Die Seele jeder Ordnung ist ein großer Papierkorb.

Kurt Tucholsky

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So ätzend es sein kann, wenn man regelmäßig mittlere oder längere Strecken Zug fahren muss, so spannend ist es doch, wenn einem mal wieder was interessantes passiert. So geschehen gestern Abend1 in Dortmund.

Ich kam auf den Bahnsteig an dem mein Zug nach Herne fahren sollte als dort gerade jemand Hilfe suchte. Der Mann war offensichtlich nicht der deutschen Sprache mächtig und wollte wissen wie er nach Herne kommt. Am gegenüberliegenden Bahnsteig schickte ihn gerade jemand weg ("hier nicht"), also hab ich ihn erstmal rüber gewunken, denn ich wusste ja wie ich nach Herne komme. Mit Händen und Füßen habe ich ihm dann irgendwie klar gemacht dass er nach Herne kommt wenn er in den Zug einsteigt der da gerade kommt und dass ich auch dort hinfahre. Es stellte sich heraus, dass er weder deutsch noch englisch, nur spanisch, spricht. Mir kam dann irgendwann die Erleuchtung mit Hilfe moderner Technik ein paar Brocken spanisch zu produzieren und Google hat es immerhin geschafft, ihm klarzumachen, dass er immer noch im richtigen Zug sitzt und es etwa 30 Minuten dauert bis Herne.

Schwieriger war es, heraus zu bekommen, was er wollte, als er anfing von seiner Frau und seinen Kindern zu sprechen... mit Google konnte ich ihm zwar antworten, aber der Versuch, spanisch einzugeben, ist kläglich gescheitert, der Herr war offensichtlich nicht an PCs gewöhnt. Er verkaufte mir dann erstmal eine Obdachlosenzeitung und als er danach eine Handynummer rausholte, verstand ich auch, dass er nicht danach gefragt hatte, ob er bei mir übernachten kann, sondern bloß telefonieren wollte. Na, das war nun kein Problem, offensichtlich sollte ihn jemand am Bahnhof abholen.

Dreißig Nachfragen ob der Zug nach Herne fährt und zwanzig Erklärungen wo wir gerade sind später kamen wir dann sogar in Herne an und nach einem zweiten Telefonat ging's raus aus dem Bahnhof und ich glaube, er hat sogar gefunden, wo er hin musste, jedenfalls wirkte er ziemlich glücklich über meine Hilfe.

Und jetzt frage ich mich: Wenn in Dortmund sogar der offizielle Aushangfahrplan nur von Castrop und Wanne-Eickel redet und damit etwa zehn Stationen auslässt - wie soll man dann herausfinden wie man nach hause kommt? Wenn der Zug nicht beschriftet, die Bahnsteigsanzeige ausgefallen und die Durchsage undeutlich ist - wie soll man dann herausfinden, wo einen der Zug hinbringen wird? Wenn die Service-Säulen auf den Bahnsteigen schlecht funktionieren oder die Bahnbediensteten am anderen Ende undeutlich zu hören sind (so denn einer dran geht) - wie soll man dann Hilfe bekommen? Wenn die Anzeigen im Zug ausgefallen sind und die Durchsagen rauschen, so dass man sie nur versteht, wenn man fließend deutsch spricht - wie soll dann ein Nichtdeutscher wissen wo er gerade ist? Wenn Bahnhöfe keine Schilder haben - wie soll man dann aus dem Fenster gucken und im Dunkeln erkennen wo man ist? Und wenn man weder deutsch noch englisch spricht und alles vorhergehende zutrifft - ist man dann nicht völlig aufgeschmissen?

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1 Nach Hagener Verhältnissen: Nacht.

...schließlich laufen draußen jede Menge Menschen rum, die man nur beobachten muss, um sich zu wundern oder zu lachen. Einfach irgendwo an einen Bahnhof stellen und in irgendeine Bahn oder einen Zug einsteigen... spannend sind immer ältere Menschen, die mit sich selbst reden, weil gerade die Russen kommen oder ähnliches. Das bringt einen als so-gerade-nach-Mauerfall-Kind doch ans Nachdenken, wie heftig der Krieg gewesen sein muss, wenn er bei manchen Menschen solche eindrücke hinterlassen hat. Unentschlüsselt sind bisher folgende Textbruchstücke von einem mittelalten Mann aus der Straßenbahn: "Muss getötet werden... blockiert die Arbeit auf der... Sie haben keine Argumente... is jezz gut?" - der war überhaupt leicht reizbar von jedem kleinen Bremsmanöver der Bahn...

