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Vor einiger Zeit setzte ich mir 40 Ziele für einen Zeitraum von 80 Wochen. Realistische, sinnvolle Ziele sollten es sein, trotzdem muss ich beichten: Ich habe nur die wenigsten erreicht und obendrein sogar das ganze Projekt in Vergessenheit geraten lassen. Vor fünf Monaten wäre es zu Ende gewesen. Zu viele andere Dinge haben Zeit meines Lebens gefressen, so dass der ganze Blog vernachlässigt wurde. Trotzdem hier nun eine Auswertung, auch als Vorbereitung darauf, dass ich mir für einen neuen Zeitraum neue Ziele setzen möchte.

Sport & Ernährung

250km Fahrrad in einer Woche fahren
Chemnitz - Berlin war der Plan, der auch noch steht, inzwischen habe ich immerhin Leute gefunden, die mich begleiten würden - hoffentlich also diesen Sommer.
10 verschiedene (ernstzunehmende) Teesorten nennen und zubereiten können
Das habe ich hier nie vermerkt, aber tatsächlich koche ich inzwischen auch losen Tee und habe mir immerhin fünf Grundsorten angeeignet.
2 Wochen vegan leben
Ja... nö.
10 Gerichte aus 10 verschiedenen Ländern kochen
  1. Pizza nach italienischer Art (die tatsächlich anders ist als die deutsche)
  2. Tofu nach vietnamesischem Rezept
  3. Persische Eierkuchen mit Lauch und Walnüssen
  4. Falafel nach syrisch-israelischem Rezept
Dabei ist es dann auch geblieben, leider. Ernsthaft kochen ist zurzeit eh Luxus.
Ein Chinatown in Deutschland finden und leerkaufen
Gewürze! Kräuter! Sojasaucen! Verrückte Dinge, von denen man gar nicht weiß, was es ist! Hach, ich will es. Aber wo?
Pilze im Wald pflücken gehen
Mangels Kenntnissen nicht gemacht.
Achterbahn fahren
Ängste überwinden war das Ziel. Zählt Rodeln? Immerhin habe ich schon fast eine Phobie vor den meisten Wintersportarten.
Ein Fahrrad bauen
:check: Das habe ich tatsächlich gemacht.
Bronze in vier Disziplinen des deutschen Sportabzeichens erreichen
Mir fehlt Sport, und ich muss dringend dieses Jahr wieder mehr machen. Ich wollte wieder Badminton spielen, aber es gibt keinen brauchbaren Verein in Chemnitz. Also vielleicht doch die vier Disziplinen, und wenn aus Trotz.

Reisen

Einen One-Way-Flug buchen
Kein Geld.
Mit dem Rad oder zu Fuß an der britischen Südostküste entlang
Kein Geld.
Alle Nachbarländer von Deutschland bereisen
(3/9) Kein Geld.
Nach Malaysia reisen
Kein Geld. Und keine Leute.
Am Rothaarigentag in Breda teilnehmen
Kein Geld.
Alle TEN SING-Gruppen in Sachsen besuchen
Da ich inzwischen aufgehört habe, wohl doch nicht mehr. Oder jetzt gerade.

Medien online

1 Monat lang Tagebuch über meinen Medienkonsum führen
:check: Habe ich gemacht, in automatisierter digitaler Form, Ergebnis war aber unspannend.
An einem Bloggertreffen teilnehmen
:check: Nur ganz klein und schon wieder lange her, aber immerhin. Gruß an Sumi. ;)
Alle 20 Wochen ein Update dieser Liste posten
Siehe oben.
Die Hälfte meiner (neuen) Blogposts mit Bildern versehen
Abgesehen davon, dass der zusätzliche Aufwand meinen Arbeitsfluss behindert, eignet sich mein Layout auch gar nicht so gut dafür. Habe das daher nicht weiter verfolgt.
Den DSL-Anbieter wechseln
Gescheitert. Man bot mir drei Gratismonate und ich ließ mich überzeugen. Hoffen wir das Beste.

