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Umwege verbessern die Ortskenntnis

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In Bad Zwischenahn startete der längere und anstrengedere Teil der Reise. Meine Geocaching-Versuche waren recht erfolglos, da die meisten nahegelegenen Caches an muggelverseuchten1 Orten versteckt waren. Einer ist inzwischen wohl verschütt gegangen und an einem Ort ist nun eine Baustelle. Einige schöne Teile der Kleinstadt gesehen habe ich trotzdem und auch am Hafen des Zwischenahner Meers kam ich diesmal vorbei.

Das nächste Ziel war Augustfehn (nicht zu verwechseln mit Augustfehn II oder III - bei der Menge an Dörfern war für Stadtteilnamen keine Kreativität mehr übrig...); mit knapp 27 Kilometern war das die längste Teilstrecke. Meine vorbereitete Route startete am falschen Ende des Sees, so dass ich mich auf die Livenavigation verließ, und erstaunlicherweise klappte das diesmal zuverlässig. Die Strecke führte größtenteils an den vielen Baumschulen und ihren unzähligen Bäumen und Pflanzen entlang. Wenig befahrene Straßen und Radwege in Wäldern und an Gewässern führten direkt durch die wunderbare Natur im Ammerland. Aufgrund des trüben Himmels und der knappen Zeitplanung habe ich allerdings nicht viele Fotos mitgebracht.

Bei der Probe von TEN SING Augustfehn hatte ich dann soviel Spaß wie schon lange nicht mehr. Nachdem hier vor einiger Zeit Disziplin und Struktur so ausgeartet waren, dass Teilnehmer flüchteten, wurden diese nun stark zurück gefahren. Trotzdem schafften wir in der Chorprobe ganze fünf Lieder, auch die Solisten waren schon vorbereitet. Schön zu sehen, wenn die ganze in TEN SINGern steckende Verrücktheit und Ausgelassenheit zugelassen wird und die Produktivität trotzdem nicht allzu sehr leidet! hahahah

Anschließend fuhr ich mit Peter ins angrenzende Apen. Bei ihm hatten wir beim letzten Mal schon mein von der IC-Fahrt beschädigtes Licht repariert, diesmal wurden die Bremsen wieder richtig eingestellt und die Räder anständig montiert. Außerdem versuchten wir ein loses Pedal zu reparieren, was uns leider aufgrund der minderwertigen Schrauben nicht gelang, so dass ich wohl mal ein Fahrradgeschäft aufsuchen muss.

Ausgeschlafen ging es dann nochmal 23 Kilometer weiter nach Veenhusen zur Show von TS Moormerland. Da inzwischen Wind aufgezogen war, hatten wir die ursprünglich 28 Kilometer lange Route nochmal gekürzt - es dauerte zwar ewig, bis wir OpenRouteService dazu brachten, die von Google vorgeschlagene Route zu fahren, aber da ich die meiste Zeit gegen den Wind fahren musste, war es das wert. Es ist eine Schande, dass Google nun auch brauchbare Fahrradrouten berechnen kann, aber die Offlinefunktionen der Google Maps-App noch schlechter geworden sind (soll heißen, ohne mobiles Internet kann man mit der Route nichts anfangen, sodass wir sie wie gehabt aus OpenRouteService exportieren mussten).

Die Strecke führte diesmal zu großen Teilen am Kanal entlang, wo der Wind besonders stark, der Verkehr dafür aber nicht vorhanden war. Dafür begegnete ich Schafen und Kühen, die direkt an der Strecke weideten. Weniger erfreulich war das spontane Ende der Ausbaustrecke - nicht neu, aber immer wieder ärgerlich, wenn man plötzlich vor einem Grashügel steht, den man überwinden muss, um auf die andere Seite der Zugstrecke zu kommen - nur um dort festzustellen, dass der Weg den letzten Kilometer bis zur Straße nicht mehr angelegt ist.

Durch den Wind war die Fahrt natürlich sehr anstrengend. Trotzdem bereue ich nicht, selbst gefahren zu sein statt mich mit dem Auto mitnehmen zu lassen. Kilometer um Kilometer zurücklegen, nur mit dem Geruch von Sommerregen in der Nase und dem Rauschen des Windes im Ohr, befreit von allen Sorgen, die einen sonst im Alltag begleiten. Als ich am Showort ankam, war nicht nur mein Magen, sondern auch mein Kopf völlig leer. Kein Gedanke wurde mehr verschwendet an ungelesene Mails, offene Tickets auf der Arbeit oder irgendwelche Behörden.

