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Feldbetten in dichten Reihen in einer TurnhalleDankenswerterweise ist meine Facebook-Freundesliste offenbar nazifrei. Keine bösen oder dummen Kommentare, wenn ich etwas flüchtlingsfreundliches schreibe oder teile, dafür jede Menge Leute, die sich über Nazis, Dummnazis und Mitläufer aufregen und allerlei Aktionen zum Thema Flüchtlingshilfe teilen. Ich möchte auch hier kurz Stellung beziehen dazu, denn quasi direkt vor meiner Tür ist die ganze Problematik sehr greifbar geworden.

Die Sporthalle der TU Chemnitz ist zurzeit ein Flüchtlingslager, man möge sich bitte vorstellen, dort, wo normalerweise Badminton gespielt und Yoga geturnt wird, schlafen und "wohnen" nun Menschen (das Bild zeigt den Aufbau der Behelfsunterkunft). Und "leben". Verbringen einen Tag nach dem anderen dort. In einer fucking Sporthalle. Da ist wirklich nichts dran toll, außer, dass ihr Leben nicht bedroht ist. Ich denke, das können wir ihnen guten Gewissens lassen.

Was hier in der Uni-Sporthalle passiert, ist nur eine Notlösung für hoffentlich nur noch wenige weitere Tage. Normale, vorgesehene Flüchtlingsunterkünfte sind nicht ganz so notdürftig, denn sie müssen für mehrere Monate halten. Asylverfahren sind kompliziert und langwierig, denn sie sollen gerecht sein. Durch die große Menge an Flüchtlingen müssen jedoch immer wieder vorübergehende Notunterkünfte wie diese geschaffen werden. Die Resonanz darauf zeigt, dass in diesem Land immer noch viele Menschen leben, die hilfsbereit sind und gerne Menschen in Notlagen unterstützen. Dazu möchte ich euch eine kurze Reportage ans Herz legen, die aus meiner Heimatstadt Gelsenkirchen kommt. Lasst euch nicht von der einleitenden Erklärung des Formates abschrecken - es handelt sich nicht um ein langes Video, sondern lediglich um einen modern gestalteten Artikel.

Hauptschule wird über Nacht ein Flüchtlingsheim - multimediale Reportage

So kann es laufen. Ich finde, das sind beruhigende Eindrücke in einer Zeit, in der Menschen, die praktischerweise in diesem Land in Frieden geboren wurden, Gebäude anzünden, Steine werfen und denen, die außer Hoffnung nichts mehr haben, auch noch die Hoffnung nehmen.

Bildquelle: Mario Steinebach via Pressemeldung der TU Chemnitz

Nachdem das Claire-Konzert in Berlin letztes Jahr einfach nur großartig war, bedarf es keiner längeren Überlegung, um Karten für das Konzert in Leipzig zu kaufen. Die "The Great Escape-Tour Teil II" führt die junge Münchner Band in zahlreiche weitere Städte und sympathische kleine Clubs. Die Moritzbastei in Leipzig zum Beispiel liegt mitten auf - oder genauer gesagt unter - dem Campusgelände. Außer Konzerten gibt es dort auch Poetry Slam, Studentenpartys, Public Viewing und einiges mehr - zu Preisen, die Studenten guten Gewissens bezahlen können. Auch alkoholfreie Getränke unter 2€ sind gerne gesehen. Und auch wenn das Gemäuer nicht für jede Musikart die beste Akustik bietet, ist die alte Bastei einfach schick anzusehen, zumal die notwendige Technik mit Bedacht eingearbeitet wurde, um das Ambiente nicht zu zerstören.

Die Veranstaltungstonne, in der die Show statt fand, ist bis kurz vor Beginn fast leer, füllt sich dann aber zügig, als Venom Is Bliss auftreten und die Zuschauer von der Bar herüber kommen. Die sechs Kölner spielen erst seit sechs Monaten live und sind mit Claire nun erstmals auf Tour. Wenn sie ihren Stil als Electropop bezeichnen, vernachlässigt das in der landläufigen Vorstellung einige Elemente - der druckvolle Bass zum Beispiel ist deutlich imposanter als es die Generation "iih, Pop!" erwarten würde. Teilweise lassen sich die Songs eher in der klassischen Elektro-Szene verorten - was Venom Is Bliss auch mit Claire verbindet, die sich ebenfalls bei Tekkno und House bedienen.