Wer nicht auf die öffentlichen steht, setzt sich halt ins Auto - da ist aber das Unfallrisiko ungleich höher, zum Beispiel wenn einem wie mir ein beinahe-Geisterfahrer begegnet. Ich auf ner kleineren Hauptstraße, komme aus einer 30er-Zone, ein Fahrer biegt in meine Straße ein, mir entgegen - auf meiner Spur! Er hat dann dort gepackt... unzulässigerweise entgegen Fahrtrichtung, aber gegen das Manöver einfach mal voll auf mich zuzuhalten, ist das eher nebensächlich. O_O Wenn er dann noch, wie zuvor gesichtet, große Holzbretter einfach im offenen Fenster eingeklemmt hätte statt den Kofferraum zu nutzen, so dass noch n Meter Holz aus dem Auto ragte, wäre auch das Ausweichmanöver kritisch geworden.

Die Polizei war natürlich, wie es einem immer so vorkommt, nur dann da wo es nervt. Mitten in der Nacht, auf leerer Straße, mir fährt ständig ein Streifenwagen dicht auf. Als dann doch mal eine rote Ampel kommt, wird bei mir angeklopft, die Straße mit dem Streifenwagen blockiert, Kontrolle der Papiere. Leicht knatschige Situation weil ich sauer war wegen dem dicht Auffahren, der Hintergrund war, dass gefälschte TÜV-Plaketten gesucht werden, und da unsere lose war, sind die Polizisten auf unser Fahrzeug aufmerksam geworden... im Endeffekt dann unspannend.

Naja... ich geh mich dann mal erholen. Bald ist Schluss mit der Gurkerei zur Uni... die einstündige Haltern-und-zurück-Fahrt, um die beim Fahrsicherheitstraining vergessene Gießkanne abzuholen, war richtig entspannend. Keine Tempolimits, freie Straßen und mitten im Grünen hahahah Darüber berichte ich dann morgen.

Nun hat zwar Chris grad erst darüber gebloggt, dennoch möchte ich auch mal was zu Busfahrern loswerden. Könnte interessant werden - sein Erlebnis ist nämlich ein krasser Gegenpol zu dem, was ich hier erzählen möchte.

Busfahrer begleiten mich seit mindestens zehn Jahren, davor bin ich mir nicht sicher, weil ich da noch zu Fuß zur Grundschule gegangen bin. Aber spätestens seit danach fahre ich regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln und daher kommt es wohl auch, dass ich selbst beim Autofahren Positionen, Straßen und Entfernungen anhand von Haltestellen angebe und mich immer zurechtfinde, solange ich öffentliche Verkehrsmittel zur Hand habe (ansonsten bin ich aufgeschmissen). Der Bus war immer mein Liebling. Als Kind fand ich den warmen Motor hinten im Gelenkbus immer toll. Da hab ich dann auch immer meine Sporttasche drauf gestellt und vergessen... Straßenbahnen mag ich heute erst recht nicht mehr, siehe meine Einträge zur Variobahn.

In der Fahrschule hat man mir mehrfach eingetrichtert, ich solle in Situationen mit großen Fahrzeugen immer im Zweifel einfach stehen bleiben, weil Fahrer von LKW und Bussen das auch alleine hinkriegen z.B. um enge Kurven zu fahren. Das hat sich definitiv als richtig erwiesen. Mein krassestes Erlebnis in der Hinsicht war, als ich mal einen Bus (ohne Gelenk) gesehen habe, der sich in die Straße verfahren hat in der ich wohne.