TEN SING Moormerland hat dem Ganzen dann noch die Krone aufgesetzt. Mit dem schönen Motto "Zeitreisen existieren - wir nennen sie Musik" begab sich die älteste Gruppe Deutschlands auf eine musikalische Reise von Woodstock über den Mauerfall und Modern Talking bis in die heutige Zeit. Nicht nur einmal mussten wir lachen, wenn Oma Else ihrem Roboter-Begleiter erklärte, wie die Welt funktioniert - Dieter Bohlen zum Beispiel war damals ein "heißer Feger". Das ist aber kein hochtemperiertes, singendes Haushaltsgerät, wenngleich Bill von Tokio Hotel - heute ein "heißer Feger" - sogar aussieht wie ein Besen. Und als Else dankend ablehnt, Modern Talking von der Festplatte des Roboters zu laden ("nene, das war mal gute Musik"), freut sich auch das Publikum. :D

Nach der Show schloss ich mich nochmal den Augustfehnern an, um der unrühmlichen Fastfoodkette mit dem "McBörgerding" einen Besuch abzustatten. Nicht, dass das Ding besser wäre als der übliche Veggieburger, aber letzteren gibt es ja unverständlicherweise nicht im Menü. Dafür gab es Gratiseis für die gesamte Gruppe, als wir der Filiale ein Ständchen gaben. hahahah Zurück in Moormerland wurde noch zu Ende abgebaut, bevor Ina mich für die letzte Nacht aufnahm.

Eine viel zu kurze Nacht und ein entspanntes Frühstück später ging es dann mit Moormerländer Rosinenbrot nach Leer, um von dort wieder nach Hause zu fahren. Dank Treppen in Zügen und fehlenden Aufzügen ist die An- und Abreise mit dem Zug immer der beschwerlichste Teil der ganzen Reise. Trotzdem war es wieder eine tolle Zeit und im Herbst geht es sicher nochmal nach Norden. hahahah

  1. Ganz wie bei Harry Potter: Muggel sind die bösen unwissenden Menschen.
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Bei meiner Radtour hatte ich zwar mit verschiedenen widrigen Umständen zu kämpfen, ein paar gute Fotos sind aber trotzdem entstanden. Aufgrund des schlechten Wetters sind vor allem die HDR-Aufnahmen gelungen, aber auch die will ich euch nicht vorenthalten.

Letzte Woche war ich für ein paar Tage auf Radtour in Ostfriesland. Winterreifen auf dem Rad, flaches Land, nette Leute, was kann da schon schief gehen - dachte ich. Verschiedene Ziele steckten hinter der Reise. Erreicht habe ich sie alle - die Verteilung hätte etwas anders sein dürfen.

Landschaftsfotografie

Na klar, viel Gegend, wenig Orte und wenn, kleine Dörfer. Wobei ich mir mit Leer, Moormerland, Aurich, Augustfehn und Bad Zwischenahn noch einige der größeren ausgesucht hatte, von Oldenburg am Ende mal ganz abgesehen. Aufgrund immer wieder einsetzenden Regens und anderweitig schlechten Wetters habe ich allerdings viel weniger fotografiert als geplant. Für ein paar tolle HDR-Aufnahmen hat es trotzdem gereicht. An einem Nachmittag fuhr ich mit W. mit dem Rad von Oldenburg nach Dreibergen, wir starteten im strahlenden Sonnenschein, aber der Wetterbericht hatte Eisregen vorhergesagt. "Im Norden kann der auch noch kommen", dachten wir... und behielten Recht.

Radfahren

Durch den Fahrradmietservice Nextbike hatte ich letzten Herbst das Radfahren wiederentdeckt, als ich nachts nach der Arbeit dank einem geliehenen Fahrrad relativ schnell nach Hause kam. In der Dortmunder Innenstadt erreicht man viel zu Fuß und mit dem Rad dann alles. Öffentliche Verkehrsmittel sind kaum nötig, ein Auto schonmal gar nicht.

In Ostfriesland gibt es zwar viele anständige Radwege, aber auch viel Wind und viel Dunkelheit. So scheiterte ich nicht nur einmal an einer für Fahrradfahrer unbenutzbaren Bundesstraße. In der ersten Nacht - mein Licht war im Zug kaputt gegangen - fuhr ich eine komplett unbeleuchtete Straße entlang, später in Bad Zwischenahn mehrere Kilometer durch den Wald. Ein Hoch auf die Taschenlampen-App für das Tablet. "Bist du an der soundso-Straße?" - "Ich hab keine Ahnung, es ist stockfinster!" :D

Daumen runter hingegen für alle Arten von elektronischer Navigation ("wenn möglich, bitte wenden!!!"). Bei meinem TomTom-Autonavi versagte der Akku viel zu schnell, bei allen Navi-Apps für Android auf dem Tablet tauchten immer wieder Bundesstraßen auf. Größere Umwege zugunsten meines Lebens sind offenbar keine Option für die App-Entwickler. So wurde ich dann zweimal eingesammelt, was die gefahrene Strecke recht deutlich reduzierte. Einmal nachts in Moormerland, als kein Zug mehr fuhr, und in Hesel auf dem Weg nach Aurich quetschten wir mein Fahrrad in K.s Corsa. Vielen Dank nochmal für diese Aktion! hahahah

Wenn man eine vernünftige Strecke kennt, kann man aber wirklich sehr schön Radfahren. Mit W. fuhr ich nach Oldenburg und zurück, insgesamt gut 30 Kilometer, größtenteils an einer Bahnstrecke entlang, abseits der Straßen. Wunderbar zu fahren, ruhig, entspannt und sicher - und landschaftlich schön.

