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Gefahren auf vier Rädern

Kaum ein Thema aus dem alltäglichen Geschehen sorgt so häufig für Frust, Wut und Verständnislosigkeit bei mir wie der Straßenverkehr. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mit dem Fahrrad durch die Stadt fahre und dabei nicht mindestens einmal gefährdet werde. Jeden Tag berichten die Lokalnachrichten über Unfälle mit Personen- oder Sachschäden. Ich weiß nicht, woher es kommt, dass in Chemnitz ständig Autos angezündet werden, aber Wut über die durch Autofahrer verursachten Gefahren scheint mir ein plausibles Motiv zu sein.

Abgesehen davon, dass es einfach viel zu viele Menschen gibt, die von ihrer Persönlichkeit her Arschlöcher sind, gibt es auch eine Reihe von Dingen, gegen die man etwas tun könnte. Erstens, am Wochenende hat ein Rentner eine Fußgängerin schwer verletzt und eine Mauer gerammt, weil er Gas- und Bremspedal verwechselt hat. Ich verstehe bis heute nicht, wieso Führerscheine kein Ablaufdatum haben. Ich habe meinen jetzt bald acht Jahre, bin aber in den letzten vier Jahren fast gar nicht Auto gefahren und mit Sicherheit bin ich dadurch kein besserer Fahrer geworden. Sowohl mangelnde Fahrpraxis als auch altersbedingt höhere Reaktionszeiten, verminderte Konzentrationsfähigkeit und unüberlegteres Verhalten in Extremsituationen sind eine enorme Gefahr. Führerscheine sollten regelmäßig erneuert werden müssen. Für manche Fahrzeugklassen ist das längst so - auch für normale PKW sollte eine solche Regelung eingeführt werden. Führerscheindaten sind zentral erfasst, es müssen also keine Kontrollen durchgeführt werden, um festzustellen, wer seinen Führerschein nicht erneuert hat.

Was uns zu zweitens führt, man würde dadurch möglicherweise mehr ungültige Führerscheine verursachen, was aber ja erstmal natürlich niemanden davon abhalten muss, trotzdem zu fahren. Mehr allgemeine Fahrzeugkontrollen sind also angesagt, um generell mehr Fahrer ohne gültige Fahrerlaubnis oder mit Alkoholeinfluss zu erwischen. Bei kommerziellem Verkehr, vor allem LKW und Fernbusse, sind diese Kontrollen in den letzten Jahren drastisch verschärft worden, das sollte auch für PKW erfolgen, und zwar beginnend bei, drittens, Geschwindigkeitskontrollen. Es ist mir völlig unbegreiflich, wieso Blitzerstandorte im Radio bekannt gegeben werden dürfen, und wieso nicht jede Stelle, die regelmäßig von mobilen Blitzern besetzt wird, einen festinstallierten Blitzer bekommt. Überhöhte Geschwindigkeit ist eine große Gefahr. Auch Straßen, die wegen des hohen Verkehrsaufkommens tagsüber kein zu schnelles Fahren ermöglichen, sollten ausgestattet werden - da viele davon nachts zum Rasen verleiten, wodurch regelmäßig Personen zu Schaden kommen.

Überhaupt, hohes Verkehrsaufkommen. Viertens, wütende Autofahrer sind unkonzentrierter und risikobereiter als ausgeglichene Fahrer. Eine typische Kreuzung auf meinem Weg zum Supermarkt ist eine klassische Vorfahrt-Achten-Kreuzung mit einer vielbefahrenen Hauptstraße. Man hat dort kaum eine Chance, diese Hauptstraße zu überqueren, teilweise wartet man minutenlang. Ich beobachte dort regelmäßig, wie Autofahrer, wenn endlich eine halbwegs brauchbare Lücke entsteht, das Gas durchtreten und ohne Rücksicht auf alles andere über die Kreuzung brettern, nicht selten nur haarscharf an einem schweren Unfall vorbei. Solche Kreuzungen sollten dringend durch Ampeln mit Anforderungskontakt entschärft werden. Ebenso halte ich die bessere Verbreitung von Rechtsabbieger-Grünpfeilen in Westdeutschland für sinnvoll, da diese in Sachsen viele Kreuzungen deutlich entlasten.

