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Deuter Aircontact und DSLR-Ausrüstung

Ergänzend zum Testbericht, der im Kauf eines Deuter Aircontact 65+10 endete, möchte ich noch zeigen, wie ich an eben dem Rucksack mein Kamera-Equipment angebracht habe. Leider gibt es nahezu keine Trekkingrucksäcke, die eine Unterbringungsmöglichkeit für eine professionelle Fotoausrüstung bieten, und schon gar keine, bei denen man auch noch schnell auf die Kamera zugreifen kann, wenn man sie mal braucht. Und wer nicht gerade explizit reist, um zu fotografieren, will nicht bei jedem Motiv anhalten, den Rucksack abnehmen, die Kamera rauskramen und danach alles wieder einpacken, vom Stativ mal ganz zu schweigen.

Während das Stativ nach einigen Versuchen gleich auf mehrere Arten montiert werden kann, lässt sich die Kamera-Problematik leider nur durch eine separate Tasche realisieren. Ich habe dafür meine Mantona Premium verwendet, die mir schon länger gute Dienste leistet und durch den abnehmbaren Schultergurt auch recht gut mit Karabinerhaken verwendet werden kann.

Die naheliegendste Variante ist, die Tasche an den Hüftgurt zu hängen. Dafür habe ich zwei alte Schnürsenkel seitlich an den Gurt geknotet und mir so ein paar Ösen geschaffen, in die die Tasche mit Karabinern eingehängt werden kann. (Nebenbei lernte ich, was ein doppelter Achter ist und dass er mir für dieses Vorhaben nichts nützt.) Dadurch habe ich quasi kein zusätzliches Gewicht und die Tasche hängt in einer angenehmen Position vor der Hüfte.

Nachteilig ist dabei natürlich, dass der Deckel bei dieser Montage zum Körper hin öffnet, andersherum wäre aber auch nicht besser. Eine Alternative wäre zum Beispiel, die Tasche an den Ösen an der Brustgurtverstellung einzuhängen, was auch den Rucksack schonen würde. Damit hinge die Tasche höhenverstellbar vor dem Bauch.

Bild des PrusikknotensUmsetzen lässt sich das besonders komfortabel, wenn man gleich vier Schnüre verbastelt, nämlich auf jeder Seite eine lange Schnur, die an besagter Öse befestigt wird und nach unten hängt, und eine zweite, die quer dazu geklemmt wird. Die zweite Schnur kann dabei ruhig kurz sein - sie dient nur dazu, anschließend den Karabiner mit der Tasche einzuhängen, der dann in der Höhe verstellt werden kann. Das funktioniert natürlich nur, wenn man einen geeigneten Knoten verwendet - die Knotenkunde bei WikiBooks hilft weiter. Das Bild zeigt den Prusikknoten, mit dem ich meine Schnürsenkel verbunden habe.

Bei der Reise hat sich dann allerdings herausgestellt, dass (mich) das Geschaukel der Tasche in beiden Fällen schnell nervt. Daher habe ich die ganzen Ideen wieder verworfen und einen ganz anderen Ansatz gewählt und die Tasche einfach zusätzlich zum Rucksack umgehängt. Das hätte ich die ganze Zeit schon tun können, mit dem normalen Gurt rutscht die Tasche aber immer herunter. Das Schulterpolster soll normalerweise das Tragen der Fototasche angenehmer machen, liegt nun aber auf dem Trekkingrucksack auf und rutscht daher. Abhilfe schaffte dann ein vor Ort improvisierter alternativer Schulter"gurt" aus den schon vielfach genannten Schnürsenkeln. Dadurch konnte ich die Länge selbst wählen und es gab genug Reibung, um ein Rutschen der Tasche vom Rucksack effektiv zu verhindern. Um die Kameratasche einzeln zu tragen, ist das natürlich total unbequem.

Fehlt noch das Stativ. Die Basis des eben erklärten Prusikknotens ist der Ankerstich, den viele sicher schon kennen und nur nicht benennen können - es ist der Knoten, mit dem man beispielsweise ein Schlüsselband an einer Gürtelschlaufe befestigen kann. Man führt dabei eine Schlinge um einen zu klemmenden Gegenstand oder wie beim Prusikknoten um ein Seil und dann wieder durch die Schlinge selbst. Damit habe ich versuchsweise mal das Stativ auf den Rucksackdeckel geschnallt.

Dort sind vier Ösen angebracht, an denen man auch Gepäckspanner einhaken könnte. Für vergleichsweise dünne Gegenstände wie das Stativ wären diese Spanner aber total überdimensioniert. So habe ich einfach zwei weitere Schnüre zu Schlingen verknotet (was dann Sackstich heißt - danke WikiBooks), durch jeweils zwei gegenüberliegende Ösen geführt und mit dem oben beschriebenen Ankerstich zugezogen. Das Stativ wird so wunderbar zwischen den Schnüren und dem Rucksackdeckel festgeklemmt. Der Knoten zieht sich fest, wenn man ihn gleichmäßig belastet - so wie es passiert, wenn das Stativ beim Transport gegen die Schnüre drückt. Zieht man von Hand nur an einem Ende der Schlinge, löst sich der Knoten sofort und man hat mit einem Handgriff das Stativ komplett gelöst. Das geht sogar schneller als früher bei meinem Fotorucksack, der eine Stativhalterung mit Gummis hatte.

Mit ausreichend langen Schnüren lässt sich die gleiche Methode auch auf der Längsseite des Rucksacks verwenden; das Stativ wird dann so montiert wie bei manchen Fotorucksäcken. Um ein Rutschen nach unten zu verhindern, kann man dann z.B. eine dritte Schnur als Sicherung direkt an das Stativ knoten und nach oben spannen. Allerdings erreicht man mit der Knotentechnik eine so hohe Festigkeit, dass das Stativ bei mir schon mit nur einer Schnur nicht mehr rutscht - mit zwei sollte es dann auch unterwegs halten. Rückenschonender ist allerdings die Position auf dem Deckel. Der Deuter Aircontact bietet außerdem seitlich Fächer für Wasserflaschen, die auch über Kompressionsriemen verfügen, so dass man das Stativ auch dort verstauen kann, wenn man nur eine Flasche dabei hat. Das war letztlich die Variante, für die ich mich entschieden habe, als der Rucksack im Flugzeug nach Island transportiert wurde.

Man sieht nun vermutlich schon, wieviele Möglichkeiten man hat, auch sperriges Gepäck auf praktische Weise zu verstauen, wenn man etwas Kreativität mitbringt. Die Knotenkunde hat mir dabei sehr geholfen; auf die Idee, Kletterknoten zu verwenden, wäre ich nie gekommen, wenn ich nicht letztes Jahr gesehen hätte, wie ganze Baumhäuser gebaut und befestigt werden nur unter Verwendung von Seilen und entsprechenden Knoten. Aber das ist wieder ein anderes Thema.



Bequemes Schuhwerk & Daumen raus: Hitchhiking in Island

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Per Anhalter fahren ist etwas, von dem einem in Deutschland sehr häufig abgeraten wird. Ausgehend von dem Entsetzen, das man erntet, wenn man das Thema anspricht, muss man quasi einplanen, ausgeraubt und vergewaltigt zu werden. Dabei sind es nüchtern betrachtet vor allem technische Dinge, die das Trampen in Deutschland schwierig machen - viele Autobahnen, auf denen man schnell fahren darf (im Gegensatz zu maximal 90km/h in Island), viel Verkehr mit einem hohen Anteil an Fahrern, die auch für kurze Strecken die Autobahn benutzen. Das Risiko, auf Verbrecher zu treffen, kann dagegen eher gering eingeschätzt werden - es ergibt ja auch nicht viel Sinn, mit dem Auto durch die Gegend zu fahren in der Hoffnung auf ein potenzielles Opfer mit ausgestrecktem Daumen.

In Island hingegen ist es häufig der erste Rat, wenn man fragt, wie man denn irgendwo hin kommt: Just go hitchhiking, it's really easy. Die Aussicht, in aller Seelenruhe die verschiedenen Landschaften ansehen zu können, fand ich auch verlockend. Also probierte ich es direkt mal aus, fuhr mit dem Bus von Reykjavik, wo ich wohnte, an den Rand der Nachbarstadt Mosfællsbaer, von wo eine Bundesstraße zum Nationalpark Þingvellir führt, der mein erstes Ziel war. Ich lief also bei bestem Sonnenschein besagte Straße entlang und hielt den nahenden Autos meinen Daumen vor die Scheibe. Und tatsächlich hielt nach wenigen Minuten schon ein Wagen an und zwei Koreaner boten mir an, mich ein Stück mitzunehmen.

