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Retro ist in und die Menschen kramen alte Videospiele hervor. Ich besitze endlich eine Playstation 2 und nachdem ich die ersten drei Teile der Crash Bandicoot-Serie, die für PS1 erschienen, auf einem Emulator durchzockte, ging es nun an den ersten Teil für PS2. Einiges hat sich geändert und da die ersten drei sowieso unanfechtbar großartig und Kult sind, möchte ich hier einen Einblick in den modernisierten Crash geben.

Während meine Mutter, die mir das Spiel lieh, sich zuerst über die neue Optik beschwerte, fielen mir noch vorher die gruseligen Dialoge auf. Die deutschen Synchronsprecher sind dermaßen emotionslos, dass man sich die ohnehin schon schlechten Texte wirklich nicht geben kann. Ich hatte immer Spaß an den kurzen Zwischensequenzen mit Dr. Neo Cortex und Konsorten, aber in "Der Zorn des Cortex" drücke ich sie weg. Dermaßen platte, unkreative Ansagen habe ich lange nicht gehört, und mir fehlte daher auch die Motivation, die englische Vertonung zum Vergleich heranzuziehen. Die Grafik hingegen finde ich eigentlich ganz schick - sehr comichaft, dadurch deutlich anders als die Vorgänger, aber niedlich, bunt und insgesamt doch gut gemacht. Entsprechend ist der Soundtrack diesmal deutlich moderner, elektronischer und erinnert gelegentlich an Spielautomaten-Stimmung (klingt aber deutlich besser). Leider geraten die Spuren des Soundtracks manchmal durcheinander und man hört bis zum Ende des Levels nur noch wildes Kuddelmuddel oder merkwürdige Verzerrungen - das könnte allerdings auch an meiner verkratzten DVD liegen.

Nun aber zum Wesentlichen - dem Spielen an sich. Da muss ich leider direkt wieder kritisieren, denn wenn ich eines bei Spielen nicht ausstehen kann, ist es eine fummelige Steuerung. Crash Bandicoot ist, genrebedingt, sehr einfach zu steuern, es gibt nur wenige Aktionen, die nicht laufen und springen sind. Wenn man aber direkt vom allerersten Crash Bandicoot kommt, der durch seine fast durchgehende 2D-Optik extrem exakt zu steuern ist, kriegt man bei "Der Zorn des Cortex" graue Haare. Alles fühlt sich schwammig an, ein bisschen weichgezeichnet wie die Comic-Optik, ich bin Dutzende Male in Nitro-Kisten gelaufen oder gesprungen, weil das Verhalten einfach total anders ist als bisher. Laufen ist weniger präzise, Sprünge sind weiter. Der neue Schleich-Modus spricht schlecht an. Dazu kommt, dass man bei manchen Fallen und Gegnern nicht genau einschätzen kann, in welchem Bereich sie nun schädlich sind, was zu noch mehr unnötigen Toden führt. Das hat nichts mit Schwierigkeit zu tun, sondern nur mit Frust.

Über die Inhalte der Level kann man nur ein bisschen streiten. Hier wurden viele schöne neue Ideen eingebracht: Crash in einer riesigen Glaskugel durch Parcours rollend, Level mit kombinierten Settings (z.B. Unterwasser und an Land), viele neue Maschinen und Fahrzeuge (z.B. fahrende Loren, ein U-Boot oder ein Mech-Roboter). Coco ist wieder ein spielbarer Charakter, niedlich wie immer. Alte Ideen wurden ebenfalls aufgegriffen, Flugzeuge, Jetpack und Autorennen sind wieder im Programm, Level verlaufen wie gewohnt in den Bildschirm hinein, aus dem Bildschirm heraus oder seitlich. Ähnliches gilt für die Settings: Schnee und Eis oder Labor-Umgebungen sind wieder dabei, mittelalterliche Settings neu im Programm.

Deutliche Änderungen gibt es beim Schwierigkeitsgrad. Die Level an sich sind einfach wie nie, es gibt auch keine wirklich versteckten Kisten mehr. Dafür ging man zurück zur Strategie vom Ursprungs-Crash und tobte sich in Sonder- und Bonusbereichen aus, die oft deutlich schwerer als das eigentliche Level sind. Außerdem sind nun endlich die Bossgegner etwas schwerer, wenn auch teilweise auf enttäuschend unkreative Weise. Hier hätte man wirklich bessere Ideen gebraucht - teilweise scheinen sogar alte Gegner recyclet worden zu sein. Überhaupt fallen gelegentlich Elemente auf, die zu oft eingesetzt werden und nur zu Frust führen, wie beispielsweise Kisten, die sehr hoch platziert und dadurch vor Erwerb der Doppelsprung-Fähigkeit nur fummelig zu erreichen sind.

