züge aber sowieso je nach Wochentag, Uhrzeit und Mondphase Fahrtziel, Länge der Strecke und Uhrzeit der letzten Fahrt ändern, sollte man ohnehin nicht auf die Regelmäßigkeit vertrauen. Mal ganz davon abgesehen, dass auch die Aushangfahrpläne manchmal falsch sind - so werden in Essen falsche Gleise angegeben, in Dortmund fehlt beim RB 43 (ein Zug der Konkurrenz!) die Mehrzahl der Haltestellen. Und mit regelmäßig auftretenden Verspätungen bringt ganze getaktete Plan sowieso nichts. Daher sollte die Deutsche Bahn mal ihre Verspätungen auswerten und in den Fahrplan übernehmen - Fahrgäste nehmen Verspätungen weniger übel, wenn sie planmäßig sind.



Die Kunst des Kunstrasenlegens

Neben attraktiven Aufträgen wie den Konzerten der Toten Hosen und Silbermond und finanziell attraktiven Aufträgen wie der aufwändigen AIDA Night of the Proms gibt es für Stagehands bei einer Personalvermittlungsfirma leider auch manchmal ätzende Jobs. So wie der Kunstrasen-Job. Arbeitsbeginn morgens um 3, planmäßige Dauer 4-6 Stunden. Die Nachtarbeit war dabei gar nicht das Problem...

Nach zwei Stunden beschlossen unsere wenig kommunikativen Arbeitsleiter (der Chef, ein zweiter etwas älterer Herr und ein junger ergebener Untertan), dass sie jetzt Frühstückspause haben - und verschwanden ohne weiteren Kommentar. Und ohne zu fragen, ob wir auch was von der Tanke wollen. Das mit der Frühstückspause haben wir uns auch nur aus den vorherigen Kommentaren zu nicht vorhandenem Kaffee zusammen gereimt... So saßen wir dann über eine Stunde einfach rum, denn Arbeiten ohne Anweisung ist strikt verboten und Kontaktdaten hatten wir keine. Ätzender kann eine Schicht kaum anfangen - zumal wir zu dem Zeitpunkt noch dachten, wir seien eh in absehbarer Zeit fertig, denn das Ausrollen der Rasenstreifen hatten wir inzwischen raus und zwei Drittel lagen bereits.

Gut eine Stunde später ging es also kommentarlos, ohne jegliche Erklärung oder Entschuldigung, genauso weiter wie vorher. Der Chef war inzwischen deutlich redseliger geworden. Er war mit seiner Firma, die offenbar Böden aller Art, also auch Gießböden wie Beton, anbietet, ja schon überall! In den USA für ein Laufturnier und in Australien und ach, am schönsten ist es in Malaysia, da ist das Essen so günstig. Und während er in einem irren Tempo immer wieder die gleichen Geschichten noch weiter ausschmückte, blieb keine Energie mehr zum Arbeiten übrig, so dass wir immer wieder einfach rumstanden und uns sein Gequatsche anhören mussten, statt zu arbeiten.

So ein Kunstrasen muss dann irgendwie rutschsicher gemacht werden und eine verbreitete Methode ist, zwischen die Bahnen Klett auf den Boden zu legen und das Flausch-Gegenstück auf den Bahnen daran zu befestigen. So hält sich der gesamte Boden durch sein Gewicht von Naht zu Naht. Unser Flauschband musste nun erst noch angeklebt werden und nun könnte man denken, das sei ja kein Akt. Aber bei dieser Firma braucht man zum Anbringen von 16 solcher 23m langen Streifen - 8 Mitarbeiter und fast 5 Stunden! Dabei klebt nur einer, zwei wärmen vorher den Boden mit Heißluftföhnen auf (der Kleber klebt nur richtig, wenn er warm ist - da erwärmt man natürlich den Boden, nicht den Kleber!), zwei halten den Streifen hoch, damit er den am Boden arbeitenden nicht auf dem Kopf festklebt, einer wickelt die Schutzfolie des Streifens auf (!), einer geht hinterher und tritt den Streifen fest und einer passt auf, dass sich die Kabel der Heißluftpistolen nicht verheddern.

