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Es ist der 25. Dezember und man sollte meinen es weihnachtet sehr, aber die Feiern sind für mich bereits abgeschlossen und es schneit nicht nur nicht, es ist auch noch herbstlich grau draußen. Eine wunderbare Gelegenheit sich drinnen zu verkriechen und Dinge zu erledigen, die eigentlich Spaß machen, aber auch Zeit kosten.

Reiseberichte zum Beispiel. Anfang April war ich für drei Tage in Amsterdam. Das ist hier vom Ruhrgebiet aus in zwei Stunden zu erreichen und wenn man zeitig bucht, kostet die Zugfahrt nur 19€. Lykke Li trat im Paradiso auf, wo ich immer mal hin wollte, und so hängte ich wie schon letztes Jahr in London noch einen Tag vorne und hinten dran. Der Plan war also: Mit minimalem Budget entspannte drei Tage abseits meines Alltags verbringen, ein tolles Konzert sehen und eine vielversprechende Stadt besuchen.

Das Hostel StayOkay Stadsdoelen (danke an's Hurra-Blog für den Tipp) war dabei eine große Hilfe. Es liegt auf halbem Weg zwischen Bahnhof und Paradiso, so dass ich die beiden Orte schonmal zu Fuß erreichen konnte. Da das Paradiso außerdem in der Nähe des ebenfalls recht bekannten Melkwegs und damit mitten in der Stadt liegt, hieß das, dass ich eine Menge sehen konnte ohne ein Verkehrsmittel zu benutzen.

Sightseeing stand ohnehin nicht auf dem Plan und für die effektiven zweieinhalb Tage hat es auch vollkommen gereicht, einfach die Straßen und Grachten entlang zu laufen und die Stadt, die Menschen und die Häuser anzusehen (und zu fotografieren). Eine Hochschule ist ebenfalls in der Innenstadt gelegen und so hat sich dort auch die Künstlerszene breit gemacht. Außerdem gab es natürlich, wie erwartet, hunderte Geschäfte zu bestaunen - ich habe wohl noch nie eine so umfangreiche Shoppingmeile gesehen. Mal ganz davon abgesehen, dass es in Amsterdam mehr "Diamond Factory"s als Fast Food-Filialen gibt...

Die Entscheidung, sich zu Fuß durch die Stadt zu bewegen, war definitiv eine gute. Von der Anreise mit dem Auto wurde mir ganz abgeraten - ich wüsste auch nicht, wo ich da hätte parken sollen. Straßenbahnen fuhren zwar oft und sogar meist abgetrennt vom normalen Verkehr, aber dennoch nicht schnell und außerdem war es schlichtweg unnötig. Und auch das hier selbst im Vergleich zu Münster viel genutzte Fahrrad hätte mich nicht glücklich gemacht - Fahrradparkplätze1 gab es zwar reichlich, die waren aber genauso voll wie die für Autos. :D

Aber wie gesagt, Sightseeing war nicht angesagt und damit entfiel auch das von-A-nach-B-Gehetze. Im Madame Tussaud's war ich also nicht, dafür konnte ich auf dem Platz davor an einem Straßenkonzert teilnehmen. Sehr sympathisch: Es scheint dort völlig normal zu sein, sich einfach auf den Boden zu setzen und zuzuhören. Bei uns wird man dafür leider merkwürdig angeguckt und bleibt damit meist alleine. In Amsterdam war ordentlich was los. Ebenso auf dem Weg zum Paradiso, wo vorm Burger King gerade ein Gitarrenlehrer seine Künste zum Besten gab und Bob Marley-Songs coverte. Für mich das perfekte Urlaubsfeeling - in der schon warmen Frühlingssonne sitzen, umgeben vom Trubel der Stadt, und Livemusik lauschen. hahahah

Auf großen Plätzen war überhaupt immer was los. Musiker, Künstler, Schauspieler, einmal ist eine ganze Kapoeira-Gruppe aufgetreten und hat sich dort viele Fans gemacht. Und wenn ich von dem Trubel mal genug hatte (oder vom ständigen Verlaufen in den vielen Straßen), konnte ich mich ins Hostel zurück ziehen und dort in Ruhe lesen.