Medien offline

Ein TEN SING-Video schneiden
Keine Zeit.
Einen Film selber entwickeln
Inzwischen habe ich die Ausrüstung, passiert hoffentlich bald.
Einen "Lost Place" besuchen
Zu kalt.
5 Songs am Synthesizer spielen können
Zu kompliziert (aka zu wenig Zeit).
Ein Werk bei Soundcloud veröffentlichen
Meine Band hat jetzt einen Namen und wir haben ein paar Demos, da passiert bald was.
Weiterhin jedes Jahr auf ein Konzert im Ausland gehen
Kein Geld.
Die Probenraum-Akustik verbessern
Material ist da, noch ist es dort aber zu kalt. Ha, zu Beginn des Projektes war es noch ein anderer Probenraum. Überhaupt - dort hatte ich Molton aufgehängt, das könnte man auch im neuen Raum wieder machen.

Haushalt

Nähen lernen und
Ich lernte von meiner Freundin, dass man für vieles eine Maschine braucht, damit ist das Thema erstmal durch. Erstmal.
Moltontücher zu Bettwäsche vernähen
Jo.
Dachboden aufräumen
:check:
Bücher einlagern
Was habe ich denn damit gemeint?
Den Schreibtisch-Anbau vernünftig zusammenbauen
:check:
Die Küche fertigstellen
Ach, die wird nie fertig, wenn ich weiterhin immer neue Ideen habe. Jetzt ziehe ich um, da wird schon wieder was geändert.

Bildung

5 Bücher-Bildungslücken schließen
Ich lese wieder etwas mehr, empfehlt mir was!
100 Leistungspunkte im Studium erreichen
Könnte besser laufen.
Grundkenntnisse in einer vierten Sprache erwerben
Passt echt nicht in meinen Zeitplan momentan und ich bin sowieso (mal wieder) auf dem Trip, dass gefälligst jeder Englisch können sollte.
An einer Gerichtsverhandlung teilnehmen
Coming soon.
An einer Parteisitzung teilnehmen
Coming... ne, ich werde langsam politikverdrossen.
Erste Hilfe für Autofahrer auffrischen
Jo.

Ganz schön lausige Bilanz.

Immerhin habe ich inzwischen endlich wieder einen neuen, sicheren Job, der mir Spaß macht. Außerdem geht es an der Uni durchaus voran, wenn auch nicht so sehr in Form von bestandenen Klausuren. Und ich bin seit fast einem Jahr wieder in einer Beziehung. Es ist also nicht so, dass ich einfach nur faul gewesen wäre. Einige der obigen Vorhaben sind auch einfach an äußeren Umständen gescheitert. Es gibt also definitiv auch für die Zukunft kleine und große Pläne, dazu aber dann später separat mehr. hahahah

Hiking - 0007.jpgAnfang, Mitte 20 ist es vermutlich normal, wenn einem jedes Jahr wie ein ganz besonderes vorkommt. Ich versuche dieses Mal gar nicht erst zu begreifen, dass schon wieder ein Jahr vergangen ist, sondern betrachte den Wechsel von Dezember zu Januar einfach als das weitere Fortschreiten des Wahnsinns, der mein Leben ist. Jahreswechsel sind sowieso von viel geringerer Bedeutung, als man bei der ganzen Feierei annehmen könnte, denn vieles wird sich im nächsten Jahr, aber nicht am 1.1., ändern.

Ende 2013 war ich nach Chemnitz gezogen, um dort Sensorik und kognitive Psychologie zu studieren. Anfang 2014 war meine Wohnung immer noch nicht so richtig fertig, was sich änderte, als ich endlich den geplanten Umbau meiner Küche durchführen konnte. Ich bin 1,91m groß und habe daher die gesamte Arbeitsfläche 20cm höher gebaut, um Rückenschmerzen zu vermeiden. Das Ergebnis ist nicht wahnsinnig schick, aber ich bin dennoch stolz drauf, denn es ist komplett selbst gebaut.