Nach ein paar Bahnen verlor ich fast den Verstand und riss den Flauschstreifen an mich. Am Anfang durften wir nicht - schwierige Arbeit! - aber die Tatsache, dass wir für eine Naht eine halbe Stunde brauchten, hatte dann auch die Vorarbeiter etwas mürbe gemacht. Als dann noch zwei der anderen dazu kamen und auch das Vorwärmen beschleunigten, brauchten wir - Überraschung - nur noch 10 Minuten.

In dem gleichen Tempo wurde dann den Rest des Tages weiter gearbeitet. Die Tribünenbauer kamen und gingen, die Bandenbauer kamen und gingen auch irgendwann wieder, nachdem sie auf uns warten mussten, weil wir nicht im Zeitplan waren (warum wohl? Es gab doch sogar Kaffee!), die Presse kam und verschwand wieder. Wir blieben und schnitten Löcher in den Rasen, um mit weiß gefärbten Streifen die Strafräume zu markieren (hat man das nicht mal mit Kreide gemacht?). Das gleiche Spiel dann nochmal für die Logos der beteiligten Firmen, die auch ins Feld eingebaut wurden. Immer wieder schneiden, Folie mit Kleber bestreichen, nochmal nachmessen, die Messung korrigieren, kleben, warten, Pause machen, und weil es so anspruchsvolle Arbeit ist und zu wenig Werkzeug da war, durften wir auch nicht ran und konnten nicht auf beiden Spielfeldseiten parallel arbeiten.

Das Tollste daran war dann immer, wenn man mal nachgefragt hat, ob man denn mal arbeiten könnte (!). Zum Beispiel wenn der Chef am Rand saß und niemand etwas tat. Dann wurde nämlich in jammerndem Ton vorgetragen, was noch alles gemacht werden müsse. Ja wie wär's denn dann mal mit anfangen?! Schon die Aktion mit den Heißluftpistolen hätten die drei Firmenangestellten ohne uns fünf Helfer erledigen können, für das Schneiden wären wir auch nicht erforderlich gewesen. Nach 12,5 Stunden (!) musste ich dringend zu einem anderen Termin. Fertig war das Feld da immer noch nicht - es wurden immer noch Löcher geschnitten und danach musste auch noch Kunstrasengranulat gestreut werden...

Nach diesem Einsatz werde ich jedenfalls keine Aufträge mit unkalkulierbarem Risiko annehmen, nur weil ich denke, dass es mal was anderes ist als Rock'n'Roll. Warum ich bei dieser absolut lächerlichen Nummer nicht komplett den Verstand verloren habe, ist mir bis heute nicht klar...



Ihre nächsten Anschlüsse, heute ca. 35 Minuten später

Bitte nicht einsteigen, der Zug endet hier.

Also, erstens heißt es "Die Zugfahrt endet hier". Der Zug endet nämlich da hinten am Ende des Gleises. Zweitens stehen hier Fahrgäste, die ganz unbeirrt einsteigen, während andere davon sichtlich verwirrt sind, weil auch die Anzeige behauptet, hier sei Endstelle. Eigentlich sollte hier auch mal langsam der Regionalexpress ankommen.

Ihre nächsten Anschlüsse...

Hm. Also, das mit dem Regionalexpress kann ja schonmal nicht funktionieren, wenn der ICE planmäßig um 20:40 ankommt und um 20:45 schon planmäßig der RE abfährt.

An Gleis 16 steht bereit, der ICE 917 nach Stuttgart, planmäßige Abfahrt 20:37.

Ah, cool, der ICE, der um 20:40 ankommen sollte, fährt also um 20:37 weiter als ein anderer ICE. (Inzwischen ist es 20:43).

An Gleis 11, Ihre nächsten Anschlüsse...

Ein Blick zur Anzeige. Ach, der Zug der da auf Gleis 11 steht, ist der RE, auf den hier die meisten gewartet haben. Hauptsache die Fahrgäste, die aussteigen, wissen, in welchen Zug sie spontan einsteigen können. Und erst die zahlreichen ICE-Fahrgäste, die hier ausgestiegen sind (ungefähr zwei)! Aber die ICE-Fahrgäste haben ja auch mehr bezahlt, da kann man ihnen den Mehrkomfort ja gönnen. Ach nein...

