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Patientenzimmer wie im Text beschriebenSeit zwei Monaten arbeite ich im Schlaflabor. In der Zeit habe ich sicher mehr als ein Dutzend Mal zu hören bekommen: "Und, was machste da, schlafen, hahaha". Einige meinten das sogar ernst und dachten, ich wäre Proband und würde dafür bezahlt werden. Das ist natürlich Quatsch. Offenbar ist den wenigsten Menschen klar, was ein Schlaflabor ist - ich hatte ja selbst eine ganz andere Vorstellung davon.

Das Schlaflabor in Chemnitz sieht keineswegs aus wie ein Labor, eher wie ein Büro (es ist ja gleichzeitig auch eins). Hinter den meisten Türen verstecken sich allerdings Betten - in Zimmern wie in einem günstigen Hotel, ergänzt um einen fahrbaren Ständer mit einem Tablet-großen Gerät mit ein paar Dutzend Anschlüssen. Außerdem gibt es eine Videokamera mit Infrarotscheinwerfer, die auf das Bett gerichtet ist. Solange kein Patient angeschlossen ist, sieht das alles völlig unspektakulär aus, und auch der Kontrollraum besteht lediglich aus einer Menge Computer. Das Ganze befindet sich in einem Gebäude des Klinikums - es handelt sich um eine medizinische Einrichtung.

Natürlich verdiene ich mein Geld nicht im Schlaf, auch wenn meine Arbeit dort meistens ziemlich entspannt ist. Im Schlaflabor wird in drei Schichten gearbeitet: Tagsüber werden Geräte gewartet und Sensoren geprüft, was zu meinen Aufgaben gehört, Messungen ausgewertet und allerlei Bürotätigkeiten erledigt. Abends werden Patienten empfangen und untersucht und anschließend an besagtes tabletgroße Gerät angeschlossen - mit über 20 Sensoren und entsprechend vielen Kabeln, was dann schon etwas abenteuerlich aussieht, von den meisten der typischerweise sehr alten Patienten aber erstaunlich gelassen hingenommen wird. Computergestützt werden dann EKG, EEG und verschiedene Atmungs- und Bewegungsparameter aufgezeichnet. Der Nachtdienst überwacht den Schlaf der Patienten - vor allem auf korrekte Funktion (natürlich lösen sich auch mal ein paar Elektroden). Außerdem werden nachts Therapiegeräte eingestellt.

Patient im Schlaflabor wird, wer ernste Probleme mit Schnarchen oder Atemaussetzer hat, aber auch, wer Sekundenschlaf erlebt oder ohne diagnostizierte Ursache (z.B. Schilddrüsenfehlfunktion, Depressionen) ständig müde ist oder oft aufwacht. Manchmal hilft es, eine bestimmte Lage im Schlaf zu erzwingen (kaum jemand schläft immer so, wie er eingeschlafen ist), oft werden Beatmungsgeräte mit Maske eingesetzt.

Ins Schlaflabor geht man also indirekt doch, um zu schlafen - oder besser gesagt, um wieder schlafen zu können.

Wuah, in weniger als zwei Stunden müsste ich eigentlich aufstehen... faktisch wird es eher ein "als wach zu erkennen geben" sein, mit Schlafen wird's wohl nix mehr, oder besser gesagt ich werde es vermeiden vorher noch zu schlafen.

Gegen 15 Uhr werde ich nachher in München ankommen und dort bis Sonntag bleiben, der ökumenische Kirchentag findet dort statt. Ich werde versuchen halbwegs live zu berichten, vermutlich wird wieder ein gut ausgestattetes Internetcafe zur kostenlosen Nutzung bereit stehen.

Wer sich jetzt nicht wirklich vorstellen kann, wo ich da hin fahre und warum ich dafür alles stehen und liegen lasse - Wohnung, Studium, Privatleben, Onlineleben - dem seien meine Berichte vom letzten evangelischen Kirchentag empfohlen. Mi Do Fr Sa So

Bis bald hahahah

Wenn man ein Produkt einer Art getestet hat, ist es viel leichter, weitere zu testen. Nachdem ich mit dem Sleeptracker nicht ganz zufrieden war, habe ich jetzt hoffnungsvoll den teureren aXbo bestellt. Bei beiden handelt es sich um Schlafphasenwecker - kurz: Wecker, die einen genau dann wecken sollen, wenn man eh fast wach ist. Für Details bitte mal in den ersten Bericht schauen.

