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In der Adventszeit teilt sich die Bevölkerung zumindest ein bisschen: Einige gehen total im Kaufrausch auf, manche dekorieren wild, andere sind gestresst weil alles perfekt werden muss, die Glücklichen genießen ganz entspannt die Vorfreude auf Weihnachten und das Fest selbst und manche sind einfach die ganze Zeit grumpig, weil sie nichts damit anfangen können oder die aufgesetzte Glücklichkeit nicht ertragen. Ich gehöre zur backenden Fraktion und freue mir ein Loch in den Bauch, wenn die verschenkten Leckereien gut ankommen (und fülle es dann mit Schokolade). Inspiriert davon, aber für Adventsfreunde und -feinde gleichermaßen geeignet, möchte ich heute ein paar Einträge aus meiner privaten Liste schöner Erlebnisse mit euch teilen und damit auch ein bisschen Freunde am Leben - ganz unabhängig von der Jahreszeit.


  • Eine Bekannte um Materialien zu einer Andacht bitten, weil man die so toll fand, und dann von ihr zum Kaffee eingeladen werden, weil sie sich so freut, dass die Andacht so gut ankam
  • Von Menschen erkannt werden, die man vor über einem Jahr ein einziges Mal getroffen hat und die einem zwar wichtig sind, weil man sehr prägende Erlebnisse mit ihnen hatte, zu denen man aber seitdem keinen Kontakt hatte
  • In der Bahn mit der Sitznachbarin zusammen anfangen müssen zu lachen, weil wir beide dem gleichen dämlichen Gespräch anderer Fahrgäste gelauscht haben
  • Bei einem Konzert mit unglaublich guter Stimmung den Rucksack fremden Zuschauern anvertrauen, um ihn zum Technikpult durchreichen zu lassen, und nach dem Konzert dort unversehrt einsammeln (Foto links unten von Philip Wilson)
  • Vor der Halle einer überfüllten Konzertlesung zu ein paar singenden Jugendlichen dazu setzen und selber Musik machen, und am Ende sitzt da vor der Halle eine riesige Gruppe singender, musizierender und Chips futternder Jugendlicher, die sich eigentlich gar nicht kannte

In unserem oft stressigen und nervigen Alltag ist es manchmal schwer, die Augen geöffnet zu halten für die großen und kleinen schönen Dinge, die uns ständig passieren. Daher schreibe ich immer wieder ein paar davon auf - eisbrechende Situationen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Momente, in denen Vertrauen belohnt wird, Dinge, für die ich dankbar bin, Erfolgserlebnisse. Alles, was die Hoffnung stärkt, dass viele der Menschen um uns herum ganz wunderbar sind und dass wir in unserer merkwürdige Welt ein glückliches Leben führen können, wenn wir uns ein bisschen bemühen. Die Liste ist lang, und sie wächst immer weiter.

Sooo eine schöne Aktion: Die kanadische Fluggesellschaft WestJet hat ihre Passagiere vor dem Abflug nach ihren Weihnachtswünschen gefragt - und diese dann bis zur Ankunft am Zielort tatsächlich erfüllt. Schaut es euch an, es ist noch viel schöner als es klingt und es ist mir total egal, warum die das gemacht haben.

WestJet Christmas Miracle

(via trnd)

Gerade höre ich mal wieder Good life von One Republic. Nicht, weil es zum siebenmillionsten Mal im Radio läuft, sondern weil es für unsere nächste Liederwahl für die Show im Juni vorgeschlagen wurde und ich gerade Samples schneide, damit wir vor der Wahl in jedes Lied mal reinhören können. One Republic finde ich nicht schlecht, aber viele Lieder ein bisschen langweilig. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Mir ist dazu nämlich wieder eingefallen, dass ich mal einem Freund eine CD von denen aus London mitgebracht habe.

Mit Reisegeschenken halte ich das ja so, dass ich generell nix mitbringe, es sei denn, es läuft mir zufällig was passendes über den Weg, mir ist gerade danach und es ist nicht irrsinnig teuer. Trotzdem habe ich darüber nachgedacht, ob sich wohl jemand gekränkt fühlt, wenn ich genau dieser Person was mitbringe und niemandem sonst (was ja, aus meiner Sicht, nichts bedeutet).

Und genau das nervt mich an Geschenken. Man macht damit nicht nur jemandem ne Freude, sondern stellt ihn irgendwie auf ein höheres Niveau. Man wählt quasi einzelne Personen expliizit aus. Ganz schlimm ist das beim Großteil meiner Familie an Weihnachten - da nach dem Verfahren vorzugehen, was ich oben beschrieben habe, wäre fatal. Die Situation ist da aber auch etwas anders.