Die Straßen verlaufen hier wie folgt: Von unserem Haus aus gesehen links kommt ein verkehrsberuhigter Bereich. Dieser endet ca gegenüber von unserem Haus. Von der anderen Seite, also von der Hauptstraße, kommt eine 30er Zone, die nach rechts (also von unserem Haus weg, vor dem verkehrsberuhigten Bereich) abbiegt. Die Parksituation hier ist nicht nur schlimm, sondern grausam. Die Straße ist eh schon eng, auf der einen Seite parken Autos mehr oder weniger auf einem Parkstreifen, auf der anderen Seite auch noch, in dem Teil der von der Hauptstraße kommt passen noch so gerade zwei fahrende Autos aneinander vorbei, im restlichen Teil (nach der Kurve und Spielstraße) nicht, weil dort zuviele Autos parken.

Und aus dem Teil hinter der Kurve kam nun rückwärts (also mit der Rückseite auf unser Haus zu) ein Bus an. Ist um die Kurve gefahren und zur Hauptstraße. Irre langsam zwar und mit ständigem wieder anhalten, aber ohne irgendwo gegen zu fahren. Rückwärts zwischen den parkenden Autos durch raus auf die Hauptstraße, wo man vorwärts schon nix sieht. Ohne das was passiert ist. Ich hab bis heute nicht verstanden, wie das funktioniert hat...

Enge Straßen gibt es viele und ich habe schon oft erlebt, dass Busfahrer mit irrsinnigem Augenmaß irgendwo vorbeifahren, wo Autofahrer Angstzustände kriegen und sich oft dann total dumm verhalten. Ich berichtete ja mal über so ein Exemplar von Autofahrer.

Nun gut. Eigentlich wollte ich auf was ganz anderes eingehen, aber so geht's halt wenn man einfach drauflos schreibt und nur ein paar Stichpunkte hat. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ein Busfahrer mal von seiner typischen Schicht erzählt hat. Überstunden erstmal und am Wochenende zusätzlich fahren, weil Personalmangel herrschte. Sechs Stunden eine normale Linie von 45 bis 60 Minuten pro Strecke - und drei Stunden eine Linie, die von Start bis Ziel nur 10 Minuten braucht und dabei dreimal am Busdepot vorbei kommt. Der Fahrer meinte, er freue sich jedes Mal darauf den Bus da endlich reinfahren zu können...

Das war übrigens die gleiche Linie wie die mit den asozialen Blagen von der Sonderschule (keine Beleidigung, sondern ernst). Gute Nerven braucht man also in mehrfacher Hinsicht. Trotzdem ist die deutliche Mehrzahl der Busfahrer in dem Teil von Gelsenkirchen in dem ich wohne wirklich nett, hält an wenn man winkt und lässt einen auch nochmal raus wenn man die Haltestelle verpennt hat. Auch anderswo erlebe ich das öfter als unfreundliche Busfahrer. Natürlich sind nicht alle so - bei manchen frage ich mich auch, ob sie schon zu lange keine Verkehrsregeln mehr gelesen haben, weil sie ständig die Schilder "Vorfahrt an der nächsten Kreuzung" und "Vorfahrt von rechts" verwechseln...

Am Interessantesten ist immer zu beobachten was passiert, wenn große Menschenmengen einen Bus stürmen. Beim evangelischen Kirchentag in Bremen 2009 z.B. war nach einem abendlichen Folkrockkonzert einfach mal Party im Bus, die Fahrgäste haben ausgelassen Lieder gesungen und Spaß gehabt und am Ende gab's "Ein Hoch auf unser'n Busfahrer Klaus" und der hat's ganz locker genommen. So sollte es immer laufen. Gegenteilig dann wieder direkt hinterher die metronom bahn, die kein Verständnis für fröhliche Menschen hatte. Iih, gute Laune, wie eklig.

Bei allem Verständnis für den Druck unter dem Busfahrer oft stehen finde ich so ein Verhalten wie in Chris' Blogpost absolut unangemessen und überzogen. Aber bei aller Wut über solche schwarzen Schafe sollte man auch vergessen, dass es wirklich viele nette Busfahrer gibt. Und Straßenbahnfahrer - wobei da etliche Situationen anders sind. Aufgrund der weiten Automatisierung von Straßenbahnen und der Abschottung des Fahrers in einigen Modellen und in U-Bahnen gibt's da leider nicht so viel zu erzählen... von daher... ein Hoch auf Klaus, den gemütlichen Dicken, den jeder duzt und der sein Fahrzeug perfekt beherrscht hahahah

Ich zieh aus! Das war der Text einer Twitternachricht von mir vor ein paar Tagen. Die Reaktionen darauf waren verschieden und weil es vor allem das Ergebnis eines Rückblicks auf mein erstes Semester Elektrotechnik ist, möchte ich diesen Rückblick (in Teilen) und vor allem das Ergebnis mal hier darstellen. Rückblick übrigens in dem Sinne, dass gerade "vorlesungsfreie Zeit" ist - also keine Vorlesungen, dafür Klausuren.