Zu guter letzt ist die bloße Menge der Fahrzeuge ein Problem. Die Innenstädte sind überlastet, selbst wenn man Gefahrensituationen so gut es geht verhindert, gibt es immer noch massive Probleme mit Staus. Radfahren muss attraktiver werden. Jeder hätte gerne einen Firmenwagen, wie wäre es mit Firmenfahrrädern? Wer einigermaßen sportlich ist und über ein gutes Fahrrad verfügt, kann locker 10km zur Arbeit fahren, und selbst ein sehr gutes Fahrrad kostet nur einen Bruchteil eines Autos sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt. Das ist natürlich ein ganz anderer Ansatz als die Firmenwagen (die ja meistens auch zur Ausübung des Berufs rege genutzt werden), aber möglicherweise eine interessante Förderung und vielleicht auch ein Anreiz, in die Nähe des Arbeitsortes zu ziehen.
Ebenso trägt ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr zur Entlastung der Straßen bei. Das ist nun wirklich ein altes Argument und gerade in Chemnitz funktioniert das auch schon ziemlich gut. Es mangelt aber noch am Bewusstsein der Bevölkerung, dass ein Leben sogar ganz ohne Auto in der Stadt gut funktionieren kann. Denn viele werden den Gedanken haben, wenn ich eh schon ein Auto besitze, warum dann noch eine Monatskarte für den Bus kaufen? Mit der Kombination aus Bus, Bahn und Fahrrad lässt sich nahezu alles erledigen, wofür man sonst ein Auto gebraucht hätte, und bei Ikea mietet man sich dann eben kurzzeitig einen Transporter. Meine Nachbarn scheuchen eh schon ihre Kinder zum Einkaufen - auf ein Fahrrad passt ein Wocheneinkauf für zwei Personen, zu dritt würde man die ganze Familie versorgen.

Letztlich ist dieser Bewusstseinswechsel wohl das Wichtigste für eine langfristige Verbesserung der Verkehrssituation. Oft werde ich schockiert angesehen, wenn ich erzähle, dass ich für mein Fahrrad natürlich auch einen Satz Winterreifen habe und auch bei Schnee und Eis fahre. Umgekehrt verstehe ich genauso wenig, wie man sich um der scheinbaren Bequemlichkeit des Autos willen in den Berufsverkehr stürzen kann (den ich mit dem Fahrrad einfach umgehen kann). Autofahren hat einige Nachteile, bei denen mir jeder zustimmen wird, aber auch die Vorteile sind nicht alle so toll, wie es scheint. Umdenken ist notwendig. Wer wünscht sich nicht weniger Unfälle, weniger Lärm und weniger Kosten?

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Foto von davidbenito unter CC-BY-SA-2.0



Nehmt das Fahrrad als Verkehrsmittel ernst!

Viele Fahrradfahrer auf einer StraßeDas Fahrrad ist wohl das Verkehrsmittel, das am Wenigsten ernst genommen wird, vorgesehen für Leute ohne Geld und mit zu großem Umweltbewusstsein. Das ist natürlich Quatsch, alleine schon weil niemand etwas dagegen haben wird, Geld zu sparen und die Umwelt zu schonen. Aber auch ganz praktisch hat das Fahrrad in der Stadt gravierende Vorteile.

Wer ein vernünftiges Fahrrad fährt und keinen klapprigen Drahtesel, kann durchaus auch Zeit sparen. Dabei rede ich nicht von Fahrrädern für mehrere tausend Euro. Anständige Fahrräder von der Stange bekommt man schon für wenige hundert Euro, auch selber bauen ist eine Option (dazu später mehr in anderen Artikeln).

Hier ein paar Beispiele:

  • Zu Kaufland benötigt man von meiner Wohnung 7 Minuten mit dem Auto, 9 mit dem Rad. Mit dem Bus braucht man deutlich länger.
  • Zum Probenraum sind es 12 mit dem Auto, unter 20 mit dem Rad, je nachdem wie schnell man auf der freien Strecke fährt - denn als Radfahrer kann man den ampel- und kreuzungsfreien Chemnitztalradweg nutzen. Der Bus braucht auch hier länger als beide Varianten.
  • Auch auf dem Weg zum CVJM, der auf einem der höchsten Punkte der Stadt liegt, bin ich mit dem Fahrrad schneller als der Bus.

Mein bisheriger Geschwindigkeitsrekord liegt bei 49,6km/h, 30km/h auf ebener Strecke sind realistisch. Da wird man in Wohngebieten sogar von Autos nicht mehr überholt.