Weihnachten ist immer gut, wenn man über den Konsum schimpfen möchte, aber auch für die, die das Fest eher christlich sehen, ist es wohl unbestreitbar ein wichtiges Familienfest und auch bei meiner Familie gehören da Geschenke zu. Einigen Personen möchte ich gerne was schenken und versuche dann durchaus auch, kreativ zu sein. Ich würde das zwar lieber machen, wenn ich gerade kreativ bin oder was gefunden habe, aber an Weihnachten passt es eben. Mein Onkel und ich haben das ganz simpel gelöst, er kriegt ne Schachtel Pralinen und ich Geld, das passt immer, da müssen wir uns keine großen Gedanken machen. Bei einigen nervt die Schenkerei aber, vor allem dann, wenn man eingeladen ist und dann erwartet wird dass man mit Geschenken für alle aufkreuzt.

Würde man da auswählen, gäbe es vermutlich entweder Rache, sprich keine Geschenke mehr (hat ein bisschen was von Ebay...), oder Familienstreit. Wobei ich nicht sicher bin, ob das in meiner Familie alle so sehen. Müsste man eigentlich mal ansprechen.

Eins steht aber fest... Geschenke zu Zeiten, wo sie nicht erwartet werden, kommen immer gut an. Weil sie aus ehrlichen Gründen geschenkt werden. hahahah

Weihnachten ist schon etwas her, aber das macht nichts. Es ist immer noch Winter und die kleinen Geschichten hier ziehen sich sowieso über einen anderen Zeitraum, in dem ein oder anderen Sinne...

Heiligabend war ich bei meiner Familie eingeladen. Das bedeutet in diesem Fall nicht nervtötendes Familienfest, sondern möglichst entspanntes Beisammensein im ganz kleinen Kreis (fünf Personen). Das mit dem Entspanntsein hat sogar einigermaßen geklappt, aber das interessanteste an dem Tag war die Tatsache, dass ich 2,5km laufen musste, um zur Feier zu kommen. In Gelsenkirchen gibt es zwei Straßenbahnlinien, die vom Hauptbahnhof ausgehend durch die Stadt fahren, nämlich auf den beiden Hauptverkehrsstraßen. Eine fährt nahezu nur auf abgetrennten Bereichen, die andere erst im Tunnel und dann fast nur noch mit den Autos auf der normalen Straße. Letztere hätte mich auch quasi zu meiner Mutter vor die Haustür gebracht, wenn sie gefahren wäre.

Ich mag ja all diese Kleinigkeiten, über die außer mir nur wenige Menschen stolpern und die von vielen einfach übersehen werden. Dazu gehört auch viel Nachdenken, was gewesen wäre, wenn etwas anderes nicht gewesen wäre. Hätte ich den sympathischen Bogestra-Menschen am Bahnhof nicht vorher schon beobachtet, hätte ich vermutlich nicht mitbekommen, wie er sagte, dass meine Straßenbahn nicht fährt und man mit der anderen so weit fahren soll wie man kann. Und würde ich es nicht ab und an in Kauf nehmen, insgesamt länger, dafür aber mehr in Bussen und weniger stehend an Bahnhöfen, unterwegs zu sein, hätte ich die Strecke, die ich so gelaufen bin, gar nicht gekannt - die bin ich nämlich schonmal gelaufen, als ich mit dem Bus gefahren bin, wenn auch einen kürzeren Abschnitt.

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Meine Wunschliste für Weihnachten und Geburtstag ist schon seit einigen Jahren bei Amazon und der Teil, von dem es realistisch ist, dass mir jemand etwas davon schenkt, besteht hauptsächlich aus CDs. Eine davon war dieses Jahr "Koma Baby lebt" von Nachlader. Mit dem habe ich mich 2009 das erste Mal beschäftigt, als ich nach Krefeld zur Popmeisterschaft fuhr, Kirsten zu treffen und Klee zu sehen. Kirsten hatte ich zuvor bei Twitter kennen gelernt, die Popmeisterschaft war ihre Idee. Nachlader hat damals Fanpakete für fünf Euro verkauft, "Koma Baby lebt" ist nun sein zweites Album.

Eine weitere CD ist "Keep your eyes ahead" von The Helio Sequence. Das erste Lied, was ich von denen kannte, war "Converter" und es wurde in Runde beim Projekt Hörsturz vorgeschlagen. Converter ist leider nicht auf dem Album, dafür aber zehn andere wunderbare Songs, unter anderem Hallelujah, was ich besonders liebe. Für diese Ergänzung meiner CD-Sammlung hat sich die Teilnahme am Projekt schon gelohnt. Und so langsam wird es wirklich Zeit für ein zweites CD-Regal. hahahah

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