Sollte mit eben den Klausuren alles gescheit laufen, werde ich das zweite Semester in Anlauf nehmen, soviel steht fest. Elektrotechnik/Informationstechnik war definitiv die richtige Wahl und ich möchte dieses Studium bis zum Bachelor, wenn nicht sogar zum Master zu Ende führen. Allerdings nicht mit meinem jetzigen Anteil an besuchten Vorlesungen, hüstel - und nicht mit Wohnsitz in Gelsenkirchen.

(So, die "EY, nix gegen Gelsenkirchen!"-Schreier jetzt die Megaphone wieder einpacken...)

Ich mag Gelsenkirchen. Ich weiß zwar nicht so recht warum, aber ich wohne jetzt fast 20 Jahre in Gelsenkirchen-Erle und mir gefällt's hier. Aber es dauert eine Stunde, bis ich an der Uni bin, und in der logischen Folge auch eine Stunde, um von der Uni nach hause zu kommen. Das jeden Morgen nervt einfach nur und sowas wie spontan mal hinfahren um iwas zu erledigen geht gar nicht. Deshalb, und um damit auch meine Motivation regelmäßig hinzugehen zu steigern, werde ich näher zur Uni ziehen.

Neben Entrümpeln, Rechnen was BaFög usw. angeht und allem was mit Umzug und Finanzierbarkeit zu tun hat beschäftigt mich momentan vor allem: Wohin genau? Ich möchte unter keinen Umständen meinen jetzigen Sportverein aufgeben. Ich brauche also eine Wohnung, von der ich sowohl deutlich schneller als jetzt zur Uni komme als auch angemessen schnell zurück nach Erle - denn wenn ich nach dem Umzug 3x die Woche ne Stunde zurück nach GE fahre, muss ich gar nicht erst ausziehen.

Von der Lage her kommt damit in erster Linie Wattenscheid in Frage, an der 302 - da würde ich etwa mittig wohnen. Näher zur Uni wäre auch nicht schlecht, also an der U35 angesiedelt. Nicht schlecht wäre auch Herne-Mitte, da wär's schneller zur Uni als Wattenscheid, aber länger nach Gelsenkirchen und es wäre nicht Bochum - was ich schon ganz gerne hätte. Von daher kommt Herne zwar in Frage, aber nur, wenn die Wohnung nicht so teuer und ansonsten perfekt passend ist - da ich auch zuhause wohnen bleiben könnte, kann ich es mir ja leisten anspruchsvoll zu sein.

Jetzt brauche ich Tipps, wo man gut wohnen kann - d.h. nah an 302 oder U35 und in nicht zu heruntergekommenen asozialen Gegenden. Herne an der Kreuzkirche soll ganz nett sein. Zu Bochum-Ehrenfeld wurde mir bisher am häufigsten geraten - aber liefer mir mal jemand einen gescheiten Plan von Bochum. Laut Google Earth ist das südlich vom Bahnhof, westlich der U35 Abschnitt Oskar-Hoffmann-Straße/Waldring. Das wäre mir aber zu weit weg von Gelsenkirchen. Gerade noch okay wäre es dann, wenn ich zum Bahnhof laufen könnte. Vorschläge wären gut - aber am Besten mit Haltestelle bzw. anderer konkreter Bezeichnung, nicht mit Stadtteil, denn Stadtteile haben meist schöne und weniger schöne Ecken...