Die BikeCitizens, die auch die Fahrradhalterung Finn vertreiben, haben ihrem Kartendienst eine Funktion hinzugefügt, die sehr schön darstellt, wie weit man in seiner Stadt in einer bestimmten Zeit bei einem bestimmten Fahrstil mit dem Fahrrad kommt. Ich schaffe es in 30 Minuten bis an den äußersten Stadtrand. BikeCitizens Maps

An dem Argument des Geldsparens ist natürlich auch was dran. In der Anschaffung liegt ein Fahrrad mehrere Größenordnungen unter Gebrauchtwagen. Werkstattbesuche sind auch 2015 noch überflüssig, alle Teile kann man mit einer anständigen Werkzeugkiste selber warten und austauschen. Ersatzteile kosten größtenteils unter 50€, auf jeden Fall aber unter 100€. Steuern fallen keine an, lediglich die Versicherung fällt relativ zum Kaufpreis meistens recht teuer aus. Und das Konzept der effektiven Geschwindigkeit finde ich auch interessant.

Am meisten freue ich mich über das Fahrrad im Berufsverkehr. Zwar muss man dann mit aggressiven Autofahrern kämpfen (wer die Nerven schonen will, fährt dann lieber Bus). Aber ein Fahrrad passt an jeder langen Autoschlange vorbei - der Zeitvorteil in der Stadt wird also immer größer, je dichter der Verkehr ist. Auch Parkplatzsorgen gehören der Vergangenheit an (auch wenn man an belebten Orten wie der Uni durchaus auch mit dem Fahrrad mal etwas suchen muss).

Ein beliebtes Argument für Autos ist nach wie vor die Möglichkeit, mehr zu transportieren. Wer es ernst meint mit dem Radfahren, verwendet ein Lastenrad und kauft auch für eine ganze Familie ein, aber auch mit einem Rucksack und einem normalen Fahrrad mit Fahrradtaschen oder einem großen Gepäckträgerkorb kann man den Wocheneinkauf für zwei Personen erledigen. Für ein paar Euro bekommt man außerdem Spanngurte, mit denen sich auch Reisegepäck bei Fahrradtouren oder Wasserkästen beim Einkauf transportieren lassen. In den paar Minuten, die die Montage benötigt, kreisen Autofahrer noch um den Block auf der Suche nach einem Parkplatz.

Auf dem Land oder in Kleinstädten mögen die Verhältnisse anders sein - ein Auto ist dort vielleicht in mehr Fällen notwendig. Aber gerade der Vergleich zum öffentlichen Nahverkehr wird dort erst recht stimmen, und letztlich ist es auch oft eine Frage der Bequemlichkeit. Wer Regen scheut oder es nur ein paar Minuten auf dem Fahrrad aushält, ist damit nicht gut beraten. Aber vernünftige Kleidung, etwas Training und im Winter Spikereifen (für Autos verboten, für Fahrräder erlaubt) schaffen meistens Abhilfe.

Fotoquelle: Frerk Meyer auf Flickr, lizensiert unter CC-BY-SA 2.0



Deuter Aircontact und DSLR-Ausrüstung

Ergänzend zum Testbericht, der im Kauf eines Deuter Aircontact 65+10 endete, möchte ich noch zeigen, wie ich an eben dem Rucksack mein Kamera-Equipment angebracht habe. Leider gibt es nahezu keine Trekkingrucksäcke, die eine Unterbringungsmöglichkeit für eine professionelle Fotoausrüstung bieten, und schon gar keine, bei denen man auch noch schnell auf die Kamera zugreifen kann, wenn man sie mal braucht. Und wer nicht gerade explizit reist, um zu fotografieren, will nicht bei jedem Motiv anhalten, den Rucksack abnehmen, die Kamera rauskramen und danach alles wieder einpacken, vom Stativ mal ganz zu schweigen.

Während das Stativ nach einigen Versuchen gleich auf mehrere Arten montiert werden kann, lässt sich die Kamera-Problematik leider nur durch eine separate Tasche realisieren. Ich habe dafür meine Mantona Premium verwendet, die mir schon länger gute Dienste leistet und durch den abnehmbaren Schultergurt auch recht gut mit Karabinerhaken verwendet werden kann.

