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Umwege verbessern die Ortskenntnis

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Manchmal sind Ereignisse auf so eine seltsame Art zusammenhängend, wie es sich kaum jemand ausdenken könnte. In loser Folge veröffentliche ich hier Erlebnisse und Zusammenhänge, die mir aufgefallen sind.

Bei meiner letzten Brighton-Reise fielen mir etliche Gruppen Teenager auf, die jeweils mit einigen Personen in pinken Shirts mit der Aufschrift "EF Education First" herumliefen. Am Bahnhof angesprochen stellte sich eine dieser pink gekleideten Personen als Mitarbeiterin einer Sprachschule vor. Etwas später polierte ich mein Profil bei LinkedIn, dort wurde mir auch angeboten, an einem kostenlosen Sprachtest teilzunehmen, um meine Englischkenntnisse zu untermauern. Am Ende des Tests, der mir Englischkenntnisse auf C2-Niveau bescheinigt, stellte ich fest, dass der Betreiber dieser Tests eben jene Organisation, EF, ist...

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Heutzutage kennt jeder die Preiszusammensetzung beim Konzertticketkauf - die Preise setzen sich aus dem eigentlichen Preis und diversen Servicegebühren zusammen. Dass diese Gebühren explizit ausgewiesen werden, ist wohl der Band Pearl Jam zu verdanken, die in den 90ern den Ticketgroßkonzern Ticketmaster wegen zu hoher Gebühren verklagten. Das weiß ich bloß, weil ich den Wikipedia-Artikel zu Pearl Jam las, um etwas mehr über diese beeindruckende Band zu erfahren. Und begegnet ist mir die Band schon vor mehreren Jahren, weil mein damaliger Probenraumpartner B. die ständig hörte und davon schwärmte. Ich missachtete sie ewig, bin nun aber durch M. wieder darauf aufmerksam geworden und diesmal begeistert.

Manchmal fallen die Dinge so zusammen, wie es sich keiner ausdenken kann. So wie neulich, als ich vom Kirchentag zurückfahren wollte, meinen Bus verpasste und dafür in einer Mitfahrgelegenheit landete, deren Fahrer meinen letzten Auftritt gesehen hatte und mit einer weiteren Mitfahrerin, deren letzten Auftritt ich gesehen hatte. So auch heute wieder.

Nachdem ich mehrere Semester lang meine Fahrradschrauberkenntnisse in der Uni-Selbsthilfewerkstatt verbessert hatte, begann ich vor einigen Wochen, ein neues Fahrrad selbst zu bauen. Dafür war ich auch heute wieder in der Werkstatt, wo uns ein ehemaliger Mitarbeiter besuchte, der einem "Kunden" mit Fachwissen aushalf. Es stellte sich heraus, dass er inzwischen bei einer lokalen Fahrradwerkstatt arbeitet, bei der ich mich kürzlich beworben hatte. Auf meine Bewerbung bekam ich keine Antwort - aber anscheinend ist die Tätigkeit dort sowieso wesentlich weniger interessant, als ich es mir vorgestellt hatte. Und, umso besser, inzwischen hat sich ohnehin ergeben, dass ich lieber eine Stelle an der Uni annehmen möchte, von der ich zum Zeitpunkt meiner Bewerbung bei besagter Werkstatt noch nichts wusste. So fügt sich eins zum anderen...

Zu dem Fahrrad-Selbstbau-Projekt wird es hier sicher auch noch den ein oder anderen Artikel geben. Vorerst ein paar Bilder. Die Foto-Seitenleiste hat nun auch eine Galerie-Funktion, also einfach anklicken. hahahah

Einpresswerkzeug.JPGGrünes Fahrrad halbfertig.JPGGrünes Fahrrad Einzelteile.JPG

Manche Geschichten sind so verrückt, dass sie nur wahr sein können. So wie kürzlich nach der Probe, als wir an der Bushaltestelle standen und folgende Szene beobachteten:

Zwei Männer machen sich an einem Parkschild (Reservierung für ein bestimmtes Kennzeichen) zu schaffen. Einer der beiden macht anschließend ein Foto und geht in ein Haus. Der andere steigt in sein Auto und rast davon. Hinter dem Auto bleiben zwei Taschen zurück, die wohl einem der beiden gehörten.