...und es wird nicht besser. Nachdem vor einiger Zeit einige Wochen lang merkwürdigerweise nahezu nur noch alte Straßenbahnen gefahren sind, habe ich mal einen Mitarbeiter der Bogestra angequatscht was da los ist. An den Variobahnen musste mal wieder was nachgebessert werden. Naja, nicht so interessant wie meine Stromnetz-Theorie, die besagt, dass die Oberleitungen die neuen Straßenbahnen nicht mehr versorgen können und daher zusammenbrechen, aber genauso gut zum Bloggen. Den Dialog fand ich auch toll:

Ich: "...nicht dass Sie mich falsch verstehen, ich vermiss die [Variobahn] nicht"

Er: "...ich auch nicht..."

Ich: "Ich hab so viel Kritik gehört..."

Er: "hmhm... ich glaub kaum jemand vermisst die. Naja, hauptsache, es fährt was"

... Ein schöner Anlass, mal wieder zu schauen welche Vorteile die neuen Bahnen für Gelsenkirchen bringen. Übrigens: Mit dem verstärkten Einsatz alter Bahnen sind auch verstärkt Kontrolleure bzw. Service-Mitarbeiter unterwegs, um Leuten mit Kinderwagen oder so zu helfen. Ich sag ja immer, das geht auch bei den alten Bahnen noch ganz gut. Warum dann neue anschaffen, wenn's doch mit netten Menschen auch mit den alten geht? Unsere Gesellschaft kann's gut brauchen, wenn man einander mal wieder mehr hilft.

Ich gehe einfach mal Vorteile durch, die die neuen Bahnen haben sollen, und kommentiere die...

  • Erhöhte Sicherheit und mehr Fahrkomfort
    Ältere Menschen fallen von den Klappsitzen. Die Bahn liegt inzwischen nicht mehr so toll in der Spur. Beim Fahren gibt es Geräusche, von denen man denkt, dass sie das Auseinanderfallen der Bahn ankündigen. Die Lüftung ist so laut und dröhnend, dass man nach wenigen Minuten Kopfschmerzen bekommt.
  • Verbesserte Automatiktüren
    Die Türen gehen sofort wieder zu und piepen dauerhaft, wenn viele Menschen einsteigen. Wenn die Bahn Aufenthalt hat, hört man das Piepen durchaus 4, 5 Mal pro Tür. Statt dem nervigen Ton hätte man etwas angenehmeres einbauen sollen, was nicht in der ganzen Bahn zu hören ist. Die Türen gehen zwar nicht mehr von jedem vorbei fliegenden Vogel auf, dafür aber auch nicht mehr wenn Leute angerannt kommen die gerne noch mitfahren würden. Außerdem gehen oft sowieso einfach alle Türen auf - egal wo jemand aussteigt. Wenn eine Tür defekt ist, piept sie wie blöde und man kann sie im Gegensatz zu den alten nicht einfach zuziehen (dafür kann man sie natürlich auch nicht mehr gewaltsam aufreißen).
  • Platz für mehr Personen
    Stimmt, aber nur für Personen, die keinen Halt benötigen. Die Festhaltegelegenheiten für stehende Fahrgäste sind deutlich schlechter als bei den alten Bahnen, die Sitzplätze sind so eng, dass selbst schlanke Personen nicht nebeneinander sitzen können, ohne mit einer Pobacke im Gang zu hängen, der dadurch noch enger wird. Die Sitze an den Gelenken sind quasi nicht nutzbar für Personen über 1,60m, da sie zu eng am Gelenk sind. Außerdem fehlen dort teilweise die Druckknöpfe für Haltewünsche, die ansonsten jetzt auch an den Sitzplätzen vorhanden sind. Letztlich werden vermutlich sogar weniger Personen transportiert, da die Sitzplätze nur etwa zur Hälfte genutzt werden und die Stehplätze auch nicht alle, da man sich nicht festhalten kann. Große Taschen können nirgendwo mehr untergebracht werden und belegen zusätzliche Plätze, die dann nicht von Fahrgästen genutzt werden können.
  • Mehr Behinderten- und Seniorenfreundlichkeit
    An den Türen sind keine Haltegriffe mehr vorhanden. Die Bahnsteige sind teilweise nicht für Niederflur ausgelegt, so dass der Nutzen entfällt. Der Stellraum für Kinderwagen wird aufgrund mangelnder Intelligenz entweder der kinderwagenfahrenden Eltern oder der anderen Fahrgäste selten genutzt. Rollstuhlfahrer profitieren - alle anderen konnten auch bei den alten Bahnen schon mitfahren, wenn jemand mit angefasst hat beim Reintragen des Kinderwagens / der Gehhilfe. Und die Rollstuhlfahrer profitieren auch nur zwischen Innenstadt und Erle, danach gibt es keine Niederflurbahnsteige mehr und alles ist wie früher.
  • Klimaanlage
    Okay, zugegeben, das ist schon angenehm. Ist aber bisher irgendwie immer auf Antarktis gestellt gewesen, das bringt's dann auch nicht. Und dröhnt genauso wie die normale Lüftung.