Der aXbo kommt in einer edlen Verpackung, einer Würfelbox, die in der Mitte geteilt ist, damit man sie aufklappen kann. Macht was her, nervt aber schon, weil der Würfel in ner Papphülle ist und wegen dem Schnitt in der Mitte nicht so leicht wieder rein zu bekommen ist. Naja.

Die Website wirbt damit, dass der aXbo diverse Designpreise gewonnen hat - da kann man sicher drüber streiten. Die Fotos auf der Website sind ganz gut, das Display ist transparent und leuchtet bei Betätigung einer Taste blau (etwas zu grell für den Betrieb in der Nacht). Ansonsten gibt es zwei Knöpfe und ein Rad (wie ein Mausrad). Die Bedienung ist recht intuitiv, es gibt nur wenige Funktionen, die sich alle selbst erklären und einfach erreichen lassen, für die Einstellung der Weckzeit lassen sich die beiden Knöpfe als Schnelltasten benutzen. Allerdings habe ich nach den wenigen Tagen der Testbenutzung schon gemerkt dass man die Funktion der Radtaste manchmal auch durch Antippen des Gehäuses auslösen kann. Die Verarbeitung wirkt also vermutlich besser als sie ist.

Im Gegensatz zum Sleeptracker, der im Prinzip eine gepimpte Armbanduhr ist, hat man es beim aXbo mit einem stationären Gerät zu tun, welches ans Stromnetz gehängt werden muss, um den Akku geladen zu halten. Der Akku soll aber etliche Tage halten, getestet habe ich das nicht. Der Sensor wird in ein Armband eingelegt, welches dann am Arm zu tragen ist. Mich erinnert das Teil an diese Schweißbänder - ob man das mag, muss jeder für sich entscheiden. Mich hat's nach der zweiten Nacht genervt. Die Übertragung der Bewegungsdaten erfolgt entsprechend per Funk, die Reichweite ist dabei sehr gering (weniger als ein Meter). Im Sensor ist ein schwer zu betätigender Druckknopf, mit dem man den Sensor am aXbo anmeldet und die Beleuchtung anschalten kann.

Das Wecken, die Hauptfunktion, funktioniert nicht ganz so gut wie beim Sleeptracker, der mich wirklich überrascht hat. Das Prinzip "Aufwachen wie selbst aufgewacht" funktionierte da besser. Möglicherweise hängt das mit der geringen Sendeleistung des Sensors zusammen. Während der Sleeptracker Vibrationsalarm und Piepton zum Wecken anbietet, gibt's beim aXbo nur Ton, dafür aber verschiedene... naja, der Hersteller nennt es Naturklänge. Sind ganz ok und die Lautstärke lässt sich einstellen. Wie es funktionieren soll, dass man zwei verschiedene Personen nicht gleichzeitig weckt, erschließt sich mir aber nicht - auch wenn der Hersteller groß damit wirbt, dass man zwei Sensoren anschließen kann und daher zwei Personen unabhängig wecken kann. Würden die Armbänder über Vibrationsalarm verfügen, würde ich das verstehen - aber genau die Funktion fehlt.

Außer der Weckfunktion gibt es noch eine Chillout-Funktion, mein persönliches Highlight. Drei verschiedene Naturklänge lassen sich einstellen (Lautstärke variabel), die einen in den Schlaf tragen sollen. Der Hersteller wirbt damit, dass die Klänge ausgeblendet werden, wenn man einschläft - ich hatte eher den Eindruck, dass es einfach nach einer bestimmten Zeit war, jedenfalls war ich meist noch wach, wenn mein Meeresrauschen ausging. Schaltet man die Töne manuell wieder ab, bevor man einschläft, reaktivieren sie sich manchmal von selbst.

Beim Blättern durch die Einstellungsmenüs ist mir außer den im Handbuch dokumentierten Funktionen noch eine namens Powernap aufgefallen. Das Prinzip Powernap kenne ich, jedoch konnte ich weder im Handbuch noch auf der Website Informationen finden, was der Wecker da tut. Sinnvoll wäre es ja, anhand des Sensors zu ermitteln, wann man fast eingeschlafen ist - faktisch hat mich das Ding immer nach maximal 10 Minuten wieder geweckt, danach ging's mir noch beschissener als vorher.