Das zeigt sich bereits im neuen Intro, das gefühlt die Wände wackeln lässt und für großes Gejohle sorgt, als zu den Synthi-Teppichen die Bassdrum reinhaut und das Publikum passend dazu mit weißem Effektlicht geblendet wird. Überhaupt wird die Band diesmal gerne kontrastreich inszeniert - komplett schwarz gekleidet mit wohldosiertem Stroboskoplicht und weißen Lichtstrahlen erzeugt die großartige Technik einen düsteren Gegenpol zur doch eigentlich sehr positiven, aber eben auch sehr druckvollen und rhythmusbetonten Musik. Vergleiche mit Bands wie I Blame Coco oder gar Depeche Mode sind nicht an den Haaren herbei gezogen, verfehlen aber das Gesamtbild des Neon Pop.

Claire geizen auf der Bühne weder mit Songs noch mit Spaß. Bereits bei Pioneers kommt Bewegung in das in Leipzig extrem junge Publikum, das bei Venom Is Bliss noch eher schüchtern war. Einige Songs später sind Band und Zuschauer gleichberechtigte Teilnehmer des Konzertes - einen Bühnengraben gibt es eh schon nicht und vermutlich hätte man auf die Bühne auch verzichten können, so nah sind wir auch gefühlt an der Band dran. Die fünf sind selbst restlos begeistert und so feiern wir die Next Ones To Come alle zusammen.

Vom Album The Great Escape bekannte Songs werden mit anderen Effekten, neuen Synthi-Teppichen und heftigerem Sound neu erschaffen. Vor dem "offiziellen Ende" des Konzertes wird mit einer ausschweifenden Version von Resurrection noch einmal bis zum Bersten Spannung aufgebaut, die dann im vom Stimmverzerrer geprägten und live besonders beatbetonten Overdrive in den Zugaben gipfeln darf. Dazwischen eingestreut gibt es bereits die ersten neuen Songs - und erfreulicherweise entwickelt sich die Band sowohl in Richtung tanzbarem Pop als auch in Richtung melodischem Tekkno.

Wer dann nach dem Konzert noch nicht genug hat, bekommt die Chance, beide Bands persönlich zu treffen, da sowohl Venom Is Bliss als auch Claire ihre Merchandise-Stände selber betreuen (und nach der fetten Party noch erstaunlich fit sind). Ich ergattere eine der limitierten handmade-EPs von Venom Is Bliss, aber es kommt noch viel besser: Das nächste Konzert findet am nächsten Tag in Gießen statt, zwar 400km entfernt, aber ganz in der Nähe von I., die ich sowieso schon viel zu lange nicht gesehen habe. Mehr aus Jux frage ich nach einem Gästelistenplatz für den Zuschauer mit der längsten Anreise - und Kazimir holt ohne zu zögern sein Handy raus und schreibt mich mit auf die Liste! Vielen vielen Dank nochmal dafür an dieser Stelle! hahahah

Als Flo und Josie von Claire mich dann beim Rausgehen auch noch wieder erkennen, weil ich schon in Berlin in der ersten Reihe dabei war, ist klar: So verrückt das auch ist, ich muss in den nächsten Stunden irgendwie nach Hessen. Die Nacht bestand dann also aus Fernbus-Websites wälzen, Mitfahrgelegenheiten durchwühlen und Kontostand kritisch betrachten, I. anschreiben und The Great Escape in Dauerschleife hören. Morgens um 3 ist alles klar, schnell drei Stunden schlafen, ein paar Sachen in den Rucksack werfen und auf zum Bahnhof. Mit dem Zug wieder nach Leipzig, mit dem Bus weiter nach Frankfurt und von da per Mitfahrgelegenheit nach Wetzlar, von wo mich I. später zum MUK fährt (vielen lieben Dank auch dafür!).