...ICE 945 nach Berlin Hauptbahnhof, planmäßige Abfahrt 19:28, heute ca. zehn Minuten später, von Gleis 9.

Danke für den wertvollen Tipp. Es ist 19:46 und der RE muss noch einen Moment warten, "wegen der Überholung durch den Inter...Intr..Intrazity auf Gleis krrrksch direkt gegenüber". Aber im Gegensatz zum ICE, der stundenlang viele Kilometer durch Deutschland fährt und dabei keine fünf Minuten Verspätung aufholen wird, bestehen beim RE zumindest Chancen, drei Stationen weiter wieder pünktlich in Essen anzukommen.



Das geheime System

Die Deutsche Bahn hat ja bekanntlich eine Reihe von Regelungen, die regelmäßig zu Verärgerung bei den Fahrgästen führen. Dazu gehört auch, dass zuschlagspflichtige Fernzüge (ICE/IC/EC) bei Engpässen im Schienennetz Vorrang haben. Manchmal zweifle ich aber daran, ob diese Regelungen Sinn ergeben. Also, abgesehen davon, dass ich das Zweiklassensystem der Deutschen Bahn generell anzweifle.

Hat man dort zum Beispiel schon darüber nachgedacht, dass ein ICE möglicherweise einen Regionalzug aufhält, mit dem andere Reisende eben diesen ICE erreichen wollten? So stand ich heute in Kamen und wollte nach Dortmund und in einer Zeitspanne, während der drei Regionalzüge kommen sollten, fuhren drei Fernzüge ohne Halt durch. Was ist denn, wenn ich meinen ICE nicht erreiche, weil der Regionalzug, den ich als Zubringer benutzen wollte, Verspätung hat, weil ein ICE Vorrang bekommen hat? Oder gilt die Vorrangregelung nur für verspätete Fernzüge? Dann hätten allerdings ziemlich viele Fernzüge Verspätung. Zugegeben, das erscheint gar nicht so unwahrscheinlich...

Fassungslos war ich auch, als ich letztens mit einer Freundin unterwegs war, die gehbehindert ist. Wir wollten zur Veganermesse in Essen und danach mit einem Bus voller TEN SINGer nach Ehringen zur dortigen Show. Der Tag fing schon gut an, als sie falsch beraten wurde, mit welcher Straßenbahn man zum Bahnhof Zollverein kommt; da die alten Straßenbahnen mit Stufen nicht gut zu benutzen sind, wenn man auf Krücken unterwegs ist, trafen wir uns durch den Umweg über eine Stunde später. Im Gebäude der Messe war dann der Aufzug deaktiviert - bzw. man konnte nur zwischen Keller und Erdgeschoss fahren, in die anderen Stockwerke nur, wenn dort von außen jemand die Ruftaste drückte. Wer kommt auf so eine Idee?

Während das aber durchaus noch unterhaltsam war, weil wir uns manchmal einfach mit anderen Leuten in den Aufzug stellten und warteten, dass oben jemand drückte, habe ich mich hinterher einmal mehr über die Bauweise von Bahnhöfen aufgeregt. Wenn man mal darauf achtet, fällt einem erstmal auf, wie viele Bahnhöfe keinen Aufzug haben. Gerade an kleineren Bahnhöfen wie dem an der Zeche Zollverein gibt es meist nur eine normale Betontreppe. Aber selbst an großen Bahnhöfen wie dem Essener Hauptbahnhof - Kulturhauptstadt 2010 und achtgrößte Stadt Deutschlands - muss man teilweise Treppen überwinden, weil nur innerhalb der Gebäude Aufzüge vorhanden sind, draußen aber auch keine vollständige Barrierefreiheit gegeben ist. In Dortmund gibt es nur an einem Gleis überhaupt einen Aufzug, an den anderen teilweise Rolltreppen, die aber auch keine Hilfe sind. Und an beiden Bahnhöfen liegen teilweise Gleise hintereinander oder zumindest weit weg vom Aufzug - ein Konzept, das ich nie verstehen werde. Wieso baut man einen Bahnsteig mit zwei Gleisen und dahinter um eine Ecke rum nochmal vier Gleise? Da kommt doch kein Mensch drauf. Keine Chance dort einen knappen Anschluss zu bekommen.