Die naheliegendste Variante ist, die Tasche an den Hüftgurt zu hängen. Dafür habe ich zwei alte Schnürsenkel seitlich an den Gurt geknotet und mir so ein paar Ösen geschaffen, in die die Tasche mit Karabinern eingehängt werden kann. (Nebenbei lernte ich, was ein doppelter Achter ist und dass er mir für dieses Vorhaben nichts nützt.) Dadurch habe ich quasi kein zusätzliches Gewicht und die Tasche hängt in einer angenehmen Position vor der Hüfte.

Nachteilig ist dabei natürlich, dass der Deckel bei dieser Montage zum Körper hin öffnet, andersherum wäre aber auch nicht besser. Eine Alternative wäre zum Beispiel, die Tasche an den Ösen an der Brustgurtverstellung einzuhängen, was auch den Rucksack schonen würde. Damit hinge die Tasche höhenverstellbar vor dem Bauch.

Bild des PrusikknotensUmsetzen lässt sich das besonders komfortabel, wenn man gleich vier Schnüre verbastelt, nämlich auf jeder Seite eine lange Schnur, die an besagter Öse befestigt wird und nach unten hängt, und eine zweite, die quer dazu geklemmt wird. Die zweite Schnur kann dabei ruhig kurz sein - sie dient nur dazu, anschließend den Karabiner mit der Tasche einzuhängen, der dann in der Höhe verstellt werden kann. Das funktioniert natürlich nur, wenn man einen geeigneten Knoten verwendet - die Knotenkunde bei WikiBooks hilft weiter. Das Bild zeigt den Prusikknoten, mit dem ich meine Schnürsenkel verbunden habe.

Bei der Reise hat sich dann allerdings herausgestellt, dass (mich) das Geschaukel der Tasche in beiden Fällen schnell nervt. Daher habe ich die ganzen Ideen wieder verworfen und einen ganz anderen Ansatz gewählt und die Tasche einfach zusätzlich zum Rucksack umgehängt. Das hätte ich die ganze Zeit schon tun können, mit dem normalen Gurt rutscht die Tasche aber immer herunter. Das Schulterpolster soll normalerweise das Tragen der Fototasche angenehmer machen, liegt nun aber auf dem Trekkingrucksack auf und rutscht daher. Abhilfe schaffte dann ein vor Ort improvisierter alternativer Schulter"gurt" aus den schon vielfach genannten Schnürsenkeln. Dadurch konnte ich die Länge selbst wählen und es gab genug Reibung, um ein Rutschen der Tasche vom Rucksack effektiv zu verhindern. Um die Kameratasche einzeln zu tragen, ist das natürlich total unbequem.

Fehlt noch das Stativ. Die Basis des eben erklärten Prusikknotens ist der Ankerstich, den viele sicher schon kennen und nur nicht benennen können - es ist der Knoten, mit dem man beispielsweise ein Schlüsselband an einer Gürtelschlaufe befestigen kann. Man führt dabei eine Schlinge um einen zu klemmenden Gegenstand oder wie beim Prusikknoten um ein Seil und dann wieder durch die Schlinge selbst. Damit habe ich versuchsweise mal das Stativ auf den Rucksackdeckel geschnallt.

Dort sind vier Ösen angebracht, an denen man auch Gepäckspanner einhaken könnte. Für vergleichsweise dünne Gegenstände wie das Stativ wären diese Spanner aber total überdimensioniert. So habe ich einfach zwei weitere Schnüre zu Schlingen verknotet (was dann Sackstich heißt - danke WikiBooks), durch jeweils zwei gegenüberliegende Ösen geführt und mit dem oben beschriebenen Ankerstich zugezogen. Das Stativ wird so wunderbar zwischen den Schnüren und dem Rucksackdeckel festgeklemmt. Der Knoten zieht sich fest, wenn man ihn gleichmäßig belastet - so wie es passiert, wenn das Stativ beim Transport gegen die Schnüre drückt. Zieht man von Hand nur an einem Ende der Schlinge, löst sich der Knoten sofort und man hat mit einem Handgriff das Stativ komplett gelöst. Das geht sogar schneller als früher bei meinem Fotorucksack, der eine Stativhalterung mit Gummis hatte.

