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Dachbodenfotos - 0010.jpgKürzlich hat jemand zu mir gesagt, mit Anfang 20 erlebt man nochmal eine Teenager-Phase. Man überdenkt seine Interessen, das soziale Umfeld ändert sich möglicherweise dramatisch, ganz viele neue Herausforderung stehen gleichzeitig an.1 Ich kann das so unterschreiben. Mit 20 bin ich von Zuhause ausgezogen und habe kurz darauf mein erstes Studium geschmissen. Stattdessen schloss ich mich TEN SING an, was mich nachhaltig geprägt hat, und sicherlich hat auch der dadurch bedingte ständige Umgang mit tatsächlichen Teenagern dazu geführt, immer ein bisschen in Umbruchstimmung zu bleiben.

Viele meiner Freunde, die ich hier in Chemnitz an der Uni kennen gelernt habe, scheinen sich nicht so recht darauf einlassen zu wollen. Der Plan, nach dem Studium zurück in die Heimat zu gehen, ist für sie in Stein gemeißelt, bei einigen scheint gar kein Interesse zu bestehen, nachhaltige Freundschaften aufzubauen. Es ist irgendwie alles ganz nett, aber diesmal im Sinne des verbreiteten Spruchs "Nett ist der kleine Bruder von Scheiße". Dabei steckt in der Zeit nach dem Abi soviel Potenzial! Für manch einen verändert ein Auslandsaufenthalt das Leben entscheidend, manche finden ihre Persönlichkeit in einer Freiwilligentätigkeit und manchmal wandelt sich das Leben eben wie bei mir während des Studiums.

Chemnitz ist die erste Stadt seit meiner Heimat Gelsenkirchen, in der ich mich richtig wohl fühle und wirklich eingelebt habe. Eine Wohnung, Supermärkte, Ärzte finden, Alltag leben, das bekomme ich überall in kurzer Zeit hin, ob nun Chemnitz, Berlin oder Tel Aviv. Aber in Chemnitz habe ich ein soziales Netz aufgebaut, Kontakte geknüpft, auch außerhalb der Stadt in Sachsen, ich verbringe meine Freizeit am liebsten hier, gehe hier meinen Hobbys nach statt dorthin zurück zu kehren wo ich früher war.2

Wer offen dafür ist, sich ein neues Leben aufzubauen, wird bald von Möglichkeiten erschlagen werden. Ich studiere neuerdings zwei Fächer gleichzeitig, weil es mir Spaß macht. Ich versuche, drei Jobs unter einen Hut zu bringen, weil ich gerne arbeite und das Gefühl bekomme, etwas zu bewirken. Man hat mir nahegelegt, mich für den Fachschaftsrat aufstellen zu lassen, und ich überlege, das zu tun, weil ich mich gerne für meinen Studiengang einsetzen möchte. Der Uni-Radiosender braucht neue Musikredakteure, auch das ist sicher eine spannende Sache. Sogar sportlich werde ich hier auf neue Ideen gebracht.

Wald - 0001.jpgDie Gewissheit, noch mindestens fünf weitere Jahre hier zu verbringen, und die Motivation, auch nach dem Studium in Sachsen zu bleiben, ermöglicht auch längerfristige Projekte. Außer TEN SING fange ich nun noch in einer professionellen Band an. Ich engagiere mich in einer studentischen Initiative, die jährlich eine große Spielenacht veranstaltet. Ich gehe sogar gelegentlich wieder aus. ;)

Zurzeit ist alles so voll gestopft mit Aktivitäten, dass ich durch den ganzen Druck leicht aus der Bahn zu werfen bin. Aber es ist absolut positiver Druck: Ein großer Teil meiner Zeit wird von Aktivitäten eingenommen, denen ich gerne nachgehe, an ganz vielen Ereignissen in meinem Alltag sind Menschen beteiligt, die mir wichtig sind. Ich kann mein Leben so aufbauen, wie ich es gerne möchte, dafür bin ich sehr dankbar. Platz für lose Unverbindlichkeiten ist da nicht - dafür aber Zeit, ernst gemeinte Kontakte zu pflegen und langfristige Projekte aufzubauen. Ich bin überzeugt davon, dass ich davon mehr habe, als von einem schneller durchgedrückten Studium und Hetzerei von Abi zu Bachelor zu Master zu Jobsuche.