Das Hostel war übrigens recht angenehm und dank nicht-Saisonpreis definitiv angemessen. Das Personal war ausgesprochen freundlich, es gab Schließfächer und Internet (welches ich allerdings nicht benutzt habe), die Betten waren beqeuem, sauber und groß genug, Duschen waren ausreichend vorhanden und in einem vernünftigen Zustand und das Frühstück war sparsam, aber anständig - wurde allerdings trotz der moderaten Zeiten nur von wenigen Besuchern genutzt.

Über das Konzert habe ich ja bereits früher berichtet. Die Location war übrigens genauso wundervoll wie ich mir das vorgestellt hatte und die Mitgliedschaft, die man dort braucht, hat auch keine Probleme verursacht, die gibt es in einer unkomplizierten Ein-Tages-Variante. Also nur unwesentlich verwirrender als unser merkwürdiges Raucherclubsystem. Fotografieren durfte ich dort allerdings leider nicht.

So ist aus diesem Kurztrip letztlich genau das geworden, was ich mir vorgestellt hatte: Eine entspannte Reise in eine wundervolle Stadt, vollkommen frei und stressfrei spontan gestaltet mit einem richtig guten Konzert als Höhepunkt. Sicher nicht mein letzter Besuch dort.

  1. Kein Witz, ich meine damit keine Ansammlung von fünf Fahrradständern, sondern richtige größere Flächen für Fahrräder. Es gab auch massig eigene baulich getrennte Fahrradstraßen!

Mit guter Laune, aber gemischten Gedanken fuhr ich gestern nach Dortmund ins FZW - The Naked + Famous standen auf dem Plan. Von verschiedenen Seiten hieß es, die Band solle gute und schlechte Tage haben und die Konzerte seien entsprechend. Außerdem war das Konzert nicht ausverkauft, obwohl das FZW nur etwa 600 Leute fasst. Und am Wichtigsten für mich, der auf Konzerten nicht nur Musik hören will: Was für ein Publikum würde da sein und - wie bewegt man sich eigentlich zu dieser Art elektronischer Musik?

Viertel vor sieben, ich habe den kurzen Fußweg vom Dortmunder Hauptbahnhof zur Halle zurückgelegt und bin jetzt drin. Ein paar Menschen stehen draußen, die Security ist mit fünf Leuten total überbesetzt und kontrolliert ohnehin nichts außer Tickets - und Kameras. Ich bin ohne Kamera hier, der Veranstalter erlaubt nur das Fotografieren vom Graben aus und nur die ersten drei Lieder. Die erste Reihe ist schon besetzt, insgesamt sitzen vielleicht vierzig Leute auf dem Boden und warten.

Die Konzerthalle des FZW ist fast quadratisch, gegenüber der Bühne gibt es Getränke und eine kleine Empore darüber. Die Bühne ist überraschend groß - es mögen vielleicht 25 Meter Breite sein bei 30 Meter Raumbreite. Ein Dutzend Gitarren und Bässe, mehrere Keyboards und Synthesizer und ein um elektronische Pads erweitertes Schlagzeug stehen schon darauf. Ein kompromisslos wirkendes Eisengitter hält die Fans auf etwa 1,50 Meter Abstand. Die Überbrückungsmusik hakt. Keine Monitorboxen, dafür jede Menge Funkempfänger und ein großes Bühnenmischpult, an Geld scheint es der Band nicht zu mangeln. Das Logo des Albums "Passive Me, Aggressive You" ziert die Bühnenrückwand.

Halb acht. Etwa 350 Menschen sind da, viele jünger als ich, die weiblichen Fans sind deutlich in der Überzahl. Kreischende Teenies? Fehlanzeige. Wolf Gang, die Londoner Vorband, die The Naked And Famous auf ihrer Tour begleiten, fangen pünktlich an. Eine sehr gute Wahl - laut, rockig, aber auch sehr elektronisch. Genialer Auftritt, klasse Songs, selten so eine gute Vorband gesehen. Das zweite Album ist gerade raus, muss ich mir mal anhören. Der Sänger entschuldigt sich für sein Deutsch, dabei spricht er fast akzentfrei, seine Mutter ist aus Hamburg. Die Band hat eine Menge Spaß. Beim Publikum bin ich mir da nicht so sicher.

