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In meinem Haushalt und generell in meinem Leben läuft einiges anders als beim Durchschnittsbürger und gelegentlich werde ich dafür als Hippie oder Öko oder Freak bezeichnet. Abwertend gemeint ist es selten, aber auch mit der bloßen Sonderstellung möchte ich gerne aufräumen. Denn gerade wenn es um Ernährung oder bewussteren Konsum geht, denken viele, ein besserer Lebensstil sei mit viel Aufwand verbunden - dabei ist das oft gar nicht. Auch werden viele Lebensstile und Bewegungen als lächerlich und sinnlos angesehen, weil sie zu extrem sind - dabei soll vieles vor allem wachrütteln und aufklären, meine vegetarische Ernährung ebenso wie "Zero Waste", eine aktuelle Bewegung und der Versuch, jeglichen Müll zu vermeiden.

Ich würde nie von jemandem verlangen, so extrem zu werden. Es ist allerdings nicht schwer, mal kurz nachzudenken was man wirklich braucht, und man muss auch kein Idealist sein dafür. Isst man weniger Fleisch, kann man dafür besseres kaufen und es mehr genießen. Kauft man nur soviele Lebensmittel, wie man verbrauchen kann, bevor sie verderben, muss man weniger wegwerfen. Kleidung kann man lange tragen ohne neue kaufen zu müssen und wenn man ein Kleidungsstück nicht mehr sehen kann, findet es sicher einen Käufer, der es noch tragen würde - Müll vermieden. Die im Klinikum obligatorischen Papiertücher braucht man Zuhause definitiv nicht, in nahezu allen Fällen sind waschbare Stoffhandtücher und Putzlappen ausreichend. Ein Paar Gummihandschuhe hilft beim Spülen denen, die sich normalerweise davor ekeln, in stehendem Wasser statt unter fließendem Wasserstrahl abzuwaschen.

Bei der konkreten Produktauswahl gibt es tausend Dinge, die man beachten kann, und man muss sie nicht alle auf einmal lernen. Ich möchte aber ein paar Beispiele dafür geben, wie ich nach und nach Produkte, die ich immer wieder kaufe, aus Nachhaltigkeitsgründen ausgetauscht habe.

  • Papier-Wischtücher: Oben schon erwähnt, verwende ich gar nicht mehr. Es erscheint mir sinnvoller, ein paar mehr einfache Putzlappen zu haben und zu waschen (und notfalls auch mal auszutauschen), als für jedes Mal Kleckern ein Einmal-Wischtuch zu verwenden. Da habe ich auch gleich viel weniger Müll.
  • Margarine: Palmöl und Palmfett stammen oft aus Monokulturen und werden nicht selten in Ländern gewonnen, in denen die Arbeitsbedingungen verwerflich sind. Die Kaufland-Eigenmarken-Margarine besteht zu 100% aus Sonnenblumenöl - und kostet auch noch deutlich weniger als die beliebte Rama, auf die das nicht zutrifft. In anderen Lebensmitteln Palmöl und -fett zu vermeiden ist schwieriger, aber zumindest teilweise möglich.
  • Waschmittel: Das Eigenmarken-Waschmittel von dm ist Stiftung Warentest-Sieger, die ganze Marke "denkmit" wird außerdem tierversuchsfrei produziert. Schon das erste Semester im psychologisch-medizinischen Bereich an der Uni hat gereicht, um mir klar zu machen, dass Tierversuche keineswegs brauchbare Rückschlüsse auf den Menschen zulassen. Natürlich lassen sich viele Ergebnisse übertragen - ebenso viele allerdings eben nicht. Das Testen von Produkten an Tieren ist also nicht nur moralisch bedenklich, sondern nichtmal zwingend nützlich. Daher versuche ich, möglichst alle Kosmetika und Putzmittel von Herstellern zu beziehen, die keine Tierversuche durchführen oder durchführen lassen. Spülmittel beispielsweise von Frosch, Shampoo von lavera (beides im gut sortierten Supermarkt / Drogeriemarkt erhältlich). Oft sind die Preise auf dem gleichen Niveau wie die der Konkurrenz.