Vielleicht hätte man den Entwicklern einfach noch etwas mehr Zeit geben sollen. Viele kleine Details zeigen, dass Potenzial vorhanden war: Die Mammuts in den Eisleveln trompeten, wenn man ihnen zu nahe kommt, und rücken ein Extraleben raus, wenn man ihnen auf den Kopf springt. Die schon erwähnten Bonusrunden sind teilweise trickreich und gewitzt gemacht. Zusätzliche Juwelen bekommt man wie gehabt für besondere nicht offensichtliche Leistungen.

Insgesamt macht "Crash Bandicoot: Der Zorn des Cortext" Spaß, frustriert aber immer wieder durch Mängel. Alte Hüte werden allerdings von guten neuen Ideen kaschiert. Die langen Ladezeiten nerven. Comicartige Grafik und quirliger Soundtrack sind gewöhnungsbedürftig, können aber begeistern. Insgesamt unterhaltsam, für eingefleischte Jump'n'Run-Fans und Bandicoot-Fans der ersten Stunde aber etwas enttäuschend.

Stadt.jpgDie Tomb Raider-Serie war, beginnend mit dem allerersten Teil von 1996, entscheidend für meine Neigung zu Videospielen, ebenso wie die zeitgleich gestartete Crash Bandicoot-Reihe. Gemeinsam oder im Wettstreit mit meinem Vater zockte ich mich durch die ersten vier Teile auf der Playstation 1, konnte mich für den fünften dann nicht recht begeistern und verlor Lara Croft dann erstmal aus den Augen. Mit Legend spielte ich Tomb Raider erstmals am PC, per Emulator dann auch die alten Playstation 1-Teile wieder. Nun fand das inzwischen auch schon acht Jahre alte Anniversary den Weg zu mir, ein Remake des ersten Teils zum 10-jährigen Jubiläum.

Tomb Raider: Anniversary wirkt vom ersten Moment an sympathisch. Die Grafik ist wirklich schön, Lara hat endlich mal eine richtige Stimme statt merkwürdige Laute von sich zu geben. Alleine schon das Croft Manor ist wunderbar gemacht und hat mich mehrere Stunden bespaßt. Sogar an den Gag mit den Kisten im Wohnzimmer wurde gedacht (wenngleich der ja gar nicht aus dem ersten Teil stammt).

Auch die Level sind liebevoll nachgebaut worden. Viele erkenne ich sofort wieder, obwohl es Jahre her ist, dass ich das letzte Mal den originalen Teil gespielt habe. Gleichzeitig staune ich über die nun viel beeindruckendere Grafik. Auch sind die Szenarien freier begehbar, beispielsweise können Kisten nun nicht mehr nur in rechteckigen Bahnen mit abgesteckten Blöcken, sondern völlig frei bewegt werden. Innerhalb der drei Welten Peru, Ägypten und Atlantis sind die Übergänge zwischen den Leveln fließend, man kann also nahtlos zwischen Leveln hin- und her laufen.

Lavahöhle.jpgDabei fällt allerdings auch gleich der erste Bug auf: Irgendwann in der Mitte des Spiels hat sich mein Spielstand nicht mehr gemerkt, in welchem Level ich war. Nicht, dass Fortschritte verloren gegangen wären - aber die Levelstatistik bezog sich ab da immer auf das voran gegangene Level, so dass nicht mehr ersichtlich war, wieviele Secrets noch offen waren. Generell funktioniert das Speichern aber sehr gut und vor allem gibt es wie schon in Legend reichlich Checkpoints - im Gegensatz zur Playstation-Version des Originals, wo Speicherpunkte rar und nur einmalig benutzbar waren, was den Frustfaktor massiv erhöhte.