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  1. Das ist mit ein Grund, warum ich es nicht gutheiße, dass man heutzutage teilweise schon mit 17 vom Abi an die Uni geschoben wird - aber darum soll es hier nicht gehen.
  2. Ich glaube, das funktioniert auch aufgrund der Entfernung besser, weshalb ich prinzipiell jeden ermutige, für das Studium weg zu ziehen, aber auch darum soll es hier nicht gehen.

Ich habe heute den nachrichtenreichsten Feed aus meinem Feedreader geworfen und erhalte nun keine Nachrichten mehr von heise online. Damit erhalte ich über meinen automatischen Reader keinerlei konventionelle Nachrichten mehr - alle anderen Nachrichtenportale mussten schon vor längerer Zeit weichen, auch die Tageszeitung habe ich abbestellt. Nur die Tagesschau in 100 Sekunden ist geblieben, damit ich zumindest nicht verpasse, falls die EU pleite geht oder Deutschland Kriegsgebiet wird, ergänzt von Radio Chemnitz für die Geschehnisse direkt um mich herum.

Bei direkter Kommunikation mit anderen Menschen war ich noch nie besonders gut und bin es auch heute nicht. Klar fällt es mir mit einigen leicht mich stundenlang zu unterhalten und darüber bin ich dann stets sehr froh, aber Gespräche selber anzetteln liegt mir nicht. Und wenn, dann werden es schnell unerfreuliche Themen und Genörgel. Das ist mir kürzlich aufgefallen und die Erkenntnis kam überraschend, denn eigentlich bin ich ein sehr positiver Mensch.

Nun kann man sicher argumentieren, dass wir nicht gerade in positiven Zeiten leben und es schwer ist, im Blick auf die gesamte Welt positive Gedanken zu haben. Dem setze ich entgegen, dass wir uns nicht mit allem beschäftigen sollten, was in der Welt passiert. Durch die vorherrschende Globalisierung kommen wir nicht ganz darum herum - aber ich muss nicht wissen, wieviele Menschen diese Woche in welchen Ländern wodurch gestorben sind. Natürlich finde auch ich das sehr schlimm - aber ich bin nicht in der Lage, das alles zu verarbeiten. Und ich kann nicht jeden Tag etwas dagegen tun. Deshalb habe ich meine allgemeinen Nachrichten drastisch reduziert.

Außerdem leidet die Qualität der Nachrichten in den letzten Jahren allgemein. Auch Heise ist davon betroffen, die Artikel verlieren an Qualität und auch die Themenauswahl wird langsam fragwürdig. Darüber hinaus möchte ich auch die Themen, die ihre Berechtigung haben, nicht mehr alle sehen. Ich kann den NSA-Skandal nicht mehr ertragen, mag nicht mehr auf Leute einreden, dass sie ihre E-Mails verschlüsseln sollen, will nicht wissen welche IT-Unternehmen gerade was getan haben. Also weg damit.

Bleibt die Frage, ob mein eigenes Leben positiv genug ist, wenn ich genug Störfaktoren ausblende, oder konkreter die Frage, was in meinem Leben nervt und was mir Freude bereitet. Aus einer Laune heraus (und vielleicht weil ich durch das Studium ein bisschen geschädigt bin) habe ich mal eine schnelle qualitative Analyse erstellt, womit ich dieses Jahr so meine Zeit verbracht habe, und habe zwei Faktoren erkannt, die anscheinend eine Rolle spielen: Gehe ich einer Tätigkeit alleine oder mit anderen nach und handelt es sich um Alltag oder aus der Reihe fallende Ereignisse?

Während die Verteilung von Tätigkeiten alleine und mit anderen insgesamt sehr gleichmäßig ist, gibt es ein starkes Ungleichgewicht bei Aufteilung in positiv, negativ und neutral empfundene Tätigkeiten. Während bei den Tätigkeiten alleine die negativen Einträge fast die Hälfte und mit den neutralen zusammen deutlich mehr als die Hälfte ausmachen, sind diese beiden Kategorien bei den Tätigkeiten mit anderen fast leer. Ich verbringe meine Zeit also wesentlich lieber mit anderen, habe dazu aber oft keine Gelegenheit. Soweit so vorhersehbar. Interessanter ist allerdings, dass die wenigen negativ empfundenen Dinge, in die andere Personen involviert sind, allesamt alltäglicher Art sind. Das stützt eine These von mir, dass wir an allem nach und nach die Lust verlieren, wenn wir uns zu lange, zu oft oder in einem zu hohen Maße unfreiwillig oft damit beschäftigen (zweimal die Woche mag ich meinen Job, täglich nicht).

