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buero_tuc.jpgGerade noch rechtzeitig habe ich über Ulli das Blogger-Alphabet von Anne von neontrauma.de entdeckt und für cool befunden. Zu den 26 Buchstaben des Alphabets sollen über 52 Wochen verteilt Artikel zu entsprechenden Themen geschrieben werden, Anregungen gibt es jeweils dazu. Mir gefällt die Themenauswahl sehr und da ich mich zurzeit schwer tue, spontan zu schreiben, ist etwas Vorgabe vielleicht nicht schlecht.

Also auf geht's, das erste Thema behandelt meine Arbeit bzw. Ausbildung (zu letzterem zählt man gemeinhin auch das Studieren, so dass das schon passt). Ich arbeite seit etlichen Jahren nebenher in der IT, entweder als Handlanger (anderen Leuten erklären, dass sie den Monitor einschalten müssen, damit ein Bild kommt - true story) oder als Programmierer. Das ist nicht die Branche, in der ich mal Vollzeit arbeiten möchte, aber die Thematik liegt mir und ich mache meine Arbeit gut und meistens auch gerne. Zurzeit arbeite ich an der Uni an der Professur für Digitale Drucktechnologien als Mädchen für alles, was mit Computern zu tun hat.

Als Student bin ich eingeschrieben in Sensorik und kognitive Psychologie und Biomedizinische Technik. Ich beschäftige mich also mit der menschlichen Wahrnehmung, betrachte gelegentlich neuronale Funktionen physikalisch und lerne allerlei psychologisches Handwerkszeug, dazu Elektrotechnik und Grundlagen der Anatomie, Physiologie, Diagnostik und Pathologie. Ja genau - obwohl es oft anders erwartet wird, spielt Informatik in beiden Fächern nur eine vergleichsweise kleine Rolle.

Da ich nach etlichen Jahren der Selbstfindung nun tatsächlich etwas studiere, was mich sehr interessiert, blogge ich natürlich auch gelegentlich darüber. Man findet entsprechende Artikel etwa unter den Schlagworten Studium, Psychologie oder Physik. Vor allem, wenn ein Bezug zum Alltag erkennbar ist - glücklicherweise bearbeite ich für die Uni mehr spannende Themen, als ich hier vorstelle, aber oft wäre es recht schwierig, Außenstehenden zu vermitteln, was ich z.B. in Vorträgen erkläre. Möglicherweise sollte ich das trotzdem mal versuchen.

arbeitsplatz_zuhause.jpgAuch Arbeit ist ein Schlagwort für Artikel hier im Blog, da hat sich aber schon eine Weile nichts getan. Zwar erntet man als Programmierer immer wieder mal Bewunderung für seine Künste, über ein kurzes Staunen geht das aber selten hinaus und ganz ehrlich, wie will man auch die Begeisterung dafür vermitteln, nachts stundenlang Befehle zusammenzuschrauben und gefühlte Millionen Fehler zu beheben, bis ein Programm daraus entsteht? Ich bin schon als Teenager gefragt worden, ob ich denn Programmieren beibringen könnte... und wenngleich z.B. Fiona mit Freunden angefangen hat, Programmieren zu lernen, ist es vor allem ein zeitintensives Selbststudium mit extrem viel Trial & Error. Meine anderen IT-Jobs sind keinen Deut interessanter - entsprechend ist meine Arbeit hier selten Thema.

Überhaupt überschneiden sich Blog und Arbeit/Studium recht wenig. Zwar erfahre ich immer wieder von Leuten, die hier still mitlesen, thematisiert wird das aber selten. Viele Blogger machen sich viele Gedanken um ihre Zielgruppe, ich kenne meine gar nicht. Ich sehe da einfach keine Relevanz für mich, denn sowohl persönliche als auch sachliche Artikel verfasse ich aus Freude am Schreiben. Entsprechend nenne ich meinen Blog auch nicht in Bewerbungen (auch nicht für Online-Jobs), denn das Niveau der Artikel hier passt nicht zu beruflicher Professionalität. Das soll es auch gar nicht. Wohl aber nenne ich gelegentlich meine journalistische Tätigkeit bei Festivalhopper als Referenz. Und bevor es den Bach runter ging, war auch das Projekt Habari - das System, mit dem dieser Blog läuft, an dem ich selbst mitgearbeitet habe - eine Referenz, die mir sogar mal einen Job einbrachte.

