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Anfang Juni war ich jetzt schon zum dritten Mal beim Kirchentag, diesmal mit einer kleinen Jugendgruppe. 2009 war ich alleine mit dem Intercity nach Bremen gefahren und 2010 mit meiner Mutter im Sonderzug nach München. Entsprechend war es diesmal wieder etwas anders.

Gefahren sind wir mit dem Auto; von Duisburg über Herne und Hannover nach Radeberg, wo unsere Unterkunft war. Das hat dank Staus ewig gedauert (9 Stunden), so dass wir erst gegen Mitternacht in der Unterkunft waren und den Abend der Begegnung am Mittwoch leider völlig verpassten. (Unsere Fahrerin hatte noch Univeranstaltungen mit Anwesenheitspflicht, deshalb konnten wir nicht eher los.)

Vorteilhaft war dafür die Unterkunft, wir waren in einer Kirche, die aber kein öffentliches Gemeinschaftsquartier war, sondern nur von uns genutzt wurde. So waren wir zu sechst dort, hatten drei Schlafräume zur Verfügung, eine vollständige Küche und eine funktionierende Dusche. Und mit dem Zug konnte man in 20 Minuten jeden der wichtigen Innenstadt-Bahnhöfe von Dresden erreichen.

Die Gruppe war altersmäßig gemischt; zwei Geschwister (11 und 14), zwei Mädels (16 und 17), unsere Fahrerin (28) und ich (21). Entsprechend haben wir uns zwar aufgeteilt, je nachdem welche Veranstaltungen so gewünscht waren, aber außer mir war nie jemand alleine unterwegs (und ich auch nur selten). So zog ich am Donnerstag mit L. los, um mir eine Veranstaltung mit der Kirchentagspräsidentin und unserem Bundespräsidenten anzusehen; davon wurde uns aber schon auf dem Weg dorthin abgeraten, weil die Halle total überfüllt war. Mangels Motivation, schon so früh zum Messegelände zu fahren, fuhren wir also zu der Kirche, wo die anderen waren, und wohnten dort der wohl langweiligsten Veranstaltung des ganzen Kirchentags bei. Eigentlich sollte es um Patchworkreligiosität gehen; nach der schwammigen Einführung des anwesenden Soziologen gab es dann aber schon reichlich Zündstoff aus dem Publikum, auf den der zweite Gast, eine Bischöfin aus Sachsen, aber leider kaum eingegangen ist. Dann ging es plötzlich um die "religiös unmusikalischen" Ossis und alles driftete immer weiter vom Thema ab. Das einzig unterhaltsame war, vollkommen willkürlich auf die Bänke zu klopfen, wenn irgendwer ein gerade genanntes Statement unterstützen wollte. Am Ende waren wir alle geschädigt und sahen uns keine weitere Veranstaltung dieser Art mehr an.

Mangels Kirchentagsschals sind wir danach dann doch am Messegelände gelandet; Ulli hatte uns gesteckt, dass die ganzen Schalverkäufer sich dort herumtreiben. Nach den eher öden Zelten des Markt der Möglichkeiten-Bereichs "Theologie und Glaube" landeten wir dann im Buchshop, wo wir gefühlt ewig waren, endlich an einen Schal kamen und auch Ulli trafen, die immer noch auf dem Messegelände war.

Apropos Bücher: Vor einiger Zeit fand ich im Zug ein Bookcrossing-Buch, von dem ich zur Zeit des Kirchentags immerhin ein Drittel gelesen, aber nach wie vor nicht begeistert war. Es stellte sich heraus, dass S. ein riesiger Fan der Autorin ist, so wanderte das Buch jetzt vom Ruhrgebiet über Dresden nach Hamburg. Sinn des Bookcrossing erfüllt, würde ich mal sagen.

Abends nach dem Wise Guys-Konzert fuhren wir dann als Gruppe wieder zurück zur Unterkunft (Zugverbindungen gab es genug, so wie die Züge aussahen, hat man alles ausgekramt, was es im Osten jemals gab...). Am Mittwoch nach der Ankunft hatte keiner mehr Nerven gehabt zu kochen, aber jetzt konnten die Nudeln zum Einsatz kommen. An sich keine Kunst, aber dass ich mir mal von einer elfjährigen anhören muss, wie ich Nudeln zu kochen habe, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. :D Insgesamt waren wir aber alle ziemlich fertig, viel los war also nicht mehr.