Leider steigt der Frustfaktor auch bei Tomb Raider: Anniversary mit der Zeit. Das neue Kampfsystem lässt sich unfassbar schlecht bedienen. Gegner werden automatisch anvisiert - ich habe bestimmt fünf Level gebraucht, bis ich raus hatte, wie man dann noch zu einem anderen Gegner wechselt. Damit nicht genug - auch anschießbare Objekte wie Schalter werden anvisiert. Dabei wird zwingend immer ein Gegner oder Objekt anvisiert, das gerade im Sichtfeld ist - das führt gerne mal dazu, dass drei Gegner von hinten kommen, während Lara vorne steif auf einen Schalter guckt und ums Verrecken nicht woanders hinschauen möchte, denn man soll ja das Ziel nicht aus den Augen verlieren. So werden Kämpfe zum Wutanfall, wenn mehrere Gegner ins Spiel kommen - selbst wenn der einzelne leicht auszuschalten wäre.

Turm.jpgDas merkt man besonders bei den Bossgegnern. Hier lenkt nichts ab und man kann locker herausfinden, was der Trick bei dem jeweiligen Boss ist, denn stumpfes Ballern ist hier nie angesagt. Die Bosskämpfe waren so mit die leichtesten. Überhaupt ist der Schwierigkeitsgrad massiv gesunken, auf "mittel" hatte ich am Ende 36 große Medipacks (vollständige Heilung) für den letzten Endboss übrig - und brauchte davon nur zwei.

Kämpfe sind also definitiv nicht die Stärke von Anniversary. Das merkt man auch daran, dass erst ganz am Ende auf Menschen geschossen wird, Gewalt wird hier nie als eine gute Lösung dargestellt. Auch die Waffen sind eher unspektakulär. Dafür stehen Rätsel im Vordergrund - und die sind wirklich gut. Einige sehr knifflig, viele mit etwas Nachdenken gut lösbar, aber fast alle raffiniert und interessant. Blicke in eine Komplettlösung waren diesmal nicht erforderlich. Auch die Kletterpassagen sind gut geworden, Lara kann nun auch auf Pfeilerspitzen balancieren und verfügt über einen Schwunghaken, was den möglichen Aktionen mehr Vielfalt verleiht. Der Haken ist allerdings ausgesprochen knifflig zu bedienen, es empfiehlt sich dringend, die Benutzung vor den letzten Leveln intensiv zu üben, da die zum Ende hin immer häufiger werdenden Zeitrennen sonst irrsinnige Frustration auslösen. Im vorletzten Level hätte ich fast meine Maus aus dem Fenster geworfen, weil dort das fürchterliche Zielsystem mit einer Schwunghaken-Passage und einigen schwer zu timenden Sprüngen zusammenkam und obendrein das ganze Spiel plötzlich anfing zu haken.

Midas.jpgMidas_texturlos.jpg

Die vielen Checkpoints und die großzügige Versorgung mit Munition und Medipacks machen solche Abschnitte erträglich, dennoch trübt das die Spielfreude vor allem gegen Ende sehr. Dabei könnte es so ein schönes Spiel sein - es besitzt ausreichend Abwechslung und Schwierigkeit, um deutlich mehr Spielzeit zu bieten als Legend. Der normale Levelverlauf ist meist offensichtlich, aber nicht stumpf, und die Secrets sind größtenteils anspruchsvoller, aber für den erfahrenen Tomb Raider-Spieler gut zu lösen. Die Story hält alles lose zusammen, aber wie immer steckt nicht allzu viel dahinter. Spaß hatte ich definitiv mit Anniversary - trotz freischaltbarer Extras (andere Outfits, Level auf Zeit spielen, Galerien u.ä.) und witziger Gimmicks (ohne Texturen spielen) bin ich aber wenig motiviert, nochmal von vorne anzufangen. Vielleicht zum nächsten Geburtstag - ist ja nicht mehr lange bis dahin.

Mein neues Handy mit grüner Sturzschutzhülle, fotografiert mit der Spiegelreflex

Manchmal kommt einfach alles zusammen und dann ist die Zeit reif. Mein Tablet ist durch einen Sturz zerstört worden, ich brauchte ein Android-Gerät um meine Karteikarten mit Anki weiter zu lernen, an meinem Nokia-Handy war schon wieder der Akku durch und das mit dem T9 hatte auch schonmal besser funktioniert. Und da war doch letztens dieser Artikel über das bald erscheinende vielversprechende Billig-Smartphone von Motorola...