Außer diesem Blog gibt es noch mein offizielles Portfolio. Ich bin gemeldeter Freiberufler, man kann mich buchen und mir Aufträge geben, und in einer Zeit, in der ich gerne als Fotograf arbeiten wollte, habe ich christian-gredig.de angelegt. Inzwischen ist die Seite lange nicht mehr aktualisiert worden und es gibt auch zurzeit keine Notwendigkeit dafür.

Man sieht, obwohl sich meine privaten Interessen und beruflichen Tätigkeiten durchaus überschneiden, kreuzen sie sich selten. In Zukunft wird das hoffentlich noch weniger und vermutlich erspart mir das etliche Fragen, die ich mir stellen müsste, und diverse Probleme.

Nachtrag: Ich habe hier, weil es mir offensichtlich erschien, nur die technische Seite betrachtet, und da gibt es tatsächlich nicht so viel Zusammenhang zwischen Arbeit, Studium und Blog. Ganz vergessen habe ich darüber, dass ich den Blog ja auch inhaltlich fülle - und das Schreiben hat mir durchaus schon geholfen. Berichte zu Veranstaltungen, an denen ich teilgenommen habe, werden gerne mir anvertraut, Abarbeitungen für die Uni fallen mir meistens leicht und nicht zu vergessen, den oben erwähnten "Job" bei den Festivalhoppern habe ich mit meinem Blog als Referenz bekommen. In letzter Zeit sind es weniger geworden, aber es gibt hier durchaus eine beachtliche Anzahl von Konzertberichten. Daher kommt schließlich auch der Name. "Job" aber deshalb in Anführungszeichen, weil das eine rein freiwillige Tätigkeit ist, bei der ich mir auch die Aufträge selbst aussuchen kann. Den Gedanken, beruflich im Journalismus zu arbeiten, habe ich schon vor einiger Zeit verworfen. Das Hobby zum Beruf machen kommt für mich nicht in Frage - dafür stumpfe ich zu schnell ab, ich würde also die Lust am Hobby verlieren.

Das Schwierigste beim Studium ist, den Bezug zur Realität zu finden. Physiker stellen viele Ideale auf, damit sie Berechnungen durchführen können, und Psychologen arbeiten mit Theorien, die oft schwierig zu prüfen sind. Daher möchte ich in loser Folge festhalten, welche Alltagsphänomene mir begegnen, die mit den Themen meines Studiums tatsächlich erklärbar sind.

  • Physikalisches Praktikum: Auch wer Physik nicht verstanden oder nicht bestanden hat, wird im Praktikum zurecht kommen, denn Probieren geht auch an der Uni über Studieren. Neben besserem Verständnis für grundlegende physikalische Prinzipien nehme ich dabei vor allem auch den vernünftigen Umgang mit Messdaten mit. Niemand sollte der digitalen Küchenwaage die Präzision glauben, die sie mit zwei Nachkommastellen vorgaukelt. Und ob die 3€-Messschieber aus dem Baumarkt vernünftig geeicht sind, wage ich auch zu bezweifeln - aber immerhin weiß ich nun, wie man damit Zehntelmillimeter messen kann.
  • Evolutionstheoretische Gedanken zu Präferenzen bei der Geschlechterwahl: Was wir als attraktiv ansehen, steht für hohe Fitness, also für Vorteile gegenüber anderen beim Kampf ums Überleben. Aber auch wer stark gezeichnet ist, wirkt attraktiv, weil er damit eine hohe Resistenz gegen Angriffe / Feinde zeigt (denn er lebt ja trotz Verletzungen / Narben / usw. noch). Und weil wir uns gegen immer neue "Angriffe" verteidigen müssen, können wir es uns nicht leisten, über Generationen hinweg nur unser gutes Aussehen zu vererben - deshalb gibt es nicht nur unglaublich attraktive Menschen. Letzteres Phänomen wird als Lek-Paradox bezeichnet.
  • Wärmeaustausch: Ich verwende gelegentlich extrem heißes Wasser zum Spülen. Nach einiger Zeit ist es allerdings immer kalt - gemessen an der Ausgangstemperatur sogar recht schnell. Das liegt daran, dass ich immer eine ähnliche Menge Geschirrteile spüle - und dieses Geschirr Wärme aus dem Wasser aufnimmt. Nun ist die Wärme definiert als die Bewegungsgeschwindigkeit der Moleküle im Wasser; diese bewegen sich also schneller, wenn das Wasser heißer ist. Sich schneller bewegende Moleküle treffen öfter auf andere Körper (Geschirr) und übertragen dabei Energie (Wärme). Das Geschirr wärmt sich also auf (das war offensichtlich) - und zwar schneller, wenn das Wasser heißer ist. Deshalb lässt sich mit heißerem Wasser die gleiche Menge Geschirr schneller spülen (oder es lösen sich größere Verschmutzungen), aber keine größere Menge Geschirr spülen.