Fazit: Die alten Straßenbahnen waren zwar unmodern, hatten keine Klimaanlage und Stufen an den Türen - aber insgesamt waren sie ausgereifter. An den Stufen gab es an drei Stellen (links, rechts, Mitte) Gelegenheiten zum Festhalten für Menschen mit Krückstock o.ä., unter den Sitzen war genug Platz für große Sport- und Reisetaschen. Man konnte sich überall gescheit festhalten. Die Sitze waren alt, aber bequem und breit genug. Wenn bei der alten Bahn überhaupt mal was kaputt war, war es ne Tür, und die konnten selbst Fahrgäste einfach zuziehen (oder der Fahrer hat die Tür abgeschlossen). Bei der neuen artet ein Defekt gleich in ein größeres elektronisches Problem aus - wie bei modernen Autos. Im Endeffekt stimmt zwar, was der Servicemensch vom Anfang des Artikels sagte: "Hauptsache es fährt was" - aber wenn für sowas dann 5x im Jahr die Preise von Abotickets um 2€ erhöht werden, fragt man sich doch, was das soll.

Warum schreib ich eig immer zweöf? Hm. Egal.

Bei einem der ersten Posts in diesem Jahr hatte ich erwähnt, dass ich an einem Projekt teilnehmen wollte, welches zum Ziel hat, in jedem Monat dieses Jahres ein Foto von einem bestimmten Ort aufzunehmen, um die Entwicklung über das Jahr hinweg zu sehen. Ich fand die Idee spannend und war etwas enttäuscht dass die Anmeldefrist schon abgelaufen war, habe dann aber auch versäumt zu versuchen noch reinzukommen und so bin ich nun nur halbwegs inoffiziell dabei. Jedenfalls wird es auch von mir jeden Monat ein Foto geben.

Als Motiv habe ich die Kreuzung vor dem Rathaus Buer gewählt, die der wichtigste zentrale Punkt des öffentlichen Personennahverkehrs in Gelsenkirchen ist (nach dem Hauptbahnhof). Links nicht mehr im Bild ist der Busbahnhof, ich selbst stehe vor der Haltestelle der Straßenbahn mit der ich nach Buer fahre, im Bild ist die Straßenbahn die über den Hauptbahnhof nach Bochum fährt und das Hauptmotiv ist das Rathaus (ich hoffe schwer dass es das Rathaus ist, drin war ich noch nie, jedenfalls ist da auch das Bürgercenter Buer drin). Ich hoffe und denke, dass diese zentrale Stelle im Laufe des Jahres durchaus anders aussehen wird...

Das Foto habe ich relativ zügig mit meiner EOS 450D und Stativ geschossen, die Aktion hat keine 10 Minuten gedauert, das Licht war gut (u.a. deshalb kommt das Foto auch erst jetzt). Ein Polfilter kam zur Anwendung, dadurch sieht der Himmel schöner aus (war aber für Januar sowieso schon ungewöhnlich freundlich). Eventuell mache ich die Tage noch ein paar andere Aufnahmen von anderen Positionen aus und bei Nacht, aber für die tatsächliche Jahresreihe ist das hier das Motiv was jeden Monat veröffentlicht wird.

zwölf2010 - Buer Rathaus im Januar

Uni. 5 nach 12, Feierabend, so. Keine Skripte mehr. Tür zu. Pech, gibts halt nur an 45min die Woche. Schlange. Genervte Menschen. Später. Bahnhof. Falsche Bahnanzeige. Verwirrung. Zug fährt doch ans Ziel. Zuhause.