Es traf sich, dass die beiden Reporter waren, und so hielten wir auf dem Weg zwischendurch an, um die Landschaft zu fotografieren. Selbst etwas ahnungslos ließ ich mich schließlich beim erstbesten Information-Schild rausschmeißen, die beiden mussten noch deutlich weiter. Der Ort war glücklicherweise genau richtig und am Ende des Tages stand ich also wieder irgendwo in der Pampa an einer Bundesstraße - diesmal jedoch mutterseelenallein.

Mutterseelenallein liefert immerhin eine Antwort auf die heiß diskutierte Frage, ob es wohl sinnvoller ist, an einem guten "Spot" stehen zu bleiben oder immer weiter zu laufen: Wenn niemand kommt, sollte man sich wohl besser zu Fuß dem Ziel nähern. Nach ein paar Minuten kam dann aber ein einzelnes Auto und hielt tatsächlich auch direkt an. Diesmal waren es zwei Finnen, die - Klischee bestätigt - recht schweigsam waren, mich aber sogar bis nach Reykjavik zurück fuhren.

Abgesehen von der obigen Situation ist es meiner Meinung nach meistens besser, an einer sicheren Stelle, an der Autos gut anhalten können, stehen zu bleiben und zu warten. Damit war ich noch mehrere Male ähnlich erfolgreich. Sowohl einige Isländer als auch viele Touristen, sogar deutsche, nehmen Tramper mit und fahren sie gerne an ihren Zielort, wenn er einigermaßen auf der Strecke liegt. Sorgen gemacht habe ich mir nur einmal - als eine ältere Frau meine Fahrerin war, die die ganze Zeit nur davon redete, dass es doch viel zu gefährlich sei, an der Straße zu stehen, und dass ich doch lieber den Bus nehmen solle. Sie konnte mich auch nur ein Stück mitnehmen und da sie mir partout nicht abnehmen wollte, dass ich schon mit jemand anderem weiter kommen würde, setzte ich mich brav an die Bushaltestelle und wartete, bis sie weg war. Kurz darauf fuhr mich jemand anders ans Ziel.

Leider ist der Erfolg beim Trampen abhängig von ungefähr allem, im Wesentlichen von der Straße und der Uhrzeit. Auf welchen Straßen viele Anhalter fahren und auf welchen wenige, findet man allerdings nur durch Ausprobieren heraus - so war ich auf der Straße nach Þingvellir immer sehr schnell erfolgreich, auf der Straße nach Gullfoss, einem ähnlich touristischen Ort, bin ich aber dermaßen gescheitert, dass mir die Lust komplett verging. Stundenlang hielt niemand an und am Ende ließ ich mich wieder in die Hauptstadt zurück fahren, statt wie geplant weiter ins Land zu fahren, um dort mein Zelt aufzuschlagen.

Das mit dem Zelt hatte in der Nacht zuvor noch einigermaßen geklappt. Die Strecke, die ich abwechselnd entlang fuhr und wanderte, führte durch eingezäuntes Weideland, aber nach einigen Kilometern fand ich das Haus des Besitzers, der mir freundlicherweise gestattete, in seinem Garten zu zelten. Wohlgemerkt: Er sprach gar kein Englisch, sein Sohn musste übersetzen! Ein klares Zeichen für die Gastfreundlichkeit der Isländer, schließlich hätte er mich auch wegjagen können.

So endete meine kleine Reise etwas enttäuschend, aber zu dem Zeitpunkt war ohnehin schon klar, dass meine Kondition für eine fast einwöchige Wandertour noch nicht gut genug ist. Und einige andere interessante Menschen habe ich immerhin noch getroffen - zum Beispiel den Piloten im Ruhestand, der überwiegend in Luxemburg gelebt hat und besser Deutsch sprach als die Stuttgarter mit dem Wohnmobil Englisch. Oder die Isländerin, die mal in München war und nach deutschen Landschaften gefragt hat. Nicht zu vergessen der Typ mit dem fetten Soundsystem, der mir isländische Partymusik und Gabba näher bringen wollte und dabei Rockklassiker einstreute. Unterhaltsame Erlebnisse, die ich nicht missen möchte - und Gründe, sich von dem Gedanken zu lösen, dass alle Menschen böse sind, denn unsicher gefühlt habe ich mich nie.



Trekkingrucksack-Trockentest: Deuter vs Quechua

Im Herbst steht endlich meine gut dreiwöchige Interrail-Tour an und nachdem mir zahlreiche Interrailer versichert haben, dass mit der Routenplanung sei nicht so wichtig, und ich auch Vertrauen in allerlei Übernachtungsgelegenheiten gewonnen habe, blieb als schwierigste Frage: Wie zum Teufel transportiere ich das ganze Gepäck?! Die einzige zulässige Antwort ist hier wohl: Ich werde einen dieser riesigen Trekking-Rucksäcke brauchen.

Nach "Kauf Deuter, danach kaufst du nie wieder einen anderen" war der häufigste Ratschlag "probier ihn auf jeden Fall gründlich aus vor der Reise". Mein Deuter-Wunschmodell (ACT Lite 65+10) gibt es nur in den USA, abgesehen vom geringeren Gewicht und möglicherweise geringerer Haltbarkeit unterscheidet es sich aber kaum von dem in Deutschland verbreiteten Modell Aircontact 65+10. Daher bestellte ich letzteres für atemberaubende 210€. Außerdem stattete ich Decathlon einen Besuch ab, die in Chemnitz ihre einzige Filiale Sachsens haben und Partner von Quechua sind, mit denen ich bei Zelten bereits gute Erfahrungen sammeln konnte. Die Mitarbeiter dort konnten ähnlich wenig Auskunft geben wie die Website, aber man kann sich ja selbst helfen. Bei Quechua konkurrierten nach der Vorauswahl noch der Forclaz Easyfit 72 (100€) und der Forclaz Symbium Access 70+10 (130€). Der Easyfit ist der einzige, der deutlich unter dem für Rucksäcke dieser Größe üblichen Leergewicht von knapp 3kg liegt.

Allen Rucksäcken gemeinsam ist, dass sie leer gar nicht so groß aussehen, dafür aber umso mehr mit zahlreichen Schnallen und Gurten verwirren. Letzteres gibt sich aber beim Ausprobieren sehr schnell.

Im Bild (großklickbar) von links nach rechts: Deuter Aircontact 65+10 mit angeschnallter Isomatte, mein Tagesrucksack Compu Daypack von LowePro und der Quechua Forclaz Symbium Access 70+10.

Der Deuter Aircontact kam als erster. Es handelt sich zwar nicht um Deuters Flaggschiff, aber durchaus um ein Modell einer sehr hochwertigen Reihe - falls man da bei Deuter überhaupt differenzieren kann. Von der Ausstattung schien er zunächst dem Quechua Symbium Access sehr ähnlich zu sein, wodurch natürlich direkt die Frage aufkam, was denn die 80€ Mehrpreis rechtfertigt, zumal Quechua auch noch 10 Jahre Garantie gibt. Den Easyfit testete ich zunächst nicht, da schon der Stoff spürbar dünner war als beim Deuter und das Ergebnis des Symbium auch Rückschlüsse auf den Easyfit zulassen sollte, da beide letztlich der Forclaz-Reihe entstammen (aber wer sagt schon Quechua Forclaz Symbium Access 70+10 zu seinem Rucksack?).

Da es enorm wichtig ist, seinen Rucksack richtig einzustellen, beschäftigte ich mich erstmal stundenlang zuhause mit den beiden Modellen. Das beginnt mit der Anpassung an die Körpergröße. Deuters VariFlex-System ist etwas fummelig einzustellen und bringt keine Angaben mit, welche Einstellung für welche Körpergröße gedacht ist, aber wenn man es raus hat, sitzt es stabil, sicher und bequem (es dauert auch nicht wirklich Stunden). Quechua hat sich an einem anderen Ansatz versucht: Die Höhenverstellung der Schultergurte ist mit Körpergrößen gekennzeichnet, der Brustgurt lässt sich intuitiv verstellen. Leider sind die Beschriftungen in meinem Fall Unfug; ich bin 1,91m groß, aber der Hüftgurt sitzt nur dann gut, wenn ich die Schultergurte auf 1,60m einstelle. Der Brustgurt schnürt mir immer den Hals ab, egal was ich wie einstelle.