Was mache ich nun mit diesen Erkenntnissen? Mir fallen spontan zwei Ansätze ein. Zum einen kann ich zwar wenig Einfluss darauf nehmen, welche Uni-Veranstaltungen ich besuchen muss und wieviele Stunden ich in der Woche arbeiten muss, aber ich kann versuchen, die Anteile zu verlagern. Ich kann also daran arbeiten, die mir zur Verfügung stehende Freizeit besser zu nutzen. Dazu passt auch der zweite Ansatz: Negative Stimmung (und von der ging ich ja aus, als ich anfangs feststellte, dass ich mich gefühlt mehr aufrege und beschwere, wenn ich mit Freunden rede) entsteht auch durch die Erwartung und das Bevorstehen von negativ empfundenen Ereignissen. Soll heißen: Wenn meine Ticketliste auf der Arbeit lang ist, wird mich das auch nerven, wenn ich gar nicht im Büro bin. Wenn ich immer noch keine Unterkunft für meinen Urlaub habe, schränkt das meine Vorfreude ein, auch wenn ich gerade gar nicht konkret damit beschäftigt bin. Und zuletzt raubt Aufschieberei Zeit - ich muss mich immer wieder einarbeiten, springe hin und her, nehme Bücher in die Hand, aber nicht lange genug, nichts wird wirklich fertig.

Es hilft also alles nix - ich muss da durch. Den Stoff auch für die langweiligen Vorlesungen sofort aufbereiten, damit er mir in der Klausurphase nicht im Weg steht. Das hat dieses und letztes Semester teilweise schon gut geklappt. Arbeiten in großen Blöcken, damit endlich mal richtig was geschafft wird. Das hat heute mal wieder funktioniert und auch bei meinem Telejob in New York gelingt mir das ab und zu - da wird es dann auch belohnt mit dem geilen Gefühl, an einem Nachmittag 150€ verdient zu haben. Öfter mal spülen, damit ich nicht irgendwann zwei Stunden damit verbringe und anschließend wegen der weichen Finger nicht Gitarre spielen kann, was mich auch noch einer der wenigen erfreulichen Freizeitaktivitäten beraubt, denen ich jederzeit nachgehen kann. Und genau das - Gitarre üben, Fotografieren gehen, Bloggen - auch mal bewusst einbauen, wenn ich absolut keine Motivation für Arbeit oder Uni aufbringen kann, um nicht Zeit zu verschwenden, indem ich missmutig vor dem PC hocke. Auch das hat sich gelegentlich schon bewährt, wenn auch bisher eher unbewusst, und gelegentlich ist dann die Überraschung groß, wie leicht mir manche Lieder schon fallen.

Und was die Gespräche mit Freunden angeht - vielleicht ist es auch dort hinderlich, wenn es zum Alltag verkommt. Manchmal gibt es eben einfach nichts zu sagen, weil nichts passiert ist und niemand in Stimmung ist, über irgendwas eine Diskussion anzufangen. Letztlich macht auch das eine gute Freundschaft aus - sich keine Gedanken zu machen, wenn man mal nichts zu reden hat.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. Der gestrige Artikel hat hoffentlich einen verständlichen Überblick darüber verschafft, was TEN SING ist und was man dort macht. Heute geht es darum, was TEN SING unabhängig von den Ortsgruppen ist.

Obwohl es sich bei TEN SING um ein internationales Konzept handelt und gerade in Deutschland sehr viele Gruppen anzutreffen sind, passiert es häufig, dass man von TEN SING erzählen möchte und erstmal seltsam angeschaut wird, weil der Name kaum jemandem geläufig ist. Im CVJM, dem Christlichen Verein Junger Menschen (auch YMCA - Young Men's Christian Association) ist TEN SING der größte Bestandteil der Jugendarbeit, aber auch der CVJM ist ja nicht unbedingt in der Öffentlichkeit präsent. Das liegt zum einen daran, dass nur wenige öffentliche Aktionen stattfinden - wäre ja auch übertrieben, über die alltäglichen Treffen jeder Jugendgruppe zu berichten. Zum Anderen finden solche Aktionen dann nahezu immer auf lokaler Ebene statt - und in den Lokalteilen der örtlichen Presse finden sich durchaus Berichte über Auftritte von TEN SING-Gruppen. Aber die echten Lokalzeitungen sterben immer mehr aus und wenn, werden sie kaum gelesen.