Neben solchen Kleinigkeiten ist Second Hand extrem wichtig. Schon aus finanziellen Gründen hilft es mir, auch aus ethischen Gründen werbe ich aber immer wieder dafür. Mit etwas zeitlicher Flexibilität und notfalls einem Freund mit Auto bekommt man nahezu jedes elektrische Gerät und zahlreiche Möbelstücke und Wohnungseinrichtung gebraucht im Internet, teilweise sogar geschenkt. Auch Medien sind leicht gebraucht zu beschaffen. Für Kleidung gibt es sogar Second Hand-Geschäfte. In der Regel ist der Zustand der Waren sehr gut und das Gekaufte kann noch lange weiter genutzt werden. Auf meinem Schreibtisch befinden sich zahlreiche Geräte und mehrere DVDs und Bücher und bis auf wenige Ausnahmen habe ich alles gebraucht erworben.

Es ist nicht notwendig, enormen Aufwand zu betreiben, um weniger verschwenderisch zu leben. Man muss nur erkennen, wie viel man schon einfach so erreichen kann. Spätestens der oft damit verbundene finanzielle Anreiz sollte zum Ausprobieren verleiten. Und wenn ein Shampoo mal vier Euro kostet statt zwei, darf man auch ruhig mal davon ausgehen, dass es nicht nur ökologischer, sondern auch verträglicher ist als die altbekannte Marke - denn oft ist das der Fall. Vieles, was Tiere und Ökosystem schont, nutzt auch dem Menschen.

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Weiterführender Linktipp: Ärzte gegen Tierversuche

Wie jeden Monat stelle ich hier die Lieder vor, die ich neu entdeckt habe - weil ich sie zu schätzen gelernt habe, weil sie nach langer Zeit wieder aufgetaucht sind oder weil sie einfach neu sind. Radio, Konzerte, Festivals und Empfehlungen von Freunden und Bloggern bringen immer wieder frischen Wind in meine Sammlung und die hier ausgewählten Titel, oft auch andere Titel der Band, möchte ich als Empfehlung an euch weitergeben. Aufgrund der schwierigen Lage in Deutschland gibt es meistens keine Links, aber über Google, Spotify & Co findet sich alles.

Halsey
Im Kontext anderer elektronischer Acts empfahl meine Freundin mir Halsey. Nicht sonderlich niveauvoll, aber gut für zwischendurch.
Lindsey Stirling
Lindsey Stirling hingegen bringt da schon gehobenere Beats, Rhythmen und Sounds, und natürlich ist die Kombination der Geige mit dem Synthesizer einfach erfrischend - aber auch nach etlichen Malen noch nicht totgehört.
Wintergatan Marble Machine
Okay - einfach anschauen. Es wäre verrückt, das mit Worten darstellen zu wollen, ohne die faszinierende Wirkung zu verlieren. Musik mit einem eigens für diesen Song gebauten Instrument.
Carpark North - Burn it
Carpark North habe ich schon lange nicht mehr gehört, dabei mochte ich deren elektronischen Rock eigentlich sehr. Allerdings hatte mich das neue Album ("Phoenix", 2015) enttäuscht. Im Zuge einer anstehenden Tour hörte ich es erneut an und es hat schon seine guten Momente, ist in Summe aber einfach zu ruhig.
Arctic Monkeys - Fluorescent Adolescent
Ahem, ein Klassiker, den ich irgendwie verpasst hatte. Quirliger Indiesound. Zu Recht ein erfolgreicher Song.

Kommentare sind eines der wichtigsten und ausschlaggebendsten Dinge für einen Blog und die Blogger-Community lebt davon. Trotzdem gibt es viele Blogs, die kaum Kommentare erhalten oder sie sogar deaktivieren. Letzteres oft, um Angriffen aus dem Weg zu gehen - aber auch das Deaktivieren der Kommentare bei alten Posts ist üblich, um Spam zu vermeiden. Mein Blog ist lediglich durch einen Captcha geschützt, den nur neue Kommentatoren lösen müssen, außerdem habe ich einen recht simplen Spamfilter (ohne automatisches Lernen). Der Rest wird moderiert. Ich erhalte recht wenig Spamkommentare und leider auch sehr wenig echte, so dass sich die Arbeit in Grenzen hält.

Viele meiner Leser kommen über Facebook und kommentieren gelegentlich dort, andere sind nicht-blogaffine Verwandte und Freunde, die mich persönlich ansprechen, statt hier zu kommentieren. Darüber freue ich mich natürlich auch, wobei es mich schon wurmt, dass die meisten Artikel hier leer ausgehen. Daher wird es demnächst wohl ein Plugin geben, das Facebook-Kommentare als Kommentar auf dem Blog anzeigt.