Der Hüftgurt erfüllt bei beiden seinen Zweck - wenn man sich traut ihn kräftig zu zu ziehen, entlastet er die Schultern enorm. Der Brustgurt soll vor allem die Schultergurte auf Position halten, damit einem nicht plötzlich 25kg herunter rutschen. Das fällt beim Symbium aus oben beschriebenen Gründen weg und damit rutschen die Schultergurte auch direkt. Bei Deuter kann man dann noch den Abstand vom Rücken einstellen (mehr Kontrolle oder mehr Schulterentlastung), das ist ziemlich cool, aber eigentlich ist jede Einstellung angenehm. Beim Quechua-Rucksack fehlt dieses Feature und der ganze Sack wabbelt an meinem Hintern herum.

Beim Beladen bekam ich auch einen guten Eindruck der Verarbeitung; diesbezüglich unterscheiden sich die Rucksäcke kaum. Bei beiden wirken die verwendeten Stoffe sehr hochwertig. Quechua verwendet einen anderen Schnallentyp, der zwar auf den ersten Blick weniger stabil wirkt, aber ebenfalls sehr fest schließt. Allerdings wurde an der Polsterung gespart; der Hüftgurt ist dadurch eher ein Gürtel, die Polsterung reicht nur für die Seiten, vorne ist nichts mehr übrig (und ich bin wirklich schlank). Auch die Schultergurte sind deutlich schmaler. Außerdem halten die Kompressionsriemen beim Verstellen nicht so gut. Während sich beim Aircontact alle Gurte und Riemen intuitiv mit wenig Aufwand spannen und lockern lassen, ohne zu leicht zu verrutschen, flutscht einem beim Symbium schonmal ein Riemen komplett aus der Halterung, wenn man ihn nur lockern wollte. Das passiert leider öfter und ist nach dem unglücklichen Sitz des Brustgurtes der zweite wirklich negative Punkt. Insgesamt erweisen sich die Kompressionsriemen als praktisch, um ein Herumfliegen des Inhalts im Rucksack zu vermeiden; Deuter hat davon ein paar mehr vernäht.

Mit 65+10 bzw. 70+10 Litern unterscheiden sich die beiden Rucksäcke nicht wesentlich im Volumen, trotzdem habe ich ausprobiert, wie gut sich die beiden beladen lassen. Der Deuter glänzt dabei vor allem durch nützliche Nebenfächer, während Quechua viel Wert auf einfache Beladung des Hauptfaches gelegt hat. Dieses lässt sich bei beiden nicht nur mit dem typischen Sackverschluss von oben, sondern auch von vorne öffnen; bei Quechua jedoch komplett und von der Mitte her wie bei einer Reisetasche (Bild links), bei Deuter kann man nur ein Stück der Front weg klappen (Bild unten). Dadurch kann man den Symbium gut in mehreren Schichten packen - schwere Dinge rückennah (beim Packen unten), leichte weiter weg. Anschließend schließt man die Front, richtet den Rucksack auf und kann von oben nochmal kräftig zusammendrücken. Dadurch habe ich unfassbare Mengen in den Rucksack bekommen - hier ist der Symbium klar überlegen. Bei Deuters Modell funktioniert dieses Verfahren zwar auch, aber eben nicht so schön und effektiv.

Der Aircontact ist eher der Typ "und hier passt auch noch was rein". So lassen sich in den Außennetzen problemlos zwei 1,5l-Wasserflaschen verstauen, während die Außenfächer beim Symbium unbrauchbar werden, wenn das Innenfach bereits gefüllt ist. Das ist zwar auch bei Deuter der Fall, aber nicht bei allen Fächern. Im Deckel lässt sich auch noch ein bisschen Gepäck unterbringen. Vor allem aber bietet der Aircontact mehr Möglichkeiten, sperriges Gepäck außen anzubringen: Meine wuchtige selbstaufblasende Isomatte lässt sich ganz problemlos an den Boden schnallen. Quechua hat dafür leider nichts passendes mitgebracht - es gibt zwar zwei Ösenpaare am Boden, für die ich aber keine passenden Spanner besitze, und einen Gummihalter auf dem Deckel, aus dem die Isomatte aber bei erster Gelegenheit wieder rausfällt. Mehr als eine einfache Isomatte ohne Luftfüllung ist hier eindeutig nicht vorgesehen und erst recht kein weiteres Gepäck wie z.B. ein Fotostativ. Dagegen bietet der Aircontact außer den Kompressionsriemen für die Isomatte auch noch Ösen auf dem Deckel wie beim Symbium unten und zahlreiche weitere Halterungen, um einzelne Teile mit Karabinerhaken oder Schnüren zu befestigen.

Das Bodenfach lässt sich bei beiden Rucksäcken als separates Fach verwenden oder öffnen, um das Hauptfach zu erweitern. Geöffnet finden im Rucksack insgesamt mehr Gegenstände Platz, geschlossen bleibt die Ordnung mit etwas Glück erhalten, wenn man unterwegs mal was rausholen muss. Manch einer wird das Bodenfach mit einer Kameratasche oder Kamerapolstern füllen wollen, um eine professionelle Fotoausrüstung mitzunehmen - das ist bei beiden Rucksäcken die einzige Option, wenn man keine separate Tasche mitnehmen möchte. Dazu später mehr. Es sei noch erwähnt, dass der Symbium auf beiden Seiten eine Hüfttasche hat, beim Aircontact ist es nur eine. Konstruktionsbedingt liegen die Taschen beim Symbium weiter hinten, ansonsten unterscheiden sie sich nicht. Eine Kompaktkamera oder ein Portemonnaie finden darin locker Platz. Das Portemonnaie kann man alternativ auch innen im Deckel verstauen, beide Rucksäcke bieten ein sogenanntes Wertsachenfach, das nur bei geöffnetem Deckel zugänglich ist.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Quechua-Rucksacks ist das Access-Fach, das auf dem Deckel aufliegt und über zwei dehnbare Gurte über den Kopf vor die Brust gezogen werden kann. Selbst im Video auf der offiziellen Seite sieht das etwas fummelig aus und in der Tat ist das Fach nicht halb so praktisch wie es in der Idee klingt: Durch die rückenferne Position des Rucksacks kommt man kaum dran, dann muss man fummelig die Verschlüsse lösen (da man sie danach nicht wieder zu bekommt, lässt man das mit dem Anstecken am Besten gleich ganz). Hat man das Fach dann lose in der Hand, kriegt man als langhaariger Mensch eine Krise, weil es gefühlt hundert Mal in den Haaren hängen bleibt beim Versuch es nach vorne zu ziehen. Vorne funktioniert dann das Einhaken im Hüftgurt nur einseitig, da die Halterungen zu weit auseinander bzw. an der Tasche zu nah beieinander sind. Nichtsdestotrotz hat man am Ende aber ein geräumiges Fach vor der Brust, in das sogar meine Spiegelreflex passen würde - wenn ich sie dem dünnen, lose auf dem Rucksack liegenden Stoff anvertrauen würde.

Voll beladen kam dann als erstes die Erkenntnis: Ein Kilo mehr Eigengewicht des Rucksacks macht den Braten auch nicht fett, wenn man weitere 25kg reinstopft. Hier sollte man wirklich lieber in hochwertige Verarbeitung investieren. Eigentlich wollte ich den Quechua Symbium dann zuerst "probelaufen", um hinterher neutraler feststellen zu können, ob der Deuter-Rucksack wirklich angenehmer zu tragen ist. Da es mir jedoch gar nicht erst möglich war, eine passende Einstellung zu finden und all mein Gepäck zu verstauen, hatte das Quechua-Modell an dieser Stelle leider bereits verloren. Blieb also die Frage, ob der Konkurrent besser ist.

Meine Teststrecke führte von meiner Wohnung zur Uni, ich musste ohnehin noch ein paar Papiere ausdrucken, und wieder zurück. Also insgesamt knapp 5km, den Lutherberg runter, die Reichenhainer Straße wieder rauf und das Ganze rückwärts. Der gelegentliche Wechsel zwischen rückennaher und rückenferner Position erwies sich dabei als angenehm; weniger wegen der Belüftung oder weil der Rucksack ins Schleudern geriet, sondern einfach um die Belastung durch das Gewicht ein bisschen zu verteilen. Das Gewicht macht sich hierbei vor allem dadurch bemerkbar, dass man nicht so schnell laufen kann wie sonst - unangenehm oder sonderlich anstrengend ist es nicht. Damit hat der Deuter Aircontact seinen Hauptzweck erfüllt - großes Gewicht durch viel Gepäck so auf dem Körper zu verteilen, dass man damit angenehm laufen kann.