Dazu kommt, dass die Teilnehmer von TEN SING ebenfalls überwiegend nicht durch allgemeine Öffentlichkeitsarbeit geworben werden, sondern durch gezielte Aktionen. Dazu gehören Auftritte an Schulen und Werbeaktionen im Konfirmationsunterricht in den Gemeinden rund um die von der Gruppe genutzten Räumlichkeiten. Auch über den CVJM direkt kommen teilweise neue Teilnehmer dazu, denn in den anderen CVJM-Gruppen ist TEN SING durchaus bekannt. Darüber hinaus sind die Kirchentage wohl die öffentlichkeitswirksamsten Veranstaltungen, weil vor allem an den Kirchentagen im Norden und Westen Deutschlands viele TEN SING-Gruppen teilnehmen - aber Kirchentag ist ja leider nur alle zwei Jahre.

Jedes Jahr finden hingegen die vom CVJM angebotenen Seminare für TEN SINGer statt. Da gibt es jedes Jahr um Ostern das deutschlandweite Dassel-Seminar, bei dem 180 Teilnehmer zusammen kommen, und die regionalen Seminare, die in den CVJM-Regionen organisiert sind (Westbund NRW/Hessen, Norddeutschland, Ostwerk und viele der südlichen und mitteldeutschen Bundesländer). Und zusätzlich zu diesen eher kompetenzorientierten, jeweils einwöchigen Seminaren gibt es Veranstaltungen wie das Inside-Meeting in Wuppertal, das 48 Stunden dauert und quasi ein Mini-Spaß-Seminar ist, oder das Hessenprojekt, bei dem eine Show erarbeitet wird, mit der die Projektgruppe dann durch Deutschland tourt.

Nachdem ich das erste Mal auf einem der großen Seminare war, war ich so begeistert wie noch nie in meinem Leben. Ich beschrieb es damals als "eine Woche mit 180 tollen, hochmotivierten Menschen verbringen und die ganze Zeit genau das tun, was einem Spaß macht". Diese Aussage repräsentiert den Kern der Seminare recht gut - es gibt die Workshops, in denen man gleichzeitig Spaß haben und seine Fähigkeiten ausbauen kann, es gibt verschiedenste Aktionen, um sich in großen und kleinen Gruppen kennen zu lernen, von gemeinsamen Spielen über gemütliche Abende mit Akustikgitarre und Feedbackrunden bis hin zum Essen, es gibt entspannte geistliche Einheiten, um sich mit dem Glauben und dem eigenen Leben auseinander zu setzen und natürlich gibt es den Chor, der schon wegen der Masse von fast 200 Menschen beeindruckt, aber auch dadurch, dass innerhalb weniger Proben vier bis sechs Stücke erfolgreich einstudiert werden. Die Woche endet dann mit einer abendfüllenden Show, die in der einen Woche von den Teilnehmern aus dem Boden gestampft wurde, und das teilweise in Bereichen, in denen die jeweiligen TSer bisher noch keine Erfahrungen hatten.

An diesen Seminaren kann natürlich immer nur ein ausgewählter Kreis teilnehmen. Manche können aus zeitlichen oder beruflichen Gründen nicht, andere müssen rausgelost werden, weil nicht genug Plätze verfügbar sind. Einen kleinen Trost bietet dann immer die Gelegenheit, als Zuschauer an der Abschlussshow teilzunehmen - eine Gelegenheit, die gerne genutzt wird, so dass diese Konzerte immer gut besucht sind. Überhaupt ist es äußerst üblich, die Auftritte anderer TEN SING-Gruppen zu besuchen, denn dafür lohnt es sich, auch mal etwas weitere Strecken zu fahren, trifft man dort doch immer viele TEN SINGer, die man zuvor z.B. bei Seminaren kennen gelernt hat. Außerdem bieten TEN SING-Konzerte abendfüllende Unterhaltung unter Gleichgesinnten für kleines Geld (teilweise dank Sponsoren sogar komplett gratis).