Der 5. März ist der Jahrestag der Zerstörung von Chemnitz im größten Bombenangriff auf die Stadt im zweiten Weltkrieg und heute auch der Chemnitzer Friedenstag. So wie die Neonazi-Szene in Chemnitz diesen Tag nutzt, um für ihre Politik zu demonstrieren, nutzen ihn auch zahlreiche Gegendemonstranten, um ein Zeichen zu setzen, dass braune Ideologien hier im 21. Jahrhundert nicht mehr erwünscht sind.

Auch die Uni hatte anlässlich des Friedenstages zur Demonstration aufgerufen und so versammelten wir uns am Nachmittag vor der Mensa. Mit Bildern aus Hamburg, Frankfurt und Istanbul vor Augen wirkte der Platz reichlich leer - mit den ersten Meldungen von 20, 30 gesichteten Nazis nicht mehr. Etwa zehn Mal so viele Studenten zogen dann mit lauter Musik und Seifenblasen die Hauptstraße hinunter bis zum Südbahnhof, wo wir auf die im Zentrum gestartete Demo trafen und in Richtung der angemeldeten Nazi-Route abknickten. Die Musik war gut, die Moderatorin extrem entspannt und so war der Fußmarsch zum Kundgebungsort sehr entspannt.

Mit mehr lauter Musik positionierte unser Wagen sich dann am seeehr frühen Abend am Kundgebungsort, wo sich nach einer Weile die Anzeichen verdichteten, dass nichts Großartiges mehr passieren würde. Wir standen hinter den Gittern, die die Nazi-Route sichern sollten, aber an anderer Stelle hatte sich bereits eine Sitzblockade gebildet, so dass mit dem Eintreffen der rechten Demonstranten nicht mehr zu rechnen war. Also schlossen wir uns bei nächster Gelegenheit dem Aufruf an, die Sitzblockade zu unterstützen.

Nun hat so eine Sitzblockade zunächst einmal sehr viel mit Sitzen zu tun und dann auch mit Warten. Vielleicht 200 Menschen, ein Großteil von der DGB1-Jugend, verstopften dort eine Kreuzung, bewacht von ausgesprochen friedlicher Polizei. (Radio Chemnitz spricht von 700 Personen, bezieht dabei aber die anderen Demonstranten entlang der Naziroute mit ein.) Die gab uns dann nach und nach zu verstehen, dass wir kein Recht auf die Blockade haben, sondern im Gegenteil die Nazis als angemeldete Demo ein Recht darauf haben, den Weg zu passieren. Passend dazu gab's natürlich entsprechende Kommentare von den Sprechern der DGB-Jugend - Verhalten im Fall einer Räumung und natürlich die Aufforderung, nicht einfach abzuhauen.

Als dann durchsickerte, dass es vielleicht doch 200 und nicht 20 Nazis sind und die Hundertschaft der Polizei in schwarzen Schutzanzügen und Helmen anrückte und auf und ab patroullierte, kam auch langsam die Frage auf, ob wir wohl tatsächlich von uniformierten Beamten von der Straße entfernt werden würden, und ob es wohl Eskalationen mit den Nazis geben würde. Da es in den letzten Jahren aber Schlägereien und Überfälle gegeben hatte, war schnell klar, dass letzteres auf jeden Fall vermieden und die NPD-Demonstration auch nicht über dunkle Seitengassen umgeleitet werden würde. Also saßen wir weiter auf Zeitungen, Decken und aufeinander, warteten und brüllten Parolen, bis die Anwohner aus dem Fenster guckten.

Und wie wir so warteten, rätselten, warum die Polizisten wohl Kreuze auf der Uniform tragen, und wilde Schätzungen über Anzahl der Polizisten und der Nazis und den Einsatz von Schlagstöcken und rechter Gewalt anstellten, passierte - nichts. Bis es irgendwann hieß, dass die Nazi-Demo umgekehrt sei - auch auf deren Seite bestand wohl kein Bedarf an Eskalationen, so dass die rechte Szene schlicht und ergreifend umgekehrt und nach Hause gefahren war. Unsere Sitzblockade war inzwischen vollständig eingekesselt, aber bevor die ersten Leute ernsthaft schlechte Laune bekamen, durften wir geordnet in Richtung Hauptstraße abreisen.