Im Studium hatte ich mich schnell eingelebt und brachte auch die erste Klausurenwelle erfolgreich hinter mich. Einige Menschen wurden gute Freunde, andere kehrten mir den Rücken zu. Danach ging es auf Konzerttour - Leipzig, Gießen, Köln, Hamburg. Claire fanden es so cool, dass ich ihnen durchs halbe Land hinterher fuhr, dass sie mir ein T-Shirt schenkten und ihre persönliche Unterstützung für die nächste Tour ankündigten, sollte ich wieder mehrere ihrer Konzerte in weit entfernten Städten besuchen wollen. Ein Traum wurde wahr, und natürlich werde ich auch 2015 am Start sein!

So fing das Jahr im April mit einem dicken Highlight an zu rollen und nahm dann sehr schnell Geschwindigkeit auf. Auch ich rollte durch's Land, denn es verging kein Monat ohne eine geplante oder spontane Reise. So riss ich weitere Kilometer ab, um eine E-Gitarre persönlich abzuholen, denn ich begann, das Gitarrespielen zu erlernen. Vor der Rückfahrt von Hannover ließ mich meine Mitfahrgelegenheit sitzen, dafür traf ich mal wieder Markus, der mir auf meinen Reisen ständig begegnet, nun endlich auch mal in seiner Heimatstadt. Auf der fix umgeplanten Rückfahrt sammelte ich noch mein Fahrrad ein, dass ich am Vorabend nach dem Supershirt-Konzert in Leipzig gelassen hatte - in dem Glauben, es sei gestohlen worden, der erste Schockmoment des Jahres.

Überhaupt gab es auch immer wieder Ärger. Bei einem Diebstahlversuch wurde mein Rad so schwer beschädigt, dass die Reparatur mehrere Wochen dauerte und einen dreistelligen Betrag kostete. Auch musste um diese Zeit unser TEN SING-Auftritt erneut verschoben werden, da die Finanzierung geplatzt war. Sehr ärgerlich, aber es sollte noch bis September dauern, bis wir endlich auftreten konnten.

Dafür nahm TEN SING RheinRuhr am evangelischen Jugendcamp in Siegburg teil. Auch wenn die Aktion stressig war und nicht so glatt lief wie im Jahr zuvor beim Kirchentag, können wir stolz darauf sein, viele Jugendliche zusammengebracht zu haben. Nicht jeder kann von sich behaupten, binnen 48 Stunden eine Show auf die Beine gestellt zu haben und damit in einer fremden Stadt aufgetreten zu sein!

Auch als Konzertbesucher war ich im Sommer weiter unterwegs. Trotz (offenbar veralteten) Geschichten über den Ku-Klux-Klan verbrachte ich eine tolle Zeit beim Highfield Festival, freute mich über das Kosmonaut direkt in Chemnitz und machte etliche neue Erfahrungen beim technolastigen Utopia Island in Bayern. Dazu gehört auch die anschließende Übernachtung auf dem Boden eines bayrischen Bahnhofs - nicht die einzige, später im Jahr traf mich der Bahnstreik und ich durfte auch noch Frankfurter Holzbänke kennenlernen. Ein Obdachloser bewachte mein Gepäck während ich schlief, im Gegenzug hielt ich seinen Platz frei, wenn er rauchen war.

Meine Auslandsreisen verliefen hingegen recht problemlos. Zwar sagte ich die Interrail-Tour mangels Couchsurfing-Unterkünften ab, dennoch ging es aber nach Frankreich, wo ich ein paar schöne Tage an der Küste und in Paris verbrachte. Noch beeindruckender war Island - zwei Wochen in einem Land, das von Natur, Landschaft und Wetter so völlig anders ist als unseres, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

So war der Sommer sicher der Beste seit langem. Wenn gerade weder Festivals noch eigener Urlaub anstanden, verbrachten wir lange Abende grillend und sternschnuppenguckend am Schlossteich oder kämpften uns gemeinsam durch den Mathestoff. Dankenswerterweise werden in Chemnitz die Prüfungsphasen so gebaut, dass alle Klausuren nach den Vorlesungen, aber dennoch lange vor Ferienende liegen, so dass man danach auch wirklich noch einige Wochen Ferien hat. Die NPD flog aus dem sächsischen Landtag und an der TU fingen zum Wintersemester 2014/2015 noch mehr Sekos an als in meinem Jahrgang.