Naja. Zeit für einen Bruch in der chronologischen Wiedergabe. Meine Gruppe habe ich abends wieder getroffen, L. und ich wollten zu einem Jugendgottesdienst mit Samuel Harfst, die anderen zu Aura Dione. Wir trennten uns also recht bald wieder an einer der Straßenbahnstationen an der Messe, trafen einen Ex-TSer aus Bochum und irgendwie waren L. und ich dann eher an der Bühne, wo Aura Dione auftreten sollte, als die anderen. Also haben wir uns dort erstmal ins Gras gechillt, wir mussten einmal über das ganze Ostra-Gelände und dafür war es eigentlich viel zu heiß. Ich glaube, von diesen Chillpausen haben wir etliche eingelegt, bis wir irgendwann mal ankamen... dabei sind wir sogar einer großen Menschenmenge begegnet, die dem Prinzip "die Masse weiß immer, wo es lang geht" widersprach und sich verlaufen hatte. Miese Sache. Irgendwie kamen wir dann an einem Konzert von Echtzeit vorbei, blieben kurz (es gab Schatten unter Bäumen) und als wir danach feststellten, dass das Gottesdienstzelt stickig und heiß war, blieben wir bei dem Konzert. Perfekte Entscheidung, nach Echtzeit, die schon gut waren, traten Good Weather Forecast auf, die absolut unglaublich geil waren. Wir waren so wahnsinnig fertig danach, dass wir auf dem Rückweg in irgendeiner Baustelle rumgesessen und flaschenweise Wasser gekippt haben. "Zuhause" war dann entsprechend außer Essen wieder nicht viel los.

Das schöne daran, mit einer Gruppe beim Kirchentag zu sein, ist für mich die Tatsache, dass man sich im Zweifel immer auch den anderen anschließen kann. So hatte ich am Samstag das Problem, dass der Vormittag voll war mit Veranstaltungen, die ich sehen wollte, und der Nachmittag dafür sehr leer. Also fing ich schon etwas eher an und nahm mit den anderen an einer Worship-Veranstaltung teil, um danach den dritten Teil einer meiner anderen Veranstaltungen zu sehen. Der war allerdings ein Vortrag draußen in der Hitze und irgendwie unspannend, so dass L., die auch dabei war, und ich, erstmal ausprobiert haben was man am Besten gegen die Hitze zun kann. Die Wasserbecken am Markt neben der Bühne, wo der Vortrag lief, waren eine wunderbare Abkühlung und es stellte sich als eine geniale Idee heraus, die Kirchentagsschals nass zu machen und um Hals und Arme zu wickeln, da man dadurch außer Abkühlung auch noch Sonnenbrandschutz hat.

Nachdem wir mittags wieder mit der ganzen Gruppe an einem offenen Singen teilnahmen, dümpelte der Tag so vor sich hin. In der Sonne liegen wechselte sich mit halbmotiviert an einem Konzert von Eileen Q teilnehmen und im Schatten liegen ab. Der Abend war dann für uns alle miserabel, bei mir war Bodo Wartke überfüllt und bei den anderen gab es statt des erwarteten besinnlichen Abends fremdsprachige Mantragesänge. So saßen wir dann abends tatsächlich mal zusammen, aßen zum hundertsten Mal Spagetti, tauschten uns aus und hörten Musik.

Über den ganzen Kirchentag betrachtet haben wir uns doch recht oft aufgeteilt und jeder hat so das gemacht, worauf er Lust hatte. Ganz alleine unterwegs waren wir aber selten und ansonsten gab es ja Handys und Treffpunkte. Vom Gefühl her habe ich allerdings in Bremen und München, wo ich im Wesentlichen alleine unterwegs war, öfter neue Leute getroffen. Dafür bin ich dieses Jahr mehrfach von TEN SINGern oder an TS Interessierten angesprochen worden, wohl auch wegen der auffälligen T-Shirts. Und ganz ausgeblieben sind Begegnungen mit Fremden natürlich nicht. hahahah

Am meisten zusammen waren wir allerdings während der Fahrt und in der Unterkunft. Und ich denke, das macht das Gruppenerlebnis am meisten aus: Man erlebt den Kirchentag gemeinsam, obwohl man an verschiedenen Veranstaltungen teilnimmt, und wenn man gerade nicht an etwas teilnimmt, erlebt man sich selbst. hahahah

Nach einer vollen Woche und besonders einem vollgepackten Freitag und Samstag sowie einem zeitweiligen Ausfall meines Blog-Backends ist es heute wieder mal ruhiger und ich komme zum Bloggen. Hier zunächst mal mein Zeitplan für den Kirchentag...

kirchentag-zeitplan-2.JPG

Mich nervt etwas, dass bei den meisten Veranstaltungsorten mittags nichts los ist. Ich bin nicht der Typ, der mittags essen geht, schon gar nicht zu einer bestimmten Uhrzeit. Die einzigen, die da konsequent nicht mitmachen, sind die TEN SINGer, aber da der Treffpunkt leider schon Samstag Mittag geschlossen wird, ist zumindest dann irgendwie ein Loch im Plan. Naja.