Das Konzert im MUK ist nicht ausverkauft, trotzdem geht hier schon zu Beginn gut was ab. Der Sound ist wesentlich geiler als am Dienstag - wo kommt bloß der irrsinnige Bass her?! - und vermutlich trägt das auch dazu bei, dass Venom Is Bliss heute anständig gefeiert werden. Langsam aufbauende Songs wie Patience oder dem Titel widersprechende wie Silence heizen uns ein und auch die Band ist mit Hingabe dabei. Wirklich eine gute Wahl als Vorband und ich hoffe, die Jungs demnächst auch mal woanders live zu sehen. hahahah

Bei Aktionen wie dieser werde ich manchmal angesprochen, ob es nicht langweilig sei, das selbe Konzert immer wieder zu sehen. Das mag manchmal stimmen, selbst - oder gerade - von großen, bekannten Bands wird mir gelegentlich berichtet, dass auch Jahre später der Ablauf und der Sound noch exakt der selbe seien. Aber in der Regel ist doch jede Show eine einmalige Erfahrung - das Set ist vielleicht ein bisschen verändert, die Location ist eine andere, das Publikum kann ganz anders drauf sein. In Gießen ist der Sound ganz anders und auch die Zuschauer gehen viel mehr nach vorne.

Außerdem ist es auch schön, zu wissen, was kommt - so kann man sich vorher schon drauf freuen, denn man geht ja nicht mehrfach zu einer Tour, wenn einem die Konzerte nicht wirklich viel Spaß machen. Das großartige Intro, gefolgt von einem meiner Lieblingssongs, Pioneers, könnte ich mir zum Beispiel jeden Tag geben. Und auch die neuen Songs machen Spaß - mit jedem Refrain kann man wieder eine Zeile mehr mitsingen. Last.fm zählt 348 Wiedergaben von Claire-Songs, aber die Zahl ist locker untertrieben. Soll heißen: Wäre es nicht mit so hohem finanziellen und Zeitaufwand verbunden, wäre ich gerne noch länger "mitgetourt". hahahah

Und auch abgesehen von der großartigen Musik haben Claire und auch Venom Is Bliss ganz erheblich Sympathiepunkte gesammelt. Nicht nur wegen dem Gästelistenplatz und dem geschenkten T-Shirt hahahah , sondern auch, weil es ganz klar für die Band spricht, wenn sie Fans erkennt und sich nach dem Konzert noch so viel Zeit für das Publikum nimmt. Es mag teilweise daran liegen, dass das MUK keine 50.000 Zuschauer fasst (vermutlich nichtmal 500) oder daran, dass die Bandmitglieder ungefähr so alt sind wie ihre Fans, aber ich behaupte, es liegt auch einfach daran, dass es großartige Menschen sind, die nicht in ihrer eigenen Welt verschwinden, wenn sie von der Bühne gehen - oder anders ausgedrückt: die ihre Fans an ihrer Welt teilhaben lassen. Und genau dadurch wurden diese beiden Abende zu einem noch viel besseren Erlebnis als zwei einzelne Konzerte es sein könnten. Danke dafür!

Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der großartigen Fotografin Franziska Lange zur Verfügung gestellt, die für das Leipziger Stadtmagazin Urbanite fotografiert. Dort gibt es auch eine Galerie mit noch mehr Fotos.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. In vier Artikeln habe ich nun das Konzept, den Inhalt und die Auswirkungen und Möglichkeiten erläutert - abschließend soll es nun darum gehen, wie die Mitarbeit bei TEN SING auf regionaler Ebene aussehen kann.

Mit Fotos von Marco, Jessi, Adrian und TENSINGLAND. Die größte Präsenz außerhalb des CVJMs erreicht TEN SING auf dem evangelischen Kirchentag, der alle zwei Jahre in einer anderen Metropole stattfindet. Dort gibt es neben Straßenkonzerten auch einen eigenen Treffpunkt, wo im Idealfall den ganzen Kirchentag lang Konzerte von TEN SING-Gruppen stattfinden. Aber nicht in jeder Gruppe finden sich genug Leute, um mit einer showfähigen Besetzung teilzunehmen. Aus dieser Situation ist, angelehnt an ähnliche Projekte in anderen Regionen, in diesem Jahr das Projekt TEN SING RheinRuhr entstanden.

