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Die wohl häufigste Reaktion auf die Aussage "Ich bin Vegetarier" ist "das könnte ich nicht", gefolgt von einem ziemlich schlechten Grund. Ich möchte niemanden bekehren, Vegetarier zu werden, es ist halt einfach oft notwendig, darauf hinzuweisen. Zum Beispiel, wenn man nach einem unbezahlten Auftritt gerne was essen würde, aber nichts essen kann, weil es nur Bratwurst gibt. Aber ich schweife ab. Folgende Liste zeigt auf, welche Gründe ich nicht ernstnehmen kann.

  • Ich mag Fleisch viel zu sehr. Nach ein bis zwei Wochen vermisst man nichts mehr und nicht wenige mögen Fleisch schon nach wenigen Jahren nicht einmal mehr. Zudem ist der Fleischkonsum des durchschnittlichen Deutschen viel zu hoch.
  • Vegetarisch kochen ist zu teuer. Wieso? Ich koche vegetarisch und backe vegan, ein Großteil meiner Lebensmittel hat Bio-Qualität, teilweise sogar Demeter-Qualität und ich gebe monatlich nur etwa 120€ für Lebensmittel aus. Manche Dinge mögen teuer erscheinen, sind es aber langfristig betrachtet nicht. Zwei Beispiele: Ich verwende Sojamehl als Bindemittel statt Eiern. Das kostet ein Vielfaches von normalem Mehl, man benötigt aber so wenig davon, dass meine 250g-Packung inzwischen abgelaufen ist. Und ich esse gerne Seitan, wenn mir mal nach typischen fleischigen Gerichten ist. Ich bereite meinen Seitan selber zu, das Kilo Rohpulver kostet fünf Euro. Das ist mehr, als Schnitzel teilweise kosten - aber man kann daraus eben nicht nur ein Kilo, sondern drei Kilo Seitan zubereiten. Und nicht zuletzt: Wer sich mit Fleisch billig ernährt, konsumiert schlechte Qualität. Viele "typische" Veganer-Lebensmittel gibt es einfach nicht in schlechter Qualität.
  • Vegetarisch kochen ist aufwändig. Ach, Humbug. Vegetarisch kochen ist genauso aufwändig wie normal zu kochen, es gibt bloß weniger Fertiggerichte. Also auch hier wieder: Nur wer sich mit minderwertigem zufrieden gibt, spart Zeit. Nudeln mit gebratenen Paprika in Sahnesoße gehen genauso schnell, egal ob ich Schweine- oder Seitangeschnetzeltes nehme.
  • Das ist doch ungesund! Da beziehe ich mich auf meinen Physiologie-Dozenten, der Kardiologe ist (und damit Medizin studiert hat und mehr über den menschlichen Organismus weiß als die meisten, die sich zu dem Thema äußern): Vegetarier haben mit keinerlei Mangelerscheinungen zu rechnen, Veganer gelegentlich. Vor allem Eisenmangel kann ein Problem werden, vor allem bei Blutverlust. Frauen sind stärker betroffen. Letztlich benötigt der Körper aber von allem, was in Fleisch ach so tolles enthalten ist, so wenig, dass es jahrelang selbst dann nicht auffallen wird, wenn man sich unausgewogen vegetarisch ernährt. Zeit genug also, sich generell bewusster zu ernähren, um langfristigen Mängeln vorzubeugen.
  • Ernährung ohne Fleisch ist unnatürlich! Ja und? Wer gerne natürlich leben und sein Fleisch im Wald selber reißen will, kann das gerne tun, da werde ich mich nicht einmischen. Kein Fleisch zu essen ist sicher nicht so unnatürlich wie mit Medikamenten vollgepumptes genmanipuliertes Fleisch von Tieren aus Massenhaltung zu essen.

Übrigens halte ich es keineswegs für notwendig, seine Position zu verteidigen, wenn man nicht Vegetarier werden möchte. Das ist eine Einstellung, die ich einfach akzeptiere. Nur wer anfängt zu argumentieren, beginnt eine Diskussion, die er nicht gewinnen wird.

Foto von J. Annie Wang auf Flickr, lizensiert unter CC-BY-NC-ND 2.0

Vor 2,5 Jahren habe ich, inspiriert von etlichen anderen Rezepten, meinen eigenen Kartoffelsalat kreiert, der mir nach wie vor am besten von allen schmeckt. Inzwischen bin ich aber Vegetarier, verzichte außerdem auf Eier und kenne einige Veganer. Daher war es an der Zeit, eine vegane Variante zu schaffen - das Urrezept vegetarisch werden zu lassen ist ja keine Kunst, Eier und Schinken kann man ja einfach weglassen oder durch Räuchertofu ersetzen.

Der Trick an der schmackhaften cremigen Marinade ist, dass ich nicht Mayonnaise oder Jogurt oder Sahne etc. verwende, sondern alles kombiniere. Im richtigen Verhältnis wird der Salat dadurch nicht suppig oder matschig, aber auch nicht trocken.