Lange zögern ist nicht meins und so stand zwei Tage später der Paketbote mit einem Moto E1 vor meiner Tür. Pappschachtel auf, USB-Kabel (kein Ladegerät) beiseite, Schnellanleitung nach SIM-Kartensteckplatz befragen - und erstmal fluchen, weil ich gar keine MicroSIM habe. Zum Test musste also die kurzerhand auf MicroSIM verkleinerte Nova-SIM aus Island herhalten. Eine halbe Stunde später hatte ich dann auch raus, dass man der Rückschale eine Menge Gewalt antun muss, damit sie sich vom Rest des Gerätes löst, und konnte meine SIM und auch gleich eine MicroSD-Karte einlegen.

Motorola hat erfreulich wenig unnütze Apps vorinstalliert, so musste ich nicht lange deinstallieren. Der automatische Download meiner alten Apps aus dem Play Store ist irgendwann abgebrochen, aber wonach die ausgewählt werden, weiß ich sowieso nicht. Zwar waren alle automatisch installierten Apps auf dem Tablet, aber im Store sind noch viele weitere als "installiert" markiert, wer weiß, was da noch gekommen wäre. Zu den essentiellen, die ich direkt haben wollte, gehören ohnehin nur wenige - AnkiDroid für die Karteikarten natürlich, ColorNote und RepliGo Reader mit den Uni-Unterlagen, FolderSync um die Dropbox automatisch offline bereit zu stellen und OsmAnd, meine bevorzugte Navigationssoftware.

Alle genannten laufen flüssig und auch alle weiteren Apps, die inzwischen dazu gekommen sind, machen keine Probleme. Warum ein Smartphone einen Quadcore haben muss, habe ich nie verstanden. Nichtmal mein Standrechner hat einen. Ich bin sicher kein Hardcore-User, aber an solche richtet sich das Moto E mit einer UVP von 119€ auch definitiv nicht. Mangels Hardcore-Anwendungen hält mein Akku denn auch vier bis fünf Tage im Standby durch, bei eingeschaltetem WLAN etwas, bei eingeschaltetem mobilen Datenzugang deutlich weniger. Bei gelegentlichem WLAN-Zugriff, normaler SMS-Nutzung und der intensiven Nutzung der Karteikarten-App in der Prüfungsphase schafft der Akku immer noch mehr als 48 Stunden, ich behaupte daher mal, dass es sich um eine überdurchschnittliche Laufzeit handelt.

Meine Spiegelreflex, mit dem Handy fotografiertNun wäre ich ja kein Geek, wenn ich das Ding nur zum Telefonieren nutzen würde. Mal ganz davon abgesehen, dass ich eine Weile gebraucht habe, um herauszufinden, wie man denn eigentlich Telefonnummern wählt (auf einem mobilen Computer wie diesem natürlich mit einer App und nicht mit Tasten). Die Lautsprecherqualität sowohl des größeren als auch des kleineren zum-ans-Ohr-halten-Lautsprechers ist lausig, Prollfaktor bei auf laut geschalteter Musik also hoch. Mit vernünftigen Boxen am Klinkenausgang (3,5mm) kann man aber anständig Musik hören, ein kleiner Equalizer ist vorinstalliert. Das erspart mir, beim Spülen immer das Notebook in die Küche zu tragen. Die Kamera erfüllt ihren Zweck - immer dabei, kein zusätzliches Gerät und Gewicht, für schnelle Schnappschüsse absolut geeignet, im Dunkeln nicht zu gebrauchen und hohe Schärfe oder gutes Rauschverhalten darf auch nicht erwartet werden. Es gibt bessere in anderen Smartphones, aber wenn ich gute Fotos will, nehme ich meine Spiegelreflex mit. Besser als nix und auch besser als die im sechs Jahre alten Nokia-Handy ist die hier allemal.

Eine sturzhemmende Hülle2 habe ich bereits besorgt, nun muss definitiv noch eine größere SD-Karte her. Die internen 4GB sind lausig und sollten durch 32 weitere externe erweitert werden. Ein bisschen albern komme ich mir ja vor, wenn ich mich wie ein kleines Kind freue, dass meine Kontakte nun mit Foto angezeigt werden (dank Facebook-Abgleich) und SMS-Konversationen nach Kontakt gruppiert werden. Bis die Garantie abgelaufen ist, ist der Spielbedarf sicher gewachsen und das Telefon wird gerootet - bis dahin reicht mir Llama, mit dem man gefühlt alles steuern kann, je nachdem, wo man sich gerade aufhält. Aber die Güte der Apps hat ja mit der Hardware nichts zu tun, daher werde ich das hier nicht weiter ausführen.