Der Gedanke dahinter war, möglichst vielen TEN SINGern, die sonst nicht die Möglichkeit dazu hätten, die Chance zu geben, zum Kirchentag zu fahren und dort aufzutreten. Nach Gesprächen mit ein paar Leuten stieß die Idee bereits auf Begeisterung und auch die Leitung der Region Ruhrgebiet wurde darauf aufmerksam. Erfreulicherweise ergab es sich dann sehr schnell, dass die Regionen Ruhrgebiet/Bergisch Land und Niederrhein sich als Träger für die Aktion anboten, denn der Name TEN SING ist geschützt und darf daher nicht ohne anerkannten Träger verwendet werden.

Nachdem das Konzept grob erarbeitet war - ein Probenwochenende, die klassischen drei Workshops Band, Tanz, Theater, einige Fristen, Gedanken zur Organisation über die teilnehmenden Gruppen - ging es in die konkrete Vorbereitung. Wir machten Werbung, suchten ein Haus für das Prowo und überlegten, welche Mitarbeiter die Leitung der Workshops übernehmen konnten. Manche TEN SINGer würden bei regionalen Aktionen wie den Seminaren gerne mitarbeiten und fragen sich wie man da rein kommt. Die Antwort ist ganz einfach: Unter TEN SINGern gibt es viele, denen man eine Leitungsfunktion zutrauen könnte. Sie müssen nur entdeckt werden.

Während das alles zumindest mäßig voran kam, fehlten noch die Anmeldungen - aber wir vertrauten darauf, dass TEN SINGer immer trödeln und formellen Kram auf letzten Drücker erledigen. Am Wochenende des Anmeldeschlusses war ich gerade in Hamburg beim Vorbereitungstreffen des Kirchentages. Als ich am Abend wieder online ging, hatte sich die Anmeldeliste gefüllt und man konnte fast zusehen, wie es mehr wurden. Am Ende mussten wir gerade eben so niemandem absagen, 58 Teilnehmer und 11 Mitarbeiter aus 9 Gruppen waren zusammen gekommen. Das Ziel, viele TEN SINGer zu erreichen, hatten wir damit definitiv erreicht.

Bis zum Probenwochenende ging es nun vor allem um die Vorbereitung der Workshops, Anmeldeformalitäten beim Kirchentag und finanzielle Regelungen. Außerdem ließen wir die Teilnehmer Lieder wählen. Da wir im 21. Jahrhundert leben, konnten wir sehr viel über das Internet regeln, was die großen Distanzen zwischen den Gruppen fast irrelevant erscheinen ließ. Einige Nächte wurden geopfert, um aus dem Urlaub noch fix die Liederwahl auszuwerten, den Technikplan für unseren Hauptauftritt zu erstellen oder immer wieder Mails mit der zuständigen Kirchentagsmitarbeitern auszutauschen. Können wir drei Schlagzeuger gleichzeitig spielen lassen? Zwei Keyboarder? Wie transportieren wir den ganzen Kram, und wo lassen wir die Instrumente dann? Wie funktioniert so ein Open Air-Auftritt? Können wir noch fix jemanden ummelden? Und was hat es eigentlich mit diesem Abend auf der Reeperbahn auf sich?

Am 19. April war es dann soweit, das Probenwochenende startete in einem Gemeindehaus in Gahlen. Die dortige TEN SING-Gruppe ist die größte Deutschlands und verfügt daher über geeignete Räumlichkeiten. Außerdem stellten sie knapp die Hälfte der Teilnehmer. Damit hatten wir schon vor dem Kirchentag etwas bewirkt - Gahlen hatte sich bei Regio-Aktionen lange Zeit enthalten und entdeckte nun wieder, was TEN SING eigentlich ausmacht.