Mit ausreichend langen Schnüren lässt sich die gleiche Methode auch auf der Längsseite des Rucksacks verwenden; das Stativ wird dann so montiert wie bei manchen Fotorucksäcken. Um ein Rutschen nach unten zu verhindern, kann man dann z.B. eine dritte Schnur als Sicherung direkt an das Stativ knoten und nach oben spannen. Allerdings erreicht man mit der Knotentechnik eine so hohe Festigkeit, dass das Stativ bei mir schon mit nur einer Schnur nicht mehr rutscht - mit zwei sollte es dann auch unterwegs halten. Rückenschonender ist allerdings die Position auf dem Deckel. Der Deuter Aircontact bietet außerdem seitlich Fächer für Wasserflaschen, die auch über Kompressionsriemen verfügen, so dass man das Stativ auch dort verstauen kann, wenn man nur eine Flasche dabei hat. Das war letztlich die Variante, für die ich mich entschieden habe, als der Rucksack im Flugzeug nach Island transportiert wurde.

Man sieht nun vermutlich schon, wieviele Möglichkeiten man hat, auch sperriges Gepäck auf praktische Weise zu verstauen, wenn man etwas Kreativität mitbringt. Die Knotenkunde hat mir dabei sehr geholfen; auf die Idee, Kletterknoten zu verwenden, wäre ich nie gekommen, wenn ich nicht letztes Jahr gesehen hätte, wie ganze Baumhäuser gebaut und befestigt werden nur unter Verwendung von Seilen und entsprechenden Knoten. Aber das ist wieder ein anderes Thema.



Trekkingrucksack-Trockentest: Deuter vs Quechua

Im Herbst steht endlich meine gut dreiwöchige Interrail-Tour an und nachdem mir zahlreiche Interrailer versichert haben, dass mit der Routenplanung sei nicht so wichtig, und ich auch Vertrauen in allerlei Übernachtungsgelegenheiten gewonnen habe, blieb als schwierigste Frage: Wie zum Teufel transportiere ich das ganze Gepäck?! Die einzige zulässige Antwort ist hier wohl: Ich werde einen dieser riesigen Trekking-Rucksäcke brauchen.

Nach "Kauf Deuter, danach kaufst du nie wieder einen anderen" war der häufigste Ratschlag "probier ihn auf jeden Fall gründlich aus vor der Reise". Mein Deuter-Wunschmodell (ACT Lite 65+10) gibt es nur in den USA, abgesehen vom geringeren Gewicht und möglicherweise geringerer Haltbarkeit unterscheidet es sich aber kaum von dem in Deutschland verbreiteten Modell Aircontact 65+10. Daher bestellte ich letzteres für atemberaubende 210€. Außerdem stattete ich Decathlon einen Besuch ab, die in Chemnitz ihre einzige Filiale Sachsens haben und Partner von Quechua sind, mit denen ich bei Zelten bereits gute Erfahrungen sammeln konnte. Die Mitarbeiter dort konnten ähnlich wenig Auskunft geben wie die Website, aber man kann sich ja selbst helfen. Bei Quechua konkurrierten nach der Vorauswahl noch der Forclaz Easyfit 72 (100€) und der Forclaz Symbium Access 70+10 (130€). Der Easyfit ist der einzige, der deutlich unter dem für Rucksäcke dieser Größe üblichen Leergewicht von knapp 3kg liegt.

Allen Rucksäcken gemeinsam ist, dass sie leer gar nicht so groß aussehen, dafür aber umso mehr mit zahlreichen Schnallen und Gurten verwirren. Letzteres gibt sich aber beim Ausprobieren sehr schnell.

Im Bild (großklickbar) von links nach rechts: Deuter Aircontact 65+10 mit angeschnallter Isomatte, mein Tagesrucksack Compu Daypack von LowePro und der Quechua Forclaz Symbium Access 70+10.

Der Deuter Aircontact kam als erster. Es handelt sich zwar nicht um Deuters Flaggschiff, aber durchaus um ein Modell einer sehr hochwertigen Reihe - falls man da bei Deuter überhaupt differenzieren kann. Von der Ausstattung schien er zunächst dem Quechua Symbium Access sehr ähnlich zu sein, wodurch natürlich direkt die Frage aufkam, was denn die 80€ Mehrpreis rechtfertigt, zumal Quechua auch noch 10 Jahre Garantie gibt. Den Easyfit testete ich zunächst nicht, da schon der Stoff spürbar dünner war als beim Deuter und das Ergebnis des Symbium auch Rückschlüsse auf den Easyfit zulassen sollte, da beide letztlich der Forclaz-Reihe entstammen (aber wer sagt schon Quechua Forclaz Symbium Access 70+10 zu seinem Rucksack?).