So unspektakulär wie die Aktion damit im Vergleich mit ausartenden Demonstrationen in anderen Städten verlaufen war, so erfolgreich kann sie bewertet werden. Ich fühle mich jedenfalls an eine Demo im Westen erinnert, bei der es regnete und die zwei Dutzend Nazis sich unter einer Bushaltestelle unterstellten, während hunderte Gegendemonstranten unterwegs waren. Und während es dort zu scharfer Kritik am Vorgehen der Polizei kam, kann man hier nur Respekt zeigen für die ruhige Sachlichkeit der Beamten. Deren bewusste Neutralität war zwar zuweilen seltsam oder nervig, aber als Hüter der Ordnung und Sicherheit haben sie heute einen guten Job geleistet.

Damit ist 2014 das zweite Jahr, in dem die Gegendemos den Aufmarsch der Neonazis in Chemnitz massiv behindert haben. Ein schönes Zeichen für eine Stadt im Umbruch, die nicht nur auf Häuserruinen, sondern auch auf braune Politik keine Lust mehr hat.

  1. Deutscher Gewerkschaftsbund

Das Schwierigste beim Studium ist, den Bezug zur Realität zu finden. Physiker stellen viele Ideale auf, damit sie Berechnungen durchführen können, und Psychologen arbeiten mit Theorien, die oft schwierig zu prüfen sind. Daher möchte ich in loser Folge festhalten, welche Alltagsphänomene mir begegnen, die mit den Themen meines Studiums tatsächlich erklärbar sind. Außerdem ist es gleichzeitig eine Antwortensammlung für die immer wieder gestellte Frage "Was hat denn Physik mit Psychologie zu tun?!".