Wenn ich mal selbst anderswo kommentiere, erhalte ich zumindest eine Zeit lang selbst auch mehr Kommentare. Vor allem bei Blogparaden wie dieser hier, aber auch, wenn Leute sich eine Weile als Leser auf meinen Blog verirren. Das funktioniert allerdings nur bei eher kleinen Blogs zuverlässig - viele Autoren größerer und großer Blogs scheinen nicht die Zeit oder das Interesse zu haben, sich alle ihre Leser anzuschauen. Das führt auch dazu, dass ich Artikel auf großen Blogs seltener kommentiere, und kleinere Blogs lese ich zurzeit recht wenige.

Man merkt sowieso schon an den Fragen, die zu dieser Ausgabe des Blogger-Alphabets mitgeliefert wurden, dass ich eher weniger aktiv bin - von Kommentaren pro Tag, die ich schreibe, kann nicht die Rede sein. Mir ist eben nicht immer danach. Dafür wird selbstverständlich alles beantwortet, was auf meinem Blog erscheint! Auch verfolge ich, wenn ich mal kommentiere, alle Folgekommentare. So bin ich zwar kein großer Schreiber, aber wenn, dann recht kommunikativ.

Patientenzimmer wie im Text beschriebenSeit zwei Monaten arbeite ich im Schlaflabor. In der Zeit habe ich sicher mehr als ein Dutzend Mal zu hören bekommen: "Und, was machste da, schlafen, hahaha". Einige meinten das sogar ernst und dachten, ich wäre Proband und würde dafür bezahlt werden. Das ist natürlich Quatsch. Offenbar ist den wenigsten Menschen klar, was ein Schlaflabor ist - ich hatte ja selbst eine ganz andere Vorstellung davon.

Das Schlaflabor in Chemnitz sieht keineswegs aus wie ein Labor, eher wie ein Büro (es ist ja gleichzeitig auch eins). Hinter den meisten Türen verstecken sich allerdings Betten - in Zimmern wie in einem günstigen Hotel, ergänzt um einen fahrbaren Ständer mit einem Tablet-großen Gerät mit ein paar Dutzend Anschlüssen. Außerdem gibt es eine Videokamera mit Infrarotscheinwerfer, die auf das Bett gerichtet ist. Solange kein Patient angeschlossen ist, sieht das alles völlig unspektakulär aus, und auch der Kontrollraum besteht lediglich aus einer Menge Computer. Das Ganze befindet sich in einem Gebäude des Klinikums - es handelt sich um eine medizinische Einrichtung.

Natürlich verdiene ich mein Geld nicht im Schlaf, auch wenn meine Arbeit dort meistens ziemlich entspannt ist. Im Schlaflabor wird in drei Schichten gearbeitet: Tagsüber werden Geräte gewartet und Sensoren geprüft, was zu meinen Aufgaben gehört, Messungen ausgewertet und allerlei Bürotätigkeiten erledigt. Abends werden Patienten empfangen und untersucht und anschließend an besagtes tabletgroße Gerät angeschlossen - mit über 20 Sensoren und entsprechend vielen Kabeln, was dann schon etwas abenteuerlich aussieht, von den meisten der typischerweise sehr alten Patienten aber erstaunlich gelassen hingenommen wird. Computergestützt werden dann EKG, EEG und verschiedene Atmungs- und Bewegungsparameter aufgezeichnet. Der Nachtdienst überwacht den Schlaf der Patienten - vor allem auf korrekte Funktion (natürlich lösen sich auch mal ein paar Elektroden). Außerdem werden nachts Therapiegeräte eingestellt.

Patient im Schlaflabor wird, wer ernste Probleme mit Schnarchen oder Atemaussetzer hat, aber auch, wer Sekundenschlaf erlebt oder ohne diagnostizierte Ursache (z.B. Schilddrüsenfehlfunktion, Depressionen) ständig müde ist oder oft aufwacht. Manchmal hilft es, eine bestimmte Lage im Schlaf zu erzwingen (kaum jemand schläft immer so, wie er eingeschlafen ist), oft werden Beatmungsgeräte mit Maske eingesetzt.

Ins Schlaflabor geht man also indirekt doch, um zu schlafen - oder besser gesagt, um wieder schlafen zu können.