Auch wenn einzelne durchaus mal alleine zu Konzerten reisen, sind doch meist noch andere Teilnehmer der eigenen Gruppe dabei, so dass Konzertbesuche, die damit verbundenen Zugfahrten und eventuelle Übernachtungen nach der Show auch Gelegenheit bieten, mit der eigenen Gruppe mehr Zeit zu verbringen. Am Schönsten ist es immer dann, wenn man schon unterwegs andere anreisende Gruppen trifft und so zum Beispiel einen normalen Linienverkehrsbus stürmt und feststellt, dass der volle Bus gerade quasi nur mit TEN SINGern gefüllt ist, die alle zur Show einer befreundeten Gruppe wollen. Und manchmal wird sogar ein eigener Bus angemietet, um mit der gesamten Gruppe in ein anderes Bundesland zu reisen und dort die Show einer anderen Gruppe zu besuchen.

TEN SING ist also viel mehr als nur wöchentliche Treffen und ein Auftritt für die Eltern. TEN SING ist vor allem Gemeinschaft. Und ohne die vielen Aktionen, die in der Region oder auf nationaler Ebene (oder sogar auf internationaler, dazu später) stattfinden, wäre es nicht halb so toll.

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Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. TEN SING bleibt dabei aber eins dieser Dinge, die man schlecht erklären, aber gut zeigen kann - wenn du also ungefähr zwischen 13 und 19 bist und in deiner Nähe eine TEN SING-Gruppe ist, geh doch einfach mal hin! - Heute geht es zunächst einmal darum, was TEN SING ganz grundlegend ist.

tensingartikel1a_small.jpgAls ich 2009 in Bremen beim Kirchentag war, lief ich an einem der ersten Tage durch die Bremer Innenstadt und begegnete dabei einer Menschenansammlung, die sich um eine Gruppe Jugendlicher versammelt hatte. Die Gruppe sang als Chor bekannte Popsongs, teilweise begleitet von Akustikgitarre und Cajon. Sie waren echt ziemlich gut - aber das beeindruckendste daran war, wie sehr man an ihnen angesehen hat, dass sie alle einen riesigen Spaß daran hatten, mitten in der Stadt auf der Straße zu stehen und zu singen.

Diese Gruppe war ein sogenanntes Streetteam von TEN SING, eine für den Kirchentag zusammengestellte Gruppe, die über das Kirchentagsgelände verteilt immer wieder spontane Open Air-Auftritte ohne Bühne präsentiert. Außer diesen Streetteams gibt es TEN SINGer auch - und vor allem - in örtlich organisierten Gruppen unterschiedlicher Größe, grob gesagt zwischen 8 und 80 Leute. Etwa 150 dieser Gruppen gibt es in Deutschland, zahlreiche weitere im Rest von Europa, vor allem in Norwegen, wo das Projekt ursprünglich entstanden ist, und vereinzelt auch außerhalb von Europa.

So eine Gruppe bildet dann als erstes einen Chor. Die Leitung wird dabei häufig von Teilnehmern der Gruppe übernommen, teilweise auch von CVJM-Mitarbeitern. Der Anspruch ist niedrig - Spaß, Motivation und Talentförderung stehen im Vordergrund. Damit kommt dann auch der zweite Bestandteil von TEN SING zum Tragen - die Workshops. Während der Chor die gesamte Gruppe einschließt, bilden sich zusätzlich separate Workshops, die sich an den Talenten der Gruppenteilnehmer orientieren.

In Deutschland gehören zu einer TEN SING-Gruppe immer eine Band und ein Theater-Workshop, meistens auch noch ein Tanz-Workshop. Je nach Gruppengröße gibt es darüber hinaus weitere Workshops oder Teams, etwa für PR & Design (Plakate, Flyer, Website...), Technik oder Organisatorisches. Zusammen mit dem Chor entsteht daraus in etwa einem Jahr eine abendfüllende Show - ohne professionelle Hilfe, denn alle Workshops und Teams werden von Teilnehmern der Gruppe geleitet. Eine erwachsene Leitung gibt es, wenn überhaupt, nur für die Kooperation mit dem örtlichen CVJM und die Finanzen. Oft wird diese Aufgabe aber auch von älteren TEN SINGern übernommen, die nicht mehr aktiv als Teilnehmer einer Gruppe dabei sind.