Insgesamt bin ich eher enttäuscht. Der Sleeptracker mit seinem Vibrationsalarm hat mir besser gefallen, allerdings konnte man da ja die Stärke der Vibration nicht einstellen, weshalb ich manchmal verschlafen habe. Bei keinem der beiden Produkte kann man eigene Töne aufspielen. Jeder popelige MP3- oder Radiowecker kann das - diese Geräte hier kosten 169 bzw. 189 Euro und bieten sowas nicht, das ist nicht vertretbar. An einigen Stellen muss nachgebessert werden und der Funktionsumfang ist zwar schon ganz nett, aber nicht ausreichend für ein solch hochpreisiges Produkt. Und komm mir jetzt niemand mit den Entwicklungskosten - natürlich ist es eine tolle Innovation, Schlafphasen auszunutzen, aber so neu ist die Technik jetzt nicht mehr, und die von mir gewünschten Features (verstellbare Vibrationsstärke, MP3-Sounds...) bieten auch Billiggeräte, können also nicht so teuer sein. Beim aktuellen Stand der Technik kommt mir jedenfalls kein Schlafphasenwecker ins Haus.

Vor längerer Zeit habe ich mal davon gehört, dass es spezielle Wecker gibt, die mit Sensoren den Schlaf überwachen und dann in einer Phase wecken, in der man sowieso nahezu wach ist. Ich fand das Konzept faszinierend, aber irgendwie hab ich mich nie weiter damit beschäftigt. Mit den massiven Aufstehproblemen in letzter Zeit hat sich das geändert.

Die Idee ist simpel und die Umsetzung klingt nachvollziehbar: Wenn es nicht gerade ein irre teures Modell mit Hirnstrommessungen ist, wird auf irgendeine Art ein Beschleunigungssensor oder etwas ähnliches genutzt, um Schlafphasen zu erkennen. Das basiert darauf, dass man sich nicht in allen Schlafphasen gleich verhält - bei Wikipedia ist es recht gut erklärt, der Artikel über Schlafphasenwecker ist vielleicht für den Anfang verständlicher. Das Ziel ist, innerhalb eines einstellbaren Zeitfensters vor dem Zeitpunkt wo man spätestens aufstehen muss, eine Phase zu finden in der man ohnehin nur sehr leicht schläft, um möglichst angenehm aufzuwachen wenn man geweckt wird.

Es gibt im Wesentlichen zwei Modelle, den aXbo und den Sleeptracker. Der erste arbeitet mit einem Armband, was mit dem Wecker verbunden ist, also hab ich den zweiten getestet, der aussieht wie eine Armbanduhr und sich auch so trägt (und auch als solche verwendet werden kann). Da gibt's also schonmal Pluspunkte.

Beide Modelle bieten eine umfangreiche PC-Auswertungsfunktion (der aXbo nur für Windows), die ich aber nahezu nicht getestet habe. Die Software vom Sleeptracker bietet auf den ersten Blick eine Funktion um seine Schlafphasen anzusehen und ein Schlaftagebuch zu führen (auf Wunsch öffentlich). Dort lassen sich auch Faktoren eintragen, die das Einschlafen negativ beeinflussen. Ich habe das aber nur ganz kurz getestet, da ich die Daten nicht parat hatte um sie von Hand einzutragen und der Verbindungsstecker das schlecht haltendste und am merkwürdigsten konstruierteste ist was ich je gesehen habe. Für sämtliche Datenauswertungen ist es beim Sleeptracker erforderlich, eine To-Bed-Zeit anzugeben (kann auf einfache Art auf 30 Minuten nach dem aktuellen Zeitpunkt eingestellt werden). Ich werde die verbleibenden Tage dazu nutzen, 1. zu testen wie sich der Signalton anhört und 2. was der Sleeptracker tut, wenn man die To-Bed-Time einzustellen vergisst. Der aXbo ermittelt das laut Website übrigens selbstständig... vielleicht teste ich den auch nochmal.

Zum Weiteren dann einfach mal die Ergebnisse der bisher sieben Nächte, die ich den Sleeptracker bisher getestet habe.

