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Auf meinem Zimmer sind 18 Betten und etliche davon bezogen, aber getroffen habe ich bisher nur eine nette Französin, die hier ihr Englisch aufbessern will und dafür ein paar Monate hier leben wird. Zur Finanzierung hat sie heute im Restaurant nach nem Job gefragt und direkt eine Abendschicht verpasst bekommen. Hoffentlich packt sie's. hahahah

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Das Frühstück ist gut, aber extrem sparsam. Viel falsch machen konnte man da nicht: Es gibt Toast und Marmelade und Cornflakes-ähnliches Zeug. Abgewaschen wird selbst. Die Französin ist auch da; der Job lief nicht besonders gut, sie wird's jetzt woanders versuchen. Ist auch ganz schön mutig, im Ausland mit schlechtem Englisch arbeiten zu gehen.

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Da ich Concorde 2 gestern nicht gefunden habe, mache ich mich erneut auf den Weg. Dank Google Street View weiß ich jetzt, dass ich auf der falschen Ebene des Küstenweges war. Außerdem will ich nach Marina Town, die kleine Hafenstadt, die ich gestern nur von oben gesehen habe. Dort werde ich dann auch einkaufen.

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Marina Town ist hübsch. Der große Parkplatz von Asda (großer Supermarkt) weniger, dafür bekomme ich in dem Laden alles. Später finde ich mich in einem anderen Shop wieder und probiere Gummistiefel an. Naheliegend, dass hier am Wasser welche verkauft werden. Leider finde ich keine, die gescheit passen. Für Shoppingliebhaber dürfte das hier aber das Paradies sein: Diverse kleine Läden, von denen man gar nicht immer weiß, was sie verkaufen, Klamottenläden und ein Calvin Klein Outlet. Außerdem sind in der Marina Village alle großen Fastfood-Ketten hier vertreten, verhungern muss man also auch dann nicht, wenn man sich mit dem Einkaufen oder englischem Essen schwer tut.

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Laut Wetterbericht sind es heute 13°C, gefühlt 12. In der Realität ist richtig warm, in der Sonne sind es deutlich über 20 Grad. Auf den Bänken sitzen jetzt am Mittag ein paar Leute mehr als gestern, voll ist es trotzdem nicht. Ich komme am Concorde 2 vorbei und höre mir von einer Bank auf dem Dach aus an, wie Blood Red Shoes die letzten beiden Songs proben. hahahah Später, als ich hier wieder vorbei komme, wird die Technik aufgebaut; ich bin versucht zu fragen, ob sie Helfer brauchen, aber wenn Briten mit mir Englisch reden, verstehe ich quasi nichts, ist also vermutlich keine gute Idee und ohnehin ziemlich aussichtslos. Auf dem Rückweg sehe ich einen Showtec-LKW am Backstageeingang, vermutlich ist es aber nicht Showtec aus Köln.

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Laut Wikipedia hat Brighton eine große Schwulen-Lesben-Bisexuellen-Transgender-Szene; das ist mir bisher nicht aufgefallen, dafür aber, was ich bei der Kaltmamsell gelesen habe, nämlich dass es hier viel vegetarisches und Bio-Essen gibt. Restaurants werben teilweise mit vegetarischen Angeboten, Supermärkte haben Vegetarier-Abteilungen und bei Subway gibt es zwei vegetarische Subs und nicht nur eins. Ganz zu schweigen von spezialisierten Vegetarier- und Bioläden.

Es ist der 25. Dezember und man sollte meinen es weihnachtet sehr, aber die Feiern sind für mich bereits abgeschlossen und es schneit nicht nur nicht, es ist auch noch herbstlich grau draußen. Eine wunderbare Gelegenheit sich drinnen zu verkriechen und Dinge zu erledigen, die eigentlich Spaß machen, aber auch Zeit kosten.

Reiseberichte zum Beispiel. Anfang April war ich für drei Tage in Amsterdam. Das ist hier vom Ruhrgebiet aus in zwei Stunden zu erreichen und wenn man zeitig bucht, kostet die Zugfahrt nur 19€. Lykke Li trat im Paradiso auf, wo ich immer mal hin wollte, und so hängte ich wie schon letztes Jahr in London noch einen Tag vorne und hinten dran. Der Plan war also: Mit minimalem Budget entspannte drei Tage abseits meines Alltags verbringen, ein tolles Konzert sehen und eine vielversprechende Stadt besuchen.

Das Hostel StayOkay Stadsdoelen (danke an's Hurra-Blog für den Tipp) war dabei eine große Hilfe. Es liegt auf halbem Weg zwischen Bahnhof und Paradiso, so dass ich die beiden Orte schonmal zu Fuß erreichen konnte. Da das Paradiso außerdem in der Nähe des ebenfalls recht bekannten Melkwegs und damit mitten in der Stadt liegt, hieß das, dass ich eine Menge sehen konnte ohne ein Verkehrsmittel zu benutzen.