  1. Affliate-Link
  2. Noch ein Affliate-Link

Im Herbst steht endlich meine gut dreiwöchige Interrail-Tour an und nachdem mir zahlreiche Interrailer versichert haben, dass mit der Routenplanung sei nicht so wichtig, und ich auch Vertrauen in allerlei Übernachtungsgelegenheiten gewonnen habe, blieb als schwierigste Frage: Wie zum Teufel transportiere ich das ganze Gepäck?! Die einzige zulässige Antwort ist hier wohl: Ich werde einen dieser riesigen Trekking-Rucksäcke brauchen.

Nach "Kauf Deuter, danach kaufst du nie wieder einen anderen" war der häufigste Ratschlag "probier ihn auf jeden Fall gründlich aus vor der Reise". Mein Deuter-Wunschmodell (ACT Lite 65+10) gibt es nur in den USA, abgesehen vom geringeren Gewicht und möglicherweise geringerer Haltbarkeit unterscheidet es sich aber kaum von dem in Deutschland verbreiteten Modell Aircontact 65+10. Daher bestellte ich letzteres für atemberaubende 210€. Außerdem stattete ich Decathlon einen Besuch ab, die in Chemnitz ihre einzige Filiale Sachsens haben und Partner von Quechua sind, mit denen ich bei Zelten bereits gute Erfahrungen sammeln konnte. Die Mitarbeiter dort konnten ähnlich wenig Auskunft geben wie die Website, aber man kann sich ja selbst helfen. Bei Quechua konkurrierten nach der Vorauswahl noch der Forclaz Easyfit 72 (100€) und der Forclaz Symbium Access 70+10 (130€). Der Easyfit ist der einzige, der deutlich unter dem für Rucksäcke dieser Größe üblichen Leergewicht von knapp 3kg liegt.

Allen Rucksäcken gemeinsam ist, dass sie leer gar nicht so groß aussehen, dafür aber umso mehr mit zahlreichen Schnallen und Gurten verwirren. Letzteres gibt sich aber beim Ausprobieren sehr schnell.

Im Bild (großklickbar) von links nach rechts: Deuter Aircontact 65+10 mit angeschnallter Isomatte, mein Tagesrucksack Compu Daypack von LowePro und der Quechua Forclaz Symbium Access 70+10.

Der Deuter Aircontact kam als erster. Es handelt sich zwar nicht um Deuters Flaggschiff, aber durchaus um ein Modell einer sehr hochwertigen Reihe - falls man da bei Deuter überhaupt differenzieren kann. Von der Ausstattung schien er zunächst dem Quechua Symbium Access sehr ähnlich zu sein, wodurch natürlich direkt die Frage aufkam, was denn die 80€ Mehrpreis rechtfertigt, zumal Quechua auch noch 10 Jahre Garantie gibt. Den Easyfit testete ich zunächst nicht, da schon der Stoff spürbar dünner war als beim Deuter und das Ergebnis des Symbium auch Rückschlüsse auf den Easyfit zulassen sollte, da beide letztlich der Forclaz-Reihe entstammen (aber wer sagt schon Quechua Forclaz Symbium Access 70+10 zu seinem Rucksack?).

Da es enorm wichtig ist, seinen Rucksack richtig einzustellen, beschäftigte ich mich erstmal stundenlang zuhause mit den beiden Modellen. Das beginnt mit der Anpassung an die Körpergröße. Deuters VariFlex-System ist etwas fummelig einzustellen und bringt keine Angaben mit, welche Einstellung für welche Körpergröße gedacht ist, aber wenn man es raus hat, sitzt es stabil, sicher und bequem (es dauert auch nicht wirklich Stunden). Quechua hat sich an einem anderen Ansatz versucht: Die Höhenverstellung der Schultergurte ist mit Körpergrößen gekennzeichnet, der Brustgurt lässt sich intuitiv verstellen. Leider sind die Beschriftungen in meinem Fall Unfug; ich bin 1,91m groß, aber der Hüftgurt sitzt nur dann gut, wenn ich die Schultergurte auf 1,60m einstelle. Der Brustgurt schnürt mir immer den Hals ab, egal was ich wie einstelle.