Wir haben die Taschen dann mitgenommen, als der Bus kam, und anhand des Inhalts schnell Name und Adresse des Besitzers ausgemacht (und uns großartig amüsiert über die verrückte Szene). Er wohnte bei mir in der Nähe, also nahm ich die Taschen mit. A. erfragte inzwischen über Facebook die Handynummer.

Als ich den Besitzer kurz darauf anrief, stellte sich die Situation ganz anders dar:

Die beiden Männer gehörten zu einer Einweihungsparty. Dem neuen Bewohner wurde symbolisch ein Parkplatz geschenkt, daher Schild und Foto. Der eine ging dann zurück zur Feier, der andere wollte noch schnell sein Auto umparken und vergaß vor lauter Spaß an der Aktion mit dem Schild seine Taschen.

Nun kann man spekulieren, ob er die Taschen schneller wieder bekommen hätte, wenn wir sie stehen gelassen hätten, oder viel später, oder gar nicht, auf jeden Fall hatten wir so alle drei ein sehr lustiges Erlebnis. :D Der Besitzer der Taschen kam nach dem Anruf direkt vorbei und holte sie wieder ab. Wir tauschten noch unsere beiden Perspektiven aus, amüsierten uns großartig und er überließ uns die beiden 20€-Gutscheine, die in seinem Portemonnaie in der Tasche waren. Frohe Weihnachten!

Vermutlich eine der häufigsten Geschichten, die ich erzähle, wenn ich neue Leute kennen lerne, ist die von meinen diversen Umzügen und Wohnorten. Meine aktuelle Wohnung in Chemnitz ist meine sechste und damit die dritte, in der ich alleine wohne. Allerdings habe ich sowohl mit meinen Eltern als auch alleine bisher immer im Ruhrgebiet gewohnt; lange in Gelsenkirchen, dann zwei Jahre in Herne und dann noch ein Jahr in Dortmund.

Vielleicht kommt es daher, dass mich die Wohn- und Lebensumstände in verschiedenen Regionen Deutschlands so interessieren. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich schon seit vielen Jahren Kontakte nach Norddeutschland und Hessen habe, wo ganz andere Städtestrukturen vorhanden sind als im Ruhrgebiet - so wie fast überall, denn das Ruhrgebiet ist in seiner Städtedichte einzigartig in Europa. Daher ist es auch nicht allzu verwunderlich, wenn ich gefragt werde, ob das denn bei Köln sei, wo ich herkomme, das sei ja alles direkt beieinander im Ruhrgebiet.1

In Dortmund war das Leben sehr einfach. Ich wohnte fast am Hauptbahnhof und konnte wirklich alles zu Fuß erreichen - große Supermärkte, Ärzte, alles andere wo man etwas kaufen kann (einschließlich Rotlichtbezirk), Clubs, Konzerthallen und den Bahnhof natürlich. So ist es natürlich nicht in jedem Teil des Ruhrgebiets, denn nicht jede Stadt ist gleich groß. Aber durch die starke Ballung hat man doch immer eine vergleichsweise große Auswahl, egal worum es geht. In Chemnitz schließen die Geschäfte spätestens um 22 Uhr, die Kneipen auch am Wochenende um 1 Uhr und als ich mal ein paar Holzplattenzuschnitte für meine Küche brauchte, war ich drei Stunden unterwegs.