Zehn nach acht. Ich trage meine Mailadresse in eine Liste ein, mit der einer der Wolf Gang-Mitglieder durch das Publikum läuft, um die Mailing List zu füllen. Das Konzert hätte ruhig etwas länger sein dürfen, dafür geht der Umbau jetzt auch flott.tnaf_setlist.jpg Jetzt sind die Synthesizer und sonstigen elektronischen Geräte in der Überzahl, das einzige normale Keyboard hängt an gleich zwei Notebooks, die auch noch ein weiteres kleines Mischpult bedienen. Die meiste Lichttechnik steht ebenfalls auf der Bühne. Der Techniker spoilert beim Einstellen der Gitarre "A Wolf in Geek's Clothing" als ersten Song, der Klang ist unverkennbar, wenn man das Album kennt.

Fünf vor halb neun. Es wird wieder dunkel, nur die Lichtmatrizen erzeugen ein merkwürdig flackerndes unruhiges Licht. "The Ends" aus dem Off. Das Bühnenmischpult ist jetzt besetzt. Irgendwo in der Dunkelheit kommt die Band auf die Bühne - plötzlich explodiert die Bühne quasi, grelles Licht, laute, schräge Klänge, "A Wolf in Geek's Clothing". Mir ist nach Headbangen, aber meine Haare sind ab, verdammt. Aber die typischen Rocker fehlen hier sowieso fast vollständig. Nach dem Song ein zaghaftes "Good evening" von Alisa, der Sängerin - dass ihre Stimme gar nicht so laut ist, wie man vielleicht dachte, hat man schon beim Song vorher gemerkt. Hinter mir höre ich ein "Oh wie süüß!".

Es folgt "Punching in a Dream", mein persönlicher Lieblingssong. Ein Aufschrei im Publikum - eine Single, das hat man schonmal gehört! Um Bewegung reinzubringen, bedarf es aber zuerst noch Spank, The Sun, The Source, Bells und Frayed - und eines Zwischenrufes aus dem Publikum "Tanzt doch mal!". Kurze Verwirrung in der Band, ein Dankeschön an "Wolf Gang". Und hey - es folgt "All of this", und jetzt ist das Eis gebrochen, das Publikum tanzt, die Band wirkt nicht mehr nur zwischendurch gut gelaunt, sondern dauerhaft.

Der folgende Song, "No Way", ist wieder einer dieser typischen TNAF-Songs: Er fängt an und man denkt, was, jetzt eine Ballade? Und plötzlich bricht mit einem irren Getöse ein anderer Teil des Songs an. Live kommt das fantastisch rüber: Blaues, kaltes Licht, es ist sehr dunkel und ruhig, die Band ist konzentriert, der Sängerin sieht man an, wie sie total in dem Song versinkt, und plötzlich schlägt der Gitarrist in die Saiten, der Schlagzeuger rastet aus, die Sängering springt wild über die Bühne, der Bassist schleudert seine Haare und die Lichttechnik explodiert in einem wilden Mix aus Stroboskopen und grellen LED-Scheinwerfern. Wäre doch nur ein Rockpublikum da, es würde vor der Bühne genauso aussehen.

Dabei sind die meisten ja inzwischen durchaus gut drauf, auch wenn man ihnen das nicht so ansieht. Nach "Jilted Lovers" gibt es noch einen alten Song, "Da Da Da" - der teilt das Publikum, einige fangen jetzt an wirklich auszurasten, andere sind verwirrt, klar, es ist ein alter Song, er klingt mehr nach Rock als nach Electropop. Ein sehr guter Song um laut auf das Ende zuzugehen; es folgt noch "Girls like You", dann geht die Band von der Bühne, der Keyboarder zuletzt, aus dem Off läuft weiter zuvor gestartetes Instrumentales. Sterbender Applaus im Publikum, vereinzelte Rufe, die beiden Zugaben gibt es trotzdem und wow - als nach "Eyes" dann "Young Blood" gespielt wird, ist das bisher eher unscheinbare Publikum wie ausgewechselt und nicht wenige heben dann doch noch vom Boden ab. Keine Frage, jeder, der hier ist, hat den Song schonmal gehört.