Der Hüftgurt erfüllt bei beiden seinen Zweck - wenn man sich traut ihn kräftig zu zu ziehen, entlastet er die Schultern enorm. Der Brustgurt soll vor allem die Schultergurte auf Position halten, damit einem nicht plötzlich 25kg herunter rutschen. Das fällt beim Symbium aus oben beschriebenen Gründen weg und damit rutschen die Schultergurte auch direkt. Bei Deuter kann man dann noch den Abstand vom Rücken einstellen (mehr Kontrolle oder mehr Schulterentlastung), das ist ziemlich cool, aber eigentlich ist jede Einstellung angenehm. Beim Quechua-Rucksack fehlt dieses Feature und der ganze Sack wabbelt an meinem Hintern herum.

Beim Beladen bekam ich auch einen guten Eindruck der Verarbeitung; diesbezüglich unterscheiden sich die Rucksäcke kaum. Bei beiden wirken die verwendeten Stoffe sehr hochwertig. Quechua verwendet einen anderen Schnallentyp, der zwar auf den ersten Blick weniger stabil wirkt, aber ebenfalls sehr fest schließt. Allerdings wurde an der Polsterung gespart; der Hüftgurt ist dadurch eher ein Gürtel, die Polsterung reicht nur für die Seiten, vorne ist nichts mehr übrig (und ich bin wirklich schlank). Auch die Schultergurte sind deutlich schmaler. Außerdem halten die Kompressionsriemen beim Verstellen nicht so gut. Während sich beim Aircontact alle Gurte und Riemen intuitiv mit wenig Aufwand spannen und lockern lassen, ohne zu leicht zu verrutschen, flutscht einem beim Symbium schonmal ein Riemen komplett aus der Halterung, wenn man ihn nur lockern wollte. Das passiert leider öfter und ist nach dem unglücklichen Sitz des Brustgurtes der zweite wirklich negative Punkt. Insgesamt erweisen sich die Kompressionsriemen als praktisch, um ein Herumfliegen des Inhalts im Rucksack zu vermeiden; Deuter hat davon ein paar mehr vernäht.

Mit 65+10 bzw. 70+10 Litern unterscheiden sich die beiden Rucksäcke nicht wesentlich im Volumen, trotzdem habe ich ausprobiert, wie gut sich die beiden beladen lassen. Der Deuter glänzt dabei vor allem durch nützliche Nebenfächer, während Quechua viel Wert auf einfache Beladung des Hauptfaches gelegt hat. Dieses lässt sich bei beiden nicht nur mit dem typischen Sackverschluss von oben, sondern auch von vorne öffnen; bei Quechua jedoch komplett und von der Mitte her wie bei einer Reisetasche (Bild links), bei Deuter kann man nur ein Stück der Front weg klappen (Bild unten). Dadurch kann man den Symbium gut in mehreren Schichten packen - schwere Dinge rückennah (beim Packen unten), leichte weiter weg. Anschließend schließt man die Front, richtet den Rucksack auf und kann von oben nochmal kräftig zusammendrücken. Dadurch habe ich unfassbare Mengen in den Rucksack bekommen - hier ist der Symbium klar überlegen. Bei Deuters Modell funktioniert dieses Verfahren zwar auch, aber eben nicht so schön und effektiv.

Der Aircontact ist eher der Typ "und hier passt auch noch was rein". So lassen sich in den Außennetzen problemlos zwei 1,5l-Wasserflaschen verstauen, während die Außenfächer beim Symbium unbrauchbar werden, wenn das Innenfach bereits gefüllt ist. Das ist zwar auch bei Deuter der Fall, aber nicht bei allen Fächern. Im Deckel lässt sich auch noch ein bisschen Gepäck unterbringen. Vor allem aber bietet der Aircontact mehr Möglichkeiten, sperriges Gepäck außen anzubringen: Meine wuchtige selbstaufblasende Isomatte lässt sich ganz problemlos an den Boden schnallen. Quechua hat dafür leider nichts passendes mitgebracht - es gibt zwar zwei Ösenpaare am Boden, für die ich aber keine passenden Spanner besitze, und einen Gummihalter auf dem Deckel, aus dem die Isomatte aber bei erster Gelegenheit wieder rausfällt. Mehr als eine einfache Isomatte ohne Luftfüllung ist hier eindeutig nicht vorgesehen und erst recht kein weiteres Gepäck wie z.B. ein Fotostativ. Dagegen bietet der Aircontact außer den Kompressionsriemen für die Isomatte auch noch Ösen auf dem Deckel wie beim Symbium unten und zahlreiche weitere Halterungen, um einzelne Teile mit Karabinerhaken oder Schnüren zu befestigen.