Da es enorm wichtig ist, seinen Rucksack richtig einzustellen, beschäftigte ich mich erstmal stundenlang zuhause mit den beiden Modellen. Das beginnt mit der Anpassung an die Körpergröße. Deuters VariFlex-System ist etwas fummelig einzustellen und bringt keine Angaben mit, welche Einstellung für welche Körpergröße gedacht ist, aber wenn man es raus hat, sitzt es stabil, sicher und bequem (es dauert auch nicht wirklich Stunden). Quechua hat sich an einem anderen Ansatz versucht: Die Höhenverstellung der Schultergurte ist mit Körpergrößen gekennzeichnet, der Brustgurt lässt sich intuitiv verstellen. Leider sind die Beschriftungen in meinem Fall Unfug; ich bin 1,91m groß, aber der Hüftgurt sitzt nur dann gut, wenn ich die Schultergurte auf 1,60m einstelle. Der Brustgurt schnürt mir immer den Hals ab, egal was ich wie einstelle.

Der Hüftgurt erfüllt bei beiden seinen Zweck - wenn man sich traut ihn kräftig zu zu ziehen, entlastet er die Schultern enorm. Der Brustgurt soll vor allem die Schultergurte auf Position halten, damit einem nicht plötzlich 25kg herunter rutschen. Das fällt beim Symbium aus oben beschriebenen Gründen weg und damit rutschen die Schultergurte auch direkt. Bei Deuter kann man dann noch den Abstand vom Rücken einstellen (mehr Kontrolle oder mehr Schulterentlastung), das ist ziemlich cool, aber eigentlich ist jede Einstellung angenehm. Beim Quechua-Rucksack fehlt dieses Feature und der ganze Sack wabbelt an meinem Hintern herum.

Beim Beladen bekam ich auch einen guten Eindruck der Verarbeitung; diesbezüglich unterscheiden sich die Rucksäcke kaum. Bei beiden wirken die verwendeten Stoffe sehr hochwertig. Quechua verwendet einen anderen Schnallentyp, der zwar auf den ersten Blick weniger stabil wirkt, aber ebenfalls sehr fest schließt. Allerdings wurde an der Polsterung gespart; der Hüftgurt ist dadurch eher ein Gürtel, die Polsterung reicht nur für die Seiten, vorne ist nichts mehr übrig (und ich bin wirklich schlank). Auch die Schultergurte sind deutlich schmaler. Außerdem halten die Kompressionsriemen beim Verstellen nicht so gut. Während sich beim Aircontact alle Gurte und Riemen intuitiv mit wenig Aufwand spannen und lockern lassen, ohne zu leicht zu verrutschen, flutscht einem beim Symbium schonmal ein Riemen komplett aus der Halterung, wenn man ihn nur lockern wollte. Das passiert leider öfter und ist nach dem unglücklichen Sitz des Brustgurtes der zweite wirklich negative Punkt. Insgesamt erweisen sich die Kompressionsriemen als praktisch, um ein Herumfliegen des Inhalts im Rucksack zu vermeiden; Deuter hat davon ein paar mehr vernäht.

Mit 65+10 bzw. 70+10 Litern unterscheiden sich die beiden Rucksäcke nicht wesentlich im Volumen, trotzdem habe ich ausprobiert, wie gut sich die beiden beladen lassen. Der Deuter glänzt dabei vor allem durch nützliche Nebenfächer, während Quechua viel Wert auf einfache Beladung des Hauptfaches gelegt hat. Dieses lässt sich bei beiden nicht nur mit dem typischen Sackverschluss von oben, sondern auch von vorne öffnen; bei Quechua jedoch komplett und von der Mitte her wie bei einer Reisetasche (Bild links), bei Deuter kann man nur ein Stück der Front weg klappen (Bild unten). Dadurch kann man den Symbium gut in mehreren Schichten packen - schwere Dinge rückennah (beim Packen unten), leichte weiter weg. Anschließend schließt man die Front, richtet den Rucksack auf und kann von oben nochmal kräftig zusammendrücken. Dadurch habe ich unfassbare Mengen in den Rucksack bekommen - hier ist der Symbium klar überlegen. Bei Deuters Modell funktioniert dieses Verfahren zwar auch, aber eben nicht so schön und effektiv.