Und dann erzählt die Bahn, wie sie mit dem Geld aus den Konjunkturpaketen Bahnhöfe saniert hat: Elektronische Anzeigen hat man dort installiert und Wetterschütze. Das sind dann diese Stellen, die offiziell nur "Haltepunkt" heißen - ein Stück Beton an ein Gleis dran gebaut, irgendwo im Nirgendwo, im Idealfall mit Aushang, wann dort ein Zug vorbei kommt. Und wird mal ein Aufzug gebaut, dauert es Jahre - so wie in Herne, wo die Bauarbeiten begannen, als ich einzog, und noch nicht beendet waren, als ich wieder weg zog.

Wir haben jedenfalls am Ende erst den Zug in Essen und dann den Zug in Dortmund verpasst und so auch den Bus, so dass wir das Konzert nicht mehr erreichen konnten. Und wir waren noch in der glücklichen Situation, Treppen überhaupt überwinden zu können - wie schwierig muss das Reisen mit dem Zug dann erst für Rollstuhlfahrer sein?



Wenn man Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten

Spiegelreflexkameras sind zu billig und zu populär geworden. Das ist eine mögliche Begründung dafür, warum alle sozialen Netzwerke von Fotos überschwemmt werden, die von den meisten nicht für gut gehalten werden.

Den meisten? Die Blitzlichtfotos meiner Freunde von der letzten Party erhalten auf Facebook eine Menge positives Feedback. Und auch die arrogante erwachsene Fotografin, die letztens bei einem Konzert mit externem Blitz und Vollautomatikmodus rumrannte und mich nicht nur einmal blendete, hat sicherlich Lob erhalten für ihre Publikumsaufnahmen mit weißen Gesichtern vor im Schwarzen abgesoffenem Hintergrund.

"Die meisten" sind wohl eher diejenigen, die nicht nur für sich selbst fotografieren. Die mehr können als den Automatikmodus, wissen, was der Unterschied zwischen Tiefenschärfe und Schärfentiefe ist und was man mit Blende und Belichtungszeit anstellen kann. Die, die sich darüber aufregen, dass jeder zum Saturn rennen und sich irgendein Spiegelreflexkit kaufen kann. Auch ich gehöre dazu. Ich hasse Blitzlichtfotos.

Aber warum regen wir uns eigentlich auf? Die Berufsfotografen sagen, die Amateure nehmen ihnen die Aufträge weg und sorgen für Dumpingpreise. Ich wage zu behaupten, dass das nur die Berufsfotografen trifft, die sowieso nicht so richtig von ihrem Beruf leben können. Die kleine Konzerte oder private Veranstaltungen fotografieren, wo es dem Auftraggeber nicht so wichtig ist, dass die Fotos sowohl knackscharf als auch farblich originalgetreu und obendrein druckbar sind. Denn die eingangs erwähnten Greenhorns nimmt eh niemand ernst, der für Fotos Geld bezahlt (und alles andere ist egal, denn einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul). Und wer für eine relevante Summe Geld einen Auftragsfotografen bucht, wird erwarten, dass dieser Fotograf auf jeden Fall zum vereinbarten Termin vereinbartes Material liefert. Deshalb würde auch ich solche Aufträge nicht bekommen, obwohl ich - soviel Selbstbewusstsein muss sein - durchaus anständige Fotos mache, weil ich gar keine Lust habe, unter Druck zu fotografieren.

Aber auch die ernsthaften Hobbyfotografen jammern rum. Die Masse an Fotos zerstöre den Wert des einzelnen. Außerdem sei irgendwann alles fotografiert worden. Ganz ehrlich? Räumt halt mal eure Streams auf. Wenn ihr die amateurhaften Fotos nicht sehen wollt, filtert sie aus. Gebt euch halt nicht mit denen ab. Blockiert Leute auf Facebook, folgt weniger Leuten in Fotocommunitys.