Sightseeing stand ohnehin nicht auf dem Plan und für die effektiven zweieinhalb Tage hat es auch vollkommen gereicht, einfach die Straßen und Grachten entlang zu laufen und die Stadt, die Menschen und die Häuser anzusehen (und zu fotografieren). Eine Hochschule ist ebenfalls in der Innenstadt gelegen und so hat sich dort auch die Künstlerszene breit gemacht. Außerdem gab es natürlich, wie erwartet, hunderte Geschäfte zu bestaunen - ich habe wohl noch nie eine so umfangreiche Shoppingmeile gesehen. Mal ganz davon abgesehen, dass es in Amsterdam mehr "Diamond Factory"s als Fast Food-Filialen gibt...

Die Entscheidung, sich zu Fuß durch die Stadt zu bewegen, war definitiv eine gute. Von der Anreise mit dem Auto wurde mir ganz abgeraten - ich wüsste auch nicht, wo ich da hätte parken sollen. Straßenbahnen fuhren zwar oft und sogar meist abgetrennt vom normalen Verkehr, aber dennoch nicht schnell und außerdem war es schlichtweg unnötig. Und auch das hier selbst im Vergleich zu Münster viel genutzte Fahrrad hätte mich nicht glücklich gemacht - Fahrradparkplätze1 gab es zwar reichlich, die waren aber genauso voll wie die für Autos. :D

Aber wie gesagt, Sightseeing war nicht angesagt und damit entfiel auch das von-A-nach-B-Gehetze. Im Madame Tussaud's war ich also nicht, dafür konnte ich auf dem Platz davor an einem Straßenkonzert teilnehmen. Sehr sympathisch: Es scheint dort völlig normal zu sein, sich einfach auf den Boden zu setzen und zuzuhören. Bei uns wird man dafür leider merkwürdig angeguckt und bleibt damit meist alleine. In Amsterdam war ordentlich was los. Ebenso auf dem Weg zum Paradiso, wo vorm Burger King gerade ein Gitarrenlehrer seine Künste zum Besten gab und Bob Marley-Songs coverte. Für mich das perfekte Urlaubsfeeling - in der schon warmen Frühlingssonne sitzen, umgeben vom Trubel der Stadt, und Livemusik lauschen. hahahah

Auf großen Plätzen war überhaupt immer was los. Musiker, Künstler, Schauspieler, einmal ist eine ganze Kapoeira-Gruppe aufgetreten und hat sich dort viele Fans gemacht. Und wenn ich von dem Trubel mal genug hatte (oder vom ständigen Verlaufen in den vielen Straßen), konnte ich mich ins Hostel zurück ziehen und dort in Ruhe lesen.

Das Hostel war übrigens recht angenehm und dank nicht-Saisonpreis definitiv angemessen. Das Personal war ausgesprochen freundlich, es gab Schließfächer und Internet (welches ich allerdings nicht benutzt habe), die Betten waren beqeuem, sauber und groß genug, Duschen waren ausreichend vorhanden und in einem vernünftigen Zustand und das Frühstück war sparsam, aber anständig - wurde allerdings trotz der moderaten Zeiten nur von wenigen Besuchern genutzt.

Über das Konzert habe ich ja bereits früher berichtet. Die Location war übrigens genauso wundervoll wie ich mir das vorgestellt hatte und die Mitgliedschaft, die man dort braucht, hat auch keine Probleme verursacht, die gibt es in einer unkomplizierten Ein-Tages-Variante. Also nur unwesentlich verwirrender als unser merkwürdiges Raucherclubsystem. Fotografieren durfte ich dort allerdings leider nicht.

So ist aus diesem Kurztrip letztlich genau das geworden, was ich mir vorgestellt hatte: Eine entspannte Reise in eine wundervolle Stadt, vollkommen frei und stressfrei spontan gestaltet mit einem richtig guten Konzert als Höhepunkt. Sicher nicht mein letzter Besuch dort.

  1. Kein Witz, ich meine damit keine Ansammlung von fünf Fahrradständern, sondern richtige größere Flächen für Fahrräder. Es gab auch massig eigene baulich getrennte Fahrradstraßen!

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Portugiesische BotschaftPortland PlaceIMG_8869Blick von der London Bridge zur Tower Bridge breitBlick von der London Bridge zur Tower Bridge links nahLondon Bridge (Straße)Tower Place 2Pret A MangerBlick von der Tower Bridge Richtung London BridgeBritisches Geld

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02 Wegweiser-Notiz03 Menschen auf dem Weg zum Trafalgar Square04 Londoner Telefonzellen05 Straße vom Charing Cross zum Trafalgar Square06 Trafalgar Square Bus Station07 Trafalgar Square08 HMV10 Hyde Park Corner 111 Hyde Park Corner 209 Wegweiser12 Buckingham Palace13 Ausblick14 London Green Park01 Küche meiner Gastgeberin


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