Zwanzig vor zehn. Jetzt könnte es noch zwei Stunden so weiter gehen. Die Band hat inzwischen beschlossen, noch zur anschließenden Disko zu bleiben, auch einige der Zuschauer scheinen mit dem Gedanken zu spielen. Ich höre lieber auf, jetzt, wo es am Schönsten ist. Ein merkwürdiger Abend war das. Würdig, sich das zu merken, aber auch seltsam. Ein fantastisches Konzert, keine Frage, eine geniale Band. Etwas ungewohnt, so viel elektronische Klänge und oft auch elektronische Drums zu hören.

Was das Publikum angeht, bin ich mir bei zwei Dingen ziemlich sicher: Die meisten wussten auch nicht, was sie tun sollen zu solcher Musik, und viele waren nur aufgrund der Singles da und kannten das Album nicht. Das hat mir allerdings die Gelegenheit gegeben, die Band intensiver zu beobachten und ich glaube, da stecken interessante Personen hinter... kreative Köpfe, die eine Mischung aus Pop und Electro geschaffen haben, die tanzbar ist und rockt, obwohl es kein Rock ist. Eine Mischung, mit der sie selbst vollkommen zufrieden und glücklich sind und in der sie voll aufgehen. Ich bin hochgespannt, was sich bei denen in Zukunft entwickelt!

Wheyho. Mein kurzer Zwischenbericht der ersten beiden BoTo-Tage klang ja eher nüchtern - was darauf zurück zu führen ist, dass an den ersten beiden Tagen für meinen Geschmack echt wenig geboten wurde. Klar, es waren Größen wie Livingston, Casper und Jupiter Jones da, aber so als Rocker war Carpark North das einzige Highlight für mich. Die haben auch einen richtig guten Auftritt hingelegt, waren gut drauf, spielten viele eigene Songs und ein cooles Mashup, aber das Publikum ließ sich nicht wirklich begeistern. Dafür war bei Casper umso mehr los - so viel, dass ich vorzeitig gegangen bin, weil es nicht nur nicht meine Musik war, sondern vor allem so voll, dass man durchgehend damit beschäftigt war, aufzupassen, dass man nicht hinfällt.

Aber die Bandauswahl sollte sich am Samstag ändern. Ich startete etwas planlos mit Auletta auf dem Schirm - die hatte ich schon beim Hurricane 2009 und beim Open Flair 2010 verpasst. Nach Youtube-Probehören war meine Motivation aber eher gering und so ließ ich mich überreden, stattdessen zu Die Rakede zu gehen. Praktischerweise wurden die dann verschoben, so dass ich beide sehen konnte - was sehr gut war. Auletta überraschten durch ein gutes Konzert, wo wirklich alle Lieder viel besser rüber kamen als aus der Konserve, und Die Rakede waren so gut, dass ich sie mir bei Gelegenheit wieder ansehen werde - obwohl es (Elektro-)Rap ist. Dafür haben die Jungs aus Köln aber dermaßen viel Stimmung gemacht, dass das Konzert einfach klasse war und wir alle richtig Spaß hatten. Ich glaube ich habe noch nie so viele Leute Crowdsurfen gesehen. Die Headliner haben wir uns dann gespart und stattdessen mit ein paar Leuten rumgehangen, die von Zivilpolizisten berichteten, die wie Rocker rumliefen.

Der Sonntag hat dann nochmal eins draufgelegt. Wieder mal enttäuscht von den ersten Bands - das Programm war wirklich arm an ordentlichem Rock - fuhr ich erst abends los, um mir M Walking On The Water, eine Folkband aus Krefeld, anzusehen. Die waren so als Warmup ganz nett, aber die Aktionen des Publikums waren interessanter als die der Band. Die hochgehaltene Gießkanne ist dieses Jahr der absolute Dauerbrenner und Running Gag. Allerdings traf ich dort eine größere Gruppe TEN SINGer, die mich dann auch dazu brachten, danach zu Itchy Poopzkid zu bleiben. Geplant war Kettcar - aber dort sah man während dem Soundcheck mehr Regenschirme als Menschen, also nix wie zurück zur Pottmob-Bühne, wo wenigstens das Publikum gut drauf war und schon während dem Itchy-Soundcheck riesige Moshpits bildete.