Ganz typisch lief dann das meiste nicht so, wie wir es erwartet hatten; manches funktionierte gar nicht, anderes sogar wesentlich besser. So mussten wir die Bandbelegung mehrfach ändern, weil nicht alle ausreichend vorbereitet waren. Dafür schaffte der Chor es tatsächlich, alle sieben Lieder zu lernen. Und auch, wenn wir manchmal Feedback bekamen, das Wochenende sei sehr anstrengend, war es immer damit verbunden, dass die Teilnehmer auch von der Produktivität begeistert waren. Sogar manche "alten Hasen" sprachen davon, noch nie so produktiv gewesen zu sein. Das zeigte sich auch, als wir eine der geplanten Spielaktionen zugunsten von mehr Proben absagten: Es gab nicht nur keinen Widerstand, sondern sogar Zustimmung!

In 48 Stunden eine komplette Show quasi aus dem Boden zu stampfen kann man nicht komplett durchplanen. Wir haben vorbereitet, soviel wir konnten. Wir haben Fehler gemacht und Kritik einstecken müssen, aber auch viel Lob bekommen. Was nicht geplant war, ergab sich vor Ort, und am Ende waren 69 Menschen völlig begeistert vom Ergebnis und voller Vorfreude auf den Kirchentag. hahahah

Auf dem Kirchentag war dann vor allem der Donnerstag (2. Tag) sehr voll. Vormittags eine öffentliche Chorprobe auf einem großen Platz, nachmittags unser großer Auftritt im Treffpunkt, der ausgesprochen gut ankam. Anfang und Ende bildete "Some Nights", was wohl unumstritten unser Highlight war. Ein für TEN SING sehr anspruchsvoller Chorsatz als bombastischer Einstieg und bei der Zugabe der Abgang in mehreren Stufen - nachdem der Chor von der Bühne war, löste sich die Band nach und nach auf, bis am Ende nur noch der Schlagzeuger mit der Marching Snare blieb, der dann weiter spielend von der Bühne ging.

Als Krönung traten wir dann abends nochmal auf der Reeperbahn auf, wo sich alle am Kirchentag teilnehmenden Gruppen mit ihren besten Stücken präsentieren sollten. Als Imke, die Koordinatorin des Reeperbahn-Events, hinterher auf uns zukam und fragte, ob wir nicht als Zugabe nochmal auftreten wollten, war klar: TEN SING RheinRuhr war ein voller Erfolg, und wir konnten die in den Monaten der Vorbereitung und am Probenwochenende entstandene Begeisterung weiter tragen. hahahah

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Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, mit der ich meinen Lesern TEN SING näher bringen möchte. Dabei handelt es sich nämlich weder um Kampfsport noch um Tee, sondern um ein Jugendprojekt des CVJM, von dem ich, seit ich es kennen gelernt habe, wirklich begeistert bin. Und weil die Begeisterung, mit der die meisten Teilnehmer von TEN SING dabei sind, nicht für jeden nachzuvollziehen ist, werde ich in mehreren Artikeln auf verschiedene Aspekte eingehen. Der gestrige Artikel hat hoffentlich einen verständlichen Überblick darüber verschafft, was TEN SING ist und was man dort macht. Heute geht es darum, was TEN SING unabhängig von den Ortsgruppen ist.

Obwohl es sich bei TEN SING um ein internationales Konzept handelt und gerade in Deutschland sehr viele Gruppen anzutreffen sind, passiert es häufig, dass man von TEN SING erzählen möchte und erstmal seltsam angeschaut wird, weil der Name kaum jemandem geläufig ist. Im CVJM, dem Christlichen Verein Junger Menschen (auch YMCA - Young Men's Christian Association) ist TEN SING der größte Bestandteil der Jugendarbeit, aber auch der CVJM ist ja nicht unbedingt in der Öffentlichkeit präsent. Das liegt zum einen daran, dass nur wenige öffentliche Aktionen stattfinden - wäre ja auch übertrieben, über die alltäglichen Treffen jeder Jugendgruppe zu berichten. Zum Anderen finden solche Aktionen dann nahezu immer auf lokaler Ebene statt - und in den Lokalteilen der örtlichen Presse finden sich durchaus Berichte über Auftritte von TEN SING-Gruppen. Aber die echten Lokalzeitungen sterben immer mehr aus und wenn, werden sie kaum gelesen.