Oder respektiert, dass eine Menge Leute gar nicht fotografieren, um Fotos zu produzieren, die druckbar und Geld wert sind. Man kann nämlich auch fotografieren einfach nur um etwas für sich persönlich und vielleicht noch ein paar Freunde festzuhalten. Deshalb darf man sich auch auf Facebook feiern lassen, wenn man ein Foto mit dem Lieblingskünstler ergattert hat, auch wenn es fehlfokussiert ist oder aufgrund des Blitzes die Farben nicht schön sind - denn es hilft, sich an einen schönen Abend zu erinnern.

Und die meisten dieser Leute behaupten auch gar nicht von sich, gute Fotografen zu sein. Viele bezeichnen sich gar nicht erst als solche. Unter Druck gesetzt werden sie erst, wenn die, die sich für gute Fotografen halten, anfangen, rumzumotzen. Dabei macht sich dann aber nur eine Seite lächerlich - und die fotografiert nicht mit Blitz.



Dortmunder Gewinner & Verlierer (kein Fußball)

Wobei es heute erstaunlich ruhig war und ist überall on- und offline. War das Spiel so belanglos?

Egal. Mich verärgert jedenfalls gerade, dass die Westfalenhallen so schlecht an das U-Bahn-Netz angebunden sind. Also, schlecht ist relativ, zwei Linien halten dort relativ oft - bis ab Mitternacht nichts mehr fährt. Und in den Nächten auf Sonntag dauert es bis halb 8, bis die Hallen wieder angefahren werden. Nachtbusse fahren dort auch nicht vorbei. Ganz schön bitter für so eine Metropole wie Dortmund.

Noch bitterer ist, was auf meiner früher bevorzugten, nun fast-monopolistischen1 Online-Fahrplanauskunft vrr.de passiert, wenn man sich in Dortmund bewegen will. Seit dort auf ein neues System umgestellt wurde, bekommt man ja generell sehr schlechte Ergebnisse, auch, weil nun noch seltener kurze Strecken zu Fuß eingeplant werden und man stattdessen wilde Fahrten mit Bussen machen soll. Die aktuelle Krönung ist, dass für die Westfalenhallen nicht die Haltestelle Westfalenhallen, sondern die Haltestelle Stadion verwendet wird. Dabei ist die viel weiter weg!

Vielleicht wurde dabei an die Techniker gedacht. Wenn man nämlich hinten am Liefereingang rausgeht, ist es unter Umständen tatsächlich kürzer, zum Stadion zu laufen. Trotzdem bewegt man sich damit in die falsche Richtung, denn wenn man dann in die U-Bahn einsteigt, ist der nächste Halt auf jeden Fall "Westfalenhallen".

Besser funktioniert da das Fahrradleihsystem von Nextbike, das auch sämtliche Metropolrad Ruhr-Stationen einschließt. Einfach Karte dranhalten, PIN und Radnummer eingeben und losfahren - das ist nicht nur die Werbung, sondern die Realität. So bin ich dann Freitag Nacht mit dem Rad nach Hause gefahren - denn dankenswerterweise sind sowohl die B1 als auch die B54 mit brauchbaren Radwegen ausgestattet. Und so werde ich dann wohl zum Abbau morgen früh um sieben auch wieder hin fahren...

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Frage: Woran erkenne ich, dass auch die Auskunft auf dvg-duisburg.de von vrr.de stammt?
Antwort: Sie erkennt "dortmund hbf" als "Dortmund / metropolradruhr Station Hbf gegenüber Hauptausgang".

  1. Alle Fahrplanauskünfte der lokalen Verkehrsbetreiber wurden mit vrr.de zusammengelegt, so dass es für das Ruhrgebiet nur noch vrr.de und bahn.de gibt.


Wie ich zwei Kasinos besuchte

Manchmal könnten die Dinge so einfach sein. Heute in Aachen zum Beispiel, als ich S. traf, der mir über das DSLR-Forum seine EOS 60D verkauft hatte. Für 750€ - ein Schnäppchen, aber doch 250€ mehr, als so ein Geldautomat ausspuckt. Daran habe ich als normalerweise bargeldlos lebender Mensch natürlich nicht gedacht, aber irgendwie würden wir das schon hinkriegen.