Der Aircontact ist eher der Typ "und hier passt auch noch was rein". So lassen sich in den Außennetzen problemlos zwei 1,5l-Wasserflaschen verstauen, während die Außenfächer beim Symbium unbrauchbar werden, wenn das Innenfach bereits gefüllt ist. Das ist zwar auch bei Deuter der Fall, aber nicht bei allen Fächern. Im Deckel lässt sich auch noch ein bisschen Gepäck unterbringen. Vor allem aber bietet der Aircontact mehr Möglichkeiten, sperriges Gepäck außen anzubringen: Meine wuchtige selbstaufblasende Isomatte lässt sich ganz problemlos an den Boden schnallen. Quechua hat dafür leider nichts passendes mitgebracht - es gibt zwar zwei Ösenpaare am Boden, für die ich aber keine passenden Spanner besitze, und einen Gummihalter auf dem Deckel, aus dem die Isomatte aber bei erster Gelegenheit wieder rausfällt. Mehr als eine einfache Isomatte ohne Luftfüllung ist hier eindeutig nicht vorgesehen und erst recht kein weiteres Gepäck wie z.B. ein Fotostativ. Dagegen bietet der Aircontact außer den Kompressionsriemen für die Isomatte auch noch Ösen auf dem Deckel wie beim Symbium unten und zahlreiche weitere Halterungen, um einzelne Teile mit Karabinerhaken oder Schnüren zu befestigen.

Das Bodenfach lässt sich bei beiden Rucksäcken als separates Fach verwenden oder öffnen, um das Hauptfach zu erweitern. Geöffnet finden im Rucksack insgesamt mehr Gegenstände Platz, geschlossen bleibt die Ordnung mit etwas Glück erhalten, wenn man unterwegs mal was rausholen muss. Manch einer wird das Bodenfach mit einer Kameratasche oder Kamerapolstern füllen wollen, um eine professionelle Fotoausrüstung mitzunehmen - das ist bei beiden Rucksäcken die einzige Option, wenn man keine separate Tasche mitnehmen möchte. Dazu später mehr. Es sei noch erwähnt, dass der Symbium auf beiden Seiten eine Hüfttasche hat, beim Aircontact ist es nur eine. Konstruktionsbedingt liegen die Taschen beim Symbium weiter hinten, ansonsten unterscheiden sie sich nicht. Eine Kompaktkamera oder ein Portemonnaie finden darin locker Platz. Das Portemonnaie kann man alternativ auch innen im Deckel verstauen, beide Rucksäcke bieten ein sogenanntes Wertsachenfach, das nur bei geöffnetem Deckel zugänglich ist.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Quechua-Rucksacks ist das Access-Fach, das auf dem Deckel aufliegt und über zwei dehnbare Gurte über den Kopf vor die Brust gezogen werden kann. Selbst im Video auf der offiziellen Seite sieht das etwas fummelig aus und in der Tat ist das Fach nicht halb so praktisch wie es in der Idee klingt: Durch die rückenferne Position des Rucksacks kommt man kaum dran, dann muss man fummelig die Verschlüsse lösen (da man sie danach nicht wieder zu bekommt, lässt man das mit dem Anstecken am Besten gleich ganz). Hat man das Fach dann lose in der Hand, kriegt man als langhaariger Mensch eine Krise, weil es gefühlt hundert Mal in den Haaren hängen bleibt beim Versuch es nach vorne zu ziehen. Vorne funktioniert dann das Einhaken im Hüftgurt nur einseitig, da die Halterungen zu weit auseinander bzw. an der Tasche zu nah beieinander sind. Nichtsdestotrotz hat man am Ende aber ein geräumiges Fach vor der Brust, in das sogar meine Spiegelreflex passen würde - wenn ich sie dem dünnen, lose auf dem Rucksack liegenden Stoff anvertrauen würde.

Voll beladen kam dann als erstes die Erkenntnis: Ein Kilo mehr Eigengewicht des Rucksacks macht den Braten auch nicht fett, wenn man weitere 25kg reinstopft. Hier sollte man wirklich lieber in hochwertige Verarbeitung investieren. Eigentlich wollte ich den Quechua Symbium dann zuerst "probelaufen", um hinterher neutraler feststellen zu können, ob der Deuter-Rucksack wirklich angenehmer zu tragen ist. Da es mir jedoch gar nicht erst möglich war, eine passende Einstellung zu finden und all mein Gepäck zu verstauen, hatte das Quechua-Modell an dieser Stelle leider bereits verloren. Blieb also die Frage, ob der Konkurrent besser ist.