Nach unserer TEN SING-Premiere kurz vor Semesterbeginn hatten wir noch zwei kleine Auftritte und schon waren wir wieder mitten in den Vorlesungen. Die Konzertsaison war nun vorbei und auch längere Reisen mussten erstmal im Kopf stattfinden, für legendäre Hauspartys ist aber immer Zeit. 2014 war ein Partyjahr - ergänzend zu den zahlreichen Konzerten, die schon länger typisch für mich sind, nun auch immer wieder mit Partys an der Uni und bei Freunden. Niemand kann behaupten, Chemnitz sei eine langweilige Stadt!

Mit dem Herbst schimmelte dann auch meine Wohnung wieder weg und meine Laune fing an stärker zu schwanken. Pralles Studentenleben hin oder her, mit so nervigen Dingen wie Ämtern, Vermietern und Nachbarn muss man sich leider trotzdem herumschlagen. Immerhin verbesserte ein überraschendes Jobangebot einer Firma aus New York meine finanzielle Situation erheblich, so dass ich spontan für ein paar Tage nach Brighton, einen meiner Lieblingsorte an der britischen Küste, fliegen und entspannen konnte. Direkt danach besuchte mich erstmals eine Couchsurferin - ebenfalls eine ausgesprochen positive Erfahrung.

Der Dezember schließlich dauerte gefühlt nur einen Atemzug. Trotz gar nicht vorhandener Weihnachtsstimmung, einer Verletzung am Fuß und daraus resultierenden Querelen in der Uni verbrachte ich einen wirklich schönen Abend auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt und später, als ich schon in NRW war, noch einen in der Aachener City. Chemnitz überraschte mit einem Konzert in einem süßen kleinen Cafe direkt bei mir um die Ecke und Weihnachten wurde erträglich durch fast komplett ausgefallenen Familienbesuch und eine alternative Weihnachtsparty bei Freunden. Direkt hinterher ging's noch raus aufs Land die Füße wund tanzen und Silvester verbrachte ich damit, alles, was brannte oder knallte, mit Schneebällen zu bewerfen, denn Sachsen war inzwischen kräftig eingeschneit.

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Im Januar wird endlich meine feuchte Wand saniert und ich fahre mal wieder nach Hessen. Seit ich 2010 auszog, bin ich über 15.000km gereist und falls ich die recht ernste Idee, im März nach Israel zu fliegen, in die Tat umsetze, wird diese Zahl schon bald drastisch steigen. Auch Malaysia und Indonesien stehen auf dem Plan und es wird Zeit, über Auslandssemester nachzudenken. Eine Menge Potenzial für ein weiteres spannendes Jahr - womit wir wieder beim Anfang sind: Aufregende Lebensphasen werden nicht in Phasen vom 1.1. bis 31.12. gerechnet.

Dieses Jahr ohne kreative Idee, einfach, weil es auch mal schön ist, einfach zu schauen, was passiert ist. Vor allem, wenn es so viel ist wie dieses Jahr. Jedes Jahr hat besondere und einmalige Erlebnisse, 2013 war vor allem auch von entscheidender Bedeutung für die Zukunft.

Das Projekt TEN SING RheinRuhr kam bereits 2012 ins Rollen. 2013 ging es dann richtig los - im Januar fuhr ich vom Ruhrgebiet nach Hamburg, um am offiziellen gemeinsamen Kirchentags-Vorbereitungstreffen für Mitwirkende teilzunehmen. Eine spannende Erfahrung, wenngleich die Teilnahme nicht obligatorisch war. Nebenbei lernte ich TEN SING Hamburg-Bramfeld kennen, eine kleine, aber sehr liebe Gruppe.

Im Februar ging es dann erneut nach Norden, meine seit längerem geplante Radtour in Ostfriesland nachholen. Ich erfror einmal fast, traf dafür aber viele wundervolle Menschen, die ich teilweise vorher noch nie getroffen hatte - darunter auch meine ersten Couchsurfing-Bekanntschaften. So grausam wie der Wind auf dem flachen Land, so herzlich und hilfsbereit empfingen mich die Menschen dort.