Der Samstag ist eh irgendwie doof. Immer entweder haufenweise Veranstaltungen gleichzeitig, zu denen ich hin möchte, oder gar nix. Da werde ich wohl sehr spontan sein müssen. Den Kampf um das Konzert am Donnerstag haben dann doch die Wise Guys entschieden, einfach, weil ich bei denen aus Erfahrung weiß, dass es genial wird.

Irgendwas an Lücken wird sicherlich bleiben, was aber auch ganz gut ist, denn es gibt ja noch zeitlich nicht gebundene Angebote wie das Zentrum Jugend und den Markt der Möglichkeiten, der diesmal nicht nur auf dem Messegelände ist (was vermutlich daran liegt, dass die Messe Dresden nicht so groß ist). Mal schauen, wie es wird. Vom Plan bleibt vermutlich eh wieder nur die Hälfte...

Ich bin auch mal gespannt, wie die Unterbringung wird. 2009 war ich bei Bekannten untergebracht, die ziemlich außerhalb gewohnt haben, 2010 in einer Schule an einer Haupt-U-Bahnlinie. Diesmal wird es eine Gemeinde in Radeberg sein, 20 Autominuten vom Zentrum Dresden entfernt. Dürfte ziemlich entspannt werden. hahahah

In den letzten Tagen war es wieder mal still hier im Blog, ich war etwa 650km von meinem Zuhause entfernt auf unserem diesjährigen Jugendtag in Burg Hohnstein, Sachsen, 45 Minuten hinter Dresden. Während der Rückfahrt habe ich außer an diesem auch an den Berichten zum Kirchentag gearbeitet und die Fotos sortiert, es wird also in den nächsten Tagen genug zu lesen geben.

Jugendtag heißt normalerweise, dass die Jugend eines Bezirkes, evtl. mit einem zweiten zusammen, einen Wochenendausflug mit verschiedenen geistlichen und Freizeitaktivitäten veranstaltet. Vor zwei Jahren waren wir über Pfingsten in Hamburg zu einem viertägigen gesamtdeutschen Jugendtag mit gut 100 Teilnehmern, dieses Jahr waren auch die Nachbarländer eingeladen. Wir hatten drei Teilnehmer aus Holland und 142 weitere Personen aus Deutschland - das dürfte vor allem daran liegen, dass die gesamte Veranstaltung auf deutsch stattfindet und somit außer der irrsinnig langen Anreise z.B. aus Frankreich auch die Sprache ein Problem darstellen könnte. Mich würde interessieren wie die drei Holländer damit klargekommen sind, leider habe ich das während der Veranstaltung nicht mitbekommen.

Der Bus für die Teilnehmer aus dem Ruhrgebiet und Nord-NRW startete in Wesel, ich bin in Duisburg zugestiegen, von wo aus es noch nach Lünen ging und dann Richtung Osten. Die Fahrt dauerte für mich so etwa 9 Stunden, darin enthalten drei Pausen von etwa 20 Minuten. Angekommen sind wir dann gegen 20 Uhr.

Als immer-schon-Ruhrpottler staune ich bei meinen Reisen nach Norddeutschland und Hessen ja immer wieder, wie wenig besiedelt die Gebiete dort sind. Zwischen großen Waldgebieten tauchen immer wieder mal kleine Dörfer auf. Richtung Osten war das noch krasser - nachdem wir die Stadtgebiete verlassen hatten, gab es eigentlich nur noch Rapsfelder. Teilweise sind wir 50 Kilometer Autobahn gefahren, ohne mehrere zusammenstehende Häuser oder gar einen Rastplatz zu sehen. Der Wahnsinn... da wundert es auch nicht, wenn kein Netz für mobiles Internet vorhanden ist, wohnt ja eh keiner in der Gegend.

Als Jugendherberge diente uns diesmal die Burg Hohnstein, welche wir mit gut 140 Teilnehmern dann auch vollständig belegt hatten. Ein fantastisches Gebäude mit beeindruckender Umgebung - die Gegend nennt sich sächsische Schweiz wegen der doch recht heftigen Berge. Die Straßen dort verlaufen serpentinenartig und an den Bergen wachsen großzügige Wälder. Die Schluchten sind dort so beeindruckend, dass die Warnungen davor ohne Proteste eingehalten wurden. Das Gelände der Burg selbst ist schon sehr weitläufig, es gab mehrere "Häuser" mit Schlafräumen, in einem war auch der Speisesaal untergebracht; außerdem gibt es dort einen großen Burghof und einen über eine Steintreppe erreichbaren nicht minder großen Burggarten, indem sogar eine Bühne (oder alternativ Tanzfläche) steht.