Mayonnaise selber herstellen

Das wollte ich eh immer schon machen, weil in Mayonnaise Eier enthalten sind und ich gerne auf Eier verzichten möchte. Eier kann man generell sehr gut ersetzen - sie haben immer entweder eine bindende oder eine auflockernde Funktion. Binden kann man beim Backen ausgezeichnet mit Sojamehl, kleine Mengen reichen und Flüssigkeiten mischen sich, als wäre es ihr Lebenszweck. Den auflockernden Effekt (z.B. bei Waffeln) erreicht man durch Zugabe von Essig (kein Witz). Und vegane Mayonnaise wird auf Sojamilchbasis hergestellt - denn auch Soja hat eine bindende Wirkung.

Die Mayonnaise für den Salat kann man also extrem einfach herstellen, indem man neutrale Sojamilch und Rapsöl 1:2 mit einem starken Pürierstab mischt und je 100ml einen Teelöffel Zitronensaft hinzufügt. Falls es so gar nicht klappt, liegt es wahrscheinlich an der Sorte Sojamilch. Alpro Soya klappt und sollte in jedem großen Supermarkt zu bekommen sein. Die Mayonnaise kann dann direkt im Pott bleiben.

Die Marinade mischen

Jogurt und Sahne dienen nur dazu, die Mayonnaise, die ja im Wesentlichen aus Fett besteht, cremiger zu machen. Da wir die Mayonnaise ohnehin selber hergestellt haben, können wir sie direkt ein bisschen panschen. Also noch etwas Sojamilch dazu und kräftig durchmixen. Jetzt sollte sie eher die Konsistenz von Jogurt haben.

Die Remoulade können wir ebenfalls guten Gewissens wegreduzieren, da die billige Tubenremoulade, die ich verwende, ohnehin nur aus Mayonnaise und Gewürzen besteht, die obendrein auch noch denen ähneln, die ich ohnehin hinzufüge. Also nehmen wir statt drei Teelöffeln diesmal zwei Esslöffel Senf, kippen den mit den Kräutern und Gewürzen und einem Teelöffel Essig zu der Mayonnaise und mixen alles nochmal durch. Für den Senf kann man Löwensenf nehmen, der ist vegan, da ungefilterter Essig verwendet wird.

Das Ergebnis

Zusammen mit dem Originalrezept kommt man nun auf folgende Zutatenliste für die Marinade (für gut ein Kilo Kartoffeln):

  • 100ml Sojamilch + ca. 4 EL
  • 200ml Rapsöl
  • 1 TL Zitronensaft
  • 2 EL Senf
  • 1 TL Essig
  • 1 TL Salz
  • 1 halber TL Pfeffer
  • 1 TL Basilikum
  • 3 TL Petersilie

An Gemüse habe ich diesmal Lauchzwiebeln, Paprika und Gurke verwendet. Gegen wilde Variationen spricht natürlich nichts, man sollte allerdings den Wassergehalt des Gemüses beachten. Außerdem empfiehlt es sich, nicht nur die Kartoffeln abkühlen, sondern auch das gewaschene Gemüse gründlich abtropfen zu lassen, um das Dressing nicht zu verwässern. Und im Gegensatz zu der konventionellen Variante, die man bedenkenlos stundenlang ziehen lassen kann, schmeckt diese hier besser frisch.

Eigentlich war der Samstag ein schönes Beispiel dafür, wie man mehrere Termine unter einen Hut bringen kann. B. hatte mich motiviert zur Veganermesse nach Essen zu fahren, abends stand die Fahrt mit TEN SING Hennen nach Ehringen zu deren Jubiläumsshow an. Wir entschlossen uns kurzerhand, schon früh zur Messe zu fahren, um dann nachmittags nach Hennen weiter zu reisen und von dort mit dem Bus nach Ehringen mitzufahren.

Der Tag fing dann allerdings schon damit an, dass ich meine Speicherkarte nicht finden konnte und mich so seelisch schonmal auf weniger Fotos einstellen musste. Der Geldautomat mochte meine EC-Karte nicht auf Anhieb, nachdem es dann doch klappte, hetzte ich zum Bahnhof, um dort festzustellen, dass die S-Bahn samstags zehn Minuten später fährt.

Am Bahnhof Zollverein angekommen stellte sich bald heraus, dass B. am Bahnhof falsch informiert wurde und daher in die falsche Straßenbahn stieg. Und weil die EVAG in Essen sich so gut um ihre Tunnel- und Straßenbahntechnik kümmert, gab es mal wieder technische Probleme. Die Verzögerungen dadurch sorgten dann in Kombination mit der falschen Strecke dafür, dass wir uns 1,5 Stunden später trafen als geplant.

Die Messe sollte im Sanaa-Gebäude stattfinden. Die Beschreibung auf der Website las sich so, als sei das Ding total bekannt und leicht zu finden, tatsächlich aber gab es nicht ein einziges Schild. Also riefen wir H. an, der uns dann den Weg ungefähr beschrieb, und mit Hilfe eines Passanten fanden wir es dann auch irgendwann... da standen die Leute schon bis draußen.