Dazu kommt, dass die Teilnehmer von TEN SING ebenfalls überwiegend nicht durch allgemeine Öffentlichkeitsarbeit geworben werden, sondern durch gezielte Aktionen. Dazu gehören Auftritte an Schulen und Werbeaktionen im Konfirmationsunterricht in den Gemeinden rund um die von der Gruppe genutzten Räumlichkeiten. Auch über den CVJM direkt kommen teilweise neue Teilnehmer dazu, denn in den anderen CVJM-Gruppen ist TEN SING durchaus bekannt. Darüber hinaus sind die Kirchentage wohl die öffentlichkeitswirksamsten Veranstaltungen, weil vor allem an den Kirchentagen im Norden und Westen Deutschlands viele TEN SING-Gruppen teilnehmen - aber Kirchentag ist ja leider nur alle zwei Jahre.

Jedes Jahr finden hingegen die vom CVJM angebotenen Seminare für TEN SINGer statt. Da gibt es jedes Jahr um Ostern das deutschlandweite Dassel-Seminar, bei dem 180 Teilnehmer zusammen kommen, und die regionalen Seminare, die in den CVJM-Regionen organisiert sind (Westbund NRW/Hessen, Norddeutschland, Ostwerk und viele der südlichen und mitteldeutschen Bundesländer). Und zusätzlich zu diesen eher kompetenzorientierten, jeweils einwöchigen Seminaren gibt es Veranstaltungen wie das Inside-Meeting in Wuppertal, das 48 Stunden dauert und quasi ein Mini-Spaß-Seminar ist, oder das Hessenprojekt, bei dem eine Show erarbeitet wird, mit der die Projektgruppe dann durch Deutschland tourt.

Nachdem ich das erste Mal auf einem der großen Seminare war, war ich so begeistert wie noch nie in meinem Leben. Ich beschrieb es damals als "eine Woche mit 180 tollen, hochmotivierten Menschen verbringen und die ganze Zeit genau das tun, was einem Spaß macht". Diese Aussage repräsentiert den Kern der Seminare recht gut - es gibt die Workshops, in denen man gleichzeitig Spaß haben und seine Fähigkeiten ausbauen kann, es gibt verschiedenste Aktionen, um sich in großen und kleinen Gruppen kennen zu lernen, von gemeinsamen Spielen über gemütliche Abende mit Akustikgitarre und Feedbackrunden bis hin zum Essen, es gibt entspannte geistliche Einheiten, um sich mit dem Glauben und dem eigenen Leben auseinander zu setzen und natürlich gibt es den Chor, der schon wegen der Masse von fast 200 Menschen beeindruckt, aber auch dadurch, dass innerhalb weniger Proben vier bis sechs Stücke erfolgreich einstudiert werden. Die Woche endet dann mit einer abendfüllenden Show, die in der einen Woche von den Teilnehmern aus dem Boden gestampft wurde, und das teilweise in Bereichen, in denen die jeweiligen TSer bisher noch keine Erfahrungen hatten.

An diesen Seminaren kann natürlich immer nur ein ausgewählter Kreis teilnehmen. Manche können aus zeitlichen oder beruflichen Gründen nicht, andere müssen rausgelost werden, weil nicht genug Plätze verfügbar sind. Einen kleinen Trost bietet dann immer die Gelegenheit, als Zuschauer an der Abschlussshow teilzunehmen - eine Gelegenheit, die gerne genutzt wird, so dass diese Konzerte immer gut besucht sind. Überhaupt ist es äußerst üblich, die Auftritte anderer TEN SING-Gruppen zu besuchen, denn dafür lohnt es sich, auch mal etwas weitere Strecken zu fahren, trifft man dort doch immer viele TEN SINGer, die man zuvor z.B. bei Seminaren kennen gelernt hat. Außerdem bieten TEN SING-Konzerte abendfüllende Unterhaltung unter Gleichgesinnten für kleines Geld (teilweise dank Sponsoren sogar komplett gratis).