Das Gebäude selbst war natürlich ausreichend modernisiert, wobei man dennoch merkte, dass alles recht alt ist. Die Zimmer waren im Gegensatz zu den Betten (Fußnote: die bequem, aber nur etwa 1,95m lang waren) recht groß. (Etagen-)Sanitäranlagen waren knapp, aber ausreichend vorhanden und in einem akzeptablen Zustand. Je nach Haus, in dem man untergebracht war, gab es sogar recht schalldichte Türen.

Begrüßt wurden wir nach unserer Ankunft Freitag Abend mit einem für eine Jugendherberge ungewöhnlich reichhaltigem Essen, was nach der langen Fahrt echt gut tat. Die Zimmer waren voreingeteilt, wir waren mit fünf Leuten schon viele für ein Zimmer. Nicht nur die Zimmer, sondern auch andere Gruppen wurden erstmal nach der Herkunft der Leute eingeteilt; nicht weiter tragisch, Gelegenheiten neue Menschen kennen zu lernen gab's genug. Etwas später nach dem Essen wurden wir mit Informationen zum Ablauf des Samstages versorgt; es wurden diverse Themen vorbereitet, zwischen denen man während der beiden Themenblöcke größtenteils frei wechseln konnte. Den Ausklang des Abends bildeten typischerweise einige Lieder, danach waren wir auch fast alle geschlaucht genug direkt schlafen zu gehen.

Über das Frühstück kann ich leider nur berichten, was ich gehört habe, mir war an keinem der drei Tage morgens nach essen, so dass ich nicht dran teilgenommen habe. Es hieß aber, es sei gut was aufgefahren worden. Am Samstag war für mich der Beginn des Tages direkt der erste thematische Block, sprich Bibelarbeit. Ich lese normalerweise recht wenig in der Bibel, so habe ich den Jugendtag mal zum Anlass genommen etwas mehr Zeit darauf zu verwenden. Einige Fragen wurden aufgeworfen und passende Bibelstellen geliefert, um sich mit dem entsprechenden Thema auseinander zu setzen, etliche verschiedene Übersetzungen lagen bereit. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob Gott menschliche Gefühle hat, habe ich mich dann auch festgelesen und eigentlich die gesamte Zeit bis zum Mittagessen und den zweiten thematischen Block damit verbracht. In einer englischen Bibel übrigens - das einfache Englisch war besser zu lesen als manche kryptischen deutschen Übersetzungen... 1

Abends haben wir, es war Gott sei Dank warm (wen interessieren schon Wetterberichte, die meterweise Regen vorhersagen...) im Burggarten gesessen und gesungen. Das gehört irgendwie dazu - diverse Leute haben Instrumente mitgebracht (diesmal waren wir richtig professionell ausgestattet) und sorgen dafür, dass auch die, die eigentlich nicht gerne singen, was davon haben.

Der Sonntag fand in Dresden statt, beginnend (ok, nach dem Frühstück und Transfer eben von Hohnstein nach Dresden) mit dem vom entsprechenden Workshop gestalteten Gottesdienst. Gegessen haben wir dann auch dort, die vorbereiteten Kuchen, Salate und Würstchen haben das Jugendherbergsessen dann doch deutlich getoppt, obwohl zumindest ich das nicht schlecht fand.

Von der Kirche ging's in die Innenstadt, der Rest des Tages war für die Besichtigung der Stadt vorgesehen. Die begleitende Rally war unheimlich schwer und überforderte die Reiseführer, meine Gruppe ging mir auf die Nerven, bin dann hinterher mit noch einer abgewandert ^^ Danach war's cool. Das Wetter war nach wie vor gut und vermutlich habe ich an dem Tag die meisten Fotos geschossen. Abends haben wir gegrillt und die Band hat reichlich bekannte Lieder gecovert, später kam die Musik dann von mitgebrachten iPods und wir haben die Bühne bis nachts als Tanzfläche genutzt...

Am Montag stand dann nur noch der Abschluss an, wir haben nochmal zusammen gesungen und ein paar Eindrücke ausgetauscht und nach dem Einladen des Gepäcks kam der unvermeidliche Abschied und die Heimreise... zwischendurch war es durchaus anstrengend, am Ende war dann doch plötzlich alles wieder vorbei und ein nächstes Mal wird es sicher geben hahahah

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1 The Bible - easy reading version, ISBN 1932438122

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