Nebenbei arbeitete ich immer wieder als Stagehand und baute Technik bei kleinen und großen Konzerten auf. Einige Aufträge machten wirklich Spaß, viele waren echt nervig. Die Krönung war We Will Rock You, die schlechter organisiert waren als mein eigener Umzug. Ich kündigte und begann im April, als Webprogrammierer für rent-a-guide zu arbeiten, was mich nebenbei in die Selbstständigkeit führte.

Kurz darauf führten wir unser äußerst erfolgreiches Probenwochenende von TEN SING RheinRuhr durch und fuhren nochmal zwei Wochen später mit 70 Leuten zum Kirchentag nach Hamburg. Ich bin immer noch stolz auf und glücklich über das, was wir dort vollbracht haben. Es waren nicht nur großartige Auftritte, für die wir sehr gefeiert wurden, sondern vor allem auch die Aktion an sich, die TEN SINGer aus verschiedensten Gruppen zusammen brachte.

Im Sommersemester belegte ich einen Gebärdensprachkurs und lernte die Grundzüge einer spannenden und absolut ernst zu nehmenden Sprache kennen. Parallel startete die Festivalsaison. Nach den großen Festivals im Vorjahr besuchte ich diesmal vor allem kleinere Events. Es sei auf die nahezu vollständige Liste meiner besuchten Konzerte verwiesen, die gegen Jahresende die 300er-Marke überschritt. Die Berichte dieses Jahres findet ihr bei den Festivalhoppern. Auf dem AStA-Fest in Paderborn lernte ich eher zufällig Claire kennen, nun eine meiner absoluten Lieblingsbands und die Entdeckung des Jahres überhaupt.

Außerdem ging es im Sommer erneut nach Ostfriesland. Diesmal war es angenehm, ich traf erneut viele liebe Menschen und diesmal auch etliche TEN SINGer. Eine Aktion, die nächstes Jahr sicher wiederholt wird. Und noch weiter auf Reisen ging es nach Amsterdam, um nach vielen Jahren des Wartens endlich Yeah Yeah Yeahs live zu erleben. Unfassbar gut!

Auch auf die andere Seite von Deutschlands ging es, nämlich nach Prag. Als ich zum YMCA-Festival fuhr, ahnte ich noch nicht, dass ich bald öfter im Osten sein würde. Auch dort lernte ich wieder viele neue Menschen kennen, diesmal aus ganz Europa und sogar den USA. Ich arbeitete als Volunteer in einem großartigen Team und lernte ein bisschen Dänisch. Die zwischenmenschlichen Erlebnisse, die ein Sturm verursacht, der die Evakuation des Geländes erfordert, während man selbst versucht, eines der Zelte zu retten, sind unbeschreiblich. Ich werde mich wohl immer wieder daran erinnern, wie wir immer wieder aus dem Zelt schauten, um Schutzlose vor dem Regen zu retten, während wir es davor schützten, vom Wind zerfetzt zu werden - und hinterher festzustellen, dass ganz in der Nähe ein Blitz einen Baum umstürzen ließ.

Nur einen Monat später war ich erneut im Osten, um mich in Chemnitz nach Wohnungen umzusehen. Ich hatte mich für ein erneutes Studium entschieden: Sensorik und kognitive Psychologie. Die Wohnungssuche war wenig erfolgreich und überhaupt war die ganze Reise Verschwendung. Die Makler waren nervtötend und / oder unverschämt, die Vermieter dreist und überheblich. In einem Ort wie Chemnitz, wo günstige Wohnungen nahezu im Überfluss vorhanden sind, hätte ich nicht mit so absurden Forderungen gerechnet. Auch musste ich erleben, dass man als Selbstständiger keinerlei finanzielles Vertrauen genießt.

Letztlich half ein Tipp von zukünftigen Komilitonen, an einen vernünftigen Vermieter zu geraten, und unglaublich kurzfristig ungesehen eine Wohnung zu mieten. Mithilfe einer Profi-Tetris-Software und tatkräftiger Unterstützung von Freunden, Familie, Bekannten und Mitstudenten gelang es in einer total irrwitzigen Aktion, meine gesamte Wohnung in einen viel zu kleinen LKW zu stopfen und heil nach Chemnitz zu transportieren, wo ich mich inzwischen gut eingelebt habe.

