Ahem, nur ein kleines bisschen verspätet, hier mein Bericht wie's bei der CeBIT war, heute in sechs Akten.

  1. Irgendwie hatte ich zwar nicht vergessen, dass ich hinfahre, aber vergessen zu überlegen was ich denn da eigentlich will. So begann die Planung dann erst Donnerstag Abend, als ich schnell mal geguckt habe wo man vielleicht hingehen möchte und rumgefragt habe was sich lohnt. Glücklicherweise hatte ich von der deutschen Messe ein Ticket spendiert bekommen, die haben's nämlich verbockt mir meinen Bloggerausweis zu senden, was auch einer der Gründe war weshalb ich nicht mehrere Tage da war. Beinahe wäre noch in letzer Minute alles gescheitert, weil ich kein NRW-Ticket hatte - hab dann aber doch noch herausgefunden, wie man sich das ausdruckt. Hannover ist ja nicht so nah und so wollte ich mein von der Uni gestelltes NRW-Ticket bis Minden nutzen, von da ein normales Ticket bis $KleineStadtDieIchSchonWiederVergessenHabe und dann mit dem CeBIT-Ticket bis zur Messe.

  2. Das hat dann sogar auch geklappt, da auf der Hinfahrt der Zug nach Hannover direkt am selben Gleis gegenüber bereit stand. Hab also vielleicht 10 Sekunden Mindener Luft geschnuppert. Dafür hatte ich vorher im Zug eine Mutter, die es zwar ganz gut geschafft hat, ihr Kind ruhig zu halten, aber selbst nicht so sehr erträglich war ("Willst du im Buggy? WILLST du im Buggy?"). Anreise also etwas nervig, aber problemlos. Hannover Hauptbahnhof war dafür diesmal weniger nervig, da nun nicht mehr alle, sondern nur noch ein paar Ansagen auf englisch wiederholt werden. Das gilt allerdings nicht für die S-Bahn zur Messe (die angenehm leer war), dort gab es immer noch "Next Stop: Hannover Bismarckstraße" mit allen Hinweisen und Umsteigemöglichkeiten zu "local trains" auf englisch - bis auf den Hinweis, auf die Stufe zwischen Zug und Bahnsteig zu achten, den gab's nur auf deutsch. Vielleicht hat London da ein Patent drauf. Übrigens hat sich in Hannover am Bahnhof mal wieder ausgezahlt, dass mein Englisch doch ganz passabel ist, haben doch zwei Reisende aus Istanbul versucht herauszufinden wie sie denn zum Flughafen Frankfurt kommen - ihr Flug von Hannover war abgesagt worden, man drückte ihnen ein Zugticket in die Hand damit sie den ICE nehmen. Praktischerweise gab es eine Direktverbindung. Die beiden kamen auch von der CeBIT...

  3. An der Messe angekommen, viel später als geplant, da es mir morgens noch ziemlich mies ging, ging es dann direkt zum Stand von GetDigital, die zur Mittagszeit Gratis-T-Shirts "I'm blogging this" an Blogger verschenkt haben. Sehr coole Aktion, zumal die T-Shirts echt hochwertig sind! Dort habe ich dann auch Ulli und ihren Freund getroffen, denen ich mich dann einfach mal angeschlossen habe. hahahah

    Direkt hier am Anfang wurde schon klar, dass sich die CeBIT dieses Jahr definitiv nicht mehr an Endkunden richtet, ein unheimlich großer Teil der Stände war rein zu Präsenzzwecken und entsprechend öde für alle, die nicht auf Geschäftsbeziehungen aus sind. Außerdem sind viele Stände kleiner als im letzten Jahr; eine Ausnahme davon bietet z.B. der Billigversand Pearl, die auch dieses Jahr wieder mit Schrott-für-Null-Euro-Gutscheinen um sich geworfen haben. Der ganze Mobilfunkkram war laut Ulli wohl recht interessant, ich hab damit ja wenig am Hut... war froh, dass mein neues gebrauchtes Handy rechtzeitig zwei Tage vorher gekommen war, so dass ich nicht ohne Handy zur Messe musste.

    Wir sind dann wenig später weiter zur WebCiety-Halle gewuselt, die zwar ganz nett anzusehen war, aber ansonsten recht unspannend. Am Telekom-Stand wollte man uns nichtmal Kaffee geben. Das Wasserspiel war allerdings ganz nett anzusehen und irgendwo dort habe ich auch den Stand von W3L gefunden, der E-Learning-Plattform für Informatik-orientierte Studiengänge, die mein zuständiger Informatik-Professor entwickelt hat. Eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, warum eigentlich unsere Studienbeiträge dafür verschleudert werden, die Onlineplattform in Buchform auszudrucken, konnte man mir dort aber auch nicht geben.

    Später am Mittag sind meine beiden Begleiter dann wieder nach hause gefahren, ihr Rückweg war nicht kürzer als meiner. Ich war dann erstmal alleine unterwegs.