Was treibt Menschen an? Wie wichtig sind Pläne, Träume und Ziele, und wie verändert sich das in verschiedenen Lebensphasen? Manche Menschen haben viele Dinge im Kopf, die irgendwann nochmal passieren sollen im Leben, seien es völlig irreale Dinge wie eine bestimmte Theaterrolle, oder auch kleine Sachen, wie mit einem Freund Straßenmusik zu machen, eine Reise durch Sachsen oder ein bestimmter Erfolg beim Sport. Und solche Menschen brauchen das, denn sie würden sonst nicht leben wollen oder können. Ziele und Träume geben Willen und Kraft, weiterzumachen und die beste Version von sich selbst zu sein, die man sein kann. Dagegen gibt es auch Menschen, die seit Anfang 20 arbeitslos sind, ihre Wohnung nur zum Einkaufen verlassen und mit 50 immer noch so vor sich hin leben und einen Ausflug ans andere Ende der Stadt schon als große Reise empfinden. Wie lebt man, ohne eine Vorstellung von seiner Zukunft zu haben, oder auch nur einen Wunsch, wie diese aussehen könnte?

Und wie ist es wohl, wenn man nicht arbeitslos ist und nicht rumvegetiert, weil man Job und Familie hat, aber trotzdem keine Ziele und Pläne? Vermisst man dann was? Hören manche Menschen vielleicht irgendwann auf, sich Ziele zu setzen, weil sie glauben, alles erreicht zu haben? Ich finde, sowohl die kleinen machbaren Ziele (Sachsen erkunden) sind ein Leben lang wichtig, als auch die großen verrückten. Was treibt mich denn sonst an wenn ich mal im Beruf stehe? Manche Ziele sind ja einfach von Lebensumständen abhängig und erfordern gewisse Vorarbeit - Kinder haben, eine Familie gründen, beruflicher Erfolg, Dinge die von Geld abhängen. Möglichkeiten und Lebensumstände ändern sich immer wieder mal, aber es ist doch völlig berechtigt, davon zu träumen, dass das eigene Leben sich nochmal verändern könnte.

Sicher gibt es viele Menschen, die sagen, dass sie mit ihrer aktuellen Situation zufrieden sind, ihren Traumjob gefunden haben und die tollsten Kinder der Welt, dennoch gibt es dann ja so Sachen auf die man sich freut und auf die man hinarbeitet. Ob man das dann noch als Ziele bezeichnet ist fraglich, aber es könnten Dinge sein wie der nächste Urlaub, eine größere Neuanschaffung, Erfolg der eigenen Kinder miterleben, ... Vielleicht kann man zufrieden sein und trotzdem nicht alles haben. Oder vielleicht macht gerade dieses 'nicht alles haben' diese spezielle Zufriedenheit aus.

Wer alles hat und das auch realisiert verliert auf gewisse Weise seinen Lebenswillen. Oder vielleicht ist es eher der Punkt, an dem man das meiste hat und den Glauben daran, den Rest auch noch erreichen zu können, verloren hat. Vielleicht ist das der Grund, wieso manche Menschen eine Midlife-Crisis bekommen, weil das so die Zeit ist, wo man die ganzen großen Dinge entweder geschafft hat oder nicht mehr daran glaubt, sie noch zu schaffen. Dagegen gibt es auch Menschen, die vom Alter her längst ihre Midlife Crisis hätten haben müssen und aber keine hatten, und manchmal kann man an diesen Menschen beobachten, dass sie auch mit 40, 50 immer noch daran arbeiten, etwas zu erreichen - Unterricht an einem Instrument nehmen, die Schauspielschule besuchen oder Reisepläne spinnen. Alles zu haben und immer das gleiche zu tun wird schnell langweilig, und wer nicht gerade einen Job hat, der jeden Tag fordernd und anders ist, verkümmert über die Zeit. Und auch wenn ich selbst oft schimpfe, was alles fehlt, mag ich auch die Gedanken, was man noch machen könnte und auch, wie man das erreichen könnte. Und vielleicht sind Pläne sogar der wichtigste Punkt: Sie sind in gewissem Maße konkret, sie geben eine Richtung, in die man sein Leben bewegen kann, und können so Antrieb sein, jeden Tag aufs neue zu versuchen, etwas zu erreichen.

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