Geschwitzt habe ich trotzdem recht deutlich; bei der aufkommenden Sommerwärme war das zu erwarten. Im Vergleich zu meinem Tagesrucksack allerdings bereits deutlich weniger und auch nur an den Stellen, an denen der Rucksack tatsächlich direkten Kontakt zum Körper hat. Während des Laufens ist das auch gar nicht negativ aufgefallen. Dafür zeigte sich, wieso der korrekte Sitz so wichtig ist - verrutscht der Hüftgurt mal, weil man sich z.B. den Schuh zubinden musste, spürt man direkt, wieviel Gepäck man da eigentlich gerade mit sich herum schleppt.

Während der Quechua Symbium Access also noch während der Testphase wieder zurück ging, habe ich den Deuter Aircontact behalten und bin nun ziemlich glücklich damit. Er bietet zwar, wie fast alle Trekkingrucksäcke, auch keine Möglichkeit, meine Spiegelreflexkamera zu verstauen, aber genug Ansatzpunkte für eigene kreative Lösungen. Man kann beispielsweise mit ein paar Schnüren und Knoten eine Tasche an den Hüftgurt hängen - dem Thema widme ich noch einen eigenen Artikel, um den Rahmen hier nicht komplett zu sprengen. Und abgesehen davon bekommt man einen wirklich durchdachten Rucksack, der sich auch mit viel Gepäck angenehm trägt. Möglicherweise ist Deuter einer der letzten Hersteller, die zwar viel Geld verlangen, dafür aber Produkte für ein ganzes Leben bieten - ich würde es mir wünschen.



Von Schafen und Fehnen

In Bad Zwischenahn startete der längere und anstrengedere Teil der Reise. Meine Geocaching-Versuche waren recht erfolglos, da die meisten nahegelegenen Caches an muggelverseuchten1 Orten versteckt waren. Einer ist inzwischen wohl verschütt gegangen und an einem Ort ist nun eine Baustelle. Einige schöne Teile der Kleinstadt gesehen habe ich trotzdem und auch am Hafen des Zwischenahner Meers kam ich diesmal vorbei.

Das nächste Ziel war Augustfehn (nicht zu verwechseln mit Augustfehn II oder III - bei der Menge an Dörfern war für Stadtteilnamen keine Kreativität mehr übrig...); mit knapp 27 Kilometern war das die längste Teilstrecke. Meine vorbereitete Route startete am falschen Ende des Sees, so dass ich mich auf die Livenavigation verließ, und erstaunlicherweise klappte das diesmal zuverlässig. Die Strecke führte größtenteils an den vielen Baumschulen und ihren unzähligen Bäumen und Pflanzen entlang. Wenig befahrene Straßen und Radwege in Wäldern und an Gewässern führten direkt durch die wunderbare Natur im Ammerland. Aufgrund des trüben Himmels und der knappen Zeitplanung habe ich allerdings nicht viele Fotos mitgebracht.

Bei der Probe von TEN SING Augustfehn hatte ich dann soviel Spaß wie schon lange nicht mehr. Nachdem hier vor einiger Zeit Disziplin und Struktur so ausgeartet waren, dass Teilnehmer flüchteten, wurden diese nun stark zurück gefahren. Trotzdem schafften wir in der Chorprobe ganze fünf Lieder, auch die Solisten waren schon vorbereitet. Schön zu sehen, wenn die ganze in TEN SINGern steckende Verrücktheit und Ausgelassenheit zugelassen wird und die Produktivität trotzdem nicht allzu sehr leidet! hahahah

Anschließend fuhr ich mit Peter ins angrenzende Apen. Bei ihm hatten wir beim letzten Mal schon mein von der IC-Fahrt beschädigtes Licht repariert, diesmal wurden die Bremsen wieder richtig eingestellt und die Räder anständig montiert. Außerdem versuchten wir ein loses Pedal zu reparieren, was uns leider aufgrund der minderwertigen Schrauben nicht gelang, so dass ich wohl mal ein Fahrradgeschäft aufsuchen muss.

Ausgeschlafen ging es dann nochmal 23 Kilometer weiter nach Veenhusen zur Show von TS Moormerland. Da inzwischen Wind aufgezogen war, hatten wir die ursprünglich 28 Kilometer lange Route nochmal gekürzt - es dauerte zwar ewig, bis wir OpenRouteService dazu brachten, die von Google vorgeschlagene Route zu fahren, aber da ich die meiste Zeit gegen den Wind fahren musste, war es das wert. Es ist eine Schande, dass Google nun auch brauchbare Fahrradrouten berechnen kann, aber die Offlinefunktionen der Google Maps-App noch schlechter geworden sind (soll heißen, ohne mobiles Internet kann man mit der Route nichts anfangen, sodass wir sie wie gehabt aus OpenRouteService exportieren mussten).

Die Strecke führte diesmal zu großen Teilen am Kanal entlang, wo der Wind besonders stark, der Verkehr dafür aber nicht vorhanden war. Dafür begegnete ich Schafen und Kühen, die direkt an der Strecke weideten. Weniger erfreulich war das spontane Ende der Ausbaustrecke - nicht neu, aber immer wieder ärgerlich, wenn man plötzlich vor einem Grashügel steht, den man überwinden muss, um auf die andere Seite der Zugstrecke zu kommen - nur um dort festzustellen, dass der Weg den letzten Kilometer bis zur Straße nicht mehr angelegt ist.

Durch den Wind war die Fahrt natürlich sehr anstrengend. Trotzdem bereue ich nicht, selbst gefahren zu sein statt mich mit dem Auto mitnehmen zu lassen. Kilometer um Kilometer zurücklegen, nur mit dem Geruch von Sommerregen in der Nase und dem Rauschen des Windes im Ohr, befreit von allen Sorgen, die einen sonst im Alltag begleiten. Als ich am Showort ankam, war nicht nur mein Magen, sondern auch mein Kopf völlig leer. Kein Gedanke wurde mehr verschwendet an ungelesene Mails, offene Tickets auf der Arbeit oder irgendwelche Behörden.

TEN SING Moormerland hat dem Ganzen dann noch die Krone aufgesetzt. Mit dem schönen Motto "Zeitreisen existieren - wir nennen sie Musik" begab sich die älteste Gruppe Deutschlands auf eine musikalische Reise von Woodstock über den Mauerfall und Modern Talking bis in die heutige Zeit. Nicht nur einmal mussten wir lachen, wenn Oma Else ihrem Roboter-Begleiter erklärte, wie die Welt funktioniert - Dieter Bohlen zum Beispiel war damals ein "heißer Feger". Das ist aber kein hochtemperiertes, singendes Haushaltsgerät, wenngleich Bill von Tokio Hotel - heute ein "heißer Feger" - sogar aussieht wie ein Besen. Und als Else dankend ablehnt, Modern Talking von der Festplatte des Roboters zu laden ("nene, das war mal gute Musik"), freut sich auch das Publikum. :D

Nach der Show schloss ich mich nochmal den Augustfehnern an, um der unrühmlichen Fastfoodkette mit dem "McBörgerding" einen Besuch abzustatten. Nicht, dass das Ding besser wäre als der übliche Veggieburger, aber letzteren gibt es ja unverständlicherweise nicht im Menü. Dafür gab es Gratiseis für die gesamte Gruppe, als wir der Filiale ein Ständchen gaben. hahahah Zurück in Moormerland wurde noch zu Ende abgebaut, bevor Ina mich für die letzte Nacht aufnahm.

Eine viel zu kurze Nacht und ein entspanntes Frühstück später ging es dann mit Moormerländer Rosinenbrot nach Leer, um von dort wieder nach Hause zu fahren. Dank Treppen in Zügen und fehlenden Aufzügen ist die An- und Abreise mit dem Zug immer der beschwerlichste Teil der ganzen Reise. Trotzdem war es wieder eine tolle Zeit und im Herbst geht es sicher nochmal nach Norden. hahahah

  1. Ganz wie bei Harry Potter: Muggel sind die bösen unwissenden Menschen.


Mit dem Rad von Couch zu Couch

Letzte Woche war ich für ein paar Tage auf Radtour in Ostfriesland. Winterreifen auf dem Rad, flaches Land, nette Leute, was kann da schon schief gehen - dachte ich. Verschiedene Ziele steckten hinter der Reise. Erreicht habe ich sie alle - die Verteilung hätte etwas anders sein dürfen.