Ohne Frage finden sich viele Talente bei TEN SING. Manche Bands wären ohne dieses Angebot nicht entstanden, möglicherweise hätten die jeweiligen Musiker sogar nie eine musikalische Laufbahn eingeschlagen. Dazu gehören auch Silbermond, die sich bei TEN SING kennen lernten, und Musiker von Reamonn und a-Ha, die ihre musikalischen Kenntnisse dort erwarben. Trotzdem sind die Proben während der Gruppentreffen natürlich sehr wenig. Daher bietet der CVJM zweimal im Jahr ein einwöchiges Seminar an, auf dem alle bereits genannten und noch einige weitere Workshops angeboten werden, um Teilnehmer richtig fit zu machen auf dem Gebiet, das ihnen am meisten Spaß macht. Dazu gibt es weitere regionale und überregionale Aktionen, bei denen der Spaß und der Kontakt zu anderen TEN SINGern im Vordergrund stehen.

Denn das ist ein weiterer Aspekt, der TEN SING zu etwas Besonderem macht: Der rege Kontakt und Austausch zwischen den Ortsgruppen. Zwar ist jede Gruppe individuell, aber ebenso ist jeder TEN SINGer individuell und letztlich hängt die Wahl der Gruppe vor allem daran, wo man wohnt, denn als TEN SINGer ist man bei jeder Gruppe willkommen. Und damit bewegen wir uns langsam in das Gebiet, was TEN SING so besonders macht und mich so begeistert.

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Unsere heutige Welt wirbt ständig mit irgendwelchen Dingen, die grenzenlos sein sollen, ohne Limit, unendlich verfügbar. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass wir besser genießen können, wenn wir darin beschränkt sind. Das nahende Ende lässt uns auskosten, was noch bleibt.

Lange Zeit bin ich keinem geregelten Leben nachgegangen in dem Sinne, wie es von Leuten meines Alters erwartet wird. Kurzzeitig hatte ich mal einen Vollzeitjob, dann wieder nur auftragsbasiert. Auch das Studium stellte sich schnell als eine schlechte Wahl heraus und ich ersetzte Vorlesungen durch Freizeit. So konnte ich immer all meinen Freizeitaktivitäten nachgehen und obendrein noch lange schlafen, Nächte durchmachen, tagelang "nichts" tun.

Ab Oktober werde ich studieren. Ein Fach, über das ich mich gründlicher informiert habe als je zuvor, und bei dem ich mir sicher bin, dass es mich genug interessiert, um das Studium von Anfang an voll durchzuziehen. In einer fremden Stadt, in der ich zumindest anfangs auch kaum eine andere Wahl haben werde, als meine Zeit für das Studium zu nutzen.

Plötzlich wirkt der Kalender viel voller. Es sind genauso viele Termine wie vorher und es ist immer noch ein hoher Anteil an Freizeitaktivitäten unter den "Terminen", aber meine Zeit fühlt sich jetzt besser genutzt an. Weil wieder ein Ziel da ist. Es ist die Phase, die viele Leute schon nach dem Abi haben: Ein paar Monate frei, Zeit für alles worauf man Lust hat, dann wieder ein geregeltes Leben.

Das ist eine schöne Aussicht. Es gibt Zeiten, da fällt mir hier die Decke auf den Kopf. Wenn ich den ganzen Tag lang die Nachbarn hören muss zum Beispiel. Oder wenn einfach gerade nichts zu tun ist. Oder wenn mein kaputter Schlafrhythmus Konsequenzen fordert. Viel Freizeit ist schön, eine Zeit lang. Nun freue ich mich darauf, die verbleibende Zeit mit allerlei Reisen, Besuchen bei Freunden und Konzerten zu füllen und mich dann, nach dem Umzug, wieder an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen.

Nach ein paar Wochen wird es normal sein, morgens früh aufzustehen und um Mitternacht ins Bett zu gehen. Statt über die Stille der Nacht werde ich mich über Sonnenaufgänge und frische Luft (oder Nebel) am Morgen freuen. Und statt wegen Unterforderung zwei Tage am Stück wach zu bleiben, werde ich endlich wieder abends ausgelastet sein. Nach so langer Zeit mit Freizeitüberschuss werde ich das genießen können.

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