Also auf nach Aachen und erstmal alle dortigen Geldautomaten ausprobiert - blöderweise arbeiten die Banken inzwischen besser zusammen als früher und so konnte ich nirgendwo den fehlenden Betrag abheben. Also sponnen wir, während wir so durch die Innenstadt liefen bzw. humpelten - ich hatte mir am Vortag den Fuß verstaucht - die verrücktesten Ideen, wie ich an das Geld kommen könnte. Paypal-Auszahlung auf S.s Konto ging nicht, Paypal zahlt nur Geld auf Konten aus, wenn man Guthaben hat, ganz zu schweigen davon, dass S.s Konto natürlich nicht mit meinem Paypal-Account verbunden war.

Aber man kann ja in Supermärkten Geld abheben. Also auf zu Rewe. Die konnten mir aber nicht so richtig weiterhelfen - zwar wäre der Betrag kein Problem gewesen, das System funktioniert aber nur mit EC-Karten mit PIN, da es im Prinzip die Kasse zum Geldautomaten macht. Eine größere Anschaffung, die ich für S. hätte bezahlen können, stand auch nicht an, eine Teilzahlung in Naturalien war also auch keine Option und auch der Kauf einer Waschmaschine für 250€ mit sofortiger Rückgabe gegen Barzahlung war nicht möglich.

Und wie wir da so vor dem Rewe standen und überlegten, ob ich C., der in der Nähe wohnt, bitten könnte, für mich Geld abzuholen, fiel S. das Kasino ins Auge. Jetons kann man mit Kreditkarte bezahlen und gegen Bargeld tauschen. Das Automatenkasino bei Rewe arbeitet aber nur mit Bargeld, die Hauptfiliale mit Jetons. Da fuhren wir dann auch noch hin - aber Kreditkarten werden nur mit PIN akzeptiert, nicht mit Unterschrift. Und die PIN liegt, da sie zunächst zur falschen Filiale geschickt wurde, seit Wochen in meiner Sparkasse, die nie auf hat, wenn ich nicht arbeiten muss...

Nachdem wir also schon für diverse verwirrte Gesichter gesorgt hatten, ging es dann auf zu Real - denn die naheliegende Idee eines Geschenkgutscheins kam uns natürlich erst zum Schluss. Also Gutschein geschnappt, 250€ angefordert und bezahlt, das Terminal sagte "Zahlung erfolgt" - und dann stürzte die Kasse ab, denn Geschenkgutscheine kann man nur bis 150€ aufladen. Die offensichtlich ungeübte Kassierin total aufgelöst, die Kollegin rief erstmal den Chef an, der hat dann bei EasyCash ("äsäcäsch") angerufen, die bestätigten: Das Geld ist von der Kreditkarte schon weg!

So standen wir dann über zwanzig Minuten an der Kasse und überlegten (drei Mitarbeiter inzwischen, später noch der Filialleiter dazu), was denn zu tun sei. Mein Geld war weg, klar, ich musste also eine Leistung dafür bekommen - aber da Real das Geld nicht erhalten hat, konnten die mir den Betrag auch nicht einfach auszahlen, trotz irgendwie erfolgtem Storno (keine Ahnung was die unter Storno verstehen). Dabei war immer wieder die Rede vom "Mindestbetrag" (hier zu verwenden im Sinne von: Betrag, der höchstens aufgeladen werden darf) und so langsam verloren wir alle die Nerven. Der Filialleiter entschied dann am Ende das Offensichtliche: Ich bekam zwei Geschenkgutscheine - zu 150 und 100 Euro - und man würde sich dann etwas überlegen, wie Real an das Geld kommt.

Mit dieser Aktion und der ganzen Sucherei, Telefoniererei und Fahrerei verbrachte ich so statt zehn Minuten am Bahnhof geschlagene drei Stunden mitten in Aachen - und habe nun sowohl eine neue Kamera als auch zwei Kasinos von innen gesehen und das Wissen, dass es hierzulande wirklich schwierig ist, ohne PIN an Bargeld zu kommen... und wenn ich das nächste Mal in Aachen bin, kriegt S. erstmal ein Bier ausgegeben.