Meine Teststrecke führte von meiner Wohnung zur Uni, ich musste ohnehin noch ein paar Papiere ausdrucken, und wieder zurück. Also insgesamt knapp 5km, den Lutherberg runter, die Reichenhainer Straße wieder rauf und das Ganze rückwärts. Der gelegentliche Wechsel zwischen rückennaher und rückenferner Position erwies sich dabei als angenehm; weniger wegen der Belüftung oder weil der Rucksack ins Schleudern geriet, sondern einfach um die Belastung durch das Gewicht ein bisschen zu verteilen. Das Gewicht macht sich hierbei vor allem dadurch bemerkbar, dass man nicht so schnell laufen kann wie sonst - unangenehm oder sonderlich anstrengend ist es nicht. Damit hat der Deuter Aircontact seinen Hauptzweck erfüllt - großes Gewicht durch viel Gepäck so auf dem Körper zu verteilen, dass man damit angenehm laufen kann.

Geschwitzt habe ich trotzdem recht deutlich; bei der aufkommenden Sommerwärme war das zu erwarten. Im Vergleich zu meinem Tagesrucksack allerdings bereits deutlich weniger und auch nur an den Stellen, an denen der Rucksack tatsächlich direkten Kontakt zum Körper hat. Während des Laufens ist das auch gar nicht negativ aufgefallen. Dafür zeigte sich, wieso der korrekte Sitz so wichtig ist - verrutscht der Hüftgurt mal, weil man sich z.B. den Schuh zubinden musste, spürt man direkt, wieviel Gepäck man da eigentlich gerade mit sich herum schleppt.

Während der Quechua Symbium Access also noch während der Testphase wieder zurück ging, habe ich den Deuter Aircontact behalten und bin nun ziemlich glücklich damit. Er bietet zwar, wie fast alle Trekkingrucksäcke, auch keine Möglichkeit, meine Spiegelreflexkamera zu verstauen, aber genug Ansatzpunkte für eigene kreative Lösungen. Man kann beispielsweise mit ein paar Schnüren und Knoten eine Tasche an den Hüftgurt hängen - dem Thema widme ich noch einen eigenen Artikel, um den Rahmen hier nicht komplett zu sprengen. Und abgesehen davon bekommt man einen wirklich durchdachten Rucksack, der sich auch mit viel Gepäck angenehm trägt. Möglicherweise ist Deuter einer der letzten Hersteller, die zwar viel Geld verlangen, dafür aber Produkte für ein ganzes Leben bieten - ich würde es mir wünschen.



Kurzrezension: Mantona Premium System Kameratasche

Es wäre eine Schande, wenn ich eine Rezension für Amazon schreibe und hier kein Wort darüber verliere, dass ich mir über ein dort gekauftes Produkt Gedanken gemacht habe. Daher hier zumindest mal per Copy & Paste meine Produktrezension mit ersten Eindrücken zur Kameratasche Mantona Premium System.

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Habe die Tasche gerade neu und bin schon begeistert. Ich hatte nach einer Tasche gesucht, in der ich außer meiner EOS 450D mit Standard-Kitobjektiv noch ein Teleobjektiv mitführen kann. Das ist hier möglich (mit angesetztem Standardobjektiv, Objektiv nach oben gerichtet). Außerdem lässt sich viel weiteres Zubehör in drei großen und einer kleinen Nebentasche verstauen.

Alle Teile und Materialien wirken hochwertig verarbeitet. Der Schultergurt ist recht leicht montier- und abnehmbar. Das Hauptfach wird zunächst durch einen zuziehbaren Stoff geschützt, der wasserabweisend wirkt, bevor der feste Deckel darüber verschlossen wird. Dabei kann der Deckel wahlweise komplett hochgeklappt werden (Steckverschluss) oder man öffnet nur den mittleren Teil des Deckels (Reißverschluss). Im zweiten Fall erreicht man das Hauptfach und das im Deckel integrierte Fach, beim kompletten Hochklappen auch das Frontfach. Die beiden Seitenfächer sind sowieso immer erreichbar. Bei dem Reißverschluss dürfte es sich um den Schnellzugriff aus der Produktbeschreibung handeln, da hierbei eben nicht der gesamte Deckel geöffnet wird.

Im Praxiseinsatz habe ich die Tasche bisher nicht getestet. Den anderen Rezensionen entnehme ich aber, dass sie trotz des vergleichsweise hohen Eigengewichts auch bei längeren Touren bequem zu tragen ist. Insofern bin ich soweit komplett zufrieden und würde die Tasche jederzeit weiter empfehlen.