Das Bodenfach lässt sich bei beiden Rucksäcken als separates Fach verwenden oder öffnen, um das Hauptfach zu erweitern. Geöffnet finden im Rucksack insgesamt mehr Gegenstände Platz, geschlossen bleibt die Ordnung mit etwas Glück erhalten, wenn man unterwegs mal was rausholen muss. Manch einer wird das Bodenfach mit einer Kameratasche oder Kamerapolstern füllen wollen, um eine professionelle Fotoausrüstung mitzunehmen - das ist bei beiden Rucksäcken die einzige Option, wenn man keine separate Tasche mitnehmen möchte. Dazu später mehr. Es sei noch erwähnt, dass der Symbium auf beiden Seiten eine Hüfttasche hat, beim Aircontact ist es nur eine. Konstruktionsbedingt liegen die Taschen beim Symbium weiter hinten, ansonsten unterscheiden sie sich nicht. Eine Kompaktkamera oder ein Portemonnaie finden darin locker Platz. Das Portemonnaie kann man alternativ auch innen im Deckel verstauen, beide Rucksäcke bieten ein sogenanntes Wertsachenfach, das nur bei geöffnetem Deckel zugänglich ist.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Quechua-Rucksacks ist das Access-Fach, das auf dem Deckel aufliegt und über zwei dehnbare Gurte über den Kopf vor die Brust gezogen werden kann. Selbst im Video auf der offiziellen Seite sieht das etwas fummelig aus und in der Tat ist das Fach nicht halb so praktisch wie es in der Idee klingt: Durch die rückenferne Position des Rucksacks kommt man kaum dran, dann muss man fummelig die Verschlüsse lösen (da man sie danach nicht wieder zu bekommt, lässt man das mit dem Anstecken am Besten gleich ganz). Hat man das Fach dann lose in der Hand, kriegt man als langhaariger Mensch eine Krise, weil es gefühlt hundert Mal in den Haaren hängen bleibt beim Versuch es nach vorne zu ziehen. Vorne funktioniert dann das Einhaken im Hüftgurt nur einseitig, da die Halterungen zu weit auseinander bzw. an der Tasche zu nah beieinander sind. Nichtsdestotrotz hat man am Ende aber ein geräumiges Fach vor der Brust, in das sogar meine Spiegelreflex passen würde - wenn ich sie dem dünnen, lose auf dem Rucksack liegenden Stoff anvertrauen würde.

Voll beladen kam dann als erstes die Erkenntnis: Ein Kilo mehr Eigengewicht des Rucksacks macht den Braten auch nicht fett, wenn man weitere 25kg reinstopft. Hier sollte man wirklich lieber in hochwertige Verarbeitung investieren. Eigentlich wollte ich den Quechua Symbium dann zuerst "probelaufen", um hinterher neutraler feststellen zu können, ob der Deuter-Rucksack wirklich angenehmer zu tragen ist. Da es mir jedoch gar nicht erst möglich war, eine passende Einstellung zu finden und all mein Gepäck zu verstauen, hatte das Quechua-Modell an dieser Stelle leider bereits verloren. Blieb also die Frage, ob der Konkurrent besser ist.

Meine Teststrecke führte von meiner Wohnung zur Uni, ich musste ohnehin noch ein paar Papiere ausdrucken, und wieder zurück. Also insgesamt knapp 5km, den Lutherberg runter, die Reichenhainer Straße wieder rauf und das Ganze rückwärts. Der gelegentliche Wechsel zwischen rückennaher und rückenferner Position erwies sich dabei als angenehm; weniger wegen der Belüftung oder weil der Rucksack ins Schleudern geriet, sondern einfach um die Belastung durch das Gewicht ein bisschen zu verteilen. Das Gewicht macht sich hierbei vor allem dadurch bemerkbar, dass man nicht so schnell laufen kann wie sonst - unangenehm oder sonderlich anstrengend ist es nicht. Damit hat der Deuter Aircontact seinen Hauptzweck erfüllt - großes Gewicht durch viel Gepäck so auf dem Körper zu verteilen, dass man damit angenehm laufen kann.