Landschaftsfotografie

Na klar, viel Gegend, wenig Orte und wenn, kleine Dörfer. Wobei ich mir mit Leer, Moormerland, Aurich, Augustfehn und Bad Zwischenahn noch einige der größeren ausgesucht hatte, von Oldenburg am Ende mal ganz abgesehen. Aufgrund immer wieder einsetzenden Regens und anderweitig schlechten Wetters habe ich allerdings viel weniger fotografiert als geplant. Für ein paar tolle HDR-Aufnahmen hat es trotzdem gereicht. An einem Nachmittag fuhr ich mit W. mit dem Rad von Oldenburg nach Dreibergen, wir starteten im strahlenden Sonnenschein, aber der Wetterbericht hatte Eisregen vorhergesagt. "Im Norden kann der auch noch kommen", dachten wir... und behielten Recht.

Radfahren

Durch den Fahrradmietservice Nextbike hatte ich letzten Herbst das Radfahren wiederentdeckt, als ich nachts nach der Arbeit dank einem geliehenen Fahrrad relativ schnell nach Hause kam. In der Dortmunder Innenstadt erreicht man viel zu Fuß und mit dem Rad dann alles. Öffentliche Verkehrsmittel sind kaum nötig, ein Auto schonmal gar nicht.

In Ostfriesland gibt es zwar viele anständige Radwege, aber auch viel Wind und viel Dunkelheit. So scheiterte ich nicht nur einmal an einer für Fahrradfahrer unbenutzbaren Bundesstraße. In der ersten Nacht - mein Licht war im Zug kaputt gegangen - fuhr ich eine komplett unbeleuchtete Straße entlang, später in Bad Zwischenahn mehrere Kilometer durch den Wald. Ein Hoch auf die Taschenlampen-App für das Tablet. "Bist du an der soundso-Straße?" - "Ich hab keine Ahnung, es ist stockfinster!" :D

Daumen runter hingegen für alle Arten von elektronischer Navigation ("wenn möglich, bitte wenden!!!"). Bei meinem TomTom-Autonavi versagte der Akku viel zu schnell, bei allen Navi-Apps für Android auf dem Tablet tauchten immer wieder Bundesstraßen auf. Größere Umwege zugunsten meines Lebens sind offenbar keine Option für die App-Entwickler. So wurde ich dann zweimal eingesammelt, was die gefahrene Strecke recht deutlich reduzierte. Einmal nachts in Moormerland, als kein Zug mehr fuhr, und in Hesel auf dem Weg nach Aurich quetschten wir mein Fahrrad in K.s Corsa. Vielen Dank nochmal für diese Aktion! hahahah

Wenn man eine vernünftige Strecke kennt, kann man aber wirklich sehr schön Radfahren. Mit W. fuhr ich nach Oldenburg und zurück, insgesamt gut 30 Kilometer, größtenteils an einer Bahnstrecke entlang, abseits der Straßen. Wunderbar zu fahren, ruhig, entspannt und sicher - und landschaftlich schön.

Grenzerfahrungen

Landschaftlich schön ist die Gegend, durch die ich auf dem (planmäßigen) Weg von Aurich nach Leer fuhr, bestimmt auch. Für mich war sie vor allem dunkel, eisig kalt, menschenleer und unfassbar groß. Schon auf dem Weg nach Aurich fuhr ich fünf Kilometer über eine Bundesstraße, die aber immerhin einen Seitenstreifen hatte (trotzdem ein Erlebnis, das niemand braucht). Von Aurich nach Leer ging es dann über eine ähnlich dicht befahrene Landstraße ohne Seitenstreifen - das war zwar sogar offiziell beschildert als Radweg nach Leer, aber so gefährlich, dass ich bei nächster Gelegenheit abgefahren bin. Leider konnte ich das Navi nicht motivieren, mich eine alternative Strecke entlang zu lotsen, so dass ich erstmal drauflos fuhr, auf einen Radwegweiser hoffend.

Stattdessen gab es Gegenwind, so stark, dass ich schlicht umfiel mit dem Rad. Fahren nicht möglich, also schieben - und noch irgendwas mit knapp 30 Kilometer bis Leer. Auf dem Radwegweiser zwei Kilometer weiter stand Leer allerdings gar nicht mehr drauf - da war mir schon so weit alles egal, dass ich einfach Richtung Emden fuhr, mit schwindendem Akku, schlechtem Licht und bei einbrechender Dunkelheit. Das war zwar von der Richtung völlig falsch, aber immerhin gibt es dort auch einen Bahnhof...

Also erst an Feldern entlang, durch ein Waldstück, an einem einsamen Haus vorbei und schließlich parallel zur Autobahn - und plötzlich war der Radweg zu Ende. Irgendwo gab es eine Abzweigung und mit Blick auf das GPS hatten die Radwegschildschreiber wohl vorausgesetzt, dass man dort automatisch langfährt, auch ohne weiteren Hinweis ("hier abbiegen, nicht erst einen Kilometer Richtung Sackgasse fahren"). Da war es inzwischen völlig dunkel geworden, die Gegend wirklich vollkommen (!) menschenleer und die Situation an Gruseligkeit kaum zu überbieten.

Nach insgesamt 4,5 Stunden erreichte ich dann allerdings doch noch den Emdener Bahnhof und dort auch direkt einen Zug... durchgefroren, ohne Fahrkarte und ohne jede Ahnung, wieso ich noch nicht den Verstand verloren hatte. Danach war dann das Warten am Bahnhof Bad Zwischenahn und die Fahrt durch den dunklen Wald auch nicht mehr schlimm...

Menschen treffen

Couchsurfing ist grandios! Wegen diverser Probleme hatte ich die Reise im Dezember absagen müssen, aber alle drei Gastgeberinnen hatten angeboten, mich trotzdem aufzunehmen, wenn ich die Reise letztlich antrete, was bei zwei nun auch geklappt hat. Und - es ist tausend Mal besser als jede andere Übernachtungsgelegenheit. In Brighton habe ich schonmal mit Bed & Breakfast übernachtet, das war auch schon angenehmer als ein Hotel, aber nicht halb so persönlich wie Couchsurfing.

Klar ist es auch eine praktische Möglichkeit, günstig zu reisen, aber wenn man seine Gastgeber vorher sorgfältig aussucht, hat man auch die Gelegenheit, wunderbare Menschen zu treffen. Mit K. lernte ich im Schnelldurchlauf Aurich kennen, wir kochten und schauten "Die fabelhafte Welt der Amélie" und fuhren ans Meer (und fielen fast rein, weil es da schon so windig war). Zwischendurch trafen wir Ulli, leider nur kurz, weil sie bald weiter musste. Bei W. lernte ich etliche Stunden später heißen Tee zu schätzen, genoss die Ruhe auf dem Dorf und lernte eine WG in Oldenburg kennen, die mit aller Selbstverständlichkeit Containern geht.

Eigentlich ist das Internet schon länger eine gute Möglichkeit, Menschen kennen zu lernen, die anders leben als man selbst. Aber heutzutage nutzt niemand mehr *VZ und Facebook ist zwar gut geeignet, um mit Leuten in Kontakt zu bleiben, aber nicht so brauchbar, um neue Leute zu entdecken. Bei Couchsurfing funktioniert das besser. Irgendeinen Bezug zu seinem "Host" hat man immer, durch das gemeinsame Wohnen hat man meist viel Zeit, sich auszutauschen, und obendrein besteht auch die Möglichkeit, direkt noch mehr Leute aus der gleichen Gegend zu treffen (wie die WG aus Oldenburg, die auch selber Couchsurfer aufnehmen).

Mir hat's jedenfalls riesigen Spaß gemacht, trotz der kurzen Zeit und der Tatsache, dass ich am Ende krank war. Spätestens im Mai bin ich wieder auf Reisen, nach Berlin zum Yeah Yeah Yeahs-Konzert - dort gibt es sicher viele Couchsurfer, aber vermutlich auch viele, die dort hin wollen. Mal schauen was sich daraus ergibt. hahahah



Die ultimative Packliste

Nach der ultimativen LAN-Checkliste für Lanpartys, die nach und nach gewachsen und inzwischen wirklich vollständig ist, war es lange überfällig, eine Liste für normale Reisen zu erstellen. Jedes Mal vergesse ich irgendwas. Damit ist jetzt Schluss. Alles, was man eventuell braucht, kommt jetzt hier rein.