Grenzerfahrungen

Landschaftlich schön ist die Gegend, durch die ich auf dem (planmäßigen) Weg von Aurich nach Leer fuhr, bestimmt auch. Für mich war sie vor allem dunkel, eisig kalt, menschenleer und unfassbar groß. Schon auf dem Weg nach Aurich fuhr ich fünf Kilometer über eine Bundesstraße, die aber immerhin einen Seitenstreifen hatte (trotzdem ein Erlebnis, das niemand braucht). Von Aurich nach Leer ging es dann über eine ähnlich dicht befahrene Landstraße ohne Seitenstreifen - das war zwar sogar offiziell beschildert als Radweg nach Leer, aber so gefährlich, dass ich bei nächster Gelegenheit abgefahren bin. Leider konnte ich das Navi nicht motivieren, mich eine alternative Strecke entlang zu lotsen, so dass ich erstmal drauflos fuhr, auf einen Radwegweiser hoffend.

Stattdessen gab es Gegenwind, so stark, dass ich schlicht umfiel mit dem Rad. Fahren nicht möglich, also schieben - und noch irgendwas mit knapp 30 Kilometer bis Leer. Auf dem Radwegweiser zwei Kilometer weiter stand Leer allerdings gar nicht mehr drauf - da war mir schon so weit alles egal, dass ich einfach Richtung Emden fuhr, mit schwindendem Akku, schlechtem Licht und bei einbrechender Dunkelheit. Das war zwar von der Richtung völlig falsch, aber immerhin gibt es dort auch einen Bahnhof...

Also erst an Feldern entlang, durch ein Waldstück, an einem einsamen Haus vorbei und schließlich parallel zur Autobahn - und plötzlich war der Radweg zu Ende. Irgendwo gab es eine Abzweigung und mit Blick auf das GPS hatten die Radwegschildschreiber wohl vorausgesetzt, dass man dort automatisch langfährt, auch ohne weiteren Hinweis ("hier abbiegen, nicht erst einen Kilometer Richtung Sackgasse fahren"). Da war es inzwischen völlig dunkel geworden, die Gegend wirklich vollkommen (!) menschenleer und die Situation an Gruseligkeit kaum zu überbieten.

Nach insgesamt 4,5 Stunden erreichte ich dann allerdings doch noch den Emdener Bahnhof und dort auch direkt einen Zug... durchgefroren, ohne Fahrkarte und ohne jede Ahnung, wieso ich noch nicht den Verstand verloren hatte. Danach war dann das Warten am Bahnhof Bad Zwischenahn und die Fahrt durch den dunklen Wald auch nicht mehr schlimm...

Menschen treffen

Couchsurfing ist grandios! Wegen diverser Probleme hatte ich die Reise im Dezember absagen müssen, aber alle drei Gastgeberinnen hatten angeboten, mich trotzdem aufzunehmen, wenn ich die Reise letztlich antrete, was bei zwei nun auch geklappt hat. Und - es ist tausend Mal besser als jede andere Übernachtungsgelegenheit. In Brighton habe ich schonmal mit Bed & Breakfast übernachtet, das war auch schon angenehmer als ein Hotel, aber nicht halb so persönlich wie Couchsurfing.

Klar ist es auch eine praktische Möglichkeit, günstig zu reisen, aber wenn man seine Gastgeber vorher sorgfältig aussucht, hat man auch die Gelegenheit, wunderbare Menschen zu treffen. Mit K. lernte ich im Schnelldurchlauf Aurich kennen, wir kochten und schauten "Die fabelhafte Welt der Amélie" und fuhren ans Meer (und fielen fast rein, weil es da schon so windig war). Zwischendurch trafen wir Ulli, leider nur kurz, weil sie bald weiter musste. Bei W. lernte ich etliche Stunden später heißen Tee zu schätzen, genoss die Ruhe auf dem Dorf und lernte eine WG in Oldenburg kennen, die mit aller Selbstverständlichkeit Containern geht.

Eigentlich ist das Internet schon länger eine gute Möglichkeit, Menschen kennen zu lernen, die anders leben als man selbst. Aber heutzutage nutzt niemand mehr *VZ und Facebook ist zwar gut geeignet, um mit Leuten in Kontakt zu bleiben, aber nicht so brauchbar, um neue Leute zu entdecken. Bei Couchsurfing funktioniert das besser. Irgendeinen Bezug zu seinem "Host" hat man immer, durch das gemeinsame Wohnen hat man meist viel Zeit, sich auszutauschen, und obendrein besteht auch die Möglichkeit, direkt noch mehr Leute aus der gleichen Gegend zu treffen (wie die WG aus Oldenburg, die auch selber Couchsurfer aufnehmen).

Mir hat's jedenfalls riesigen Spaß gemacht, trotz der kurzen Zeit und der Tatsache, dass ich am Ende krank war. Spätestens im Mai bin ich wieder auf Reisen, nach Berlin zum Yeah Yeah Yeahs-Konzert - dort gibt es sicher viele Couchsurfer, aber vermutlich auch viele, die dort hin wollen. Mal schauen was sich daraus ergibt. hahahah

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