Drinnen wurde es dann tatsächlich ganz interessant. Einen großen Teil der Stände machten die aus, die vegane Lebensmittel anboten, teilweise zum Erwerb, teilweise zum Probieren (oder beides). Wir testeten Tofu-Waffeln (geschmacklos), Tofu-Käseersatz (variierte je nach Würzung und Zubereitungsart), einen Fleischersatz auf Lupinen-Basis (umwerfend gut) und veganes Eis (grandios). Neben dem Eisstand wurde vegane Farbe angeboten - Farbe, die nicht mit Eiweiß, sondern mit Lupinenextrakten gebunden wird. Angeblich sogar billiger als klassische Wandfarbe, da zum selber Anrühren.

Außerdem quatschten wir uns eine Weile am "Ärzte gegen Tierversuche"-Stand fest. Im Gegensatz zu den Menschen auf so mancher großen Messe wirkten die hier nicht nur überzeugt von dem, was sie tun, sondern auch glaubwürdig. Wir lernten unter anderem, dass immer weniger Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben sind und diese bei Produkttests auch tatsächlich abnehmen, dafür aber in der Grundlagenforschung drastisch steigen. Zahlreiche Beispiele zeigten, dass es sich um ein Thema handelt, über das man mal nachdenken sollte.

Von den Inhalten her also ein durchaus positives Erlebnis. Ich kann allerdings die Beschwerden über den Eintrittspreis verstehen. Die Tickets kosteten im Normalpreis 12 Euro, ermäßigt 8. Dafür war die Messe doch nicht allzu groß, der Anteil an kostenlos probierbaren Lebensmitteln auch recht gering. Und organisatorisch gab es ein paar Macken. Kein einziges Hinweisschild auf die Messe oder auch nur das Gebäude vom Bahnhof aus? Geht gar nicht. Außerdem war der Aufzug zwar benutzbar, er fuhr aber nur nach oben, wenn jemand von außen drückte. Kein technischer Defekt, sondern eine Sperre, denn die Techniker konnten mit ihrer Karte fahren. Ausgesprochen doof, wenn man auf Krücken unterwegs ist, und auch die anderen Besucher waren nicht erfreut.

Letztlich konnten wir darüber hinterher aber lachen. Alleine schon das Gesicht des Fotografen, den wir baten, doch eben oben den Aufzug zu rufen, damit der losfährt, war gut. :D Und insgesamt war's definitiv ne Inspiration und unterhaltsam. Und damit dieser positive Eindruck nicht zerstört wird, verpacke ich den vor allem anschließend auftretenden Frust in einen separaten Artikel.

Ich bin zwar "nur" Vegetarier und das auch nur, weil ich mich in einer Findungsphase befinde, was die Wahl meines Essens angeht, aber Eiern war ich noch nie zugeneigt. Gekocht, als Rühr- oder als Spiegelei kommen sie mir gar nicht auf den Teller und auch ansonsten finde ich die Vorstellung von zusammengepferchten Hühnern so abartig, dass ich wo es geht auch auf Eier verzichten möchte und nicht nur auf Hühnerfleisch. Wiesenhof bewirbt zum Beispiel eine Marke, bei der nur fünfzehn Hühner pro Quadratmeter gehalten werden. Fünfzehn! Nehmt euch mal nen Quadratmeter und stellt da in Gedanken fünfzehn Hühner rein und dann überlegt euch, dass das deren supertierfreundliche Alternativmarke ist und nicht die normale.

Jedenfalls lerne ich gerade das ein oder andere über vegane Ernährung bei Steff und wurde durch ihren Blog auch auf ein Waffelrezept bei Veganesnom aufmerksam (ich hasse dieses "nomnom", aber egal, tut nix zur Sache). Blöderweise stellte ich mich dumm an beim Reinigen meines Waffeleisens und machte es eher noch unbrauchbarer, zumindest vorerst. Aber in den Kommentaren berichtete Nomi, dass sie Pancakes draus gemacht hatte, weil ihr Waffeleisen kaputt ging. Und ich liebe doch neuerdings Pfannkuchen so sehr! (Wieso nennt man die eigentlich neuerdings Pancakes und macht sie kleiner?)

Also ab in die Pfanne mit dem Teig, der erste Pfannkuchen wurde ziemlich dick, also Wasser reingepanscht und etwas Öl, damit der Teig sich besser verteilt und wooow die schmecken unglaublich gut. Eigentlich logisch, so ein Waffeleisen ist ja auch nix anderes als ne beschichtete Pfanne mit Muster. Also, supergeiles Rezept für vegane Waffeln oder Pfannkuchen oder, wenn man es noch etwas dicker macht, auch Brot, wenn man nämlich mit niedriger Hitze arbeitet klappen auch dicke Pfannkuchen und die kann man dann wunderbar schneiden und als Brot missbrauchen.

Und demnächst gibt es dann vegane Mayonnaise. Ich wollte eh immer mal welche selber machen und das Rezept für die vegane Variante ist unfassbar einfach. Vielleicht direkt heute, mal schauen. Hätte eh Lust auf Fritten.

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