Im November ging es dann das erste Mal wieder zurück in den Westen. Mehrere Konzerte, Familie und Freunde besuchen. Ich ergatterte einen Platz in der ersten Reihe bei Claire und lehnte ein Angebot, für 20€ den Platz mit jemandem hinter mir zu tauschen, ab. Während ich mit Mitfahrgelegenheiten sehr schlechte Erfahrungen machen musste, erwiesen sich die in diesem Jahr massiv gewachsenen Fernbusangebote als äußerst angenehme Reisemöglichkeit. So ging es auch im Dezember zu Weihnachten mit dem Bus wieder nach Gelsenkirchen, wo ich nun in dem Haus, aus dem ich vor dreieinhalb Jahren auszog, diesen Text schreibe.

In meinem Alter mag jedes Jahr wichtig erscheinen. In diesem habe ich auf jeden Fall besonders viele Freundschaften geknüpft und wichtige Entscheidungen für meine Zukunft getroffen. Ich betrachte Entscheidungen nicht mehr nur unter der Frage nach richtig oder falsch, sondern vor allem unter dem Einfluss auf mein Leben, den sie haben werden. Dieses Studium wird mir eine Menge bringen, egal, ob ich es mit Bachelor, Master oder gar nicht abschließe und unabhängig davon, welchen Beruf ich danach ausübe. Mein Lebenslauf hat dieses Jahr ein paar mehr Knicke bekommen, aber es ist nicht wichtig, welche Form er hat, sondern nur, was drinsteht, und welche Menschen daran beteiligt waren. Vor allem, welche Menschen blieben, als der nächste Knick kam. Und diesen Menschen möchte ich danken, dass sie an diesem erlebnisreichen Jahr beteiligt waren, egal in welcher Form und egal wie nahe sie mir stehen. Ihr seid mir alle wichtig. Danke!

Vor dem Umzug digitalisiere ich alte Kassetten. Richtige alte 90er-Jahre-Audiokassetten, die ständig Bandsalat bekommen und nach zehn Mal abspielen eiern. Manche werden überspielt, andere einfach durch MP3s ersetzt. Die hier zum Beispiel ist durch den aktuellen 90s-Trend ja wohl wieder total in:

  1. Lou Bega - Mambo No. 5 (A little bit of)
  2. Liquido - Narcotic
  3. Eiffel 65 - Blue (Da Ba De)
  4. Britney Spears - Hit Me (Baby One More Time)
  5. Backstreet Boys - I Want It That Way
  6. Ann Lee - Two Times
  7. Vengaboys - We're going to Ibiza
  8. Modern Talking - You are not alone
  9. Touche - This Goodbye is not forever
  10. Jennifer Lopez - Waiting for tonight
  11. Eiffel 65 - Blue (Da Ba De)
  12. Journey - Wheel in the Sky
  13. Tina Turner - When the Heartache is over
  14. Sasha - I feel lonely
  15. Joe Cocker - Little Bit of Love
  16. No Mercy - Where do you go (my Lovely)
  17. Lou Bega - I Got A Girl
  18. La Bouche - Sweet Dreams
  19. Cher - Believe
  20. Die Ärzte - Männer sind Schweine
  21. Ace of Base - All That She Wants
  22. Celine Dion - My Heart will go on
  23. Shania Twain - That don't impress me much
  24. Titiyo - Come Along

Gitarren wurden überbewertet, Synthesizer waren viel toller. Man beachte auch die Untertitel - was heutzutage "feat. XYZ" ist, war damals eben "(markante Textzeile)". Wobei "markante Textzeile" manchmal gefühlt tausend Mal wiederholt wurde. Der Autotune-Effekt war noch gesellschaftsfähig und man reimte ohne Scham "forever" auf "forever and forever".

Oh, und "Mixtape" haben wir das früher natürlich auch nicht genannt. Auf der Kassette steht "Vermischtes".