Es war die beste Entscheidung des Festivals. Ein so rockiges Rockkonzert habe ich selten gesehen, es gab keinen Song, bei dem man nicht irgendwie in Bewegung war, irgendwelche Mosh- oder Circlepits gab es immer und besonders am Anfang konnte man sich der pogenden und schubsenden Masse quasi nicht entziehen. Die Band hat es sehr gut verstanden, die Stimmung weiter aufzuheizen, stellte direkt am Anfang klar, dass Regenschirme ja wohl mal gar nicht gehen, und zeigte sich immer wieder begeistert davon wie sehr das Publikum trotz des anhaltenden Regens gefeiert hat. Es war grandios. Ich habe gegen Ende meine Brille abgenommen, die immer wieder beschlagen ist, und sah nur noch verschwommene Körper und Lichtblitze. Am Ende waren wir einfach alle völlig fertig, durchgeschwitzt und glücklich.

Zum Ausklang ging's dann noch zum Offstage-Programm ins Kult, wo Ratatouille, eine Bochumer Ska-Band, auftraten. Das war noch ganz witzig als Ausklang, um wieder runter zu kommen von der Rockschlacht bei Itchy. Allerdings war die Location etwas seltsam für ein Konzert - unter der Bühne kam eine Treppe nach oben, so dass man sehr weit weg stand. Zudem war der Sound sehr schlecht abgemischt. Aber als Ausklang um danach entspannt nach Hause zu fahren war es nett. hahahah

Bochum Total 2011 startete ziemlich lahm und endete fantastisch. Für ein kostenloses Festival in unmittelbarer Nähe ist das klasse. Ein paar blaue Flecke vom Moshen habe ich mitgebracht, aber insgesamt war es sehr friedlich. Wetter- und Konzertqualität haben sich stets ausgeglichen - so war es im Schnitt immer eher ein gutes als ein schlechtes Festival.

Vor einer Woche war wieder Partytime, gegen Jahresende gab's irgendwie ne Menge interessante Konzerte. Diesmal waren's die Sounds, eine Indie-Alternativ-Rockband aus Schweden. Ausverkauftes 500-Leute-Konzert in der Sputnikhalle in Münster.

Ganz unüblich gibt's diesmal keine Erzählungen wie die Fahrt war oder so, da ist nämlich ausnahmsweise mal nichts Interessantes passiert, sogar Parkplätze waren genug vorhanden. Wir waren etwa 20 Minuten nach offizieller Einlasszeit da, mussten aber noch ein paar Minuten warten. Garderobe war vorhanden und wurde von uns auch genutzt (großer Fehler), danach in den eigentlichen Konzertbereich, der sich schon langsam mit Zigarettenrauch füllte.

Leider habe ich vergessen wie die Vorband hieß... sie haben sich vorgestellt als nuschelnuschelirgendwas and the Family, und sowas stand auch auf der Website der Sputnikhalle. Vielleicht finde ich das noch raus, die waren nämlich gut. Sehr basslastig, was sicherlich auch mit an den Boxen lag, die eigentlich mehr Bassboxen als alles andere waren, und ansonsten recht wild und elektronisch. Mir gefällt sowas hahahah

Nach der Vorband schien dann auch noch der DJ gewechselt zu haben, die Musik während der Umbaupause war deutlich besser als die vor der Vorband. Vielleicht hat man aber auch nur zu den Sounds andere passendere Bands spielen wollen (MGMT), gemischt mit weniger passenden, aber aus Schweden kommenden (Lykke Li). Ich hab den großen Fehler gemacht mich rauszuquetschen um was zu Trinken zu holen... nicht ganz einfach, trotz der nur 500 Leute um mich rum und des freien Raums am Mischpult mit Säule (wer baut Säulen in Konzerthallen?!) hinter mir, und die alkoholfreie Getränkeauswahl ("13 Sorten Flaschenbier") war mehr als merkwürdig (Cola [Light], O-Saft, Wasser, aber weder Sprite noch Fanta?!). Naja, wenigstens waren die Preise ok, und bei dem anschließenden Konzert wäre ich ohne Flüssigkeit vermutlich eingegangen.