Vor Ort

  • Kleidung: An das Wetter des Zielortes angepasst und mengenmäßig abhängig von Hygienebedürfnissen und Waschgelegenheiten. Wechselsocken sind wichtiger als Wechselhosen und bei schlechtem Wetter sind Regenhose und Friesennerz nicht schick, aber nützlich. Auch an bequeme Kleidung für drinnen denken (Jogginghosen sind super)!
  • Passendes Schuhwerk (Wanderschuhe / Flipflops / Badelatschen / Gummistiefel...)
  • ggf. Ski- / Fahrrad- / Winterhandschuhe
  • Kopfbedeckung, Sonnencreme, Sonnenbrille
  • Medikamente / Reiseapotheke
  • Kulturbeutel (aka Waschzeug), Fön, Rasierer, Kontaktlinsenmittel
  • Stadtführer / Infomaterial / Festival-Timeline...

Reise & Papiere

  • Ausweispapiere: Personalausweis, Reisepass, Visum...
  • Reisepapiere: Bahncard, Zugtickets, Flugtickets...
  • Barmittel: Geld in entsprechender Währung, Kreditkarte, Reiseschecks, EC-Karte...
  • Versicherungen: Krankenkassenkarte, Sozialversicherungsausweis, private Zusatzpolicen...
  • Kontaktdaten: In Papierform, falls der Akku leer ist! Unterkunft, Ansprechpersonen, Botschaft...
  • Kartenmaterial und Navigationsgerät, Kompass
  • Verkehrsmittel: Fahrzeugpapiere, Führerschein, ADAC-Karte, Türschlossenteiser, Warnweste, Helm...
  • Eintrittskarten
  • Proviant (Flugbestimmungen bzw. Festivalregeln beachten!)

Bei Unterkunft nicht im Hotel

  • Zelt, Heringe, Campingstuhl, Kühltasche...
  • Grill, Grillanzünder, Grillkohle...
  • Gas- oder Esbitkocher
  • Isomatte / Schlafsack oder Bettwäsche, Kopfkissen
  • Handtücher
  • Schloss (Schließfächer in Hostels!)
  • Desinfektionsspray
  • Moskitospray
  • Klopapier
  • Schlafmaske
  • Müllbeutel

Technik

  • Handy, Ladekabel fürs Handy und Steckdosenadapter für's Ausland
  • Mehrfachsteckdose
  • Notebook mit Akku, Ladekabel, Maus
  • Kamera mit Objektiven, Akkus, Ladegerät, Speicherkarten, Blitze, Stativ(e), Tasche(n), ggf. Kartenleser
  • MP3-Player (ggf. mit USB-Kabel), Kopfhörer, Y-Adapter für zwei Kopfhörer
  • Instrumente (Akustikgitarre, Cajon bzw. Instrumente für Auftritt), Stimmgerät / Stimmschlüssel
  • Werkzeug für's Auto, Verbandskasten, Autostarterkabel - kann man sich nicht nur mit helfen lassen, sondern auch anderen helfen
  • Werkzeug für's Fahrrad (Inbusschlüssel, Reifenheber, Luftpumpe, Flickzeug, evtl. Rohrzange/Engländer - schwer, aber praktisch)

Immer dabei

  • Taschenlampe mit Ersatzakkus
  • Panzertape (Gaffa)
  • Ohrstöpsel
  • Schreibzeug
  • Feuerzeug

Sonstiges

  • T-Shirt-Marker

Für Städte- und Konzertreisen bzw. Festivals sollte inzwischen so ziemlich alles dabei sein. Wenn ich von meiner Interrailtour zurück bin, wird sich zeigen, was dort noch nützlich ist.



Testbericht: LED-LENSER M14

[Trigami-Review]

Vor einiger Zeit erhielt ich die Gelegenheit zu einem ganz besonderen Produkttest: Die multifunktionale Taschenlampe Zweibrüder LED Lenser M14 sollte getestet werden und ich wollte mich mit J. zusammentun, um Capture The Flag im "Real Life" zu organisieren. Kurz zum Spiel: Zwei Teams spielen gegeneinander; zu jedem Team gehören eine Flagge und ein Start- und Sammelpunkt. Das Ziel ist es, die gegnerische Flagge von deren Sammelpunkt zu stehlen und zum eigenen Sammelpunkt zu bringen, ohne dass dabei die eigene Flagge verloren geht.

Jan ist nicht nur Gamer und CTF-Spieler, sondern auch Geocacher. Dunkle Umgebungen in schwierigem Terrain sind ihm also nicht fremd, und wenn man nachts nach kleinen Hinweisen, Markierungen oder Gegenständen sucht, ist es hilfreich, dabei lichttechnisch gut ausgestattet zu sein.

Es hatte geschneit und wir trafen uns bei Einbruch der Dunkelheit in Gelsenkirchen an der Halde Rungenberg. Leider war die Planungszeit recht kurz, so dass wir nur zu fünft waren und keine vernünftige Kamera hatten. Einige Taschenlampen, darunter natürlich auch die LED Lenser, ein Smartphone und zwei abgenutzte Drumsticks mit Geschirrtuchfahne mussten also fürs erste reichen.

Der Schnee war glücklicherweise zwar ein bisschen, aber nicht wirklich angetaut, so dass der Aufstieg sehr einfach war, weil wir durch den tiefen Schnee guten Halt hatten. Es gibt zwar auch angelegte Wege, aber die waren uns nun wirklich zu lang. Einige Ebenen höher genossen wir erstmal die Aussicht und testeten die Reichweite der Taschenlampen; damit hörten wir aber schnell wieder auf, weil wir Angst hatten, die Autofahrer unten zu blenden, da die Taschenlampen selbst unten auf der Straße noch deutlich zu sehen waren. Die angegebene Reichweite von 280 Metern glaube ich dem Hersteller.

Ich hatte in der Bewerbung für den Produkttest verschiedene Vorteile der LED Lenser für Capture the Flag genannt; diese haben wir natürlich versucht ins Spiel einzubringen. Dazu gehörte zum Beispiel die Stroboskopfunktion (im "Defense Mode"), um Gegner abzuwehren. Für das Spiel erwies sich die als absolut nutzlos, da wir quasi alle mit einer solchen Funktion ausgerüstet waren; allerdings blendet das in der Dunkelheit wirklich sehr. Kann man aber auch schon bei halb so teuren Taschenlampen bekommen.

Dann waren da die verschiedenen Helligkeitsmodi für das LED-Licht. Man kann hier umschalten zwischen 15% und 100% Helligkeit, stufenlos dimmen sowie kurzzeitig 120% der Normalleistung erreichen. Was sich nett anhört, ist draußen bei Dunkelheit nur noch halb so nützlich. Für das Spiel dachte ich, man würde weniger schnell gesehen werden, wenn man nur 15% der Helligkeit verwendet; 15% der unglaublichen Lichtleistung sind aber immer noch sehr hell, daher war jede Tarnung dahin, sobald die Taschenlampe in irgendeiner Helligkeit an war. Das Dimmen erwies sich außerdem als etwas schwierig. Diese Funktionen sind wohl eher in einer nicht völlig dunklen Umgebung nützlich und helfen dann, die Akkulaufzeit zu maximieren.

Als weiteres groß beworbenes Feature verfügt die LED Lenser über eine Einhandfokussierung. Das bedeutet, dass man den Lichtkegel von weitreichend und schmal bis hin zu breite Ausleuchtung eines eher nahen Bereichs verstellen kann. Das funktioniert durch Verschiebung des Lampenkopfes und lässt sich tatsächlich mit einer Hand bewerkstelligen; aber nur mit recht großen Händen ohne Handschuhe, außerdem ist es wesentlich schwieriger den Lampenkopf zu sich hin zu ziehen (breiter Lichtkegel) als ihn nach vorne zu schieben (schmaler Lichtkegel). Das Advanced Focus System wirbt außerdem mit einem besonders gleichmäßigen Lichtkegel im defokussierten Bereich und einem besonders hellen Licht im fokussierten Zustand. Dabei verliert niemand ein Wort darüber, dass der Lichtkegel dazwischen - man kann ja schließlich stufenlos fokussieren - einfach bescheiden aussieht, weil es überall Schatten gibt.