Das Leben muss vorwärts gelebt werden, kann aber erst im Rückblick verstanden werden.
- Sören Kierkegaard

Ende des Jahres 2010 fasste ich eine Menge Pläne für die kommenden zwei Jahre. Nun ist es 2013 und obwohl vieles ganz anders geworden ist, habe ich viel erlebt und getan und auch einiges über Zukunftsplanung gelernt.

Am Anfang standen vor allem viele Reisewünsche. Daran hat sich nichts geändert - mit jeder Reise kommen neue Reisewünsche dazu, aus finanziellen Gründen hat leider vieles nicht geklappt. Ich war nicht in Kanada, obwohl ich dort eine Bekannte hätte besuchen können. Ich war auch weder in der Schweiz noch in Schweden. Dafür aber in Brighton, wo ich Schwedinnen kennen lernte. Und ich lernte Couchsurfing kennen - und stellte mal wieder fest, dass die Welt voller wunderbarer Menschen ist! Mit dieser Möglichkeit wird Reisen in Zukunft deutlich billiger und angenehmer sein, deshalb ist der neue Plan auch wieder voller Reiseziele. Aber dazu später.

Später mischte sich TEN SING dazu. Da ist eine ganze Menge passiert... ich wechselte meine Gruppe von Hagen zu Bochum, unter anderem aufgrund der Entfernung. Mit Bochum stand ich für ein paar Minuten auf einer riesig großen Bühne vor über 2000 Menschen - absolut irre! Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich die Augen schließe und mir die Bilder in Erinnerung rufe. Auch die beiden anderen Auftritte machten riesigen Spaß. Dann klappte es mit der Band nicht mehr (dazu in einem anderen Artikel mehr) und ich stieg quasi eine Ebene auf - nun bin ich nicht mehr in einer lokalen Gruppe aktiv, sondern leite ein überregionales Projekt anlässlich des Kirchentages in Hamburg dieses Jahr.

Was erfolgreicher war als geplant, waren Festivals. Ich wurde Festivalreporter für die Festivalhopper, Deutschlands größtes Festivalportal, und fuhr 2012 auf viele Festivals, die ich sonst sicher nicht gesehen hätte. Apropos Jobs: Nach einigem Hin und Her arbeite ich nun wohl dauerhaft in der Veranstaltungsbranche. Auch dort trifft man auf eine Menge interessante Menschen und kann in kurzer Zeit unter extremen Umständen sehr viel erleben...

Fotografisch tauchten nur wenige Punkte im Plan auf. Ich nahm mir immer wieder kleine und größere Projekte vor, zog aber keins durch. Irgendwann stellte ich fest: Ich bewundere tolle HDR-Landschaftsaufnahmen, aber es macht mir keinen Spaß, selbst durch die Gegend zu ziehen und stundenlang auf das richtige Licht zu warten. Ich bewundere Straßenfotografien, aber ich traue mich nicht, einfach eine riesige Kamera auf fremde Menschen zu halten. Dafür liebe ich es, Bands zu fotografieren, und genau das mache ich ja nun öfter als je zuvor. Je besser die Band, desto besser die Fotos. Das ist mein Ding, damit mache ich weiter. Alles andere bleibt Beiwerk. Und so bin ich quasi ohne es zu merken im Bus geblieben

Als neuen Plan möchte ich eine neue Methode nutzen. Das Day Zero Project beschäftigt sich damit, ursprünglich waren es mal 101 Dinge in 1001 Tagen und bei mir sind es nun 55 Dinge in 777 Tagen. Es geht prinzipiell einfach darum, sich Dinge vorzunehmen, deren Erfolg man irgendwie messen oder überprüfen kann, und zwar in einem längeren Zeitraum als einem Jahr, weil das langfristige Pläne realistischer macht. Dadurch, dass man dabei ein Maß festlegt, denkt man auch automatisch darüber nach, was denn überhaupt realistisch ist - das habe ich getan und hoffe, dass ich möglichst viel erreichen werde.

Letztlich wird in den nächsten 2,18 Jahren aber vor allem viel passieren, was ich nicht geplant hatte. Das war bisher immer auf irgendeine Art gut oder ließ sich für etwas Gutes nutzen und so wird es auch in Zukunft sein.

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