Auch Fortbewegung ist im Ruhrgebiet - objektiv betrachtet - recht einfach. Natürlich sind die S-Bahnen unzuverlässig und langsam, Busse fahren zu selten und kommen zu oft zu spät und die Vernetzung der Städte ist wirklich erbärmlich, wenn man das Potenzial bedenkt, das in diesem Ballungsraum steckt. Aber im Vergleich mit fast allen anderen Regionen ist es eben immer noch gut, vier Mal die Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Gelsenkirchen nach Dortmund fahren zu können. In Chemnitz kommt man einmal die Stunde nach Leipzig und zweimal die Stunde nach Dresden, aber nur von 5 Uhr bis Mitternacht, auch am Wochenende, und abends nicht durchgehend stündlich - ganz zu schweigen davon, dass es außer Leipzig und Dresden nichts gibt, wo man hier überhaupt hinfahren will. Dafür kann man hier gut Fahrrad fahren, wenn man mit den Bergen zurecht kommt.

Das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kriegt im Ruhrgebiet allerdings schnell einen Knick, wenn wie letztes Jahr Bergschäden einen halben Bahnhof lahm legen. Die Spätfolgen des Kohlebergbaus sind immer noch spürbar - die Arbeitslosigkeit ist unfassbar hoch, Häuser haben Risse, Straßen sind schief. Natürlich nicht überall, aber eben auch nicht selten. Der desolate architektonische Zustand der Städte verbindet Ruhrgebiet und DDR vielleicht am Offensichtlichsten - aus unterschiedlichen Gründen, aber mit ähnlichen Folgen: Die Städte werden oft verschmäht. Dabei wird in Ost und West viel getan, um die Attraktivität wieder herzustellen; Zechen werden zu Kulturzentren, verfallene Kaufhäuser zu Museen.

Während das und besonders meine Heimatstadt Gelsenkirchen mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben, sind es in Chemnitz die Rentner, die überproportional in der Bevölkerung vertreten sind. Es ist schlicht unmöglich, einen Termin beim Hautarzt zu bekommen. Dafür ist es hier aber auch wesentlich ruhiger. Es gibt eigentlich keine Gegend in Chemnitz, die man absolut meiden sollte, nachts kann man blind über die Straße laufen. Ich habe noch keinen einzigen Junkie und quasi keine Obdachlosen gesehen, während mir in Dortmund beinahe täglich Drogen angeboten wurden.

Die Vergleiche lassen sich noch eine Weile fortführen. Der Schluss meiner Geschichte ist oft, dass ich gerne hier wohne und mir im Gegensatz zu den meisten anderen auch vorstellen kann, hier zu bleiben. Das ist kein Plan, aber es ist eben auch nicht mein Plan, nach dem Studium zurück zu gehen. Ich habe gerne im Ruhrgebiet gelebt, aber ich bin nicht scharf darauf, dorthin zurück zu gehen. Jede Gegend in Deutschland hat Vorzüge und Nachteile. Vielleicht bin ich in fünf Jahren die Nazis leid und ziehe ins linke Bochum. Oder es verschlägt mich in eine Region, in der ich noch nie war. Oder ich bleibe eben hier, wer weiß das schon.

  1. Köln liegt im Rheinland, ebenso wie Düsseldorf, und damit südlich vom Ruhrgebiet. Nicht zu verwechseln mit dem Niederrhein, der sich teilweise mit dem Ruhrgebiet überschneidet.

Die englische Bezeichnung für Gabelstapler ist fork lift, aber der Mittdreißiger-Australier ohne Führerschein, der eigentlich auch ziemlich gut deutsch spricht, sagt immer nur Stapler. Er ist einer der Kollegen, die ich zu schätzen gelernt habe in dem halben Jahr, das ich als Stagehand, also ungelernter Helfer bei Bühnenarbeiten, gearbeitet habe. Zu diesen Kollegen gehört auch der Choleriker, der eigentlich echt umgänglich ist, außer wenn sich Kollegen dumm anstellen oder faul sind oder unsere Vorarbeiter mal wieder Arschlöcher sind.