Man, dabei ist nicht mal Vollmond heute. Die Überschrift ist ein Zitat vom Bahnfahrer vorhin, als Kommentar zu einem Autofahrer, der versucht hat auf der Cranger Straße bei fließendem Verkehr zu wenden. Wie blöd kann man eigentlich sein? Für die Ortsunkundigen: Die Cranger Straße ist einspurig, auf beiden Seiten parken Autos, es herrscht dauerhaft starker Verkehr, Straßenbahnen fahren. Ist doch klar, dass der Versuch durch Anhalten und rückwärts Fahren (wie schreibt man das bitte?) mitten auf der Straße zu wenden scheitert. Aber er ist ja nicht alleine.

Autofahrer die aus Einfahrten, Seitenstraßen, Parklücken plötzlich und schnell auf die Straße rasen, um vor der Straßenbahn da zu sein, sind an der Tagesordnung, ich schätze, jeder Bahnfahrer erlebt so 20 solcher Idioten pro Schicht, eher mehr. Manche biegen sogar aus einer Seitenstraße links ab, wenn die Straßenbahn nach rechts fährt - also auf der anderen Spur, nur um das nochmal klar zu stellen! - und bringen damit alle in Gefahr die gerade da sind: Fußgänger, die die Seitenstraße überqueren wollten und missachtet werden (Fußgänger sind eh total überbewertet), Autos, die auf ihrer Wunsch-Spur fahren, weil die abrupt bremsen müssen (Auffahrunfälle!), sich selbst und auch die Fahrgäste in der Straßenbahn, die durch eine plötzliche Bremsung vielleicht umfallen.

Die wichtigste Regel in Bezug auf öffentliche Verkehrsmittel, die ich in der Fahrschule gelernt habe, war: Nehmt Rücksicht, wir brauchen die, lasst ihnen den Vortritt, die können besser fahren als ihr! Und für die Doofen noch die Ergänzung: Die machen euch eh platt wenn sie euch rammen! Ist ja auch so. Straßenbahnen rollen mit Metallrädern auf Metall, das kann eigentlich gar nicht gut gehen beim Bremsen. Busse wiegen auch enorm viel. Trotzdem werfen sich immer wieder todesmutige Autofahrer davor.

Und wenn keine Straßenbahn in Sicht ist, fährt man als Mutter mit Kleinkind halt zum Wenden in eine Seitenstraße und rückwärts wieder raus auf die Cranger... die kann mir nich erzählen, dass die irgendwas gesehen hat, man sieht da nämlich schon vorwärts nichts.

Man, gegen die ganzen Spinner sind die LKW-Fahrer, die nicht ordentlich parken, so dass die Straßenbahn nicht vorbei kommt (die sind breiter als man denkt!), ja richtig harmlos...

Also was einem beim Bus fahren so passieren kann… ich sitz da ja normalerweise total geistesabwesend rum, hör Musik und guck aus dem Fenster ohne irgendetwas wahrzunehmen. Aber gut, heute mal nicht, Kopfhörer vergessen und dann saß ich auch noch fast ganz vorne im Bus. An einer Haltestelle ist dann eine alte Frau eingestiegen und sie gehört definitiv zu der Sorte Mensch, mit der man einfach vom ersten Blick an Mitleid hat. Sie war wirklich sehr alt, ist sehr langsam gegangen und sah ziemlich verwirrt aus. Woran ich das fest mache weiß ich auch nicht so genau, aber sie sah verwirrt aus. Jedenfalls wollte sie Bus fahren, was sie mit leiser Stimme mit den Worten „Im Heim ist es immer so langweilig“ verkündet hat… die Busfahrerin hat sie mit kühler und gleichgültiger Stimme aufgefordert zu bezahlen, da hat die alte Frau ihr tatsächlich Bonbons da hingelegt. Ich weiß nicht wieso, aber ich hatte so Mitleid, ich hätte heulen wollen. Tja, ganz im Gegensatz zur Busfahrerin, sie hat der Alten noch versucht klar zu machen dass das so nicht geht und sie dann letztendlich rausgeworfen.