Auch wenn einzelne durchaus mal alleine zu Konzerten reisen, sind doch meist noch andere Teilnehmer der eigenen Gruppe dabei, so dass Konzertbesuche, die damit verbundenen Zugfahrten und eventuelle Übernachtungen nach der Show auch Gelegenheit bieten, mit der eigenen Gruppe mehr Zeit zu verbringen. Am Schönsten ist es immer dann, wenn man schon unterwegs andere anreisende Gruppen trifft und so zum Beispiel einen normalen Linienverkehrsbus stürmt und feststellt, dass der volle Bus gerade quasi nur mit TEN SINGern gefüllt ist, die alle zur Show einer befreundeten Gruppe wollen. Und manchmal wird sogar ein eigener Bus angemietet, um mit der gesamten Gruppe in ein anderes Bundesland zu reisen und dort die Show einer anderen Gruppe zu besuchen.

TEN SING ist also viel mehr als nur wöchentliche Treffen und ein Auftritt für die Eltern. TEN SING ist vor allem Gemeinschaft. Und ohne die vielen Aktionen, die in der Region oder auf nationaler Ebene (oder sogar auf internationaler, dazu später) stattfinden, wäre es nicht halb so toll.

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Diese Woche, vom 30. März bis zum 2. April, ist nach vier Jahren wieder JesusHouse zentral, diesmal in Stuttgart. JesusHouse kann man sich vereinfacht als ein Event über vier Abende vorstellen, bei dem die Abende jeweils aus Lobpreis, etwas Show, einem längeren Impuls und der Möglichkeit, über Glauben zu sprechen, bestehen. Eine Art moderner Jugendgottesdienst, wenn man so möchte.

JesusHouse zentral wird in vielen Städten live übertragen, es gibt dann jeweils etwas Rahmenprogramm, manche Programmpunkte aus Stuttgart werden auch vor Ort an den Übertragungsorten durchgeführt. Für mich war das Hagen, da der dortige Veranstaltungsort, die Elbershallen, zentral liegt und daher (obwohl Hagen als Stadt nicht so nah ist) am einfachsten zu erreichen ist.

Nun sind zwar in Stuttgart 3500 Menschen, die an JesusHouse teilnehmen, und auch in Hagen kommen ein paar mehr als in den CVJM bequem reinpassen würden, aber so klein sind die Elbershallen nun nicht, also war etwas Werbung fällig. Und weil's Spaß macht und modern ist und wir alle jung und verrückt sind, gab's deshalb einen Tanz-Flashmob in der Hagener Innenstadt.

Das lief dann für mich so, dass Franzi, die das mitorganisiert hat, bei TEN SING rumlief und jeden bequatscht hat zu kommen, ein paar sind dann zu der Gemeinde wo uns der Tanz beigebracht wurde und dann sind wir von dort in die Stadt gelaufen, zu einem relativ großen Platz zwischen gut besuchten Geschäften. Man mag schimpfen, dass sei kein richtiger Flashmob, weil nicht spontan und nicht (nur) mit Fremden organisiert und bla, aber meine Güte, ist nicht so wichtig was es genau war.

Der ein oder andere kennt vielleicht das bei Youtube kursierende Video, wo bei einem Oprah-Event zigtausende Menschen einen genialen Massentanz zu I gotta feeling von Black Eyed Peas tanzen. Wir waren dreißig und der Tanz war etwas anders, ziemlich cool war's trotzdem und so sah das dann aus:

Flashmob_Franzi-small.JPGFlashmob_1-small.jpgFlashmob_4-small.jpg

Bei Vimeo in bewegten Bildern anschauen

Der Ghettoblaster war für den großen Platz leider doch recht leise, sonst hätten wir vermutlich schon eher Aufmerksamkeit erregt, aber ich fand's so schon faszinierend dass sich niemand darum kümmert wenn mitten auf dem Platz jemand einen Ghettoblaster aufbaut und Musik anmacht... als am Ende alle zusammen waren, standen aber dann doch einige Leute herum und guckten zu.

Definitiv eine lustige Aktion. Das sei auch allen Kritikern gesagt... viel mehr Spaß, als darüber zu lästern, wie albern das ist oder dilettantisch oder dass es kein richtiger Flashmob ist, macht es, mitzumachen. hahahah

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