Die Sounds selbst haben dann richtig reingehauen. Auswahl an konzerttauglichen Liedern haben sie ja genug, auf den drei Alben ist eigentlich kaum was Ruhigeres dabei. Das Publikum war erfreulich partybegeistert, es schob sich immer wieder alles von vorne nach hinten und von hinten nach vorne, man konnte einfach mal richtig feiern. Weniger erfreulich war die Halle, es war zwar für ein ausverkauftes Konzert nicht soo eng, aber von etlichen Positionen aus konnte man wirklich schlecht sehen, der große Flachbildschirm über der kleinen Bühne war auch nicht immer eine Hilfe und die Stufen im Boden eine Gefahr. Naja. Überhaupt schätze ich dass bei diesem Konzert eine Menge Menschen blaue Flecken bekommen haben, mindestens einer ist z.B. beim Crowdsurfen hingefallen. Leider war das fröhliche Geschubse nach etwa 70 Minuten und nur einer Zugabe schon wieder vorbei, zum Abbau gab's "Goodnight Freddy", den Hidden Track vom neuesten Album und danach Musik von den Ting Tings, immerhin hahahah Hinterher habe ich gelesen dass ein Konzert wegen Krankheit abgesagt wurde, vielleicht war unseres deshalb auch schon kürzer.

An der Garderobe (ich sagte ja, großer Fehler) ist dann nach dem Konzert das Chaos ausgebrochen, spätestens, als sie zusammengebrochen ist. Immerhin waren auch dort die Preise sehr human: Jacken und Taschen jeweils 1€, für Frauen als Kombi zusammen 1,50€ und "Instrumente auch 1€ (aber keine Schlagzeuge!!)" =) Naja, die gute Musik im Hintergrund machte das Warten erträglich und so konnten sich wenigstens meine Ohren schonmal halbwegs erholen. Hat allerdings dennoch ungewöhnlich lange gedauert bis das Rauschen vollständig wieder weg war (über 24h). Naja, wayne... der Abend hat sich definitiv gelohnt, zusammen mit Vorband, Musik zwischendurch und anschließendem Essen bei Burger King war's dann auch kein kurzes Vergnügen mehr. hahahah

Es ist wieder Partytime! Moby in Köln und ich dabei. Live Music Hall, gut 2000 Leute, die Ankündigung verspricht eine Menge Spaß. Die Tickets sind günstig, also zugeschlagen. Nachteil: Es ist halt Köln, und von Köln-Ehrenfeld, wo die LMH steht, kommt man mit den öffentlichen nicht mal am Wochenende ordentlich weg, jedenfalls nicht bis Gelsenkirchen. Also ins Auto gesetzt und auf geht's, um die A3 rum, die ist gerade in Köln-Zentrum gesperrt.

Die chaotische Straßenführung und das merkwürdige Verhalten anderer Autofahrer sind ja nach Düsseldorf schon gar nicht mehr erwähnenswert, und nachdem mir letztens sogar in Gelsenkirchen eine begegnet ist, die beim Wendemanöver mitten auf der Straße quer angehalten hat um sich zu schminken, schockt mich nix mehr. Das Navi lotst mich auch bis zur Halle - dummerweise ist die Parkplatzsituation dort nicht besser als in jeder Innenstadt. Im Gegensatz zu Düsseldorf wird hier sogar im Parkverbot geparkt. Die Straße wo die Live Music Hall ist ist viel zu klein für so eine Location. Im Umkreis von einem Kilometer verliere ich Zeit und Nerven, bis ich ein Parkhaus finde. Der Fußweg mit dem Navi ohne Navi, da das Navi immer meint, ich solle in 140 Metern wenden, dauert gefühlte zwei Stunden und ich bin ohne MP3-Player unterwegs. Zurück am Parkhaus und total verzweifelt retten mich zwei Leute mit einem vagen "müsste da runter sein und dann links oder rechts", aus der Navi-Strecke erkenne ich die richtige Seitenstraße, den Plus-Markt hab ich auch schonmal gesehen. Yeah, die Halle gefunden, es stehen immer noch Leute draußen, schon als ich mit dem Auto 20 Minuten nach Beginn ankam waren noch welche draußen.