  1. Bin zufällig ausnahmsweise selbst aufgewacht, der Wecker ist sofort angegangen - funktioniert also, denn ich hatte ja damit quasi eine Wachphase innerhalb des von mir gewählten Zeitraums vor meinem Ultimatum wann ich raus muss.
  2. Der Wecker weckt mich wie geplant zu einem Zeitpunkt, an dem ich nicht sehr tief schlafe, ich stehe aber aus irgendeinem Grund trotzdem nicht auf und schlafe wieder ein. Zum Ultimatum geht der Wecker nochmal, ich muss ja raus, werde auch wach, fühle mich aber jetzt wo ich wieder aus tieferem Schlaf geweckt wurde genauso beschissen wie sonst.
  3. Auch am dritten Tag war's nicht toll, es gab wohl keine passende Phase, ich hatte das Zeitfenster in dieser Nacht probehalber recht kurz gewählt (20 Minuten) und wurde so ganz normal aus dem Schlaf gerissen, nur durch Vibration statt mit nem Piepen.
  4. Der vierte Morgen war ein Fehlschlag. Ich bin nicht wach geworden, die Auswertung zeigt an, wann der Vibrationsalarm losging, aber es hat mich nicht wach gekriegt und ich habe verschlafen.
  5. Auch am fünften Morgen habe ich verschlafen, diesmal aber selbst verschuldet, ich hatte nur zwei Stunden Schlaf, also kein Wunder dass der Vibrationsalarm mich nicht wach bekommen hat.
  6. Nach den beiden totalen Fehlschlägen klappt's wie geplant. Ich werde wach und fühle mich ausgeschlafen. Toll! So hab ich mir das vorgestellt.
  7. Und nochmal, weil's so schön war. Bin aufgestanden, aber nicht zur Uni gefahren (Streik und kein Bock auf Parkplatzsuche). Also wieder ins Bett, ohne Schlafphasenwecker, war ein Fehler und mittags fühle ich mich schlechter als morgens.

Fazit: Das Konzept funktioniert prinzipiell - es erfordert aber dennoch, früh schlafen zu gehen, denn weniger Schlafen muss man damit nicht. Im Gegenteil, eigentlich muss man etwa eine halbe Stunde eher ins Bett, da man ja nicht weiß, wann man genau geweckt wird - dafür bleibt evtl. Zeit für Dinge, die sonst morgens ausfallen. Der Vibrationsalarm allein reicht nicht immer aus - schade. Wenn ein akustisches Signal dazu kommt, sollte es aber bei der Preiskategorie die Möglichkeit geben, Musik vom PC einzuspielen oder wenigstens Radio - bieten beide Modelle nicht. Der aXbo wirbt mit Naturklängen, beim Sleeptracker werde ich morgen erfahren was das Signal ist, ich tippe aber auf normalen Piepton - das wiederum hätte dann mal so gar keinen positiven Effekt. (Nachtrag:Es IST ein ekliger Piepton, der sich mit dem Vibrationsalarm in verkürzenden Abständen abwechselt. Nervtötend! Da ist jedes angenehme Gefühl weg.)

Wenn andere Dinge dazu führen, dass man morgens unmotiviert ist aufzustehen, ist ein Schlafphasenwecker keine ausreichende Lösung. Man fühlt sich nicht wie vom LKW überfahren, läuft aber dennoch Gefahr, im gemütlichen Bett liegen zu bleiben. Aufgrund des hohen Preises werde ich mir programmiertechnisch mit Notebook (oder evtl. mit einem MP3-Wecker) und meinem genialen Hubschrauberwecker* eine andere Lösung basteln: Die Musik-Variante wird leise eingestellt, so dass ich nur davon wach werde, wenn ich gerade eine fast-wach-Phase habe, und auf eine Zeit ca 30 Minuten vorm Ultimatum. Der * Hubschrauberwecker, der ein grausames Piepen verursacht, was nicht aufhört, bevor man den Hubschrauber (kleines Plastikmodell ca 10cm) der vom Bett wegfliegt eingefangen hat, wird dann auf die Zeit gestellt zu der ich spätestens aufstehen muss, falls mich die Musik mal nicht weckt. Falls das funktioniert, wäre das Ziel des Schlafphasenweckers erreicht, und das mit einer zusätzlichen Motivation zum Aufstehen - denn wenn mich eins wirklich aufputscht, dann Musik!

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