LED_Lenser_M14_Produktbild.jpg Unser Capture The Flag-Spiel ist definitiv eine lustige Aktion mit viel Spaß geworden, nur die innovative LED-Taschenlampe konnten wir dabei nicht wirklich gewinnbringend einsetzen. Als Outdoor-Taschenlampe allgemein ist die LED Lenser M14 aber zweifelsfrei eine große Hilfe. Interessant ist dabei zum Beispiel auch, dass diese Lampe im Gegensatz zu quasi allen anderen über zwei verschiedene Energiemodi verfügt. LED-Taschenlampen sind oft mikrocontrollergeregelt, damit der Lichtstrom konstant bleibt, egal wie voll der Akku ist. Irgendwann steht man dann aber plötzlich im Dunkeln. Andere Modelle leuchten immer schwächer, je leerer der Akku ist. Die M14 lässt den Benutzer wählen und kann dank Smart Light Technology beides. Außerdem gibt es eine Warnung durch Blinklicht, bevor der Akku zu schwach wird.

Die LED Lenser M14 ist definitiv eine leistungsstarke, hochwertige Taschenlampe. Sie verfügt über eine Menge Funktionen und erreicht im Idealfall eine Akkulaufzeit von bis zu 96 Stunden. Aufgrund des Preises von 120€ ist sie aber nur für Leute geeignet, die alle diese Funktionen auch benötigen. Eine lange Akkulaufzeit in Kombination mit sehr hoher Lichtstärke bekommt man z.B. bei Fenix für das halbe Geld. Zu beachten sind auch das hohe Gewicht und die Notwendigkeit von vier Akkus - in der Hosentasche macht die LED Lenser sich nicht gut. Ein Gürtelclip wird allerdings mitgeliefert.

Zum Schluss die Videos von unserer CTF-Aktion. Leider hatten wir recht wenig Zeit zur Planung, so dass wir keine normale Kamera nutzen konnten und auf ein Smartphone zurückgreifen mussten. Die Qualität ist entsprechend... sehr schade. Vielleicht wiederholen wir das bei Gelegenheit mit besserer Technik.

Videos: 1 2 3 4



Vom Kornfeld zum Sumpf

Oder: Gedankensammlung statt Festivalbericht
Eine Woche ist es jetzt her und es wird Zeit, einige Eindrücke in Worte zu fassen. Mein erstes Festival - die verrückteste Reise in meinem Leben, als angemessene Feier zum bestandenen Abitur. Das Hurricane-Festival 2009 - 70000 Zuschauer, über 60 geniale Bands, drei Tage in Scheeßel bei Bremen.

Wenn man von einem Festival berichtet, gibt es wahrscheinlich drei wesentliche Punkte, von denen man erzählen kann: Wetter, Partys und Musik. Das Wetter war beschissen. Erster Punkt abgehakt ;) Es ließ sich sehr schön beobachten, wie aus dem abgeschnittenen Kornfeld erst ein Acker ohne Ähren und dann recht flott ein Sumpf wurde, dessen flüssige Anteile vermutlich zum Teil aus dem bestanden, was dort mal gewachsen war...

Was Partys angeht, habe ich (leider) nicht viel mitbekommen, da ich alleine dort war - was den interessanteren Teil nach den beiden öden Absätzen da oben einleitet. Mangels Mitfahrern aus meinem Freundeskreis hatte ich nämlich einfach mal ins StudiVZ geschrieben bzw. die Beiträge in der dortigen Hurricane-Gruppe verfolgt; so waren zumindest schnell Begleiter für die Autofahrt gefunden. Etwas später fanden sich auch nette Leute, die schon erfahrener, aber auch recht alleine waren, mit denen man dann vor Ort hätte feiern können. Finden wäre gut gewesen - hätte mit mehr Zeit vielleicht auch noch geklappt, die Beschreibung "bei der Allemania-Aachen-Flagge gegenüber von den Duschen bei der Reihe grüner Dixiklos" war immerhin überdurchschnittlich präzise. Mangels Handynetz (normalerweise weiden dort Kühe, die brauchen sowas nicht) und Zeit (viele geile Bands) ist dann aber nichts draus geworden. Soviel dazu, warum ich alleine war.

Anreise
Am Freitag vormittag ging es also los, eine Mitfahrerin aus Gelsenkirchen und ein Päärchen aus Münster einsammeln und dann ab nach Scheeßel. Dank Navi hat's auch super geklappt, sogar staufrei. Der Parkplatz war mal eine Wiese, ungewohnt, aber völlig in Ordnung. Die Einweiser waren etwas genervt, weil wir beim Ausladen ständig im Weg standen, aber gegen den Regen, der uns auf dem Weg zum Zeltplatz bereits komplett durchnässt hat, war das nix. Einen großen Fehler, den ich da (beim Ausladen) gemacht habe, werde ich nie wieder machen: Isomatte und Schlafsack zurück lassen. Die Mitfahrerin aus GE hatte soviel Kram mit, dass wir "später" nochmal zum Auto wollten und ihren und meinen Rest holen. Da wir aber ständig auf Konzerten waren, war "später" dann nachts um 1, wo wir im Dunkeln mit ner Funzel verzweifelt das Auto gesucht haben, vor allem ich, weil es wirklich eisekalt war und alles langärmlige sowie genannte Schlafutensilien im Auto waren. Ich war noch nie so froh, ein langärmliges Shirt über's T-Shirt ziehen zu können.

Was die Zelte angeht, war ich gegenüber meinen Mitfahrern im klaren Vorteil - die drei mussten im strömenden Regen und reißendem Wind noch auf dem brechend vollen Zeltplatz ein Zelt hinquetschen, meins war gemietet und stand längst. "Mein Zelt steht schon" habe ich hier schonmal erwähnt, die machen die Anreise echt wesentlich entspannter. In dieser Hinsicht also nicht viel zu erzählen... aber meine Mitfahrer sollten noch für erzählenswerten Stoff sorgen.

Die beiden aus Münster wollten nämlich auch mit mir wieder zurück fahren. Weiterer fataler Fehler: Kein Ort und keine Zeit ausgemacht - "wir telefonieren dann mal". Telefonieren auf einem Festival ist nicht! Es ist überall laut (ach!) und Netz gibt es eh nie. E-Plus schien mir da noch am Besten zu sein, ich habe zumindest recht oft SMS empfangen können. Dritter fataler Fehler: Aufs Handy verlassen, Nummern nicht auf Papier aufgeschrieben! Mir ist am Sonntag der Akku verreckt - und dann ging's los. Wie erreiche ich meine Mitfahrer, wenn ich weder deren Nummer noch ein funktionierendes Handy habe?

Das Mitfahrer-Dilemma
Plan A. Handy laden - ich habe ja ein Ladekabel mit.
Jo - das funktioniert aber nur am PC. Der Autosteckdose-USB-Konverter funktioniert zwar und meinen MP3-Player kann ich damit auch laden - beim Handy tut sich nix.

Plan B. Handy laden - es gibt ja eine Handyladestation.
Ja, richtig, bei T-Mobile - die ist total überlaufen, man muss ewig lange warten und für den Pleite-Geheimtipp Benq-Siemens gibts kein Ladegerät. Mit mitgebrachtem Ladegerät am Infozelt laden entfällt auch, siehe oben.

Plan C. Erstmal die Nummer rausfinden und dann irgendwie anrufen.
Okay, also die Mitarbeiterin am T-Mobile-Stand belatschen dass ich ihr Handy benutzen darf (die war wahnsinnig geduldig und gleichzeitig zu Recht total genervt), Freund anrufen, Passwort fürs StudiVZ durchgeben, damit der dort die Handynummer meines Mitfahrers nachgucken kann. Passwort falsch. wtf? Kann nicht. Egal. Passwort vergessen-Funktion benutzen, Mails abfragen. Passwort falsch. wtf? Kann nicht!! Ok. Freund zuhause anrufen lassen und Mutter am PC die Mails abrufen lassen. Passwort für den PC falsch. wtf? Kann nicht!!!!
Hinterher ging's dann über einen ungesicherten Account und die Firefox-Passwortverwaltung, besagter Freund hat meinen Mitfahrer sogar irgendwann erreicht und ihm die dumme Situation erklärt (ich hatte inzwischen vier verschiedene Telefone benutzt, um immer wieder in Gelsenkirchen anzurufen), das habe ich aber erst hinterher zuhause erfahren - denn die beiden sind nicht aufgetaucht, ich bin alleine zurück gefahren. Sorry - 9 Uhr am Infozelt sollte bei euch angekommen sein, ich war von 8:30 bis 9:30 da und danach bis 10:45 am Parkplatz, niemand kam. Tja. Fail. :|
Beim Passwort war übrigens doch ein Fehler drin, den ich nie bemerkt hätte, da ich das Passwort blind und ohne nachzudenken tippe...