  4. Mich hat's dann direkt zu Halle 9 gezogen, wo immer der Future Park untergebracht ist, was meist recht interessant ist. Außerdem sind dort Stände von den Bundesländern und den Bundesministerien sowie die der Fraunhofer Institute zu finden. Ich hab das mal genutzt um mich endlich über den im November kommenden elektronischen Personalausweis zu informieren. Im Wesentlichen geht es dabei darum, den Perso als Authentifizierungsmaßnahme im Internet nutzen zu können (über einen Kartenleser). Klingt eigentlich recht gut, zumal es durchdacht wirkt, und sowohl bei den entwickelnden Fraunhofer Instituten als auch beim BmI und bei der Bundesdruckerei war man recht auskunftsfreudig, nur zu den anfallenden Kosten konnte keiner konkrete Angaben machen. Man schätzt auf 20-40€ für den Ausweis und 15€ für das Lesegerät. Wenn das klappt, könnten sich tatsächlich interessante Anwendungen ergeben - ich denke da an Käufe von Ab-18-Ware bei Amazon ohne (obendrein kostenpflichtige) Altersprüfung durch den Postboten. Interessant zu hören außerdem, dass nicht nur die Bürger nicht begeistert sind von den biometrischen Fotos - Zollbeamte z.B., für die diese Maßnahme überwiegend gedacht war, ziehen daraus keinen Nutzen, weil sie eher ein Profilfoto als eine Frontalansicht bräuchten. Die Bundesdruckerei arbeitet daher an 3D-Fotos, die per Funk von einem Lesegerät auf den Reisepass übertragen werden und dort auf einem OLED-Display angezeigt werden sollen - die Technik soll in einigen Jahren marktreif werden.

  5. Dieweil ich da so in Halle 9 war, hat sich Florian erinnert, dass wir uns ja eigentlich treffen wollten. Den hatten wir bei unserem Mini-Bloggertreffen vorher vergessen... wir sind dann noch durch einige andere Hallen gewandert, haben ein bisschen Nerdzeug angeschaut und Fotos von blinkenden Dingen gemacht. Besonders spannend war's insgesamt nicht, die Messe ist tatsächlich sehr viel mehr an Business-Besucher gerichtet als in den letzten Jahren. Florian hat zwischendurch immer wieder Videoschnipsel aufgenommen, die hinterher ein kurzes CeBIT-Video ergeben sollen - das dürfte dann demnächst auch mal fertig werden. Wir waren uns aber einig, dass man, um die Messe zu repräsentieren, eigentlich zu einer Minute spaßiger leuchtender Dinge oder halbnackter Frauen ("beim Ed Hardy-Stand, den erkennste an der asigen Musik") noch vier Minuten gelangweilte Menschen in Anzügen aufnehmen müsste...

    Die einzigen, die wirklich für Spaß sorgten, waren typische Gamerstände wie Asus oder Intel. Bei Intel konnte man wie immer an modernen Rechnern probezocken, Asus hat an eine schreiende Meute T-Shirts per in-die-Masse-werfen verschenkt und irgendwo anders gab's Grafikkarten per Verlosung. Das erinnert an Aktionen wie das Gehäuse-Wettrennen - zwei Zweierteams gegeneinander, einer sitzt auf nem Gehäusekarton, der andere schiebt, wer zuerst bzw. schneller die Strecke durchlaufen hat, darf das Gehäuse mitnehmen...

    Für mich war die Messe beim 3GStore-Stand zuende, wo wir noch Katti getroffen haben und kalte Getränke spendiert bekamen. Ich hab mich dann auf den Weg nach hause gemacht, die Messe war ohnehin kurz vor Schluss und mir taten die Füße weh. Und irgendwann will man ja auch nochmal zuhause ankommen.

  6. Der Rückweg war irgendwie einfach nur noch nervig, ein paar alkoholisierte Typen haben den Zug aufgehalten, bis der Fahrer die Türen einfach geschlossen hat, so dass einer draußen und ein paar noch drinnen waren. Tja, schade. Gab natürlich großes Gefluche usw usw. In Minden ging dann diesmal das Gerenne los, durch Schneeregen und auf glattem Boden, hurra. Zum Glück kann man der rennenden Masse folgen, da Minden DER Umsteigebahnhof von Norden nach Westen ist. Hat dann auch geklappt und ab da war's unspektakulär, ich war froh als ich im Regen zuhause angekommen bin. Gelsenkirchen ist da, wo sie sowas ähnliches wie deutsch sprechen.

Das spannendste am Reisen ist doch irgendwie immer das Reisen selbst. Die CeBIT ist (wieder?) eine Businessmesse und entsprechend öde. Geld ausgeben würde ich dafür nicht, ist aber auch gar nicht nötig, da man überall Gratistickets bekommt. Aber wegen der langen Fahrt werde ich im nächsten Jahr trotzdem dreimal überlegen ob ich hinfahre... immerhin habe ich so Ulli endlich mal im Real Life getroffen und auch Florian mal wieder gesehen. Ohne nette Menschen wär doch alles halb so interessant. Die Typen aus Istanbul waren cool und auch auf der Messe konnte man sich mit einigen Leuten gut unterhalten, mit anderen dafür weniger. Insgesamt war's ganz nett, aber nächstes Jahr zum vierten Mal hin? Werd ich mir stark überlegen.