Die Live Music Hall ist interessant aufgebaut, eigentlich ist es gar nicht eine Halle, sondern ein Geläde mit mehreren Gebäuden. Garderobe, Toiletten, Einlass mit Kasse und Halle sind separat. Getränkestände gibt es drinnen und draußen. Am Eingang ein Schild: "Achtung: Wir weisen Sie darauf hin dass bei dieser Veranstaltung Stroboskoplicht verwendet wird!". Ich stürze mich mit umgebundener Jacke hinein, will keine Sekunde verpassen. Das Konzert hat noch gar nicht angefangen, offensichtlich gab es Verzögerungen, eine Vorband oder beides. Es ist brechend voll, ich will mich weiter nach vorne quetschen, muss aber warten bis einige große breitschultrige Menschen das tun um mich denen anzuschließen. Weit schaffen die es aber auch nicht, aber immerhin sind wir nicht mehr hinten, wo es von draußen zieht.

Sekunden nachdem ich in der Halle bin eröffnet Moby das Konzert mit Shot in the back of the head. Die Menge tobt, ein ruhiges Lied, was sich aber als Opener prima eignet, zumal es instrumental ist. Wenige Lieder später Bodyrock, DAS Konzertlied überhaupt (Hurricane: "I love to see people jumping up and down. This is a good song to make 50,000 people jump up and down."), ich stecke in der Menge fest, bin frustriert, quetsche mich hinter die breiten Menschen die sich kurz danach durch die Menge schieben und offensichtlich auch keinen Bock hatten so weit hinten zu bleiben. Wir enden etwa in der Mitte, rechts zwischen Bierstand und Mischpult - dahinter wäre doof, dort steht ein Pfeiler, sehr unpraktisch für eine Konzerthalle.

Der Hauptteil des Konzertes ist geprägt von ruhigen Liedern von Mobys neuem Album, gespickt mit Krachern zum Feiern, die Stimmung ist an sich fantastisch, nervig sind nur die vielen Leute, die immer wieder nach draußen strömen - und leider wieder zurück, sonst würde es wenigstens etwas mehr Platz geben. Der typische Konzertbesucher ist Anfang 30, kann noch gut feiern und springen, säuft aber auch mal zu viel und schubst beim Durchdrängeln, knutscht dafür aber nicht dauernd rum. (Yes! Kein knutschendes Päärchen im Blickfeld!) Einer hat sich mit dem Bier vertan und torkelt durch die Menge, wird rumgeschubst und stürzt fast, irgendwie hat er es dann nach draußen geschafft, verfolgt von bösen Blicken. Ein Teil des Publikums geht zu jedem Lied übelst ab, ein anderer eigentlich nie wirklich. Spätestens am Ende, als die letzten drei Lieder den Abschluss des normalen Teils bildeten, ging aber jeder ab. Es gab Raining Again, We Are All Made Of Stars und Lift Me Up ohne Unterbrechung am Stück. Der Zugabe-Geschrei-Lärm war so laut, dass es vielleicht eine halbe Minute dauerte, bis alle wieder rauskamen...

Einiges war an diesem Konzert interessant. Moby hat den großen Vorteil auf unheimlich viele Lieder zurückgreifen zu können. So hat er quasi sein ganzes Best Of - Album gespielt und dennoch mehrere Lieder von seinem neuesten und von älteren Alben. Selbst tritt er dennoch eher bescheiden auf ("Because Liz* never plays a solo, Kelli will now sing for you and Liz will play a solo and I'll stand here a bit and watch"). Er hat auch wenige Hauptstimmen, Kelli Scarr, die mit ihm tourt und vielleicht auch den Vorband-Auftritt hatte, singt viele seiner neuen Lieder und Joy, die schon beim Hurricane dabei war, hat die beeindruckende Gospel-Stimme, passend für Why Does My Heart oder Natural Blues. Die Besetzung, mit der Moby tourt, wechselt wohl überhaupt öfter mal - gerade die Sängerinnen sind auf älteren Aufnahmen nicht immer gleich.