  • Gas und Druck: Mit meiner Fahrradpumpe kann ich auch Autoreifen aufpumpen. Da aber der Druck sinkt, wenn das Volumen größer wird, muss ich das durch eine größere Gasmenge ausgleichen - also mehr Luft reinpumpen, um den gleichen Druck wie im Fahrradreifen zu erzielen. Ausgehend davon, dass ein Autoreifen etwa 30mal so viel Volumen hat wie ein Fahrradreifen, aber nur etwa ein Drittel des Drucks braucht, muss ich trotzdem 10mal so viel pumpen... zum Vergleich: Der Luftdruck an der Erdoberfläche auf dem Boden beträgt etwa 1 Bar, in einen Autoreifen kommen 2 bis 3, in einen Fahrradreifen 4 bis 6 und beim Tauchen in 50m Tiefe muss man etwa 5 Bar aushalten.
  • Nach einem verwandten Prinzip funktioniert übrigens auch das schnellere Kochen in Töpfen mit Deckel: Druck und Volumen hängen auch mit der Temperatur zusammen. Durch den Deckel verhindern wir das Entweichen von Wasserdampf und verringern das Volumen. Letzteres sorgt dafür, dass wir weniger Energie zum Erhitzen benötigen. Und wir erhalten eine bessere Kontrolle über den Kochvorgang - verteilt sich der Wasserdampf nämlich in der Küche, statt im Topf wieder zu kondensieren, steigt die Temperatur ebenfalls schneller und wenn wir nicht aufpassen, brennt etwas an. (Das heißt natürlich auch, dass wir weiter Energie sparen können, wenn wir nur so viel Wasser verwenden wie nötig.)
  • Psychophysik: Wenn ich mit dem Messbecher Waschmittel aus der Packung nehme, kann ich relativ gut schätzen, ob ich die richtige Menge vom verklumpten Waschmittel abgekratzt habe, ohne auf die Maßeinheit zu schauen - wenn ich mit einer geringen Menge anfange. Fange ich mit einer großen Menge an, fällt es mir schwerer, die richtige Menge wieder zurück zu schütten. Das liegt daran, dass die Empfindlichkeit für Gewichtsunterschiede abhängig vom Anfangsgewicht ist. Wir können 10 von 20 Gramm unterscheiden und 1 Kilo von 2 Kilo, aber nicht 1 Kilo von 1010 Gramm. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Reizen, zum Beispiel Licht - deshalb erblinden wir auch nicht direkt, wenn wir in die Sonne schauen, obwohl die Sonne nicht nur 3 oder 4 Mal so hell ist wie das Licht in unserem Zimmer, sondern viele tausend Mal so hell.
  • Psychoakustik: Wenn ich in meinem Bett liege, bin ich ziemlich nah dran an der rechten Box und ziemlich weit weg von der linken. Der Subwoofer ist irgendwo dazwischen. Während ich die rechte Box, die softwareseitig sogar etwas leiser eingestellt ist, sehr laut und den Subwoofer auch sehr deutlich höre, bemerke ich die linke Box gar nicht. Dahinter stecken zwei Phänomene: Zum einen wird die linke Box von der rechten überstrahlt. Unser Gehirn lokalisiert unterschiedliche Schallquellen anhand von Lautstärke, Frequenz und zeitlichem Abstand, aber wenn wir zwei Schallsignale empfangen, die zeitlich nur minimal versetzt eintreffen (mein Wohnzimmer ist nicht so groß) und die gleiche Frequenz haben (gleiches Lied aus beiden Boxen), kann dazwischen nicht mehr unterschieden werden und wir haben den Eindruck, nur aus einer Richtung etwas zu hören.
    Der Subwoofer hingegen gibt ganz andere Frequenzen wieder. Außerdem spielt dort auch ein physikalischer Effekt mit - während die höheren Klänge kurze Schallwellen ergeben, sind die Wellenlängen beim Subwoofer sehr lang. Bei den kurzen Wellenlängen können wir, da wir zwei Ohren haben, die unterschiedlichen Positionen der Welle an den Ohren nutzen um die Herkunft zu identifizieren. Die langen Basswellen schaffen aber nichtmal einen vollständigen Durchgang vom linken bis zum rechten Ohr, sodass es zwar einen zeitlichen Unterschied gibt, aber keinen relevanten Unterschied des Pegels. Dadurch fällt uns die Lokalisation von Bässen sehr schwer.
  • Der Visus gibt an, wie gut man im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung sehen kann. Er ist die Zahl, die man vielleicht genannt bekommt, wenn man den typischen Führerschein-Sehtest mit den Ringen mit Loch macht. Die kleinste Öffnung, die der Durchschnittsmensch bei diesem Test noch erkennen kann, beträgt eine Winkelminute: V = 1 / α mit α = 1 ergibt den Durchschnittsvisus 1.
  • Da Optiker typischerweise mit abgestuften Standardtests arbeiten und nicht wie Physiker genaue Winkelwerte bestimmen, erhält man Werte wie 0,7, 1, 1,3 oder 1,6 - oder: 100%, 130%, 160%.
  • Bei manchen Menschen kann, so wie bei mir, auch eine starke Sehschwäche so gut ausgeglichen werden, dass ein überdurchschnittlicher Visus erzielt wird. So trage ich zwar Kontaktlinsen, die 8 Dioptrien ausgleichen, erreiche aber dennoch einen Visus von über 160%.
  • Kurzsichtigkeit bedeutet: Linse und Retina liegen in meinem Auge zu weit auseinander, so dass der Fokuspunkt vor der Retina liegt - das Licht also zu kurz ins Auge hinein reicht, da es, gemessen an der Distanz, zu stark gebrochen wird. Daher auch minus 8 Dioptrien - das Licht wird erst etwas nach außen geleitet, um dann durch die natürlich Brechkraft des Auges passend fokussiert zu werden.
  • Weitsichtigkeit funktioniert umgekehrt (Linse und Retina liegen zu nah beieinander). Altersweitsichtigkeit hingegen kommt zustande, wenn die Brechkraft der Linse im Auge nachlässt (das Licht wird nicht weit genug vorne fokussiert).
  • Beim "Lasern" der Augen wird zur Korrektur des Fokuspunktes die Brechkraft des Auges selbst verändert, indem Teile der Hornhaut abgetragen werden. Dieser Effekt ist nicht umkehrbar. Außerdem kann es, wie manche Infoseiten mit einem Sternchen andeuten, auch nach der Operation wieder zu Fehlsichtigkeit kommen, da sich das Auge ständig verändert.

Bis auf den letzten eher medizinischen Aspekt ist all das übrigens Bestandteil unserer Kognitionsvorlesung - und es zeigt wunderbar, wieso Physik und Psychologie sehr wohl zusammen passen: Die oben beschriebenen Dinge basieren auf physikalischen Phänomenen, beeinflussen aber die Wahrnehmung, die von der Psychologie untersucht wird. Eine typische potenziell psychologische Frage, die sich aus der Liste ergeben könnte, ist: Wieso sehen manche Menschen besser als andere?

Leider ist mir immer noch nicht gelungen, mit Fotos nachzustellen, wie eine Fehlsichtigkeit von acht Dioptrien aussieht. Nur so viel: Ohne Sehhilfe ist eine Teilnahme am normalen Leben unmöglich. Dennoch gibt es noch wesentlich stärkere Korrekturen; Brillen schaffen 10, Kontaktlinsen 15 Dioptrien.

Danke an meinen Optiker Herrn Jerono, unseren Kognitionsprofessor Dr. Krems und unser aller Lieblingslehrbuchautor E. Bruce Goldstein PhD.

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