Die Vorarbeiter der britischen Firma waren immer sehr nett. Kein Angeschnauztwerden wenn man nix zu tun hatte und daher dumm rumstand, ein Danke für jede Kleinigkeit genauso wie für die Gesamtarbeit des Tages. Cirque du Soleil war so eine angenehme Nummer - 44 Trucks, aber über 100 Helfer, sodass man es sich locker erlauben konnte, nach dem Aufbauen des Physio-Raums für die Artisten noch eine Massage zu genießen. Ähnlich entspannt stelle ich es mir vor, für Bands wie AC/DC zu arbeiten - die noch einen Truck mehr dabei haben auf ihrer Tour, den sie aber nie aufmachen, weil nur Ersatzteile drin sind.

Überhaupt sind so große Produktionen vor allem deshalb so spannend, weil man schon beim Ausladen staunen kann, wenn einer dieser großen LKW einfach mal nur Kisten mit Schuhen enthält und ein anderer nur Kisten mit eingebauter Garderobe mit Kostümen. Von so Dingen wie Särgen ganz zu schweigen - die Michael Jackson Immortal-Tour war wirklich sehenswert.

Während das Ausladen sehr davon abhängt, ob die Location genug Laderampen bietet oder ob wir ständig auf den Wechsel der Trucks warten müssen, läuft beim Aufbau in der Halle meistens alles streng durchorganisiert. So wird üblicherweise auf einer Seite der Halle eine rollbare Bühne aufgebaut, während auf der anderen Seite Traversen mit Ton- und Lichttechnik beladen werden. Motoren fahren die Traversen dann nach oben und die Bühne wird darunter geschoben. Dafür kann man bei so lächerlich überzogenen dreistöckigen Bühnenaufbauten wie bei Chris Brown schonmal 80 Leute brauchen.

Wenn man dann nicht mit entspannten Briten, sondern mit zugekoksten Belgiern zusammenarbeitet, kann das auch lebensgefährlich werden. Dabei ist es mal passiert, dass ein Wagen mit Stahlteilen oben auf der Rollbühne nicht gesichert wurde und filmmäßig ganz langsam, mit knarzenden Geräuschen und unter vielen erschrockenen Blicken, von der Bühne kippte und den darunter stehenden Kollegen veranlasste, schnell zur Seite zu springen, um nicht erschlagen zu werden. Sekunden später waren die massiven Stahlteile nur noch Schrott und die Scheiben nur noch Splitter.

Die großen Unterschiede zwischen den Aufträgen und die Abhängigkeit von der Firma, der man zuarbeitet, waren dann auch die Gründe für meine Kündigung. Ein weiteres Negativbeispiel war die Produktion, bei der die Trucks lausiger beladen waren als mein Umzugswagen - billige Pappkisten, Instrumente in Folie eingewickelt, alles lose in den Laderaum geworfen (oder während der Fahrt kräftig durchgerüttelt worden). Der Aufbau unheimlich schlecht organisiert, ewig lange Schichten, stundenlange Verspätungen der Vorarbeiter... da hat man schon am ersten Tag keine Lust mehr.

Für positive Erinnerungen sorgen hingegen die Überbleibsel, die sich noch in meinem Besitz befinden. Der geschnorrte Drumstick von Silbermond zum Beispiel. Während des Aufbaus wurden wir mit belegten Brötchen, Obst und Getränken versorgt und abends durften wir uns vor dem Abbau das Konzert ansehen. Als der Vorhang während dem ersten Song fiel, wussten wir, dass sich das Gefummel am Mittag gelohnt hatte.

Oder die vielen T-Shirts. Deichkind zum Beispiel sind absolut nicht mein Ding als Gast, aber der Job war extrem entspannt und ich hatte Gelegenheit, mit deren Kart über die Bühne und die Laderampe des LKW rauf zu fahren. Bei Lionel Richie standen wir während der Zugaben neben der Bühne und beobachteten, wie er Gangnam Style zu Richie Style umbastelte und jede Menge Mitt- und Endvierziger von ihren Stühlen aufsprangen und mithopsten. Und auch die AIDA Night of the Proms war nicht der schlechteste Job - viel harte Arbeit, aber entsprechend viel Geld am Ende des Tages. Erfahrungen, auf die ich nicht verzichten möchte - Wiederholungsbedarf besteht aber auch nicht unbedingt.

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