Da ich Moby schon beim Hurricane gesehen hatte, kannte ich natürlich vieles, einige Anmoderationen waren gleich, viele Songs wurden "dedicated", Porcelain an das Publikum, Feeling So Real an DJ Westbam und alle Raver. Das war übrigens die letzte Zugabe, danach lief wahrscheinlich jedem der Schweiß überall runter, mir schon nach dem Party-Dreierpack vorher... Spaß pur. Vor Feeling So Real gab's noch eine normale Zugabe und dann die ultimative Zuschauerfrage: "You can have one more song or two more songs!" - unnötige Frage - "But I have to warn you. One of them can be 20 minutes long sometimes!" - mehr Geschrei - "So if for some reason you took acid tonight, be sure to have a friend with you!" - es folgt eine etwa 15minütige Version von Honey mit diversen Instrumentalsolos und einer Showeinlage, bei der Moby Gitarrenakkorde spielt und Joy das nachsingen lässt (vielleicht unvorbereitet, sie wirkte verwirrt, und da Moby manchmal wirklich spontan was neues einbaut, wer weiß), im Endeffekt baut er das Riff von Smoke On The Water daraus und es folgt wieder Honey :D

Nach diesem unglaublichen Konzert voller genialer Lieder war der Energiebedarf groß. Zum Glück habe ich das Parkhaus problemlos wiedergefunden, aber danach ging's los. Das nächstgelegene Burger King-Drive In hatte keine gescheite Zufahrt. Die Straßenführung war sehr widersprüchlich. Nach dem verzweifelten Versuch einen Parkplatz zu bekommen habe ich ein anderes angesteuert (Navis sind schon toll). Dort gibt's aber kein Drive In und keinen Parkplatz, wieder ist alles voll (inzwischen bin ich 5km weit weg!). Das Subway ist zwar "frisch eröffnet", aber für Autofahrer genauso wenig zu erreichen wie die BK-Filialen. Ich will nach hause flüchten und begegne folgender Kreuzung.

Eine von zwei Spuren nach links abbiegen blockiert - Verkehrschaos

Ich wollte links abbiegen, die Ampelphasen waren eh schon irre kurz, aber es staute sich trotzdem noch zurück. Auch die Straße auf die ich abbiegen wollte war brechend voll, irre viel Verkehr, die A3 war ja gesperrt und entsprechend die Innenstadt voll. Drei Ampelphasen und fünf Autos vor mir später bin ich links um die Kurve und hab gesehen dass eine von zwei Spuren versperrt war - daher der Rückstau. Und was ist das auf meiner Zeichnung rote Ding was da mitten auf der Kreuzung steht und alles blockiert? Ein LEERER, PARKENDER Polizeibully mit Warnblinkanlage!! Von wegen nichts toppt die Frau mit dem Schminktipp. Völlig entnervt bin ich dann zur Autobahn, eine Raststätte hat mich gerettet, auch dort gab's Burger King, bei der Bedienung hab ich mich erstmal ausgeheult ;) und dann ab nach hause. Müde, aber glücklich!

Setlist (wahrscheinlich unvollständig, unsortiert): Shot in the back of the head, Bodyrock, Disco Lies, Go, Porcelain, Natural Blues, Feeling so real, Raining Again Live Remix, Extreme Ways, One time we lived, Why does my heart, Lift me up, We are all made of stars, In my Heart, Honey Long Version, Pale Horses, Mistake (?), Wait for me, A seated Night, Cover (Lou Reed): Take a Walk on the wild Side

Lieder zum Stimmung nachfühlen (Youtube-Links, im Zweifel nach "Moby live" suchen):

Go

Porcelain

A Seated Night & Extreme Ways

Raining again - rechts am Bass müsste Kelli Scarr sein

Feeling so real, letzte Zugabe (okay, die Kompression ist übel, aber egal)


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