Festivalkonzerte für Anfänger
Ich habe eine Menge lernen können auf dem Hurricane. Drei fatale Fehler habe ich schon genannt, aber auch bei Konzerten gab's noch Nachholbedarf.

  • Festivals haben Headliner. Headliner haben Fans. Headliner-Fans sitzen ab mittags vor der Bühne und ignorieren andere Konzerte. Headliner-Fans, die andere Konzerte ignorieren, sind verdammt nervig, wenn man sich für diese anderen Konzerte interessiert!
  • Allgemein ist der Anteil an "einfach nur so da"-Fans viel höher. Wenn man die richtig gute Stimmung mitbekommen will, muss man viel weiter nach vorne als bei normalen Konzerten.
  • Wenn man beim Pogen einfach mitmacht, kriegt man viel weniger blaue Flecken, weil es nicht so schlimm ist in der Luft geschubst zu werden wie auf dem Boden, man landet dann einfach woanders, stolpert aber nicht.
  • Pogen macht eh Spass.
  • Es geht immer noch lauter!

Die Konzerte beim Hurricane fanden auf drei Bühnen statt, zwei draußen, eine im Zelt. Das Zelt hieß Coca-Cola-Soundwave-Tent und war relativ winzig, für vll 1000-2000 Leute geeignet. Dadurch musste man dann auch mal draußen warten; die Einlasskontrollen waren fragwürdig und viel kritisiert, aber sie waren halt da. Immer nur rein, wenn auch welche rausgehen. Nicht nur bei Culcha Candela, auch bei Lykke Li musste man dann mal ne halbe Stunde des Konzertes von draußen anhören. Der Name rührte daher, dass dort die Gewinner des Coca Cola Soundwave Clash auftreten würden; für die bereits bekannten Bands, die dort untergebracht wurden, war das aber eher doof, und die Bands, die wirklich vom Bandcontest dort auftraten, wurden nicht wirklich bekannt gegeben, so dass ich nur von einer einzigen einen Flyer bekam. Wegen der Geschichte mit den verlorenen Mitfahrern konnte ich die dann nichtmal sehen.

Ansonsten waren die Konzerte aber eigentlich recht gut organisiert, es kam selten vor, dass auf zwei Bühnen Bands einer ähnlichen Musikrichtung gleichzeitig gespielt haben. So kam es bei mir auch nur am Freitag dazu, dass ich ein Konzert nicht komplett sehen konnte. Eine Gesamtübersicht über die Konzerte wo ich war gibt es unten als Bild (großklicken), einige möchte ich aber besonders herausheben, der Einfachheit halber in chronologischer Reihenfolge.

Ein paar Worte zu den Auftritten
Da wären zunächst The Ting Tings, die nicht nur meine liebste Neuentdeckung sind, sondern auch das für mich beste Konzert gegeben haben. "Bestes Konzert" ist nicht nur vom Auftreten der Band, sondern auch wesentlich vom Publikum abhängig; das Publikum bei den Sounds bekommt den Negativpreis des langweiligsten Publikums, das ich je erlebt habe. Selbst ganz vorne mittig absolut keine Stimmung. Schade, sehr schade, und umso besser, dass ich bei den Tings bis zum Ende geblieben bin (um danach springender- und über-am-Boden-liegende-Personen-trampelnderweise zu den Sounds zu sprinten). Moby fand ich interessant, weil er (Moby) selbst kaum Leadstimmen in seinen Liedern hat. Und Kraftwerk... naja... ein Pressebericht nannte deren Konzert "das faszinierendste" - ich sage: ja, weil man die ganze Zeit wartet, dass etwas passiert - aber es passiert nichts.
Drei weitere sind mir besonders in Erinnerung geblieben - Keane, weil der Sänger so unglaublich selbstverliebt immer wieder um Applaus gebettelt hat. Lykke Li, weil ich noch nie ein SO fasziniertes Publikum gesehen habe (da war Kraftwerk nix gegen!!). Tausende vollkommen gebannte Menschen, das ganze Zelt voll und draußen stauten sich die Menschen vor den Eingängen. Die Techniker müssen die Krise gekriegt haben, als sie mit nem Megaphon ans Mikrofon ging, ein Hohn, dass die Presse da von "technischen Schwierigkeiten" berichtet... als ich noch draußen war, hat man schon eklige Rückkopplungen gehört. Und dann waren da noch The Whip, wo ich eher zufällig reingeraten bin und sicher nicht hingegangen wäre, wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet. Es hat mir gefallen, das ist sicher! Aber ich habe noch nie freiwillig Ohrenstöpsel benutzt und ich habe mich nich nie freiwillig weiter nach hinten drängen lassen, weil vorne zu viel los war. Einfach heftig - ich kam mir vor wie auf Drogen. Eine irrsinnige Lightshow, wahnsinnig lauter Sound und extrem harte Musik, die ich als Elektrorock bezeichnen würde. Bemerkenswert übrigens auch, dass The Whip eine Schlagzeugerin haben. Eine sehr coole obendrein.

Was es sonst noch zu sagen gibt

  • Ich habe ein Dixi von innen gesehen, ohne es aufzumachen. Im Hurricane-Forum heißt es, die Dinger sind die Vorhölle; ich mochte es nicht testen, aber sie brennen wohl gut, jedenfalls war von denen, die ein paar Idioten angezündet haben, nicht viel bis gar nichts übrig. Die übrigen Sanitäranlagen brannten nicht und waren auch ansonsten ganz gut in Schuss...
  • Die Ärzte haben die Aktion von Viva con Agua (bepfandete Becher spenden für bessere Trinkwasserversorgung) unterstützt, in dem sie sich mit eben den geforderten Bechern bewerfen ließen; sah lustig aus hahahah
  • Trotz des beschissenen Wetters, was nur ganz am Anfang vor meinem ersten Konzert wohl zu einem Ausfall der Technik geführt hat, gab es zahlreiche Videoaufnahmen. Sehen kann man die Ergebnisse davon beim ZDFtheaterkanal (2., 5. und 7. August) und auf ARTE (26. November).
  • Die A1 hat total genervt, weil sie voller elender Baustellen ist, auf denen keiner arbeitet, wo man aber dennoch nur langsam fahren darf. Es ist echt geil, auf einer frisch ausgebauten dreispurigen Autobahn fahren zu können.
  • Sonne macht auch Sonnenbrand, wenn es mehr regnet als sonnenscheint. Mücken mögen beide Wetterlagen, Regen vor Sonne und Regen nach Sonne.
  • Man muss echt dumm sein, um ein Festivalbändchen zu verlieren. Ich habe ewig versucht, das ab zu bekommen ohne es zu zerschneiden, es geht einfach nicht. Selbst das Zerschneiden hat etwas gedauert, da der Stoff sehr fest ist.

Ich werde sicherlich irgendwann wieder auf ein Festival fahren - allerdings nicht nochmal alleine. Wenn man sich vorher von allen auftretenden Bands mal was anhört und dadurch auf irre viele Konzerte geht, ist man zwar meist auf Konzerten (ähm...ja), aber irgendwann möchte man ja auch mal was essen, ne Pause machen oder es ist einfach abends Ende, aber niemand schläft und man selbst wird dadurch auch daran gehindert. Da ist es einfach cooler, wenn man auch jemand dabei hat, mit dem man noch grillen kann. Gerade wenn man sein Zelt selbst aufbauen muss ist es sicher ätzend, wenn man das alleine machen muss.

Überlebt habe ich - Spass hatte ich auch. Viele geile Konzerte gesehen und viele neue Bands entdeckt. Und ich habe vier Tage lang von Milchbrötchen und Wasser gelebt - ist aber nicht die empfehlenswerteste Methode. Man wird nicht krank, aber dünn ;) Dafür freut man sich total, wenn man auf der Rückfahrt an einen riesigen Autohof kommt, wo es u.a. Macces und Subway gibt...

Grafik Hurricane Timetable

Grünes Kreuz = planmäßiger Besuch

Rotes Kreuz = Besuch geplant, aber nicht getätigt

Grüner Haken = spontaner Besuch