Jetzt sag mir mal wer, was macht man in einer solchen Situation? Hätte ich für die Dame bezahlt, wer weiß wo sie am Ende hingefahren wäre, wie sie da zurecht gekommen wäre und… wie wäre sie zurück gekommen?
Oder an Stelle der Busfahrerin… klar kam mir ihr Verhalten in dem Moment absolut daneben vor, aber letztendlich hat sie vielleicht die gleichen Gegengedanken gehabt…davon abgesehen dass sie sich strafbar gemacht hätte, wenn sie die Frau einfach so mitgenommen hätte…

Da bleibt eigentlich nur die Frage: Hat nicht irgendjemand die Verantwortung für diese Frau (scheinbar ja jemand im Heim)? Was wäre denn gewesen wenn sie hätte mitfahren können?

Die Uni-Zeit hat angefangen und unweigerlich sitze ich wieder öfter in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es ist immer wieder spannend zu beobachten was es für Menschen gibt... hinter jedem merkwürdigen Verhalten steckt eine eigene Geschichte.

Da ist zum Beispiel die etwas eigenwillige Beziehung mit dem Mann, der sich nach dem Fußballspiel besaufen geht und seiner Frau erzählt, er sei "beim Topkapi n Döner essen". Zum vierten Mal in Folge, sie glaubt ihm längst nicht mehr, aber er und sein Kumpel wissen genau, was sie sich noch leisten können und wieviel Ärger es geben wird. Sie wird ihn sicherlich trotzdem nicht verlassen, auch wenn natürlich geschimpft wird ("so viel Döner kannst du gar nich essen!").

Fahrgäste sind eh das spannendste. Der Busfahrer, die anderen Mitfahrer und ich kriegen immer wieder die Krise, wenn in Hassel die Kiddies von der Sonderschule im Bus sind. Irrsinnig laut, singen Lieder, die mit "fick deine Mudda" anfangen und mit "fick deine Mudda" aufhören und auch ansonsten aus nich viel anderem bestehen, rennen rum und fangen Schlägereien zwischen anderen Fahrgästen an. Ich bewundere den Busfahrer, den ich letztens hatte, dessen Gesicht mit jeder Haltestelle sichtbar angespannter wurde, der aber trotzdem einfach nur noch zum Busbahnhof wollte, weil die Kiddies da ausgestiegen sind.

Andere Busfahrer sind leider nicht so entspannt und ruhig. Wenn man an dem Bussteig, wo die Fahrgäste einsteigen, hält, darf man sich nicht wundern wenn dann auch durch die hinteren Türen Leute einsteigen wollen - die sind ja dann nunmal vom Aussteigen noch offen. Son paar Teenies wurden dann auch direkt weg gescheucht und vorne noch doof angemacht ("ihr könnt ja auch mal richtig einsteigen, ihr seid doch sonst so schlau"), die alte Frau hat direkt auch was abgekriegt ("oder laufen lernen!"). Aber hauptsache selber die ganze Zeit in der Tür im Weg stehen und statt Tickets kontrollieren eine rauchen.

Ja, und dann ist da noch die Frau mit dem Gipsbein, die sich für alles sofort aufregt und dabei total laut ist. Damit meine ich ausnahmsweise mal nicht aufregen im Sinne von schimpfen oder beschimpfen, sondern im Sinne von ach herrje is das fürchterlich. Beispiel: Ihre Tasche hat ihre Krücke gegen die Scheibe geschlagen, es gab einen Knall. Sie hat sich erstmal total erschreckt und das auch lautstark der ganzen Bahn mitgeteilt... merkwürdig. Dass die Fahrgäste dadrauf total gereizt reagierten, zeigt entweder, dass die alle keine Nerven haben oder dass die schon längere Zeit in der Bahn war (ich war hinten und hab zuerst nicht bemerkt, dass sie wieder drin ist). Mal schauen, wann ich sie das nächste Mal treffe und ob sie dann ihre Krücken los ist, bzw. den Rollator, mit dem sie letztes Mal unterwegs war... mich würd mal interessieren wieso die so ist. Irgendwie kindlich auch... dieses Aufschrecken und heftige Reagieren und so laut sein... hmm...