Geschwitzt habe ich trotzdem recht deutlich; bei der aufkommenden Sommerwärme war das zu erwarten. Im Vergleich zu meinem Tagesrucksack allerdings bereits deutlich weniger und auch nur an den Stellen, an denen der Rucksack tatsächlich direkten Kontakt zum Körper hat. Während des Laufens ist das auch gar nicht negativ aufgefallen. Dafür zeigte sich, wieso der korrekte Sitz so wichtig ist - verrutscht der Hüftgurt mal, weil man sich z.B. den Schuh zubinden musste, spürt man direkt, wieviel Gepäck man da eigentlich gerade mit sich herum schleppt.

Während der Quechua Symbium Access also noch während der Testphase wieder zurück ging, habe ich den Deuter Aircontact behalten und bin nun ziemlich glücklich damit. Er bietet zwar, wie fast alle Trekkingrucksäcke, auch keine Möglichkeit, meine Spiegelreflexkamera zu verstauen, aber genug Ansatzpunkte für eigene kreative Lösungen. Man kann beispielsweise mit ein paar Schnüren und Knoten eine Tasche an den Hüftgurt hängen - dem Thema widme ich noch einen eigenen Artikel, um den Rahmen hier nicht komplett zu sprengen. Und abgesehen davon bekommt man einen wirklich durchdachten Rucksack, der sich auch mit viel Gepäck angenehm trägt. Möglicherweise ist Deuter einer der letzten Hersteller, die zwar viel Geld verlangen, dafür aber Produkte für ein ganzes Leben bieten - ich würde es mir wünschen.

Kürzlich erlitt mein Speedlink Gravity 2.1-System einen Kabelbruch und wurde fortan bei jeder Berührung geerdet. Das traf meinen Glauben an "billig kann doch gut sein" schwer, also legte ich diesmal für ein vergleichbares System 30% mehr Moneten auf den Tisch. Auf geht's, die Sandwich-Methode, Feedback immer mit etwas Gutem beginnen.

Die Genius SW-G2.1 sehen in schwarz-orange futuristisch, aber noch vertretbar aus, lediglich die goldenen Elemente wirken etwas zu abgehoben. Das Kabelsystem ist vorbildlich - die Kabel werden nicht unter dem Tisch beim Subwoofer, sondern auf dem Tisch im Verstärker zusammengeführt, so dass auch die Kabellängen ausreichen. Leider staubte der Klavierlack schon während des Verkabelns ein.

Dann Musik an, erstmal irgendwas zum Einstellen, "Power of Love" lief gerade. Ihr kennt das, dieser typische Keyboard-Sound. Der klang leider, als würde jemand in eine Blechdose pusten. Die Satelliten klingen wie 5€-Plastikschrott. Total blechern in den Höhen, die Mitten kaum da und wenn, dann sehr unnatürlich. Ein echtes Schlagzeug soll klingen wie ein echtes Schlagzeug, nicht wie ein Haufen Ölfässer, alte Töpfe und Kehrbesen.

Dabei habe ich mich über den Subwoofer noch gefreut. Schön punchig, ein typischer Hornbass, mit Druck und trotzdem nicht verwaschen. Dachte ich. Dann habe ich die Satelliten rausgezogen, um die vom Gravity anzuschließen (die dann auch besser klangen) - und bekam in dem Moment den reinen Subwoofer-Brei zu hören. Ein ekelhaftes Gewaber aus Bass mit matschigem Restsound dabei. Als ich den Kopf unter den Tisch steckte, traf mich der Schlag. 70% des Sounds gehen schon auf dem Weg nach oben über den Tisch verloren. Wenn das nach unten geht, dürfte in ner halben Stunde der erste Nachbar vor der Tür stehen und sich zu Recht aufregen.

Bei Konzertaufbauten habe ich erlebt, wie sich Boxen anhören, wenn man eine vernünftige Weiche vorschaltet. Dann geben die Bässe den Bass wieder und die Topteile mit separaten Lautsprechern vernünftige Mitten und Höhen. Ich bezweifle, dass es immer eine 2000€-Weiche sein muss, um angemessenen Klang zu bekommen. Hier klingt es jedenfalls eher, als wäre schlicht gar keine verbaut.

Das Beste an dem System ist echt noch das Kabelkonzept. Auch der Bassregler an der Tischeinheit ist praktisch. Nachdem ich die Satelliten nun gehört habe, verstehe ich allerdings auch, wieso keine Regler für Mitten und Höhen dabei sind - da ist ohnehin nichts mehr zu retten. Und nun bin ich auf das Gesicht des Postmenschen gespannt, wenn ich mit dem gleichen Paket wieder zurück komme.

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